Nach Harrys und Helarthas Sieg im Turnier musste das Unvermeidliche geschehen: Er musste zurück. Er war schon seit einem Jahr dort und langsam wurde es Zeit, dass er zurückkehrte.

Er saß in seinem Zimmer, das er so lange bewohnt hatte und betrachtete alles nachdenklich. Sachen mitzunehmen würde nicht funktionieren, weswegen er sich kaum die Mühe gemacht hatte zu packen. Eldar hatte gesagt, dass es immer sein Zimmer sein würde, egal, wann er zurückkehrte und deswegen hatte er sie nur ein wenig zusammengeräumt.

Es klopfte leise an der Tür. „Komm rein", sagte er ohne aufzuschauen.

Die Tür öffnete sich und Helartha steckte ihren Kopf herein. Als sie ihn so mit hängenden Schultern dasitzen sah, kam sie schnell ganz herein und schloss die Tür hinter sich.

„Hey", sagte sie leise, als sie sich neben ihn auf das Bett setzte. „Wie geht es dir?"

Harry lachte humorlos und wandte ihr seinen Blick zu. „Wie soll es mir schon gehen?"

Sie seufzte. In seinem Blick erkannte sie Trauer und auch sie war überhaupt nicht glücklich. „Du kannst zurückkommen", erwiderte sie. „Und wer weiß, vielleicht bringst du ja auch mal deine Freundin mit!"

Er verdrehte die Augen, aber ein kleines Lächeln bildete sich auf seinem Gesicht. „Es ist nur seltsam zurückzukehren. Larnok ist mir in einem Jahr so ans Herz gewachsen, dass ich eigentlich gar nicht daran denken möchte, wieder zu gehen. Und dann auch noch Askaban." Harry seufzte. „Es ist einfach so schön hier."

Helartha lächelte ihn an. „Wie ich schon sagte, du kannst zurückkommen! Obwohl, nein, ich bestehe darauf!"

Er lachte bei ihren Worten leise. „Genau. Und dann bringe ich Hermine mit."

„Und", fügte sie hinzu, „ich komme auch nochmal zu dir. Ich will unbedingt deine Welt sehen!"

Harry nickte lächelnd. „Natürlich."

Helartha sah sich um. „Hast du alles?", fragte sie leise. „Wir gehen am besten gleich los und dann", sie schluckte, „verabschieden wir uns."

Beiden wussten, dass es ihnen schwer fallen würde, sich zu verabschieden. Die letzten Tage waren angespannt gewesen, dennoch hatten sie sehr viel Zeit miteinander verbracht.

„Dann lass uns los", murmelte er. Beide standen auf und liefen los.

„Weißt du, wann du zurückkehrst?", fragte Helartha leise

Er schüttelte den Kopf. „Nein. In Askaban wird Magie unterdrückt." Er lachte humorlos. „Ich weiß ja nicht einmal, ob ich jemals daraus komme."

Nachdenklich runzelte sie die Stirn und begann unbewusst, an ihrer Unterlippe zu kauen. „Aber du probierst es."

Harry nickte, auch wenn es ein müdes Nicken war.

„Ich werde auf jeden Fall auf dich warten!", fuhr Helartha fort, „Onkel Eldar auch! Komm einfach dann zurück wenn du es kannst."

Erneut nickte er und seufzte. „Ich weiß nicht ob ich es kann, also-"

Er stockte als sie den Eingang des Hauses erreichten. Kurz herrschte zwischen ihnen Stille. Dann machte er ein Geräusch, dass eine Mischung aus einem resignierten Seufzer und einem hysterischen Kichern war. „Du weißt was ich sagen möchte", erwiderte er, „da macht es auch keinen Unterschied ob ich es laut ausspreche."

Helartha stoppte abrupt und sah ihn direkt an. „Harry James Potter", sagte sie mit messerscharfer Stimme, „du hörst mir jetzt zu!"

Ein schiefes, aber trauriges und bitteres Lächeln zugleich bildete sich auf seinem Gesicht. „Ich weiß nicht einmal ob ich überhaupt noch in Askaban bin." Er lachte erneut humorlos. „Verdammt, alles wäre besser als diese Hölle!"

„Komm", sagte sie leise, „komm, wir gehen zu Eldar."

Schweigend gingen sie weiter, jeder in den eigenen Gedanken.

„Ich", unterbrach Helartha die Stille nur um sofort wieder zu stocken. „Ich-"

„Was ist los?", fragte Harry leise und sah sie an. „Etwas Schlimmes?"

„Nein." Sie schüttelte den Kopf. „Oder doch. Wie auch immer du es siehst." Sie stoppte kurz. „Sieh mal, wir sind bald da!"

Harry schaute wieder nach vorne. Sie bewegten sich zu der Stelle, wo er vor einem Jahr angekommen war. Eldar stand dort und-

„Was macht Lynn hier?", fragte er überrascht.

Helartha kaute auf ihrer Lippe. „Nun, sie wollte sich auch von dir verabschieden."

Er hob eine Augenbraue. „Hast du es etwa jedem erzählt?"

„Natürlich nicht!" Empört schüttelte sie ihren Kopf. „Nur ihr, weil wir uns ja so gut verstanden haben."

„Und?"

„Was meinst du mit ‚und'?"

Er lachte leise. „Wem hast du es noch erzählt?"

„Merlara", antwortete sie ruhig. „Sie kann aber nicht herkommen."

„Ich verstehe."

Sie lächelte ihn ermutigend an. „Aber wir sind ja immer noch da und-"

„Harry!" Lynns laute Stimme ließ Helartha ihren Satz abrechen lassen. Er zuckte zusammen.

„Musstest du so schreien?", brummte er, ließ sich aber von ihr umarmen.

„Natürlich!" Ein breites Grinsen zierte das Gesicht der hübschen Schwarzhaarigen. „Wieso, magst du das etwas nicht?", fügte sie neckend hinzu.

„Ich liebe es", erwiderte er sarkastisch und verdrehte die Augen. „Ah, hallo Eldar!"

Der alte Mann lächelte ihn an. „Hallo Harry! Bist du bereit?"

„Immer so schnell, nicht wahr, Onkel?", fragte Helartha und verschränkte ihre Arme. „Können wir uns etwa nicht einmal in Ruhe verabschieden?"

Er nickte seufzend. „Natürlich könnt ihr das. Und-"

„Warum sind wir eigentlich hier, Eldar?", unterbrach Harry ihn neugierig. „Entschuldige, aber warum genau hier?"

„Nun, du bist hier angekommen und gehst hier auch wieder", erklärte der alte Mann ruhig ohne sich von der Unterbrechung stören zu lassen. „Das wollte ich dir aber gerade auch sagen."

„Und wenn er es nicht von hier tut, könntest du ja denken, dass sein Abschied unvollständig ist, nicht wahr?", schlussfolgerte Helartha.

„Genau." Eldar lächelte. „Wie schön, dass du es verstanden hast."

Beide verdrehten die Augen. Manchmal erinnerte Eldar Harry an Dumbledore. Er zuckte zusammen und schloss schnell seine Augen, um sich zu beruhigen. Er wollte nicht, dass die Wut ihn überrannte. Erst dann öffnete er sie wieder.

„Ich… ich werde jetzt gehen", sagte er schließlich und brachte ein schwaches Lächeln zustande. „Also… auf Wiedersehen", fügte er zögerlich hinzu.

Er hörte ein Schluchzen. Überrascht sah er, dass es von Helartha kam. Sie schoss auf ihn zu und umarmte ihn noch einmal.

„Pass auf dich auf", flüsterte sie und schniefte, „und trete ihnen in ihren Allerwertesten!"

Er nickte und lächelte sie an, woraufhin sie sich von ihm löste.

„Auf Wiedersehen", murmelte sie leise und ging wieder zu den anderen.

„Auf Wiedersehen, Harry", sagte Eldar mit einem warmen Lächeln.

Harry neigte seinen Kopf und sagte die gleichen Worte. Nun war nur noch Lynn übrig.

„Tschüss, Harry!", rief sie mit einem breiten Grinsen.

„Man könnte fast meinen, du wärst glücklich, dass ich gehe", sagte er trocken.

Sie schüttelte ihren Kopf. „Natürlich nicht, aber ich wollte die Stimmung etwas fröhlicher machen!"

Er nickte und lächelte. „Nun, es hat ein wenig geklappt." Dann wandte er seine Aufmerksamkeit auch wieder Helartha und Eldar zu, sodass er nun alle anschaute. „Also, wir sehen uns wieder!"

„Auf Wiedersehen!", sagten sie noch einmal wie aus einem Mund und er neigte dankbar seinen Kopf.

Dann schloss er seine Augen und konzentrierte sich. Er griff nach seiner Magie und entfesselte sie. Stürmisch bahnte sie sich ihren Weg aus seinem Kern und griff um sich. Er war bereit. Kurz atmete er ein letztes Mal tief ein und aus, dann öffnete er für einen winzigen Moment die Augen und starrte seine Freunde an. Ein letztes Lächeln bildete sich auf seinem Gesicht, er flüsterte eine Verabschiedung, die die anderen mit dem gleichen Gesichtsausdruck wiederholten, dann schloss er wieder seine Augen und seine Magie umfasste ihn. Sie schlug um sich und er verschwand in einem schillernden Lichtblitz.

Harry unterdrückte ein Stöhnen, als er gegen die harte Metallwand schlug. Oh, wie hatte er sie vermisst! Er seufzte. Er war nur kurze Zeit von Larnok entfernt und dachte schon wieder so etwas. Er blinzelte und richtete sich so gut es ging auf.

Sein Rücken schmerzte und er seufzte erneut. Plötzlich ertönte ein Stöhnen das nicht von ihm kam. „Artus?"

Erst blieb es ruhig. Dann, nach einigen quälenden Momenten ertönte eine Stimme. „Harry?", krächzte sie. Artus' Stimme klang schwach, nicht so stark wie sie war als er ihn verlassen hatte und er erschauderte. Forderte Askaban endlich seinen Tribut von seinem Mentor?

„Artus, geht es dir gut?", fragte Harry besorgt.

Er hörte ein kehliges, schon fast röchelndes Lachen. „Natürlich Junge!" Artus hustete. „Du… bist zurück."

„Ich kann dich doch nicht alleine lassen, oder", erwiderte der Junge, „vor allem… in deinem derzeitigen Zustand", fügte er hinzu.

„Aber mir geht es gut!", protestierte Artus.

„Sicherlich", sagte Harry trocken.

„Nun erzähl schon, Junge, wie war es in Larnok?", fragte Artus und wechselte das Thema. Harry konnte sich das sanfte Lächeln auf seinem Gesicht schon fast vorstellen, obwohl er absolut keine Ahnung hatte wie dieser aussah und unwillkürlich breitete sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus.

„Es war schön", begann Harry langsam, „die Leute sind wirklich nett."

„Und wie lange warst du dort?", wollte Artus wissen, doch bevor er antworten konnte, fuhr dieser schon fort: „Ich habe am Anfang gezählt, aber irgendwann hast du eine Woche überschritten. Geschlafen habe ich aber auch. Und ich habe immer gleich nach dem Aufwachen weitergezählt, also muss es lange gewesen sein!"

„Es war ein Jahr, Artus", antwortete Harry amüsiert. Er ließ sich zu Boden sinken und rollte sich zusammen, den Kopf auf seinem Arm gelegt um so eine gemütlichere Position zu haben.

„Ein Jahr?!", wiederholte der Mann überrascht. „Es… hat sich gleichzeitig länger und kürzer angefühlt." Er räusperte sich. „Was hast du denn die ganze Zeit getan?"

Harry widerstand dem Drang, mit den Schultern zu zucken, was in seiner jetzigen Position sowieso schwieriger gewesen wäre. „Ich habe trainiert", antwortete er sanft, „nette Leute kennengelernt und an einem Turnier teilgenommen."

„An einem Turnier?" Harry wollte gerade antworten, da sprach Artus schon weiter. „Nein, warte, gleich!" Er räusperte sich erneut. „So, jetzt!"

„Artus… ähm… was sollte das?", fragte der Junge verwirrt.

Er konnte Artus schon fast lächeln sehen, obwohl er nicht einmal wusste, in welcher Richtung dieser war. „Gleich, Harry, gleich", sagte er sanft. „Aber was hast du in Larnok erlebt?" Harry konnte die Begeisterung hören, er lachte leise und begann zu erzählen.


Endlich habe ich Kapitel zwölf fertig! Es ist nicht lang, aber ich hoffe, dass es in Ordnung geht. Ursprünglich sollte es länger sein, da ich noch etwas geplant habe, aber das kommt dann im nächsten Kapitel vor. :) (Hat etwas mit Artus' komischer Pause am Ende zu tun! :)) Das nächste Kapitel wird "Artus' Geheimnisse" oder "Artus' Vergangenheit" heißen. Vielleicht fällt mir noch ein anderer Titel ein, also ist das nur ein kleiner Tipp, was vorkommen wird. Bis zum nächsten Mal! :)