„Ein König braucht eine Königin," Bogotan hob das Kinn und sah Din erwartungsvoll an. Ihre Worte entbehrten nicht einer gewissen Wahrheit. Der Thron von Mandalor brauchte früher oder später einen Erben. Langsam drehte der Mandalorianer, Helm in der Hand, sich zu seinen Gefährtinnen um. Die Scharfschützin, die Prinzessin und die Soldatin standen noch in Kampfbereitschaft.

Fennec Shand grinste erst ihn, dann Bogotan schief an, und die Prinzessin sog triumphierend einen Schwall Luft ein. Sie waren Mandalorianerinnen, wenn sie den Weg auch anders auslegten und sie hatten ihm im Kampf beigestanden. Vielleicht unterschied sich ihre Auffassung doch nicht so sehr von seiner. Sein Blick fiel auf Cara Dune, die die ganze Zeit zu Boden gesehen hatte und sich nun abwandte. Ihr Blick ruhte auf dem Gewehr, an dem sie sinnlos rüttelte, und er erkannte, dass sie sich nicht wirklich für die Waffe interessierte.

Sie respektierte seine Überzeugung noch immer und vermied ihn, während die anderen beiden Frauen abwarteten und lauerten.

Das ist der Weg," antwortete Din und versuchte in Caras Profil zu lesen. Ihre Züge hatten sich kaum merklich verhärtet und sie riss beinahe unbeherrscht am Zielfernrohr.

„Das Erbe von Mandalor zu bewahren, ist mit großer Verantwortung verbunden. Ich werde dabei Unterstützung brauchen. Bist du bereit, sie mir zu geben-"

Bogotan strahlte und trat vor, während Fennec ihr Gewehr schulterte.

„-Cara Dune?" Mit einem Mal war seine Kehle trocken. Er beachtete die Enttäuschung und Wut der anderen Frauen nicht, sondern sah die Soldatin an, die von ihrem Gewehr abgelassen hatte und ungläubig ins Leere starrte.

Din nahm all seinen Mut zusammen und wiederholte heiser: „Würdest du mit mir kommen?"

Cara schmollte, sah ihn aber noch immer nicht an. Stattdessen stellte sie das Gewehr neben sich ab und verschränkte die Arme. Ihre Antwort war ein herausforderndes „Und was hätte ich davon?"

Din schluckte und machte einen Schritt auf Cara zu. Was konnte er ihr bieten? Seine Gedanken rasten und er versuchte zu erraten, was Cara suchte. Er erinnerte sich an ihr erstes Aufeinandertreffen. Sie mochte Spotchka. Sie war ihm im Kampf ebenbürtig. Auf Sorkan hatten sie viel Zeit an den friedlichen Krill-Teichen verbracht, häufig redend, aber ebenso häufig schweigend. Sie verstanden sich blind. Sie vertrauten einander. Als er verwundet wurde auf Nevarro, hatte sie ihn nicht aufgeben wollen. Sie hatte seine Hand gehalten und ihm mit einer herzzerreißenden Verzweiflung sinnlose Dinge gesagt, um ihn zu beruhigen. Und als sie sich wiedersahen, war sie voller Erleichterung auf ihn zugeeilt, um ihn zu stützen. Sie schätzte ihn, und trotzdem gelang es ihr, ihn weniger ernst zu nehmen als er sich selbst. Sie hatte ihn niemals gedrängt, seinen Helm abzunehmen, auch nicht, als er dem Tod nah gewesen war. Sie hatte stirnrunzelnd seine Entscheidung mitgetragen und sich an ihm festgeklammert. Wie gerne hätte er damals nachgegeben. Aber ihr den Mann zu zeigen, den sie nicht würde retten können, wäre brutal gewesen. Ungesehen und unerkannt zu sterben, hätte stets sein Los sein können. Er war bereit gewesen. Und dann war alles anders gekommen.

In gewisser Weise hatten sie sich ihre Treue schon längst geschworen, ihre Freundschaft in unzähligen Gesten besiegelt. Außer seiner Identität fiel ihm nur eines ein, das er ihr bedingungslos schenken konnte, und das war sein Herz.

Mich," antwortete er deshalb etwas plump und Cara neigte den Kopf.

„Und eine Hütte mitten im Nirgendwo. Mit See. Suppe. Und Spotchka." Mit jedem Vorschlag war er nähergekommen und stand nur noch wenige Meter von Cara entfernt, als diese ihr Gewehr aufnahm, in seine Richtung und an ihm vorbei zielte und schoss.

Fennec Shand fiel mit einem letzten Stöhnen zu Boden.

„Verzieh' dich," knurrte Cara Bogotan zu und machte eine ungeduldige Kopfbewegung, während sie auf die Prinzessin zielte. Bogotan warf beiden flammende Blicke zu, verließ aber die Brücke. Als sie fort war, drückte die Soldatin auf die Türverriegelung. Ihr geübtes Auge prüfte die Lage. Erst dann legte sie das Gewehr ab und sah Din an. Der Mandalorianer beobachtete ihr Mienenspiel. Die Soldatin wirkte nicht abgeneigt.

„Suppe konnte ich noch nie widerstehen," vertiefte sich ihr Lächeln und sie trat näher an ihren Begleiter heran. Dins Lippen formten ein kaum sichtbares Schmunzeln.

„Ich finde, du könntest ein kleines bisschen zufriedener aussehen," stellte sie fest und Dins Mundwinkel hoben sich. Sie standen einander mittlerweile gegenüber, und Dins rechte Hand fand ihre linke und hielt sie fest. Caras rechte Hand wanderte zu seiner Wange und sie berührte die Stelle, die das Kind angefasst hatte. Din schloss die Augen und genoss die neue, fremde Nähe, während Cara ihr Gegenüber aufmerksam studierte und sich jede Einzelheit einzuprägen versuchte.