In den frühen Morgenstunden waren sie eingekehrt. Beinahe sofort war Cara in den Schlaf gesunken, während Din wach blieb und nach draußen starrte. Er hatte die Rüstung abgelegt und hätte es seiner treuen Begleiterin gleichtun sollen, aber er fand keine Ruhe. Er zog seine Beine eng an seinen Körper, etwas, das er sonst nicht tun konnte, und schlang seine Arme darum. Der weiche Stoff der zivilen Kleidung fühlte sich gut an. Die Anspannung in seinen Schultern begann sich zu lösen. Auch seine bloßen Füße konnte er frei bewegen. Wie gut das tat, auch wenn es nicht von Dauer war. Morgen würde er sich wieder verhüllen und in der Anonymität verschwinden.
Das ist der Weg, dachte er sich und seufzte tief. Was bedeutete dieser Satz eigentlich? Die meisten seiner Bekanntschaften fanden ihn eher lächerlich. Sie äußerten sich abfällig über Mandalorianer und sie belächelten den Weg bis sie seine Hilfe benötigten und scheinbar plötzlich erkannten, dass es wichtig war, einen Weg zu haben. Manche erkannten es auch nicht. Die meisten seiner Bekanntschaften fanden auch Din eher lächerlich. Sie spotteten über die Rüstung und den Helm, schlossen Wetten darauf ab, welche Spezies und ob er hässlich war. Sie munkelten, ob er ihn jemals absetzte, etwa wenn er mit einer Frau zusammen war; und wenn er auf die Sticheleien nicht einging, munkelten sie, dass er unerfahren war. Oder dass er sich Männern unterwarf, die sein Gesicht nicht sehen konnten.
Niemand munkelte über die anderen. Zumindest forderte niemand die anderen in dieser Form heraus. Taten sie es bei ihm, weil er keine Reaktion zeigte? Oder weil sie wollten, dass er reagierte? Aber wie sollte er reagieren?
Er sah zu Cara hinüber, die sich auf einen Arm gestützt hatte und ihn mit gerunzelter Stirn musterte.
„Du denkst zu laut," knurrte sie und vergrub den Anblick seines Profils, Gesichtszüge und gewelltes Haar, in den Tiefen ihres Gedächtnisses.
„Findest du, dass ich ein Idiot bin?" fragte er.
„Manchmal," parierte sie und ließ sich auf den Rücken fallen.
„In Bezug auf den Weg," trotz der Heiterkeit in seiner Stimme hörte sie die Ernsthaftigkeit seiner Worte heraus.
„Nein," antwortete sie wahrheitsgemäß und drehte ihm ihr Gesicht zu. Da Din sich ihr zuwandte, konnte sie sein Gesicht nicht sehen, „du bist … anders als wir. Du hast diese … Überzeugung, an der du festhältst, egal was kommt, auch wenn sie dich einsam macht. Du hast etwas, das dich antreibt und an das du bedingungslos glaubst. Darum beneide ich dich manchmal … wenn du dich nicht gerade wie ein Idiot benimmst."
Dins Lächeln vertiefte sich und er versicherte Cara, dass er nicht einsam war.
„Vielleicht nicht gerade jetzt," entgegnete sie und überließ ihn damit wieder seinen Gedanken.
