Diggle beklagte sich oft über seine Entscheidung, Oliver Queen bei seinem Ziel, Starling City in eine bessere Stadt zu verwandeln, zu helfen. Aber es war nicht nur der Wunsch gewesen, die Stadt zu retten, der ihn in diese umgebaute Lagerhalle geführt hatte. Es war ebenfalls die Hoffnung, einen jungen Mann zu retten, der am Rand eines riesigen Abgrunds stand und sich mehr denn je wünschte, hinabzustürzen.

Oliver und Arrow waren eins und beide bedeuteten ihm viel und es gab nichts, das er nicht tun würde, um sie zu beschützen. Allerdings, hinter der Maske, war Arrow mehr als fähig, auf sich selbst aufzupassen. Oliver Queen war eine andere Geschichte, er war eine zerbrochene Seele, verloren in Schuldgefühlen und Kummer, der ihn verschlang wie eine große Flut. Und doch, trotz allem, hatte Oliver Queen sechs Jahre auf einer einsamen Insel überlebt, schaffte es, sein Schicksal zu ertragen, das er nicht hatte verhindern können.

Oliver sprang aus der Limousine. „Holen Sie Dr. Peterson. Sagen Sie ihm, sie wäre Ihre Nichte, die zu Besuch bei uns ist und in den Glades überfallen wurde. Er weiß sicher Bescheid."

„Ich dachte, dafür wären Krankenhäuser da."

Oliver ignorierte ihn und hob die Frau aus dem Wagen. Er trug sie durch die Eingangshalle, die Treppe hinauf und ging auf sein Schlafzimmer zu.

Die ganze Zeit beobachtete ihn Diggle, überrascht von dem Entschluß und protestierte.

„Oliver," er räusperte sich. „Wenn sie meine Nichte ist, dann wäre Ihr ehemaliges Schlafzimmer sicher nicht der richtige Ort für Dr. Peterson, um sie dort vorzufinden. Ich denke, eines der Gästezimmer wäre angebracht."

Oliver hielt inne, überlegte für einen Moment. „Sie haben recht." Er machte auf dem Absatz kehrt und trug sie den langen Korridor hinunter. Am Ende befand sich eines der Gästezimmer, dessen Tür er mit dem Fuß aufstieß, bevor er darin verschwand. Er schlug eine elegante Tagesdecke zurück und legte die geheimnisvolle Frau ins Bett.

Diggle überquerte den Flur, griff zum Hörer und informierte Dr. Peterson über die Situation.

Kurz nach drei Uhr morgens betrat ein müde aussehender Dr. Peterson das Schlafzimmer und untersuchte die Patientin. „Es war knapp," sagte er, als er wieder herauskam. „Ich habe die Wunde versorgt und ihr ein Schmerzmittel gegeben. Das wird sie etwas mitnehmen, aber es geht ihr gut."

Diggle nickte zufrieden.

„Ihre Nichte sollte sich noch einmal in der Notaufnahme vorstellen, wenn sie wieder kräftig genug ist."

Oliver bedankte sich bei ihm und brachte ihn zur Tür.

Am zweiten Tag schlief sie immer noch; während er in einem Stuhl neben ihr saß, zählte er die Minuten an der Wanduhr herunter. Beobachtete sie, wie sie sich unter den Laken drehte und für einen Moment dachte er, sie würde aufwachen. Nur um festzustellen, dass sie wieder eingeschlafen war. Er wollte ihr nicht nahe kommen oder eine Bindung aufbauen. Er hatte diese Frau aus Reue gerettet und sie aus Mitleid in sein Haus gebracht. Jetzt erkannte er, dass es eine dumme Entscheidung gewesen war, eine, die schwer wiegende Folgen haben würde. Was dachte er sich dabei, sie hierher zu bringen? Arrow hatte sie gerettet, nicht Oliver Queen. Wie zur Hölle sollte er das drehen? Ihr Verhalten auf der Straße hatte gezeigt, dass sie einen scharfen Verstand und starke Beine besaß. Seine Seite schmerzte immer noch von ihren Tritten, als sie versucht hatte, sich zu befreien.

Hatte sie nicht gewusst, dass er ihr helfen wollte?

Trotz allem, was Arrow tat, war er noch immer ein Symbol, das die Leute schwer akzeptierten.

Freund oder Feind?

Das war der heutige Titel der Morgenausgabe.

Held oder Schurke?

Wer konnte das schon sagen? Jeder durfte sich seine eigene Meinung bilden. Sein Schöpfer eingeschlossen. Und er begann an dieser Kreatur zu zweifeln, die er auf die Welt los gelassen hatte. Arrows Zweck hatte nur eine kleine Veränderung bewirkt, aber nicht seine Erwartungen erfüllt. Es gab noch soviel zu tun. Er bezweifelte, dass er es alleine konnte.

Detektive Lance war nur ein Mann und obwohl er seine Bemühungen vor seinen Vorgesetzten rechtfertigte, konnte er dessen Meinung über ihn nicht beeinflussen. In seinen Augen war er eine Bedrohung, ein Vigilant und eine Spezialeinheit verfolgte ihn durch die Nacht.