Inhalt: Adventskalender-FF über das Leben von Andromeda Tonks, geborene Black. Andromeda Blacks Leben verlief oft nicht wie geplant. Als Tochter einer reinblütigen Familie wird sie verstoßen, als sie sich in den muggelstämmigen Ted Tonks verliebt. In beiden Kriegen tut sie, was sie kann, um ihre eigene Familie zu retten, was nicht so einfach ist mit einer wahnsinnigen Schwester, die ihnen allen nach dem Leben trachtet. Und nachdem endlich alles vorbei ist, wie wird sie mit den vielen Verlusten und einem neuen Enkel fertig? Ganz zu schweigen von ihrer Schwester Narcissa, die nach Jahrzehnten beschlossen hat, sie nicht mehr zu ignorieren, denn Familie ist schließlich das wichtigste.

Titel: Andromeda – Ist Blut wirklich dicker als Wasser?

Autor: ChrissiTine

Disclaimer: Alle Potter- und Weasley-Kinder gehören J.K. Rowling, selbst wenn die meisten nur in Interviews erwähnt worden sind. Alle Ehepartner und Freunde der nächsten Generation sind allerdings meine eigenen Erfindungen.

A/N: Die FF gehört in mein 10-kleine-Dinge-Universum, kann aber problemlos auch separat gelesen werden. Kein Bezug zu The Cursed Child.

Letztes Jahr hatte ich gesagt, dass der damalige Adventskalender wahrscheinlich der letzte sein würde, aber da ich eine relativ inspirierende Idee hatte, kommt ihr dieses Jahr doch wieder in den Genuss einer neuen FF.

Diese Geschichte ist unter anderem ein Resultat der Serie The Handmaid's Tale (Der Report der Magd), die ich mir im Sommer aus der Bibliothek ausgeliehen und vollständig geschaut habe (nicht unbedingt leichte Kost, gerade in der jetzigen Zeit, aber interessant und hat zumindest mich zum Nachdenken und Schreiben angeregt). Außerdem ist diese FF ein Resultat der Pandemie und den damit verbundenen Lockdowns und der allgemeinen Situation (vor allem, aber nicht nur in den USA). Ich war selbst erstaunt, wie viel davon unbewusst in diese Geschichte eingeflossen ist.

Ganz besonders ist diese FF aber ein Resultat von euch, die letztes Jahr meinen Adventskalender gelesen haben und mehr über Andromeda und Narcissa lesen wollten. Vor dieser Szene hatte ich mir über die beiden ehrlich gesagt wenig Gedanken gemacht, aber die Idee hat mir gefallen und ich dachte, ich könnte vielleicht einen etwas längeren One Shot mit einigen ihrer Gespräche im Laufe der Zeit schreiben. Doch um zu verstehen, wie diese beiden nach all den Jahren und Kriegen und toten Familienmitgliedern zueinanderstanden, musste ich erst verstehen, wie sie als Kinder miteinander umgegangen sind und wie sich ihre Dynamik ändern würde. Das wurde zu einem kurzen Überblick über Andromedas Kindheit und Zeit in Hogwarts und ehe ich's mich versah, hatte ich 20.000 Wörter und ganze Szenen geschrieben. Und dann habe ich einen Haufen geschrieben über die Zeit, in der die Bücher spielen und dann war ich schon so weit, dass ich einfach weiter über die Zeit danach geschrieben habe.

Ich habe das Gefühl, dass die Kapitel, die während der HP-Bücher spielen, etwas klarer in ihrer Handlung sind, weil ich mehr oder weniger dem Plot gefolgt bin (es kann sein, dass einige Details nicht übereinstimmen, es ist schon Jahre her, dass ich die Bücher gelesen habe, und ich habe zur Auffrischung nur einige Szenen nachgelesen) aber hinterher nur meiner Timeline aus dem 10-kleine-Dinge-Universum. Es gibt einige Zeitspannen nach den Büchern, die sind in meinem Kopf sehr ausgearbeitet, weil ich einige Geschichten in der Zeit veranschlagt habe, aber andere sind ein sehr luftleerer Raum gewesen, den ich manchmal etwas gefüllt habe und manchmal nicht. (Es kann auch gut sein, dass mit meinen eigenen Geschichten nicht alle Details übereinstimmen, ich schreibe seit 10 Jahre für dieses Universum und kann mich leider schon längst nicht mehr an jedes Detail erinnern.)

Ähnlich wie bei Dudley auch hat es mir sehr viel Freude bereitet, für Andromeda zu schreiben und eine andere Perspektive auf die Bücher zu werfen, besonders, weil ich sonst meistens nur noch in der nächsten Generation unterwegs bin. Und Andromeda hat so viele Beziehungen zu Charakteren und Geschichten, die Harry nur am Rande gestreift hat. Es hat mich besonders gefreut, Sirius mal wieder zu schreiben, vor der nächsten Generation war er einer meiner Lieblinge. Mit Tonks und Lupin hatte ich so meine Probleme, zur Zeit des sechsten Buchs hab ich die beiden sehr gemocht, aber was das siebte aus ihnen gemacht hat, nur damit im Endeffekt am Ende der Geschichte ein neues Waisenkind da sein konnte, das Harrys Geschichte wiederspiegelt … nun ja. Ich hab mein bestes gegeben, diese Zeit realistisch zu entwickeln und Remus' Handlungen zu erklären, mit denen ich ehrlich gesagt nie wirklich warm geworden bin. Ob mir das geglückt ist, könnt ihr ja dann beurteilen.

Soweit ich das mitbekommen habe, spielt Bellatrix eine größere Rolle in The Cursed Child (möglicher Spoiler: *und hat anscheinend sogar ein Kind von Voldemort bekommen?*), aber da ich das Stück nie gelesen habe, halte ich mich an ihr Schicksal im Buch und werde auch sonst keinen Bezug auf das Stück nehmen.

Im Laufe dieser Geschichte wird es viele Anspielungen auf meine früheren Geschichten geben, aber sie sollte ohne Probleme ohne jegliches Wissen über diese FFs gelesen werden können. Für alle Interessierten werde ich immer am Ende des Kapitels vermerken, auf welche Geschichten Bezug genommen wird, sollte Interesse daran bestehen sie (noch einmal) zu lesen.

So, das wäre so ziemlich alles. Abgesehen davon – ich hab die Kapitel bisher auch immer in meinem Livejournal für dieses Universum gepostet, aber ich komme leider nicht mehr in meinen Account rein, deshalb wird sie es dort dieses Jahr leider nicht mehr zu lesen geben.

Dann wünsche ich trotz Pandemie und allem, was sie so mit sich bringt, eine schöne Vorweihnachtszeit und hoffe, dass euch die Geschichte gefällt und ablenkt. Trotz relativ düsterer Inspirationen würde ich nicht sagen, dass sie zu düster ist, auch wenn der Tod vielleicht eine größere Rolle spielt als sonst. (Aber ich bringe niemanden um, der nicht schon in den Büchern gestorben ist, also gibt es in die Richtung zumindest keine Überraschungen.) Besonders der letzte Abschnitt ist positiv und hoffnungsvoll und im Großen und Ganzen hat mir das Schreiben viel Spaß gemacht.

Viel Freude beim Lesen und bleibt gesund, und ich würde mich wie immer sehr über eure Kommentare freuen!


1. Dezember: Das fürnehme und gar alte Haus der Blacks

Familie, dachte Andromeda Tonks, als sie dabei zuschaute, wie Rose Weasley zu Scorpius' Malfoy an den Altar schritt, war schon etwas sehr merkwürdiges. Nie hätte sie es für möglich gehalten, heute hier zu sein und ihrem Großneffen dabei zuzusehen, wie er die Tochter von Muggeln und Blutsverrätern heiratete. Andromedas Eltern hätten sich im Grab umgedreht.

Einfach herrlich!

Andromeda wusste, dass die Zauberwelt davon überzeugt war, dass sie ihre ursprüngliche Familie, die Blacks, bis aufs Blut verabscheute. Dabei war das eigentlich nie der Fall gewesen. Sicher, ihre Eltern waren nicht gerade liebevoll und zärtlich gewesen, aber Andromeda hatte dennoch nie daran gezweifelt, dass ihre Eltern sie und ihre Schwestern geliebt hatten. Ihre Mutter hatte ihnen zwar immer subtile Vorhaltungen gemacht, dass sie alle Mädchen waren, und keiner von ihnen eine anständige Erbin sein konnte, die den ehrenvollen Namen Black weiterführen würde, aber dafür gab es ja schließlich Sirius und Regulus, den ganzen Stolz der ehrwürdigen Familie Black. Und keine von ihnen konnte schließlich etwas dafür, dass sie ein Mädchen geworden war, das war nur die Schuld ihres Vaters. Ihm war es immer egal gewesen, dass er nur Töchter hatte, es gab schließlich genug Reinblüter, die sie ohne Wenn und Aber heiraten würden. Die Black-Schwestern waren immerhin der größte Fang der Zauberwelt. Aus gutem Hause, reich, und - was am wichtigsten war - mit einer tadellosen Blutlinie, die sich über hunderte von Jahren zurückverfolgen ließ.

Andromeda war das immer relativ egal gewesen. Sie war sich ihres Status' bewusst gewesen, natürlich, und es war schon irgendwo schmeichelhaft, wie ehrfurchtsvoll Hausgäste waren, denn niemand, und das wussten sie alle, konnte den Blacks das Wasser reichen, aber es war auch nicht ihr Lebensmittelpunkt.

Ihre kleine Schwester Narcissa hatte schon als kleines Mädchen den Stammbaum der Familie bis ins kleinste Detail auswendig gekonnt. Manchmal, wenn Andromeda langweilig gewesen war, hatte sie ihre kleine Schwester mit Fragen gelöchert. Wann ihr zweiter Großonkel mütterlicherseits geboren worden war, wie alt ihre Urgroßmutter geworden war und wie viele Enkel sie hatte. Narcissa wusste auf jede Frage eine Antwort. Als Andromeda das erste Mal von Hogwarts nach Hause gekommen war, hatte Narcissa sich auf sie gestürzt und von ihr bis ins kleinste Detail wissen wollen, wie gut die Kinder aus den anderen reinblütigen Familien aussahen und ob sich vielleicht jemand für sie interessieren würde, wenn sie endlich in Hogwarts war. Narcissa war schrecklich darauf fixiert gewesen, mit welcher Familie sie einmal ihre Blutlinie fortführen würde und wollte nur den Besten. Das war das letzte, auf das Andromeda bis dahin in Hogwarts geachtet hatte. An die meisten Namen konnte sie sich ehrlich gesagt gar nicht erinnern, für sie war nur wichtig gewesen, sich mit ein paar netten Mädchen aus ihrem Jahrgang anzufreunden. Narcissa hatte sie so lange genervt, dass Andromeda sie schließlich angefaucht und ihr gesagt hatte, „Wenn du das so genau wissen willst, dann frag doch Bella und lass mich endlich zufrieden!"

Was Narcissa natürlich nie tun würde, das wussten sie beide ganz genau. Auch wenn sie es nie offen ausgesprochen hatten, ihre große Schwester machte ihnen Angst. Während Andromeda es genoss, dass andere in der Zauberwelt nur wegen ihres guten Namens Respekt vor ihr hatten und Narcissa darauf fokussiert war, ihre Blutlinie so gut wie möglich fortzuführen, war ihre große Schwester richtiggehend machtbesessen. Andromeda konnte sich an keinen Moment erinnern, in dem Bellatrix sie nicht herumkommandiert hätte. Jegliche Aufgaben, die ihre Eltern ihr gegeben hatten (und das waren sehr wenige, schließlich hatten sie für so gut wie alles Personal), wälzte sie auf Andromeda ab. Sie klaute ihr immer ihren Nachtisch und behauptete dann, dass Andromeda ihn ihr überlassen hatte, weil sie keinen Hunger hatte. Gab es etwas zu essen, was Bella nicht mochte, landete es immer auf Andromedas Teller. Als sie einmal eine Katze hatten, pisakte Bella das arme Tier so lange, bis es weggelaufen war. Sie bestimmte, welche Bücher Andromeda lesen konnte und wie lange das Licht abends in ihrem Zimmer brannte. Jeden Tag platzte sie zu einer anderen Uhrzeit bei ihr herein um sie zu wecken. Ihren Eltern war es herzlich egal, was ihre Kinder tagsüber trieben, solange sie auf die Hauslehrer hörten und das Personal hatte Bella so gut verschreckt, dass niemand es je wagen würde, ihr zu widersprechen. Es waren nur Kleinigkeiten, und Bella hatte ihr nie körperlich wehgetan, aber sie hatte so eine grausame Freude daran, jeden Aspekt von Andromedas Tag zu kontrollieren, dass es ihr fast lieber gewesen wäre, wenn Bella sie geschlagen und ansonsten in Ruhe gelassen hätte.

Manchmal schämte sie sich dafür, aber Andromeda war richtig froh gewesen, als Narcissa geboren wurde, weil sie dann nicht mehr die einzige Zielscheibe ihrer großen und skrupellosen Schwester war. Narcissa und sie hatten beide aufgeatmet, als Bella endlich nach Hogwarts gekommen war und sie das meiste Jahr über Ruhe vor ihr hatten. Und in den Ferien verbrachte Bella dann viel Zeit bei ihren neuen Freunden; den Lestranges, Rockwoods und Notts. Ihre Schwestern waren zu unbedeutend geworden und außerdem zu gut darin, ihr zu entwischen, wenn sie ihr aus dem Weg gehen wollten. Andromeda machte sich manchmal Sorgen, wer an ihrer Stelle zu Bellas neuen Opfern wurde, aber sie hatte nie den Mut, ihrer großen Schwester entgegen zu treten. Im Laufe der Jahre würde sie das sehr bereuen, aber es war immer reiner Selbstschutz gewesen und schämen würde sie sich dafür nicht.

Andromeda hatte sich Sorgen gemacht, wie das erst sein würde, wenn sie einmal nach Hogwarts kommen würde und wieder in Bellas Nähe war, aber das wäre gar nicht nötig gewesen. Natürlich kam sie nach Slytherin, so wie alle Blacks, aber wie Zuhause war sie mittlerweile zu unbedeutend, um das Interesse ihrer Schwester lange halten zu können. Sicher, Bella machte es immer noch Freude, die Kinder unter ihr zu drangsalieren, vor allem wenn sie damit ihre Freunde beeindrucken konnte, aber das Schloss war groß und so war es nicht schwer, ihr in diesen Momenten aus dem Weg zu gehen. Besonders die Bibliothek war ein Ort, an dem Andromeda immer sicher vor ihrer verhassten Schwester war.

Andromeda war gerne in Slytherin. Sie hatte sich nie viele Gedanken zu anderen Häusern gemacht, denn die waren immer nur eine abfällige Randnotiz in den Geschichten ihrer Eltern gewesen. Slytherin war das einzige Haus, das einer Erwähnung überhaupt wert war und keiner, der nicht in Slytherin war, würde ihnen jemals das Wasser reichen können. Oft würden das nicht einmal diejenigen können, die auch in Slytherin waren. Die meisten ihrer Mitschüler hatten deshalb den nötigen Respekt vor ihr, schon alleine, wenn sie ihren Nachnamen das erste Mal hörten. Und dem Rest hatte Bella solche Angst eingejagt, dass alle vorsichtshalber den nötigen Sicherheitsabstand hielten, für den Fall, dass Andromeda genauso durchgeknallt war wie ihre große Schwester.

Aber durch ihre vielen Streifzüge durch das Schloss und ihre langen Aufenthalte in der Bibliothek kam Andromeda viel in Kontakt mit Leuten aus anderen Häusern und stellte überrascht fest, dass das ganz tolle Menschen waren. Sie mochte besonders die Muggelstämmigen, die keine Ahnung hatten, was der Name Black bedeutete und ihr höchstens behutsam beibringen wollten, dass bei ihrer Schwester ein Rad ab war. Als ob Andromeda das nicht wusste, seit sie zwei war und Bella ihr einmal mitten in der Nacht ihre ganzen Haare abgeschnitten hatte. Es war zwar ein bisschen Schade, dass keiner von ihren Mitschülern diesen ehrfurchtsvollen Blick hatte, an den sie ihr Leben lang gewöhnt war, aber stattdessen behandelte sie auch keiner, als wäre sie aus Porzellan. Sie konnte sich über alles unterhalten und musste sich nicht schämen, um Hilfe zu bitten, wenn ihr ein Zauber misslungen war. Und sie konnte endlich nach Herzenslust Koboldsteine und Zaubererschnippschnapp spielen, etwas, was zu Hause immer unter ihrer Würde hatte sein müssen.

Sie hatte die Hoffnung, dass Narcissa diese Freiheit von Bella und den Erwartungen ihres Elternhauses genauso lieben würde wie sie, wenn sie endlich nach Hogwarts kam, wurde aber sehr schnell eines Besseren belehrt. Narcissa genoss zwar die zahlreichen neuen Rückzugsmöglichkeiten, die das Schloss ihr bot, aber sie weigerte sich strikt, sich mit Mitschülern aus anderen Häusern anzufreunden oder auch nur zu reden, wenn es sich vermeiden ließ. Stattdessen war Narcissa ganz versessen darauf, mit den älteren Jungen in Slytherin ins Gespräch zu kommen. Narcissa war jetzt schon die perfekte Ehefrau und es gab nicht wenige, denen das gut gefiel. Aber die meisten waren von Bella sehr viel faszinierter und so brauchte sie eine ganze Weile, bis sie zumindest die Aufmerksamkeit von Lucius Malfoy erregen konnte. Lucius war ein Jahr jünger als Andromeda und ein Jahr älter als Narcissa und deshalb zu jung für den Dunstkreis von Bella, aber standesgemäß genug, dass ihre Eltern hellauf begeistert waren, als Narcissa verkündete, dass sie gedenke, Lucius nach Hogwarts zu heiraten.

Andromeda hätte gut und gerne auf Malfoy verzichten können, aber Narcissa hatte nie auf Andromeda gehört, außer es ging um Bella. Und Narcissa hielt von Andromedas Freunden genauso wenig wie Andromeda von Narcissas, also entschieden sie sich, wie so oft, dieses Thema zwischen ihnen einfach ungesagt zu lassen. Sie wussten, wo die jeweils andere stand, waren aber nicht willig, deshalb ihre schwesterliche Beziehung aufs Spiel zu setzen.

Auf Dauer konnten sie diesen wackeligen Frieden natürlich nicht aufrechterhalten. Ein mächtiger Zauberer, den alle in Slytherin nur ehrfurchtsvoll Lord Voldemort nannten, übte immer mehr Einfluss auf Andromedas Mitschüler aus und besonders in Slytherin gab es viele, die für seine Versprechungen von mehr Macht für Reinblüter und dem Ausrotten aller Schlammblüter in der Zauberwelt sehr empfänglich waren. Besonders Bella war ganz versessen darauf, sich ihm nach der Schule anzuschließen und seine Vision zu verwirklichen. Zu diesem Zweck heiratete sie kurz nach ihrem Abschluss Rodolphus Lestrange, der ihr mit Haut und Haaren verfallen war. Ihre Eltern hätten Bella unverheiratet nie machen lassen, was sie wollte, selbst wenn sie wie fast alle anderen reinblütigen Familien mit Voldemort übereinstimmten. Aber die Lestranges waren eine respektable Familie, nicht so hoch angesehen wie die Blacks, oder sogar die Malfoys, aber akzeptabel. Und Rodolphus ließ Bella bei allem gewähren und folgte dann enthusiastisch ihrem Beispiel. Bella hätte sich keinen besseren Mann wünschen können. Auch wenn er längst nicht so talentiert im Zaubern war wie Bella.

Narcissa war völlig auf Lucius fixiert und das wichtigste für sie war, eine gute Ehefrau zu sein und ihre Blutlinie fortführen zu können. Dabei hätte sie Bella im Zaubern ohne weiteres das Wasser reichen können, wenn sie sich im Unterricht mehr angestrengt hätte. Andromeda beneidete beide Schwestern darum, wie leicht ihnen alles fiel, während sie selbst sehr viel härter für ihre Erfolge arbeiten musste. Zaubersprüche waren ganz und gar nicht ihre Stärke, aber sie war überraschend gut in Zaubertränke. Slughorn schwärmte gerne von ihr, und das nicht nur wegen ihres Namens. Die Sprüche, die sie am besten beherrschte, waren die, die ihr Madam Pomfrey beibrachte, wenn sie ihren Freund nach einem ruppigen Quidditchtraining in den Krankenflügel brachte. Am Ende konnte sie gebrochene Knochen so gut heilen, dass sie Ted überhaupt nicht mehr zu ihr bringen musste. Slughorn schlug ihr bei der Berufsberatung vor, Heilerin zu werden und Andromeda zog es wirklich in Erwägung. Sicher, schon allein die Ausbildung war viel Arbeit, aber es wäre etwas Gutes, etwas wirklich Gutes. Menschen brauchten immer Hilfe. Und ihr gefiel die Vorstellung, die Erste in ihrer Familie zu sein, die wirklich arbeitete. Die meisten Blacks hatten es nicht nötig, zu arbeiten, dazu hatten sie alle zu viele Verließe bei Gringotts, die randvoll mit Gold waren. Und als Frau schickte es sich schon gar nicht, überhaupt etwas außer Haus zu tun.

Ganz abgesehen davon würde es sehr wahrscheinlich notwendig sein, dass sie sich ein eigenes Einkommen sicherte, denn sie war fest entschlossen, einmal Ted Tonks zu heiraten und der Einzige, der noch unpassender wäre als ein muggelstämmiger Zauberer aus Hufflepuff wäre ein ganz normaler Muggel gewesen.

Andromeda hatte Ted, der ein Jahr älter war als sie, in der Bibliothek kennengelernt. Er hatte ihr bei einem Aufsatz geholfen und dann gefragt, ob sie mit ihm Zauberschach spielen würde, und sie waren schnell Freunde geworden. Als sie in der fünften Klasse war, war aus der Freundschaft mehr geworden und Andromeda konnte sich nicht erinnern, jemals glücklicher gewesen zu sein. Ted war wunderbar. Gutmütig, schlau, ruhig. Er war sehr verständnisvoll, aber wenn er sah, dass jemand ungerecht behandelt wurde, zögerte er auch nicht, sich für ihn einzusetzen. Er war sehr gut in Verteidigung gegen die dunklen Künste - das Einzige, was ihn vor schlimmerem bewahrte, als er einmal mit Bella aneinandergeriet, weil sie einen Erstklässler drangsalierte. Im Quidditch war er nicht der beste, was die vielen Trips zum Krankenflügel erklärte, aber Hufflepuff hatte zu der Zeit nicht viel Auswahl und Ted war zumindest verbissen und entschlossen.

Er hatte Angst, dass sie sich für ihn schämte, weil sie darauf bestand, ihre Beziehung geheim zu halten, aber nichts hätte weiter von der Wahrheit entfernt sein können. Am liebsten hätte sie jedem einzelnen in Hogwarts von ihr und Ted erzählt, aber sie war nicht dumm. Sie kannte ihre Familie und sie wollte sich gar nicht vorstellen, was Bella mit Ted machen würde, wenn sie davon erfuhr. Und ihre Eltern würden auch nicht viel besser sein. Eine der wenigen Anforderungen, die an sie als eine Black gestellt wurden waren gute Manieren und die Fortsetzung der Blutlinie. (Und wenn man sich so anschaute, was Bella alles veranstalten durfte, waren die guten Manieren verhandelbar.) Sowohl Bella als auch Narcissa waren auf einem guten Weg, aber Andromeda wusste ohne Zweifel, dass niemand in ihrer Familie Ted jemals gutheißen würde. Und bevor sie nicht ganz genau wusste, dass sie wirklich ihr Leben mit Ted verbringen würde, wollte sie sich nicht mit ihrer Familie auseinandersetzen. Dazu stand zu viel auf dem Spiel.

Einmal in der sechsten Klasse dachte sie, dass sie aufgeflogen wären, als Narcissa Ted und sie beim Knutschen in einem Geheimgang erwischte. Andromeda befürchtete das Schlimmste, aber Narcissa machte nur auf dem Absatz kehrt und sprach dann einen Monat lang nicht mehr mit Andromeda, bis sie eines Tages, als beide zufällig alleine in einer Ecke im Gemeinschaftsraum saßen, leise zu ihr sagte, „Du weißt, dass das keiner jemals akzeptieren wird, oder?"

Andromeda schluckte schwer und nickte dann kaum merklich. „Ich hoffe, du weißt, was du tust", sagte Narcissa schließlich nach weiteren zehn Minuten, in denen sie sich nur angeschwiegen hatten. „Du setzt alles aufs Spiel."

„Ich weiß", erwiderte Andromeda mit zitternder Stimme. Sie wusste, dass eine Zukunft mit Ted sie jede andere Zukunft, die sie sich als kleines Mädchen ausgemalt hatte, kosten würde. Aber je länger sie darüber nachdachte, desto weniger war sie davon überzeugt, dass das etwas Schlimmes war. Sie hatte die Überlegenheit ihrer Familie in der Zauberwelt nie in Frage gestellt, aber seit sie in Hogwarts war, wunderte sie sich, ob sich ihre Familie nicht ein bisschen zu wichtig nahm. Sie hatte wenige Zauberer gesehen, die besser in Verteidigung waren als Ted und die es ernsthaft mit Bella aufnehmen konnten, und die Vorstellung, dass jemand Teds Anwesenheit in Hogwarts anzweifeln könnte, war einfach nur absurd. Aber genau das passierte in jedem Jahr mehr und mehr. Immer mehr Mitschüler in Slytherin schwärmten von Lord Voldemort und priesen seine Ideale. Selbst ihre Eltern hatten angefangen, von Voldemort zu sprechen, und die hielten sich am liebsten aus jeglichen politischen Diskussionen heraus. Aber niemand war so fanatisch wie Bella und diejenigen, die Bella gerne zuhörten, und Andromeda bekam immer mehr Angst, dass das ganze eines Tages eskalieren würde. Narcissa, das wusste sie, hielt ihre Ängste für übertrieben, da es ja sowieso nur um den Status Quo ging.

„Überleg dir das genau", sagte Narcissa schließlich warnend, bevor sie ihr Buch zuschlug und aufstand. Wie bei ihnen üblich würden sie nie wieder darüber sprechen. Aber Narcissa sprach auch mit niemand anderem darüber und dafür war ihr Andromeda sehr dankbar.

Und sie überlegte es sich sehr genau. Sie liebte Ted und daran würde sich nichts ändern. Nichtsdestotrotz hätte sie ihre Beziehung dennoch gerne länger geheim gehalten. Es war schon schwer genug, ihre Eltern davon zu überzeugen, sie eine Ausbildung als Heilerin anfangen zu lassen, da konnte sie Ted unmöglich erwähnen.

Die Entscheidung wurde ihr schließlich abgenommen, als sie nicht allzu lange nach ihrem Schulabschluss schwanger wurde. Es stand außer Frage, dass sie das Baby nicht bekommen würde und Ted freute sich sogar richtig darauf und machte ihr einen Heiratsantrag, kaum dass Andromeda den Satz „Ich bin schwanger" beendet hatte. Ihre Eltern machten ebenfalls kurzen Prozess und warfen sie sofort aus dem Haus. Sie verweigerten ihr jeglichen Zugang zu dem Verließ, das ihr zustand und strichen sie aus allen Stammbäumen. Andromeda hatte nichts anderes erwartet, auch wenn sie insgeheim gehofft hatte, sich zu irren.

Stattdessen zogen sie zu Teds Mutter, die sich freute, ihre neue Schwiegertochter endlich kennen zu lernen und liebend gerne auf das Baby aufpassen würde, damit Andromeda mit ihrer Ausbildung weitermachen und Ted ein Auror werden konnte. Es war nicht einfach, aber sie waren beide fest entschlossen, ihr Ziel zu erreichen, für sich selbst und für Nymphadora.

So wurde aus Andromeda Black Andromeda Tonks und das würde sie für den Rest ihres Lebens bleiben. Auch wenn die Blacks sie nie ganz loslassen würden.

TBC…