Din Djarin sah sich selbst nicht als einen Mann mit Verstand. Er beherrschte keine fremden Sprachen, kannte sich nicht mit Geschichte aus und lernte gerade erst, sein Schiff zu reparieren. Der Weg hatte ihm Halt und seiner Existenz einen Sinn gegeben, bis die Höhle sein Weltbild erschüttert hatte.
Dabei war gar nichts passiert. Jedenfalls nichts, das ein lüsternes Publikum in irgendeiner Schenke in Wallung gebracht hätte. Im Gegenteil. Was dort geschehen war, war unendlich kostbarer als es entfesseltes Verlangen gewesen wäre.
Er hatte Cara in das unterirdische Tunnelsystem gelockt, um sicher zu sein, dass niemand sie unterbrechen konnte. Immer wieder hatte er sein Vorhaben aufgeschoben gehabt, und dann war plötzlich der Abreisetag da und die letzte Gelegenheit gekommen. Ohne zu zögern hatte er seine Gefährtin zur Höhle geführt und sie mit einer schelmischen Andeutung hineingelockt. Natürlich hatte er gewusst, dass nichts in der Höhle hauste. Niemals hätte er Caras Leben leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Das Netzwerk aus verschlungenen Gängen und Passagen führte tief in den Berg hinein. Nichts, was dort drinnen geschah, würde jemals nach außen dringen. Was genau hätte geschehen sollen, von dem er wünschte, niemand würde es erfahren, hätte Din selbst nicht sagen können, aber er war sich sicher gewesen, dass es nur Cara und ihn betraf.
Als er überzeugt war, weit genug in das Labyrinth vorgedrungen zu sein, hatte Din in einer schmalen Passage sein Licht ausgeschaltet. Cara hatte es ihm gleichgetan, und so hatten sie in der Finsternis verharrt. Caras Sinne waren angespannt gewesen und sie hatte nach verdächtigen Geräuschen gelauscht. Seine Nerven hatten ebenfalls unter Spannung gestanden, weil er seiner Vertrauten endlich so nah wie nie war. Lautlos hatte er sich des Helmes entledigt und es hatte einen Moment gedauert bis sein Atem ihn verriet.
„Hier drinnen ist nichts, vor dem du dich fürchten musst," war ein ziemlich lahmer Spruch gewesen, und prompt war ein nur zur Hälfte scherzhaftes „Da wäre ich mir nicht so sicher" zurückgekommen. Danach hatten sie nicht mehr gesprochen. Er hatte seine Arme um die Kriegerin gelegt und sie vorsichtig an sich gezogen und sie hatte mit ihrem Handrücken seine Wange berührt. So hatten sie eine kleine Ewigkeit zusammengestanden.
Ich lass' mich von keinem Mann auf den Arm nehmen. In den Arm erst recht nicht hatte sich eine Erinnerung in sein Bewusstsein gedrängt. In einer Kneipe auf Mos Eisley hatte Cara vor vielen Monden vor seinen Augen einen aufdringlichen Verehrer verprügelt und ihn dann herausfordernd angesehen. Das wird ein ganz harter sein, der Cara Dune eines Tages 'rumkriegt. Irgendwie hatte sie recht gehabt, nur hatte er das merkwürdige Gefühl, dass sie ihre Worte anders gemeint hatte.
In jener Höhle hatte es nichts außer ihnen beiden gegeben, und auch Dins letzter Zweifel daran, ob die plötzliche Intimität der unabhängigen mutigen Frau in seinen Armen irgendetwas bedeutete, war verflogen, als er sich, um ihre Lippen kaum merklich mit seinen zu streifen, zu ihr hinuntergebeugt und dabei mit Entsetzen ihre Tränen bemerkt hatte. Er war durcheinander gewesen und hatte sich schuldig und hilflos gefühlt. Seine Cara war stolz, frech und mutig. Sie war geduldig, sogar mit ihm, herzlich und treu, und sie war ein zufriedener fröhlicher Mensch.
Sie traurig zu machen, hatte er nicht vorgehabt. Schon hatte er sich zurückziehen wollen, als sie seine Schultern fest umfangen und sich, falls das überhaupt möglich war, noch enger an ihn gezogen und ihr Gesicht an seinem Hals verborgen hatte. Er hatte sie schützend umklammert und sie hatte lautlos in seinen Armen geweint. In dem Moment hatte er verstanden, dass es nicht Schmerz war, der das Wasser in ihren Augen hervorrief, sondern tiefste Zuneigung. Ihre Tränen entsprachen der Preisgabe seines Gesichtes. Sie hatten sich gegenseitig ihre Schwächen gezeigt und waren einander dadurch in einer Weise verbunden, in der sie niemand anderem verbunden waren. Es gab kein Zurück. Das war der Weg.
