Kapitel 3: Tee (Teil 1)
Er war am Leben, dachte Hermione bei sich, während sie an seinem Küchentisch saß und zusah, wie er Tee bereitete. Lebendig. Götter. Welch ein schönes Wort das war, nicht wahr?
Er war nicht gerade …glücklich darüber, sie zu sehen, das war klar. Das hatte sie auch nicht von ihm erwartet, besonders, weil sie gezwungen gewesen war, ihn in seiner eigenen Auffahrt zu entwaffnen. Irgendwann würde sie wahrscheinlich dafür bezahlen müssen. Aber was sonst hätte sie mit seinem Zauberstab an ihrem Hals tun können? Egal. Er war am Leben. Sie würde mit den Konsequenzen zurechtkommen.
Und nachdem ihre Ankunft geklärt war, hatte seine Einladung, sein Haus zu betreten, nicht gerade vor Herzlichkeit getrieft. Aber es handelte sich hier um den Professor, von dem sie sprach. Was hatte sie erwartet? Violinen? Sie hatte damit gerechnet, dass er darüber verstimmt – oder Schlimmeres – war, entdeckt worden zu sein.
Während sie also nicht überrascht gewesen war, dass die Dinge bis zur Bedrohung mit dem Zauberstab eskaliert waren, hatte eines sie verblüfft … sich selbst vom zornigen, halbnackten und klatschnassen Körper des Professors an ihr Auto gedrückt zu finden. Ihr unbewusst, formte sich ein tiefer Laut in der Kehle. Es passte. Ihr verräterischer Körper, der seit dem Tod ihres Mannes vor drei Jahren geschlafwandelt hatte, war beim Kontakt mit der hageren, muskulösen Gestalt des Professors in sofortiger, lüsterner Hab-Acht-Stellung angesprungen. Momentan fand sie dies bestenfalls verwirrend und überaus unpassend.
Selbst jetzt, da er in Jeans (hatte sich sein Hintern positiv verändert, oder war er immer unter all seinem Hogwarts-Gebausche so knackig gewesen?) und einem weißen Button-down-Hemd, das bis zu den Ellenbogen aufgeschlagen war, voll bekleidet vor ihr stand und sich anscheinend ausschließlich auf das Ritual der korrekten Teebereitung konzentrierte, fühlte sie sich noch auf absurde Weise erregt. Angesichts der Art ihrer Gefühle für ihn, die sie bereits in Hogwarts gehegt hatte, hätte sie vielleicht voraussehen sollen, dass sie ihn … attraktiv finden würde. Aber dieser Teil von ihr war seit Rons Tod so still gewesen. Ihr Pech, wenn er jetzt wieder zum Leben erwachte. Verdammter Mist.
Severus Snape wandte sich mit seinem Tablett um und sah Hermione direkt in die Augen. Sofort senkte sie ihren Blick; sie wusste, er war ein fähiger Legilimentiker … am besten hielt sie ihre schlüpfrigen Gedanken ordentlich okkludiert.
Er stellte ein farbenfrohes Tablett auf den Tisch vor ihr. Eine Seladon-Teekanne. Zwei handgetöpferte Becher mit türkisfarbener Lasur. Zwei Sorten anscheinend selbstgebackener Kekse auf einem Teller in der Farbe frisch umgegrabener Erde. Dicke Sahne in einem sonnengelben Kännchen. Ein kleines, orangefarbenes Schälchen mit Zuckerstücken. Und eine simple Kristallkaraffe mit Whisky, die im Feuerschein funkelte. Eine elfenbeinfarbene Schüssel, die dicke Dattelpflaumenstücke enthielt. Nichts passte zusammen, aber jedes Teil auf dem Tablett war schön und von Hand gut hergestellt. Zusammen ergaben sie den ästhetisch erfreulichsten, wenn auch informellen Tee, der ihr je serviert worden war.
„Das ist so hübsch!", rief sie aus.
Er zuckte träge mit den Schultern und grummelte. „Ich habe Maßstäbe, selbst für ungebetene Gäste. Wie nehmen Sie ihn?"
Er gab sich keine Mühe, die Feindseligkeit in seiner Stimme zu verschleiern. Es ärgerte ihn noch immer, dass sie ihn überwältigt hatte. Es war nicht die Tatsache, dass sie in der Lage gewesen war, ihn zu überwältigen, sondern die Tatsache, dass es überhaupt jemandem gelungen war. Er schloss, dass sie offensichtlich deutlich fähiger geworden war als zuvor. Diese Ganzkörperklammer, ausgeführt mit dem nonverbalen Schutzzauber, war in der Tat raffiniert, aber dennoch war es ein Zeichen, dass er tatsächlich zugelassen hatte, dass er tatsächlich seiner Aufmerksamkeit hier an seinem Rückzugsort zu erlahmen gestattet hatte. Er hatte es angenommen, aber den Beweis dafür auf diese Art zu bekommen? Unentschuldbar. Allein ihr Erscheinen hier war Zeugnis genug, dass seine Einsatzbereitschaft aufrechterhalten bleiben musste. Die magische Welt, die er jahrzehntelang so erfolgreich gemieden hatte, konnte jeden Moment auf seinem Berg landen und ihn in ihren Morast und ihre kurzsichtige Dummheit zurückzerren. Bei dem Gedanken verkrampfte sich sein Gesicht.
Derweil hatte die Hexe die Dreistigkeit, ihn mit solcher … Zuneigung zu betrachten. Sie war so verdammt glücklich darüber, an seinem Tisch zu sitzen und auf ihren Tee zu warten. Nun, sie würde nicht lange glücklich bleiben, oder?
„Bitte mit Sahne, zwei Stücke Zucker", sagte sie.
Seine Antwort kam ohne jede Regung. „Zwei? Widerlich. Irisch?"
Die Hexe sah mit einem Ausdruck auf die Whiskyflasche, der an Sehnsucht grenzte. „Oh, nun, ja, ich schätze, ich werde heute Abend nicht mehr fahren ..."
Er schnaubte. „Wie ich gesagt habe, wenn es zweckdienlich ist, dürfen Sie mein Gästezimmer benutzen … nur für diese eine Nacht."
Wieder dieses teuflische Lächeln. „Dann nehme ich an."
Mit geschickter Hand schenkte er ein und setzte ihren Becher vor ihr ab. Er sah zu, wie sie einen schnellen, aber gründlichen Scan des Inhalts ihrer Tasse durchführte. Er grinste, und seine Stimmung hob sich angesichts ihres Unbehagens.
Sie zuckte zusammen. „Es tut mir leid. Ich weiß, es ist unhöflich, aber ich bin jetzt seit zwanzig Jahren Auror. Ich bin ziemlich unfähig, irgendetwas zu verzehren, was ich nicht überprüft habe." Sie hielt inne und legte den Kopf zur Seite. „Ich würde wetten, Sie überprüfen ebenfalls immer noch alles, was Sie nicht selbst zubereitet haben."
Er nickte mit einem rätselhaften Ausdruck auf dem Gesicht und wies auf ihre Tasse. „Sei es, wie es will, Sie werden dort nichts finden."
„Nein, offensichtlich nicht. Danke für den Tee und dafür, dass Sie nichts hineingetan haben. Nach meinem plötzlichen Auftauchen war dies sicher … verlockend."
„In der Tat. Ich habe nichts dagegen, dass Sie Ihre Tasse überprüfen." Er nickte ihr zu, trank einen großen Schluck aus seiner Tasse und wies auf ihre. „Dass Sie überhaupt hier sind? Dagegen habe ich etwas."
Sie seufzte. „Das kann ich verstehen. Und es tut mir leid. Falls Sie das interessiert."
Er verzichtete darauf, die Augen zu verdrehen, und beschloss, dass es Zeit war, höchste Zeit, ein echtes Gespräch zu beginnen. „Also, da ich jetzt meine Pflicht als Gastgeber erfüllt habe, dürfen Sie Ihre Pflicht als Gast tun. Tun Sie mir den Gefallen und erzählen Sie mir die Geschichte Ihrer Reise. Insbesondere möchte ich wissen, wieso Sie hier sind."
Bereitwillig nickte die Hexe, ihm davon zu erzählen und nahm schließlich vorsichtig einen Schluck von ihrem Tee. Er war heiß und wohlschmeckend und schien ihre Knochen zu wärmen. „Oh, der ist wirklich köstlich. Wow. Okay. Wie ich hierher gekommen bin … Also, woher ich wusste, dass Sie am Leben sein und ich nach Ihnen suchen könnte? Die erste Spur fand ich am Wechselschalter für ausländische Währungen. Ich ließ einen Kollegen in den Wochen nach der finalen Schlacht nachsehen. Geldwechsel von Galleonen in Dollars sind ziemlich selten. Und der Name, nun, er fiel auf."
Gedankenvoll nippte er an seinem Becher. „Also folgten Sie Tobias Evans. Und als er verschwand?"
„Folgte ich dem Pickup."
Er verzog das Gesicht. „Ich wusste, ihn zu behalten, war ein Risiko. Das wird mich lehren, sentimental zu sein."
„Sie waren wegen eines Pickups sentimental?"
„Mrs. Weasley, es gab in meinem Leben sehr wenige Dinge, die mir so viel Freiheit wie dieser Pickup verschafften." Er sah auf seine Uhr hinab. Und sah sie betont an. „Gefühle verschleiern das Urteilsvermögen selbst der Besten unter uns."
„Das stimmt." Reuevoll lächelte sie und trank ein wenig mehr aus ihrer Tasse. „Ist es wirklich so schlimm, dass ich sie gefunden habe?"
Er schnaubte. „Das, Mrs. Weasley, bleibt abzuwarten. Sie haben sich für den Weg auf den Berg eine höllische Nacht ausgesucht."
Sie sah in den Regen hinaus, der gegen das Fenster schlug. „Das habe ich sicher. Das ist ein richtiger Sturm. Und das war ein ziemliches Willkommen, das sie mir entgegengebracht haben."
„Sich an einen Slytherin heranschleichen? Sie hatten in der Tat Glück, dass ich … entspannt war. Andernfalls wären Sie tot gewesen, ehe Sie hätten reagieren können."
Sie schnaubte. „An Sie heranschleichen? In meinem Mietauto ohne Schutzzauber? Bitte. Ich habe Ihre Banne eine halbe Meile unterhalb der Zufahrt gespürt. Sie müssen gewusst haben, dass ich komme."
„Ich nahm an, sie seien ein Nachbar."
„In diesem Sturm?"
Er zuckte mit den Achseln, eine elegante Bewegung, die sein Hemd am Hals aufklaffen ließ. Hermione tat ihr Bestes, um ihre unfreiwillige Reaktion auf den flüchtigen Anblick von Haut beiseite zu schieben. Beruhige dich, Mädchen. Sie benahm sich absurd. Bei ihrer Ankunft hatte sie bereits mehr gesehen als dieses kleine, nackte Dreieck. Und es war sehr sehenswert gewesen, meldete ihr verräterisches Hirn.
„Nun, dann danke, dass Sie mich nicht umgebracht haben. Oder es jedenfalls nicht versucht haben." Sie kniff die Augen zusammen. „Ich bin nicht so leicht zu töten wie Sie glauben. Nicht mehr. Ich war vollständig geschützt, sogar in dem Moment, als Ihr Zauberstab sich in meine Halsader gebohrt hat. Er hält nicht lange, aber es ist ein hübscher kleiner Schutzzauber, an dem ich in den letzten vier Jahren gearbeitet habe. Ich zeige ihn Ihnen, wenn Sie möchten. Natürlich als ein Dankeschön dafür, dass Sie mich den Sturm in Ihrem Haus abwarten lassen."
Erneut zuckte er mit den Achseln, auch wenn seine Neugier geweckt war. Er sah wieder auf die Uhr. Dieses Mal lächelte er. „Ich werde nicht sagen, dass es mir ein Vergnügen ist, denn Sie wissen, dass dies nicht stimmt. Aber Ihnen vorübergehend Obdach zu gewähren, bringt mir keine große Unannehmlichkeit. Sagen Sie mir also, Mrs. Weasley, weshalb haben Sie mich gesucht?"
„Ich musste wissen, ob Sie wirklich am Leben sind oder nicht. Schauen Sie immer so zwanghaft auf die Uhr?"
„Nur, wenn ich etwas zeitlich abstimme. Also war es Neugier, die Sie dazu getrieben hat, mich zu suchen? Einfach so?"
Sie schnaubte. „Ich würde Sie fragen, was Sie zeitlich abstimmen, aber ich bin sicher, Sie hätten es mir erzählt, wenn Sie das wollten." Sie wartete auf Bestätigung. Als keine kam, seufzte sie. „Was meine Neugier betrifft, würde ich sie nicht einfach nennen. Ich habe vier Jahre wie besessen damit zugebracht, nach Ihnen zu forschen und Ihren Weg nachzuvollziehen."
Er schwang eine Augenbraue nach oben. „Besessen?"
Sie runzelte die Stirn und überprüfte noch einmal den Inhalt ihrer Tasse. Offensichtlich hatte sie das nicht sagen wollen. Doch trotz ihres offenkundigen Unbehagens beantwortete sie seine Frage.
„Ja, besessen. Nach Rons Tod waren Sie das Einzige, woran ich außer der Arbeit Interesse hatte. Nichts anderes zählte. Das normale Leben war grau und endlos, und daran zu denken, Sie zu finden, war meine einzige Motivation, morgens aufzustehen." Erneut runzelte sie die Stirn, dann hob sie ihre scharfen bernsteinfarbenen Augen zu seinen. „Und sehe ich es richtig, dass sich in meinem Tee eine Variante von Veritaserum befindet?"
Über seine habichtsartigen Züge glitt ein animalisches Lächeln. „Wieder einmal untersucht ihr großartiger Intellekt die Beweise und gelangt zu einem falschen Schluss. Wäre es Veritaserum in irgendeiner seiner Formen, hätte Ihr Scan den Trank entdeckt. Ihr Tee wurde jedoch … verstärkt. Ich versichere Ihnen, da der Trank meine eigene Kreation ist, ist er nicht nur weitaus subtiler, sondern dem Original auch bei weitem überlegen. Nicht aufspürbar, länger anhaltend und mit weniger Nebenwirkungen."
Sie stieß den Atem aus und murmelte etwas wie zu sich selbst. „Ich weiß nicht, weshalb ich überrascht bin. Ich habe Ihr Leben ohne Vorwarnung gestört. Natürlich würden Sie mir Fragen stellen und die Aufrichtigkeit der Antworten wissen wollen. Meine Fehleinschätzung." Mit ausdruckslosen Augen sah sie auf. „Ich hatte mich daran gewöhnt, an Sie als einen Verbündeten zu denken, jemanden, der vertrauenswürdig ist."
Sein Lächeln veränderte sich und wurde sowohl grimmig als auch seltsam unwiderstehlich. „Und da ist ihr zweiter Irrtum. Sie können mir nur so weit trauen, Mrs. Weasley, wie Ihre Interessen nicht im Gegensatz zu meinen stehen. Ich bin damit durch, mein Leben nach den Bedürfnissen anderer zu leben. In diesem Fall … nun, ich muss feststellen, was diese Interessen sein könnten."
„Und wenn ich dieses Haus jetzt verlasse und in mein Auto steige?"
Unverbindlich zuckte er mit den Schultern. „Ich werde Sie nicht aufhalten." Er beugte sich zu ihr, sein Gesicht ganz verlockende Intensität und scharfe Linien. „Aber Sie werden nicht gehen. Sie sind auf mich mindestens genauso neugierig, wenn nicht neugieriger, wie ich es Ihrer Motivation wegen bin. Also, Verbündete, ich werde bemüht sein, Ihre Fragen zu beantworten, im Gegenzug zu meinen, die Sie beantworten."
„Und woher weiß ich, dass Sie die Wahrheit sagen?"
Sein grimmiges Lächeln kam wieder zum Vorschein. „Sie werden mir vertrauen müssen."
Hermione fuhr sich mit der rechten Hand durch das Haar in dem Wissen, dass ihr Glättungszauber versagte und ihr Haar in seine üblichere Wolke aus Locken verwandelte. Sie sackte in ihren Sessel zurück. „Fein."
„Ah", sagte er und nahm einen Schluck von seinem Tee. „Das ist besser. Ohne Ihren Nimbus sehen Sie sich gar nicht ähnlich."
„Mein Nimbus?"
„Als ich Sie unterrichtet habe, dachte ich immer an das Haarnest als einen Nimbus um Ihren Kopf. Es war das Einzige, was ich an Ihnen als Teenagerstreberin tatsächlich mochte."
„Sie mochten mein Haar? Meinen Sie das ernst?"
Er grinste. „Sie werden sich einfach fragen müssen, ob ich es ernst meine oder nicht. Aber damit bin ich an der Reihe für eine Frage. Sagen Sie mir, oh Aurorin mit dem magisch geglätteten Haar, was hat Ihre selbsterklärte Besessenheit, mich zu finden, angetrieben?"
Sie seufzte. „Fein. Ich werde Ihnen erzählen, was Sie wissen wollen. Ab dem zweiten Schuljahr habe ich an Sie geglaubt, habe geglaubt, dass Sie auf unserer Seite waren. Die ganze Zeit bis zu Dumbledores Tod sagte mir mein Bauch, dass Sie zu uns gehörten. Und dann schwankte ich angesichts der Beweise … obwohl selbst dann etwas in mir es wusste. Ich hatte ein Bauchgefühl. Und dann fand ich die Wahrheit heraus, und was Sie durchgemacht haben … es war alles so unfair. Ich fühlte mich so sehr …"
„Die Götter mögen mich vor Gryffindorschuldgefühlen bewahren. Es ist erstaunlich, dass überhaupt jemand von Ihnen durch's Leben kommt mit Ihrer Neigung, genau zu tun, was Sie wollen und sich dann anschließend schuldig zu fühlen. Was noch?"
Hermione wand sich. „Nun, Sie waren brillant, so offensichtlich brillant – ich meine, schauen Sie sich dieses Serum an, das Sie mir gegeben haben, es ist erstaunlich. Und ich habe immer auf Brillanz reagiert …"
„Hmmm. Ja, Sie schon. Was noch? Es gibt noch etwas, denn Ihre Fußbewegungen zeigen mir, dass Sie ein ablenkendes Verschleierungsmanöver zu nutzen versuchen, um sich selbst davon abzuhalten, an etwas zu denken, was Sie lieber nicht sagen möchten. Dieses Serum wird das nicht lange zulassen. Ein weiterer seiner Vorteile gegenüber seinem Vorläufer. Am besten spucken Sie es aus, was immer Sie nicht zu artikulieren versuchen, ehe Sie sich selbst in eine Lähmung manövrieren."
Hermione schaute finster drein. „Sie sind ein Bastard."
Er machte ein missbilligendes Geräusch und amüsierte sich jetzt köstlich. „Präzision, bitte, Mrs. Weasley. Meine Eltern, so kläglich sie waren, waren tatsächlich verheiratet, ehe sie mich produziert haben. Welche andere Motivation hatten Sie, um mich zu finden?"
„Ich hatte … Gefühle."
„Ah. Gefühle. Jetzt kommen wir auf den Punkt. Welche Art Gefühle hatten Sie für mich?"
Das Geräusch, das er hörte, war Hermiones Zähneknirschen. Anziehung."
„Welche Art der Anziehung?"
„Stellen Sie sich nicht dumm. Ich war ein Kind, Sie waren mein Lehrer. Es war eine Schwärmerei."
„Eine rein platonische Schwärmerei, oder?"
„Ja, als ich klein war."
„Und als Sie älter waren?"
Sie schaute ihn böse an und verkrampfte sich.
„Kommen Sie schon, Mrs. Weasley, Sie sollten nicht all die gute kieferorthopädische Arbeit Ihrer Eltern zunichte machen. Das Serum, das ich Ihnen gegeben habe, wird eine Vermeidung nicht zulassen. Im Gegensatz zu Veritaserum werden Sie mir erzählen, was ich wissen will, egal, wie lange sie es hinauszögern. Ich kann es in Ihnen bereits blubbern sehen … Also. Welche Art Anziehung empfanden Sie für mich, als sie älter waren?"
Sie seufzte, beugte ihren Kopf hinab und murmelte in ihren Arm.
Er hob ihren Kopf an. Sie bemerkte, dass seine Hand warm war und angenehm nach Regen roch. „Ah, ja, Aurorentechnik Nummer 3 von 7 zur Vermeidung von Veritaserum. Ich versichere Ihnen, unhörbar zu sprechen, wird auch nicht funktionieren. Es war jedoch ein netter Versuch. Und ehe sie sie ausprobieren, auch die Techniken 4–7 werden nicht klappen. Daher können Sie genauso gut fortfahren und es ausspucken. In Kürze werden Sie sich gezwungen fühlen, sich zu wiederholen, bis ich es hören kann."
„Ich sagte, sexuelle Anziehung, Sie Arschloch." Kapitulierend warf sie die Hände in die Luft. „Ich hatte Träume von Ihnen, okay? Ich wollte Sie. Ehe ich wusste, was zu wollen überhaupt bedeutet."
Er lächelte. „Na also. Das war nicht so schwer, oder? Sie berichten über die Gefühle während Ihrer frühen Nach-Pubertät für eine Autoritätsperson, was nicht ungewöhnlich ist, glauben Sie mir. Es verging kaum ein Jahr, in dem mir nicht die eine oder andere Unschuldige ihre Jungfräulichkeit auf einem Silbertablett anbot. Widerlich." Er schauderte und legte sich dramatisch eine Hand an die Stirn. „Das Trauma bleibt zurück."
Er griff hinüber, schälte ihre verkrampften Finger von ihrer Tasse und machte Anstalten, sie erneut zu füllen.
Sie grummelte. „Wenn Sie es so traumatisch fanden, verstehe ich nicht, warum Sie mich so sehr drängen mussten, es auszusprechen."
„Ich interessiere mich für Ihre Motive, Mrs. Weasley, das ist alles. Und Ihr Unbehagen … beschwichtigt meine gestörte Privatsphäre."
Sie stieß ein unfreiwilliges Lachen aus. „Nun, das ist ehrlich. Sie legitimer Bastard."
Ohne es ihr übel zu nehmen, zuckte er mit den Schultern, aber seine Lippen schienen sich leicht nach oben zu verziehen.
„Okay", sagte sie, entschlossen, an dem Spiel Anteil zu haben. „Jetzt bin ich dran."
Er mochte die Art, wie ihre Augen schmaler wurden, als sie die Position des Fragestellers übernahm.
„In Ordnung."
„Wie in aller Welt haben Sie diese Nacht überlebt?"
„Wenn Sie von meiner spektakulären Nahtoderfahrung im Bootshaus reden … Ich hatte mich lange zuvor gegen Naginis Gift immunisiert."
„Das dachte ich mir. Aber der Blutverlust. Er war …"
„Spektakulär, ja? Glücklicherweise war meine Halsschlagader nur verletzt, nicht komplett durchtrennt, sonst wäre ich ohne Chance auf Heilung gestorben. Es war knapp genug, wie es lief. Blutverlust ist eine recht verführerische Art zu sterben. Ich überlegte einen Moment lang, mein Bewusstsein in diesem Blutstrom davongleiten zu lassen. Aber dann änderte ich meine Meinung und beschloss, dass ich schließlich doch leben wollte. Mit dem Zauberstab in der Hand konnte ich die Blutung stillen, und ich besaß gerade noch genug Kraft, ein Blutbildungsserum aus meinen Vorräten herzurufen."
Einen Augenblick saßen sie still, während sie das enorme Ausmaß seiner Erfahrung in ihr Bewusstsein einsickern ließ. Dass er überhaupt hatte überleben können, war nicht nur monumentaler Beweis seiner Fähigkeiten als Tränkebrauer und der Größe seiner magischen Reserven, sondern auch seines hartnäckigen Willens. Kein Wunder, dass sie den bissigen Idioten immer bewundert hatte.
„Und jetzt, glaube ich, ist es Zeit, sich wieder Ihnen zuzuwenden, liebe Mrs. Weasley."
„Ich Glückspilz."
„In der Tat. Da wir jetzt Ihre Motive, mich zu finden, festgestellt haben, lassen Sie uns Ihre weiteren Absichten diskutieren. Wen haben Sie vor, über meinen Aufenthaltsort zu unterrichten?"
„Harry natürlich."
„Natürlich würden Sie das der bebrillten Landplage erzählen. Weiß er, dass Sie hier sind?"
„Er weiß, dass ich nach Kalifornien gereist bin, um Sie zu finden. Die Einzelheiten zum 'Wo' habe ich selbst gerade erst herausgefunden."
„Und wen planen Sie sonst noch über meine Existenz zu informieren?"
Hermione blinzelte. „Niemanden. Ich nehme an, wenn Sie wollten, dass die Leute wüssten, wo Sie sich aufhalten, oder auch nur, dass Sie am Leben sind, hätten Sie das selbst getan. Ich habe kein Interesse daran, Sie auffliegen zu lassen."
Daraufhin hielt er inne. Dies war … unerwartet."
„Und Ihre Vorgesetzten bei der Arbeit?"
„Offiziell fahnde ich nach einem Ring, der mit gepanschten Zaubertrankzutaten handelt, was ich anschließend tun werde."
„Ah, ja, Yu Ming."
„Yu Ming? Ich hatte Eastwind Imports im Visier."
„Dann schauen Sie am falschen Platz, das versichere ich Ihnen. Ich habe bei beiden Unternehmen eingekauft und festgestellt, dass Eastwind sich innerhalb akzeptabler Standards bewegt, während Yu Ming dies nicht tut. Absichtlich, möchte ich hinzufügen."
„Nun, das ist ziemlich verachtenswert."
„Das ist es. Ich hatte kurz erwogen, die ganze Organisation selbst niederzubrennen, natürlich aus prinzipiellen Erwägungen, aber ich habe mich zurückgehalten. Ich werde die Gesetzesvollstreckung denen überlassen, die die Gesetze machen."
„Danke dafür, denke ich. Ich werde das überprüfen, wenn ich hier weg bin."
„Bitte tun Sie das. Einige ihrer Schadstoffe könnten in den falschen Händen tödlich sein. Jetzt zurück zu meiner Zukunft, was ist mit all den Leuten, die Sie eingesetzt haben, um mich zu finden?"
„Was ist mit ihnen?"
„Ist es wahrscheinlich, dass sie hier anklopfen?"
„Nein. Ich habe nie jemanden genau wissen lassen, nach wem ich suche. Einigen Leuten habe ich zu Anfang Fotos gezeigt, aber die Erinnerung daran ausgelöscht."
Er spürte, wie ihm ein weiterer Stein vom Herzen fiel. Dann würde es keine Flut unerwünschter Besucher geben. Etwas entspannter konnte er sich auf seinem Stuhl zurücklehnen, und er musterte die Frau vor sich. Er hatte nicht gelogen, als er gesagt hatte, dass ihm ihr chaotisches Haar immer gefallen hatte. Als Kind war sie ein schmächtig aussehendes Ding gewesen, obwohl die zähe Kraft, die sie in der Zeit an Potters Seite gezeigt hatte, dieses Erscheinungsbild Lügen gestraft hatte. Damals hatte er dies an ihr durchaus bewundert. Jetzt erkannte er, dass er sie nun anders wahrnahm, obgleich sich ihre Züge nur sehr wenig verändert hatten. Ihrer beider physische, streitlustige Wiederbegegnung führte dazu, dass er sie trotz ihres Körperbaus nicht als schmächtig betrachten konnte. Stattdessen sah er sie als feminin, aber stark, eine Kombination, für die er immer eine Schwäche gehabt hatte.
Natürlich war sie zu dünn, und unter ihren Augen lagen violette Schatten, als sei ein Hunger in ihr, der zu lange nicht befriedigt worden war. Aber statt sein Interesse zu mindern, weckte dieser Hauch von Verletzlichkeit in ihm den Wunsch, für sie zu … sorgen. Auf mehr als eine Art. Interessant.
Ein Blitz schlug in der Nähe ein, und sie versanken in relativer Dunkelheit. Snape seufzte, und einen Augenblick später setzte im Hintergrund das summende Geräusch eines Generators ein.
„Werden die Lichter wieder angehen?"
„Erst, wenn der Strom wiederhergestellt ist. Der Generator versorgt nur die Klimaanlage, den Kühlschrank und den Whirlpool. Ich fühle mich in der Dunkelheit wohl. Aber hier", sagte er und schwenkte seinen Zauberstab in einem Halbkreis. Kerzen, die hier und da im Raum verteilt waren, entzündeten sich.
Obwohl sie den Raum praktisch genauso hell erleuchteten wie die Glühbirnen, schienen die Kerzen den Sturm näher zu bringen, sodass Hermione sich plötzlich des prasselnden Regens auf andere Art als zuvor bewusst wurde.
„Danke", sagte sie, auch wenn sie sich nicht sicher war, ob die fragliche Lösung nur ihrem Wohl diente. Außer, dass sie den Sturm näher hereinbrachten, schienen die Kerzen den Abstand zwischen ihr und ihrem Gefährten zu verringern. Nein. Vernehmer.
Mit einem seltsamen Ausdruck von Intensität auf dem Gesicht schob er ihr den Teller Kekse über den Tisch zu, als sei es ihm wichtig, dass sie einen nahm. Wahrscheinlich hatte er ihnen irgendetwas beigemischt.
Hermione zuckte mit den Schultern, nahm einen und schob das ganze Stück in ihren Mund. Es war üppig, knusprig und köstlich. Für einen Moment schloss sie die Augen, kaute und schluckte.
Sie öffnete die Augen und griff nach einem weiteren.
Wer A sagt …
