Bowsers Festung:
Wendy O. Koopa:
Das Herz in ihrer Brust pochte, es fühlte sich an als würde es aus ihrem Brustkorb herausbrechen wollen. Noch nie war sie so aufgeregt wie an diesem Tag ...
Okay, das war gelogen. Schon oft war sie so nervös wie heute, aber ... sie dachte sie müsse sich übergeben. Ihr war schlecht. Und das aus einem guten Grund. Eigentlich war es kaum verständlich, es war Samstag, sie musste nicht in die Schule, konnte entspannen und das Wetter im Königreich der Koopas konnte nicht schöner sein. Doch wusste sie bereits was am heutigen Tage anstand. Heute fanden sich sämtliche Hoheiten in Bowsers Festung zusammen und würden zukünftige Pläne, Strategien,Taktiken und Länder- und Gebietteilung diskutieren.Trotz auftretender Grüchte und verschiedener Meinungen war Bowser ein verantwortungsvoller König, der nur das Beste für sein Königreich wollte.
Sie blickte noch einmal auf die Uhr, welche an ihrer Zimmerwand hing und stellte fest dass es bereits 9:00 Uhr morgens war. Das Familienfrühstück würde bald beginnen. König Bowser war der Meinung dass sich alle Familienmitglieder mindestens dreimal am Tag zu den Essenszeiten treffen. Er war ein König, hatte schon immer viel zu tun und somit sahen sie sich eher selten. Er lag Wert darauf, dass die Familie wenigstens zu diesen Zeiten zusammenkommt. Mit mulmigem Gefühl im Magen schlüpfte sie in ein Paar einfache, schwarze Ballerinas und machte sich auf den Weg in den Speisesaal. Ihre pinke Phase war vorüber, das war früher, als sie klein war. Jetzt war sie älter, ist gewachsen und trägt Kleidung, die ihrem Alter angemessen ist. Heute entschied sie sich für ein einfaches, hellblaues Trägertop, schwarze Leggins und eine dünne, graue Strickjacke, plus die Schuhe. Ihre roten, schulterlangen Haare band sie mit einem einfachen, pinken Haargummi zusammen und sie trug einen zartrosa Lippenstift. Sie war nun 19 Jahre alt, zu alt für pinke Kleidchen und übergroße Perlenketten.
Als sie im Speisesaal ankam saßen sowohl der König als auch Kamek und all ihre Brüder (selbst Roy) an ihren Plätzen. Ein zartes Rot überzog ihre Wangen, sie schämte sich sofort dafür, dass sie die Letzte war.
Sie hauchte ein kleines "Entschuldigung" und begab sich schnell zu ihrem Platz. Kamek gab ihr einen besorgten Blick als er kurz über seine Brille schielte, aber sie schüttelte nur den Kopf. Ihre Brüder beäugten sie komisch, jeder mit einem anderen konfusen Blick. Doch an Ludwigs Seufzen erkannte sie, dass er zu wissen schien, was ihr solch ein Unbehagen verschuf ...
Auch Bowser wusste warum sie diesen Tag hasste, dennoch eröffnete er schnell das Essen bevor die unangenehme Stille Überhand gewann. Wendy hatte keinen großen Hunger. Ganz im Gegenteil, sie stocherte in ihrem Essen herum, nur der Gedanke etwas davon zu schlucken ließ es ihr schlecht ergehen. Es lag nicht am Essen ... nein, daran nicht. Ihre Brüder genossen das Frühstück, bis auf Roy und Morton, die verschlungen es nur so. Noch bevor das Frühstück beendet war erhob sie sich und verließ den Raum, sie fühlte sich einfach nicht wohl. Und sie konnte die besorgten, stechenden Blicke ihrer Brüder spüren.
Wenn sie auch nur an den heutigen Abend dachte, wollte sie sich in ihrem Zimmer verkriechen und bis zum Morgengrauen einschließen.
Sie blieb in einem der Gänge stehen und lehnte sich mit dem Rücken gegen die kühlen Wände der Festung, rutschte dabei langsam auf den Boden, zog die Knie an und legte Arme und Kopf darauf ab. Wendy schloss die Augen und versuchte an schöne Dinge zu denken, aber ... das heutige Event ließ sich einfach nicht verdrängen. Kurz zuckte sie vor Schreck zusammen, plötzlich lag eine Hand auf ihrer Schulter ... war ihr tatsächlich jemand gefolgt?!
Neben ihr saß ihr ältester Bruder, Ludwig. Er lächelte leicht und blickte ihr tief in die Augen, als wolle er sagen, dass alles gut sein würde. Ihre Augen füllten sich mit ungeweinten Tränen, ihre zarten Lippen begannen zu zittern ... und sie warf sich in seine Arme.
Sie weinte in seine Halsbeuge, er streichelte ihren Rücken, so wie er es immer tat, wenn sie weinte. Seine sanften Melodien, die er für sie summte, fanden einen Weg in ihr Ohr und ihre Atmung beruhigte sich etwas.
"Es wird alles gut. Vergiss nicht, wir sind da, um dich zu beschützen. Du musst keine Angst vor ihm haben" ,flüsterte Ludwig in ihr Ohr, fuhr ihre Wirbelsäule langsam auf und ab, zeichnete Kreise auf ihrem Rücken, nur ,um sie zu beruhigen. Um ihr ein sicheres Gefühl zu vermitteln.
"A-aber ... er versucht es immer wieder. Seine Blicke, die zweideutigen Anspielungen ... i-ich kann das nicht leiden" ,schluchzte sie. Von ihr ungesehen, verdunkelte Ludwigs Blick. Er wusste von wem sie sprach ... fast alle der Familie wussten es.
Wart. König Wart.
Einer der Gäste, die heute Abend in der Festung ankommen würden. Zuerst sah es niemand ... aber nach ein wenig Zeit bemerkte seine Schwester, dass ihr der protzige Frosch immer näher kam, mehr Körperkontakt wollte, mehr Zeit mit ihr alleine, von anderen abgeschieden, verbringen wollte. Ludwig war es aufgefallen, noch bevor sie eines Nachts zu ihm kam und ihm weinend von Warts Annäherungen erzählte. Sie sprach davon wie eklig es sich anfühlte, wenn er ihr über die Hüften strich, wenn er ihr in den Nacken hauchte, oder ihr generell zu nah kam.
Er war fürchterlich wütend, sprach mit König Bowser darüber und seitdem hatte jeder ein Auge auf Wart. Dennoch fühlte sie die Blicke des Frosches in ihrem Rücken, was ihr ein ungutes Gefühl verschaffte ... sie hatte jedes Mal so viel Angst, dass sie in Ludwigs Zimmer schlief.
"Ich ... hab' ... solche ... Angst" ,hauchte sie. Jedes Wort fand nach kurzen Pausen einen Weg zu seinem Gehör. Er liebte seine Schwester und würde alles dafür geben sie zu beschützen. Sie war das einzige Mädchen der Familie und somit manchmal etwas kompliziert ... aber sie war gleichzeitig so ein liebliches Wesen, das sich so viele Gedanken um ihre Brüder machte. Umso mehr kümmerte er sich um sie ... er wollte sie beschützen ... alle. Vor allem sie, sie war seine einzige Schwester und er würde alles ... alles für sie geben. Desto mehr er darüber nachdachte, desto enger schloss er sie in die Arme.
"Das musst du nicht. Ich bleibe den gesamten Abend an deiner Seite. Komm mit mir. Wir gehen in meine Räume, ich lese dir etwas vor. Das beruhigt dich immer" ,sie nickte lächelnd. Er half ihr aufzustehen und führte sie in sein Zimmer, wo sie sich auf seinem Bett niederließ, um seiner sanften Stimme zu lauschen.
Während sie sich beruhigte wurden ihre Augen immer schwerer, bis alles schwarz wurde ...
