Kapitel 3
Yuri fand seinen geliebten Feuerdämon bei einem Baum sitzend im Garten des Schlosses. Als er näher kam hörte er ein leises Schluchzen. Erschrocken betrachtete der Dämonenkönig den Mann, den er so sehr liebte. Er hatte das Gesicht in seinen feingliedrigen Händen verborgen. Seine Schultern bebten leicht, seine goldenen Haare glänzten im Sonnenlicht. Vorsichtig schlich Yuri zu Wolfram und legte seine Arme von hinten über seinen Ehemann. Wolfram lehnte sich an Yuri und sah in den Himmel. „Es tut mir Leid…" seine Stimme brach. „Was tut dir leid?" fragte Yuri irritiert. „Ich sollte mich doch freuen und nicht so verzweifelt sein." Schluchzte der Blonde weiter. Yuri setzte sich hinter Wolfram, so dass dieser sich an Yuris Brust lehnte. „Nein. Mir tut es leid Wolfram." Yuri schlang seine Arme um den Feuerdämon. „Ich habe nicht bedacht, was es für dich bedeutet unser Baby in dir zu tragen. Du kannst nicht mehr kämpfen, du wirst auch nach der Geburt am meisten für das Baby da sein, es wird dich am meisten brauchen. Du kannst deine Magie nicht verwenden, alles was du gern machst, was du liebst, kannst du nicht mehr tun." Yuri küsste Wolfram in den Nacken. „Ich liebe dich so sehr dafür, dass du das alles für unser gemeinsames Kind, das süße Ergebnis unserer Liebe, auf dich nimmst. Ich verspreche dir hiermit ein zweites Mal nach unserer Hochzeit, dass ich dich immer auf Händen tragen werde, dich ehren werde und dich beschützen werde. Mit allem was ich habe, und wenn es mein Leben ist. Du bist mir das Wichtigste in meinem Leben und nichts kann uns je mehr trennen, nicht einmal der Tod. Denn was man tief im Herzen besitzt, kann man nicht durch den Tod verlieren."
Gwendal, der den beiden unauffällig gefolgt war, wischte sich die Träne weg, die seinem Auge entrann als er diese wunderbaren Worte des Dämonenkönigs hörte.
Wolfram drehte sich zu Yuri um und schluchzte gerührt. „Oh Yuri. Das hast du so wunderschön gesagt. Ich bin so glücklich. Und ich werde nicht wütend sein, dass ich nicht mehr kämpfen kann, ich werde glücklich sein, dass ich unser Baby in mir spüren darf. Dass ich es wachsen spüre. Ich bin so froh, dass alle im Schloss sich so über unser Kind freuen. Wie kann ich mich da nicht freuen?" Er küsste Yuri sinnlich.
Gwendal ging zum Schloss zurück und war seltsam fröhlich wie seit vielen Jahrhunderten nicht mehr. Wenn Wolfram die ersten drei Monate überstanden hatte, würde eine wunderbare Zeit in Shin Makoku anbrechen. Er freute sich darauf.
Yuri sah Wolfram fest in die Augen. „Ich möchte mit dir auf die Erde reisen und es meiner Familie sagen." Wolfram strahlte ihn an. „Ohja. Deine Mutter wird sich freuen Oma zu werden." Yuri nickte. „Komm lass uns Gwendal um Erlaubnis bitten." Im Schloss angekommen gingen sie zuerst zu Gisela. „Wenn Wolfram aus den ersten drei Monaten heraus ist, dann habe ich nichts gegen eine Reise auf die Erde." Wolfram und Yuri strahlten sich an. Gisela wandte sich an den Feuerdämon. „In den ersten drei Monaten kämpft der männliche Mazoku Körper gegen ein Kind. Daher die Übelkeit und das Unwohlsein. Es kann schlimmer werden und sogar Fieber hinzu kommen." Sie schaute Wolfram besorgt an. „Du bist jetzt in der kritischsten Zeit, du bist im dritten Monat. Schone dich bitte so gut es geht." Yuri nahm Wolframs Hand. „Ich werde auf ihn aufpassen, dass er sich nicht überanstrengt." Gisela nickte. „Das ist gut. Ab dem vierten Monat hat sich der Körper entschieden, das Kind zu akzeptieren. Dann wächst es, wie beim Menschen. Das heißt der Bauch ist im vierten bis sechsten Monat einer Mazoku Schwangerschaft wie bei Menschen in den ersten drei Monaten. Man nicht wirklich viel. Hier wäre der ideale Zeitpunkt für Reisen und Unternehmungen, da die Kämpfe und die Übelkeit vorbei sind, aber der Bauch noch nicht sichtbar ist. Im siebten bis zehnten Monat entwickelt sich das Kind rasant und der Bauchumfang nimmt zu, da auch das Baby einen enormen Wachstumsschub hat. Dein Bauch hat dann den Umfang wie der Bauch einer menschlichen Frau im neunten Monat. In den letzten drei Monaten wächst der Bauch nur noch um ca. fünf Zentimeter. Allerdings bist du eher klein und zierlich, was für dich bedeutet, dass der Bauch ziemlich groß ist und es beschwerlich wird." Gisela wandte sich an Yuri. „Aber dafür hast du ja deinen Ehemann, der dir alle Wünsche von den Augen ablesen wird. Nicht wahr Yuri?" Dieser nickte eifrig. „Ich werde alles für Wolfram tun, um ihn den Alltag zu erleichtern." Wolfram verdrehte die Augen. „Na toll, ich werde wie ein Käfer auf dem Rücken liegen und du tänzelst um mich herum und bemutterst mich." Alle lachten bei der Vorstellung.
Gwendal runzelte die Stirn als Yuri mit seinem Wunsch zu ihm kam. „Ist das nicht gefährlich, wenn Wolfram mit dem Baby auf die Erde reist?" fragte er besorgt. Yuri schüttelte den Kopf. „Gisela meinte, dass wir warten sollen, bis Wolfram im vierten bis sechsten Monat ist, dann hat sich sein Körper sicher für das Kind entschieden und kämpft nicht mehr. Aber der Bauch ist noch nicht sichtbar. Das wäre die ideale Zeit für Unternehmungen und Reisen." Gwendal seufzte. „Dann werde ich nichts dagegen sagen können. Auch wenn ich mich sehr um meinen kleinen Bruder sorgen werde." Erstaunt schaute Yuri den Voltaire Erben an. Dieser errötete leicht. „Naja, Wolfram hat sich seit eurer Heirat sehr zum Positiven verändert. Er ist nicht mehr der kleine verwöhnte Prinz, sondern der schwangere Königsgemahl, der sich selbst sofort opfern würde, um das Leben derer die er liebt zu retten. Ich liebe meinen kleinen Bruder dafür mehr denn je."
Die folgenden Tage wurden jedoch sehr schwierig für das Ehepaar Shibuya Bielefeld. Wolframs Körper kämpfte gegen das Baby. Er hatte starke Schmerzen, die ihn zuweilen wimmernd im Bett liegen ließen und daran zweifeln ließen, ob es wirklich die richtige Entscheidung war, ein Baby von einem halbmenschlichen Dämon auszutragen. Es wurde so schlimm, dass Fieber hinzu kam, wie Gisela vermutet hatte. Yuri wachte eines Morgens auf, weil ihm furchtbar warm war. Als er sich zu seinem Gemahl umdrehte, sah er, dass Wolfram förmlich glühte und die Raumtemperatur merklich angestiegen war. Yuri stand auf und öffnete die Fenster. Danach betrachtete er Wolfram erneut. Dieser leuchtete und glühte von innen, seine Wangen waren rot, er stöhnte und wälzte sich im Bett hin und her. Yuri traten die Tränen in die Augen. „Was habe ich dir nur angetan…" flüsterte er und küsste Wolfram sanft auf die Stirn. Diese war so heiß, dass er Brandblasen auf seinen Lippen bekam, welche er mit seinen blitzschnell eiskalt werdenden Händen abkühlte. Erschrocken sprang er aus dem Bett und rannte zur Tür. „Conrad!" brüllte er. „Gisela!" er rannte Richtung Krankenstation und prallte mit seinem Paten zusammen. „Yuri. Was ist passiert?" fragte Conrad besorgt. „Wolfram. Er glüht. Ich hab mich an ihm verbrannt." Conrad sah ihn erschrocken an. „Ich hole Gisela. Du gehst wieder zu Wolfram." Er drehte sich um und sprintete los. „Fass ihn nicht an!" schrie er noch. Yuri war bereits zurück in sein gemeinsames Schlafzimmer mit Wolfram gelaufen. „Yuuuri!" Yuri kniete sich neben Wolfram ins Bett. „Ich bin hier. Wolf kannst du mich hören?" Er kühlte seine Hände runter und berührte seinen Gemahl. Dankbar lehnte er sich gegen die Abkühlung. „Es tut so weh. Yuri bitte, ich will unser Baby nicht verlieren." Schluchzte er. „Du wirst unser Kind nicht verlieren. Du bist stark!" Yuri liefen die Tränen über die Wangen. Hoffentlich hatte er Recht. Er wollte weder ihr Kind noch Wolfram verlieren. Dieser kämpfte so sehr gegen seinen eigenen Körper um ihr gemeinsames Baby zu retten. Gisela kam mit Conrad in das Zimmer. Schnell lief sie zu Wolfram und spendete ihm Heilmagie. „Hast du ihn mit deinen Händen abgekühlt?" fragte sie. Yuri nickte zögernd. „Ja, er hat sich regelrecht dagegen gelehnt." Die Heilmagierin nickte erleichtert. „Das ist gut. Dann hilft ihm das. Und was ihm hilft, ist gut für das Baby." Sie legte ihre Hände auf Wolframs Bauch. „Dem Baby geht es gut. Es scheint ebenfalls Heilmagie an seine Mutter abzugeben. Ich spüre eine andere Art von Heilmagie in Wolfram. Das Baby will ihm helfen, während Wolfram für das Baby kämpft." Sie lächelte Yuri an. „Wenn euer Kind es schafft die kommende letzte Woche zu überleben, wird Wolfram zwei persönliche Beschützer haben. Einen, der ihn von außen beschützt. Du. Und einen, der ihn von innen beschützt. Euer Baby." Yuri sah Wolfram liebevoll an. Ja, er würde diesen Feuerdämon beschützen. Und ihr gemeinsames Baby.
Er wich die gesamte restliche Zeit des dritten Monats nicht von Wolframs Seite. Er aß nur noch an Wolframs Seite, er trainierte nicht mehr mit Conrad, er erledigte keinen Papierkram mehr. Er wollte nur bei seinem geliebten Ehemann sein, der so sehr um ihr gemeinsames Kind kämpfte. Niemand wagte ihm zu wiedersprechen. Gwendal wusste, dass es keinen Sinn hatte, den Mao zu etwas anderem zu zwingen. Alle waren zu sehr besorgt um Wolframs Wohl und das des ungeborenen Erben von Shin Makoku. Dann war es plötzlich vorbei.
Yuri wachte am Morgen des ersten Tages im vierten Monat der Schwangerschaft seines Feuerdämons auf und drehte sich zu Wolfram. Zumindest sollte dort Wolfram liegen. Aber die Bettseite war leer. Mit einem lauten Schrei nach seinem Mann war Yuri aus dem Bett gesprungen und rannte durch die Flure. Schließlich hörte er Stimmen aus dem Speisezimmer. Er rammelte durch die Tür, dass die Personen im Speisesaal erschrocken in seine Richtung schauten. „Wo ist Wolfram. Er ist nicht in seinem Bett. Was ist passiert?" schrie Yuri hysterisch. Dann sah er zwei völlig entspannte smaragdgrüne strahlende Augen, die ihn spöttisch anschauten. „Was machst du denn so ein Gedöhns Weichei? Ich…wir haben Hunger." Sprach's, biss in sein Brötchen und streichelte versonnen seinen Bauch, der immer noch so flach war, als wäre er ein Bikini Model. Yuri entglitten sämtliche Gesichtszüge. „Du bist…dir geht es gut? Das Baby…es lebt? Ihr seid beide in Ordnung?" er stammelte vor sich hin. Dann verließen ihn seine Kräfte und er sank in die Knie. Wolfram, Conrad und Gwendal sahen nun zum ersten Mal einen völlig verzweifelten und gleichzeitig glücklichen Dämonenkönig, der hemmungslos schluchzte. „O Wolfram. Ich dachte…du…" Schnell stand Wolfram auf und kniete sich neben Yuri. „Es tut mir leid. Ich hatte keine Ahnung, welche Sorgen du dir gemacht hast. Ich wollte dich nicht wecken, du hast so tief geschlafen." Er umschlang seinen Schatz fest und küsste ihn auf seine schwarzen seidigen Haare. „Du bist mein Held." Überrascht schauten ihn alle an. „Ohne dich hätte ich es nicht geschafft. Ich habe deine Liebe gespürt, die du mir jeden Tag gegeben hast. Deine kühlenden Hände, deine zärtlichen Umarmungen, ich habe alles gespürt und aufgesogen. Und unser Baby hat ebenfalls gekämpft, um in meinem Bauch zu bleiben. Ich konnte seine Heilmagie von Giselas unterscheiden." Yuri legte seine Hand auf Wolframs Bauch. „Unser kleines Liebeswunder ist also immer noch da drin?" fragte er glücklich. Wolfram nickte und lächelte ihn an. „Ja, wir haben es geschafft." Antwortete er fröhlich. Dann sah er Yuri skeptisch an. „Und jetzt, zieh dich um und nimm ein Bad. Du siehst ja fürchterlich aus." Yuri blinzelte ihn an. „Also das mit dem Bad müsstest du mir nochmal genauer erläutern. Eventuell mit einigen praktischen Beispielen…" Wolfram grinste ihn an. „Ach so. Ja dann." Er erhob sich und zog Yuri mit sich. „Ich glaube, ihr müsst uns eine Weile entschuldigen." Bevor das Königspaar die Tür durchquerte hörten sie eine tiefe Stimme, welche zu einem grün uniformierten Lord gehörte. „Erkundigt euch vorher bei Gisela, ob Sex in der Schwangerschaft erlaubt ist."
