„Wolfram nicht!"

Yuri wollte gerade in den Brunnen springen, als Wolfram ihn am Arm packte. „Bleib hier. Du kannst nicht immer weglaufen!" brüllte er den Dämonenkönig wütend an.

Doch dieser war schon im Sprung und nahm Wolfram einfach mit. Murata, welcher hinter den Beiden in den Brunnen sprang lächelte wissend.

Der Sprudel versiegte und zurück blieben zwei sprachlos guckende Brüder.

Gwendal meinte aus dem Augenwinkel noch Lavendelhaar fliegen zu sehen. Als er sich nach diesen umschaute lagen sie mitsamt dem dazugehörenden Körper ohnmächtig auf dem Boden.

‚Die Atmung funktioniert noch, also lebt er noch'. dachte sich Gwendal bevor er sich seinem jüngeren Bruder zu wandte. „Was machen wir jetzt? Nachdem was wir von dem großen Weisen wissen sind wir jetzt die nächste Zeit komplett Königslos, da sie nicht zurück können." Conrad schüttelte den Kopf. „Ich hab auch gerade keine Ahnung, was wir tun sollten."

Er guckte zum Schloss. „Doch ich weiß es. Mutter um Rat fragen…" seufzte er und setzte sich schleppend in Bewegung. Dass ihr jüngster Bruder für Überraschungen gut war, wusste er ja. Aber dass er einfach mit Yuri auf die Erde verschwinden würde, damit hatte nun niemand gerechnet.

Gwendal sah ratlos zum Brunnen, schnappte sich den immer noch bewusstlosen Gunther und folgte Conrad in das Schloss.

Prustend kamen Yuri, Murata und Wolfram an die Wasseroberfläche. Es quietschte. „Yu-Chan! Oh…Wolfram, du bist dieses Mal auch dabei!" Yuri schaute sich nach seinem Verlobten um. „Ja, aber er sollte eigentlich gar nicht hier sein."

Er stapfte aus der Badewanne und nahm das Handtuch, welches ihm seine Mutter entgegen streckte. „Ich würde auch nicht hier sein, wenn du nicht immer weglaufen würdest, Weichei!" gab Wolfram zurück und nahm mit Ken die Anderen dargebotenen Handtücher.

Wenig später saßen alle bei gemeinsamen Curryreis in der Küche. „Na, was habt ihr denn vor zusammen auf der Erde?" fragte Miko ihren Sohn. „Ich muss für die Abschlussprüfungen lernen." Brummte Yuri. „Ken sicher auch. Was Wolfram vorhat weiß ich nicht."

Murata blickte Yuri von der Seite an und schüttelte spöttisch den Kopf. „Du kannst deinen Verlobten nicht komplett übersehen. Jetzt wo er schon mal dabei ist." Dieser überhörte Yuris wütenden Ton und antwortete: „Ich würde gern mal in die Stadt. Da fahren doch diese Metalldinger rum. Die möchte ich mir gern anschauen."

Miko lachte. „Du meinst die Autos. Ja, das können wir machen. Und dann zeige ich dir mal ein paar schöne Stätten in der Umgebung. Wir haben es landschaftlich auch sehr schön hier."

Shouri guckte seinen Bruder prüfend an. Dieses Mal scheint es tatsächlich ein Versehen gewesen zu sein, dass der Feuerdämon mitgekommen war. Auch der schien es gar nicht darauf angelegt zu haben mit Yuri auf die Erde zu kommen.

Merkwürdig.

Er schüttelte den Kopf. „Was hast du Shouri?" hörte er die Stimme seiner Mutter. Als er aufsah blickte er in zwei funkelnde Augen, die ihm stumm klarmachten, er solle ja nichts gegen Wolfram sagen. Also seufzte er nur. „Nichts. Ich habe nur das Gefühl, dass Yuri und Wolfram nicht zusammen herkommen wollten."

Alle drei, Yuri, Wolfram und Murata nickten gleichzeitig mit dem Kopf. „Das war auch nicht geplant." Wolfram sah Shouri wütend an. „Wer regiert jetzt das Dämonenreich, wenn wir beide weg sind? Wir wissen ja, dass wir nicht zurück können. Der große Weise hat das bereits angekündigt. Jetzt sind wir beide hier. Der Dämonenkönig und sein Verlobter." Wolframs Stimme wurde sanft. „Hoffentlich ist es Gwendal. Er ist der geborene König. Nicht so ein Weichei wie du."

Bei diesen Worten schickte er einen giftigen Blick zu Yuri. Dieser war froh, dass Wolframs Maryoku auf der Erde nicht funktionierte und er sein Majutsu nicht einsetzen konnte. Sonst wäre das Haus wohl bereits abgebrannt, bevor auch nur einer daran denken könnte, die Feuerwehr zu rufen.

Gwendal, Conrad und der mittlerweile wieder erwachte Gunther saßen mit Cecile in Gwendals Büro und beratschlagten was zu tun sei. „Ich denke, dass Gwendal in Abwesenheit des Dämonenkönigs und seines Verlobten die Amtsgeschäfte weiterführen sollte." Verkündete Gunther. Cecile und Conrad nickten zustimmend. „Vielleicht kommt ja einer irgendwie zurück…irgendwann…" seufzte Conrad.

Gwendal legte seine Hand auf die Schulter seines Bruders und antwortete ungewohnt sanft. „Mach dir keine Sorgen um unseren kleinen Bruder. Du weißt, dass der sich durchsetzen kann. Ihm wird nichts passieren."

Überrascht das Lord von Voltaire genau zu wissen schien, dass Conrad sich nicht um den Mao, sondern um ihren kleinen Bruder sorgte, schaute Conrad ihn an. Dieser lächelte. „Ich habe mir die gleichen Gedanken gemacht. Yuri ist auf der Erde zuhause. Für Wolfram ist es ein Kulturschock. Aber er ist stark. Und er hat Yuris Mutter." Fügte der schwarzhaarige grinsend hinzu.

Conrad nickte und sah seine Mutter an. Auch diese schien in Gedanken versunken, blickte ihn jedoch nach einer Weile zuversichtlich an. „Gwendal hat Recht. Wolfram ist stark. Wer weiß, vielleicht findet er am Ende dort sogar jemanden, der ihn endlich so zurück liebt, wie er es momentan für die falsche Person tut." Niemand erwiderte etwas, doch alle wussten, dass sie Recht hatte.

Yuri liebte seinen Verlobten, doch er stand sich selbst im Weg.

Wie lang würde Wolfram diesen Zustand noch aushalten, bevor sein Herz daran zerbrach?

Plötzlich tauchte Shinou vor ihnen auf.

Überrascht schauten die vier den Einzigartigen an. „Ich weiß, wie ihr zu Wolframs Liebe zu eurem König denkt."

Gwendal wollte etwas sagen, doch der ehemalige König schüttelte den Kopf. „Wartet Lord von Voltaire. Ich bin noch nicht fertig."

Er setzte sich in einen der gemütlichen Sessel, die sich in Gwendals Büro befanden. „Wolfram wird die Liebe, die er Yuri gibt, eines Tages zurückbekommen." Cecile wollte ihren Ohren nicht trauen. „Ihr meint, Yuri liebt Wolfram ebenso?" Shinou nickte. „Ja, aber es wird noch einige Monate dauern, bis dieser es verstehen wird. Und ebenfalls Monate bis er Wolfram endgültig zurück gewinnen kann. Bis dahin bitte ich euch um Geduld. Es ist vorher bestimmt. Vertraut mir."

Tanmoku Ki blieb auf einmal stehen.

Er schaute sich verwundert um, schüttelte den Kopf und ging langsam weiter. „Was hast du?" fragte sein Schattengeist und sah ihn besorgt an.

Ki schüttelte abermals den Kopf. „Ich weiß nicht… ein überaus mächtiger Dämon muss auf die Erde gekommen sein."

Er fuhr sich durch seine silbernen Haare und berührte seinen Ohrring, der seine Kraft bündelte.

Keika sah ihn irritiert an. „Was ist denn mit dir?" fragte er nochmals.

Der Yomeishi knetete sein Ohrläppchen. „Es schmerzt. Meine Macht drängt zur Entfesselung, doch ich weiß nicht weshalb. Hier ist niemand. Ich spüre aber den Dämon. Das Merkwürdige ist, ich spüre nichts Böses. Ich spüre … Liebe."

Er ging zögernd weiter. „Komm Keika. Lass uns nach Hause fahren. Den bösen Dämon des Mädchens haben wir vernichtet. Unsere Aufgabe ist getan." Er seufzte. „Ich muss mich ausruhen. Morgen ist ein anstrengender Tag." Keika nickte.

Ki musste am folgenden Tag wieder eine Zeremonie zur Reinigung böser Geister abhalten.

Das war seine Hauptaufgabe als Yomeishi.

Zur Dämonenjagd wie eben gerade diese, wurden Mitglieder der Tanmoku Familie nur gerufen, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft waren. Also wenn der zu jagende böse Geist zu mächtig für normale Dämonenjäger war.

Keika setzte sich auf den Beifahrer Sitz und betrachtete Ki, als dieser zum Anwesen zurück fuhr. Sein Gesichtsausdruck spiegelte Verwirrung wieder. Nachdenklich sah der Schattengeist aus dem Fenster. Was ging in seinem Herren vor?

War es Verwirrung darüber, dass ein so mächtiger Dämon auf Erden auftauchte, oder Verwirrung darüber, dass er nichts als Liebe in ihm spürte?

Am nächsten Tag fuhren Miko und Wolfram in die Stadt, nachdem sie Yuri in der Schule abgesetzt hatten.

Wolfram konnte sich gar nicht satt sehen. Er wunderte sich immer noch über die vierrädrigen Metallkästen und über die langen Metallwägen, welche auf glatten Schienen wie Miko ihm erklärte lang zu schweben schienen.

Miko parkte in einem Parkhaus. Fassungslos schaute Wolfram sich um. „Was findet ihr Menschen nur an diesen Betonklötzern? Sie zerstören doch die Natur." Miko seufzte. „Da hast du leider Recht Wolfram. Aber in diesen Städten müssen viele tausend Menschen auf engstem Raum leben. Daher werden Häuser in die Höhe gebaut. Und damit die Menschen ihre Autos in der Nähe haben, bzw. überhaupt einen Platz zum Parken finden, hat man diese Parkhäuser gebaut."

Sie fasste den Feuerdämon an der Hand. „Komm lass uns etwas in das Kaufhaus bummeln gehen." Wolfram blieb stehen. „Wir … bummeln durch das Kaufhaus?" Yuris Mutter schaute ihn fröhlich an. „Man sagt das so, wenn man nichts Bestimmtes sucht, sondern einfach nur schauen will, was es so gibt." Wolfram lief langsam los. „Warum geht man ohne Ziel einkaufen?" „Wir gehen nicht einkaufen. Wir schlendern durch das Kaufhaus und gucken, ob es etwas gibt, was uns gefällt. Dann kaufen wir es, oder auch nicht." Wolfram verstand allmählich. Einkaufen schien bei den Menschen eine Art Zeitvertreib bei Langeweile zu sein. Hm... komisch waren diese Menschen ja schon irgendwie. Sie betraten das Kaufhaus und Wolfram bemerkte, wie ihn die Leute angafften.

Irritiert guckte er an sich herunter und schaute Miko fragend an. „Was ist denn an mir? Ich habe doch Yuris Kleidung an. Damit dürfte ich doch gar nicht auffallen…" Miko sah ihn an. „Wolfram. Wie oft müssen wir es dir noch sagen. Du bist selbst für einen Mazoku bereits außergewöhnlich hübsch. Aber für Menschen hier in Japan, eigentlich in ganz Asien siehst du aus wie ein Engel, der von Gott gesandt wurde. Daran wirst du dich gewöhnen müssen solang du hier bist."

Erschrocken schaute sie den Dämon an. „Es tut mir leid. Also solange…"

Wolfram senkte den Blick. „Ich weiß was du meinst. Solange wir hier fest sitzen." Miko umarmte ihn tröstend. „Du wirst einen Weg zurück finden. Bestimmt. Shouri versucht mit Bob ja bereits andere Wege nach Shin Makoku zu finden." Wolfram schüttelte den Kopf. „Ja, aber sie finden nichts…" flüsterte er.

Miko befürchtete, der hübsche Blonde würde in Tränen ausbrechen, als sie die Eisdiele sah. Schnell schnappte sie sich Wolframs Arm und zog ihn zur Theke. „Was möchtest du für ein Eis?" fragte sie ihn.

Verwundert hob Wolfram den Kopf und sah lauter kleine Behälter mit Cremefüllungen darin." Er schaute fasziniert auf die bunten Farben und hatte seine Traurigkeit schon wieder vergessen. Erleichtert nahm Miko die Stimmungsänderung wahr und wandte sich an den Eisverkäufer. „Hallo, ich m…" Doch der kleine Mann hinter der Eis Theke starrte seinerseits Wolfram entgeistert an. Also wartete Miko bis beide fertig waren ihr Ziel weiter anzugaffen und dachte sich ‚so hat Wolfram noch Zeit sich etwas auszusuchen'.

Schließlich löste sich der Verkäufer aus seiner Erstarrung und lächelte Miko entschuldigend an. „Oh. Sie wünschen?" „Ich hätte gern ein Haselnuss und Tiramisu Bällchen im Becher." Antwortete sie und schüttelte Wolfram leicht an den Schultern. „Und du?" erschrockene smaragdgrüne Augen blickten Miko an. „Äh…ich…" er wandte sich wieder den bunten Farben zu und deutete einfach auf die cremegelbe Farbe und auf die weiße mit den schwarzen Pünktchen drin. „Ah, der Junge möchte Vanille und Stracciatella?!" es war ein Zwischending zwischen Frage und Feststellung.

Wolfram nickte einfach und nahm sein Eis in der Waffel entgegen. Miko bezahlte und sie schlenderten weiter durch das Einkaufszentrum. Wolfram kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Überall hingen Kleidungsstücke herum, oder Schuhe standen da. Dann gab es Schmuck in allen Vielfalten…

"Wenn du dein Eis nicht bald isst, kannst du es trinken." Hörte er Mikos sarkastische Stimme und merkte, dass seine Hand bereits feucht war und klebte. Schnell leckte er das restliche Eis auf. Miko musste lachen. Zum Glück sah Wolfram aus wie ein großes Kind, so dass es nicht allzu sehr auffiel, dass er null Ahnung hatte wie man ein Eis isst.

Nachdem er fertig war, schaute er angewidert seine klebrigen Hände an. „Komm, ich zeig dir, wo die Toiletten sind." Miko lief los. „Was soll ich denn auf Toilette? Ich brauche ein Bad." Meinte er verzweifelt.

Miko lachte. „Nein, ein Waschbecken um deine Hände zu waschen reicht völlig aus Lord von Bielefeld." Wolfram schluckte.

Wenn sie ihn so nannte, machte sie ihm unauffällig deutlich, dass er sich wieder in den verwöhnten Prinzen verwandelte.

Schnell lächelte er sie an. „Hauptsache, meine Hände kleben danach nicht mehr." Miko nickte. Na also ging doch.

Nachdem Wolfram seine Hände von dem klebrigen Zeug befreit hatte, gingen sie weiter.

Da sah Miko in einem Schaufenster einem Anzug, der es ihr angetan hatte. „Wolfram. Wie wäre es, wenn du diesen Anzug zu Yuris Abschlussfeier anziehen würdest?"

Wolfram schaute entsetzt. „Wieso soll ich da mitgehen?" Miko schaute ihn nun verblüfft an. „Weil du Yuris Verlobter bist." War ihre einfache und logische Erklärung.

Der Dämon nickte und schaute sich nun seinerseits den Anzug an. Er hatte ziemliche Ähnlichkeit mit seiner Uniform in Shin Makoku. Der Anzug an sich war dunkelblau, mit einigen goldenen Applikationen. „Probier ihn doch mal an." Bat sie ihn.

Wolfram war selbst neugierig wie er in einem solchen Menschenanzug aussehen würde und stimmte begeistert zu. Die Angestellte bemerkte ihr Interesse an dem Anzug als sie den Laden betraten und kam zu ihnen. „Dieser Anzug ist heute sogar 50% herunter gesetzt. Wir werfen alle alten Modelle raus, um im Herbst die neue Winterkollektion anbieten zu können." Sie lächelte Wolfram an.

Dieser bekam das gar nicht mit, war er schon in Gedanken bei Yuri, wie er wohl gucken würde, wenn er in diesem Anzug auftrat. Miko gab ihm den Anzug und der Feuerdämon verschwand in der Umkleide, die er noch von der Angestellten gezeigt bekam.

Nach einer Weile kam er wieder raus.

Er suchte Miko, da er sie nicht gleich sah. Schließlich fand er sie und rief nach ihr. Sie drehte sich um. Verzaubert klappte ihr Kiefer nach unten. „Du siehst …wow!" stammelte sie.

Wolfram stand in seiner typischen Haltung als kommandierender Offizier im Gang und sah sie fragend an. „Nun, wie sieht er aus? Also der Anzug…mit mir drin…" stotterte er unsicher, da Miko überhaupt nicht reagierte.

Eigentlich wusste er die Antwort bereits, als er die Reaktionen der umstehenden Kunden sah. Dieser Anzug stand ihm hervorragend. Er betonte seine Figur, die durchaus etwas Weibliches haben könnte, wenn man bedenkt, dass Männer sonst weniger oder eigentlich gar keine Taille hatten.

Aus einer spontanen Laune heraus griff er sich Yuris Mutter und tanzte mit ihr einen Walzer. Die zuschauenden Damen erholten sich gerade von ihrem Herzinfarkt, den sie beim Anblick des Dämons bekamen, als sie bereits einen neuen Anfall befürchteten. Dieser Junge tanzte unbeschreiblich. Er schien zu schweben.

Schließlich blieb Wolfram stehen und senkte verlegen den Blick. „Bitte entschuldige Miko…" „Sag endlich Mama…" antwortete Miko ergriffen. Zu mehr war sie gerade nicht im Stande. Wenn ihr Sohn doch ebenso charmant wäre und so Tanzen könnten. „Bitte entschuldige Mom." Begann Wolfram nochmal. „Mich überkam es eben einfach." Miko strahlte ihn an. „Ich würde mich freuen, wenn du mit mir auf der Abschlussfeier von Yuri tanzen würdest."

Wolfram nickte begeistert. „Ja! Liebend gern. Yuri wird ja eh nicht mit einem Mann tanzen wollen."

Am Nachmittag holten sie Yuri von der Schule ab. Wolfram stieg aus dem Auto der Shibuyas aus und lief durch den Schuleingang. Durch seine gelegentlichen Besuche bei Yuri kannte er sich etwas in dessen Schule aus.

Während er so herumlief und Yuri suchte, übersah er ein Mädchen und stieß mit ihr zusammen.

„Oh entschuldige." Sagte er erschrocken.

„Macht nichts, ich habe doch auch nicht aufgepasst. Mein Name ist Shin Shiyou."

Sie lächelte ihm schüchtern zu. „Du bist nicht oft hier was? Jemand wie du wäre mir aufgefallen." Sie betrachtete den Dämon.

Dieser wurde rot. „Nein, ich hole meinen Ver…meinen Freund ab. Er heißt Yuri…"

„Hey Wolfram." Riss Yuris Stimme die Beiden aus ihrer Unterhaltung. Wolframs Blick veränderte sich. Erstaunt schaute Shin ihren Gesprächspartner an. Seine Augen sprühten vor Leidenschaft als er Yuri begrüßte. „Hallo Yuri. Ich habe deine Mutter gebeten, dass wir dich nach dem Einkaufen von der Schule abholen." Er zeigte auf Shin. „Kennst du Shin Shiyou? Wir sind aus Versehen zusammen geprallt." Beide lächelten verlegen.

Yuri kratzte sich am Kopf. Was wollte Wolfram mit ihr? Sie war zwar hübsch, aber absolut nicht seine Klasse.

Was dachte er sich eigentlich gerade. „Ja klar. Hallo Shin. Gehst du heute zu Ki oder willst du ins Internat?" Wolfram guckte die beiden verwirrt an. „Wie…Internat? Hast du kein Zuhause?" fragte Wolfram.

Shin schüttelte den Kopf und flüsterte. „Es ist etwas schwierig. Mein Verlobter macht sich nicht sehr viel aus mir…daher wohne ich im Internat. Manchmal gibt er mir zu verstehen, dass ich ihn besuchen kommen darf. Aber das kommt selten vor." Wolfram spürte die Wut in sich aufsteigen. „Ihr seid verlobt und wohnt nicht zusammen? Was ist das für ein Verlobter"

Yuri warf dem Dämon einen überraschten Blick zu. So kannte er Wolfram gar nicht. „Ja. Ich liebe ihn, aber er scheint das nicht so zu empfinden wie ich." Flüsterte sie.

Betroffen senkte Wolfram den Blick. „Das kenne ich nur zu gut." Murmelte er.

Doch beide hatten es gehört.

Yuri ließ die seinen Verlobten und Shin einfach stehen und lief zum Auto seiner Mutter.

Shin guckte ihn perplex an. „Sag nur, du bist Yuris Verlobter?" sie erinnerte sich an den Versprecher des Blonden, als er ihr sagte, weshalb er hier war.

Wolfram wusste nicht, wie er reagieren sollte, als Shin eine Hand auf seine Schulter legte. „Ich werde es niemandem sagen." Er guckte sie verwundert an. „Du bist gar nicht angewidert, weil wir beides Männer sind?" Sie schaute ihn ernst an. „Ist das Yuris Ansicht? Wie kommt es, dass er dann mit dir verlobt ist?"

Wolfram seufzte. „Ich weiß es auch nicht. Erst war es ein Unfall. Unbedachte Reaktionen in nicht gekannten Traditionen. Aber ich habe mich irgendwann in ihn verliebt glaube ich…aber er…" Er stockte.

Shin fuhr ihm ohne groß nachzudenken durch seine blonden Locken.

Irritiert von der Berührung bewegte sich der Dämon nicht, sondern blieb stocksteif stehen. „Uns ist wohl nicht vergönnt, was wir geben zurück zu bekommen." Sie küsste ihn auf die Wange und ging davon.

Wolfram musste an ihre Worte denken und an die zärtliche Berührung. Wie wünschte er sich, Yuri würde ihn einmal so berühren. Aber sie hatte Recht. Das war ihm wohl nicht vergönnt.

So vergingen die Wochen auf der Erde.

Die Abschlussfeier rückte näher.

Yuri und Wolfram hatten durchaus schöne Momente miteinander, doch belief sich das Ganze im freundschaftlichen Rahmen.

Wolfram wusste nicht, wie lange er das so noch aushielt.

Er hatte aufgehört zu zählen, wie oft er sich leise in den Schlaf geweint hatte.

Er hatte aufgehört zu fragen, wann Yuri sich endlich zu ihm bekannte.

Er hatte aufgehört zu hoffen...

„Weißt du was Wolfram? Morgen findet eine Zeremonie von dem mächtigsten Yomeishi unseres Landes statt. Und dieses Mal haben wir Zeit dorthin zu fahren. Der Berg Uras ist nicht so weit, aber wir können trotzdem heute mittag hinfahren, dort übernachten und morgen zurückkommen. Es ist Wochenende und auch du Yuri benötigst mal Abstand von Schule und Lernen. Auf dem Berg wohnt die Familie Tanmoku und ihr Sohn Ki ist der mächtigste Yomeishi aller Zeiten. Er führt immer wieder groß angelegte Exorzismus-Zeremonien durch, um die Erde von bösen Geistern zu besiegen und zu reinigen. Dabei gibt er die Wünsche der Lebenden an Gott weiter. Das würde ich dir gern zeigen Wolfram."

Erzählte Miko. „Vielleicht erhört er deinen Wunsch." Fügte sie leise hinzu.

Shouri verdrehte die Augen. Versuchte Mutter die beiden immer noch zu verkuppeln… Yuri würde diesen Dämon nie heiraten.

Shouma küsste seine Frau und strich ihre langen Haare über ihre Schultern nach hinten. „Das ist eine gute Idee. Shouri fährst du auch mit?" Der ältere der Shibuyas Brüder schüttelte den Kopf. „Nein, ich muss mit Bob morgen früh zu einem Kunden." Shouma wandte sich wieder seiner Frau zu. „Na, dann fahren wir eben zu viert."

Er nahm sein Handy in die Hand. „Ich bestell dann mal zwei Doppelzimmer. Ihr zwei schlaft doch sicher in einem Zimmer oder?" Yuri und Wolfram schauten sich verlegen an. „Ja…schon." Nickte Yuri.

Und so führen sie nach dem Frühstück los. Nach einigen Stunden Fahrt kamen sie in einem schönen kleinen Städtchen an, welches historisch sehr bedeutungsvoll war.

Sie fuhren durch die Straßen mit den restaurierten Villen und den Jugendstil Häusern, bis sie fast am Ende der Stadt angekommen waren. Hier hielt Yuris Vater an und parkte.

Wolfram hüpfte aus dem Auto und schaute sich begeistert um. „Die Häuser…sie ähneln denen in Shin Makoku." Stellte er fasziniert fest.

Yuri grinste. „Ja, es ist, als wären wir Zuhause." Betroffen sah er seinen Verlobten an, dessen Blick wehmütig wurde. „Es tut mir leid…" flüsterte Yuri und nahm Wolframs Hand in seine.

Der Dämon wollte gerade die Berührung genießen, als Yuri ihn auch schon wieder los ließ und verlegen durch seine Haare fuhr. „Dann lass uns mal unser Hotel suchen Mama." Enttäuscht schaute Wolfram ihm nach.

Er musste ihn loslassen. Er schaffte es einfach nicht mehr.

Miko bemerkte Wolframs Traurigkeit und legte ihre Arm um Wolframs Schulter. „Na, komm. Wir beziehen unsere Zimmer und dann gehen wir auf den Berg. Heute ist dort alles offen und man kann einige Räumlichkeiten der Tanmoku Familie besichtigen. Sie müssen unvorstellbar reich sein. Die Zeremonie beginnt um vier Uhr in dem Familieneigenen Amphitheater. Anschließend finden die Besichtigungsmöglichkeiten statt."

Schweigend liefen die vier zu ihrem Hotel.

Shouma hatte seinen Arm um Mikos Taille gelegt und wirkte glücklich. „Ach Schatz. Es ist wunderschön hier. Da hattest du wirklich eine gute Idee." Diese lachte und schaute sich fröhlich um.

Wolfram reagierte mit einem zögernden Nicken und Yuri war schon vorgelaufen, wusste er doch aus dem Internet, wie das Hotel aussah. Nachdem sie ihre Zimmerkarten erhalten hatten, standen sie in der Eingangslobby ihres Hotels.

Miko sah ihren Sohn an. „Ihr zwei nehmt diese Karte und habt das Zimmer mit Blick auf die Felder und Wiesen. Wir nehmen das Zimmer mit Blick auf die schöne Stadt. Nicht wahr Schatz?" Shouma nickte und küsste seine Frau. „So machen wir es. In einer halben Stunde treffen wir uns wieder hier."

Wolfram und Yuri kamen am Ende des Flures an und öffneten die Tür.

Staunend schauten sich die Jungs um. „Es ist wirklich wunderschön hier. Es ist als hätte man ein Zimmer im Schloss." Wisperte Yuri und schaute aus dem Fenster. „Schau Wolfram. Der Ausblick ist traumhaft."

Er sah sich um und sah Wolfram auf dem Bett am Fenster sitzen.

Besorgt schaute er seinen Verlobten an. „Was hast du Wolfram?"

Plötzlich rannen dem stolzen Feuerdämon ein paar Tränen über seine blassen Wangen. „Manchen ist es einfach nicht vergönnt, das zurück zu erhalten was sie geben…" flüsterte er.

Yuri schaute ihn erschrocken an.

Das waren die Worte des Mädchens, die Wolfram vor seiner Schule angerempelt hatte.

Shin… Yuri wusste nicht, wie er reagieren sollte.

Ihm schmerzte das Herz als er den blonden Dämon so verzweifelt dort sitzen sah.

Am liebsten hätte er ihn umarmt, aber das ging ja nicht, waren sie doch beides Männer.

Also blieb er nur vor Wolfram stehen und sah ihn bestürzt an.

‚Warum kann er mich nicht einfach in den Arm nehmen…' wünschte sich Wolfram traurig. Was musste er nur tun, um Yuri seine Liebe zu beweisen.

Er sah den Dämonenkönig an und sah etwas in dessen Blick was er noch nie zuvor gesehen hatte. Es war…Zuneigung…Gefühle für ihn…war es wirklich so, oder bildete er sich das ein, weil er sich irgendein ein Zeichen von Yuri ersehnte.

So blieben sie eine Weile und ließen die Zeit verrinnen. Schließlich stand Lord von Bielefeld auf und sah auf die Uhr. „Wir müssen los." Er atmete tief ein und ging an Yuri vorbei zur Tür.

„Wo ist Ki?" fragte Keika. „Er wird für die Zeremonie vorbereitet." Antwortete das Dienstmädchen. „Sein Bad hat er gerade beendet und angekleidet ist er ebenfalls. Also müssten ihm gerade die Haare gemacht werden."

Keika musste grinsen, wenn er die Worte hörte, Ki würden die Haare gemacht.

Wie einer Braut vor der Hochzeit. Als wenn Ki so lange Haare hätte, dass man da viel dran machen könnte. Das nennt man einfach durchkämmen.

In seinen Gedanken versunken schlenderte er zum Gemach des Yomeishi und klopfte. „Komm rein Keika."

Er öffnete die Tür. „Woher weißt du immer, dass ich es bin?" fragte er irritiert.

Tanmoku Ki schaute ihn spöttisch an. „Du bist mein Schattengeist. Ich spüre immer wo du bist." Sagte er. „Es sei denn du bist von irgendwelchen Idioten hypnotisiert und kappst unsere Verbindung." Spielte er auf vergangene Vorfälle an, in denen Yo Keika von Sekijin Shinryuu hypnotisiert wurde und versuchte Ki zu verletzen.

Verlegen schaute der Schattengeist auf seine Stiefelspitzen. „Ist Shin da?" wurde er aus seinen Gedanken gerissen.

Er nickte. Kis Verlobte war immer bei solch großen Zeremonien dabei, war sie doch die einzige, die ihm mit ihrer Kraft zur heilen konnte, sollte ihm etwas passieren. Keika seufzte. Bei jeder Zeremonie konnte sein Herr sterben, genauer gesagt zu Gott zurück gerufen werden. Diese Zeremonien waren immer ein Opfer seiner Lebenszeit an Gott. Und trotzdem führte der Yomeishi jede seiner Riten mit einer Leidenschaft durch, die dem Schattengeist den Atem raubte. Tanmoku Ki würde sein Leben jederzeit in seinen Zeremonien opfern. Das wusste Keika. Und das machte ihm Angst. Es war manchmal als wenn das mächtige Oberhaupt der Tanmoku Familie sich mehr an den Tod klammerte als an sein Leben.

„Bring sie her." Befahl sein Herr plötzlich und schaute Keika streng an.

„Hatte er seine Gedanken lesen können?" Tanmoku ließ sich weiter seine Haare frisieren.

Doch bevor Keika die Tür schloss vernahm er die leise Stimme des Yomeishi. „Ich kann immer in deinen Gedanken lesen Keika. Du machst es mir sehr leicht."

Als er im Amphitheater der Familie ankam, befanden sich bereits viele Menschen darin.

Auf der Seite, auf der Keika jetzt stand hatten nur die geladenen Gäste zutritt.

Der Schattengeist suchte Shin. Diese stand außerhalb des abgesperrten Bereichs für VIP und unterhielt sich mit einem schwarzhaarigen Jungen. Er eilte auf Kis Verlobte zu und rief sie.

Mehrere Köpfe ruckten herum und er wurde sich bewusst, dass er vergessen hatte die menschliche Gestalt anzunehmen. Er manifestierte sich hinter einer Wand und kam um die Ecke gelaufen, damit es für die Gäste so aussah, als hätte er einfach gerufen und wäre aus dem Hintergrund gekommen. „Shin, du sollst zu Tanmoku Ki kommen." Sagte er zu ihr.

Diese drehte sich zu dem schwarzhaarigen Jungen rum. „Oh, ich soll zu meinem Verlobten. Bitte entschuldigt mich Yuri, Wolfram." Sie verbeugte sich leicht.

„Warum lasst ihr euch so von eurem Verlobten herum kommandieren?" fragte Wolfram irritiert.

Shin schaute ihn traurig an. „Der Stolz verschwindet, sobald Sie wirklich anfangen, jemanden zu lieben. Ihr müsstet es doch wissen…"

Der Dämon verstand was sie ihm mitteilen wollte und wusste, dass sie in ihrem Herzen genauso unerwidert liebte wie er.

Shin lächelte ihn aufmunternd an und wendete sich wieder dem Schattengeist zu. „Keika, nimmst du bitte die Familie Shibuya mit auf die VIP Plätze. Ich möchte, dass sie neben mir sitzen." Keika wollte protestieren, als er in zwei smaragdgrüne Augen blickte, die ihn neugierig anschauten. „Ein Schattengeist, der sich in sichtbare menschliche Gestalt manifestieren kann."

Sprachlos starrte Keika den blonden Engel vor ihm an. „Mach den Mund wieder zu. Ich bin kein Engel." Schnappte der Blonde vor ihm und Keika wurde schmerzlich bewusst, dass dieses Wesen vor ihm scheinbar auch Gedanken lesen konnte. „Wenn ihr kein Engel seid, was seid ihr dann?" Wolfram wollte gerade antworten, als Yuri ihnen ins Wort fiel.

„Er ist Wolfram Bielefeld. Ein Freund von mir." Wieder wollte Wolfram auffahren, als Miko dazwischen ging.

„Oh das ist lieb, dass Sie uns zu unseren Plätzen führen ...Keika?" sie schaute Keika fragend an.

Dieser nickte. „Ja. Mein Name ist Yo Keika, ich bin der Schattengeist des Yomeishi."

„Mit scheinbar ziemlich starken Kräften..." Ertönte nun das erste Mal Shoumas Stimme.

Keika nickte verwirrt. Woher wussten diese Menschen über solche Dinge Bescheid? Und warum brachte sie Shin mit, sie schienen sich ja augenscheinlich zu kennen. „Ja. Tanmoku Ki ist mit mir die Seelenbindung eingegangen." antwortete Keika auf Shoumas Aussage. Er zeigte die Ringe an seinem Daumen und Zeigefinger.

Wolfram zog hörbar die Luft ein. „Die Seelenringe." Er sah den Schattengeist mit einem undefinierbaren Blick an. „Es gibt sie also wirklich." Keika drehte sich um und ging voran. „Mir nach. Ich gebe Ihnen die Plätze direkt neben Shin."

Tanmoku Ki war fertig hergerichtet für die Zeremonie und sah seiner Verlobten nach, die zu ihrem Platz ging.

Sie setzte sich und sprach angeregt mit einer Familie, welche zwei Kinder hatte.

Ein schwarzhaariger und ein blonder Junge.

Er hielt den Atem an.

Da war wieder die überaus starke Präsenz des Dämons. War etwa einer dieser Familienmitglieder der Dämon?

Er schaute genauer hin.

Der schwarzhaarige Junge hatte schwarze Augen. Oh ein Doppelschwarzer…er schien noch sehr jung zu sein, vielleicht so 18 Jahre alt.

Aber blonde Junge schien das Aussehen eines Jungen aber die Macht eines Erwachsenen zu haben. Er strahlte eine selbstverständliche Autorität aus, eine faszinierende Anziehungskraft, die er bis hier zu seinem Standpunkt spüren konnte. Er musste ein Mazoku sein. Auch wenn er seine Macht auf Erden nicht nutzen konnte, spürte Tanmoku Ki dessen Präsenz im Körper des Blonden. Da hatte er doch seinen Dämon gefunden.

Nachher würde er der Familie einen Besuch abstatten. Zum Glück war seine Verlobte ein Verbindungsglied zu ihnen.

Na, das könnte nachher noch sehr interessant werden dachte Ki und konzentrierte sich auf seine bevorstehende Zeremonie.

Wütend fuhr Wolfram seinen Verlobten von der Seite an, als Keika weg war. „Weshalb hast du nicht zugegeben, dass ich dein Verlobter bin? Was soll das immer mit dem Freund?" Yuri wagte nicht den Blick des blonden Feuerdämons zu erwidern. „Naja, du weißt doch. Hier ist das nicht so einfach wie im Dämonenreich." Genervt rollte Wolfram mit den Augen. „Weißt du Yuri, wenn du es einfach nicht auf die Kette kriegst, dann lös die Verlobung endlich auf. Dann ist mein Herz zwar gebrochen, aber ich weiß endlich woran ich bin." Geschockt wollte Yuri reagieren, als ein tiefer Gong ertönte.

Es ging los. Alle begaben sich auf ihre Plätze.

Ein hochgewachsener junger Mann schritt den Weg in die Mitte des Amphitheaters entlang.

Er war völlig allein, nur mit einem Zeremonien Stab gewappnet.

Gebannt schaute Wolfram zu. Irgendetwas an dieser Person fesselte ihn.

In der Mitte des Theaters angekommen hob er langsam den Krummstab in die Höhe.

Wolfram keuchte auf. „Das ist ein wahrhaftiger Heqa wenn ich mich nicht irre." Flüsterte er.

Shin Shiyou nickte. „Tanmoku Ki ist der Einzige Yomeishi, der diesen Heqa nutzen kann. Für alle anderen war der Stab zu mächtig. Er hat sie früher oder später getötet. Doch Ki's spirituelle Kraft ist viel größer als wir es uns vorstellen können."

Dem Stab entflossen Magiewellen in allen Farben.

Sie schienen die Zuschauer zu ummanteln.

Sie schienen in die gesamte Welt hinaus zu strömen.

Und dann hörte Wolfram den Gesang. Er war so überirdisch, dass er erst nicht glaubte, dass dies tatsächlich eine menschliche Stimme sein könnte. Völlig paralysiert starrte der Dämon zu dem Yomeishi und versuchte herauszufinden, was dieser da sang. Doch es war keine wirkliche Melodie. Es waren Töne, die auf einmal auftauchten und wieder abflauten.

Sie erreichten sein Herz, sie erreichten seine Sinne, sie erreichten seine Seele.

So saßen sie die gesamte Dauer der Zeremonie und spürten wie ihre Seelen gereinigt wurden.

Und dann hörten sie die Stimme in ihren Köpfen. „Bringt eure Wünsche zu Gott. Ich werde sie ihm überbringen bin ich doch der direkte Verbindung zwischen Gott und den irdischen Geschöpfen, die an ihn glauben."

Wolfram merkte nicht, dass ihm eine Träne über die Wange lief.

Shin jedoch schon. Sie lächelte.

So ging es jedem der ihren Verlobten zum ersten Mal bei einer Reinigung erlebte. Ihr ging es sogar immer noch so. Obwohl sie ihn bereits so oft zugehört hatte.

Wolfram konnte nicht klar denken, seinen Wunsch aber, den hatte er im Herzen.

Nach der Zeremonie führte Shin Shiyou das Ehepaar Shibuya, Yuri und Wolfram in die Gärten der Tanmoku Familie.

Fasziniert betrachtete Wolfram die vielfältige Blumenpracht.

„Das sind ja wunderschöne Blumen. So welche habe ich noch nie gesehen."

Shin kniete sich neben ihn. „Ja, das sind Ki's Lieblingsblumen. Sie heißen…"

„Ich spüre deine Macht, Dämon." Hörten sie auf einmal eine sanfte aber bestimmte Stimme.

Shin und Wolfram sprangen erschrocken auf und drehten sich um. „Oh mein Geliebter, du bist schon hier?"

Shin wollte auf Ki zugehen, doch dieser hob seine Hand und sie blieb wie angewurzelt stehen. „Wie kann es sein, dass ein solch mächtiger Dämon nichts als Liebe ausströmt?"

Der Yomeishi ging auf Wolfram zu, welcher völlig erstarrt war.

Tanmoku Ki konnte seinen Blick nicht abwenden.

Dies war das schönste Wesen, was er je gesehen hatte. Seine smaragdgrünen Augen funkelten mit der Macht der erkannten Leidenschaft. Seine goldblonden Locken umrahmten weich sein perfektes Gesicht.

Er war zweifelsohne einer der Mazoku, die im Dämonenreich lebten und herrschten.

Dieser Stolz.

Er war sicher ein Prinz…oder gar ein König?

Wolfram blickte in zwei silbergraue Augen, die ihm das Gefühl gaben die Sterne im Universum funkeln zu sehen.

Der junge Mann kam langsam auf ihn zu.

Seine silbernen Haare fielen ihm in die Augen.

Seine Stimme war ebenso verzaubernd wie sein vorheriger Gesang.

Wolfram dachte sein Herz würde gleich zerspringen so sehr schlug es.

Woher wusste der Yomeishi, dass er ein Dämon war?

Was meinte er mit der Frage, wie ein Dämon Liebe ausstrahlen konnte?

Sollten Dämonen etwa nicht lieben können?

Er wollte etwas sagen, doch seine Stimme gehorchte ihm nicht.

Yuri der neben seinen Verlobten getreten war konnte die knisternde Spannung zwischen Wolfram und dem Exorzisten förmlich greifen. Beide waren gefangen ineinander und konnten ihre Blicke nicht abwenden.

Yo Keika war es, der in die Szenerie hinein platzte. „Du bist gar kein Engel. Du bist ein Dämon?" rief er überrascht aus.

Tanmoku Ki schaute seinen Schattengeist liebevoll an. „Du denkst auch, nur weil dieser Junge dort so wunderschön ist, wäre er ein Engel. Nein, Mazoku sind die mächtigsten Dämonen und mit einer überirdischen Schönheit gesegnet. Das nutzen sie allerdings auch oft für ihre Zwecke und verführen Menschen auf die böse Seite."

Wolfram hatte seine Sprache wieder gefunden. „Wir sind nicht alle böse, nur weil wir Dämonen sind." Er ballte seine Hände zur Faust. Tanmoku Ki wich leicht zurück und lächelte den hübschen Mazoku vor ihm an. „Na, ich glaube, ich sollte froh sein, dass hier euer Maryoku nicht funktioniert. Sonst wäre ich bereits…ein Häuflein Asche?" fragte er wissend.

Wolfram zuckte zusammen. „Woher wisst ihr, dass ich ein Feuerdämon bin?"

Der silberhaarige schaute ihn nachdenklich an. „Ihr habt eine Leidenschaft in euch, die ich bisher nur von Feuerdämonen kenne. Sie können das Feuer ihrer Leidenschaft nicht bremsen. Aber es hilft ihnen in ihren Kämpfen gegen Feinde."

Er stellte sich dicht vor den Blonden.

Ihre Lippen waren so nah beieinander, dass sie sich fast berührten. „Ihr erlebt das Feuer der Liebe, aber es wird nicht erwidert."

Er schaute Wolfram direkt ins Herz. „Ist es nicht so?"

Wolframs Augen füllten sich mit Tränen. Nein, er wollte nicht weinen.

Zärtlich legte Tanmoku Ki seine Hand an Wolframs Wange, dieser schmiegte sich unbewusst gegen Ki's Hand. Er konnte nichts sagen, wusste er doch, dass der Yomeishi seinen Wunsch gehört hatte. Er konnte es in dessen Augen lesen.

Was musste es für diesen jungen Priester für eine Bürde sein, alle Wünsche gläubigen hören zu müssen.

Tanmoku Ki flüsterte leise in Wolframs Ohr. „Euer Wunsch hat für mich oberste Priorität."

Er ließ einen verwirrten Dämon los und lächelte die umstehenden Gäste an.

„Wenn sie möchten, zeige ich Ihnen gern einige unserer Privat Gemächer." Er drehte sich zu seiner Verlobten. „Bitte sorge dafür, dass wir nachher frische Getränke bekommen."

Diese nickte und warf Wolfram einen verletzten Blick zu bevor sie die Gruppe verließ. Hatte sie etwa mitbekommen was ihr Verlobter dem Dämon ins Ohr geflüstert hatte?

Er schüttelte den Kopf.

Das war unmöglich.

Er hatte viel zu leise gesprochen.

Shin hatte wohl gemerkt, dass Ki sich sonderbar benommen hatte, als er Wolfram gegenüber stand.

Sollte sich ihr Verlobter etwa in den blonden Dämon verliebt haben?

Als sie daran dachte, zog sich ihre Brust zusammen und Tränen rollten über ihre Wangen.

Diesen Blick, mit dem Tanmoku den Blonden betrachtete, hatte er ihr in all den Jahren ihrer arrangierten Beziehung nicht geschenkt.

Yuri konnte immer noch nicht glauben, was er da gerade beobachten musste.

Sein Verlobter wurde ganz offen von diesem Yomeishi angebaggert?

Was sollte das denn?

Er wusste doch, dass Wolfram sein Verlobter war.

Moment…er hatte nur gesagt, dass Wolfram ein Freund von ihm sei.

Er hatte ihn nie als seinen Verlobten vorgestellt.

Wütend ballte er die Hände zur Faust.

Eine sanfte Stimme riss ihn aus seinen Gedanken.

„Komm Yuri. Keika und Ki sind bereits losgelaufen. Wir wollen sie doch auf diesem riesigen Anwesen nicht verlieren, oder?"

Miko schaute ihren Mann besorgt an und deutete auf Yuri.

„Er scheint gerade zu merken, welche Gefühle er für Wolfram hegt."

Shouma nickte. „Allerdings scheint es auch so, als käme diese Einsicht jetzt zu spät." „Allerdings scheint es auch so, als käme diese Einsicht jetzt zu spät."