5. Dezember: Sorgen
Kurz vor Weihnachten wurde Arthur bei seiner Arbeit für den Orden schwer verletzt und schwebte in Lebensgefahr. Er kam nicht auf ihre Station, aber es war so ernst, dass für eine Weile alle Heiler aus den umliegenden Stationen abgezogen wurden, um sein Leben zu retten. Andromeda gab es nicht gerne zu, aber ihr erster Gedanke war, dass sie froh war, nicht im Orden zu sein, wenn die Konsequenzen so aussehen konnten. Wäre Arthur nur fünf Minuten später eingeliefert worden, hätte er es wahrscheinlich nicht mehr geschafft. Und auch so war es denkbar knapp gewesen.
„Ich weiß gar nicht, wie ich dir danken soll, Andromeda", sagte Molly Weasley mit zitternder Stimme, als Andromeda endlich den Behandlungsraum verlassen hatte und Molly mit starrem Gesichtsausdruck draußen im Warteraum begegnet war. Jemand anders hatte sie schon über seinen Zustand informiert, aber das hinderte Andromeda nicht daran, sich zu ihr zu setzen. Sie kannten sich zwar nur flüchtig, aber Nymphadora war immer gerne bei ihr um Fuchsbau gewesen, um mit Charlie zu spielen und als rebellierende Reinblüter gehörten sie alle irgendwie zusammen, auch wenn Andromeda nicht so mutig und viel zu selbstsüchtig war, um ihr Leben im Orden zu riskieren.
„Ich hab nicht viel gemacht, ich hab nur das Blut gestillt." Der Ruhm gebührte wirklich anderen.
„Ist egal, du warst dabei und er hat euch allen sein Leben zu verdanken." Mollys Unterlippe zitterte, aber sie versuchte krampfhaft, die Fassung zu bewahren. Andromeda drückte aufmunternd ihre Hand und Molly klammerte sich daran fest wie an einen Klippenvorsprung.
„Das war meine größte Angst", flüsterte sie leise. „Dass ich irgendwann die Nachricht bekomme, dass jemand aus meiner Familie gestorben ist. Wie damals meine Brüder. Sie waren die besten Zauberer, die ich kannte, und es hat ihnen nichts genützt. Deshalb wollte ich nicht in den Orden. Wir sind zu viele. Wir kommen da nie im Leben alle heil raus." Sie lachte humorlos. „Aber auf mich hört ja niemand! Keiner von den Jungs hat sich davon abhalten lassen. Und Ron stürzt sich ja schon seit der ersten Klasse in jedes Abenteuer. Und Ginny! Ginny war nur in der Buchhandlung und Lucius Malfoy hätte sie beinahe umbringen lassen!" Andromeda schaute sie überrascht an. Was hatte Lucius mit Ginny Weasley zu schaffen gehabt? „Ganz zu schweigen von Harry, dem armen Jungen! Du-weißt-schon-wer hat ihm seine Eltern genommen und wird nicht eher ruhen, bis er den Jungen getötet hat und meine Kinder werden sich vor ihn stellen, ohne darüber nachzudenken." Sie schniefte. „Ich bin stolz, dass sie diese Ideale haben, dass sie alle bereit sind, für eine bessere Welt zu kämpfen und sich nicht zufrieden geben mit diesem Reinblüter-Wahnsinn, mit dem du und Sirius aufgewachsen sind. Aber bin ich ein schlechter Mensch, wenn ich will, dass sie alle überleben? Dass ich sie unbeschadet in die Arme schließen kann, wenn das hier alles vorbei ist?"
Mit Tränen in den Augen starrte sie Andromeda an, die sie ohne zu zögern umarmte. „Natürlich nicht, Molly", sagte sie verständnisvoll. „Natürlich nicht! Du bist eine Mum, natürlich willst du, dass es ihnen allen gut geht. Ich habe ständig Angst um Dora und Ted. Mit einer Schwester wie Bellatrix -"
„Deshalb bist du nicht im Orden", murmelte Molly erstaunt, als sie sich wieder auf der Umarmung löste und sich unwirsch über die Augen wischte. „Ich hab mich immer gewundert, warum Nymphadora drin ist und du und Ted euch so zurückhaltet."
„Ich bin nicht so mutig wie du, Molly. Ich wünschte, ich wäre es, aber ich kenne meine Schwester, und ich weiß, dass sie nicht ruhen wird, bis sie mir heimgezahlt hat, dass ich unsere Blutlinie ruiniert habe. Ted versteht das, er kennt Bella auch. Nymphadora kann das nicht begreifen und sie ist wie deine Jungs, wenn sie sich erst was in den Kopf gesetzt hat, kann sie keiner davon abhalten. Ich hoffe, dass es sie schützt, dass sie ein Metamorphmagus ist. Aber ich habe ständig Angst, jede Sekunde", gestand Andromeda mit bebender Stimme.
„Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das wäre, wenn meine Brüder mir und meinen Kindern nach dem Leben getrachtet hätten." Molly erschauderte. „Ich sage mir immer, in Hogwarts sind sie sicher, Du-weißt-schon-wer hat es nie gewagt, die Schule anzugreifen, solange Albus dort ist, aber letzten Endes wären meine Kinder immer in Hogwarts fast gestorben." Sie schluckte. „Und im Ministerium ist man auch nicht mehr sicher und Percy spricht nicht mit uns. Arthur wäre fast gestorben und mein Baby spricht nicht mal mit uns! Bill und Charlie sind immer durch die Gegend getobt, aber Percy war so gerne bei mir und hat mir beim Kochen geholfen und beim Putzen und er war so ein guter und lieber Junge und ich kann nicht fassen, dass mir der Krieg schon ein Kind weggenommen hat! Wo soll das noch alles hinführen?"
Andromeda zuckte mit den Schultern. Sie wünschte, dass sie das wusste. Während Molly sich nicht vorstellen konnte, wie es war, wenn ihr die eigene Familie nach dem Leben trachtete, konnte Andromeda es sich nicht vorstellen, wie es war, wenn das eigene Kind nichts mit einem zu tun haben wollte. Sie selbst hatte ihre Eltern am Ende verachtet, aber sie hatte immer getan, was sie konnte, damit sie und ihr Kind nicht dasselbe Schicksal ereilte.
„Ach Molly, ich würde dir so gerne eine Antwort geben", sagte sie schließlich. „Wir tun alle, was wir können. Im Moment solltest du versuchen, es positiv zu sehen, dass man deinen Mann gefunden hat und dass er wieder gesund werden wird. Es hätte so viel schlimmer kommen können."
Molly richtete sich auf und nickte entschlossen. „Ja, da hast du Recht. Mein Mann lebt und meine Kinder sind alle gesund und am Leben. Mehr kann ich wohl nicht erwarten." Sie sprang auf, als sie Bill in der Tür erblickte, der seine Mutter sofort besorgt in die Arme nahm und Andromeda dankbar zunickte. Andromeda zog sich unauffällig zurück und suchte nach dem Porträt von Dilys Derwent, um Dumbledore ein schnelles Update zu geben.
Merlin sei Dank war alles noch einmal gut ausgegangen. Das hätte auch alles gehörig schieflaufen können. Und dann wäre Arthur vermutlich bei der Mysteriumsabteilung verblutet, Voldemort einen großen Schritt weiter und die Arbeit des Ordens nachhaltig behindert. Auch wenn sie jetzt alle höllisch aufpassen mussten, denn selbst, wenn man ihre Ausrede glauben würde, warum Arthur dort unten war, Fudge war vielleicht ein Feigling, aber er war nicht blöd. Hoffentlich begingen Ted und Nymphadora keinen Fehler im Ministerium.
„Du machst dir zu viele Sorgen, Mum", sagte Nymphadora augenverdrehend, als sie wieder einmal im Grimmauldplatz beim Abendessen gelandet waren. Andromeda hatte Spätdienst gehabt und Ted machte Überstunden im Ministerium und anstatt in ein leeres kaltes Haus zurückzukehren, hatte Andromeda gedacht, dass sie ihrem Cousin etwas Gesellschaft leisten konnte. Sie hatte ihn im neuen Jahr noch nicht gesehen. Aber anstatt einen missmutigen Sirius alleine anzutreffen, hatte sie ihn, ihre Tochter und Remus beim Kartenspielen in der Küche vorgefunden. Sirius hatte ihr erfreut etwas gebratenes Hühnchen und Kartoffelbrei warmgemacht und jetzt aß sie, während die anderen drei ihr Spiel wieder aufnahmen. „Die Aurorenabteilung ist im Moment sowas von nutzlos. Wir suchen ständig nach Sirius und machen sonst nichts." Sie warf ihm einen Blick zu und er salutierte grinsend. „Da war meine Ausbildung gefährlicher als das, was die im Moment von uns verlangen. Ich kann mich nicht mal mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal einen Verteidigungsspruch gebraucht habe."
„Als Mutter kann man sich nie zu viele Sorgen machen, mein Kind", erwiderte Andromeda unbeeindruckt. Ihr Gespräch mit Molly hatte ihr das nur zu gut in Erinnerung gerufen. „Das wirst du eines Tages auch noch sehen."
Nymphadora lachte. „Ich werde einmal eine ganz coole Mum sein, das wirst du schon sehen. Meine Kinder werden machen können, was sie wollen und ich werde sie jede Woche zu einem Konzert der Schwestern des Schicksals mitnehmen und wenn uns langweilig wird, können wir alle mit der Schweineschnauze die Nachbarn erschrecken und sie dann davon überzeugen, dass sie sich alles nur eingebildet haben."
Sirius lachte und Remus schüttelte amüsiert den Kopf. „Dann würde dein Haus irgendwann über euch zusammenfallen."
„Ach quatsch, das werde ich schön stabil zaubern, keine Sorge", sagte Nymphadora zuversichtlich.
„Bevor du mit dem Baby die Treppe runterfällst", wandte Sirius ein und warf triumphierend eine Karte auf den Tisch, die die anderen beiden aufstöhnen ließ. Remus verzog das Gesicht und mischte die Karten neu, während Nymphadora ihren Cousin empört anschaute.
„Das musst du gerade sagen! Remus hat mir erzählt, dass dir Harry einmal vom Wickeltisch gefallen ist, also wäre ich ganz vorsichtig, was du hier wem vorwirfst, Sirius Black!"
„Remus!", rief Sirius empört, während Andromeda laut lachen musste. „Das hab ich dir damals ganz im Vertrauen erzählt, wie kannst du das einfach so weitersagen!" Remus grinste und hob abwehrend die Hände.
„Nymphadora hat so von ihrem coolen Cousin geschwärmt, da wollte ich ihr einfach nur die Illusion nehmen. Ich hab ihr auch erzählt, dass du mindestens dreimal damit umgekippt bist, als du damals dein Motorrad gekauft hast." Andromeda und Nymphadora schütteten sich vor Lachen aus, während Sirius seinen besten Freund sprachlos anstarrte. Remus zuckte nur mit den Schultern und begann grinsend, die Karten zu verteilen.
„Nur um das festzuhalten", sagte Sirius schließlich, als Andromeda und Nymphadora sich von ihrem Lachanfall wieder erholt hatten. „Harry ist mir damals nicht heruntergefallen. Ich hab nur eine Minute nicht hingesehen und er ist bis zum Rand gerollt, aber er ist nie gefallen!" Remus zog eine Augenbraue hoch. „Okay, vielleicht ist er ein bisschen gefallen, aber mein Zauber hat ihn praktisch sofort aufgefangen und ihm ist nichts passiert und er hat nicht mal geweint. Es war alles völlig in Ordnung! Und was das Motorrad angeht, diese Dinger sind schwerer, als sie aussehen!"
„Wenn du das sagst, Sirius", erwiderte Andromeda und wischte sich die Lachtränen aus den Augen.
„Das ist mein Haus! Ich muss mich in meinem Haus nicht von euch beleidigen lassen! Das kann meine Mutter wunderbar alleine! Und wenn wir schon dabei sind, Tonks, wusstest du, dass Remus die Schwestern des Schicksals unmöglich findet?"
Nymphadora schnappte empört nach Luft und schaute Remus fassungslos an. „Was sagt er da? Du magst die Schwestern des Schicksals nicht? Was magst du dann? Etwa Celestina Warbeck? Hast du mal ihre Texte gehört? Die sind der größte Schwachsinn, den ich je gehört habe!"
Remus zuckte mit den Schultern. „Ich bin kein großer Fan von Musik. Ich hatte meistens andere Dinge im Kopf." Nymphadora biss sich auf die Lippe und wandte beschämt den Blick ab. Gegen das Argument konnte keiner von ihnen viel sagen. Als Werwolf hatte er es schwer genug.
„Ich kann dich verstehen, Remus", sagte Andromeda, um die Spannung zu lösen. „Ich kann mit den Schwestern des Schicksals ehrlich gesagt auch nicht viel anfangen. Das ist immer so ein Gekreische."
„Mum!", rief Nymphadora entsetzt. „Das ist doch nicht dein Ernst! Du hast sie doch immer gerne gehört." Wenn sie ehrlich war, war sie wirklich kein allzu großer Fan der Band. Sie waren nicht schlecht, aber als Teenager hatte Nymphadora nichts anderes gehört und am Ende hätte Andromeda den Rekorder am liebsten aus dem Fenster geworfen, weil sie diesen Krach nicht mehr ertragen konnte. Celestina Warbeck war da eine nette Abwechslung gewesen. Auch wenn sie am liebsten, wenn sie allein war, die Beatles gehört hatte. Das war die Lieblingsband von Teds Mutter gewesen und es war wirklich nicht die schlechteste Wahl.
„Nach einer Weile sind selbst sie zu viel des Guten", sagte sie schulterzuckend. „Es gibt noch andere Musik da draußen."
„Ja, aber keine gute Musik", murmelte Nymphadora missmutig und riss Remus die Karten, die er ihr hinhielt, praktisch aus der Hand. Dramatisch stöhnte sie auf, als sie einen Blick darauf warf.
„Du solltest mal Queen hören", schlug Sirius vor, der das ganze amüsiert beobachtet hatte. „Die hab ich immer gehört, um meine Mutter zu nerven. Es war herrlich. Und sie sind super." Er nachdenklicher Gesichtsausdruck erschien auf seinem Gesicht. „Vielleicht könnte ich den Plattenspieler direkt unter ihr Porträt stellen, meint ihr, die Musik nervt auch ein Bild?"
„Diese Person nervt doch alles", erwiderte Remus unbeeindruckt und warf die erste Karte auf den Tisch. „Ich weiß nur nicht, ob Queen gemischt mit ihrem Gekreische so eine tolle Geräuschkulisse ist. Und Seidenschnabel regt sich immer so auf bei dem vielen Krach."
Sirius seufzte. „Schade. Es wäre so schön gewesen. Albus hat schon vor Monaten versprochen, nach einem Spruch zu suchen, damit ich sie endlich loswerde. Aber sie ist immer noch da."
„Weil Albus auch nichts Besseres zu tun hat, als nach einem Spruch zu suchen, damit du ein Bild deiner Mutter loswerden kannst."
„Ich finde, dass das eine sehr wichtige Priorität ist", beharrte Sirius und legte seinerseits eine Karte ab. Remus verdrehte die Augen und Sirius streckte ihm die Zunge raus. Sie zuckten alle zusammen, als sie die Türklingel hörten und einen Moment später das Gekreische „BLUTSVERRÄTER, DRECKIGE HALBBLÜTER!", zu ihnen in die Küche drang. Sirius stöhnte und fuchtelte mit seiner Hand durch die Luft. „Beweisstück A!" Er stand auf und durchquerte langsam die Küche, während Nymphadora und Remus unbeeindruckt weiterspielten. Nach drei Zügen gerieten sie in eine Sackgasse und teilten Sirius' Karten untereinander auf, während Andromeda den Rest ihres Hühnchens verspeiste. Nach fünf weiteren Zügen war Nymphadora die triumphierende Siegerin und stimmte zur Feier ihres Sieges das neueste Lied der Schwestern des Schicksals an. Andromeda und Remus tauschten einen Blick und bemühten sich, nicht das Gesicht zu verziehen. Ihre Tochter war mit vielem gesegnet, aber eine gute Singstimme war nicht dabei. Allerdings schaffte sie es sogar, Mrs Black zu übertönen, und das war bei dem Gekeife der alten Schabracke schon eine Leistung.
Kurz darauf verstummte Andromedas Tante, was bedeutete, dass Sirius den Vorhang wieder vor das Bild gezerrt hatte. Einen Moment später ging die Küchentür mit einem Knall auf und ehe sie sich's versah, war Ted ins Zimmer gestürzt und hatte sie in seine Arme gezogen.
„Merlin sei Dank geht es dir gut", sagte er erleichtert und schaute dann zu Dora, die er ebenfalls in seine Arme zog, ohne Andromeda loszulassen. „Es war keiner Zuhause und ich hatte schon das Schlimmste vermutet."
„Was ist denn los, Ted?" Das sah ihm so gar nicht ähnlich. Andromeda war normalerweise diejenige, die in Panik ausbrach, wenn jemand nicht da war, wo sie ihn erwartete. Aber da Ted Nachtdienst hatte, hatte sie es nicht für nötig gehalten, ihm Zuhause eine Nachricht zu hinterlassen, dass sie zu Sirius ging.
„Dad?", fragte jetzt auch Nymphadora besorgt und schaute ihre Eltern mit gerunzelter Stirn an.
„Es gab einen Ausbruch in Askaban", sagte er mit schwerer Stimme.
„Was?!", rief Remus entsetzt und schaute sofort zu Sirius, der mit grimmiger Miene wieder in der Küche aufgetaucht war. „Wie ist das …? Wer ist …?"
Ted schaute Andromeda direkt ins Gesicht. Es lief ihr kalt den Rücken runter und sie klammerte sich an seinem Umhang fest. Sie hatte es gewusst. Sie hatte es immer gewusst. Solange sie lebte, würde ihre Familie nie sicher sein. Und jetzt wurde ihr schlimmster Albtraum Wirklichkeit. „Bellatrix", erwiderte Ted. „Und noch neun weitere Todesser, aber wir wissen alle, um wen es ihm ging."
„Bellatrix?", fragte Nymphadora mit zitternder Stimme. „Deine Schwester, die die Longbottoms um den Verstand gefoltert hat?"
„Genau die", erwiderte Sirius. Er kam in die Küche und legte Andromeda eine tröstende Hand auf die Schulter. „Und ihr könnt Gift drauf nehmen, dass Askaban sie nicht verweichlicht hat."
„Was macht das Ministerium?", fragte Remus drängend. „Was sind die nächsten Schritte?"
„Eine Gruppe von Auroren wurde nach Askaban geschickt, um die anderen Gefangenen zu sichern. Keiner will es zugeben, aber die Dementoren sind schon lange nicht mehr unter unserer Kontrolle und wir müssen aufpassen, dass nicht noch mehr Leute rauskommen. Auch wenn wohl allen klar ist, dass er seine wichtigsten Anhänger schon rausgeholt hat und der Rest nur Peanuts sind. Die meisten von ihnen hat Askaban gebrochen, aber diejenigen …"
„Askaban hat sie wahnsinnig gemacht, aber das wird Voldemort nur nützen", murmelte Sirius und erschauderte.
„Und warum bist du nicht in Askaban? Du hast doch Dienst", fragte Andromeda verwirrt, auch wenn sie froh war, dass ihr Mann vor ihr stand und nicht in dem Zaubereigefängnis war, in dem ihre Schwester das letzte Jahrzehnt verbracht hatte.
„Wir wurden nicht alle dorthin geschickt. Als wir uns organisiert haben, ist Fudge persönlich bei uns aufgetaucht." Ted schüttelte verärgert den Kopf. „Er war völlig aus dem Häuschen. Hatte seinen Umhang verkehrt herum angezogen und es ist ihm nicht mal aufgefallen. Er hat den meisten von uns befohlen, sich sofort auf die Suche nach Sirius zu machen."
„Was?", fragte Andromeda fassungslos. Fudge würde doch nicht wirklich diese wertvolle Zeit mit so einem Schwachsinn verschwenden? Um Himmels Willen, spätestens jetzt musste dieser Mann doch sehen, dass Dumbledore mit allem, was er prophezeit hatte, Recht gehabt hatte. Wie konnte man nur so sehr den Kopf in den Sand stecken? Jetzt war nicht mehr nur Voldemort da draußen mit seiner feigen Truppe, die nach dem Krieg vor allem damit beschäftigt gewesen waren, ihren eigenen Hals zu retten, nein, jetzt waren auch diejenigen wieder auf freiem Fuß, die für die Sache alles riskiert hatten und ohne zu zögern über Leichen gingen, und wenn es ihre eigenen waren. Und die Dementoren hatten ihrem Gemüt in den letzten Jahren sicher nicht gutgetan.
Sirius lachte humorlos. „Natürlich hängt er mir auch das an. Ich bin ja sowieso an allem Schuld. Und Bellatrix ist auch noch meine Cousine, wahrscheinlich werden sie verbreiten, dass wir diesen Ausbruchsplan schon vor Jahren in Gang gesetzt haben." Er schüttelte den Kopf und wandte sich ab. „Und jetzt ist sie frei und ich sitze immer noch in dem Haus fest, in das ich nie wieder zurückwollte und ich kann nichts machen, ich kann nicht helfen!"
Remus legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Denk an Harry, Sirius! Du hilfst ihm, indem du da bist! Und es wird wieder besser werden."
„Mit Bellatrix da draußen? Träum weiter, Remus." Er haute mit der Faust so stark auf den Tisch, dass eines der Gläser herunterfiel und auf dem Boden zerschellte. „Wenn Fudge auf Dumbledore gehört hätte, nachdem Harry aus diesem verdammten Labyrinth wiederaufgetaucht war, wäre es nie so weit gekommen! Wir hätten Voldemort schwächen können, als er noch geschwächt war, bevor er alle seine Anhänger wieder um sich geschart hat! Aber nein, er weiß es ja besser, dieser miese kleine Feigling! Anstatt unschuldige Hexen und Zauberer zu beschützen lässt er seine Bulldogge auf Hogwarts los und bringt Dementoren in einen Muggelort, um Harry von der Schule zu schmeißen! Und jetzt?"
„Ja, und jetzt?", unterbrach Andromeda Sirius, bevor der sich noch mehr in alles hineinsteigern konnte. Sie nahm es ihm nicht übel, in Askaban hatte er Jahre gehabt, in denen er mit seinen Gedanken allein gewesen war, und jetzt war es nicht viel besser, auch wenn er wenigstens nicht mehr unter dem Einfluss der Dementoren stand. Aber es brachte nichts, sich über verschütteten Kürbissaft aufzuregen. Bellatrix war draußen. Und sie würden sie nie wieder einfangen können. Dazu war es jetzt zu spät. „Was ist der Plan?"
„Kingsley und Mad-Eye sind in Askaban, um den Schaden zu begutachten", erklärte Ted, „und ich hab mich so schnell ich konnte von dem Suchtrupp nach Sirius abgesetzt und Dumbledore eine Nachricht zukommen lassen. Er ist bestimmt schon mit den Ordensmitgliedern in Hogwarts in Kontakt und ich denke, spätestens morgen wird es hier ein Nottreffen geben. Wahrscheinlich ohne Minerva und Rubeus, aber Snape wird sicher kommen. Er kennt Bellatrix als Todesserin wahrscheinlich besser als die meisten." Sirius schnaubte, sagte aber nichts.
„Und wir?", fragte Andromeda leise. „Was machen wir?"
„Wir machen erstmal gar nichts", erwiderte Ted entschlossen. „Ich gehe zurück nach draußen und suche nach Sirius, Nymphadora kommt morgen früh wie gewohnt ins Ministerium und du gehst zu deiner nächsten Schicht."
„Aber wir können doch nicht einfach so tun -", fing Andromeda an zu protestieren.
„Deine Schwester wird uns nicht morgen suchen und kaltblütig ermorden! Das würde zu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Aber genauso würde es zu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, wenn wir einfach so verschwinden. Fudge ist gerade dabei, Sirius alles anzuhängen, glaubst du, er wird mit uns gnädiger sein? Am Ende haben wir uns alle verschwört und werden zur Gefahr für die Zauberwelt deklariert!"
„Ihr glaubt doch nicht im Ernst, dass deine Schwester euch wirklich -", fing Nymphadora fassungslos an.
„Natürlich", erwiderte Andromeda emotionslos. „Seit dem Moment, in dem ich von einem Schlammblut schwanger geworden bin, hat sie geschworen, dass ich eines Tages dafür büßen muss. Und du kannst darauf wetten, dass Bella das nie vergessen hat."
„Ja, aber es ist nicht ihre oberste Priorität", warf Remus ein.
Ted schüttelte den Kopf. „Natürlich ist das ihre oberste -"
„Vielleicht ist es ihre, aber nicht seine!", unterbrach Remus sie eindringlich. „Wir haben alle Albus gehört, das Wichtigste ist die Prophezeiung, alles andere ist nebensächlich. Wer weiß, vielleicht braucht er sie, um diesem Ziel näher zu kommen. Aber er wird keine Aufmerksamkeit darauf verschwenden, dass seine Todesser fröhlich ihre Familienmitglieder umbringen dürfen. Er agiert im Hintergrund, solange Fudge ihn lässt, und solange er kann, wird er dort bleiben. Sie ist ihm treu ergeben, sie wird sich seinen Wünschen nicht widersetzen. Nicht sofort. Sie ist vielleicht wahnsinnig, aber sie ist nicht blöd. Sie kann warten. Nicht für immer, aber im Moment seid ihr sicher."
Nymphadora schluckte schwer und schaute von Andromeda zu Ted. Er nickte entschlossen. „Das glaube ich auch. Es wird die Zeit kommen, da werden wir wieder untertauchen müssen, wie damals, aber noch nicht jetzt. Schlimmstenfalls sagen wir, dass meine Mutter im Sterben liegt und wir uns um sie kümmern müssen. Keiner weiß, dass sie schon tot ist. Und unser Haus ist sicher. Darauf haben wir immer geachtet. Wir haben schon einen Krieg überstanden, wir schaffen auch einen zweiten."
Andromeda atmete tief durch und nickte zögerlich. Am liebsten würde sie ihre Familie packen und an den Nordpol apparieren, wo Bella sie nicht finden würde. Sie hatten unglaubliches Glück gehabt, dass sie damals heil aus dem Krieg herausgekommen waren, sie konnte sich nicht vorstellen, dass es noch einmal so sein würde. „In Ordnung", sagte sie dennoch widerwillig. „Aber wenn es zu brenzlig wird -"
„Ich bin ein muggelstämmiger Auror", unterbrach Ted sie. „Wenn das Ministerium weiterhin so unfähig ist, wird es sich nicht mehr lange halten können. Dann werde ich gar keine Wahl mehr haben. Aber solange Du-weißt-schon-wer noch im Verborgenen ist, haben wir noch Zeit. Und wir sind vorbereitet."
Andromeda umklammerte Nymphadoras Hand, die genauso sehr zurückklammerte. „Ich hoffe, ihr habt Recht. Das hoffe ich wirklich." Denn wenn sie eines wusste, dann, dass man ihre Schwester nie unterschätzen durfte. Bella war wir eine Kakerlake, die alles überlebte, die sich aus allem herauswand. Keiner würde vor ihr sicher sein.
TBC…
