Kapitel 2: Ein Sturm kommt herein
Diese Richtungsangaben, grummelte Hermione vor sich hin, waren beschissen. „Fahren Sie zwei Meilen, dann nehmen sie die engere Rechtskurve nach der engen Rechtskurve nach der weiten Kurve." Die ganze verflixte Straße befand sich auf einem Berg, nicht wahr? Da gab es nichts als Kurven. Und da nun der Regen eingesetzt hatte, war die Sicht besch…eiden. Sie nahm an, dass sie jetzt, nach drei Meilen, den Abzweig verpasst hatte. Höchstwahrscheinlich hatte er einen Bemerke-mich-nicht-Zauber auf die Straße gelegt, um sie absichtlich schwer zu finden zu machen. Bei dem Gedanken grinste sie.
Wann war sie von der Hoffnung, Severus Snape gefunden zu haben, dazu übergegangen, sich dessen sicher zu sein?
Nun, es war nicht vor drei Jahren gewesen, als sie die IMM-Geldwechselbücher durchforstet und einen Eintrag bemerkt hatte, der den Wechsel einer bescheidenen Summe Galleonen in amerikanische Dollar auswies. Obwohl das Datum – etwa eine Woche nach der Schlacht von Hogwarts – perfekt und der Name – Tobias Evans – spannend gewesen war, war sie sich damals nicht sicher gewesen.
Sie war nicht sicher gewesen, als sie entdeckte, dass Mr. Evans, der einen teuren, offiziellen Portschlüssel nach Vancouver gekauft hatte, anscheinend nicht aufgetaucht war … oder zumindest niemand, der sich bei dieser mehrteilige Reise (ein Buch auf die Azoren, ein Schuh nach Halifax, ein zwei-Liter-Eimer nach Vancouver) an irgendjemanden erinnern konnte, der einen Teil der anstrengenden Reise mit ihnen gemacht hatte, nicht einmal mit Hilfe ihrer Erinnerungsverstärker.
Sie war nicht sicher gewesen, als sie entdeckte, dass Mr. Evans ein altes Wrack von einem Pickup gekauft hatte (als sie seine Erinnerung verstärkt hatte, hatte der Muggel-Verkäufer sich daran erinnert, dass der Wagen wie durch Magie unter Mr. Evans Händen angesprungen war; offensichtlich war das Auswischen seiner Erinnerung eher oberflächlich gewesen.) Selbst als sie herausgefunden hatte, dass Mr. Evans ein perfektes, wunderschönes rotes Modell zugunsten einer waldgrünen Rostlaube ausgeschlagen hatte, selbst da war sie nicht sicher gewesen.
Dann war die Spur von Tobias Evans verschwunden. Daher hatte sie den Pickup verfolgt.
Seine Nummernschilder waren in Seattle erneuert worden. Einige Monate später hatte ein Verkauf stattgefunden (und sich in der Folge als exzellentes Täuschungsmanöver herausgestellt), der in San Francisco abgewickelt worden war und das Eigentum auf einen Unbekannten namens Josiah Jones übertragen hatte. Unbekannt, wenn man nicht den Namen des Mannes kannte, dem sie nachjagte. Man konnte den Namen nicht wiedererkennen, aber dessen Rhythmus; die Alliteration konnte wieder seine sein. Josiah Jones. Irgendwie passte es.
Aber selbst dann war sie nicht sicher gewesen.
Nicht einmal zu Beginn des Sommers war sie sicher gewesen, als die Fahndung nach dem grünen Pickup in einem Gartenmarkt in Ben Lomond in Kalifornien endlich einen Treffer gebracht hatte, und der Beamte den Fahrer als groß beschrieb, in den frühen, mittleren Jahren, von knochiger Gestalt mit dunklem Haar, das an den Schläfen Silber zeigte, gekleidet in schwarze Jeans und ein schwarzes T-Shirt.
Oh, sie hatte gehofft. Sie hatten beide gehofft. Seit der Nacht von Rons Totenwache, als Harry gestanden hatte, dass der Leichnam, den er so feierlich in die Große Halle getragen hatte, der eines Greifers gewesen war, den er vorübergehend so verwandelt hatte, dass er dem gefallenen Zaubertränkemeister ähnelte. Natürlich war die Macht des Elderstabs so groß gewesen, dass der Glamourzauber das Begräbnis überdauert hatte, und das Verschwinden des Originals war unbemerkt geblieben. Nur Harry hatte gewusst, dass Professor Snape überlebt hatte.
Ja, seitdem hatte sie gehofft. Aber sie hatte es nicht gewusst. Über den ganzen Sommer, während sie ihre Verschleierung arrangiert, ihren Terminkalender freigemacht und ihre Reise geplant hatte, hatte sie gehofft. Aber sie war nicht sicher gewesen. Bis jetzt. Jetzt? Ihr Instinkt schrie es in ihr.
Er … war … am Leben.
Das Gefühl war für sie fast stark genug, um umzukehren. Schließlich war alles, was sie jemals wollte, dies zu wissen. Aber sie war so weit gekommen, ursprünglich getrieben von Trauer und später von Hoffnung und der Sehnsucht nach etwas, das sie nicht recht definieren konnte. Sie würde den letzten Schritt gehen. Sie würde einen Blick auf den Mann werfen, der ein Held und ein Peiniger bei der ersten großen Aufgabe ihres Lebens gewesen war. Sie würde selbst sehen, dass er tatsächlich seine Hölle überlebt hatte.
In einer hastigen Kehrtwendung drehte sie ihren Mietwagen in den Regen hinein und machte sich wieder auf den Weg zurück. Unter Nutzung ihrer magischen Sinne suchte sie nicht nach der schlecht beschriebenen Straße, sondern einfach nach einem Ort, auf den sie nicht recht schauen wollte. Als sie ihn fand, hätte sie fast gejubelt. Definitiv ein Bemerke-mich-nicht. Grinsend bog sie ab.
Als seine vorbereitenden Pflichten erfüllt waren, stand Severus Snape auf der Dachterrasse seines Hauses und sah zu, wie der Regen das Gesims abwusch. Da alles geschützt war, worum er sich sorgte, fürchtete er den Sturm nicht. Wie die Erde hieß er ihn willkommen.
Er bückte sich, um seine Wanderstiefel aufzuschnüren, und streifte sich Schuhe und Socken von den Füßen. Milo, seine hässliche, aber unbestreitbar liebe Promenadenmischung, sah verächtlich zu, während er seine übrige Kleidung ablegte.
„Kommst du?", fragte Snape ihn und kannte bereits die Antwort. „Du weißt, dass du den Whirlpool liebst."
Milo mochte den Whirlpool lieben, aber den Regen mochte er sicher nicht. Die Trockenheit war himmlisch für ihn gewesen, und er bedauerte deren Ende sehr. Milo schnüffelte, drehte sich einmal auf der Stelle und drückte dann seine Meinung kristallklar aus, indem er die Fliegengittertür mit der Nase öffnete und ins warme Haus verschwand.
Lachend nahm Severus Snape Haltung an und trat unter der Traufe hervor. Völlig nackt breitete er seine Arme aus und ließ die eisigen Wassernadeln auf seine Haut auftreffen. Diesem Sturm würde er mit Vergnügen begegnen, dachte er. Als das erste Donnergrollen über den Himmel rollte, war sein Lachen rein und echt. Welch ein Vergnügen es war zu leben.
Eine Stunde später tobte der Sturm ernsthaft. Severus' von den Anstrengungen des Tages verspannte Muskeln waren jetzt dank der Fürsorge seines Zedernholzbottichs schmiegsam und locker. Er hatte den Verlust der Wanne aus Mammutbaumholz im vergangenen Jahr bedauert, aber deren strikte Weigerung, Wasser nicht einmal mit magischer Hilfe zu halten, hatte schließlich ihre Stilllegung verursacht. Er lächelte. Dieser Bottich war schon alt gewesen, als er angekommen war, und war das erste Vergnügen, das er sich in seinem neuen Leben zugestanden hatte. Er hatte den Prozess in Gang gesetzt zu lernen, dass er nicht ohne Not leiden musste. Er hatte ihn eines Besseren belehrt statt der falschen Idee, dass ohne Schmerz nichts zu erreichen war. Es war ein simples Konzept, aber in seinem früheren Leben war es ihm völlig fremd gewesen. Seltsam, jetzt darüber nachzudenken. Aber egal. Nun wusste er es. Wenn er ein Glas hätte, würde er es jetzt auf den Mammutbaumholzbottich erheben.
Ein Glas. Das war doch eine Idee. Vage erwog er, seine Lieblingsflasche Single Malt zu sich zu rufen. Aber das war nicht, was er wirklich wollte. In Zeiten wie diesen, wenn der eisige Regen auf seinen Kopf prasselte, und das heiße Wasser seine Muskulatur durchweichte, vermisste er am meisten den scharfen, würzigen Geschmack eines guten Feuerwhiskys. Oh, er könnte ihn selbst destillieren, aber während der heißen Tage mitten im Sommer, wenn das heikle Getränk gebraut werden musste, schien es immer ein Riesenaufwand zu sein. Schließlich sehnte er sich nur bei wirklich kaltem Wetter danach, das es auf seinem Berg schockierend selten gab. In einem Augenblick wie diesem beschloss er jedoch, dass das Vergnügen der Mühe wert wäre. Dieses Jahr würde er für künftige Stürme etwas abfüllen.
Warm und locker und in Gedanken bei den Vorzügen von alternativen Alkoholika war er so entspannt, dass es ihn nicht einmal ärgerte, als ein Trillern durch seine Schutzzauber lief, dem schnell ein paar Scheinwerfer folgten, die sich mühsam ihren Weg seinen heimtückischen und ausgefahrenen privaten Zufahrtsweg hinauf bahnten. Zweifellos ein Nachbar, der ein Problem hatte. Obwohl er älter an Jahren als die meisten in seiner Gemeinde war, bedeutete seine anscheinende Jugend, dass er oft in Bereitschaft war, wann immer Lasten zu tragen, Haustiere zu retten oder technische Katastrophen zu regeln waren. Solche Aufgaben wurden dann mit Geschenken frisch gebackenen Gebäcks oder mit Aufläufen dieser oder jener Art entgolten. Da er nicht an sein Handy gegangen war, war zweifellos jemand gekommen, um persönlich um seine Hilfe zu bitten. Vielleicht gäbe es eine Pastete. Kürbispastete. Das wäre nicht verkehrt. Überhaupt nicht.
Obwohl es keinen Einzigen unter seinen alternden Hippienachbarn gab, der überrascht gewesen wäre, dass er nackt badete, rief er ein Handtuch herbei und wickelte es sich fest um die Hüften. Es schien eine Frage der Höflichkeit … und verschaffte ihm einen Platz, an dem er seinen Zauberstab verstauen konnte für den unwahrscheinlichen Fall, dass er ihn brauchen mochte.
Als er in seiner Auffahrt eintraf, erreichte das Auto sein Ziel. Er hatte absichtlich seine Auffahrt viele Meter von seiner Terrasse entfernt enden lassen. Ankömmlinge zu zwingen, die letzten Meter zu Fuß zu gehen, verschaffte ihm Zeit, die sich nähernde Person zu identifizieren, Zeit, die er oft brauchte, um sich auf eine Interaktion vorzubereiten. Die Mehrheit seiner Nachbarn war wortkarg und respektvoll und machte die zusätzliche Anpassungszeit unnötig. Aber drei von ihnen besaßen ausgeprägte Persönlichkeiten und machten eine Vorbereitung auf ihr Eindringen notwendig. Natürlich war es eine dieser drei, Mrs. Egan, die beste Bäckerin der Meute, daher gab es sicher Wiedergutmachung für ihr Kommen, auch wenn sie ihn endlos erschöpfte.
Aber dies war nicht Mrs. Egans auberginenfarbener Subaru. Tatsächlich erkannte er dieses spezielle Fahrzeug überhaupt nicht. Es war ein neues Modell eines Kleinwagens; ein Mietwagen? Dann ein verirrter Tourist? Der Himmel helfe ihm, bei diesem schlechten Wetter würde er ihn für die Nacht unterbringen müssen. Ärger hob seinen hässlichen Kopf. Dann schwang die Tür auf, und eine kleine, ordentlich gekleidete Frau trat in den Regen. Seine Nasenflügel blähten sich. Nein, nicht Frau. Hexe. Und eine verdammt mächtige obendrein. Aber offensichtlich eine, die ihm nichts Böses wollte, da seine Schutzzauber kaum gezuckt hatten.
Dennoch erregte der Gedanke, dass eine Hexe oder ein Zauberer in sein Allerheiligstes eindrang, in ihm einen Zorn, der lange sein Begleiter gewesen war, aber in letzter Zeit geschlummert hatte.
Fast blind vor Wut drängte er sich heran. Schnell durchquerte er den Abstand zwischen ihnen und drückte die Hexe gegen die Seite ihres Autos. Adrenalin und Zorn durchdrangen ihn, als er die Spitze seines Zauberstabs in das zarte Fleisch ihres Halses bohrte.
„Wer sind Sie?", fragte er rau. „Und was tun Sie hier?"
In einem Wirbel drehte sich die Hexe und führte einen ziemlich spektakulären non-verbalen Zauber aus, der ihn gleichzeitig entwaffnete, seinen ganzen Körper betäubte und ihn gegen die Ausführung non-verbaler Zauber absicherte. Mit minimaler physischer Anstrengung ihrerseits waren die Positionen nun umgekehrt, und er war völlig außer Gefecht gesetzt. Und dann lächelte sie strahlend.
„Hallo, Professor! Ich bin Hermione Weasley. Und ich bin hier, um Sie zu sehen."
