Cara Dune hatte keinen Zweifel daran, dass der Mandalorianer ein Herz hatte, mehr noch. Er hatte ein gutes Herz. Mit seiner unbeholfenen Art stand er sich in der Regel selbst im Weg, aber insgesamt war er in Ordnung.
Als sich ihre Wege zum ersten Mal gekreuzt hatten, war sie überrascht gewesen. Sie hatte mit einem knallharten Typen gerechnet, weil alle Kopfgeldjäger knallharte Typen waren. Und er hatte sie auf eine Suppe eingeladen. Mit seinem grünen langohrigen Kind. Toller Anmachspruch. Für einen Moment hatte sie damals geglaubt, er wolle sie auf den Arm nehmen. Heute fürchtete sie manchmal, er wollte sie in den Arm nehmen. Und wäre das so furchtbar?
Mit dem Kind ging Din zärtlich um. Von Erziehung hatte er keine Ahnung, und der Kleine machte sowieso, was er wollte, aber Din bemühte sich streng zu sein und ihn zu schützen. Dabei war der Kleine stark und vermutlich mächtiger als Din oder sie es sich vorstellen konnten. Er konnte Wunden durch das Auflegen seiner kleinen Hände heilen und Gegenstände mit der Kraft seiner Gedanken bewegen. Das war nicht normal. Jeder Mann, den sie kannte, hätte sich von dem Kind ferngehalten. Nicht Din. Er kaufte ihm Suppe.
Cara musste lächeln. Ihr Begleiter war kein Mann der Worte. Er sprach wenig, und meist ging es um den Weg oder das Kind oder beide. Selten hatte Cara jemanden getroffen, der derart beschränkt war, noch seltener jemanden, der sich selbst derart beschränkte.
Manchmal fragte sie sich, was aus ihm würde, wenn seine Mission erfüllt und das Kind sicher war. Würde er dann zur Ruhe kommen? Würde er dann glücklich sein?
In den vergangenen Wochen waren sie sich sehr nah gekommen. Sie hatten den Unterschlupf geteilt und Tag und Nacht zusammen verbracht. Unmöglich, in solch einer Situation seine Privatsphäre zu wahren, und doch war es ihnen aller Intimität zum Trotz weitgehend gelungen.
Din hatte sich anfangs zurückgezogen und den Helm nur abgesetzt, wenn Cara im Wald oder an der Wasserstelle war. Mit wachsender Vertrautheit hatte er ihn auch dann weggelassen, wenn Cara vor der Hütte saß und schnitzte. Sie erinnerte sich noch gut an seine zaghafte Bitte, draußen zu bleiben. „Wir können uns ja trotzdem unterhalten," hatte ein erstaunlich sanfter, warmer Bariton festgestellt, und Cara war angenehm überrascht gewesen, wie der Mann ohne Computerunterstützung klang.
Und in der Nacht des Dorffestes hatte er ihre Hand gehalten. Naja, fast. Aber er hatte seinen Handschuh ausgezogen, um ihre Hand zu berühren und sie hatte seine Wärme und seinen Puls gespürt. Das hatte sie zuvor in Nevarro auch, aber da war er verwundet gewesen und sie hatte fliehen und ihn zurücklassen müssen. In der Nacht des Dorffestes war seine Berührung voller Sicherheit und Zuneigung gewesen.
In derselben Nacht hatte er sie im Schlaf beobachtet, zumindest dachte er das. Niemals hätte er sich getraut, näher zu kommen und sie zu betrachten, wenn er gewusst hätte, dass sie nicht schlief. Sie hatte seine Nähe gespürt und sich gefragt, warum er zu ihr herübergekommen war, und für sich entschieden, dass er die Sicherheit der Dunkelheit nutzte, um ihr nahe zu sein. Mit ein paar flapsigen Sprüchen hatte sie ihn aus der Fassung gebracht und wieder in seinen Teil der Hütte getrieben.
Am nächsten Tag hatte er sich wieder gefangen und sie in eine Höhle gelockt, die er auf einem Streifzug entdeckt hatte.
„Gar nicht neugierig, was da drinnen wohnt?" hatte er sie aufgezogen, und sie hatte die Herausforderung angenommen. In der Höhle war es stockfinster gewesen, und ihre Taschenlampen hatten nur einen armseligen Schein geworfen. Für etwaige Höhlenmonster wären sie leichte Beute gewesen.
„Ich glaube, hier geht es lang," war Dins Feststellung bei nahezu jeder Passage gewesen, die so gut war wie jeder andere Verbindungstunnel in diesem Höhlenlabyrinth.
„Das ist der Weg?" hatte sie gespottet und Din hatte ein grunzendes Geräusch von sich gegeben.
„Hast du etwa gerade gelacht?"
„Hast du dich über mich lustig gemacht?"
„Ein bisschen. Die Vorlage war zu schön."
Din hatte unvermittelt einen Arm in die Höhe gehoben und seine Kopflampe ausgeschaltet. Cara war seinem Beispiel blind gefolgt und sie hatten sich in vollkommener Dunkelheit wiedergefunden. Die Kriegerin hatte angestrengt gelauscht, aber nur den Atem ihres Begleiters ausmachen können. Sie hatte einen weiteren Moment gebraucht, um einzuordnen, warum sie ihn hören konnte.
Der Weg, den Din gewählt hatte, wäre kaum breit genug für eine Person gewesen, und da waren sie nun zu zweit dicht aneinandergepresst, und nichts von dem, was in dieser Höhle geschehen konnte, würde jemals jemand außer ihnen erfahren.
