Harrys Leben war bis jetzt nicht gerade schön. Er wuchs misshandelt bei den Dursleys auf, fand heraus, dass er berühmt war und zog Feinde und gefährliche Abenteuer wie an wie eine Motte vom Licht. Er wusste nicht, warum er all die Jahre überlebt hatte, vermutlich war es wirklich die Hilfe seiner Freunde gewesen, die ihn vor einem frühen Tod gerettet hatten. Umso schwerer wog dann ihr Verrat und sein Kommen nach Askaban. Wo er nun war.

Als Harry aufwachte, war es dunkel. Er blinzelte ein paar Mal und nach einiger Zeit konnte er auch etwas erkennen. Wo zur Hölle war er? Dann fiel es ihm siedend heiß wieder ein: Askaban! Das erklärte, warum er auf diesem harten Metallbett saß, warum es so dunkel war und auch wieso er sich so seltsam fühlte. Askaban war nicht schön und die Vorstellung den Rest seines Lebens dort verbringen zu müssen war unfassbar schrecklich.

Plötzlich regte sich vor Harry etwas und er konnte Schemen erkennen die sich bewegten. Da war ein weiteres Bett in dem jemand lag… Ginny!

"Ginny!", murmelte er.

"Harry", sagte sie erleichtert, als sie aufwachte und ihn sah. "Ich dachte, dass du… schreckliche Albträume… w-wo sind wir?"

"In Askaban", sagte er bitter.

"In Askaban?", wiederholte sie ungläubig, bis sich ihre Augen vor Erkenntnis weiteten. "Stimmt! Deine Anhörung… ich… das Urteil… der Verrat"

"Du hättest es nicht tun sollen!", unterbrach Harry sie traurig. "Ginny… ich bin dir dankbar… aber du hättest dort bleiben sollen… Dann wärst du nicht hier…"

"Hätte ich dich alleine lassen sollen? Hätte ich einfach sitzenbleiben und zusehen sollen wie mein bester Freund unschuldig verurteilt wird? Nein, Harry und das weißt du auch!"

Harry seufzte. "Vielleicht… aber ich hätte nicht zulassen sollen dass dir etwas passiert!"

"Passiert? Ich habe mich dafür entschieden dich nicht hängenzulassen, Harry!", sagte sie und lächelte ihn sanft an "und ich stehe dahinter!".

"Naja, wenigstens musst du nicht für den Rest deines Lebens hierbleiben", sagte er mit einem winzigen bitteren Lächeln.

"Schon… wie lange nochmal? 250 Tage oder so waren es, nicht? Wenn ich hier raus bin, werde ich alles tun um dich rauszuholen! Und davor hast du wenigstens Gesellschaft!"

"Danke", sagte er leise.

Ginny seufzte tief ehe sie leise fortfuhr. "Du bist, abgesehen von Luna, mein einziger Freund… ich könnte dich niemals alleine lassen"

"Dein einziger?", wiederholte Harry leise. "Meinst du das ernst?"

"Ja"

"Oh… es tut mir leid", murmelte Harry.

"Du musst dich nicht für alles entschuldigen, Harry. Vor allen nichts, wofür du nichts kannst!", sagte sie rasch. "Es ist nur so… Luna ist auch eine Einzelgängerin, so wie ich. Ich habe es erst vor wenigen Monaten gemerkt… niemand wollte mit mir befreundet sein… außer Luna", erklärte Ginny traurig. "Alle meiden sie, weil sie denken, dass sie verrückt ist. Ihr Vater ist der Chefredakteur des Klitterer. Diese Zeitung ist nicht sonderlich beliebt, aber zwischen all den oft verrückten Geschichten wird immer die Wahrheit gesprochen. Nur wenige erkennen sie und lesen zwischen den Zeilen. Was ich damit sagen will ist, dass Luna nicht alleine ist. Ich nicht alleine bin und du auch nicht. Wir stehen das zusammen durch, ja?"

Harry lächelte sie dankbar an. "Danke Ginny… Ich weiß nicht, ob die anderen das auch-" Plötzlich stoppte er. "Irgendwie…. fühlst du das auch?"

"Du meinst diese Hoffnungslosigkeit?", fragte Ginny leise.

"Ja… du weißt was das bedeutet oder?"

"Dementoren", murmelte sie.

Dann begannen Schreie immer lauter zu werden. Harry zog zischend Luft ein.

"Nimm Harry und lauf!" Sein Vater.

"Nein James!" Seine Mutter.

"Du bist ein Nichtsnutz, Potter! Kein Wunder, dass deine Eltern so früh gegangen sind!" Dudley.

"Steh auf, Freak!" Petunia.

"Sankt Potter, der heilige Freund der Schlammblüter!" Malfoy.

"Viel Spaß in Askaban, Potter!" Voldemort.

"Du Todesser!" Ron.

"Verrotte in Askaban für das was du ihnen angetan hast!" Sirius.

Die Stimmen wurden immer lauter. Dröhnend und hallend schrien und spotteten sie in seinem Kopf. Harry Atem beschleunigte sich drastisch. "Nein b-bitte!", murmelte er schluchzend. "Lass es enden!"

"Harry?"

"Harry!"

"Harry… bitte… wach auf!"

Ginny.

Ihre Stimme schien so weit entfernt. Seine Sicht flackerte und er fiel.

Das nächste was Harry spürte waren warme Hände, doch schien er trotzdem in einer Art Schwebe gefangen zu sein.

"Harry…bitte", schluchzte Ginny. "Ich brauche dich doch!"

Die bleierne Müdigkeit verschwand langsam. Er blinzelte mehrmals und sah in Ginnys erleichtertes Gesicht.

"I-ich hab gedacht…" Sie stoppte, lächelte und plötzlich sah sich Harry in einer Umarmung gefangen.

"Ginny… mir geht es gut", brachte er heraus.

Sie ließ von ihn ab. "Sicher?"

Er nickte und lächelte sie beruhigend an. Ihr Gesicht war sehr bleich und ihre Augen strahlten noch immer Besorgnis aus.

"Gut…" Ihr Blick fiel auf die Eisentür, dann an der Wand daneben und danach an die wenigen Gitterstäbe, die zu sehen waren. "Sie sind weg, denke ich"

Harry seufzte erleichtert. Die Anwesenheit von Dementoren machte ihm immer schwer zu schaffen. In Askaban waren es sehr viele und er konnte sich nicht einmal wehren! Dann fiel ihm plötzlich eine Erinnerung aus seinem dritten Jahr ein, als sie im Zug nach Hogwarts saßen, der Dementor kam, Lupin ihn vertrieb und ihnen danach Schokolade gab. "Nun… Schokolade haben wir nicht, oder?", fragte er mit einem schwachen Lächeln.

Ginny schnaubte leicht, doch trotzdem schien sie amüsiert. "Natürlich nicht! Obwohl, wo wir gerade von Essen sprechen… hast du auch so einen großen Hunger?"

Harry wurde sich der Leere seines Magens bewusst und er nickte leicht. "Scheint so. Das letzte Mal habe ich… wie lange sind wir schon hier?"

"Keine Ahnung… es kann nicht sehr lange her sein… die Zeit scheint hier sehr langsam zu vergehen… vielleicht zwei Tage oder so?", schlug sie vor.

"Könnte sein… ein Wunder, dass wir es nicht vorher bemerkt haben!", brummte Harry.

"Aber wann gibt es hier etwas? Nicht dass es direkt vor unserer Ankunft war und die hier für eine Woche oder so bekommen"

"Denke nicht"

Plötzlich fing Ginny an zu lachen. Harry starrte sie an, als wäre sie verrückt geworden.

"Geht es dir gut?", fragte er argwöhnisch.

Doch statt zu antworten, brach sie in einen erneuten Anfall aus. "Es ist nur", brachte sie zwischen einigen kurzen Pausen mangels Atemnot mühsam hervor "dass wir in Askaban sind und uns so Gedanken über Essen machen! Als ob es nichts anderes Besorgniserregendes geben würde!"

Nun schmunzelte auch Harry. "Stimmt", sagte er amüsiert. "Trotzdem, es ist ein wichtiges Thema und sonst verhungern wir! Das würde ich ungern tun, weißt du?"

"Tatsächlich?", fragte Ginny grinsend. "Ich würde nichts lieber machen!"

Nun lachten beide leise.

Einige Zeit später hörten sie ein Rasseln wie von einem Schlüsselbund und eine Tür quietschte.

"Vielleicht", überlegte Harry leise "kommt nun etwas"

Kurz danach öffnete sich die Eisentür zu ihrer Zelle, ein kleines Brot und zwei Flaschen Wasser wurden hereingeschoben und danach wieder zugeschlossen.

"Oh, Essen", sagte Ginny erfreut "unsere Gebete wurden erhört!".

"Oder ich hatte tatsächlich mal recht", meinte Harry, bevor er seufzte. "Es ist nicht viel… außerdem soll das anscheinend für ein paar Tage reichen"

Ginny sah besorgt zu dem Essen. "Wir müssen sehr sparsam sein… vielleicht jetzt ein Drittel? Jeden Tag eines?"

"Es wäre sehr wenig für jeden… aber wir haben keine andere Wahl. Meinst du, es wird leichter?"

"Wie meinst du das?"

"Naja, sonst hast du ja noch ein wenig Essen, weißt du? Und vielleicht gewöhnen wir uns auch daran", sagte Harry leise.

"Möglich", brummte sie.

Harry brach das Brot in drei Stücke und eines in zwei. Die größere Hälfte gab er Ginny, auch wenn es nicht sehr viel mehr war.

"Danke", murmelte sie und beide aßen ihr karges Mahl.

Fünf Monate später hatte sich ihre Situation nicht wirklich gebessert. Trotzdem schafften es beide, mit dem wenigen Essen auszukommen und allmählich gewöhnten sie sich daran. Harry fiel es deutlich leichter, denn auch wenn er genügend Essen seit Hogwarts gewohnt war, hatte er in seiner Kindheit immer sehr wenig bekommen. Ginny hatte es da schon schwieriger.

Außerdem zählten sie so gut es ging die Tage, wie lange sie schon dort waren. Ganz sicher konnten sie nicht sein, aber sie hielten es für besser, einen groben Überblick zu haben um nicht komplett überrascht zu werden.

Die Dementoren setzten Harry immer mehr zu und langsam spürte er, wie seine Hoffnung immer mehr verschwand und durch Trauer ersetzt wurde. Trauer, dass alle ihn verraten hatten und er nun dort war. Es war Ginnys zu verdanken, dass er es aushielt und nicht verrückt wurde. Sie halfen sich gegenseitig.

Ginny beteuerte ihm immer wieder, dass wenn sie aus Askaban rauskam, sie alles daransetzen würde, um ihn zu befreien. Es munterte Harry immer ein wenig auf und er lächelte dann leicht bei dem Gedanken. Beide wussten, dass sie nie wieder der sogenannten Lichtseite trauen durften.

Es vergingen Tage, Wochen und Monate bis schließlich der Tag kam, auf den sie gewartet hatten. Anscheinend waren die 256 Tage um.

Eigentlich war es für Askabans Verhältnisse ein ziemlich normaler Tag gewesen, bis die Tür zu ihrem Trakt mal wieder geöffnet wurde.

"Essen?", fragte Ginny stirnrunzelnd. "Schon wieder? Ich meine, gestern gab's doch erst etwas! Nicht, dass ich es schlimm finden würde", fügte sie hastig hinzu.

"Es wäre schön", stimmte Harry ihr bei. "Oder", sagte er nachdenklich. "Wie viele Tage sind noch einmal rum?"

"250 oder so", antwortete Ginny. "Wieso? Oh, meinst du, dass die Zeit rum ist?"

"Vielleicht. Es könnte aber auch sein, dass es jemand anderen betrifft", sagte er.

"Wir sollten uns keine Hoffnungen machen", murmelte sie.

Kurz darauf öffnete sich tatsächlich ihre Tür und ein finster aussehender Mann trat herein. "Ms Ginevra Weasley?", fragte er.

Ginny stand auf. "Ja. Was ist?"

"Ihre Haftstrafe ist offiziell um. Ich bringe Sie nach draußen!", antwortete er.

Sie sah zu Harry und umarmte ihn. Ihre Augen schimmerten leicht vor Tränen. "Ich werde dich hier rausbringen", versprach sie flüsternd.

Harry lächelte leicht und lachte leise. "Ich weiß… genieße erstmal deine Freiheit, okay? Mir geht es gut"

"Okay… du wirst es schaffen, Harry! Nicht mehr lange und auch du bist draußen!"

Der Mann räusperte sich und Ginny drehte sich zu ihm. "Ich komme"

Als sie durch die Tür traten, drehte sie sich noch einmal um. "Bis bald, Harry!", sagte sie leise.

"Bis bald", flüsterte er, aber sie hatte es gehört. Sie lächelten sich ein letztes Mal an und dann folgte sie dem Mann, welcher wieder die Tür verschloss.

Harry sah ihr traurig nach.

Er war nun allein. Für immer. In Askaban.

So, ich update mal wieder nach Monaten. Die nächsten Kapitel der Story werde ich heute noch raus bringen (also bis Kapitel neun), danach wird es aber wieder länger dauern... Naja, viel Spaß beim Lesen und frohe Weihnachten!