Ach, die Mädchen hatten recht, der Tag war wirklich wundervoll, ging es Severus genüsslich durch den Sinn, als er einige Stunden später auf dem Rückweg von Hogsmeade war.
Er hatte alle Besorgungen zügig erledigen können, daher bei Madame Rosmerta noch einen durchaus schmackhaften Weihnachtsfeuerwiskey zu sich nehmen dürfen. Hatte im „Honigtopf" nicht nur heiße Schokoladenkugeln, sondern auch noch einige andere Leckereien für seine Weiberschar erworben und „Witches magic underwear" einen erfreulich erfolgreichen Besuch abgestattet.
Ausgezeichnet!
Nun schien die fahle Januarsonne vom strahlend blauen Himmel und tauchte die weiße Schneelandschaft in herrliches Glitzern und Funkeln. Der Wind war glücklicherweise nur mäßig, trotzdem spürte er auf seinen prickelnden Wangen die tiefen Minusgrade.
So konnte es bleiben. Bei Merlin! Noch ein paar Tage und der Zeitpunkt zum Eislaufen wäre endlich perfekt. Das wurde auch Zeit, Lillian nervte ihn schon seit Tagen mit ihren ständigen Fragen zur Eisbeschaffenheit. Aber nun gut, schließlich hatte sie die Schlittschuhe, die sie zu Weihnachten bekommen hatte, noch nicht ausprobieren können.
Wusch!
Die weiße Kugel traf ihn genau in dem Augenblick mitten auf die Brust, als er nichtsahnend um die letzte Kurve vor Hogwarts Apparierpunkt bog.
„Argh!", entfuhr es Severus und er ließ erschrocken die vielen kleinen Pakete aus den diversen Geschäften Hogsmeade fallen, um schnell an seinen Zauberstab zu gelangen.
„Wer war das?", rief er erbost.
Doch diese Frage hätte er sich sparen können, denn den wilden Jubelruf dreier heller Stimmen würde er immer und sogleich erkennen.
Grundgütiger!
„Wow! Getroffen", freuten sich da ganz offensichtlich ein paar übermütige Hexen und schickten munter weitere kalte Geschosse hinterher.
„Das ist doch nicht Euer Ernst!", schimpfte er, als er diesen hinterhältigen Überfall als das erkannte, was es war, der Auftakt einer wilden Schneeballschlacht.
„Doch, das macht sooooo einen Spaß, Dad!"
„Uii, ich hab´ schon wieder getroffen", jubelte seine Jüngste, „mitten ins Gesicht!"
„Du sollst nicht auf den Kopf zielen", rügte sie eine ältere Stimme, „sonst verletzt Du noch jemanden!"
„Aber ich habe gar nicht gezielt, Mum!", verteidigte sich Lillian kleinlaut.
„Hermine!", rief Severus empört und wischte sich das nasskalte Gesicht frei.
„Ja, mein Lieber?"
„Hatte ich nicht klar und unmissverständlich deutlich gemacht, dass ich solche Albernheiten nicht mit meiner Teilnahme unterstütze?"
„Aber Dad, das ist doch nicht albern. Das macht einen riesigen, Riesen Spaß!", jauchzte Sera und feuerte einige mäßig gekonnte Schneebälle in die Richtung ihres Vaters.
„Und es ist nicht verboten", warf Eileen ein, „denn wir sind nicht auf dem Gelände Hogwarts!"
„Jippy, jetzt habe ich auch endlich getroffen", ließ sich seine Mittlere begeistert vernehmen, Übung machte halt doch den Meister, „aber Du musst Dich schon wehren, Dad, sonst ist es nicht richtig!"
„Ach, ich finde es eigentlich recht lustig. Wenn wir so weiter machen, sieht er bald aus wie ein Schneemann", lachte Hermine und stand ihren Töchtern in nichts nach.
Hogwarts Tränkemeister und Hühnerhofchef erkannte, dass er mit mahnenden Worten und Empörung hier nicht weiterkam. Schon gar nicht, wenn seine Frau dabei war. Daher atmete er ergeben tief durch, wischte sich erhaben den Schnee vom Umhang, checkte kurz die Schlachtenlage und brachte sich zügig in eine bessere Ausgangsposition, um diese elendige Sache hier schnell zu beenden.
„Nun gut", ließ er seine Frauenriege anschließend drohend wissen, „Ihr habt es nicht anders gewollt. Aber wehe, nachher beklagt sich mal wieder Jemand, weil er verloren hat."
„Richtig, Dad, Du darfst Dich hinterher nicht beklagen", kicherte Eileen.
„Wie bitte? Ich werde es gewiss nicht sein, der hier den Kürzeren zieht, das lasst Euch sagen. Ich verfüge immerhin über einige Erfahrung in Schlachten aller Art", genau, ein Dunkler Lord und fast dreizehn Jahre Ehe hatten ihn viel Erfahrung auf diesem Gebiet sammeln lassen.
„Vergiss aber nicht, Dad, es darf nicht gezaubert werden", erinnerte ihn Lillian, als in schneller Folge Schneeballsalve auf Schneeballsalve aus der Richtung ihres Vaters kam.
„Ich bin ein Ehrenmann und hoffe sehr, dass auch Ihr Euch an diese Regel haltet", freute sich Severus an der kleinen Verunsicherung die er hörbar mit seinen durchaus gekonnten Würfen erzielt hatte.
„Wir sind leider keine Ehrenmänner", lachte Eileen, leider völlig unbeeindruckt „aber wir halten uns trotzdem an unsere Versprechen.
„Red nicht so viel", rügte sie ihre Schwester Sera energisch, „wir wollen doch gleich das Piratending starten."
„Oh? Stimmt! Aber was war das nochmal?", wollte Lillian wissen.
„Komm her, dann flüstere ich es Dir ins Ohr", bot Hermine freundlich an.
„Genau, sonst ist der Überraschungseffekt nicht mehr auf unserer Seite, hat Grandmum gesagt", erläuterte Sera.
„Äh, was für ein Überraschungs…", wollte Severus gerade allarmiert wissen, als er schon von vier Seiten überrannt wurde.
„Das nennt man entern, mein Lieber", erklärte Hermine ihrem Gatten gerne, als er besiegt darniederlag und drei Hexen einen wilden Piratentanz um ihren Vater veranstalteten.
„Gibst Du auf, Dad?", schrien sie begeistert in seine Ohren.
„Niemals!", keuchte er, zum Äußersten entschlossen, zurück.
„Klasse, dann kommt jetzt Runde zwei!", jubelte Sera.
„Oh, bei Merlin, womit habe ich das verdient", klagte Hogwarts stolzer Kerkerherr resigniert und rappelte sich mühsam auf.
Zwei Stunden später zog eine äußerst zufriedene Familie Granger-Snape müde und lachend heim an den wärmenden Kerkerherd. Mit roten Wangen und einem breiten Grinsen aßen die vier heiße Schokoladenkugeln und schleppten ihren etwas derangierten Erzeuger und Ehemann triumphierend mit sich. Er hatte sich wahrlich tapfer geschlagen, heldenhaft seine Position verteidigt und klug angegriffen, nur letztlich war er der weiblichen Übermacht erlegen. Ganz und gar und darum musste er auch noch dabei helfen einen Schneemann zu bauen (der eine erschreckend lange Nase hatte und ihn an irgendwen erinnerte) und auf gekonnt hergezauberten Schlitten mehrere halsbrecherische Rennen über sich ergehen lassen von denen er wenigstens eines zu seinen Gunsten entscheiden konnte.
Immerhin!
Gut, überlegte er resigniert, er hatte doch auch gar keine Chance gehabt. Jedenfalls keine reelle. Welcher Vater würde bei solch glücklichen Gesichtern nicht gerne nachgeben und den Seinen die Freude des Sieges gönnen, schließlich würden alle gut und tief schlafen. So geschafft wie die drei waren.
„Sagt mal, habt ihr eigentlich die ganze Zeit am Apparierpunkt auf mich gewartet?", wollte Severus grummelnd wissen, als sie die magische Sperre mit einem kleinen Zischen durchquerten.
„Natürlich nicht", winkte Sera lässig ab und leckte sich die breite Schokoschnute, „das wäre doch voll langweilig gewesen."
„Mum hat eine Nachricht von Miss Burns bekommen", erklärte Eileen gerne. Miss Burns, eine alte Hexe mit mindestens 10 Katzen wohnte im letzten Haus Hogsmeades, wenn man hoch auf dem Weg nach Hogwarts war.
„Aha, es war also ein von langer Hand vorbereitetes Komplott!", erkannte Severus erschüttert.
„Was für ein Kompott?", wollte Lillian interessiert wissen.
„Nein, kein Kompott, ein Komplott", schüttelte Hermine grinsend den Kopf, „eine Verschwörung oder eine Intrige. Aber knappe drei Stunden Vorbereitung kann man ja wohl nicht, als von langer Hand vorbereitet, nennen."
„Wir haben auch keine besonders langen Hände, Dad", überlegte Lillian und besah sich die ihrigen, „ich finde sie eigentlich ganz normal."
„Wir haben gar nicht lange vorbereitet, wir waren doch bei Hagrid zu Plätzchen und Tee", erzählte Sera eifrig.
„Ach du je", seufzte Severus.
„Keine Sorge", wusste seine Mittlere schon, was ihr Vater so befürchtete, „wir haben den Tee mitgebracht und die Plätzchen haben wir vorher mit Tante Minerva zusammen gebacken und dann haben wir alles gemeinsam in seiner Hütte verspeist."
„Die waren echt lecker!", nickte Lillian verlangend.
„Ich glaube, ich hätte jetzt auch gerne einen heißen Tee", verkündete Hermine, als sie in die Kerker zurückkamen.
„Ich will lieber einen Kakao", ließ sich Sera vernehmen, „mit gaaaanz viel Sahne!"
„Supi! Und ich hab´ Hunger!", rief Lillian, „Schneeballschlachten sind super-duper anstrengend. Wie wäre es mit einem Apfel-Kompott? Das schmeckt auch lecker zu Ingwerkeksen."
„Wann hat dieses Kind eigentlich mal keinen Hunger?", seufzte Severus und ließ sich entkräftet auf den nächstbesten Sessel fallen.
„Das mit den Keksen wird nichts, Du hattest schon viel zu viele", entschied Hermine kategorisch.
„Oh, man!", grummelte Lillian enttäuscht.
„Ich kümmere ich mich jetzt erst einmal um unsere nasse Kleidung", beschloss ihre Mutter fröhlich, bedeutete ihrem Ehemann den völlig durchnässten Umhang endlich auszuziehen, denn er tropfte den ganzen Teppich voll und meinte zu ihren Mädchen, „Ihr drei könnt schon mal vor dem Kakao in die Badewanne steigen, denn ich könnte mir vorstellen, dass ihr nach dem darauffolgenden Abendessen zu müde dafür seid."
„Gut, geht klar!", nickten die drei erfreut und machten sich auf in Richtung Bad. Dabei hinterließen sie eine nicht zu übersehende Spur aus feuchter Kleidung und klammen Schuhen.
Hermine sammelte kopfschüttelnd alles mit einem kleinen Zauber auf, entfachte den Kamin und sorgte mit einem weiteren Spruch dafür, dass alle nasse Kleidung im Nu wieder trocken war.
„Du, Severus?", fragte sie dann auffällig unauffällig und unterzog auch den Gehrock und die Schuhe ihres Mannes einer eingehenden Untersuchung.
„Hm?"
„Ich fände, Dir täte ein Bad ebenfalls gut, nicht, dass Du Dich noch erkältest?", meinte sie und schob lockend an, „einem gemeinsamen vielleicht?"
„Nun, ich denke, dass ist eine durchaus passable Idee. Zudem habe ich eine Wiedergutmachung allemal verdient", überlegte Severus, „Ich bin mir auch sicher, dass meine heimtückische Ehefrau, die mir ein solch entspannendes Bad einlassen müsste, sich dann in adäquater, das heißt anregender Weise vor mir entkleiden und anschließend unter anderem meinen kalten, nassen Rücken säubern sollte."
„Das wäre vielleicht machbar", antwortete Hermine durchaus hoffnungsvoll, „Ich könnte danach auch das Ergebnis Deines Besuchs bei „Witches magic Underwear" ausprobieren."
„Woher weißt Du das denn nun schon wieder?", staunte Severus.
„Das ist doch kein Wunder, wenn ich Deine verlorenen Besorgungen im tiefen Schnee zusammensuchen muss", zuckte Hermine lächelnd mit den Schultern, immerhin kannte sie die himmelblaue Verpackung dieses Ladens sehr, sehr gut.
„Ich bin übrigens dafür, dass wir die Elfen bitten, uns eine Kleinigkeit zu Abend herzurichten", überlegte der Kerkerherr gerissen, „dann hätte ich mehr Zeit für die Säuberung und die Begutachtung meiner Einkäufe im Bad."
„Sehr guter Gedanke", lobte Hermine, „Und wenn die Mädchen dann satt und müde im Bett sind…"
„Ja, dann…", sinnierte Severus genüsslich, „dann wäre ich für einen heißen Punsch vor dem knisternden Kamin offen, verbunden mit etwas Intimität, die dann in unserem Bett endet."
„Oha", machte Hermine beeindruckt, „eine solch stimmungsvolle Abendgestaltung erscheint mir die logische Konsequenz aus einem wahrlich herrlichen Wintertag zu sein."
„Richtig", nickte Severus mit einem Wolfsgrinsen, „es gibt immerhin viele Winterfreuden und ich gedenke wenigstens einige davon heute noch zu genießen!"
Nun, und das taten sie dann auch. Alle! Die drei Granger-Snape-Töchter schlummerten erfreulich bald in ihren warmen Betten und träumten wunderbare Träume von perfekten Schneeengeln, haushoch gewonnenen Schlachten und reichlich heißer Schokolade.
Ach, Wintertage hatten schon was!
Gut, dass der Winter gerade erst richtig begann…
- ENDE! -
