Und wenn es sein Gesicht war, das ihn ausmachte?
Din warf einen scheuen Blick zu der schlafenden Kriegerin hinüber. Das dunkle Haar ruhte auf ihrer Schulter, der rechte Arm diente ihr als Kopfkissen. Im fahlen Mondlicht konnte er ihre Züge kaum erkennen; doch selbst im Dunklen wäre er in der Lage, sie vor sich zu sehen – ihr Lächeln, die kleine Tätowierung unter ihrem linken Auge und ihren herausfordernden Blick.
Starr' nicht so, Blechbüchse, hörte er sie schmunzeln und schalt sich selbst, wandte sich aber dennoch nicht von der schlafenden Frau ab, die er in den letzten Jahren so sehr gelernt hatte zu schätzen und zu-
Din schluckte. Sein Herz schlug mit einem Mal wilder und er spürte den Puls in seiner trockenen Kehle, in seiner schutzlosen Brust, in seinem Magen. Seine Wangen glühten, und trotzdem erhob er sich und schlich näher an Cara heran. All sein Blut schien sich dabei in seiner unteren Körperhälfte zu sammeln und ihn zu Boden zu ziehen. Da kreisten so viele Gedanken, die er festhalten wollte, die auftauchten und wieder verschwanden, Bilder, die in seinem Kopf verschwammen und ihn schwindelig machten. Etwa zwei Meter vor Caras Nachtlager hielt er inne, setzte sich mit gekreuzten Beinen auf den Boden und studierte das entspannte Gesicht der Soldatin.
Niemand würde seines derart studieren.
Din schluckte und unterdrückte die aufkeimende Enttäuschung. Sein Gesicht war ohne Bedeutung. Der Weg war, was zählte. Er war nur ein Diener einer höheren Bestimmung. Und das hatte ihm immer gereicht. Warum saß er dann jetzt in einer verlassenen Hütte? Mit einer Fr-…
Mit einer Freundin? Warum wünschte er sich, sie würde die Augen öffnen und ihn ansehen?
Es wäre ein Unfall, log sein Gewissen, ein unschuldiger Zufall. Den er herbeigeführt hatte, mahnte eine innere Stimme.
Und dann? Was würde sie sehen? Ein komisches rundes Gesicht, zu hässlich, um durchschnittlich zu sein, nicht durchschnittlich genug, um in Erinnerung zu bleiben. Einen Mann, dessen Augen die Furcht eines Kindes in sich trugen.
Plötzlich erkannte Din, dass er bei Cara immer sicher sein würde. Sie würde ihn niemals bloßstellen oder in ernsthafte Verlegenheit bringen. Sie würde ihn niemals ansehen. Merkwürdigerweise schmerzte die Erkenntnis mehr als dass sie ihn tröstete. Ein Mandalorianer zu sein, hieß, mehr als bloß ein Mann zu sein. Aber in diesem Moment war Din Djarin ein Mann. Einfach ein Mann. Und damit war er mehr als bloß ein Mandalorianer.
Mit einem leisen Seufzer drehte sich Cara fort von ihm und auf die Seite, „Geh' ins Bett, Mando."
„Du bist wach," Din versuchte sein Entsetzen zu verbergen und hoffte, seine Stimme klang fest.
„Scharfsinnig wie immer," kam die trockene Antwort.
Din wollte im Erdboden versinken. Natürlich hatte sie seine Nähe gespürt. Ihre Sinne waren darauf trainiert, ihre Umgebung wahrzunehmen und im Notfall kampfbereit zu sein.
„Die verarschen dich, weil sie bezweifeln, dass unter dem Bezkar Gefühle stecken," fuhr Cara fort, „naja, ein paar von den Perversen wollen natürlich auch wissen, ob du's nur mit Helm tust."
Din sagte nichts.
„Keiner, der dich kennt, würde jemals zweifeln," ergänzte Cara mit einer so ernsten Überzeugung, dass Din seinen Ohren nicht zu trauen wagte.
„Woran?" stammelte er leise.
„Dass du's nur mit Helm tust, Idiot."
