Kapitel 2
Das ganze Schloss freute sich auf die Geburt des Erben.
Allerdings war auch jedem klar, dass sie alle gemeinsam noch 10 Monate durch die Hölle der Stimmungsschwankungen des Feuerdämons gehen müssten. Also trafen sich Yuri, Gwendal und Conrad zu einer Lagebesprechung.
„Wie geht es Wolfram heute?" fragte Gwendal.
Yuri seufzte. „Ich glaube, er weiß nicht, ob er sich freuen soll oder nicht. Vorhin meinte er, wir müssen uns jetzt schon Namen überlegen und einen Moment später, nachdem er wieder vom Klo runter war, schimpfte er, wie ich denn so unachtsam sein konnte und ihn schwängern konnte."
Conrad grinste. „Das kann ich mir lebhaft vorstellen."
Gwendal saß an seinem Schreibtisch. „Vielleicht sollten wir alle 10 Meter einen Löschwagen hinstellen, damit wir seine Brände jederzeit löschen können." Überlegte er.
„Oder wir wechseln alle Vorhänge in feuerfestes Material aus." Fügte Yuri hinzu.
„Ne das wird zu teuer." Warf Conrad ein. „Da müssten wir ja auch die Wände und Decken neu verkleiden."
Yuri schaute seinen Namenspaten tadelnd an. „Na so schlimm ist er ja nicht."
Conrad und Gwendal warfen sich einen ernsten Blick zu. „Wenn er nach Mutter kommt. Doch!" sprachen beide gleichzeitig.
„Wo ist er eigentlich gerade?" Yuri hob die Achseln. „Er wollte raus zu seinen Männern…" während er sprach, merkte er was er da sagte.
„Er wird doch nicht etwa…" Alle drei rannten gleichzeitig zur Tür.
Da diese zu schmal für alle war, kam lediglich Conrad durch, der sich in der Mitte befand, während Yuri und Gwendal jeweils rechts und links am Gehäuse der Tür klebten.
Fluchend rieb sich Yuri die Nase, Gwendal die Stirn und beide rannten hinter Conrad her.
Im Hof stand Wolfram und trainierte seine Männer im Schwertkampf. „Schau, wenn du das Schwert so hältst kannst du dein Gleichgewicht nicht richtig halten."
Er nahm das Schwert eines seiner Soldaten und demonstrierte es diesem in Zeitlupe. „Du musst es etwas mehr…"
„Bist du des Wahnsinns in deinem Zustand mit dem Schwert zu kämpfen?!" schrie Yuri seinen Ehemann schon von weitem an.
Überrascht standen die Bielefelder Soldaten stramm und Wolfram sah wütend zum Dämonenkönig, welcher mittlerweile bei ihm angekommen war und dem Dämon das Schwert aus der Hand nahm.
„Sag mal hast du den Verstand verloren?" Wolframs Augen funkelten. „Du untergräbst meine Autorität."
Yuri sah ihn an. „Deine Autorität untergräbt dein Bauch in einigen Monaten von ganz alleine."
Conrad und Gwendal hielten die Luft an. So bestimmt hatte der König bisher noch nicht mit seinem Gemahl gesprochen.
Wolfram schnappte ebenfalls nach Luft und starrte Yuri ungläubig an. „Vielen Dank! So lange ich in meine Uniform passe, kann ich auch meine eigenen Soldaten trainieren. Wer soll das denn sonst machen? Du vielleicht?"
Seine Körpertemperatur war um ein vielfaches gestiegen.
„Wolfram, du darfst dich nicht so aufregen. Sonst wird unser Baby gegrillt."
Yuri sah besorgt auf seinen geliebten Feuerdämon, der aussah, als würde er in einer Sauna stehen, so dampfte es um ihn herum.
„Ich bin ein Feuerdämon. Und unser Baby wird von einer Fruchtblase geschützt. Ich könnte in die Hölle gehen und ihm würde es angenehm warm sein da drin."
Er ballte seine Hände zu Fäusten. „Du bist einfach unmöglich. Was soll ich deiner Meinung nach machen? Rumsitzen?"
Yuri schaute ihn an. „Du kannst ja Beckenbodengymnastik machen. Das ist gut für deine Figur."
Conrad und Gwendal grinsten. Das hatte Mutter in ihrer Schwangerschaft auch immer gemacht. Irgendwie muss das an Yuri weiter getragen worden sein.
Ihr kleiner Bruder schaute sie wütend an. „Hört auf zu grinsen."
Seine Handflächen öffneten sich. „Meine Figur ist noch blendend!" brüllte Wolfram ihn an.
Er schleuderte die Feuerbälle durch die Luft, um niemanden zu treffen. Gwendal ließ einen lauen Wind wehen, der die ganzen kleinen orangefarbenen Bällchen in eine Richtung trieb. Nämlich weg vom Schloss.
Yuri nahm Wolframs Hände und legte seine hinein. Dadurch entstanden kleine Feuerbälle in einer Eisumrandung.
Begeistert schauten die Soldaten ihnen hinterher. „Das sieht ja wunderschön aus." Meinte Wolframs Stellvertreter. „Da hast du Recht Mercutio." Antwortete Wolfram und seine Temperatur senkte sich, da auch seine Wut nachließ.
Erleichtert umarmte Yuri ihn. „Du bist mein allergrößter Schatz. Ich möchte dich und unser Baby nicht verlieren. Darum mache ich mir doch nur Sorgen um dich…um euch."
Er zog Wolfram zu sich und küsste ihn.
Der Feuerdämon ließ seine Schultern hängen. „Es tut mir leid." Schnüffelte er. „Ich wollte doch auch gar nicht trainieren. Ich habe nur Alanius gezeigt, wie er sein Schwert besser im Gleichgewicht hält."
Seine Augen füllten sich mit Tränen. „Ich würde doch nie etwas tun, was unserem Baby schadet."
Yuri streichelte den blonden Dämon durch die weichen Haare. „Das weiß ich doch. Es tut mir leid, dass ich dich gleich so angebrüllt habe."
Sie schauten sich an. „Wir müssen wohl beide noch viel lernen, im Bezug auf deine Schwangerschaft." Meinte Yuri und grinste seinen Ehemann an.
Dieser nickte ebenfalls lachend und wischte sich die Tränen ab. „Da hast du wohl Recht." Plötzlich wankte er.
Erschrocken hielt Yuri ihn fest. „Was hast du?" Wolfram würgte. „Ich hab…durch das Maryoku…mir ist schlecht."
Er rannte zur nächsten Grünfläche und übergab sich.
Gwendal war überrascht. „Er hat so viel Macht, dass sein Körper überanstrengt wird, wenn er sich auf das Baby und auf die Verwendung von Majutsu konzentrieren soll."
Conrad nickte. „Das heißt, Wolfram sollte versuchen, in nächster Zeit möglichst wenig Magie anzuwenden."
Wolfram kniete noch vor dem Rasenstück und fluchte schon wieder, als er seine Brüder hörte. „Ich darf nicht mehr kämpfen und soll auch kein Maryoku mehr nutzen?"
Er kam zu Conrad und Gwendal.
Yuri wollte ihn stützen, doch Wolfram schüttelte den Kopf. „Ich kann alleine laufen. Ich bin nicht krank, nur schwanger." Knurrte er.
Gwendal nickte. „Ja, das wäre besser für dich und das Baby."
Wolfram drehte sich rum und stapfte davon. „Wo gehst du hin?" fragte Yuri vorsichtig. „Spazieren." Hörte er Wolfram knirschen. „Seit wann geht unser Bruder spazieren?" fragte Conrad überrascht. „Das macht er manchmal mit Greta." Verteidigte Yuri seinen Gemahl.
Gwendal seufzte. „Unser kleiner Bruder wurde von heute auf morgen von einem kleinen noch nicht mal sichtbaren Wesen ausgeknockt. Wolfram wird klar, dass er all das wofür er bisher gelebt und eingestanden hat, nun nicht mehr machen darf."
Yuri schaute seinem wunderschönen Dämon nach. „Aber es ist doch nur für einige Monate."
Conrad schaute seinen König ernst an. „Glaubst du, dass du den Mann, den du liebst, die Mutter deines Kindes nach der Geburt sofort wieder Gefahren aussetzt und in die Schlacht ziehen lässt? Wer kümmert sich denn in den ersten Monaten nach der Geburt am intensivsten um ein Baby?"
Yuri schluckte. „Die Mutter."
Conrad nickte. „Und das ist in diesem Fall Wolfram. Er wird eine ziemlich lange Zeit nicht mehr seiner Leidenschaft folgen können. Lass ihn das in Ruhe begreifen und sei für ihn da, wenn er dich braucht. Dann wird er sich auch auf euer Baby freuen."
Yuri lächelte Conrad an. „Danke Conrad."
Er drehte sich um und lief Wolfram hinterher.
Gwendal schaute Conrad nachdenklich an. „Ich glaube, die beiden werden eine richtig süße Familie mit ihrem ersten Kind." Conrad nickte. „Ja, wenn Wolfram sich darauf eingelassen hat."
