Kapitel 3

In der Schule stürmte Yuri auf Murata zu.

„Ken, du musst mir helfen. Ich habe Wolfram verloren." Yuri war völlig aufgeregt und stammelte etwas vom Wochenende, vom Yomeishi und dass Wolfram ihn geküsst hätte. „Wolfram hat dich geküsst?" fragte Murata ungläubig.

Yuri schüttelte wütend den Kopf. „Schön wärs. Nein, er hat Tanmoku Ki geküsst. Oder eher anders rum. Tanmoku Ki hat Wolfram geküsst, aber er hat sich nicht gewehrt."

Der Doppelschwarze fiel in sich zusammen. „Murata, ich hab ihn verloren." Ken sah ihn mit schwermütigen Augen an. „So ist das, wenn man seine Gefühle zu spät erkennt." Seufzte er leise.

Schweigend liefen sie zur Kantine. Sie hatten Mittagspause, bevor sie zum Nachmittagsunterricht mussten. Murata sah seinen Freund besorgt an. Die Sache mit Wolfram nahm ihn wirklich mit.

Er hatte sich tatsächlich in seinen Verlobten verliebt, endlich seine Gefühle erkannt und dann war es zu spät. Murata dachte an die Prophezeiung. Sollte er Yuri davon erzählen?

Er schüttelte den Kopf. Nein, sonst würde der Dämonenkönig im allerschlimmsten Fall aufhören um Wolfram zu kämpfen und Wolfram würde nicht in die Arme des Yomeishi getrieben werden.

Das war nötig, um sie vollständig zu erfüllen. „Was ist?" fragte Yuri den Weisen. Dieser überlegte sich eine gute Antwort. „Du solltest um Wolfram kämpfen." Die Idee kam ihn spontan in den Sinn.

Wolfram war ein stolzer Mazoku. Wenn Yuri jetzt um ihn kämpfte, würde der Feuerdämon aus Trotz erst Recht bei Tanmoku Ki bleiben. Zumindest vorüber gehend. Aber das reichte ja schon.

Grinsend sah er seinen Freund an. „Yuri. Du bist ein Spätzünder. Das hast du ja selbst gemerkt. Aber noch ist es nicht zu spät. Steh endlich zu deinen Gefühlen und kämpfe um deinen Verlobten."

Als Yuri von der Schule nach Hause kam, war Wolfram mit seiner Mutter am Backen. „Hallo Yu-chan. Wir sind in der Küche." Rief ihm seine Mutter zu.

Er lief dem leckeren Geruch entgegen und sah einen blonden Dämon, der gerade sämtliche Teigreste aus der Schüssel und vom Rührgerät abschleckte.

Yuri merkte, wie sein Körper darauf reagierte, als er Wolfram so genüsslich mit der Zunge die Spiralen des Rührers ablecken sah. Verwirrt schaute er auf seine Hose und hoffte, dass die Beiden seine Ausbuchtung nicht bemerkten.

Er blieb hinter der Kücheninsel stehen, lehnte sich betont lässig drauf und fragte. „Na wenn du den ganzen Teig so schleckst, bleibt ja kein Kuchen mehr übrig." Und grinste er seinen Verlobten an.

Dieser noch ganz versunken in seine Abschleckversuche schaute ihn entrüstet an. „Hm ist aber lecker. Probier mal." Und hielt ihm einen Rührspirale hin.

Yuri ging zu ihm umklammerte die Spirale mitsamt Wolframs Hand und leckte den Teig von der Spirale ab. „Hm. Ich liebe das. Es ist so lecker."

Miko schaute die beiden verblüfft an, versuchte aber, so harmlos wie immer zu klingen. „Das hast du als kleiner Junge schon immer gemacht. Manchmal hast du den Teig aus der Schüssel genascht, bevor ich ihn in die Backform tun konnte. Also gab es dann nur halb so viel Kuchen wie geplant."

Wolfram lachte. „Und du hattest bestimmt Bauchschmerzen danach. So ging es mir jedenfalls immer. Mutter hat dann irgendwann den Teig so hoch gestellt, dass ich nicht mehr dran kam. Irgendwann bemerkte ich, dass weder Gwendal noch Conrad meinem bittenden Blick widerstehen konnten. Also schloss Mutter sich dann irgendwann zum Backen in die Küche ein und ließ uns erst wieder rein, wenn der Kuchen fertig war." Miko lachte schallend. „Das kann ich mir vorstellen. Wie zwei Kullersmaragde einen anschauen, weil sie die Teigschüssel haben wollen." Alle lachten.

Wolfram war wie ausgewechselt. Er fühlte sich so frei, seit er Yuri gesagt hatte, dass er die Verlobung lösen würde. Endlich hatte er eine Entscheidung getroffen.

Er liebte Yuri so sehr, dass er ihn frei gab. So konnte er sich jemandem hingeben, der ihn begehrte und liebte.

Er dachte an die silbergrauen Augen, die weichen Lippen, die sanften Küsse. „Was wird denn hier leckeres gebacken?" riss ihn Shouris Stimme aus seinen Gedanken.

„Ah, du bist zurück, mein Sohn. Wie war es bei dem Kunden." Shouri nickte zufrieden. „Alles ist sehr gut gelaufen. Die Geschäfte laufen wirklich gut." Er schnupperte. „Hm…Marmorkuchen." Miko nickte. Shouri sah seinen jüngeren Bruder forschend an. „Und? Wie war es bei euch?" Yuri zuckte zusammen. Wolfram war schneller in seiner Antwort. „Alles gut. Was soll schon gewesen sein? Die Zeremonie war einzigartig. So etwas hab ich noch nie erlebt. Die Stadt ist wunderschön und erinnert an …" er hörte auf zu reden. Yuri vollendete leise den Satz. „Erinnert an Shin Makoku…"

Shouri spürte, das sowohl Wolfram als auch sein Bruder Sehnsucht nach ihrem Dämonenreich hatten.

Er seufzte und holte tief Luft. „Also ihr Beiden." Zwei neugierige Augenpaare schauten ihn an. „Bob hat eine Möglichkeit gefunden, dass ihr zurück nach Shin Makoku reisen könnt."

Wolfram ließ vor Schreck die Schüssel fallen. Doch niemand rührte sich. Denn Shouri war noch nicht fertig. „Und zwar in wahrscheinlich einer Woche." Yuri überlegte. „Das ist das Wochenende, an dem die Abschlussfeier in der Schule stattfindet."

Shouri nickte. „Ja. Die ist am Freitag und ihr könnt wohl am Samstag zurück. Wolfram fiel auf die Knie. „Oh Gott sei Dank." Und schluchzte. Yuri war völlig überrascht über die Reaktion des Feuerdämons.

Er hatte seine Familie zurück gelassen, als er Yuri spontan mitgenommen hatte, in dem Wissen, diese vielleicht nie wieder zu sehen. Jetzt erst wurde Yuri klar, wieviel sein Verlobter für ihn geopfert hätte.

Er ging zu Wolfram und nahm ihn in die Arme. Dieser lehnte sich an seine Brust und genoss den letzten Moment mit Yuri als Verlobten. Auch wenn sie sich gerade mal gut verstanden.

Er würde die Verlobung lösen wenn sie zuhause waren.

Der Abend des Abschlussfestes war gekommen. „Wolfram was brauchst du denn so lang?" rief Yuri ungeduldig. Er hatte seine Schuluniform an, die heute Abend Pflichtkleidung der Abschlussklassen war. „Ja, bin ja fertig." Kam es aus dem Bad.

Die Tür öffnete sich und heraus kam ein Engel in blauen Anzug mit goldenen Applikationen. Yuri starrte ihn verzaubert an. „Wow. Du siehst toll aus." Staunte er. Wolfram grinste ihn an. „Danke. Ich weiß." Sprach's und ließ ihn stehen.

In der Schule angekommen wurde Wolfram sofort von verliebten Mädchen umringt und beantwortete jede Frage so gut es ging. „Wo kommst du denn her?" „Aus Deutschland." „Und wie heißt du?" „Wolfram v...Wolfram Bielefeld."

Er sollte das „von" hier weglassen hatte ihm Miko noch eingeschärft. „Hast du eine Freundin?" Wolfram schüttelte den Kopf. „Nein, hab ich nicht." Yuri schaute ihn überrascht an. Sonst hatte Wolfram auf diese Frage immer geantwortet, er sei verlobt.

Sein Herz schnürte sich zusammen. „Oh du bist also Single…" kam es von einem Mädchen, worauf hin einige Mädels verzückt aufjubelten.

Bevor Wolfram reagieren konnte, kam Shin auf ihn zu. „Hey, du bist auch da?" Dieser schaute sie erschrocken an. Seit dem Kuss zwischen ihm und Ki hatten sie sich nicht mehr gesehen. „Warum gehst du eigentlich hier auf die Schule und nicht bei deinem Verlobten in der Nähe?" fragte der Dämon.

Shin lachte. „Weil das hier die beste Schule im Land ist, die ein Internat angeschlossen hat." Sie schaute ihn nachdenklich an. „Manche Menschen wollen nicht so eng mit ihren Verlobten zusammen sein."

Yuri fand, dass die Unterhaltung in eine ganz falsche Richtung lief und schnappte sich Wolfram. „Komm, wir müssen rein. Die Feier beginnt gleich."

Wolfram war völlig überrumpelt von Yuris Handlung und ließ sich einfach hinter her ziehen. „Wie läuft das heute Abend überhaupt ab?" fragte er. „Erst bekommen wir unsere Zeugnisse, dann wird das Buffet eröffnet und dann gibt es Live-Musik und Tanz. „Oh ja. Dann können wir ja tanzen." Rief Wolfram erfreut. „Äh Wolfram zwei Männer können doch nicht miteinander tanzen. Du hättest ja als Frau kommen können. Dann wäre das was andres gewesen."

Wolfram schluckte und zog seine Hand aus Yuris. Dieser bemerkte seinen Fehler zu spät.

Wolfram wandte sich zu Shin und strahlte sie an. „Kannst du tanzen?" diese nickte begeistert. „Ja, Ki tanzt nicht gern. Aber ich liebe Tanzen." Wolfram bot ihr den Arm. „Dann bist du heute Abend meine Tanzpartnerin."

Yuris Herz krampfte sich zusammen, als er sah, dass die Beiden ohne sich nach ihm umzudrehen in die Festhalle gingen.

Auf einmal spürte er den Schlag auf seinen Hinterkopf. Irritiert drehte er sich um und sah zwei zornige Augen. „Du bist ein solcher Volltrottel das man nicht glaubt, wie du ein König sein kannst." Murata schüttelte den Kopf und ließ ihn ebenfalls stehen.

Dann hörte er die Stimme seiner Mutter. „Ich muss ihm da leider völlig Recht geben, auch wenn du mein Sohn bist." Sie hing sich in den Arm ihres Mannes ein und zog ihn ebenfalls in die Halle.

Yuri verfluchte sich laut und schimpfte wie ein Rohrspatz. „Na? Haben wir es wieder mal versemmelt?" vernahm er die sanfte Stimme des Yomeishi. „Du bist auch hier?" er schaute das Oberhaupt der Tanmoku Familie überrascht an. „Ja natürlich. Meine Verlobte gehört zur Abschlussklasse." Antwortete dieser und sah Yuri belustigt an. „Deine Verlobte ist meinem Verlobten abgedampft falls du sie suchen solltest." Meckerte der schwarzhaarige weiter. „Nein, tue ich nicht." sagte Ki und fuhr seufzend fort. „Der Unterschied bei der Sache ist, dass ich weiß, dass meine Verlobte auch gern mal andere Männer für ihre Vergnügungen nimmt. Und damit meine ich kein Sex. Sondern einfach zum Spaß haben und etwas erleben. Du aber bisher immer gewohnt warst, dass dein Verlobter sich nach dir verzehrt hat. Und auf einmal wendet er sich von dir ab."

Er lächelte ihn an. „Wer hat also den besseren Part getroffen? Was meinst du?"

Yuri sah ihn entgeistert an. „Los komm mit." Ki zog Yuri mit sich. „Du verpasst noch deine eigene Abschlussfeier." Sie kamen in der Halle an und suchten nach ihren Lieben. „Ah da vorne. Die glänzenden goldenen Haare würde ich überall raus erkennen." Murmelte Yuri. Er spürte den Blick Tanmoku Kis und widerstand dem Drang dessen Blick zu erwidern.

Er lief einfach zu den anderen. Seine Eltern saßen am Rand, dann kam Wolfram, Shin und dann waren noch Plätze frei. „Hey, hier seid ihr."

Wolfram drehte sich zu der Stimme und bemerkte wie sein Herz doppelt so schnell schlug, als er das Gesicht neben seinem Verlobten sah. Es lächelten ihn zwei funkelnde Augen an.

Tanmoku Ki leckte sich unbewusst die Lippen als er den hübschen Dämon in dem Anzug dort sitzen sah. Dieser biss sich auf seinen weichen Lippen herum, bis diese nicht mehr in einem zarten rosa erblühten, sondern in einem saftigen durchbluteten Kirschrot. Yuri begann durch die Reihe zu gehen und setzte sich neben Shin.

Tanmoku ging bis er vor Wolfram stand, beugte sich zu ihm hinunter und flüsterte ihm ins Ohr: „Du siehst wunderschön aus. Die Farbe deines Anzuges steht dir. Und nachdem du deine Lippen eben gut durchgekaut hast, leuchten sie wie Kirschen in ihrer Blüte. Wenn hier nicht so viele Personen wären, würde ich sie dir jetzt zu überreifen Kirschen beknabbern." Er strahlte den Feuerdämon an und setzte sich neben Yuri.

Wolfram versuchte seine Schnappatmung erfolglos unter Kontrolle zu bekommen. Zum Glück begann der Rektor der Schule mit seiner Begrüßung, so dass die Aufmerksamkeit von Shin und Yuri nicht länger bei ihm lagen sondern sich auf die Bühne verlagerte. Nachdem alle Schüler ihr Abschlusszeugnis ausgehändigt bekamen, wurde das Buffet eröffnet.

Anschließend spielte die Live Band zur Tanzmusik auf. Wolfram, Yuri, Murata, Shin, Ki und Miko und Shouma Shibuya saßen an einem der runden achter Tische, die es in dem zweiten Saal gab, der sich neben dem Saal befand, in dem eben die Zeugnisse vergeben wurden. In dem ersten Saal wurden die Stühle abgebaut und eine Tanzfläche eingerichtet, welche mit Stehtischen umsäumt wurde.

Wolfram unterhielt sich mit Shin und Miko, während sich Shouma mit Tanmoku Ki und Murata unterhielt.

Nur Yuri schwieg und hing seinen Gedanken nach. Schließlich spürte er den stechenden Blick des Weisen. „So wie es aussieht, hast du wohl verloren was?" stichelte Murata.

Yuri wollte auffahren, besann sich aber wo er war. „Nein, aber ich werde meinem Verlobten hier sicher nicht um den Hals fallen und ihn küssen." Murata musste ihn bei der Vorstellung angrinsen. „Wieso denn nicht?" als er den wütenden Blick seines Freundes sah, hob er beschwichtigend die Hände. „Schon gut. Ist deine Entscheidung." Bevor er etwas erwidern konnte sah er aus dem Augenwinkel, dass der Yomeishi aufstand und zu Wolfram lief.

Er beugte sich auf der von Yuri abgewandten Seite zu ihm und schien dem Dämon etwas ins Ohr zu flüstern. Dieser bewegte seinen Kopf plötzlich so als wenn es ihn gekitzelt hätte und lachte verlegen.

Yuri konnte nicht aufhören seinen Verlobten anzustarren. Hatte Ki ihn etwa eben auf die Wange geküsst, oder am Hals gekitzelt oder ihm gar ins Ohrläppchen geknabbert?

Plötzlich spürte er Muratas Hand auf seinem Arm. „Bleib ruhig Kumpel." Er sah in zwei besorgte Augen als er seinen Freund anblickte und atmete tief durch.

Als er wieder zu Wolfram sah, war Ki zum Ausgang gegangen. Da erhob sich auch der Feuerdämon und Yuri überlegte, ob er ebenfalls mal zufällig mit raus gehen sollte.

Doch Wolfram wollte gar nicht raus. Er verbeugte sich charmant vor Yuris Mutter und forderte sie zum Tanz. „Darf ich Sie um den ersten Tanz bitten Frau Shibuya?" Diese quietschte leise auf und erhob sich strahlend. Das gleiche tat Yuris Vater mit Shin. So verließen beide Tanzpaare den Raum, um im großen Saal die Tanzfläche zu erobern.

Yuri wusste nicht wohin mit seinen Emotionen, als er Muratas Stimme hörte. „Los komm, wir schauen den Vieren zu." Ehe Yuri sich wehren konnte, hatte Murata ihn vom Stuhl gezogen und mit in den großen Saal geschleift.

Sie stellten sich an einen der vielen Stehtische und sahen zu wie Wolfram und Miko tanzten.

Der Feuerdämon konnte tanzen wie ein Gott. Er schwebte zur so über die Tanzfläche. Seine Mutter war aber auch eine sehr gute Tänzerin. Sie konnte mühelos mit seinem Verlobten mithalten.

Peinlich berührt stellte er fest, dass er in den wenigen Wochen in denen Wolfram mit auf der Erde war, mehr von seiner Mutter neu kennengelernt hatte als vorher in all den Jahren, die er dort lebte. Wolfram hatte ein Talent aus Menschen ihre innersten Seiten heraus zu kehren. Er war einfach etwas Besonderes.

Nach einem Tanz wechselten Wolfram und Shouma die Tanzpartner, so dass Wolfram nun mit Shin tanzte und Shouma mit seiner Frau.

Als dieser Tanz vorbei war, kam plötzlich Tanmoku Ki in den Saal. Er bemerkte Yuris Blicke zu Wolfram und grinste innerlich als er eine Idee hatte.

Anmutig schritt er auf Wolfram und Shin zu und verneigte sich leicht. Während Shin schon vor Freude strahlte, sagte Ki plötzlich: „Darf ich um ihren Tanz bitten Lord von Bielefeld?" Shin klappte die Kinnlade herunter bevor sie es verhindern konnte.

Schnell hatte sie sich wieder unter Kontrolle als Murata wie aus dem Nichts neben ihr auftauchte und sie nun seinerseits um einen Tanz bat.

Yuri war überrascht. Er wusste nicht, dass Murata tanzen konnte. Aber er wurde eines besseren belehrt. Was allerdings seine erneute Aufmerksamkeit auf sich zog waren das Raunen und die Tuscheleien, die aufgekommen waren, als Ki seinen Verlobten um den Tanz bat. Zwei Männer in eleganten Anzügen fielen halt überall auf, vor allem wenn sie zusammen tanzten.

Alles war gespannt wer von den Beiden die Frauenrolle tanzen würde. Der attraktive silberhaarige oder der engelsgleiche Blonde?

Yuri bemerkte den anzüglichen Blick, den Tanmoku Ki ihm zu warf. Er konnte genau lesen, was er ihm sagen wollte. Man kann also keinen Mann zum Tanz auffordern? Dann schau mal her.

Tanmoku Ki führte und Wolfram tanzte die Frauenschritte. Yuri hielt den Atem an. Das Wolfram so ziemlich alles konnte war ihm klar. Dass er tanzen konnte wusste er auch.

Doch dass er auch einfach in der Rolle switchen konnte, das wusste er nicht.

Wolfram wusste nicht wie ihm geschah, als Ki ihn um den Tanz bat. Immer noch baff nahm er an und wurde von ihm durch den Raum gewirbelt, dass er fast Seekrank wurde. Der Yomeishi konnte hervorragend tanzen.

Wolfram musste nur aufpassen, dass er nicht in die Männerrolle zurück fiel. Aber Ki bat ihn die Frauenrolle zu tanzen, was er gern ausführte.

Aus dem Augenwinkel sah er das verdatterte Gesicht seines Verlobten. Von wegen Yuri, du kannst keinen Mann zum Tanz auffordern? Tanmoku Ki macht es dir vor. Es geht. Und werden wir gelyncht?

Ein Lächeln huschte über das Gesicht des Feuerdämons. Er ließ sich fallen und überließ Tanmoku Ki die Führung.

Als die Musik fertig war, bemerkten Ki und er erst, dass alle von der Tanzfläche gegangen waren und gefesselt am Rande der Tanzfläche standen. Als sie sich umschauten, brach ein jubelnder Applaus los.

Verlegen stand Wolfram mitten auf der Tanzfläche, vor ihm ein selbstsicherer Yomeishi, welcher plötzlich vor ihm auf die Knie ging und sich bei ihm für den Tanz bedankte.

Yuri ballte die Fäuste so fest zusammen, dass sie schmerzten. Tanmoku Ki führte Wolfram von der Tanzfläche, woraufhin sich diese wieder mit tanzenden Paaren füllte. Yuri und Murata sahen die Beiden auf sich zukommen.

Ki sah Yuri ernst an. „So und wo ist das Problem einen Mann zum Tanz aufzufordern?" fragte er und sah den Dämonenkönig an.

Wolfram und Murata waren ebenfalls auf Yuris Antwort gespannt. „Ich kann nicht so gut tanzen wie du. Bei mir hätte es furchtbar ausgesehen." Wimmelte er ab. „Meinst du das hätte deinem Verlobten etwas ausgemacht?" fragte Ki weiter.

Yuri blieb stumm.

Schließlich schüttelte er den Kopf. „Wahrscheinlich nicht…" murmelte er.

Wolfram sah ihn nachdenklich an. „Du bist und bleibst einfach ein Weichei."

Am nächsten Tag war der Zeitpunkt gekommen, an dem Wolfram und Yuri zurück nach Shin Makoku reisen sollten.

Sie trafen sich bei Bob und Shouri in der Firma und wurden zu einer Konstruktion aus Wasser und Elektrizität geführt. „Wasser und Strom ist doch keine gute Kombi oder?" fragte Miko ängstlich. „Keine Angst Frau Shibuya. Die Jungs kommen weder mit dem Wasser noch mit dem Strom in Berührung." Er deutete auf eine silberne Kugel. „Ihr werdet dort drin reisen. Wo ihr genau herauskommen werdet kann ich euch nicht sagen, doch irgendwo im Umkreis von zehn Kilometern des Schlosses."

Yuri seufzte. „Zum Glück haben wir kein Gepäck dabei." Wolfram knirschte mit den Zähnen. „Ja aber auch keine Schwerter oder sonstige Waffen zur Verteidigung." Nach einer langen Verabschiedung von Shouma und Miko setzten sich Wolfram und Yuri in die Kugel. „Hoffentlich geht alles gut." Seufzte Miko und klammerte sich an ihren Mann. „Das hoffe ich auch." Antwortete er und küsste sie auf die Stirn.

Nach einer unbestimmten Zeitspanne, von der weder Yuri noch Wolfram wusste wie lang sie war, knallte die Kugel auf dem Boden auf und zersprang.

Die beiden Jungs wurden durch die Luft geschleudert. Yuri öffnete die Augen und spürte einen leichten Schmerz im Bauch. Als er den Schmerz untersuchen wollte bemerkte er, dass er über einem Ast hing.

Er guckte vorsichtig in die Tiefe und sah in zwei irritierte smaragdgrüne Augen. „Yuri…was machst du da oben?" Wolfram stand unter dem Baum und hatte den König gesucht, als er es über ihn knacken hörte.

Zur Verteidigung bereit schaute der Feuerdämon über sich und sah seinen Verlobten im Baum hängen. „Bequem oder hast du auch vor, da runter zu kommen?" fragte ihn Wolfram ungeduldig.

Yuri bekam Panik. "Wie soll ich denn hier runterkommen? Ich bin doch kein Eichhörnchen." Wolfram verdrehte die Augen. „Rutsch vom Ast und lass dich fallen. Ich fang dich auf." Yuri bewunderte die positive Einstellung des Dämons immer wieder.

Aber von der Höhe würde ihn auch ein Dämon nicht auffangen können. Könnte er zwar schon, aber dann würde Yuri einen zerquetschten Wolfram nach Hause tragen müssen. „Was ist?" fragte Wolfram genervt.

Dann hatte er einen Einfall. „Warte ich hab eine andere Idee." Er beschwor seine Feuerdrachen, die sich vorsichtig um Yuri schlangen und ihn vom Ast abpflückten. Allerdings fingen die umliegenden Blätter und Äste Feuer und verbreitete sich ziemlich zügig. Es musste hier mehrere Wochen nicht mehr geregnet haben. Dadurch erschrocken, bewegte sich Yuri ruckartig zur Seite und Wolfram verlor die Kontrolle über den Drachen, so dass dieser einfach zu Boden krachte und Wolfram unter sich begrub. „Was sollte das denn du Idiot?" motzte der Dämon. „Lösch den Baum bevor er abgebrannt ist." Herrschte er Yuri an.

Dieser löschte mit seinen Wasserdrachen das Feuer. Dann wandte er sich seinem Verlobten zu, der sich mit schmerzverzerrten Gesicht an den Arm fasste. „Was hast du?" Wolfram antwortete nicht, sondern zog mit einem Keuchen einen kleinen Ast aus seinem Arm. Von den Schmerzen überrascht versagten Wolframs Beine kurzzeitig ihren Dienst. Yuri fing ihn auf und lehnte ihn an seine Beine auf denen er kniete. „Wolfram." Rief er besorgt.

Er rief sein Heil Maryoku und berührte Wolframs Arm. Die Wunde heilte zwar nicht vollständig, aber sie blutete nicht mehr so stark. „Danke!" Wolfram schluckte. „Den Rest schaffe ich selbst." Er hielt sich ebenfalls seine Hand auf die Wunde und heilte ein weiteres Stück, so dass sie wie ein Kratzer wirkte. Dann stand er auf. „Dann lass uns mal nach Hause laufen." Yuri sah sich um. „Wo ist das Schloss überhaupt?" Wolfram stand mit dem Rücken an seinem und rief: „Hier drüben. In meiner Richtung." Yuri drehte sich um und sah das Schloss vor sich. „Das ist gar nicht mehr weit." Rief er überrascht.

Wolfram nickte. „Ja, aber ich habe die Gegend hier nicht erkannt." Er ging ein Stück in Richtung Schloss. „Jetzt…ach so…hier sind wir." Yuri war froh, dass Wolfram wusste wo es lang ging und folgte ihm.

Nach ca einer Stunde laufen, kamen die Beiden auf dem Schlosshof an. „Conrad!" „Gwendal!" „Mutter!" riefen Yuri und Wolfram und suchten den Schlosshof ab.

Plötzlich hörten sie ein Quietschen. „Papa Yuri! Papa Wolfram! Ihr seid zurück!" „Greta!" riefen beide Jungs aus einem Mund und schon sprang ihnen ihre Adoptivtochter in die Arme.

Sie knieten sich auf den Boden und hielten sich ganz fest. „Ihr seid endlich wieder da." Greta schluchzte „Ich hab euch sooo vermisst!" Inzwischen waren auch Cécile, Conrad und Gwendal im Hof angekommen.

Die ehemalige Mao eilte auf ihren Sohn zu und drückte ihn an ihren prallen Busen, so dass Wolfram wie jedes Mal kurz vor dem Erstickungstod stand, hätte Conrad ihm nicht aus dem Griff seiner Mutter befreit. „Mutter, ich bekomme keine Luft, wenn ihr mich jedes Mal so zerquetscht." Diese winkte ab. „Ach. Was redest du? Hauptsache ich habe mein Baby wieder zurück. Ich bin so froh, dass dir nichts passiert ist." Wolfram verdrehte die Augen. „Ich bin kein Baby mehr Mama und was soll mir auf der Erde schon passieren? Es gibt keine Magie, keine Schwertkämpfer und diese rollenden Blechkästen halten an, wenn man über die Straße läuft." Cherie seufzte ergeben und fuhr ihrem Sohn durch seine goldenen Locken. „Ach Wolfram. Als Mutter ist man immer besorgt, wenn die Kinder verreisen. Egal wie alt sie sind." Wolfram lächelte sie an und umarmte Conrad. „Schön, dass du wieder da bist."sagte dieser.

Dann wendete sich sein Bruder Yuri zu. „Eure Majestät" rief Conrad erleichtert. Yuri ließ Greta los und fiel in Conrads Arme. „Wir sind wieder da." Gwendal nahm seinen jüngsten Bruder in die Arme. „Ist alles in Ordnung mit euch?" Wolfram nickte und kuschelte sich an die breite Brust seine ältesten Bruders. „Ich bin so froh wieder hier zu sein." Schluchzte er. Überrascht über die Reaktion des Feuerdämons hielt Gwendal ihn einfach im Arm, bis er aufhörte zu weinen. „Ist alles in Ordnung mit dir?" er schaute Wolfram besorgt an. Dieser nickte. „Ja. Und ich habe eine Entscheidung getroffen." Bevor er weiter reden konnte, spürte er, den Schmerz in seinem Arm und bemerkte erst jetzt, dass er den ganzen Weg Blut verloren hatte. Das erklärte, weshalb er sich so schlapp auf dem Weg fühlte. „M…mein Arm…da war ein kleiner…Ast…" auf einmal wurde ihm schwarz vor Augen.

Als er wieder aufwachte lag er in seinem Bett und Gisela, Conrad, Gwendal und Yuri sahen ihn besorgt an. „Warum kippe ich bei so einer leichten Verletzung um?" fragte Wolfram irritiert und wollte sich aufsetzten, ließ es aber angesichts des aufbrandenden Schmerzes auf der Stelle wieder sein. Gisela drückte ihn sofort in seine Kissen. „Bleibt mir ja liegen. Der Ast steckte wohl ziemlich tief in eurem Arm, meinte Yuri. Die Wunde hat sich während eures Heimweges entzündet. Das und die Anstrengung des Fußmarsches hat euch eben die kurze Ohnmacht beschert." Wolfram befühlte vorsichtig seinen Arm und bemerkte den Verband. „Ich habe euch mit Maryoku geheilt und eine Salbe auf die Wunde geschmiert. Den Verband muss ich heute noch jede Stunde wechseln." Sie sah auf die Uhr. (Bei mir gibt es in Shin Makoku Uhren!) „Wir haben jetzt vier Uhr mittags. Ja das reicht aus." Überlegte sie. „Morgen reicht es alle drei bis vier Stunden und übermorgen noch einmal morgens und abends. Dann müsste die Wunde verheilt sein, da sich ja euer Körper auch selbst heilt." Sie verneigte sich. „Danke Gisela." Diese lächelte ihn an und verließ das Zimmer.

„Nun erzählt doch mal, was ihr so erlebt habt." Fing Conrad an. „Lass die Beiden doch erst mal ankommen." tadelte Gwendal seinen jüngeren Bruder.

Wolfram holte tief Luft.

Seine Brüder bemerkten dies und schauten ihn besorgt an. „Geht es dir nicht gut?" fragte Conrad. „Ist was mit deiner Wunde?" befürchtete Gwendal.

Yuri ahnte was Wolfram sagen wollte. Und dann kam der Satz, den er gehofft hatte nie hören zu müssen. „Gwendal, Conrad, ich werde die Verlobung zu Yuri auflösen."

Betroffene Stille breitete sich im Zimmer aus. Geschockt schauten sich die beiden angesprochenen an. „Bist du sicher?" flüsterte Conrad. Wolfram nickte. „Ja." Yuri konnte seine Tränen nicht verhindern und verließ das Zimmer.

Gwendal, der Yuris Tränen wohl bemerkt hatte, war überrascht von der Reaktion des Dämonenkönigs. Hatte er sich etwa doch in seinen Verlobten verliebt? Hatte er auf der Erde gemerkt, wie er wirklich empfand, doch für Wolfram kam es zu spät? Hatte Yuri überhaupt öffentlich zu seinen Gefühlen gestanden? Er setzte sich zu Wolfram aufs Bett. „Willst du mir erzählen was passiert ist?" fragte er sanft.

Wolfram fing an zu schluchzen und Gwendal nahm ihn in den Arm.

Betroffen schaute er Conrad an. Dieser nickte ihm zu und folgte Yuri.

Was war auf der Erde nur passiert?

Conrad fand Yuri auf dem Baseball Feld, wusste er doch, dass Wolfram ihm niemals dorthin folgen würde.

Das war komplett Yuris Terrain, konnte sein Verlobter nichts mit dem Sport anfangen. Yuri saß mitten auf dem Spielfeld und weinte. Er bemerkte nicht mal dass sein Namensgeber zu ihm kam als sich zwei Arme um ihn schlossen. „Ich konnte es ihm nicht sagen. Ich konnte ihm nicht sagen, wie sehr ich ihn liebe." Schluchzte Yuri. „Und nun ist es zu spät." Yuri sah Conrad aus tränendurchnässten Augen an.

Er konnte sich überhaupt nicht beruhigen. „Bitte. Sag mir, dass es nicht wahr ist. Bitte sag mir, dass Wolfram mich nur testen wollte." Conrad schaute ihn traurig an. „Das kann ich nicht." flüsterte er. „Wolfram hat so lang auf dich gewartet. Er kann nicht mehr. Sein Herz schafft das nicht mehr." Er sah Yuri ernst an. „Auf der Erde muss etwas passiert sein, dass ihm das Herz gebrochen hat. Du musst etwas gesagt haben, was ihm den Todesstoß gegeben hat."

Yuri lehnte sich an Conrad und erzählte. Er erzählte von der Kirche, von seinen Gesprächen mit seinen Eltern, die Wolfram unbemerkt mit angehört hatte, er erzählte von seinen Reaktionen, wenn er auf Wolfram angesprochen wurde…und er erzählte von Tanmoku Ki. Conrad hörte still zu.

Als der Dämonenkönig fertig war, schwieg Conrad weiterhin. Yuri schaute ihn nicht an, sondern lehnte weiterhin an dessen Brust. Er wusste, dass er viele Fehler gemacht hatte. Zu viele. Doch er konnte sie nicht mehr zurück nehmen. Warum konnte man nicht in die Vergangenheit reisen. Warum konnte er nicht einfach seine Gefühle für Wolfram offen darlegen. Er seufzte schwer.

Weil er ein Weichei war. Wolfram hatte die ganze Zeit Recht gehabt. Und trotzdem hatte er ihn geliebt.

Yuris Kehle erklomm erneut ein Schluchzen als Conrad ihn von sich weg drückte und ihm lange in die Augen sah. Er erinnerte sich an die Worte des Einzigartigen. Yuri würde ihn ebenso lieben wie Wolfram ihn.

Doch er sprach von Monaten bis er es merken würde. Auf der Erde waren Wochen vergangen, hier bereits einige Monate. Was würde noch passieren, bevor Yuri Wolfram zurück gewinnen konnte. Würde Wolfram ihm überhaupt noch eine Chance geben?

„Liebst du ihn wirklich Yuri?" fragte Conrad. Der Doppelschwarze nickte heftig. „Ja mehr als alles andere auf der Welt." Conrad lächelte und strich seinem König durch das schwarze Haar.

‚Na damit kann man doch anfangen'. Dachte er sich.

„Dann siehst du keine Chance mehr für euch?" fragte Gwendal bedrückt. Ihm tat sein Bruder leid. Er hatte so lang gewartet. So lang gehofft. Und am Ende doch verloren.

Plötzlich kamen ihm die Worte Shinou in den Sinn. Yuri würde ihn eines Tages zurück gewinnen. Wie er Wolfram so in seinem Bett liegen sah, die Hand auf seine Wunde am Arm gepresst, mit Tränen in den Augen, glaubte er sogar daran. „Du liebst ihn immer noch oder?" fragte Gwendal leise. Wolfram sah ihn mit einem Blick an, der Gwendal schlucken ließ.

„Ich kann nicht ohne ihn. Aber ich kann so auch nicht mehr mit ihm."

Wolfram zog aus Yuris Zimmer aus, er näherte sich ihm nur noch, wenn es Essen gab oder in Gwendals Büro Besprechungen gab. Yuri konnte nicht glauben, dass Wolfram tatsächlich so stur war. Aber war er nicht in den letzten Jahren ebenso stur?

Yuri dachte an die letzten Jahre zurück. Als er Wolfram immer wieder vor den Kopf gestoßen hatte, obwohl dieser nichts wollte als von ihm zurück geliebt zu werden. Wieder einmal drohten Yuri seine Gefühle aus ihm heraus zu brechen.

Wolfram betrachtete den Dämonenkönig. Seit er die Verlobung gelöst hatte, war Yuri nicht wie er erwartet auf Frauenfang gegangen. Im Gegenteil. Er schien immer melancholischer zu werden. Er lachte nicht mehr, er spielte kaum mehr mit Greta, er war nicht mehr bei der Sache. Hatte es ihn doch so tief getroffen? Wolfram seufzte. Warum hatte der Yuri ihm nie seine Gefühle gestanden. Er war überzeugt, dass Yuri ihn auch liebte.

Doch er wollte nicht nur geheim geliebt werden. Er wollte offen geliebt werden. Er wollte sich begehrt fühlen.

Seine Gedanken trifteten ab… zu silbergrauen tiefgründigen Augen, sanften Lippen, leidenschaftlichen Lippen. „Vielleicht sollten wir eine Pause machen." Hörte er Gwendals ungewohnt sanfte Stimme und sah diesen erschrocken an. Sein Blick schweifte zu Yuri, welcher den schwarzhaarigen Dämon in seiner grünen Uniform ebenso erschrocken anstarrte wie er selbst. „Mir scheint, es sind zwei von vier Personen nicht aufnahmefähig." „Tut mir leid." Hörten sie Yuri nur und Wolfram sah überrascht wie sein ehemaliger Verlobter das Büro verließ.

Seufzend sah Gwendal seinen jüngsten Bruder an. „Bist du sicher, dass du nicht voreilig gehandelt hast?" Wolfram schüttelte energisch den Kopf. „Nach den vielen Jahren kann man das kaum voreilig nennen." Er starrte wütend seine Brüder an und warf die Tür beim Hinausgehen so fest zu, dass Gwendal besorgt den Rahmen beobachtete, ob dieser eventuell vor hatte aus der Einfassung zu fallen.

Aber Rahmen und Tür blieben dort wo sie hingehörten. Wenigstens die machten das was von ihnen erwartet wurde.

Nach einigen Wochen wurde überraschend Besuch von der Erde angekündigt. Ulrike hatte Gwendal, Conrad, Yuri und Wolfram zu sich in den Tempel bestellt. „Was gibt es denn so wichtiges, dass du uns schnellstmöglich in den Tempel bestellst Ulrike?"

Gwendal schaute die grünhaarige Frau irritiert an. „Verzeiht Lord von Voltaire. Aber es hat sich Besuch von der Erde angekündigt. Murata kommt und bringt einen Gast mit. Einen sehr wichtigen und mächtigen Gast. Mehr sagte er nicht. sie wollen jeden Moment hier eintreffen." Conrad sah Gwendal überrascht an. „Murata bringt jemanden mit?"

Er wandte sich an Yuri. „Murata ist dein Freund auf der Erde. Weißt du was er vorhat?" Der Dämonenkönig schüttelte ebenso verwundert den Kopf. „Nein, ich weiß von nichts."

Wolfram war genauso irritiert wie seine Brüder. Hatte er doch keine blassen Schimmer, wer von der Erde sie hier besuchen würde. Noch dazu mit dem großen Weisen zusammen.

Plötzlich bildete sich der Wirbel, mit dem Murata sich zwischen den Welten hin und her bewegen konnte.

Der Raum war in grauen Nebel gehüllt. Als dieser sich lichtete und alle die Person sahen, welche Murata mitgebrach hatte, wurde Wolfram blass und fing an zu zittern.

Conrad, der neben ihm stand, schaute ihn besorgt an. Doch der Mazoku fing sich sofort wieder. Conrad hörte die Stimme des großen Weisen als dieser seinen Gast vorstellte.

„Darf ich vorstellen. Der mächtigste Yomeishi aller Zeiten und aktuelles Oberhaupt der Tanmoku Familie."

Der silberhaarige Mann verneigte sich leicht mit einer anmutigen Bewegung und sprach mit einer Stimme, die den Anwesenden direkt ins Herz strömte.

„Es ist mir eine Ehre empfangen zu werden auf Shin Makoku. Mein Name ist Tanmoku Ki. Aktueller Yomeishi und direkter Nachfahre des großen Rakugetsu."

Ulrike starrte ihn ehrfürchtig an. „Des! Rakugetsu?" Tanmoku Ki nickte. „Ja, allerdings."

Sein Blick traf den Wolframs und seine Augen strahlten. „Es ist mir eine Freude euch zu sehen Lord von Bielefeld." Wolfram brachte erst keinen Ton heraus.

Gwendal und Conrad schauten sich grinsend an. Das war also der Ursprung des Gefühlschaos ihres kleinen Bruders.

„Tanmoku Ki." Wolframs Stimme festigte sich langsam. „Ich freue mich, dass ihr hier seid und uns im Dämonenreich besuchen kommt. Ich werde euch gern durch das Schloss führen."

Tanmoku Ki lächelte und ging auf Wolfram zu. „Ich habe dich vermisst." Flüsterte er ihm ins Ohr.

Wolfram schaute verlegen auf seine Füße. Er war es nicht gewohnt von einem Mann Komplimente zu erhalten. Schon gar nicht in aller Öffentlichkeit vor seinen Brüdern.

Und vor Yuri.

Dieser bekam seinen Mund nicht mehr zu. Dieser Yomeishi wagte es sie hier im Dämonenreich zu besuchen? Und Murata brachte diesen Kerl auch noch mit? Wütend schaute er seinen Freund an.

Doch dieser grinste ihn nur an. Das brachte Yuri fast zur Weißglut.

Er ging zu Tanmoku und stellte sich zwischen ihn und Wolfram. „Es freut mich, dass sie eine Möglichkeit gefunden haben in das Dämonenreich zu reisen." Ki lächelte ihn entwaffnend an. „Ja Dank Murata. Ich grüße euch König der Dämonen. Es ist mir eine Freude euer Reich näher kennen zu lernen. Ich hatte vor mit Murata eine kleine Rundreise zu machen."

Er wandte sich wieder an Wolfram, welcher hinter Yuri einen Schritt zur Seite gemacht hatte. „Ich würde mich freuen, wenn die Soldaten der Bielefeld Länder meine Eskorte wären. Sie haben einen exzellenten Ruf in gehobenen Kreisen." Wolfram starrte ihn an. Er sollte den Yomeishi und Murata als Eskorte begleiten. Dann würden sie sich ja täglich sehen. Sein Herz machte einen Freudensprung.

Gwendal, der seinen Bruder wie ein offenes Buch lesen konnte nickte. „Das ist kein Problem, sofern Lord von Bielefeld keine Einwände hegt." Er schaute seinen kleinen Bruder grinsend an.

Wolfram strahlte zurück. „Nein, habe ich nicht im Geringsten." Gwendal sah den Gast und Murata an. „Dann sei es so. Aber erst müsst ihr auf das Schloss kommen und mit uns Essen." Ki nickte.

„Wo soll es denn hingehen?" fragte Yuri zerknirscht. Je nachdem wo dieser Yomeishi hin wollte, konnte die Reise mehrere Wochen dauern. So lang wollte er nicht von Wolfram getrennt sein.

Murata schaute seinen Freund skeptisch an. „Warum willst du das wissen?" Yuri zog empört die Luft ein. „Es ist mein Königreich und ich möchte wissen, wo sich meine persönliche Leibwache befindet, wenn sie einen Gast begleitet."

Wolfram grinste. „Seit wann bin ich deine persönliche Leibwache?"

Murata antwortete auf die Frage des Dämonenkönigs, bevor dieser auf Wolframs Aussage reagieren konnte. „Wir dachten im Wincott Territorium anzufangen, über die Länder von Christ und Rochefort, zurück zu Spitzweg über das Radford Territorium zu reiten, weiter zu den Gyllenhaal Landen, nach Osten zum Karbelnikoff Reich, Voltaire, Bielefeld und über die Ländereien von Grantz wieder zurück zur Burg zu reisen."

Murata konnte sich nicht verkneifen Yuri genau zu beobachten.

Diese Reise würde durchaus mehrere Wochen dauern, was auch bedeutete, dass Wolfram und Tanmoku Ki die gesamte Zeit auf engstem Raume zusammen waren.

Da konnte so einiges passieren.

Yuri wurde bleich.

„So ausgedehnt…so lang…" er schaute zu Wolfram, doch dieser würdigte ihn keines Blickes. „Gwendal, wenn du erlaubst, würde ich Tanmoku Ki sein Zimmer und die Burg zeigen. Zum Essen sind wir wieder zurück."

Gwendal nickte. „Mach das kleiner Bruder." Lächelte er. „Und Morgen könnt ihr mit eurer Rundreise anfangen."

Yuri schluckte. „So schnell?" entfuhr es ihm. Alle guckten ihn überrascht an. „Wolfram hat doch hier noch Dinge zu erledigen…"

Wolfram stellte sich direkt vor seinen ehemaligen Verlobten. „Glaube ja nicht, dass du mich noch irgendwie beeinflussen könntest." Sagte er leise. Yuri sah ihn trotzig an. „Ich könnte es dir verbieten." Erwiderte er. Wolfram lachte hell auf. „Aus welchem Grund denn?" dann schaute er Yuri mit seinen funkelnden Smaragdaugen an. „Etwa aus Eifersucht?" er drehte sich um, nahm Tanmoku Ki an der Hand und zog ihn in die Burg.

Als Wolfram ihm sein Zimmer zeigte, zog dieser den Blonden zu sich und küsste ihn leidenschaftlich. „Ich habe dich so vermisst mein Dämon." Wolfram erschauerte. Noch nie war ihm jemand so sinnlich und wild zugleich nah gekommen. „Ich habe dich auch vermisst." Ki stöhnte, als Wolfram ihn mit seinem Knie an seinem Glied berührte. „Ups…da hat dich noch jemand vermisst." Nuschelte der silberhaarige Priester und rieb sich an Wolframs Knie. Sein kleiner Freund wurde mittlerweile so groß, dass er sich wünschte, eine Jogginghose anzuhaben und keine Jeans. Wolframs Hände glitten an dem Yomeishi hinunter. Dieser stützte sich mit einer Hand an der Wand ab und mit der anderen Hand hielt er Wolframs Kopf fest, damit dieser nicht weg konnte. Doch das hatte der Feuerdämon auch nicht vor. Er versuchte mit seiner Zunge Kis Lippen auseinander zu drücken, was dieser bereitwillig annahm. „Du schmeckst so süß. Deine Lippen sind so weich…" murmelte Tanmoku Ki und keuchte vor Lust.

Plötzlich klopfte es. „Ich wollte nur darauf aufmerksam machen, dass die Burg sich durchaus auf weitere Bereiche als dem Schlafzimmer erstreckt." Hörten sie Muratas Stimme.

Dieser stand grinsend vor der Tür und konnte sich lebhaft vorstellen, was die Beiden da drin trieben.

Plötzlich sah er Yuri auf sich zukommen. „Achtung Wolfram Yuri kommt."

Zischte er noch, bevor dieser schon an die Tür pochte und gleichzeitig öffnete.

Durch Muratas Warnung standen Tanmoku und Wolfram allerdings unverdächtig weit auseinander. Der Yomeishi tat so, als käme er gerade aus dem Bad und sagte: „Oh, das ist wirklich ein sehr schönes Zimmer. Vielen Dank Lord von Bielefeld." Dann schaute er entzürnt zu Yuri. „Anstand habt ihr anscheinend keinen, wenn ihr nach Anklopfen nicht auf Antwort eures Gastes wartet."

Wolfram musste lachen. „Du bist total eifersüchtig." Er prustete. „Und das, obwohl du dir nie etwas aus mir gemacht hast."

Er ging zu Tanmoku Ki. „Ich zeige dir nun die Burg. Komm." Sagte er und ging an Yuri vorbei aus dem Zimmer.

Am nächsten Tag machten sich Murata, Tanmoku Ki und Wolfram mit seinen besten Soldaten, zehn an der Zahl bereit für die Abreise.

Sie reisten zu Pferde waren Ki und Murata beide versierte Reiter und lieber zu Pferd als mit der schwerfälligen Kutsche unterwegs.

Conrad nahm seinen kleinen Bruder zur Seite. „Seid auf der Hut. Wer weiß, ob es hier Seelen gibt, die den Yomeishi von der Erde kennen und hierher geflohen sind."

Wolfram nickte. „Ich werde ihn wie meinen Augapfel beschützen." Conrad lächelte ihn an. „Wohl eher wie einen Schatz."

Wolfram wurde rot und warf verstohlen einen Blick zu dem schlanken jungen Mann, der diesen liebevoll erwiderte.

„Ich glaube, ich habe mich verliebt." Hauchte Wolfram. Conrad sah Tanmoku Ki ebenfalls an. „Ja. Ich glaube er auch." Flüsterte er.

Dann trat er einen Schritt zurück. „Ich wünsche euch eine angenehme Reise. Die Soldaten meines Bruders sind eine der besten im Lande. Ihr könnt euch auf sie verlassen Yomeishi der Erde."

Dieser nickte und winkte zum Abschied. „Davon bin ich überzeugt, bei einem solch fähigen Kommandanten." Er lenkte seinen Fuchs neben Wolframs Schimmel und lächelte diesen an.

Yuri war überhaupt nicht fähig auch nur ein Wort zu sagen.

Gwendal schaute ihn irritiert an.

Das war aber nicht eines Königs würdig.

Dann bemerkte er die gläsernen Augen des Doppelschwarzen.

Er stand in diesem Moment nicht in der Funktion des Dämonenkönigs hier und sah der Truppe nach, sondern in der Funktion des verlassenen Verlobten.

Gwendal hatte fast ein schlechtes Gedanken bei seinen nächsten Gedanken. ‚Endlich fühlst du dich einmal wie mein kleiner Bruder früher. Du spürst den Schmerz, den Wolfram fühlte, wenn du auf die Erde gereist bist und ihn nie wirklich verabschiedet hast. Du spürst den Schmerz, den Wolfram fühlte, wenn er von dir ignoriert wurde'.

Es geschah dem naiven Dämonenkönig durchaus Recht, diese Gefühle einmal erleben zu müssen.

Vielleicht würde ihm das später einmal helfen bei seinem Vorhaben, Wolfram zurück zu gewinnen.