Helartha zog ihn durch den Korridor. Einige Male stolperte Harry.
"Wo willst du eigentlich hin?", fragte er keuchend und hatte Mühe mitzuhalten.
"Zu meinen Onkel!", rief sie unbekümmert über ihre Schulter und verstärkte ihr Tempo.
"Zu deinen Onkel?", fragte er.
Sie stoppte abrupt und drehte sich ein wenig verärgert zu ihm um. "Ja, mein Onkel! Das habe ich dir übrigens eben auch schon gesagt, falls du ein so schlechtes Gedächtnis hast!"
"Ich-", startete Harry und wollte sich verteidigen, doch sie unterbrach ihn.
"Lass es! Es hat eh keinen Zweck!", sagte sie mit einer Hand abwinkend. "Wie du vielleicht gemerkt hast, hasst er Fremde! Vor alle jene, die mal wieder versuchen wollen, ein Serigrur zu werden!"
"Ein was?", fragte er verwundert.
"Ein Serigrur", wiederholte sie, "jemand, der sich willentlich in eine Tierform verwandeln kann. Hier", sie betonte das extra, "kann das jeder!"
"Schön!", schnappte Harry, "aber warum bist du jetzt so genervt? Ich habe dir doch nichts getan! Eben warst du noch total fröhlich"
Helartha verschränkte genervt die Arme und starrte ihn an. "Weil mein Onkel mit dir sprechen möchte, und er hasst Verspätungen, und du so langsam bist!"
"Entschuldige, dass ich eine ganze Weile in einem winzigen Raum ohne Licht festgesessen habe!", zischte er, "entschuldige, dass ich in dieser Zeit keinerlei Bewegung hatte und entschuldige, dass du verdammt noch einmal besser trainiert bist!" Zum Ende hin wurde immer lauter, bis er nun mit bebender Brust und verschränkten Armen vor Helartha stand.
Ihr Gesicht wurde weicher und sie senkte ihren Kopf. "Entschuldige, ich wusste nicht, dass du-", sie zögerte und holte tief Luft, "ich dachte du wärst so faul wie all die anderen! Onkel mag die nicht besonders, aber unter diesen Umständen...", sie stoppte und hob wieder ihren Blick, "denke ich, dass das für ihn vertretbar ist!"
Harry seufzte beschämt. "Es war eher meine Schuld, nicht? ", fragte er sanft, "es ist halt nur so, dass ich nach all dieser Zeit dort...", er holte tief Luft bevor er fortfuhr, "ein wenig anders bin als zuvor"
Sie schenkte ihm ein sanftes Lächeln. "Das hört sich grausam an, also wären es vermutlich alle, nehme ich an. Aber..., und das tut mir leid, um zurück zum Thema zu kommen: Mein Onkel wartet noch immer."
"Stimmt, dann lass uns ihn nicht länger warten lassen, oder?", fragte er.
Sie nickte grinsend. "Dann komm mit!"
Erneut folgte er ihr durch die Gänge, die aber langsam ein Ende nahmen. Schweigend gingen sie nebeneinander her, diesmal aber langsamer.
"Werde ich mich hier eigentlich jemals zurechtfinden?", fragte Harry leise. Er ließ seinen Blick zu Helartha schweifen.
"Sicherlich", sagte sie amüsiert und sah ihn an, "bald!"
"Oh gut", brummte er schmunzelnd.
Auch sie schien deutlich amüsiert zu sein. "Früher habe ich mich hier auch nicht zurechtgefunden", meinte sie dann, "am Anfang, meine ich. Ich war da noch klein, aber", sie seufzte, "und fand das hier so verwirrend, aber bald ging es."
"Da bin ich erleichtert", murmelte Harry, "wer ist eigentlich dein Onkel?", wechselte er abrupt das Thema, "irgendwie kommt mir das, was du gesagt hast, bekannt vor, aber mein Gehirn will das noch nicht verknüpfen" Peinlich berührt sah er auf den Boden.
"Eldar Iarcaryn", antwortete sie, "du müsstest mit ihm hergekommen sein."
"Oh, ja, das bin ich", erwiderte er errötend, "ist er eigentlich immer so schlecht gelaunt? Also bei Neuen?"
Helartha kicherte. "Mittlerweile schon. Anfangs war er sehr nett, als er damit angefangen hat, weißt du, aber er wurde immer genervter. Irgendwann hat er gehofft, dass die schlechte Laune sie schnell wieder vertreiben würde!"
"Bei mir hat es nicht funktioniert", sagte Harry amüsiert, "jedenfalls noch nicht, aber er schien mir später doch nicht so feindlich gesinnt zu sein!"
"Wirklich? Wie?", wollte sie gespannt wissen, "Normalerweise schaffen das nur wenige!"
"Wir haben über jemanden gesprochen, den er anscheinend auch kennt"
"Wer denn?", fragte sie neugierig.
"Artus, ich weiß nicht weiter", erklärte er schulterzuckend.
"Wirklich? Wow!", sagte Helartha erstaunt, "der Mann gilt hier beinahe als Legende!"
"Nur beinahe?"
"Er ist wieder gegangen und nicht wiedergekommen", erklärte sie, "inoffiziell ja, aber offiziell ist er nur als Krieger anerkannt. Es fehlt nur noch der Punkt", sie seufzte, "hey, vielleicht schaffst du das ja!"
"Ich?", fragte er entgeistert, "warum ich? Ich bin doch nichts besonders!"
Mittlerweile waren sie am Eingang angekommen und traten durch die hölzerne Tür.
"Harry, nachdem was ich über dich weißt, bist du schon besonders!", sagte sie ermutigend, "mach dich nicht selber schlecht. Ich meine, außerdem ist jeder besonders, oder nicht?"
"Wahrscheinlich hast du Recht", murmelte er.
Sie durchliefen das Tor und traten auf die Straße. Helartha folgte ihr nach rechts und Harry beeilte sich, ihr nachzukommen.
"Wo willst du nochmal hin?", fragte er.
"Sei nicht so neugierig!", sagte sie schmunzelnd, "aber ich möchte zuerst ins Dorf und dann zu meinem Onkel"
"Ah... okay", murmelte er, "das klingt gut!"
Nachdem sie eine Weile gegangen waren, kamen sie an einem größeren gepflasterten Platz an. In der Mitte wurde ein großer Brunnen errichtet - eine Frau schöpfte gerade Wasser daraus und dann standen dort viele Stände mit Händlern, die lautstark ihre Waren anpriesen und drumherum waren Häuser gebaut worden. Es war wirklich schön, fand Harry.
Helartha lief geradewegs zu einem großen Stand. Eine ältere Frau mit einem freundlichen Gesichtsausdruck verkaufte dort ihre Waren - allerlei Gemüse und auch heiße Suppen.
"Das hier ist, wie du sicher erahnen kannst, der Dorfplatz!", flüsterte Helartha ihm zu, "hier wird nahezu alles verkauft."
Sie kamen bei der Frau an, die gerade ihr Gespräch mit einem Mann beendet hatte.
"Ah, Helartha!", rief sie erfreut, "schön dich zu sehen!"
"Es ist auch schön, dich zu sehen, Dasyra", erwiderte Helartha lächelnd und strich unbewusst ihr dunkles Kleid glatt.
Die Frau, Dasyra, lächelte sie sanft an, dann fiel ihr Blick auf Harry. "Und wer ist das?"
"Oh, das ist Harry", stellte Helartha ihn vor.
Dasyra verengte die Augen. "Hallo!", begrüßte sie ihn und wandte sich dann wieder Helartha zu. "Ich habe ihn noch nie hier gesehen, ist er etwa-?"
"Hallo", murmelte er, doch da sprach schon Helartha weiter.
"Ja, er ist auswärtig!", beendete die Jüngere Dasyras Satz, "aber anders als die Vorgänger!" Sie schauderte.
"Inwiefern?"
Helartha zuckte mit den Schultern. "Erstmal ist er überhaupt nicht faul. Er ist auch nett und hat einen großartigen Kampfgeist!"
"Aha", meinte Dasyra, "nun, hat Eldar dich geschickt?"
Sie nickte. "Er meinte, dass ich etwas überliefern soll, sollte ich hier vorbeikommen", sie runzelte die Stirn, "was ist es?"
"Ach, nichts allzu wichtiges!", winkte die Frau ab, "nur ein wenig Chrite für Merlara"
Helartha nickte verstehend. "Gut, dann überbringe ich es noch schnell!"
Dasyra nickte erleichtert und übergab ihr eine Pflanze, die Harry überhaupt nicht bekannt vorkam. "Habt ihr ansonsten noch etwas vor?"
"Ja, Onkel möchte Harry trainieren und ich mache einfach mit", sagte Helartha lächelnd, "danke Dasyra!"
Die Frau lächelte sie sanft an. "Na dann noch viel Spaß!"
"Danke!", sagte Helartha und Harry murmelte es gleich mit. "Bis bald!"
"Bis bald!", rief Dasyra ihnen hinterher.
Kurz danach verließen sie wieder den Marktplatz durch eine Seitengasse.
"Das war Dasyra Daephyura", erklärte Helartha während sie gingen, "sie ist eine alte Freundin meiner Eltern und als ich kleiner war, hat sie oft mit mir gespielt. Deswegen war sie früher für mich wie eine Tante"
"Sie scheint wirklich nett zu sein", sagte Harry leise.
"Oh, das ist sie."
Eine Weile liefen sie schweigend nebeneinander her. Bald endete die Gasse und verlief in eine weitere, jedoch ländlichere Straße.
"Ein wenig noch", sagte Helartha, "dann sind wir da."
Sie passierten Häuser mit kleinen Vorgärten, in denen andere Menschen arbeiteten.
Bald stoppten sie. Dort stand ein Haus, größer als die anderen in der Straße. Helartha ging trat durch die Tür und Harry folgte ihr.
Es war ein großer Schankraum, Leute saßen an Holztischen, unterhielten sich und spielten Spiele. Helartha ging jedoch geradewegs zu einem Tresen.
"Ah, hallo Helartha!", begrüßte eine Frau sie. Auch sie war ähnlich wie Dasyra alt. "Und hallo du!", sagte sie an Harry gerichtet.
"Hallo", murmelte er, während Helartha "Hey Merlara", sagte.
Das war also Merlara, die Frau, der sie etwas überbringen sollte.
"Also, was führt euch hierher?", fragte Merlara während sie einige Krüge sauberwischte.
"Leider nur eine Lieferung", sagte Helartha bedauernd, "von Dasyra"
"Ah!", die Augen der Frau weiteten sich, "du meinst das Chrite?"
Die Jüngere nickte und zog die Kräuter hervor.
"Bei der lieben Koela!", rief Merlara, "endlich! Mein Vorrat ist schon fast alle!"
Helartha gab es ihr und die Frau nickte zufrieden.
"Danke! So, habt ihr Hunger?", fragte sie plötzlich.
"Ein wenig ja", gab Helartha zu, "wir sind auf dem Weg zu Eldar, aber er sagte auch, dass wir hier etwas essen sollten!"
"Gütige Koela, will er euch etwa wieder trainieren?", fragte Merlara mitleidig, "wartet, ihr bekommt eine besonders große Portion!"
"Aber das ist doch nicht-", begann Helartha schwach, aber die ältere Frau unterbrach sie.
"Papperlapapp!", sagte sie und ihre Stimme ließ keinen Widerspruch zu, "Ich kenne doch Eldar, da braucht ihr schon etwas auf den Magen! Setzt euch", sie deutete auf einen Platz in einer ruhigen Ecke an einem der großen Fenster, "gleich kommt das Essen!"
Dann verschwand sie. Helartha seufzte und wandte sich Harry zu, der alles schweigend mitangesehen hatte. "Sage niemals", flüstere sie, "ich wiederhole: sage niemals Merlara dass du Hunger hast! Das wird nicht gut enden! Jedenfalls für deine Figur."
Merlara erinnerte Harry an Mrs Weasley und sein Magen zog sich zusammen. Super, dachte er, jetzt vergleiche ich auch noch diese unschuldige Frau mit der!
Sie setzten sich an den Tisch und schon nach kurzer Zeit brachte Merlara das Essen (sogar große Portionen, wie sie es versprochen hatte!). "Guten Hunger!", wünschte sie ihnen und verschwand wieder.
"Das ist Waige", erklärte Helartha leise. Beide begannen zu essen und es herrschte eine Weile angenehmes Schweigen.
"Wie war dein Leben eigentlich bevor du hierhergekommen bist?", fragte sie irgendwann leise.
Harry sah auf und schlucke hastig herunter. "Nicht wirklich angehmen", murmelte er seufzend.
Sie lächelte traurig. "Nachdem was du erzählt hast, das mit der Zelle meine ich, glaube ich dir das. Aber... was ist davor passiert und wie bist du dort hingekommen?"
Harry seufzte erneut und wandte seinen Blick Richtung Fenster. Eine Weile schwieg er. Helartha beobachtete ihn mit einem traurigen Blick. "Es", begann er schließlich, "war nicht wirklich angenehm, wie ich schon gesagt habe. Naja, am Anfang vorallen nicht. Meine... Tante mochte mich nicht besonders und das ließ sie mich auch spüren", Helartha atmete erschrocken ein, "aber als ich elf Jahre alt war, kam der Brief für Hogwarts. Ich war so glücklich!", er lächelte wehmütig, "jedes Jahr bestanden meine beiden besten Freunde und ich ein Abenteuer. Sei es einen uralten Stein retten, der jeden unsterblich machen kann, eine Riesenschlange töten, oder andere Kreaturen besiegen. Und natürlich gegen ihn kämpfen"
"Wer ist er?", fragte sie leise
Harry schnaubte verächtlich. "Lord Voldemort", sagte er spöttisch. "Selbsternannter dunkler Lord und mein Todfeind. Als ich ein Jahr alt war, versuchte er mich zu töten, aber irgendwie schaffte ich es, hin zu besiegen. Er verschwand für dreizehn Jahre. Bei dem Angriff starben meine Eltern"
Helartha seufzte. "Deswegen hast du bei deiner Tante gewohnt!"
"Ja. Als ich fünfzehn Jahre alt war, tötete er sie und meine restlichen beiden Verwandten und schob es mir in die Schuhe. Er schaffte es alle Beweise gegen mich zu wenden und vor Gericht gab es nur mein Wort, dass sie nicht ernst nahmen"
"Und was ist dann passiert?"
"Eine Freundin von mir ist aufgesprungen und hat zugegeben, dass sie einen Punkt auf meiner Anklageliste damals unbewusst getan hat", antwortete Harry leise, "auch sie wurde verurteilt. Ich weiß nicht mehr genau wie lange sie dorthin musste, 250 Tage oder so"
"Und du?"
Harry lachte bitter auf. "Für immer"
Erschrocken schlug Helartha sich ihre Hand auf den Mund. "Aber das ist total unfair!"
"Sag das denen", erwiderte er bitter, "danach kamen wir nach Askaban. Das ist ein Gefängnis in der Nordsee oder so. Wir kamen zusammen in eine Zelle und hielten uns so gegenseitig am Leben. Alle drei Tage oder so wurde ein Brot und Wasser gebracht"
"Und dann wurde sie entlassen, stimmt's?", fragte sie.
"Ja. Wenige Tage später wurde ich in eine andere Stufe verlegt", er seufzte, "es ist die schlimmste in ganz Askaban. Vollkommene Isolierung und normalerweise kommst du nie wieder raus" Sein Blick glitt wieder zum Fenster. "In Askaban gibt es Kreaturen, die sie Dementoren nannten. In ihrer Nähe hast du das Gefühl, dass sämtliches Glück für immer verschwindet. Alle deine glücklichen Erinnerungen verschwinden. Das ist ihre Nahrung. Gleichzeitig lassen sie dich deine schlimmsten Erinnerungen wieder und wieder durchleben"
"Das ist schrecklich", murmelte Helartha erschaudernd.
Harry lächelte schwach. "Das ist es wirklich. Ich wurde immer nach einer Weile ohnmächtig, vermutlich ein Segen dort. Aber das ist nicht das Schlimmste!" Er holte tief Luft bevor er weitersprach. "Und wenn du keinerlei Glück mehr empfindest, dann- dann küssen sie sich"
Sie zog eine Augenbraue nach oben. "Das ist doch nicht so schlimm!"
Er lächelte bitter. "Wenn sie dir dabei die Seele aussaugen schon. Du lebst noch, aber... bist nur noch eine leere Hülle und bekommst nichts mehr mit. Die schlimmsten Verbrecher werden mit dem Kuss bestraft."
Helartha seufzte traurig. "Nun, du wurdest es nicht!"
Auch Harry seufzte nun. "Wahrscheinlich das einzig Positive"
Sie aßen schweigend weiter.
"Meine Eltern starben, als ich noch kleiner war", sagte Helartha plötzlich leise.
Harry sah auf. "Das tut mir leid!", murmelte er.
"Ein Auswärtiger tötete sie", sagte sie mit einem schwachen Lächeln. "Ich kam zu Onkel Eldar und er trainierte mich." Nun sah sie aus dem Fenster. "Ich vermisse sie noch immer, aber irgendwann wird es besser, das hoffe ich jedenfalls."
Harry schluckte. "Wir sind gleich aufgewachsen"
"Nicht ganz, aber nicht so unterschiedlich... oh, wir müssen los!", rief sie plötzlich erschrocken und sprang auf.
Harry tat es ihr nach.
Auf dem Weg nach draußen, bedankten sie sich schnell bei Merlara und traten dann auf die Straße.
Bald endete die kleine Stadt. Vor ihnen enthüllte sich eine weitläufige Landschaft, gesäumt von Hügeln, Feldern und kleinen Häusern. Weiter hinten lagen auch Wälder.
"Es ist wunderschön", hauchte Harry.
"Warte nur, bis wir ankommen", sagte Helartha schmunzelnd.
Sie gingen die Landstraße weiter entlang. Ab und zu trafen sie Bauern, aber (und das verwunderte Harry sichtlich) Tiere, die große Lasten trugen. Zum Beispiel flog ein großer Vogel an ihnen vorbei und es war definitiv kein Phönix.
"Das sind die Tierformen der Leute", erklärte Helartha, als sie seinen verwunderten Blick bemerkte, "jeder besitzt hier ja eine Form und viele nutzen ihre zum Beispiel für den Transport"
"Wow", murmelte er, "wirklich jeder?"
"Nun, jeder außer den Kindern", sagte sie lachend, "aber die Älteren schon, ah, gleich sind wir da"
Sie umrundeten einen Hügel und plötzlich blieb Harry erstaunt stehen. Vor ihnen war ein großes und prächtiges Gebäude erbaut worden, darum befanden sich in wunderschönen Anlagen Trainingsplätze.
"Darf ich vorstellen", sagte Helartha, "das sind die Trainingsplätze. hier trainiert eigentlich jeder und", sie machte eine dramatische Pause, "hier tagt auch der Kampfrat"
"Zu dem dein Onkel gehört?"
"Ja. So, jetzt komm, ich bring dich hin!"
Plötzlich zog sie durch die komplizierte Anlange, die schon beinahe einem Irrgarten, so kam es ihm jedenfalls vor, glich. Sie traten durch ein Tor und offenbarte einen großen Platz. Weiter hinten stand Eldar. Sie beeilten sich zu ihm zu kommen und seine Miene hellte sich auf, als er sie entdeckte.
"Ah, Helartha, Harry!", rief er.
"Hallo Onkel"
"Hey Eldar", murmelte Harry.
"Warum habt ihr so lange gebraucht?", wollte der ältere Mann wissen.
"Es ist, wie du weißt, nicht so dicht", antwortete Helartha, "außerdem wolltest du, dass wir noch etwas essen!", fügte sie vorwurfsvoll hinzu.
"Ach ja", Eldar kratze sich nachdenklich am Bart und klatschte dann enthusiastisch in die Hände, "nun, jetzt seid ihr ja hier! Hier, Harry, deine Trainingskleidung und hier, Helartha, deine!" Er überreichte beiden etwas und deutete dann auf das Haus, "da könnt ihr euch umziehen! Na los, Beeilung!"
"Er tut immer so, als würde ich das erste Mal hier trainieren", grummelte Helartha, als sie wieder durch das Tor traten, "immer! Langsam wird es echt ätzend"
"Hm", brummte Harry, versuchte sich eher auf den Weg zu konzentrieren. "Ähm, wo müssen wir noch einmal lang?" Als er keine Antwort erhielt, drehte sich um und erstarrte. "Helartha? Helartha! Wo bist du?" Panisch suchte er den Weg mit seinen Augen ab, denn sie war plötzlich verschwunden.
Sein Blick fiel auf das Gebäude. 'Sie muss doch dort sein', dachte er und ging hastig wieder los. Er wunderte sich jedoch, warum ihm das Gebäude nicht vorher aufgefallen war.
Als Harry durch die große Eingangstür trat, blieb er erst einmal erstaunt stehen. Die Halle war riesig. Eine breite, geschwungene Treppe führte in einen zweiten Stock und von seiner Position aus, konnte er auch die Türen davon sehen, da es eine Art großer Balkon war. Etwas verloren stand er nun da. Wo sollte er denn bitteschön lang?
"Ich habe dich hier noch nie gesehen", sagte plötzlich eine Frauenstimme und Harry drehte sich erschrocken um. Sie war groß, gut trainiert und schon etwas älter.
"Ich... ähm... ich glaube kaum, dass Sie jeden Bewohner gesehen habe", erwiderte er mit einem nervösen Lächeln.
Die Frau lachte. "Sicherlich. Also, was führt dich hier her?"
"Also, ähm", murmelte Harry, "Eldar möchte mich trainieren und deswegen soll ich mich hier irgendwo umziehen", zum Ende hin wurde er immer leiser.
"Oh, das ist kein Problem", antwortete die Frau. Sie zeigte auf eine der größeren Türen an der rechten Seite. "Da gehst du lang, den Korridor entlang und dann kommt da eine Tür mit braunen und goldenen Verzierungen auf dem Holz. Da musst du rein"
"Danke", sagte er leise.
"Jedenfalls", fuhr die Frau mit einem Lächeln fort, "mein Name ist Mirthal Eryarus, zweitoberste beim Larnokschen Kampfrat"
"Das heißt, du bist weiter oben als Eldar, oder?"
"Richtig. Zudem bin ich die Ehefrau unseres Anführers, der auch der Oberste beim Kampfrat ist", fügte Mirthal noch hinzu, "du musst ja weiter, nicht? Eldar kann mitunter ziemlich ungemütlich werden. Nun ja, viel Glück und bis irgendwann!" Und sie stiefelte mit großen Schritten von dannen.
"Bis irgendwann!", rief Harry ihr noch hinterher, doch gehört hatte sie es sicherlich nicht mehr. Er schüttelte den Kopf und ging den von ihr beschriebenen Gang entlang.
'Verdammt', fiel ihm plötzlich entsetzt ein, 'sie weiß nicht mal wie ich heiße!' Er wollte sich schon wieder umdrehen, doch zögerte. 'Sicherlich kann ich ihr ihn bei einer anderen Gelegenheit sagen, nicht wahr?"
Hastig zog er sich in dem Raum um und eilte wieder zum Trainingsplatz. Den Weg fand er nach einer Weile tatsächlich alleine.
"Da bist du ja endlich!", rief Eldar ihm schon von weiten verärgert zu. Neben ihm stand Helartha. "Warum hast du solange gebraucht?", fragte er dann, als Harry neben ihm ankam.
"Ich wurde aufgehalten", erklärte Harry rasch, aber gleichzeitig beschämt.
"Jetzt bist du ja hier", sagte Eldar seufzend, "wer war es?"
"Mirthal Eryarus, so hat sie es jedenfalls gesagt", erwiderte er.
"Wenigstens sie", meinte der Mann, sah aber entspannter, "was hat sie dir gesagt?"
"Dass sie die zweitoberste bei diesen Kampfrat ist."
Eldar lachte. "Das passt zu ihr!"
"Warum warst du eigentlich so plötzlich weg?", fragte Harry Helartha.
"Plötzlich?", fragte sie irritiert, "ich habe eine Abzweigung genommen. Du bist einfach dort weitergegangen. Aber wie es aussieht", fuhr sie amüsiert fort, "hast du den Weg auch alleine gefunden!"
"Ja, danke auch!", brummte er.
Eldar klatschte in die Hände, um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen. "Fangen wir mit dem Training an!", sagte er enthusiastisch und grinste.
Harry seufzte geschlagen.
Ich habe tatsächlich vergessen, dieses Kapitel hochzuladen... anyway, jetzt habe ich es ja. Das zehnte Kapitel wird momentan geschrieben. Die anderen Kapitel versuche ich bald noch zu überarbeiten...
