CAT

Als sie nun auf dem Sofa lag, ein Glas Wein in der Hand, die vielen noch verpackten Kartons vor sich, hatte sie dennoch beschlossen es für den Umzugstag nun einfach sein zu lassen. Morgen wäre auch noch ein Tag um sich an all das, was noch eingeräumt werden musste zu machen. Sie streckte sich lieber auf ihrer Couch, legte die Füße auf einen der Kartons und genoss ein Gläschen Wein, während sie mit ihrer Mutter telefonierte.

„Ja Mama, alles ist gut, ich bin heil angekommen, die Jungs von der Transportfirma waren echt nett und Felicitas und ich sind dabei uns einzuleben und es uns gemütlich zu machen." Erklärte Raquel mit sanfter Stimme ihrer doch etwas aufgeregten Mutter.

Sie wusste, dass Marivi nur aufgeregt war für sie. Raquel hatte ihren ersten richtigen Job nach ihrer Ausbildung und ihre Mutter war unglaublich stolz auf ihre Älteste.

„Na dann will ich euch nicht länger auf die Nerven fallen bei eurem gemütlichen Abend.", sagte Marivi lächelnd, „Adios cariño und lass es dir gut gehen." verabschiedete sie sich anschließend.

Raquel legte auf und nahm einen weiteren Schluck von ihrem Wein und schloss entspannt die Augen. Es war ein tolles Apartment fast ein wenig, wie aus dem Film Kate and Leopold. Aber sie würde sich darüber niemals beschweren, da kam... der kleine Romantiker in ihr durch. Sie lächelte und seufzte entspannt während sie den Luftzug vom Balkon her genoss.

In dem Moment sprang sie fast auf und verschüttete ihren Wein. Luftzug! Irgendeiner der Jungs musste die Balkontür offen gelassen haben und... bei dem Wetter hatte sie es bis eben nicht bemerkt. Felicitas!

Sie sah sich in Windeseile im Appartment nach der getigerten Katze um. Keine Spur, daher hastete sie zum Balkon und endlich, da entdeckte sie ihren kleinen Tiger und scheinbar hatte er schon einen Freund gefunden, sie stieg vorsichtig, aber eilig die Treppe hinab und schloss das Tier in ihre Arme. Vergrub ihre Nase im Fell der Katze, atmete erleichtert tief ein und aus ehe sie die Katze kraulte. "Ich hab' schon gedacht, du wärst für immer in den Wirren Madrids verschwunden...", sagte sie schmollend zur Katze, die sich an sie schmiegte und zu schnurren begann.

Erst dann musterte Raquel den Dompteur ihrer abenteuerlustigen Mitbewohnerin. Sie streckte ihm schließlich strahlend die Hand entgegen. "Raquel Murillo, ich wohne über Ihnen und... vielen Dank, dass Sie Felicitas aufgehalten haben.", sagte Sie, doch ihr gegenüber Schluckte nur. Sein Blick war unruhig und ging weniger von ihrer Hand zu ihren Augen, als zu dem Fellknäuel, das sie trug. Bildete sie sich das nur ein, oder wich er sogar ein wenig vor ihr zurück.

"Geht es Ihnen nicht...?", wollte sie fragen, doch er kam überhaupt nicht dazu wirklich zu antworten, sondern nuschelte nur ein "Alles bestens, guten Einzug." Und verschwand fast fluchtartig in seiner Wohnung – die Balkontür verriegelnd.

Raquel runzelte die Stirn, gab Felicitas einen Kuss auf die Katzenstirn und machte sich auf den Weg zurück nach oben. "Wirklich komisch...", murmelte sie leise. "Hast du hunger, mi amor?"

Sergio hatte es in seinem Apartment nicht weiter geschafft als bis zu der Wand neben seiner Balkontür. Dort stand er nun, den Kopf an die Wand gelehnt die Augen geschlossen und horchte, wie seine Nachbarin mit der Katze nach oben verschwand. Und er hatte auf einen entspannten Abend gehofft!

Schon als er nach Hause gekommen war, wusste er, dass jemand einzog, er hatte den ganzen Tumult mit den Möbelpackern mitbekommen. Er hatte versucht zu entspannen doch auch das war nicht wirklich möglich gewesen, also hatte er einfach gekocht, gegessen und... als dann doch endlich Ruhe einkehrte hatte er sich auf seinen Balkon gestellt und entspannt in die Abendsonne geschaut. Er brauchte diese Art von Entspannung, wenn er über den Tag hinweg mit vielen Menschen zusammen war, es war ihm... unwohl. Der Dunkelhaarige hatte geseufzt und dann etwas an seinem Bein bemerkt. Erstaunt hatte Sergio nach unten geblickt und zwei Schlitzaugen, oder Augen mit schlitzartigen Pupillen hatten zu ihm nach oben geblickt. Es war ihm eiskalt den Rücken hinab gelaufen.

Katzen waren extrem gefährlich. Sie hatten spitze Zähne, Krallen und sie waren sich nicht zu schade diese zu gebrauchen. Er war erstarrt, doch, wie jede andere Katze auch, hatte es diesen Vierbeiner nicht gestört und kurzerhand war dieser auf das Geländer gesprungen auf Sergio zu stolziert und hatte den Kopf an dessen Ärmel gerieben. Seine Brille wäre ihm fast von der Nase gerutscht. Und als die Katze dann ENDLICH in den Armen der Besitzerin verstaut war, da hatte er so schnell es ihm möglich war den Rückzug ergriffen und die Tür geschlossen. Der Balkon war ab sofort Feindesteritorium und er musste vorsichtig sein, wann er diesen betrat!

Es war ein paar Tage später, dass Sergio mit emAndrés/em und Martín auf einer Party war. Sein Bruder hatte es wieder nicht lassen können ihn mitzuschleifen und Martín hing ja so oder so an Andrés Rockzipfel. Dass Sergio sich unglaublich unwohl fühlte, war zwar beiden bewusst, doch ignorierten sie es einmal mehr gekonnt.

Wenigstens war es mehr ein Cocktail-Event als eine richtige Party, was Sergio doch etwas versöhnlicher stimmte, er könnte sich nämlich nach einiger Zeit herausreden und gehen. Was er nicht wusste war, dass die Gastgeberin stolze Besitzerin zweier buschiger weißer Katzen war und diese, wie alle anderen Stubentiger unglaublich gerne um ihn herumstrichen. Es endete damit, dass er eine der Katzen in den Arm gedrückt bekam, während die Besitzerin mit der zweiten neben ihm posierte. Wie immer ganz der Gentleman versuchte er gute Mine zu bösem Spiel zu machen, doch kaum waren die Fotos geschossen setzte er die Katze ab und… verabschiedete sich fluchtartig, was Andrés und auch Martín ziemlich lustig fanden.

Raquel hatte sich inzwischen wundervoll eingelebt. Einige ihrer Freundinnen studierten noch in der Stadt, was hervorragend zum Wiedersehen war und einfach um Kontakte wieder aufleben zu lassen. So telefonierte und schrieb sie häufig mit Monica, die Literaturwissenschaften studierte. Monica wusste auch, dass Raquel ihre Katze von ihrer Mutter geschenkt bekommen hatte, als sie mit der Ausbildung begonnen hatte, damit sie sich nicht so alleine fühlte und jemanden zum Drücken hatte, wenn mal etwas nicht ganz so lief wie es sollte.

Raquel hatte Monica gerade von ihrem Erlebnis mit ihrem Nachbarn erzählt und davon, dass dieser ihr seither scheinbar aus dem Weg ging, als Monica schallend lachen musste. „Sorry Raquel, Daniel hat mir gerade ein Foto gezeigt. Es hat auf Facebook die Runde gemacht, ich glaube der arme Kerl hasst Katzen genauso wie dein Nachbar.", kicherte ihre Freundin.

„Ja? Kann ich mir kaum vorstellen, schickst du es mir?", bat Raquel grinsend.

„Ja natürlich! Sehen wir uns dann übermorgen zum Kaffee?", fragte Monica noch und Raquel bestätigte dies lächelnd. Es würde ihr guttun und die Arbeit auch einmal verblassen lassen.

Nachdem sie aufgelegt hatten, bekam sie das Bild zugeschickt und fast mitleidig musterte sie den attraktiven Mann mit Brille auf dem Bild, der so unbehaglich die Katze vor sich festhielt und so flehentlich in die Kamera blickte. Sie hatte ihren Nachbarn sofort erkannt. Doch er tat ihr einfach nur leid, er schien wirklich Angst vor Katzen zu haben und dann hatte Felicitas ihn neulich auch noch so ‚bedrängt'.

Sie fasste also einen Entschluss und hoffte, dass sie ihn in die Tat umsetzen können würde.

Wieder einmal fand er sich in seinem Apartment den Kopf an die Wand gelehnt und heftig am Atmen. Aus…. Eins zwei drei…. Ein… er versuchte es langsam anzugehen, ruhig. Es war alles vorbei und wieder gut. Nach einem langen Moment ging er zu seinem Balkon und spähte hinaus. Keine Katze zu sehen. Er öffnete die Tür, atmete nochmal tief aus und ein und betrat dann den Balkon nur um wieder zurückzuschrecken, als er eine Stimme hörte.

„Sie müssen ganz schöne Angst vor Katzen haben, nicht wahr?", fragte Raquel und ihre Stimme klang sanft und mitfühlend nicht belustigt oder gar anklagend, wie Sergio es von anderen her kannte. Er blickte diesmal zu seiner Nachbarin nur um zu sehen, dass sie keine Katze bei sich hatte. Fast erleichtert atmete er wieder aus und schob sich dann unsicher die Brille weiter auf die Nase. „Nun… ja, ja. Da Katzen unberechenbar sind, kann ich sie nicht leiden.", erklärte er und blinzelte unsicher ihre Schuhe an.

„Ich habe das Foto gesehen und wollte mich daher für neulich entschuldigen.", erklärte sie und stand langsam von der Treppe auf, auf der sie gewartet hatte. „Ich habe nicht bemerkt, dass das Fenster offen ist…", gestand sie und seufzte. „Wegen Felicitas müssen Sie sich keine Sorgen machen, sie ist eine Hauskatze und… so unberechenbar ist sie eigentlich nicht."

Sergio sah ihr kurz in die Augen, sie schien die Wahrheit zu sprechen, hastig senkte er den Blick wieder. „Danke. F..für die Entschuldigung meine ich."

Raquel lächelte. „Nicht der Rede wert", sie konnte sein jämmerliches Aussehen mit der Katze auf dem Arm gar nicht vergessen. „Ich bin übrigens Raquel…", sagte sie und hielt ihm erneut ihre Hand unter die Nase.

Sergio diesmal nicht in einem Fluchtreflex ergriff sie zögerlich. „Sergio.", stellte er sich vor.

Sie lächelte und lehnte sich dann einfach an das Geländer seines Balkons, was Sergio ziemlich verblüffte. Er rückte etwas an die Seite, folgte ihrem Beispiel unsicher. „Wissen Sie… ich bin mit einigen Tieren groß geworden, ich hatte nie eine Vorliebe für irgendeines von ihnen…", erzählte sie ihm einfach so. Er wusste nicht, was das sollte, dennoch wollte er nicht unhöflich sein und hörte der hübschen Frau von oben weiter zu.

„Als ich dann meine Ausbildung anfing und an die Akademie musste, schenkte mir meine Mutter meine Katze. Sie nannte sie Felicitas, damit sie mir Glück brächte.", erklärte Raquel. „In Wirklichkeit wollte meine Mutter lediglich verhindern, dass ich einsam sei.", Raquel lächelte und blickte Sergio an. „Ich weiß nicht was in Ihrer Vergangenheit passiert ist, weshalb sie Angst vor Katzen haben…", sagte sie sanft, „Ich glaube aber, dass Sie für Katzen eine interessante und gemütliche Ausstrahlung besitzen könnten, zumindest meine Katze ist ganz begeistert von Ihnen.", sie lächelte schmunzelnd.

Sergio seufzte und lehnte sich endgültig neben ihr auf das Geländer. „Nun… nachdem Sie das Foto gesehen haben… Ich mag Katzen wirklich nicht. Mein Bruder hat als wir jünger waren die Nachbarskatzen immer so geärgert und … gequält… sie haben mir wirklich leidgetan, bis sie es eben mit ihren Krallen und Zähnen gezeigt haben…", er schauderte. Vor allem, dass nicht nur Andrés angefaucht und gebissen wurde, sondern er selbst auch, hatte ihn getroffen.

Raquel nickte sanft und sah den ruhigen, sympathischen allerdings auch in sich gekehrten und schüchternen Mann, der neben ihr am Geländer lehnte an. „Nun… sollten Sie irgendwann mal das Bedürfnis haben, ihr Erlebnis aufzuarbeiten… ich habe da eine katzenartige Freundin, die wirklich sehr rücksichtsvoll und kuschlig ist und die bestimmt bereit ist dabei zu helfen.", sie lächelte ruhig, ehe sie sich dann verabschiedete.

Sergio seinerseits musste lächeln, er glaubte allerdings nicht daran, dass er jemals in Versuchung kommen würde.

Er war beim Kochen. Heute war sein freier Tag und er genoss es an diesem in der Küche zu stehen und sich einfach etwas Gutes zu tun. Gerade wollte er das geschnippelte Gemüse in der Pfanne anbraten, als es an seiner Tür laut klopfte. Irritiert sah er auf, noch irritierter war er als er die Stimme erkannte. Er ging öffnen und blickte in ein angsterfülltes, von Tränen überströmtes Gesicht.

„Sergio! Ich weiß sie hassen Katzen, aber Sie müssen mir helfen! Bitte!", Raquel hatte ihn an den Armen gepackt und schien außer sich. Er war perplex, er wusste nicht, was er tun sollte, er hasste es berührt zu werden, sein erster Instinkt war sie von sich zu stoßen. Gleichzeitig konnte er absolut nichts mit Tränen anfangen, daher war er so perplex, dass er einfach wie angegossen stehen blieb, während sie an ihm zerrte. Er war in diesem Moment komplett überfordert.

„Bitte Sergio, bitte!", flehte seine Nachbarin weiter und endlich kam wieder Leben in ihn, er befreite sich vorsichtig von ihr, indem er nun seine Hände auf ihre Schultern legte und sie ernst ansah. „Was ist denn los?", hakte er nach.

„Felicitas… der Postbote… die Steine… schnell…!", sie brachte die Worte so durcheinander und gepresst raus, dass Sergio absolut nichts verstand. „Okay. Konzentration. Einatmen…. Ausatmen. Was ist passiert?", fragte er sie nochmal. Dann erzählte sie zusammenhängender, wenn auch immer noch in Angst um ihren Vierbeiner. Scheinbar war die Katze an ihr vorbeigehuscht nach draußen, als der Postbote da war, dann hatten einige Kinder die Katze wohl gefasst, auf einem Dach festgebunden und sich einen Jucks daraus gemacht die Katze mit Steinen zu bewerfen. Raquel hatte die Jungs vertrieben, doch kam nicht an ihre Katze heran.

Es tat ihm leid Raquel so aufgelöst zu sehen also nickte er dann und folgte ihr. Er war doch ein wenig größer als sie und schaffte es sich auf das Flache Dach zu ziehen. Als er die Katze sah maunzte sie kläglich. „Schon gut…", versuchte er das Tier zu beschwichtigen. Sanft nahm er es auf in sein Jackett und trug es an den Rand des Daches. „Können Sie…?", fragte er gerade doch Raquel streckte ihm schon ihre Arme entgegen. Als er wieder am Boden neben ihr stand, begann sie wieder zu schluchzen, als ihre Katze leise zu schnurren begann.

Sergio fühlte sich anhand dieses Bildes emotional sehr mitgerissen. Er blickte sich unsicher um und fasste dann einen Entschluss. „Kommen Sie, ich fahre sie zu einem Veterinär.", sagte er und führte Raquel die leise mit ihrer Katze sprach zu einem der Autos. Er blieb auf dem ganzen Weg unglaublich ruhig und gefasst, obwohl eine Frau UND eine Katze in seiner Nähe waren.

...

Der Besuch beim Tierarzt war langwierig und nervenaufreibend. Als Raquel sich beruhigt hatte, hatte er ihr ein Taschentuch gereicht. Sie hatte es genommen er sie nur kurz angelächelt und schon waren ihr wieder die Tränen geflossen. Was machte er nur falsch mit Frauen?

Als sie dann vor dem Arzt standen und darauf warteten, dass Felicitas untersucht wurde, hatte sie einfach seine Hand gegriffen und diese gedrückt. Sergio wäre fast im Boden versunken vor lauter Unsicherheit, was er nun machen sollte, doch… sie hatte seine Hand einfach nicht mehr losgelassen. Nicht während der Untersuchung der Katze, nicht als der Arzt ihnen die Ergebnisse verkündete, nicht als es hieß, dass sie die Pfote operieren mussten, nicht als sie zurück ins Wartezimmer gegangen waren und sich dort gesetzt hatten. Und er…? Er hatte nicht gewusst was er sagen oder tun sollte, um sie dazu zu bringen ihn loszulassen.

Als sie dann wieder saßen und sie endlich seine Hand losließ hatte er erwartet, dass nun wieder alles in Ordnung war, doch dann hatte sie angefangen am ganzen Körper zu zittern und als er ihr vorsichtig und beruhigend über den Rücken streichen wollte – das machte man so, das wusste er – hatte sie sich an sein Hemd geklammert und ihren Kopf an seinem Hals versteckt. Sergio ziemlich perplex hatte sich wieder nicht zu helfen gewusst.

Allerdings, das fiel ihm erst jetzt auf, war er zwar unsicher was er tun sollte und es wäre ihm lieber mehr Abstand zu haben, jedoch nicht, weil ihre Berührungen unangenehm wären, wie bei allen anderen, sondern weil er einfach unsicher war, was okay war. Nicht dass man sagte, er würde von ihrer „Notlage" Gebrauch machen, das wäre ihm mehr als peinlich.

Als endlich der Nachmittag um war und Raquel ihre geliebte Katze wieder mit Gips an der Pfote in Händen hielt versiegten ihre Tränen langsam und sie sprach mit der Katze wie mit einem Baby – etwas anderes, dass Sergio nicht leiden konnte. Babys, sie waren für ihn auch eine ganz heikle ungewohnte und unsichere Sache. Er blickte also wieder auf die Straße und fuhr sie zurück zu ihren Wohnungen. Als Raquel aufschloss, nickte er und wollte sich verabschieden doch sie lud ihn auf einen Wein ein, zur Entschuldigung. Wieder wusste er nicht, wie er nein sagen sollte. Das wurde langsam zu einem großen Problem…

...

Da saß er nun also auf der Couch in ihrer Wohnung und blickte sich um, ehe er das Bündel mit der Katze in den Arm gedrückt bekam. Raquel indes ging Wein suchen. Und kehrte mit zwei Gläsern zurück und reichte ihm eines, ehe sie sich zu ihm setzte. Die Katze auf seinem Schoß hatte inzwischen wieder zu schnurren begonnen und er nahm mühselig einen Schluck aus seinem Glas.

Raquel, die das Geräusch kannte, lächelte und streichelte sanft über den Kopf der Katze, der als einziges aus dem Jackett lugte. „Vielen Dank…. Nochmal…. Für alles.", sagte sie und blickte ihn an.

„Nichts zu…", wollte er schon sagen, doch kam er gar nicht weiter, denn… es war das erste Mal, dass er ihr wirklich in die Augen blickte und irgendwie hatte er vergessen, was er eigentlich hatte sagen wollen.

Es war wie Magie. Er hatte heute viele Dinge getan, die er niemals für möglich gehalten hatte. Und jetzt… jetzt hatte ihn auch noch etwas verzaubert. Das komische war, dass es ihr ebenso zu gehen schien. Denn auch sie sagte nichts und starrte ihn einfach nur an. Wartete sie darauf, dass er etwas sagte? Sollte er etwas sagen?

Wieder war er wie erstarrt, als sie symbolisch gesprochen den ersten Schritt machte. Sanft legte sie ihre Hände an seine Wange und… er versuchte zu lächeln, auch wenn er nicht wusste, wohin das führte, denn ihre Augen nahmen ihn weiterhin gefangen und… er hatte eine Katze auf dem Arm, also… war da nicht viel Spielraum.

Raquel war wie verzaubert, sie rückte näher, hielt seine Wangen, streichelte mit ihren Daumen darüber und durch seinen gepflegten Bart. Dann beugte sie sich ihm entgegen und legte versuchsweise sacht ihre Lippen auf die seinen. Sie ließ ihm Zeit sich daran zu gewöhnen, genoss das Kribbeln, dass sie nun überall an ihrem Körper fühlen konnte und dann langsam zog sie von ihm ab um zu lächeln und ihn anzuschauen. Immer noch, wie bedröppelt sah er sie an. Vielleicht war sie nach dem ganzen Tag zu weit gegangen? Gerade wollte sie die Lippen öffnen, um sich zu entschuldigen, sie war ja auch so dumm! Als er denn zweiten Schritt machte und sie gegen seine Lippen zu strahlen begann.

Sergio hätte niemals gedacht, dass er das könnte, aber… nachdem sie ihn geküsst hatte, war es gar nicht mehr so schwer sich vorzulehnen und diese wunderhübsche Frau nochmal zu küssen. Sie hatte schließlich angefangen mit alldem, oder?

Nach dem zweiten wunderschönen und lang andauernden Kuss rutschte Raquel noch näher an ihn heran. Sanft zog sie seinen Arm um sich und kuschelte sich an seine Brust. Sie war wirklich… müde nach der ganzen Tortur des Tages und sie war glücklich, so unglaublich froh und glücklich, dass er an ihrer Seite gewesen war.

Sergio seufzte zufrieden auf und sein Herz raste zufrieden nach dem Kuss. Er konnte nicht beschreiben wie glücklich er war. Er hing seinen Gedanken nach und erst nach einer halben Ewigkeit kam er dazu einen klaren Gedanken zu fassen und nach einer weiteren halben Ewigkeit, dass er wohl gehen sollte. „Raquel…?", er sah zu ihr und musste feststellen, dass diese Erkenntnis wohl eine ganze Ewigkeit zu spät kam, denn sowohl Katze als auch Besitzerin waren gerade vor lauter Erschöpfung am Schlafen.