"Die Animgausverwandlung, Harry, wird dir helfen. Jetzt, um dich vor den Dementoren zu schützen und später in der, nun ja, Welt da draußen notfalls verstecken zu können. Es gibt natürlich auch noch andere nützliche Funktionen", erklärte Artus. "Spionieren und so weiter"

"Nützlich, in der Tat", murmelte Harry. "Also, wie werde ich ein Animagus?"

"So ist es besser", sagte der ältere Mann. "Es gibt mehrere Methoden, obwohl selbst die bekannteste nur wenige wissen. Diese wird mit einem speziellen Trank und anderen Komponenten erreicht. Allerdings, und das ist die Schwierigste und Schnellste, gibt es eine unbekanntere andere, aber nur sehr selten schaffst es jemand. Tatsächlich ist es beinahe unmöglich. Da wir hier in Askaban niemals an den Trank kommen würde, den Grund muss ich dir ja wohl kaum erklären, musst du wohl oder übel die zweite Methode verwenden"

"Und das soll ich schaffen?", fragte der Junge ungläubig.

"Natürlich. Nach all dem was du mir erzählt hast, scheinst du ja alles irgendwie zu schaffen", machte Artus ihm Mut. "Meditiere bis du deinen Magiekern findest, so wie du das schon öfter getan hast", erklärte er. "Nicht umsonst habe ich dir das vorher beigebracht", fügte er noch hinzu.

"Und dann?", fragte Harry.

"Dann lässt du dich leiten. Ich kann es dir kaum erklären, aber als ich das das getan habe - das erste Mal wohlgemerkt - war es einfach nur ein seltsam schönes Gefühl. Wichtig ist, dass du tief in dir, in diesem Fall im Kern, weißt, dass du ein Tier werden willst. Im Gegensatz zu der ersten Methode kannst du hier halbwegs entscheiden, welche Form du annehmen willst. Der wichtigste Punkt ist jedoch, dass du dann nicht mehr geistig hier bist"

"Was?", rief Harry entsetzt. "Nicht mehr geistig hier?"

"Entspann dich, Harry", erwiderte Artus lachend. "Du kommst nach Larnok, einer, sagen wir es so, anderen Dimension. Also eigentlich bist du auch hier"

"Das... ist nicht besser", sagte der Junge trocken. "Ehrlich, Artus, wie geht das?"

"Magie", antwortete Artus amüsiert. "Jetzt probiere es endlich!"

Harrys schloss seufzend seine Augen. Dunkelheit umschloss ihn. Er begann die Meditation, wie er es unzählige Male unter Artus' Anleitung getan hatte. Er suchte nach seinem Kern. Es dauerte lange, das war sich Harry sicher, aber schließlich fand er ihn. Groß, pulsierende und in einem grauen Licht strahlend, leuchtete er ihn entgegen.

'Ich möchte ein Animagus werden', dachte Harry konzentriert, doch es passierte nichts. Er runzelte die Stirn und versuchte den Grund heraus zu finden, bis ihm etwas klar wurde.

'Ich möchte ein Tier werden', korrigierte er seinen Gedanken. Plötzlich, so schien es ihm, war er in einer Explosion gefangen.

Er schrie aufgrund purer Schmerzen, die sich in ihn graben. Hatte Artus nicht gesagt, dass es sich schön anfühlen würde? Harry wimmerte und dann... war nichts mehr.

Als Harry wieder klarsehen konnte, war er definitiv nicht mehr in Askaban. Und auch nicht in der Meditation.

Helles Sonnenlicht schien ihm entgegen und er musste die Augen zusammenkneifen, hatte er in Askaban das doch nie gehabt. Blinzelnd versuchte er sich an das Licht zu gewöhnen und nahm seine Umwelt war.

Harry lag auf einem, so schien es, weichen Grasboden. Er richtete sich auf. In der Ferne konnte er einige kleine Häuser ausmachen, ansonsten gab es nur Felder und Wälder. Plötzlich trat etwas in sein Sichtfeld.

"Wer bist du?"

Harry sah überrascht zu dem älteren Mann, der gesprochen hatte. Ein wenig grimmig wirkte er und vor allen genervt. Er hoffte, dass er nicht der Grund dafür war.

"Wer bist du?", wiederholte der Mann die Frage und schien nun deutlicher genervter.

Da erwachte Harry aus seiner Starre. "Harry", murmelte er, "Harry Potter."

Der Mann zog spöttisch eine Augenbraue nach oben. "Komm erstmal hoch" und hielt ihm eine Hand hin, die Harry ergriff und sich hochziehen ließ.

"Danke", sagte er leise.

Der Mann nickte knapp. "Eldar Iarcaryn, drittoberster beim Larnokschen Kampfrat!"

"Beim was?", fragte Harry ungläubig. Kampfrat? Davon hatte er noch nie etwas gehört! Und was sollte das mit dem Drittoberster?

"Kampfrat", wiederholte Eldar ungeduldig. "Jetzt komm, ich zeig dir wie du dich verwandelt!"

"Ähm, woher weißt du, dass ich-"

"Dich verwandeln willst?", unterbrach er ihn spöttisch, "Junge, jeder, der hierherkommt, kommt deswegen!"

Harry schluckte und sah auf den Boden. Warum war jeder so ablehnend gegenüber ihm? "Hier lerne ich also, wie ich ein Animagus werde, richtig?", fragte er zögerlich.

"Ja", antwortete Eldar knapp. Er ging los in Richtung des Dorfes und Harry beeilte sich, ihm zu folgen.

"Ich dachte schon, Artus hätte gelogen", murmelte der Junge.

Plötzlich stoppte der Ältere. "Wer?"

Harry blinzelte verwirrt. "Wer was?"

"Der, den gerade erwähnt hast", erwiderte Eldar ungeduldig, "wie heißt er?"

"Artus", antwortete Harry überrascht, "kennen Sie ihn?"

Der Mann schnaubte. "Kennen? Natürlich! Auch er wollte ein Animagus werden und war auch ein großartiger Schüler!"

"Er hilft mir", sagte Harry leise, "in Askaban, meine ich", er seufzte und sah hoch zum Himmel, "das ist das letzte Mal, dass ich daraus bin."

"Askaban ist doch ein Gefängnis", murmelte Eldar mit gerunzelter Stirn, "warum bist du dort? Und wieso ist Artus dort?"

"Ich wurde eines Verbrechens angeklagt, dass ich nicht begangen habe", antwortete Harry leise, "aber ich habe ihn nie gefragt, warum er dort ist."

Eldar seufzte müde. "Er ist ein guter Mann. Schon damals haben ihm Rachegedanken die Sicht versperrt, aber er war auch ein guter Krieger, der für die Unschuldigen kämpft. Zumindest damals" Er sah Harry in die Augen. "Warum sollte man dich dort einsperren?"

"Voldemort", murmelte der Junge, "er- er hat meine Verwandten ermordet und mich als den Schuldigen stehen lassen. Alle Beweise außer mein Wort standen gegen mich" Er seufzte, "schon immer versuchte er mich zu ermorden und ich will mich nur noch rächen" Sein Blick traf Eldar, müde und alt, "ich will nur noch meine Ruhe haben!"

Nun lächelte Eldar leicht. "Wenn du dich gegen so einen Krieger verteidigen musst, werden wir dir helfen!"

"Wirklich?"

"Ja. Du hast einen starken Ehrgeiz, junger Krieger, was kannst du schon?"

"Ein wenig kämpfen, nicht viel", murmelte er.

"Wenigstens etwas", sagte Eldar, "nun komm, ich zeige dir wo du schlafen kannst!"

Die beiden betraten das Dorf. Andere Menschen sahen sie neugierig an.

"Es ist nicht zu selten, dass jemand Fremdes hier herkommt", flüsterte Eldar Harry zu, "aber sie sind jedes Mal aufgeregt"

"Du eher genervt, oder?"

Der ältere Mann schenkte ihm ein winziges Lächeln. "Du weißt Bescheid! Ah, da wären wir!"

Sie waren an einem größeren Haus angekommen. Eldar führte Harry durch ein Tor, das in einem weitläufigen Innenhof endete. "Hier wohnen wir!"

Sie gingen durch eine der vielen Türen, Treppen hoch und einige verwinkelte Gänge entlang. Plötzlich stoppte Eldar vor einer Tür. "Das hier ist dein Zimmer! Ruh dich am besten aus, es wird hart werden!"

Harry nickte leicht, doch zögerte dann. "Eldar?"

"Ja?"

"Danke."

Der Mann lächelte ihn sanft an "Immer doch" und verschwand den gewundenen Flur entlang.

Erst dann betrat Harry das Zimmer. Es war klein, doch das störte ihn kaum. Es gab ein Bett, ein Schrank, einen Tisch und ein Fenster. Doch er war dankbar dafür, in Askaban hatte er schließlich nichts davon gehabt. Er trat an das Fenster und schaute in den Innenhof. Eine Gestalt in einem schwarzen Umhang huschte dort entlang. "Sicherlich nicht ungewöhnlich in dieser Welt", murmelte er.

Sein Blick fiel auf das Bett, er lächelte und einen Moment später ließ er sich ins Bett fallen. Es mochte nicht das Beste sein, vor allen für Hogwarts' Verhältnisse, aber in diesem Moment fand Harry, dass es das gemütlichste Bett war, in dem er je gelegen hatte. So bemerkte er kaum, wie er in den Schlaf wegdriftete.

Harry sah Ginny mit einem Lächeln an. Sie saßen im Tropfenden Kessel und aßen etwas, ebenso wie viele andere Leute, doch keiner sah ihn ablehnend an.

"Danke, dass du es so schnell geschafft hast!", murmelte Harry zu Ginny. Diese lächelte zurück.

"Natürlich, ich kann doch meinen besten Freund nicht verlieren!"

Er lächelte. "Was- was ist eigentlich mit Hermine passiert?"

"Sie geht wieder nach Hogwarts!", antwortete Ginny leise, "aber sie sieht nicht glücklich aus. Eines Abends bin ich ihr einmal gefolgt und sie hat geweint... ich weiß nicht, ob Ron seine Finger im Spiel hat."

Harry seufzte. "Also denkst du nicht, dass sie gegen mich ist?"

"Sicher nicht. Sie ist dir loyal, Harry, genauso wie ich", flüsterte sie, "übrigens, als du weg warst und ich wieder frei war, da hat... da hat Ron immer so getan, als wäre er der neue König von Hogwarts oder so. Von wegen 'Ich wusste schon immer, dass Potter böse war!' und so..."

"Es wäre nichts neues", murmelte Harry. "Oh, schau mal!" Auch Ginny sah nun zum Eingang des Tropfenden Kessels. Dort trat fast die gesamte Familie Weasley und Hermine ein.

"Show time!", flüsterte Ginny und lächelte ihn sanft an. "Mach dich bereit für den Kampf!"

Mit einem Schreck fuhr Harry hoch. Er brauchte einige Sekunden, um sich zu orientieren. War das wirklich nur ein Traum gewesen? War er nicht wirklich frei?

Erschrocken bemerkte er eine Person, die sich an seinem Kleiderschrank zu schaffen machte.

"Hallo?", fragte er laut.

Die Person fuhr herum. Es war ein Mädchen, aber Harry hatte sie noch nie gesehen (was nicht so verwunderlich war), und sie wischte eilig einige Strähnen ihrer kurzen, braunen Haare aus ihrem Gesicht. "Du bist schon wach?"

"Äh... ja", stotterte Harry. "Wer bist du?"

Das Mädchen lächelte. "Helartha Balfina, eine Freude dich kennenzulernen, Harry!"

"Ich freue mich auch- warte-", er stockte, "woher weißt du wer ich bin?"

Helartha kicherte. "Mein Onkel hat mich beauftragt, dir deine Sachen zu bringen, und dass ohne dich aufzuwecken", sie stöhnte, "ich habe dich doch nicht geweckt, oder?"

Hastig schüttelte Harry seinen Kopf. "Nein, nein, alles gut!"

"Achso, und ich soll dir deine Fragen beantworten. Du hast doch sicher welche, oder?"

"Ja", sagte er langsam und sie lächelte ihn aufmunternd an. "Also", murmelte er und überlegte, "warum ist das hier alles so gleich?"

"Wie meinst du das?", fragte Helartha irritiert.

Harry suchte rasch nach den richtigen Worten. "Naja, so ähnlich zu meiner Welt." Zum Ende wurde er immer leiser.

"Achso", sagte sie grinsend, "Onkel hat es mir tatsächlich einmal erklärt. Seit langer Zeit kommen immer wieder Menschen hier her und versuchen sich zu verwandeln. Die meisten gingen wieder schnell, aber einige blieben länger, weil sie neugierig waren. Letztendlich hat es dazu geführt, dass ein Teil ihrer Kultur hier mit einfloss und wir auch ihre Sprache sprechen", führte sie ihre Erklärung zu Ende.

"Achso, danke!", murmelte Harry.

Helartha lächelte. "Gerne doch!" sie beugte sich näher an ihn heran, "dafür kannst du mir ja mal erzählen, wie es bei dir so ist!"

Harry blinzelte verwirrt. "Bei Mir?"

"In deiner Welt", sagte sie schmunzelnd, "aber nicht jetzt! Eigentlich sollte ich dich ja auch holen, also... komm einfach mit!"