Kapitel 2

Als sie nach der Zeremonie wieder in ihre Zimmer zurück kehrten war Wolframs Herz leicht geworden. Er lächelte vor sich hin, was auch Yuri nicht verborgen blieb. „Was ist mit dir?" fragte er misstrauisch. „Ich fühle mich gereinigt. Diese Zeremonie war wirklich wundervoll. Ich bin froh, dass deine Mutter die Idee hatte hierher zu fahren." Er schaute seinen Verlobten an. „Los zieh dich um, es ist spät. Morgen früh geht es nach dem Frühstück nochmal in das Städtchen. Wir wollen noch einen Stadtbummel machen, bevor wir heimfahren. Zum Mittag sind wir ja nochmal bei der Tanmoku Familie eingeladen." Yuri gefiel genau der Gedanke überhaupt nicht. Er hatte sehr wohl die Blicke bemerkt, die der Yomeishi seinem Verlobten zuwarf. Dabei waren doch beide in einer Beziehung. Ok. Nur Shin wusste, dass Yuri und Wolfram verlobt waren und die hat sicher dicht gehalten. Also dachte Ki wahrscheinlich, Wolfram wäre Single. Und selbst wenn, Ki selbst ist doch verlobt. Was schaut er sich da nach anderen Kerlen um. Verdattert bemerkte Yuri gerade, worüber er eigentlich gerade nachdachte. Ungläubig schüttelte er den Kopf. Nein, das konnte nicht sein. Nicht er…Vorsichtig sah er seinen Verlobten an. Warum war er kein Mädchen. Er war so anziehend, so sexy, so…Wieder schüttelte Yuri den Kopf und musste sich etwas eingestehen: Er war eifersüchtig. Aber wieso denn? Wolfram war doch nur ein guter Freund. War er doch oder?

Der Vollblut Mazoku hatte sich bereits sein rosa Nachthemd angezogen und lag im Bett. Kein Gute Nacht, kein rutsch mal rüber. Er hatte sich einfach hingelegt und war eingeschlafen. Yuri schaute auf die Uhr. Gut es war spät, bereits nach zwölf Uhr Nachts. Aber trotzdem wollte er nicht glauben, dass sein Verlobter sich einfach hinlegte und einschlief. Ihm fehlte die Diskussion, dass er in seinem Bett schlafen wolle. Ihm fehlte das ankuscheln des warmen Dämonenkörpers bevor sie zusammen einschliefen. Er zog seinen Pyjama an und legte sich ebenfalls ins Bett. Er drehte sich so, dass er Wolfram betrachten konnte. Der Feuerdämon war einfach perfekt und wunderschön. Das wusste er schon lange. Aber wie er ihn so betrachtete, spürte er etwas anderes im Herzen. Es schlug schneller, es machte ihn atemlos. War das etwa Zuneigung? War es mehr als Freundschaft? War es das was Wolfram Liebe nannte?

Am nächsten Morgen wachte Yuri auf und fühlte neben sich …nichts. Erschrocken setzte er sich im Bett auf. „Wolfram?" rief er laut. Dieser kam aus dem Bad und guckte ihn überrascht an. „Was schreist du denn so? Du weckst ja die Nachbarn." Er ging wieder ins Bad. Yuri musste erst realisieren was er da gerade erlebte. Der sonst so schläfrige Feuerdämon war vor! ihm wach und bereits im Bad fast fertig, während er noch im Bett lag?! „Warum bist du schon wach? Konntest du nicht schlafen?" fragte Yuri. Wolfram kam strahlend aus dem Bad. „Nein, wieso? Ich hab hervorragend geschlafen." Yuri betrachtete seinen Verlobten wieder einmal mit einem anderen Blick als sonst. Der durchtrainierte Soldat stand nur mit einem Handtuch um die Lenden in der Badezimmer Tür und grinste ihn an. Seine schlanke Figur war wohlgeformt, so dass er eigentlich auch als Frau durchgehen könnte. Naja ohne Brüste eben. Aber er hatte sogar eine Taille. Die elfenbeinfarbene Haut war makellos und glatt. Seine blonden Haare waren noch nass und fielen ihm etwas länger als sonst auf die Schultern. Schließlich hingen sich seine Locken aus was ihn unglaublich sexy machte. Wolfram rubbelte sich die Haare ab. „Wenn du fertig bist mit der Leibesvisitation, kannst du auch gerne das Bad nutzen um dich fertig zu machen. Ich zieh mich an und geh schon mal runter zum Frühstück. Mein Magen knurrt." Yuri merkte wie seine Wangen rot wurden und er stammelte etwas unbeholfen rum. „Wartest du nicht auf mich?" Wolfram schüttelte den Kopf. „Nein, ich habe Miko gesagt, dass ich gleich runter komme. Sie hat eben gefragt, wie weit wir sind." Überrascht schaut Yuri ihn an. Der Feuerdämon zuckte mit den Schultern. „Da hast du noch geschlafen." Er war fertig angezogen und ging zur Tür. „Wir sehen uns unten beim Frühstück. Beeil dich einfach." Er strahlte ihn an und ging. Zurück blieb ein verdatterter Dämonenkönig, der immer noch nicht fassen konnte, was gerade ablief. Warum wartete Wolfram nicht auf ihn, so wie sonst auch? Er wollte nicht, dass sein Verlobter sich von ihm löste. Er brauchte ihn doch. Was passierte gerade? Schnell machte Yuri sich fertig und hechtete aus dem Zimmer.

Nach dem Frühstück schlenderten die Shibuyas und Wolfram durch das Städtchen. Sie schauten sich die verschiedenen Läden an, als Wolfram eine Kirche entdeckte. „Oh ja, lass uns reingehen." Yuri war irritiert. Was wollte ein Dämon in der Kirche? Ehe er sich versah, war sein Verlobter bereits durch die schwere Eichentür geschlüpft. Er lief zum Altar und drehte sich plötzlich auf halber Strecke um. „Oh mein Gott. Miko, du kannst doch auch Orgel spielen hast du mal gesagt." Yuris Mutter nickte. „Ja, ich hatte einige Jahre Klavier und auch Orgel Unterricht." Wolfram entdeckte einen Bediensteten der Kirche. „Entschuldigen sie. Ist es möglich, dass wir einmal die Orgel ausprobieren dürften? Meine Mutter ist Organistin und ich singe gern. Ihre Orgel ist ja eine Perle. Eine echte Jehmlich Orgel aus seinen jungen Schaffensjahren." Der Kirchenbedienstete stand sprachlos vor dem blonden Dämon und nickte nur. Wie lang war es her, dass ihn ein Engel ansprach und noch dazu wusste, welche Orgel sich in dieser Kirche befand. Yuri schaute ebenso verdattert wie der Angestellte. Wolfram und Miko grinsten sich nur an, als der Bedienstete mit einem Schlüssel aus der Sakristei zurückkam. „Ich gehe mit Ihnen auf die Empore und zeige Ihnen wie die Orgel angeht." Wolfram nickte, Miko war richtig aufgeregt. Endlich würde sie mal auf einer historisch wertvollen Orgel spielen dürfen. Sie drehte sich zu ihren beiden Männern um. „Ihr bleibt am besten hier unten und hört zu." Shouma und Yuri guckten sich verdutzt an und setzten sich in eine Kirchenbank. Sie hörten noch einige Minuten Murmeln auf der Empore, bevor einige vorsichtige Klänge der Orgel entrannen. Dann war kurz Pause und die Orgel erklang in ihrer ganzen Pracht. Miko probierte die Prinzipal Pfeifen aus, die Flöten, Gedackte, sogar die Zungen als Solo Register. Wolfram war begeistert von der Orgel. Yuri schaute entgeistert nach oben, wusste er überhaupt nicht, dass seine Mutter so gut Orgel spielte. Wolfram ging zu Miko und fragte sie, ob sie einige westliche Bachchoräle, oder Choräle aus einem Gesangbuch spielen konnte. Dies war eine katholische Kirche, also musste es auch Gesangbücher der katholischen Kirche geben. Er suchte und fand sowohl ein katholisches als auch ein evangelisches Gesangbuch. Scheinbar wurde die Kirche sowohl für den evangelischen Gottesdienst, als auch für die katholische Messe genutzt. Das gab es in westlichen Kirchen öfter, wenn die Glaubensgruppen in solch niedriger zahl vorhanden waren, dass sich der Bau zweier Kirchen nicht lohnte. In seinem langen Dämonenleben war er immer wieder mit traditioneller Kirchenmusik in Berührung gekommen. Schließlich einigten sie sich auf drei Choräle, die sie musizieren wollten. 1. „O Haupt voll Blut und Wunden" ein wunderschöner Passionschoral, den Bach auch in seiner Matthäus Passion mehrfach eingesetzt hatte. Als zweites wollten sie „Such wer da will ein ander Ziel" vortragen und als letztes den Choral „Wer nur den lieben Gott lässt walten". Der Text war Wolfram ins Auge gefallen, als er die angesteckten Lieder des letzten Gottesdienstes aufschlug und durchlas, unter anderem die Nummer 369. Auch die Melodie schien sehr schön zu sein.

Sie begannen mit dem Passionschoral „O Haupt voll Blut und Wunden". Dieser Choral war sehr traurig und sprach von der Fassungslosigkeit über die Kreuzigung Jesu. Miko fing an eine kleine Intonation zu spielen und dann begann Wolfram zu singen. Dass Engel singen konnten wusste Yuri, aber dass auch Dämonen eine engelsgleiche Stimme besaßen war ihm bis zum jetzigen Moment neu gewesen. Wolfram sang mit einem sanften warmen Tenor, der durch die gesamte Kirche klang. Sie trug in den hintersten Winkel und ließ die Kirchenbesucher andächtig aufschauen, wer auf der Empore so schön sang.

Anschließend folgte der Choral unter der Nummer 346. Den kannte Miko nicht, aber unter der Orgelbank lagen ja immer die Choralbücher. So auch hier. Sie schlug den Choral auf und probierte ihn erst etwas aus, ohne dass der Feuerdämon dazu sang. Sie merkte wie schön der Choral war und gab Wolfram ein Zeichen, dass er nach dem erneuten Vorspiel von ihr einsetzen könnte mit singen. Plötzlich bemerkte sie eine Stimmführung in den Noten. Sie rief Wolfram zu, er solle in der zweiten Strophe oder zwischendurch einfach mal die Tenorstimme aus dem Choralbuch singen. Das wäre wie eine Oberstimme. Wolfram reagierte schnell und sang die erste Strophe normal und dann die gleiche Strophe in der Tenorstimme des ausgesetzten Satzes im Choralbuch. Ihm gefiel nur der Text der ersten Strophe. „Such wer da will ein ander Ziel, die Seligkeit zu finden, mein Herz allein bedacht soll sein, auf Christus sich zu gründen. Sein Wort sind wahr, sein Werk sind klar, sein heilger Mund hat Kraft und Grund, all Feind zu überwinden."

Warum Tanmoku Ki ausgerechnet in dem Moment an der Kirche vorbei lief und den warmen Tenor hörte war dem Yomeishi schleierhaft. Doch als er die Kirche betrat und sah, wer da auf der Empore sang, war er sicher, dass Gott ihn zu jenem Zeitpunkt an diesen Ort geschickt hatte. Er stellte sich hinter eine Säule, um nicht von dem Dämon und seiner Familie gesehen zu werden und lauschte. In dieser Stimme klang so viel Wehmut. Als Miko schließlich den Choral mit der Nummer 369 anstimmte, zog Ki verwundert die Luft ein. Dieser Choral war eher selten in der Gemeinde hier zu hören. Er hatte eine wunderschöne Melodie wenngleich auch etwas traurig, obwohl der Choral durchaus von Hoffnung und Zuversicht sprach. Welche Strophen würde der hübsche Blonde wohl singen. Auf jeden Fall die Erste wie er hörte. Doch dann ging Wolfram direkt weiter zur zweiten Strophe. „Was helfen uns die schweren Sorgen, was hilft uns unser Weh und Ach? Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit." Tanmoku Ki schaute sich gerührt um, ob ihn jemand bemerkte. Der Dämon sang mit einer Trauer in der Stimme, als wenn er sein eigenes Leben hinterfragte. Dann sang er die dritte Strophe. „Man halte nur ein wenig Stille und sei doch in sich selbst vergnügt. Gott…weiß auch was uns fehlt." Weiter zur vierten Strophe. „Er kennt die rechten Freudenstunden, er weiß wohl wann es nützlich sei. Eh wir's uns versehn, und lässet uns viel Guts geschehn." Yuri wusste genau, was Wolfram mit seinen ausgesuchten Strophen meinte und was er ansprach. Es war eine Mahnung an ihn. Eine Mahnung an sich selbst nicht mehr seine Kraft mit seiner unerwiderten Liebe zu vergeuden. Yuri war betroffen wie viel Schmerz in der Stimme seines Verlobten mitschwang. Verstohlen wischte er sich eine Träne aus dem Auge, als der blonde Dämon die letzte Strophe zelebrierte. Er sang nun nicht mehr einfach die Melodie, sondern erfand eine Oberstimme dazu. Die Besucher wurden immer mehr in den letzten Minuten, hatte sich draußen mittlerweile herum gesprochen, dass hier jemand wundervoll Orgel spielte und eine ergreifende Tenorstimme dazu sang. „Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das deine nur getreu und trau des himmelsreichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht."

Wolfram hatte sich so in seine Oberstimme hinein gelegt, dass er nun völlig außer Atem an der Brüstung stand und erst mit dem einsetzenden Applaus merkte, wie voll die kleine Kirche mittlerweile geworden war. Er verneigte sich leicht und fragte Miko, ob sie auswendig einige Orgelstücke spielen könnte. Diese nickte begeistert und begann den Kirchenraum mit dem wundervollen Klang der Orgel zu erfüllen. Tanmoku Ki spürte, dass dieser Dämon sich gerade aus einer unglücklichen Beziehung zu lösen schien. Vielleicht sollte er das auch machen? Liebte er seine Verlobte? Nein, sie wurden zu dem Schritt gezwungen. Scheinbar war Wolfram der Verlobte von Yuri, dieser schien aber dessen Gefühle nicht zu erwidern. Er schaute diesen wundervollen Dämon noch einmal an und nahm den Anblick mit nach Hause und freute sich auf das gemeinsame Essen mit der Familie Shibuya. Es war Zeit einige Dinge heraus zu finden. Unbemerkt verließ er die Kirche. Dachte er. Dass er von seinem Schattengeist beobachtet wurde fiel ihm nicht auf. Keika war verwirrt. Eigentlich spürte Ki immer seine Anwesenheit. Dieser Dämon musste seine Sinne vernebelt haben dachte er wütend. Als er aber den Blick seines Herren sah, wurde er nachdenklich. Tanmoku Ki lächelte. So hatte er ihn nicht mehr lächeln sehen, seitdem er seinen ehemals besten Freund erlösen konnte und dessen Seele endlich in den Himmel konnte. Da hatte Ki gleichermaßen geweint, als auch gelächelt. Dieser Dämon schien ihm aus irgendeinem Grund nahe zu gehen.

Nach dem kleinen Privatkonzert standen Miko und Shouma Shibuya vor der Kirche und warteten auf Wolfram und ihren Sohn. Nach einiger Zeit kam Yuri auf sie zu und fragte, ob sie Wolfram gesehen hätten. Verwundert verneinten sie, dachten sie doch Wolfram wäre bei Yuri. „Vielleicht ist er noch von den begeisterten Besuchern aufgehalten worden." Schmunzelte Shouma und sah seinen Sohn von der Seite an. Dieser konnte sich kaum beherrschen, so war er von seinen Gefühlen überwältigt. „Ich weiß genau, weshalb er diese Choräle ausgewählt hat." Zischte er leise. Miko sah ihn ernst an. „Yuri, Wolfram kannte dieses Gesangbuch hier nicht. Es war Zufall." Yuri schüttelte den Kopf. „Nein, das war es nicht. Er wusste genau, was er da sang und wen es erreichen sollte." „Und? Hat es den Richtigen erreicht?" fragte Miko sanft. Yuri schaute sie verzweifelt an. „Ich kann ihm nicht das zurückgeben, was er sich von mir erhofft." Mikos Blick wurde traurig. „Warum nicht?" Yuris Stimme kippte. „Weil es nicht richtig ist. Ich bin nicht schwul. Er kann keine Kinder bekommen, wie eine normale Frau, ich kann doch keinen Mann lieben und heiraten." Abermals hörte er die sanfte Stimme seiner Mutter. „Warum nicht? Wer sagt das?" Sein Vater legte die Hand auf seine Schulter. „Haben wir dich etwa so erzogen Sohn?" Yuri rannen die Tränen über die Wangen. Er konnte nichts antworten und drehte sich von seinen Eltern weg. Diese schauten sich besorgt an. Warum konnte ihr Sohn nicht endlich zu seinen Gefühlen stehen bevor es zu spät sein würde…

Wolfram schluchzte leise als ihn eine Hand an der Schulter fasste, ihn rumdrehte und eine schlanke Gestalt ihn in ihre Arme nahm und tröstete. Der Dämon schaute nicht einmal wer es war, er wusste, dass es Tanmoku Ki war. Er hatte ihn die ganze Zeit in der Kirche gespürt. „Ich will nicht wie ein Mädchen weinen." Schluchzte er an Ki's Brust. „Ich bin ein Soldat. Ich bin kein Weichei." Tränen nässten das Hemd des Yomeishi, welcher ihn einfach nur fest hielt ohne etwas zu sagen. Auch er hatte das Gespräch zwischen Yuri und dessen Eltern mit angehört und wusste, dass Wolfram es ebenfalls gehört hatte, als er die Kirche verlassen wollte. Nun stand er an der schweren Eichentür gelehnt und ließ all seine Verzweiflung raus. „Ich werde ihn gehen lassen." Flüsterte der Dämon. Plötzlich nahm Tanmoku Ki den Kopf des Dämons und zog ihn zu sich ran, so dass ihre Lippen sich fast berührten. Wolfram wollte sich nicht wehren, er hatte keine Kraft mehr. Sanft trafen weiche Lippen fordernde Lippen. Ki drückte seine Lippen fester auf die des Blonden. Wolfram spürte wie sein Herz pochte und ein Kribbeln sich in seinem Körper ausbreitete. Er erwiderte den Kuss leidenschaftlich und wünschte sich, es wäre Yuri. Beschämt löste sich Wolfram von Ki und schaute auf den Boden. „Es tut mir leid. Ich kann das nicht…" Tanmoku Ki lächelte ihn sanft an. „Wir haben keine Eile. Ich weiß, wem dein Herz gehört. Man kann ein Feuer nicht einfach löschen. Es bleibt immer die Glut übrig. Bis diese ausgegangen ist, dauert es einige Zeit."

Yuri und seine Eltern wollten schon in die Kirche zurückgehen, um Wolfram zu suchen, als er plötzlich durch die Eichentür heraus kam. Miko sah, dass er geweint hatte und befürchtete, dass er ihr Gespräch mit angehört hatte. Als er sie mit seinen grünen Augen anschaute, wusste sie, dass er es gehört hatte. „Es tut mir so leid." Flüsterte sie. „So haben wir Yuri nicht erzogen." Vorsichtig legte sie ihren Arm um den Feuerdämon. Schweigend gingen sie durch die Straßen und warteten auf die angegebene Zeit, zu der sie auf dem Berg der Tanmoku Familie zum Essen erscheinen sollten.

Sie kamen um zwölf auf dem Berg Ura an und wurden bereits von der Schwester des Yomeishi erwartet. „Oh, schön dass sie da sind. Ich bin Tanmoku Jiyun, die legitime Tochter der Tanmoku Familie. Meine Großmutter und mein Bruder befinden sich auf der Terrasse. Ich führe sie hin." Sie verneigte sich leicht und schaute verstohlen zu dem blonden Dämon, von dem Ki bereits gestern erzählt hatte. Sie spürte tatsächlich eine enorme magische Präsenz in ihm, obwohl auf Erden das Maryoku nicht zu nutzen war. Er war ein perfekter Mazoku. Das musste sie zugeben. Schnell sammelte sie ihre Gedanken wieder, bevor der Blonde etwas bemerkte, doch als sie in seine smaragdgrünen Augen sah, vernahm sie ein spöttisches Lächeln. Er hatte es bereits gemerkt. Wahrscheinlich ging ihm das öfter so. In dem Moment kam der Schattengeist und Shin auf die Gäste zu. „Ah. Jiyun. Du hast unsere Gäste bereits empfangen." Shin wurde unruhig in der Nähe von Ki's Schwester. Sie hatte immer das Gefühl, dass diese ihrem Verlobten etwas Böses wolle. Yuri ging zu Shin. „Hey, schön dich zu sehen. Es freut mich, dass du auch hier bist." Diese nickte. „Ja, mein Verlobter hat mich heute ebenfalls zu dem Essen mit euch eingeladen." Sie strahlte. „Das kommt so selten vor…" Jiyun unterbrach sie kühl. „Nun. Lasst uns gehen. Großmutter wartet nicht gern." Wolfram war irritiert von so viel Gefühlskälte und bemerkte Yuris Blick, welcher ebenso verdutzt war. „Na, die haben ja einen Umgangston hier." raunte Yuri seinem Verlobten zu. Dieser nickte nur. Gemeinsam folgten sie der Tochter des Hauses. „Hey, Engelsdämon." Sprach Keika Wolfram an. „Ich hab gehört, du hättest so wundervoll gesungen." Wolfram sah erstaunt in ein grinsendes Augenpaar. „Woher weißt du das?" Der Schattengeist grinste noch breiter. „Von meinem Herren. Ihr habt euch doch getroffen…" antwortete er und war gespannt auf die Reaktion des Doppelschwarzen. Dieser zog die Luft ein und schaute Wolfram fragend an. Dieser zuckte mit den Schultern. „Und? Ist das verboten?" Yuri hielt seinen Verlobten am Arm. „Warum hast du uns das vorhin nicht gesagt?" Der blonde schaute Yuri irritiert an. „Seit wann interessiert dich, was ich tue?" Er schaute den Dämonenkönig belustigt an. „Das hat es doch bisher nicht." Wolfram zog seinen Arm aus Yuris Griff und ging weiter. Shin spürte die Zerrissenheit des Doppelschwarzen. Sie ließ sich etwas zurück fallen und hielt Yuri nun ihrerseits zurück. „Du bist zu spät. Du verlierst ihn. Und das ist allein deine Schuld." Yuri schaute sie entsetzt an. Shin drehte sich um und ging hinter den anderen her. Yuri erkannte plötzlich dass sie Recht hatte. Er war gerade dabei den Feuerdämon zu verlieren.

Als sie auf der Terrasse ankamen erhob sich Tanmoku Ki und begrüßte die Gäste und stellte sie seiner Großmutter vor. „Großmutter, das sind Freunde von meiner Verlobten. Yuri Shibuya. Er geht mit ihr auf dieselbe Schule." Yuri verneigte sich leicht. „Das sind seine Eltern Miko und Shouma Shibyua. Sie ist ein Mensch und er ein guter Dämon." Yuri war verblüfft, dass der Yomeishi wusste, welcher Elternteil von ihm der Dämon war. Die Herrin des Hauses Tanmoku lächelte alle bisher vorgestellten Personen an und richtete ihre Aufmerksamkeit nun auf Wolfram. „Und wer ist dieser engelhafte Dämon?" fragte sie und sah ihren Enkel mit einem prüfenden Blick an. Sie merkte wohl, dass zwischen den beiden eine knisternde Spannung lag. Yuri verspannte sich als er bemerkte, dass sich Tanmoku Ki's Haltung veränderte. „Das Großmutter ist Wolfram Lord von Bielefeld. Der mächtigste Feuerdämon im Dämonenreich Shin Makoku. Ein mit Liebe erfüllter Dämon, in dem ich nicht ein Funken Boshaftigkeit feststellen konnte." Wolfram lief rot an, während die Hausherrin ihre Hand vor seinen Körper hielt. Wolfram verneigte sich ebenfalls wie seine Vorgänger und küsste die dargebotene Hand. „Das ist allerdings etwas wahrlich Außergewöhnliches." Sinnierte das heimliche Oberhaupt der Tanmoku Familie. „Ein Mazoku der besonderen Art." Sie sah Ki von der Seite an, welcher augenscheinlich sehr von dem Dämon angezogen war. Plötzlich kam ihr die Prophezeiung in den Sinn. Dieser Dämon... wenn der Doppelschwarze der erwähnte neue Dämonenkönig von Shin Makoku war, dann könnte dieser Dämon… sein Verlobter… In dem Moment glaubte sie zum ersten Mal in all den Jahren, dass die Prophezeiung in Erfüllung gehen könnte. Der Mazoku schien nicht abgeneigt von ihrem Enkel zu sein. Männliche Mazoku können durchaus schwanger werden. Selten, aber es war möglich. Und ein Dämon seiner Macht und Stärke würde das Baby sogar schützen und behalten können, bis es bereit war geboren zu werden. Sie beschloss die Beiden zu testen. „Nun, wie ist eure Beziehung zueinander?" fragte Großmutter und sah Yuri und Wolfram nacheinander an. Wolfram schluckte. Yuri wurde rot und wuschelte sich mal wieder verlegen in den Haaren. Keiner der Beiden sagte etwas. Der Feuerdämon sah Yuri fragend und abwartend an. Da dieser keine Anstalten machte irgendwie zu reagieren stieß Wolfram schließlich verärgert aus: „Er ist mein Verlobter. Zumindest offiziell." Yuri guckte ihn irritiert an. Zumindest Offiziell? Er war sein Verlobter…warum grenzte Wolfram das plötzlich so ein. Er verstand. Er hatte ja nicht einmal reagiert. Er hatte wieder nicht den Schneid gehabt zu ihrer Beziehung zu stehen. „Ja" hörte er sich plötzlich hinzufügen. „Und eines Tages werden wir heiraten." Alle sahen ihn verblüfft an. Wolfram fiel die Kinnlade runter, Tanmoku Ki zog eine Augenbraue hoch und Shin sah ihn erleichtert an. Endlich hatte er einen Schritt in die richtige Richtung getan. Vielleicht war es aber auch schon zu spät. Wolfram sah ihn wütend an. „Meinst du ich warte darauf auch nochmal Jahre lang?" er schüttelte den Kopf. Seine Gefühle fuhren Achterbahn. Er liebte Yuri, aber er wusste nicht, wie lange er noch stark sein konnte. Großmutter hatte genug erfahren. Der Dämonenkönig konnte nicht zu seinen offensichtlich sehr starken Gefühlen für den Feuerdämon stehen. Und dieser war nicht mehr bereit zu warten. Die Prophezeiung hatte tatsächlich eine Möglichkeit bekommen sich zu erfüllen.

Das Essen verlief eher schweigsam. Weder Yuri und Wolfram redeten miteinander, noch Tanmoku Ki und seine Großmutter. Lediglich Shin und Yuris Eltern hielten die Stimmung am Laufen. Nach dem Essen stand Ki auf und ging zu Wolfram. „Würdet ihr mir etwas Gesellschaft leisten? Shin erzählte mir, ihr wärt so erfreut über meine Blumenzucht im Garten gewesen." Wolfram nickte begeistert. „Gern. Ja sie sind wunderschön. Diese Farbenvielfalt." Der Yomeishi bemerkte die Gesichtsentgleisung des Dämonenkönigs durchaus, doch es war ihm schlicht und einfach egal. Wenn er diesen wundervollen Dämon nicht halten konnte, war das seine Chance. Er rückte den Stuhl des Blonden zurück, verneigte sich leicht und gab das Zeichen, dass er vorgehen möge. Lächelnd nickte Wolfram Miko und Shouma zu und verließ mit Ki den Speisesaal. „Mein Enkel ist scheinbar ganz vernarrt in ihren Dämon." Schmunzelte Großmutter. Miko lachte. „Er ist ja auch wirklich reizend. Nicht wahr Yuri?" Dieser bekam kein Wort heraus. Immer noch sprachlos starrte er die geschlossene Tür an, durch welche gerade sein Verlobter mit dem Yomeishi verschwunden war. Er hatte komplett die Kontrolle über Wolfram verloren. Kontrolle… Eigentlich hatte er nie die Kontrolle über seinen Verlobten gehabt. Wolfram war immer von sich aus zu ihm gekommen, er war von sich aus bei ihm geblieben. Er hatte ihn von sich aus aufrichtig und bedingungslos geliebt. Und er Blindfuchs hatte es nie richtig gedeutet. Er hatte ihn immer nur als Freund sehen wollen. Jetzt wo er sich seine wahren Gefühle eingestand, war es zu spät.

Ki lief neben einem schweigsamen Wolfram her. Bei den Blumen angekommen kniete sich der Dämon nieder und betrachtete sie bewundernd. Ab und an roch er an einer Blüte. Wie Ki ihn so betrachtete, spürte er ein Kribbeln in seinem Körper. Schmetterlinge schienen in seinem Magen zu flattern. War das Liebe? Verliebtheit? Verlangen nach diesem perfekten Körper? Er schaute den blonden Engel vor sich an. Seine weichen Lippen waren zu einem leichten Lächeln gebogen. Seine Haare umrahmten glänzend sein Gesicht. Seine Augen sprühten vor Begeisterung…seine Augen. Wenn er die sehen konnte…"Na? Gefällt dir was du siehst?" Foppte der Feuerdämon ihn. Verlegen lächelte er und schaute weg. „Du bist einfach wunderschön. Bitte entschuldige, dass ich dich so angestarrt habe." Wolfram seufzte. „Nun ja. Ehrlich gesagt ist es auch schön, wenn man so begehrt wird." Tanmoku Ki stand auf und zog ihn zu sich hoch. „Wirst du das sonst nicht?" fragte er neugierig. Wolfram schüttelte traurig den Kopf. „Nein. Er kann es einfach nicht. Manchmal spüre ich seine heimlichen Blicke. Doch wenn ich ihn anschaue, wendet er sich ab." Tanmoku Ki zog den Dämon noch näher. „Und wenn ich dir sage, dass ich mich in dich verliebt habe von dem ersten Augenblick, in dem ich dich sah? Wie ist das für dich?" Wolfram zögerte. „Ich liebe Yuri sehr. Aber ich schaffe es nicht mehr unerwidert zu lieben." Der Yomeishi schaute Wolfram zärtlich an. „Gibst du mir eine Chance dir zu zeigen, wie es ist, wenn man aufrichtig geliebt wird?" Wolfram bekam weiche Knie. „Ich …wünsche es mir so sehr." Er schaute in silbergraue Augen, in denen er meinte, Sterne funkeln zu sehen. „Oh Gott…Ki." Dieser küsste ihn sanft und ohne Druck. Wolfram wollte sich nicht wehren. Er wollte geliebt werden. Vorsichtig erwiderte er den Kuss. Tanmoku Ki sah ihn liebevoll an. Er fuhr sich mit der Zunge über seine Lippen. „Hm…du schmeckst süß." Er küsste ihn nochmal. Dieses Mal konnte Wolfram seine Gefühle nicht mehr zurück halten. Voller Leidenschaft erdwiderte er den Kuss und keuchte als er sich von Ki löste. „Du…du…wow…" Tanmoku grinste und umfasste den Dämon fest und küsste ihn voller Lust. „Ich gebe dir was du willst mein Engel."

Yuri, seine Eltern und Shin spazierten durch die Gärten, als sie sich fragten wo Wolfram und Ki blieben. Die Blumenzucht des jungen Hausherrn war doch direkt vor ihnen. Verwundert liefen sie weiter, als Yuri auf keuchte und sich die Hand vor den Mund hielt. Miko sah ihren Sohn erstaunt an und richtete ihren Blick in die Richtung, in die Yuri entgeistert starrte. Sie sahen Wolfram und Tanmoku Ki wie sie sich innig küssten und nicht zu bemerken schienen, dass sie entdeckt wurden. „Wolfram…" Der Dämon zuckte erschrocken zusammen und schaute dorthin, von wo er die Stimme vernahm. Vier entgeisterte Augenpaare starrten ihn und Ki an. Ertappt ließen sie voneinander ab und gingen einige Schritte auseinander. Doch es war zu spät. Yuri rannte auf seinen Verlobten zu. „Was machst du eigentlich mit dem da?" er schrie den Feuerdämon an. „Weißt du wie es ist, wenn man auf seinen Gefühlen rumgetrampelt bekommt?" Wolfram sah ihn traurig an. „Ja. Yuri, das weiß ich." Auf einmal wurde Yuri alles klar. Er hatte verloren. Er hatte Wolfram in die Arme eines anderen getrieben. Völlig fassungslos sah er den Dämon an. Dieser drehte sich um und ließ ihn stehen. „Ich laufe runter in die Stadt. Die Zimmerkarte hab ich ja." Tanmoku Ki sah den Doppelschwarzen mitleidig an. „Deine Zeit ist abgelaufen, bevor sie richtig beginnen konnte." Miko ging zu ihrem Sohn und nahm ihn in die Arme. Natürlich war das von Wolfram nicht richtig, dass wusste er sicher selbst am besten. Doch Yuri hatte es sich selbst zuzuschreiben. Irgendwann gab auch der mächtigste Dämon einmal auf wenn er nur verletzt wurde.

Wolfram lief einfach den Fahrweg entlang, welchen sie mit dem Auto hochgefahren waren. Da stand plötzlich der Schattengeist des Yomeishi vor ihm. Erschrocken zuckte der blonde Dämon zusammen. Er konnte sich immer noch nicht daran gewöhnen, dass Keika sich blitzschnell von A nach B bewegen konnte als Geist. „Was willst du wirklich von Ki?" fragte Keika und lief neben Wolfram her. Dieser wusste nicht recht, was er antworten sollte. „Ich bin mir nicht sicher. Ich habe ihm gesagt, dass ich Yuri liebe, aber ich schaffe es nicht mehr so weiter zu leben." Der Schattengeist sah ihn von der Seite an. „Du meinst, ohne die Liebe zurück zu bekommen, die du schenkst?" Wolfram nickte. „Wir sind jetzt so lang verlobt, aber er hat sich nie wirklich für mich interessiert. Er sieht in mir nur einen Freund." Keika tat der verzweifelte Dämon leid. „Tanmoku empfindet mehr für dich, obwohl er dich erst zwei Tage kennt. So habe ich ihn noch nicht erlebt." Wolframs Wangenfärbten sich leicht rot. Keika musste lächeln, er war wirklich süß, wenn er verlegen wurde. Da musste er seinem Herrn Recht geben. Dieser Dämon war anders als alle anderen. Er strahlte Wärme und Liebe aus. Da war nichts Dämonisches. Nichts Böses. In diesem Dämonenreich musste es tatsächlich gute Dämonen geben. Wahrscheinlich waren die bösen Dämonen auf Erden die, die dort verbannt, besiegt oder getötet wurden. Ihre Seelen kamen auf die Erde, um hier neue Körper zu finden. Im Dämonenreich wären sie verfolgt worden, bis die Seelen endgültig zerstört waren. „Tanmoku sieht in euch etwas ganz Wertvolles. Zerstört es nicht Lord von Bielefeld." Bevor Wolfram etwas erwidern konnte war der Schattengeist verschwunden und das Auto der Shibuyas kam die Straße entlang gefahren. Als sie bei ihm ankamen, hielt Shouma an. „Du willst doch nicht wirklich den ganzen Weg runter laufen." Erleichtert atmete der Feuerdämon auf und setzte sich neben Yuri. Dieser beachtete ihn keines Blickes. Aber das war Wolfram egal.

In ihrem Zimmer setzte Wolfram sich ans Fenster und schaute in die herrliche Natur. Er dachte an Tanmoku Ki, an die Frage seiner Großmutter, an sein Lächeln, an seinen Kuss. Er spürte etwas, was er vorher vermisst hatte. Er spürte ein Kribbeln. Allerdings nicht, als er in Yuris zerknirschtes Gesicht sah, welcher ihn anpflaumte. „Was war das denn vorhin bitte?" Der Dämon schaute seinen Verlobten irritiert an. „Was war was?" fragte Wolfram verdutzt. „Du meinst doch nicht etwa meine Unterhaltung mit dem Yomeishi?" Yuri konnte seine Gefühle kaum mehr bändigen. „Du hast die gesamte Besichtigungstour gestern und während des Essens heute nicht wirklich mit mir gesprochen. Du warst mit deinen Gedanken komplett woanders. Und dieser Ki hat dich die ganze Zeit so merkwürdig angesehen. Dieser Blick. Dieser Kuss! Da lag Zärtlichkeit und Zuneigung drin. Das ist ein Priester. Die dürfen gar keine Beziehungen eingehen." Wolfram schaute seinen Verlobten verblüfft an. „Wie kommst du denn darauf, dass er keine Beziehung haben darf. Er ist doch kein Priester, im Sinne der katholischen Kirche. Er ist ein Priester im Sinne der spirituellen Reinigung, mit denen er das Gleichgewicht von Gut und Böse auf Erden erhält. Außerdem hat er bereits eine Beziehung. Das weißt du doch." Kopfschüttelnd legte sich der blonde Dämon auf sein Bett und schaute wieder aus dem Fenster. Er liebte es so zu liegen und die Natur draußen zu genießen. Yuri holte tief Luft bevor er versuchte möglichst ruhig weiter zu reden. „Er scheint sie aber nicht zu lieben so wie ich sie verstanden habe." Wolfram schaute ihn mit einem unergründlichen Blick an. „Du liebst mich doch auch nicht. Was regst du dich so auf?" Yuri bekam Schnappatmung. Was hatte der Dämon eben gesagt? „Das denkst du?" fragte Yuri blass. „Du denkst ich liebe dich nicht?" Wolfram setzte sich auf sein Bett und drehte sich direkt zum Doppelschwarzen. „Du lehnst unsere Verlobung ab, weil wir zwei Kerle sind wie du es immer sagst, du verleugnest unsere Beziehung vor anderen, dir ist es peinlich, wenn ich dich berühre. Wie nennst du das deiner Meinung nach bitte?" Yuri wurde heiß und kalt. Wolfram hatte Recht. Er wollte ihn nicht lieben, das gehörte sich nicht. Man bekam nur Probleme wenn man sich als schwul outete. Aber sein Herz machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Doch wieder schaffte er es nicht, seinen Schatten zu überspringen und seinem Verlobten zu sagen was er wirklich empfand. Er drehte sich nur rum und sah zur Wand. „Ich will dich nicht verlieren Wolfram. Du bist mir wichtig. Du bist mein Freund." Wolfram wunderte sich, dass er dieses Mal keine Tränen in den Augen hatte, als er Yuri antwortete. „Ich kann das nicht mehr Yuri. Ich will dich nicht mehr unerwidert lieben. Mein Herz schafft das nicht mehr." Er seufzte bevor er die nächsten Worte aussprach, die er nie hatte aussprechen wollen. „Wenn wir in Shin Makoku zurück sind, löse ich unsere Verlobung auf Yuri. Dann bist du frei. Und ich auch." Flüsterte der blonde Dämon. In diesem Moment spürte Yuri wie sehr er seinen Verlobten liebte. Doch nun hatte er ihn verloren.