Zusammenfassung: Glaubst du an Liebe auf den ersten Blick? Ein Fotograf, der im Park der Frau seiner Träume versucht den Hof zu machen. Wird er es schaffen?
Notizen: Ich habe neulich einen so wundervollen Short Film gesehen, den musste ich einfach umsetzen und er hat so perfekt zu Serquel gepasst. Ich wünsche euch so viel Spaß damit, wie ich beim Schreiben hatte 3
BEAUTIFUL
Seine Wohnung war sehr schlicht eingerichtet, er brauchte nicht viel zum Leben. Er hatte eine kleine Küche, mit altem Ofen und Herd, keine Spülmaschine, alles wirkte ein wenig rustikal, aber dennoch irgendwie heimelig. Sein Wohnzimmer war klein, gemütlich mit einer schon etwas ausgesessenen Couch, mit einem vollgestopften Bücherregal einem entspannenden Sessel und einem kleinen Tisch mit blick aus dem Fenster auf dem ein Schachbrett stand. Sein Schlafzimmer hatte ein gemütliches, aber kleines Bett und einen langen Schreibtisch. Auf diesem thronte ein sehr neuer PC Bildschirm, der gerade mit seiner Kamera verbunden war und die Bilder der letzten Tage abspielte. Die Wände eines jeden Zimmers waren mit den verschiedensten Motiven gespickt. Sein Bruder und dessen aktuelle Freundin dahinter Martín, der eifersüchtig schaute. Silene die ihrem Freund vor der Kulisse eines wunderschönen Sonnenuntergangs einen innigen Kuss gab. Daniel, der strahlend mit einer Blondine tanzte. Silene, die versuchte ihm die Kamera zu stehlen und ein Foto von ihm selbst, auf dem er versuchte seine Kamera zurückzubekommen. Ágatha die zusammen mit Silene und den Jungs zusammen die Gesichter verzog.
Sergio hatte es schwer gehabt in seinem Leben eine Verbindung zu anderen aufzubauen, doch… dank seines Talents hatte er sich seinen Weg gebahnt und inzwischen eine Gruppe an Freunden gefunden, die unterschiedlicher und schwieriger nicht sein könnten. Er musste meistens nicht groß sprechen, wenn er mit ihnen zusammen war, konnte sich der Gemütlichkeit des Zuhörens widmen, während die anderen große Reden und Diskussionen schwangen. Er genoss das sehr, denn nichts war für ihn schrecklicher als im Mittelpunkt zu stehen. Sergio sah die Welt lieber durch die Sicherheit der Linse an seiner Kamera. So konnte er ganz nah heranzoomen, oder auch sich zurücklehnen und eben nicht an der Welt teilhaben, wie es ihm gerade beliebte.
…
1. Tag
An diesem Morgen aß er gemeinsam mit Silene und Aníbal in ihrem Lieblingsrestaurant dem Hanoi und er genoss die entspannte Atmosphäre. Silene hatte ihnen von ihrem neuen Job erzählt und während Aníbal ihr einfach zugehört hatte, hatte Sergio in Ruhe gegessen und sie dann angesehen. „Und du denkst, dir wird das Spaß machen?", fragte er sie ruhig und sah sie an. Silene war jemand, der immer auf Achse war, sie brauchte Action, er konnte sich nicht vorstellen, dass sie in diesem Job glücklicher werden würde als in den anderen, die nach einer Woche wieder uninteressant waren. Seiner Meinung nach sollte sie sich einen Job beispielsweise als Model suchen. Immer neue Aufträge immer neue Aufgaben und immer neue Drehorte. Das Aussehen dazu hatte sie auch. Das Problem war wohl ihre Beziehung zu Aníbal, da wollte Sergio nun auch nicht hereinreden.
Als sie fertig waren, zahlten sie und verließen das Lokal. Sergio hatte seine Kamera wieder in der Hand und beobachtete die beiden Verliebten schmunzelnd. Ein weiteres Bild eines ihrer Küsse wanderten auf seine Karte und… er bemerkte es erst jetzt, wie sie Händchenhaltend jeder ein Liebesarmband trugen. Es war wunderschön, wie sie verbunden schien und er freute sich für seine Freunde.
Er winkte ihnen zu und begann, die Kamera weiterhin in der Hand nach neuen Perspektiven zu suchen. Er fotografierte einen rot-orangen Schmetterling auf dem grauen Asphalt und als er aufblickte, wurde er fast rot, als ihn eine Frau von einer Straßenecke aus beobachtete. So schnell er konnte, machte er sich aus dem Staub. Nein, wirklich, es war ihm durchaus peinlich, wenn Menschen ihn beobachteten.
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Als er dann im Park ankam, hatte seine Kamera eine Fülle von Dingen, die er Fotografieren konnte. Blumen, Tiere, Menschen und die wunderschönen Bäume, der Springbrunnen, vor dem sich einige Kinder tummelten und sich gegenseitig nassspritzten, es entlockte ihm ein Strahlen. Und dann… schnappte seine Linse etwas auf, das er sich genauer ansehen musste.
Auf einer Bank vor dem Brunnen saß eine Brünette und hielt ein großes Zeichenbuch in ihren Händen. Neben ihr fein säuberlich stand eine kleine Stiftschatulle, aufgeklappt. In ihren Händen befand sich ein Bleistift und geschickt fuhr sie damit über das Papier.
Sergio war perplex und ehe er darüber nachdachte, was er überhaupt machte, hatte er schon ein Foto geschossen. Doch er hatte weiterhin die Linse auf die Frau gerichtet.
Als sie nach einiger Zeit aufsah und zu ihm Blickte, drehte er sich rasch mitsamt seiner Kamera weg und tat so als hätte er sein Foto bekommen, als würde er weiter schlendern und als hätte er sie nicht beobachtet. Er spürte wie ihm die Röte in das Gesicht zu drohen schoss, also beschloss er einfach weiterzugehen und nun Fotos zu machen, die naja der Umgebung angehörten und nicht… von ihr waren.
Als er schließlich zusah, wie sie ging, seufzte er traurig auf, dann mit einem plötzlichen Einfall rauschte er zurück nach Hause. Er übertrug die Fotos auf seinen Computer und während die Daten übertragen wurden, machte er sich Abendessen. Doch als alles fertig war und er mit seinen Instant-Nudeln vor dem Computer saß, schmeckte er eigentlich nicht wirklich etwas. Er scrollte durch seine Bilder und rief die, die er von IHR gemacht hatte auf. Er sah sich wieder ihre konzentrierten Gesichtszüge an, ihre entspannte Körperhaltung während sie sich beim Zeichnen in eine andere Welt zu träumen schien. Ihre geschwungenen Lippen…
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2. Tag
Als er am nächsten Morgen seinen Kaffee trank, hatte er einen Entschluss gefasst. Er hoffte, dass sie heute wieder im Park wäre. Warum? Das wusste er nicht so genau, allerdings war sie ein wirklich hübsches Motiv und… vielleicht waren es ihre Lippen gewesen, die ihn so in seinen Bann gezogen hatten. Wenn sie nicht da war – nun… dann hätte er wenigstens die Zeit gut nutzen können, um mit seiner Linse neue Motive zu finden, die es wert waren fotografiert zu werden.
Es forderte all seine Konzentration und Ruhe um nicht vorschnell in den Park zu stürmen. Er riss sich zusammen und als es schließlich gegen 11 Uhr ging, machte er sich auf um hoffentlich seine Muse wiederzufinden. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals und er konnte es gar nicht wirklich erwarten. Im Park angekommen sah er sich um und entdeckte sie wieder. Auf der gleichen Bank wie zuvor. Vor lauter Freude machte sein Herz fast einen kleinen Satz, während er ein wenig stolperte und fast vor seinem heimlichen Schwarm auf die Nase fiel.
Sie blickte auf und blinzelte ihn kurz irritiert an. Als sie allerdings sah, dass ihm nichts weiter passiert war und beide einen Blick und ein kurzes Lächeln getauscht hatten, blickte sie wieder hinab auf ihr Papier und begann wieder mit dem Bleistift darauf herumzukritzeln.
Sergios Herz war fast in die Hose gerutscht als er sich gerade noch fing und seine Kamera nicht von seiner Ungeschicklichkeit in Mitleidenschaft gezogen wurde. Und als er dann aufsah, in der Hoffnung niemand habe sein Straucheln bemerkt, blickte er in die schönsten braunen Augen, die er jemals gesehen hatte. Ein Funke Erstaunen, Besorgnis und Erleichterung vermutete er zu sehen, doch…. Genauso schnell wie der Moment entstanden war, war er leider auch wieder vorbei, nur dass Sergio nun glaubte, seine Füße seinen aus Pudding.
Er schaffte es sich zu erheben und auch sich zu bewegen, allerdings schien sich alles nur noch um sie zu drehen. Und egal, wie sehr er sich bemühte, gleichgültig zu sein und zu tun, als wäre er in diesem Park um Fotos zu machen, so häufig ertappte er sich dabei, dass die Fotos sie zeigten.
…
Das Klingeln eines Telefons unterbrach die Ruhe des Parks. Fast irritiert sah er von seiner Kamera auf, als sie zu ihrer Tasche griff und das Handy ans Ohr hielt. „Mamá?", fragte sie und ihre Augen wurden immer größer, als sie hörte was gesagt wurde. Sergio blickte wieder durch seine Linse und zoomte auf ihr Gesicht. Sie schien ehrlich schockiert und begann ihre Habseligkeiten zu packen und in der Tasche zu verstauen, dann packte sie diese und ihre Jacke und… mit den Worten „Ich komme sofort.", schlug sie einen schnellen Schritt an um den Park zu verlassen.
Fast enttäuscht blickte Sergio ihr hinterher und fuhr sich durch die etwas längeren verwuschelten Haare. Dann… erblickte er, dass etwas Schwarzes auf der Bank lag. Er sah der jungen Frau hinterher. Ihr Notizbuch! Sofort – er war schließlich ein Gentleman – sprang er los um sich das Buch zu schnappen und ihr zu bringen. Dabei stieß er mit einem Skater zusammen und wäre fast noch über einen Hund gestolpert. Doch aller Mühe umsonst. Als er den Park verließ und nach links oder rechts blickte… war seine unbekannte Muse bereits verschwunden.
Daheim, nun er wollte es nicht, aber als er ihre Bilder betrachtete, wanderte sein Augenmerk sofort zu ihrem Zeichenbuch und… er wusste auch nicht wieso, aber es kam über ihn und er betrachtete ihre Zeichnungen.
Sie waren WIRKLICH gut. Er staunte nicht schlecht über die vielen Details, die den Bildern leben einhauchten. Viele Kinder, die im Park spielten, einzelne Blumen, Bäume und Tiere. Er blätterte weiter durch die Zeichnungen bis er innehielt und tief einatmete.
Das war ein Bild von IHM. Sergio. Ein Profilbild – viel hatte sie von ihm auch nicht gesehen. Wie er nicht in seine Kamera lugte, sondern gerade ein Foto schoss. Er blätterte weiter. Wieder ein Bild von ihm, wie er einem Kind das Foto zeigte, dass er gemacht hatte. Und… wieder ein Bild von ihm, er erkannte es, das war der Moment gewesen, als er ihr in die Augen gesehen hatte. Sein Herz klopfte ihm bis zum Hals. Und er fasste den Entschluss ihr das Buch wiederzugeben und… mit ihr zu reden.
…
„Raquel, du musst sofort kommen, etwas Schlimmes ist passiert. Laura liegt im Krankenhaus!" Sie konnte die Panik ihrer Mutter sogar durch den Telefonhörer spüren. In Windeseile packte sie ihre Habseligkeiten, warf sich die Tasche über die Schulter und die Jacke über den Arm. „Ich bin unterwegs Mama, keine Sorge. Wo seid ihr denn?", fragte sie und lief so schnell sie konnte aus dem Park, sah sich um und erblickte ein Taxi, dem sie winkte. Als sie Einstieg nannte sie dem Fahrer die Adresse des Krankenhauses.
Als sie ankam, war ihre Schwester bereits geröntgt worden. Sie hatte einige Prellungen und ihr Fuß und ihr Arm waren gebrochen. Gerade wurde sie auf eine Station aufgenommen, als Raquel zu ihrer Mutter an das Bett trat. „Laura, mi amor, wie geht es dir?", fragte Raquel mitfühlend und streichelte ihrer Schwester über die Wange. In schwachem Tonfall erklärte diese, dass es ihr gut ging und niemand sich Sorgen machen sollte. Alberto stand ebenfalls dabei und Raquel beobachtete, wie Laura ihre Hand wegzog, als er versuchte sie zu tätscheln. Ihr Blick wurde kühl.
Nachdem Laura endlich auf ihrem Zimmer war und alles so weit geklärt erschien, erklärte Raquel, dass Mariví bei Laura bleiben sollte, während sie ihnen einen Kaffee organisieren wollte. Sie packte Alberto am Arm und zog ihn mit sich, bis sie außer Hörweite waren. „Hast du das getan?", fauchte sie ihn an und er spielte das Unschuldslamm.
„Nein, Raquel, wie kommst du denn darauf?"
„Oh ich habe meine Gründe…", fauchte sie ihn an und deutete auf das Zimmer ihrer Schwester.
„Ich frage dich nur noch einmal, Alberto. Hast du sie ins Krankenhaus geprügelt?" Ihr Blick war kalt, ernst und ihre Stimme schneidend. Sie konnte sehen wie Albertos Kiefermuskulatur arbeitete. Er kam näher, ihre Blicke trafen sich wie kalte Blitze.
„Du solltest mir nichts unterstellen, Raquel."
„Alberto, ich will ein Ja, oder ein Nein." Sie spürte wie er sich vor ihr aufbaute und sie merkte, dass er wütend wurde. Es verhieß nichts Gutes, wenn er wütend wurde. Raquel wich allerdings nicht zurück. Sie hatte ihn lange genug ertragen und sie hatte zugelassen – nun… sie hatte zulassen müssen – dass er mit ihrer Schwester ging. Sie würde sich nicht für den Tod ihrer Schwester verantworten müssen. Eher brachte sie ihn ins Gefängnis und wenn es mit einer Handgreiflichkeit hier im Krankenhaus einherging.
„Sie ist einfach nur die Treppe heruntergefallen.", versuchte er zu erklären, doch Raquel ließ sich nicht für dumm verkaufen.
„Laura ist erwachsen, da fällt man nicht einfach so die Treppe runter.", fauchte sie., „und hast du sie dir mal angesehen? Ja….. hast du….!", ihre Augen wurden groß und sie sah Alberto entsetzt an. „Du hast sie gestoßen, nicht wahr? Oh mein Gott! Was bist du nur für ein…!"
In dem Moment packte er sie und presste sie gegen die Wand. Raquels Augen wurden noch größer die Angst in diesem ersten Moment deutlich spürbar, vor allem, weil sie keine Luft mehr bekam.
„Du wirst jetzt schön die Klappe halten. Ich hab sie nicht gestoßen ich hab sie nicht geschupst, sie ist gestolpert und ich habe sie nicht mehr erwischt, ist das klar?", er blickte sie störrisch an und Raquel konnte keinen Piepen von sich geben. Erst als er wieder lockerer ließ.
Raquel hatte genug. Dieser Mann hatte sie misshandelt und geschlagen, dann hatte er dasselbe mit ihrer Schwester gemacht und niemand hatte ihr geglaubt. Jetzt wollte er sie zum Stillschweigen verdammen? Was wollte er tun? Sie ermorden? Sie trat so heftig zu wie sie konnte und packte ihn um ihn in den Schwitzkasten zu nehmen. Sie war schlau genug gewesen sich in den Selbstverteidigungskurs der Universität geleitet von Alicia Sierra einzuschreiben. Die Frau hatte echt was drauf, dann begann sie um Hilfe zu rufen.
…
Als sie am Abend mit ihrer Mutter zusammensaß und beide auf der Couch eingemummelt in eine riesige Flausche-Decke eine heiße Schokolade tranken, atmete Raquel durch. Sie seufzte. Das alles heute hatte für viel Wirbel gesorgt. Sie würden die nächsten Tage so einiges zum Klären haben. Laura würde eine Anzeige machen, wie Raquel vor einigen Monaten. Doch das alles würde Kraft und Zeit benötigen. Fast automatisch griff sie nun zu ihrer Tasche. Das Einzige, dass ihr in den letzten Monaten und auch während ihrer Beziehung zu Alberto immer Kraft gegeben hatte, war das Zeichnen.
„Hast du wieder neue Bilder die du mir zeigen möchtest?", fragte ihre Mutter und lehnte sich interessiert hinüber.
„Ja, gerne. Ich habe auch ein ‚neues Motiv' gefunden. Ein junger Mann der im Park immer Fotos macht.", Raquel lächelte in sich hinein, bis sie den Blick ihrer Mutter sah.
„Ein junger Mann also? Sieht er gut aus? Hast du ihn angesprochen? Wann lerne ich ihn kennen?", Raquel hob eine Augenbraue. „Mamá! Ich kenne ihn doch gar nicht, aber… sehr attraktiv sieht er aus… warte ich zeige dir…", sie suchte immer noch nach ihrem Zeichenblock, doch… der war wie vom Erdboden verschluckt. „Das gibt es doch gar nicht…!", sagte Raquel und blickte ihre Mutter an. „Mein Block ist weg!", erklärte sie und überlegte fieberhaft wo sie ihn das letzte Mal gehabt hatte.
…
3. Tag
Er hatte sich wirklich Mühe gegeben heute gut auszusehen. Er wollte schließlich einen guten Eindruck hinterlassen, wenn er das erste Mal mit ihr sprach und ihr den Zeichenblock zurückgab. Natürlich hatte er Andrés ein Bild von sich geschickt, und dieser hatte kommentiert und Tipps gegeben. Sergio war ziemlich nervös und daher hatte sein Bruder das auch einmal ernst genommen. Viel Glück hatte er ihm sogar gewünscht. Im Park setzte sich Sergio mit dem Buch und der Kamera in der Hand auf die Bank. Er wartete, machte einige Bilder und verbrachte die Zeit damit nach der Brünetten Ausschau zu halten.
…
4. Tag
Als er am Morgen aus dem Fenster sah, war es trüb draußen und ein Regenschleier hing über der sonst so warmen und sonnigen Stadt. Wieder richtete er sich her, voller Hoffnung sie wiederzusehen. Wieder machte er sich fertig. Nur war er heute mit Kamera, Zeichenbuch und Schirm bewaffnet im Park. Es war kalt und nass und seine Aufnahmen wurden nicht sehr zahlreich oder schön. Als es ihn nach mehreren Stunden fröstelte, trotz des warmen Klimas, beschloss er nach Hause zu gehen.
Raquel hatte bei dem Regenschauer heute endgültig aufgegeben ihre Zeichnungen wiederzubekommen. Sie hatte gestern mit ihrer Mutter die Zeugenaussage wegen Alberto zu Protokoll gegeben und auch ihrer Schwester nochmals ins Gewissen geredet, dann hatte sie alle Orte, abgesucht an denen sie das Buch vergessen haben hätte können. Unteranderem hatte sie dem Taxi durch etliche Taxiunternehmen hinterhertelefoniert. Nur in den Park war sie nicht gegangen. Da hatte sie ja schließlich alles eingepackt. Es war vermutlich einfach weg. Dennoch musste sie momentan mit ihrer Mutter für Laura da sein und… sie würde sich dann eben ein neues Buch kaufen müssen… Ob sie den hübschen Typen von neulich jemals wiedersehen würde? Es war ein reines Chaos was in ihrem Leben gerade passierte, sie hätte am liebsten jetzt einfach etwas gezeichnet.
…
5. Tag
Als er nach Hause kam, hatte er die Hoffnung langsam wirklich aufgegeben. Es war wieder ein langer Tag gewesen, mit vielen Menschen die den Park besuchten, aber nicht sie. Dabei wollte er doch einfach Sie wiedersehen. Er seufzte und besah sich wieder das Zeichenbuch. Dann… fasste er einen Entschluss und wenn es nicht funktionierte… dann war es eben so. So machte er sich an ans Werk.
…
6. Tag
Als er im Park ankam, war die Bank noch immer unbesetzt. Er ging auf sie zu und legte das schwarze Buch darauf ab. Dann seufzte er auf und ging eben seines Weges. Er konnte nicht ewig warten, aber… vielleicht hätte er ja Glück.
Raquel war einfach froh, dass sie heute nicht mit ihrer Mutter ins Krankenhaus musste. Sie liebte ihre Schwester, sie brauchte allerdings auch Abstand. Obwohl sei keinerlei Hoffnungen hegte ihr Buch wiederzufinden, machte sie sich dennoch auf den Weg in den Park. Sie summte, genoss den Sonnenschein und suchte ihre Lieblingsbank auf. Da traute sie ihren Augen nicht und die letzten paar Schritte hastete sie fast auf die Bank zu, um dann ihr Buch in die Hände zu nehmen. Konnte das sein? Sie blätterte darin. Ja, das waren wirklich ihre Zeichnungen, sie waren alle da…. Auch die letzten von dem Unbekannten.
Nachdem sie ihre Augen eine Zeit lang über die Gesichtszüge des Mannes hatte gleiten lassen, nahm sie ihre Stift-Dose heraus und griff sich einen der Stifte. Dann begann sie zu malen, allerdings stockte ihr nach kurzer Zeit der Atem. Sie hielt inne. Starrte auf ihr Blatt und darauf, dass an einer stelle der Stift nicht anging. Ihre Stirn runzelte sich als sie Buchstaben erkannte H A.
Was sollte das den bedeuten?
Neugierig und auch ein wenig aufgeregt was nun los war begann sie die Seite mit ihrem Stift auszustreichen und immer mehr Buchstaben wurden sichtbar, bis sie am Ende „HALLO FREMDE" vor sich stehen hatte. Eine Seite nur für zwei Worte… Und wer hatte sie geschrieben? Sie sah sich um. Nach Alberto hatte sie für den ersten Moment ein wirklich gruseliges Gefühl. Doch sie sah niemanden den sie kennen würde oder der sie beobachtete, also… blätterte sie irritiert um und begann das Spiel mit den versteckten Buchstaben auf ein Neues.
„DU HAST EIN UNGLAUBLICHES TALENT"
Sie fühlte sich nun fast ein wenig geschmeichelt, irgendwer hatte also ihr Buch gefunden, ihre Zeichnungen gesehen und sie für gut befunden. Okay, ein wenig gruselig, aber… irgendwo auch… süß? Sie blätterte erneut um und wieder begann sie das Spiel mit der Suche nach den Buchstaben auf der Seite. Nur das Reiben der Stiftspitze auf dem Papier war zu hören, während sie neugierig auf eine weitere Botschaft auf dem Papier kritzelte.
„UND DU SOLLTEST MEHR LÄCHELN"
Sie runzelte die Stirn und blickte irritiert auf die Aussage. Dann blätterte sie um und wieder kritzelte sie mit ihrem Stift auf dem Papier herum.
„WEIL DU WUNDERSCHÖN BIST."
Sie musste lächeln. Das war eine wundervolle Idee ihr ein Kompliment zu machen und irgendwie war sie hin und weg einfach nur, weil sich jemand diese Art von Mühe gemacht hatte. In diesem Moment sah sie auf, denn sie wusste, dass wenn sich jemand diese Mühe machte, musste er hier noch irgendwo sein. Und als sie mit dem strahlenden Lächeln aufsah, hörte sie das Klicken einer Kamera.
Sie blinzelte und erkannte den Mann, den sie gezeichnet hatte. Dieser stand schmunzelnd und lächelnd keine fünf Meter von ihr und hatte gerade ein Foto von ihr geschossen. Er musste es auch gewesen sein, der die Nachricht in ihr Buch geschrieben hatte. Sie überlegte nicht lange, sie rückte einfach nur ein wenig zur Seite und pattete den Stein neben sich sanft um ihm zu zeigen, dass er sich setzen sollte.
„So… du findest also, dass ich gut zeichne?", fragte sie lächelnd und er blinzelte nervös, als er sich setzte, irgendwie hatte er sich das mit dem Reden… einfacher vorgestellt, vielleicht? Er schluckte. „Nein…" – „Nein?" – „also… doch ja schon nur… nicht nur ‚gut', sondern unglaublich.", erklärte er, was er meinte und wurde doch ein wenig rot, weil er nicht genau damit umzugehen wusste. Sie begann allerdings nur leicht zu lächeln. „Danke für das Kompliment…", sie sah wieder auf ihr Zeichenbuch. „Die Komplimente.", ergänzte sie und sah dann neugierig auf seine Kamera. „Darf ich die Bilder mal sehen?", fragte sie und lächelte ihn an und er zeigte sie ihr.
