Seit Ginnys Freilassung war einige Zeit vergangen. Harry wusste nicht wie viel - es konnten nur Stunden, Tage oder sogar Wochen gewesen sein! Er wusste nicht, wie er die Zeit in Askaban überstehen sollte. Er ertränkte sich selbst in der Trauer über den Verrat und ihrem Verschwinden. Dank Ginny war es ganz gut gewesen, aber nun, wo sie weg war, spürte er es deutlich.
Harry seufzte traurig und drehte sich auf die andere Site seines Metallbettes. Er war alleine. Für immer.
Bald kam hörte er jedoch wieder ein Knirschen - wieder kam jemand. Es musste das Essen sein, etwas anderes war gar nicht möglich! Dementsprechend überrascht war er, als sich die Tür zu seiner Zelle öffnete und ein Mann trat. Es war jedoch nur der, der Ginny weggebracht hatte.
"Mr Harry Potter?", fragte er scharf.
Konnte es sein? Harry konnte es kaum glauben. Hatte Ginny es vielleicht schon geschafft?
Doch seine Hoffnungen wurden mit dem nächsten Satz des Mannes zunichte gemacht: "Es wurde angeordnet, Sie auf Stufe -10 zu verlegen!", bellte er.
"W-was?", fragte Harry ungläubig. Wieso wurde er in eine andere Stufe verlegt, die allen Anschein nach nicht schlimmer war?
"Sie werden, wie ich schon sagte, in eine andere Stufe verlegt", wiederholte der Mann. "Stehen Sie auf und kommen Sie mit!"
Harry schluckte, stand aber trotzdem auf.
Der Mann fesselte ihn, packte ihn dann am Arm und schleifte ihn aus der Zelle in einen anderen Raum. Harry stolperte nur hinterher. Dann zog er einen Zauberstab und vollführte eine winzige Bewegung, die Harry kaum wahrnahm und ein Strahl schoss auf ihn zu. Er wurde ohnmächtig.
Als Harry wiedererwachte, wusste er, dass definitiv etwas nicht in Ordnung war - so ordentlich wie es ihn Askaban sein konnte. Erstmal hatte er heftige Kopfschmerzen, die er sich nicht erkläre konnte. Er blinzelte und allmählich klärte sich sein Blick. Es wurde jedoch nur ein wenig besser. Er war nicht in seiner Zelle, sondern woanders. Es war anscheinend noch immer eine, aber er konnte keinen Eingang sehen. In der Zelle war es sehr dunkel, sodass Harry nur Umrisse ausmachen konnte. Harry sah nach oben. Die Decke war relativ niedrig, aber die Wand um ihn herum bestand aus Metall, beziehungsweise Stahl. Harry klopfte leicht dagegen. Nichts passierte, außer, dass seine Hand nun auch noch wehtat. Es gab kein Bett und keine Fenster, nur den harten Boden und die Wände, an der er gerade angelehnt saß.
Harry versuchte seine Gedanken zu sammeln: Wo war er? Wie war er hierhergekommen? Dann fiel ihm plötzlich alles wieder ein: Ginnys Freilassung, seine Trauer danach, der Mann der kam und ihn in Stufe... minus zehn? brachte.
'Es kann nicht schlimmer werden! Ist klar!', dachte er bitter über den Gedanken, den er wenige Tage zuvor gedacht hatte.
Es war absolut dumm von ihm gewesen, das wurde ihm nun klar. Aber er wusste auch, dass er - jedenfalls jetzt - nichts dagegen tun konnte. Also seufzte er bloß und ließ sich nun vollends an die Wand sinken. 'Merlin, beschütze mich', dachte er bitter.
Einige Zeit später (er hatte schon bald sein Zeitgefühl komplett verloren) hörte er plötzlich ein leises Geräusch. Eine Art Knistern, welches aber kaum zu hören war. Harry beugte sich an die Wand, von der es kam, aber es wurde nicht besser. Als er sich schon verärgert abwenden wollte, flüsterte plötzlich etwas.
"Hallo?", fragte Harry vorsichtig. "Ist da wer-?"
"Natürlich!", grummelte jemand. "Sonst hättest du das ja kaum gehört, eh?"
"Ähm... ja", murmelte Harry peinlich berührt. "Wer sind Sie?"
"Das könnte ich eher dich fragen, oder?", spottete die Stimme, die männlich klang. "Du hörst dich noch ziemlich jung an!" Sie räusperte sich. "Mein Name interessiert dich nicht! Jedenfalls noch nicht! Beweis mir, dass man dir trauen kann!" Plötzlich stockte sie. "Warum bist du hier?"
"Ich", stotterte der Junge. Was sollte er sagen? Dass er von allen verraten wurde und dann hier unschuldig eingesperrt wurde? Konnte man der Stimme überhaupt trauen? Und wer war das überhaupt?
"Nun mach schon, ich habe nicht den ganzen Tag Zeit!", brummte die Stimme.
Aber in Askaban hat man doch viel Zeit, nicht?", fragte Harry verwirrt.
Die Stimme schnaubte. "Zu viel" Und dann murmelte sie etwas, was sich verdächtig nach "Du hast es verstanden" anhörte.
"Naja, egal. Also... mein Name ist Harry", begann der Junge. "Harry Potter"
"Potter?", fragte die Stimme interessiert. "Eine mächtige Familie... wie kann es sein, dass du ausgerechnet in Askaban geschweige denn auf Stufe -10 bist?"
"Mächtig? Jetzt eigentlich kaum", gab Harry zu. "Ich wurde mehrerer Verbrechen beschuldigt, die ich nicht getan habe", sagte er schließlich.
"Ah... wie konntest du dich dann der Wirkung von Veritaserum entziehen?", fragte die Stimme. "Du musst mächtig sein!"
"Veritaserum? Ist das nicht dieser Trank, der einen zwingt, die Wahrheit zu sagen?"
"Richtig", brummte die Stimme.
"Naja, bei meiner Anhörung wurde nichts verwendet. Ich konnte mich nicht einmal verteidigen!"
Die Stimme schwieg. Dann, nach einige Zeit begann sie erneut zu sprechen. "Das passt zum britischen Zaubereiministerium. Sag mal, Junge, weißt du zufällig welches Datum ist?"
"Nicht genau", gab Harry zu. "1995 oder so"
"So spät?", sagte die Stimme ungläubig. "Salazar, ich war lange hier! Gut, ich schätze mal, dass man dir vertrauen kann. Mein Name ist Artus. Ich wurde damals vom britischen Zaubereiministerium als böse angesehen, nur weil ich einige dunkle Zauber nutzte und mich gegen die Regierung stellte. Daraufhin brachte man mich hier her. Könnte aber auch meine Macht gewesen sein." Der Mann, Artus, kicherte. "Nach all dieser Zeit vergisst man so einiges!"
"Als böse?", fragte Harry vorsichtig. "Nur weil du mächtig warst?"
"Ah", sagte Artus. "Das Ministerium war schon immer so. Deswegen stellte ich mich auch gegen sie."
Harry wusste nicht was er antworten sollte, also herrschte eine Weile Schweigen zwischen ihnen.
"Ähm, Artus?" fragte er schließlich. "Wie sieht es eigentlich mit den Dementoren aus?"
"Bringen das Essen und so. Gelegentlich holen sie sich ein paar Gefühle"
"Gelegentlich?", fragte Harry entsetzt.
Artus kicherte. "Vielleicht auch öfter. Das Zeitgefühl ist hier unten nicht gut!"
"Ich hasse Dementoren!", murmelte Harry. "Ähm... Artus? Und was hat es mit Stufe -10 auf sich?"
"Du kennst dich wirklich nicht mit Askaban aus, Junge! Es gibt insgesamt zwanzig Stufen. Stufe eins bis fünf ist das Beste für dich als Gefangener. Stufe zehn ist die höchste. Nicht angenehm, aber noch in Ordnung. Schwerer rauszukommen als unten, verstehste? Und dann sind da noch die negativen Stufen. Minus zehn ist das Schlimmste, minus eins ist, wie du dich sicher denken kannst, das harmloseste, obwohl die immer noch schlimmer ist als Stufe zehn. Die negativen Stufen sollen in den Untergrund gehen", erklärte Artus. "Hier unten ist es natürlich sehr schlimm. Die meisten werden nach ein paar Tagen verrückt. Die Dementoren, die Einsamkeit, zwei der vielen Faktoren"
"Warte mal", unterbrach ihn Harry. "wenn du sagst, Einsamkeit, warum können wir dann reden?"
"Über den einzelnen Zellen sind Zauber. Stummhaltungszauber, damit du von draußen und von drinnen nichts hören kannst, Magieunterdrücker und so weiter. Zwischen den einzelnen Wänden der Zellen gibt es einen alten Magistrahl der dafür sorgt, dass die Gefangenen sich untereinander nicht verständigen können."
"Aber warum können wir dann reden?", unterbrach ihn Harry erneut "wenn die Zauber dies verhindern?"
"Jetzt lass mich doch erstmal ausreden, Junge!", knurrte Artus. "Ich habe kontinuierlich mit meiner Magie die Zauber geschwächt. Immer nur ein winziges bisschen. Einerseits, damit es nicht auffällt; andererseits, weil ich hier unten eh kaum noch Macht übrighabe. Irgendwann habe ich es dann tatsächlich geschafft, dass man ein wenig hören kann. Hier unten schärfen sich deine Sinne, deswegen war das noch einfacher zu hören. Es dauerte noch ein wenig, aber dann schaffte ich es, die Zauber so weit zu schwächen, dass wir beide uns unterhalten können", beendete er seine lange Erklärung.
"Wow", murmelte Harry, "Aber warum wurde deine Magie... schwächer?", fragte er vorsichtig.
"Dementoren", brummte Artus und seufzte leise. "Wenn es sie nicht geben würde, wäre es hier unten viel angenehmer. Aber dann würden wir uns vermutlich über die Einsamkeit beschweren", fügte er amüsiert hinzu.
"Gibt es eine Möglichkeit sich gegen sich gegen sie zu schützen?", fragte Harry.
"Gegen die Probleme?", fragte Artus verwirrt. "Ach, du meinst die Dementoren. Kaum. Am effektivsten wäre das disapparieren, der Patronus Zauber oder Okklumentik"
"Ich kenne den Patronus", sagte der Junge hastig. "Vor zwei Jahren habe ich ihn geschafft"
"Sag mal Junge, wie alt bist du eigentlich?"
"16, seit wenigen Monaten", gab Harry zu.
"16", wiederholte Artus ungläubig. "Und dann stecken die dich hier her? Ich wusste, dass du jung bist, aber so..." Es herrschte kurz Stille, in der er sich anscheinend beruhigte. "Gut, irgendwie musst du dich ja gegen sie verteidigen. Und deinen Patronus kannst du ja schlecht hier nutzen und verschwinden geht auch nicht", fügte er hinzu. "Weißt du, was Okklumentik ist?"
"Nein..."
Steven seufzte. "Wird denn gar nichts vernünftiges mehr gelehrt? Bei der Okklumentik geht es darum, seinen Geist zu schützen."
"Zu schützen? Wovor?"
"Unter anderem vor Fremdeingriffen. Andere Frage: Weißt du wenigstens was Legilimentik ist?"
"Nein...", murmelte Harry. "Aber es klingt ein wenig wie Okklumentik... ist es das Gegenteil, also das Eingreifen beziehungsweise angreifen?", fragte Harry hoffnungsvoll, dass es richtig war.
"So in der Art. Große Meister können es... Leute wie Dumbledore... und dieser Lord den ihr habt. Wie heißt der doch gleich? Voltermort?"
"Voldemort", korrigierte der Junge automatisch. Als er begriff, was er getan hatte, stammelte er bloß eine Entschuldigung.
"Es ist... in Ordnung", sagte Artus langsam. "Ist ja egal. Oder ich... zum Beispiel"
"Du kannst Legilimentik? Also auch Okklumentik? Kannst du es mir beibringen?", fragte Harry hoffnungsvoll. Wenn er in der Lage war, Okklumentik anzuwenden, würde er auch in der Lage sein, die Dementoren von ihm fern zu halten!
Artus schnaubte. "Ich bezweifle, dass du hier Okklumentik geschweige denn Legilimentik lernen kannst! Aber egal, ich werde es versuchen. Hab ja eh nichts Besseres zu tun!"
"Du machst es wirklich? Wie geht es?", bombardierte der Junge ihn mit Fragen.
"Kläre deinen Geist!", sagte der Ältere bloß. "das ist der Anfang"
"Und wie... kläre ich meinen Geist?", fragte Harry langsam. "Ich habe das noch nie gemacht!"
Artus seufzte. "Meditation. Ehrlich, Junge, du musst noch viel lernen!"
"Anscheinend!", murmelte Harry leise, doch Steven hörte es und lachte leise.
Viele Zeit später konnte Harry grundlegende Okklumentik. Er war nun in der Lage die Dementoren ein wenig abzuwehren, was ihm seine Zeit erträglicher machte. Er wusste, dass dies irgendwann nicht mehr möglich sein würde, da seine Kräfte durchgehend schwinden. Artus hatte ihm beigebracht, dass Okklumentik individuell war. Es gab mehrere Arten. Einmal war ein Unterschied, wie man seinen Geist schützte. Das konnte durch unüberwindbare Mauern geschehen; Nebel, in der der Angreifer sich verirrte; Labyrinthe oder einen Tresor, ähnlich dem der Muggel. Falsche Tresore um den Gegner zu täuschen und dadurch Zeit zu bekommen. Und dies waren nur einige Möglichkeiten.
"Es ist Zeit, Harry!", sagte Artus nachdem seine Fähigkeiten auf ein Level gebracht hatte, mit dem er schwächere Angriffe abwehren konnte, auch wenn er noch sehr viel üben musste.
"Wofür", fragte der Junge misstrauisch. Askaban hatte ihn verändert. Durch die Hilfe des älteren Mannes war es besser, aber Harry wurde kälter und entwickelte einen Hass gegen alle die ihn verraten hatten.
"Für die Animagusverwandlung, Harry", sagte Artus einfach.
"Für die Animagusverwandlung?", wiederholte Harry ungläubig. "Warum brauch ich das?"
"Dementoren können die Emotionen von Tieren nur schwach wahrnehmen", erklärte Artus. "Es würde dir helfen! Zumal es draußen verdammt nützlich wäre"
"Aber ich komm doch hier gar nicht mehr raus!", erwiderte Harry.
"Nun, vielleicht doch", sagte der Mann geheimnisvoll, was Harry ziemlich an Dumbledore erinnerte. "Aber alles zu gegebener Zeit, Harry"
Und in der nächsten Zeit erklärte er ihm die Grundlagen und Arten der Verwandlung.
