14. Dezember: Ein Haufen Schwangere

Aber im Grunde genommen lief alles sehr gut. Andromeda arbeitete wieder Teilzeit im Krankenhaus, Teddy gefiel der Kindergarten ausgesprochen gut und er verbrachte auch viel Zeit bei Harry und Ginny und bei Bill und Fleur. Etwas schwieriger wurde es erst, als Ginny im nächsten Jahr schwanger wurde. Harry und Ginny waren ganz aus dem Häuschen vor Freude und auch Teddy schien sich zu freuen, dass es nach Bill und Fleurs Zwillingen und Percys Tochter Molly ein weiteres Baby in der Familie geben würde. Er half ihnen dabei, das Kinderzimmer zu streichen, aber er bestand darauf, dass es eine andere Farbe sein würde wie in seinem Zimmer. Als die Geburt langsam näher rückte, wollte er immer weniger zu Harry und Ginny, aber da Ginny im letzten Monat eine leichte Bettruhe verordnet worden war, dachte sich Andromeda nicht viel dabei und nahm an, dass er ihr nur etwas Ruhe gönnen wollte, als er sie bat, Harry und Ginny nicht mehr zu besuchen. Außerdem spielte er viel und gerne mit Victoire und mit ihr war es spaßiger als mit einer Schwangeren, die sich kaum bewegen durfte.

Und dann saßen sie eines Abends im November beim Abendessen, als Harry an die Haustür klopfte und freudestrahlend ins Haus kam. Er erinnerte Andromeda in diesem Moment so sehr an Remus nach Teddys Geburt, dass sich ihr Herz schmerzhaft zusammenzog und sie krampfhaft versuchen musste, ihre Tränen zu unterdrücken. Remus und Sirius hätten sich so sehr für Harry gefreut. Ganz zu schweigen von James, der jetzt Großvater gewesen wäre. James, der Harrys jetziges Alter nie hatte erreichen dürfen.

„Harry!", rief Teddy, erfreut ihn zu sehen, aber er sprang nicht vom Stuhl auf und rannte zu Harry, um ihn zu begrüßen, wie sonst. Stattdessen stocherte er in seinem Kartoffelbrei herum und wandte den Blick ab. Harry schaute überrascht zu Andromeda, aber die zuckte nur mit den Schultern. Harry ließ sich nicht beirren und zog ein Foto aus dem Umhang.

„Das ist er", sagte er stolz, nahm sich einen Stuhl und setzte sich zwischen Andromeda und Teddy. Er hielt ihnen das Bild hin, auf dem sich ein kleines zerknautschtes Baby die Seele aus dem Leib zu schreien schien. Er hatte rabenschwarze Haare und sah schon jetzt genauso aus wie sein Vater. „James Sirius Potter. Ist er nicht toll?"

Andromeda schluckte wehmütig und tätschelte Harry den Rücken. „Sie hätten sich sehr gefreut. Und sie wären bestimmt sehr stolz auf dich."

Harry strahlte sie an. „Ja? Glaubst du wirklich?"

Andromeda nickte bekräftigend. „Ja, natürlich. Ich kannte Sirius zwar viel besser als James, aber ich bin mir sicher, dass sie sehr stolz darauf wären, dass du dir ein Leben aufbauen konntest, mit dem du glücklich bist. Und dass es ein neues Kind gibt, dass sie hätten korrumpieren können."

Harry lachte und wandte sich dann an Teddy, der das Bild stumm angeschaut hatte. „Wir würden uns sehr freuen, wenn du uns bald wieder besuchen würdest, Teddy. Wir haben dich in den letzten Wochen sehr vermisst. Dein Spielzeug ist schon ganz traurig, weil niemand damit spielt."

„Ach wirklich?", fragte Teddy skeptisch, aber auch hoffnungsvoll.

Harry nickte. „Ja sicher. Ich weiß, dass wir in den letzten Wochen nicht so viel Zeit für dich hatten und in den nächsten Monaten wird sich das bestimmt nicht ändern, aber wenn dir ein schreiendes Baby nichts ausmacht, wir würden uns freuen, wenn du mal wieder ein Wochenende bei uns bleibst. Du musst doch James kennen lernen. Er wird jemanden brauchen, den er später um Rat fragen kann, wenn er mal Hilfe braucht und nicht zu seinen uncoolen Eltern gehen will. Du bist doch sowas wie sein cooler älterer Bruder. Wenn du erstmal nach Hogwarts gehst … ich kann mir jetzt schon vorstellen, wie er dich dann ausfragen wird."

„Wirklich?", fragte Teddy hocherfreut.

Harry nickte und bemühte sich sehr, nicht das Gleichgewicht zu verlieren, als Teddy ihn stürmisch umarmte. „Du hast immer einen Platz bei uns, Teddy, daran darfst du nie zweifeln. Deshalb hast du doch auch dein eigenes Zimmer bei uns, das wird dir niemand wegnehmen. Und niemand kann dich ersetzen, niemals."

Teddy war überglücklich und Andromeda bot Harry einen Feuerwhiskey an, um James' Geburt zu begießen. Sie drängte ihm auch ein Stück Hackbraten auf, das er dankbar annahm, da er wohl nicht viel gegessen hatte. Teddy wich nicht von seiner Seite und umklammerte das Foto von James fest in seiner Hand.

„Weißt du", sagte Harry, nachdem er den letzten Bissen heruntergeschluckt hatte. „Ich erinnere mich noch genau, wie dein Dad damals vorbeikam, um uns zu sagen, dass du geboren worden bist."

„Ja?", fragte Teddy erfreut, wie immer, wenn er etwas über seine Eltern hörte.

Harry nickte. „Hermine, Ron und ich waren damals bei Bill und Fleur, weil wir uns vor Voldemort versteckt und unsere nächsten Schritte geplant haben, da ist dein Vater unerwartet aufgetaucht. Er war so glücklich, so hab ich ihn noch nie gesehen, und er hat mich gebeten, dein Pate zu sein und er hätte am liebsten jeden einzelnen von uns umarmt, so sehr hat er sich gefreut." Teddy strahlte und Harry seufzte. „Es war so schön, so einen glücklichen Moment zu erleben, während alles andere um uns herum so schrecklich geworden war. Wir haben uns alle so gefreut. Nicht wahr, Andromeda?"

Sie nickte. „Oh ja, es war fantastisch, endlich eine gute Nachricht zu haben, besonders nachdem wir deinen Großvater verloren haben." Sie wuschelte Teddy durch die pechschwarzen Haare, die jetzt denen von James auf dem Foto ähnelten. Vor zehn Minuten waren sie noch giftgrün gewesen. „Es war so schade, dass er dich nicht mehr kennen lernen konnte. Er hätte sich genauso gefreut wie deine Eltern."

Teddy grinste und schaute von dem Foto zu Harry und Andromeda. „Können wir Ginny und das Baby morgen im Krankenhaus besuchen?", fragte er hoffnungsvoll. Harry strahlte und Andromeda sagte erleichtert:

„Natürlich können wir. Wenn Ginny nichts dagegen hat."

Harry winkte ab. „Natürlich könnt ihr. Ginny freut sich schon, überall mit James anzugeben und im Krankenhaus hat sie noch ein bisschen Ruhe, bevor der Rest der Weasleys uns Zuhause überfällt. Wir haben die meisten gebeten, uns ein paar Tage Zeit zu geben, bevor sie uns besuchen. Wir hoffen, im Krankenhaus unerkannt zu bleiben, damit die Presse Ruhe gibt, und wenn die ganze Familie zu Besuch kommt, wird das nicht möglich sein." Er verdrehte die Augen. Die Klatschpresse hatte schon seit Jahren auf eine Schwangerschaft von Ginny spekuliert und sich fast mit Berichten überschlagen, als sie mit dem Quidditch hatte aufhören müssen und ihren Babybauch nicht mehr hatte verstecken können. „Nur Ron und Hermine waren zu Besuch, aber die gehören einfach dazu."

Andromeda schaute ihn unsicher an. „Vielleicht sollten wir dann lieber nicht -"

Harry winkte ab. „Ach Papperlapapp! Ihr seid doch auch die engste Familie. Außerdem seid ihr zwei die Unauffälligsten, die wir haben. Du arbeitest sowieso im Krankenhaus und Teddy ist die Presse nie auf die Schliche gekommen – Merlin sei Dank – weil er sein Aussehen so einfach verändern kann. Nein, nein, ihr kommt morgen auf jeden Fall, Ginny hat gesagt, ich brauch ohne Teddy gar nicht wieder zu kommen."

„Wirklich?", fragte Teddy begeistert.

Harry nickte. „Ja sicher. Sie kann es kaum erwarten, dass du ihn kennen lernst. Und ich auch."

„Ich freu mich auch", sagte Teddy. „Und vielleicht kann ich in ein paar Wochen wieder bei euch übernachten. Wenn James in der Nacht nicht mehr so oft aufwacht. Dominique und Louis waren am Anfang nämlich ziemlich laut."

Harry lachte. „Ja, sehr vernünftig. Nach allem, was ich bisher von James gehört hab, kann er mit den Zwillingen super mithalten. Aber keine Sorge, schlimmstenfalls legen wir einen Schallschutzzauber auf dein Zimmer, das wenigstens einer von uns durchschlafen kann."

Teddy nickte und umarmte Harry zum Abschied ganz fest. Er wollte ihm das Foto von James zurückgeben, aber Harry schüttelte den Kopf. „Nein, behalt es nur. Ich hab genug davon." Er schaute zu Andromeda. „Ginny kann dann morgen Nachmittag nach dem Kindergarten mit euch rechnen? Ich versuche auch zu kommen, aber ich muss noch ein paar Dinge im Ministerium erledigen, bevor ich mir ein paar Tage frei nehmen kann. James war etwas zu früh dran." Er lachte. „Ich hab das Gefühl, er wird Ginny und mir noch viel Arbeit machen."

Andromeda lachte. „Ja, nicht jeder ist so pünktlich wie Teddy. Aber selbst Schuld, wenn du ihn gleich nach zwei Rumtreibern nennst und nicht nur nach einem, so wie Teddy. Damit forderst du das Schicksal ja direkt heraus."

Er zuckte mit den Schultern. „Ja, vielleicht. Aber andere Namen kamen einfach nicht in Frage. Mal sehen, vielleicht suchen wir uns beim nächsten Kind ein paar vernünftigere Namen aus." Er küsste sie zum Abschied auf die Wange und winkte Teddy zu, bevor er zur Tür herausging.

Andromeda legte einen Arm um Teddy und drückte ihn an sich. „Jetzt bist du sowas wie ein großer Bruder", sagte sie und stellte zufrieden fest, dass er immer noch ein großes Grinsen im Gesicht hatte. „Das ist viel Verantwortung."

Teddy nickte. „Ich weiß", sagte er ernst und drückte das Foto an seine Brust. „Aber Harry glaubt, dass ich das schaffe."

„Natürlich tust du das, mein Schatz. Wer möchte dich nicht als großen Bruder haben? James kann sich glücklich schätzen."

Und das konnte er wirklich, denn Teddy war begeistert von dem Kleinen und Ginny war jedes Mal voll des Lobes, wenn Andromeda Teddy bei ihnen abholte.

„Ich kann James immer so schlecht beruhigen vor dem Schlafen, aber wenn er Teddy dabei zusehen kann, wie er seine Haarfarbe ändert oder eine andere Nase bekommt, dann ist er immer ganz still und schläft viel schneller ein", erklärte sie Andromeda eines Abends. Sie hatte dunkle Ringe unter den Augen und gähnte ständig. „Merlin, ich hätte nicht gedacht, dass ein Baby so anstrengend ist. Ich meine, ich hab schon auf genug Babys aufgepasst; Teddy, als er noch klein war, und die Kinder von Bill, aber James ist so viel schwieriger, als sie es waren."

Andromeda rieb Ginny tröstend den Arm. „Es macht einen Unterschied, ob man die Kinder nach ein paar Stunden oder Tagen wieder zurückgeben kann, oder ob man sie andauernd am Hals hat."

Ginny seufzte. „Wem sagst du das? Hab ich dir schon erzählt, dass wir James vor ein paar Tagen nicht finden konnten?" Andromeda schüttelte überrascht den Kopf. Ginny lachte. „Wir haben doch dieses Bettchen, wo sich das Gitter auf der einen Seite runterklappen lässt, sodass man es ganz nah an unser Bett schieben kann und einfach nur die Hand nach dem Baby ausstrecken muss. Vor ein paar Tagen hat James mitten in der Nacht wie am Spieß gebrüllt und Harry ist schon aufgestanden, um ihn zu nehmen, weil er dran war, und dann hab ich das Licht angemacht und James war nicht in seinem Bett! Fünf Minuten haben wir ihn gesucht, bis wir ihn bei uns im Bett am Fußende gefunden haben. Irgendwie ist er aus seinem Bettchen rausgerobbt und hat sich dann in unserer Bettdecke verheddert." Sie schüttelte lachend den Kopf, während Andromeda sie mit offenem Mund anstarrte.

„Aber er ist doch erst zwei Monate alt! Da kann er doch noch nicht mal alleine aufrecht sitzen! Wir hat er das denn geschafft?"

Ginny zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Ich hoffe, dass er das nicht noch mal machen wird, sonst finden wir ihn irgendwann gar nicht mehr."

„Das wird schon", sagte Andromeda zuversichtlich und lächelte Teddy zu, der die Treppe heruntergehopst in die Eingangshalle kam.

„James schläft. Die Schweineschnauze funktioniert immer", sagte er stolz und demonstrierte sie gleich.

Ginny lachte. „Das war auch immer meine Lieblingsnase, wenn wir deine Mum dazu überreden konnten, dass sie was verwandelt. Wie die Mutter, so der Sohn."

Teddy grinste übers ganze Gesicht und schaute dann auffordernd zu Andromeda. „Können wir dann gehen, Grandma? Heute kommt eine neue Folge von EastEnders."

Ginny runzelte die Stirn. „Das schaut ihr? Harry hat mal davon erzählt, dass seine Tante das immer gesehen hat, aber er klang nicht besonders begeistert."

Andromeda seufzte. „Weißt du, Ted hätte mir nie verziehen, wenn sein Enkel nicht wenigstens eine Folge gesehen hätte. Und jetzt liebt er es. Es ist alles nur Teds Schuld."

Ginny lachte. „Ja, das ist das Beste an einem Ehemann, man kann die Schuld immer ihnen zuschieben."

„Selbst wenn sie tot sind, funktioniert das noch", sagte Andromeda mit erzwungenem Grinsen. Sie konnte zwar manchmal Scherze darüber machen, aber Teds Tod versetzte ihr dennoch einen kleinen Stich in ihrem Herzen.

„Grandma!" Teddy zerrte Andromeda zum Kamin, die mit den Schultern zuckte und ihm folgte. „Jetzt komm endlich."

„Grüß Harry von mir", sagte sie zu Ginny, während Teddy bereits etwas Flohpulver in den Kamin warf. „Schade, dass ich ihn nicht gesehen habe."

„Ja, die haben im Ministerium viel zu tun. Sie planen für nächsten Monat einen Großeinsatz, da gibt's wohl noch einiges zu tun."

„Dann wünsch ihm viel Erfolg von mir", rief sie Ginny noch zu, als Teddy schon verschwunden war, und beeilte sich, ihrem Enkel zu folgen. Mittlerweile konnte er sehr gut mit Flohpulver umgehen, aber er war auch schon mehr als einmal im falschen Haus gelandet. Doch das war in der Zauberwelt nichts weiter besonderes. Bevor Ted ihren Kamin vor fremden Leuten gesichert hatte, war mehr als ein Kind unbeabsichtigt in ihr Wohnzimmer gestolpert. Aber dieses Mal lief alles glatt und sie konnten die neueste Folge von EastEnders in Ruhe schauen. So eine Freude!

2005 kam Andromeda vor wie das Jahr, in dem alle Weasleys Kinder bekamen. Das fing schon mit Percys Frau Audrey an, die bereits im Januar eine zweite Tochter bekam. Zu Ostern verkündeten Ron und Hermine dann überglücklich, dass sie ihr erstes Baby bekommen würden.

„Wir haben es schon seit Ewigkeiten versucht", erzählte Ron Andromeda im Garten des Fuchsbaus. Andromeda saß am Rand und schaute dabei zu, wie Teddy mit den Kindern von Bill und Fleur herumtollte. Unglaublich, wie groß die alle schon geworden waren. „Länger als Harry und Ginny."

„Was?", sagte Andromeda überrascht. So lange? Das müssen doch fast zwei Jahre gewesen sein.

Ron atmete tief durch und nickte schließlich. Ein Schatten hatte sich über sein Gesicht gelegt. „Ja. Und es war grauenvoll. Manchmal hatte ich schon Angst, dass unsere Ehe das nicht aushalten wird." Er schaute zu Hermine, die bei Harry saß und lachend James auf dem Schoß hielt. Ein seliges Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Aber das ist jetzt hoffentlich vorbei. Hermine hat schreckliche Angst, dass bei der Schwangerschaft etwas schiefgehen wird, aber die Heiler klangen sehr zuversichtlich. Wenn doch nur die Folgeschäden vom Cruciatus-Fluch besser erforscht wären …"

„Cruciatus-Fluch?", fragte Andromeda verwirrt. „Wieso Cruciatus-Fluch?" Seit dem Krieg war der Fluch doch kaum noch zum Einsatz gekommen und Hermine war bei ihrer Arbeit viel weniger in Gefahr, damit konfrontiert zu werden.

„Als uns die Greifer damals geschnappt und nach Malfoy Manor gebracht haben, hat Bellatrix Lestrange Hermine doch ewig damit gefoltert, weil sie wissen wollte, ob wir in ihr Verließ eingebrochen sind. Wären wir nicht rausgekommen, dann hätte sie wahrscheinlich das gleiche Schicksal ereilt wie Nevilles Eltern." Ron erschauderte und rieb sich über seine Unterarme, wo immer noch tiefe Narben zu sehen waren, die er irgendwann im Krieg erlitten hatte.

Andromeda erschauderte. Sie hatte gewusst, dass Bellatrix Hermine damals gefoltert hatte, aber die Ereignisse hatten sich so überschlagen, mit Teds Tod und Teddys Geburt, dass ihr das Ausmaß nicht bewusst gewesen war. Natürlich hatte Bellatrix ihren Hass an der Muggelstämmigen ausgelassen. Natürlich war sie so grausam gewesen. Und natürlich hatte es ihr Spaß gemacht. So war Bella.

Ron räusperte sich. „Jedenfalls war das die einzige Erklärung, die die Heiler dafür gehabt haben, dass sie nicht schwanger werden konnte. Mit mir war alles in Ordnung und alle üblichen Tests haben bei Hermine auch nichts ergeben. Aber keiner von den Tränken hat was gebracht und weil die langfristigen Folgen vom Cruciatus-Fluch so wenig erforscht sind, haben sie vermutet, dass das vielleicht der Grund war." Er seufzte. „Ich bin froh, dass Mum sie damals umgebracht hat, nach allem, aber der Gedanke, dass sie daran Schuld sein könnte, dass wir niemals ein Baby haben und dass unsere Ehe das vielleicht nicht überlebt hätte … Hermine ist die stärkste Person, die ich kenne und sie wäre daran beinahe zerbrochen und ich … ich bin nur froh, dass das jetzt alles vorbei ist. Sie geht jede Woche zur Kontrolle und ich hoffe, dass jetzt nichts mehr schief geht. Ich kann es kaum erwarten, endlich diesen wunderbaren neuen Menschen kennen zu lernen." Er lächelte Andromeda zu und stand dann rasch auf, als Hermine nach ihm rief.

Andromeda schluckte. Bellatrix hatte ihre Familie unwiderruflich zerstört, als sie Nymphadora kaltblütig ermordet hatte. Aber der Gedanke, dass sie auch Ron und Hermines zukünftige Familie auf dem Gewissen hätte haben können, Jahre nachdem sie gestorben war, war unerträglich. Andromeda hätte es sich nie verziehen, wenn Ron und Hermine an den Taten ihrer großen Schwester zerbrochen wären. Es war schlimm genug, Teddy jeden Tag anzusehen und zu wissen, dass ihre Schwester Schuld daran war, dass er sich an seine Mutter nicht erinnern konnte. In diesen Momenten wünschte sie sich wirklich, dass sie Bella als Kind die Treppe heruntergestoßen hätte. Aber Bella war wie eine Katze, sie hatte sieben Leben und das hätte ihr wahrscheinlich überhaupt nichts getan. Merlin, war sie dankbar, dass Molly dem Grauen ein Ende gemacht hatte!

„Hey", sagte Ginny strahlend und ließ sich in den frei gewordenen Stuhl neben Andromeda sinken. Sie schaute zu Teddy, der mit den Zwillingen und Victoire Fangen spielte und gerade laut schreiend vor den Kleinen davonlief. „Unglaublich, wie schnell sie groß werden."

„Wem sagst du das?", seufzte Andromeda und versuchte die dunklen Gedanken an Bellatrix wieder abzuschütteln. Es brachte gar nichts, wenn sie sich von ihrer toten Schwester so herunterziehen ließ. Das hätte Bella nur noch mehr gefreut. „Nicht mehr lange, und Teddy kommt nach Hogwarts."

„Unglaublich", sagte Ginny kopfschüttelnd. „Ich kann mich noch an ihn erinnern, als er so klein wie James war."

Andromeda schaute zu James, der mittlerweile von Ron durch die Luft gewirbelt wurde und laut und unbeschwert lachte. „Na, so klein ist James auch nicht mehr. Ich hätte ihn kaum erkannt, als ich ihn vorhin gesehen habe, er ist doch bestimmt schon wieder zehn Zentimeter gewachsen."

Ginny nickte. „Ja, er wächst unglaublich schnell. Ich weiß gar nicht, vom wem er das hat, Harry und ich sind nicht unbedingt die Größten."

„Aber Bill, Ron und George sind doch ziemlich groß, also liegt es immerhin in der Familie."

Ginny nickte. „Hoffentlich dauert es noch eine Weile, bis er uns über den Kopf wächst. Ich fürchte, er wird uns noch ganz schön Arbeit machen." Sie legte eine Hand auf ihren Bauch. „Ich hoffe, das nächste wird einfacher werden."

Andromeda schaute sie überrascht an. „Du bist schwanger? Schon?"

Ginny biss sich auf die Lippe und nickte. Dann sah sie sich vorsichtig um und beugte sich verschwörerisch zu ihr. „Geplant war es nicht wirklich, aber wir hatten auch nichts dagegen und haben das Risiko in Kauf genommen. Ich wollte nicht, dass die Kinder zu weit auseinanderliegen. Ich war immer froh, dass Ron und ich so nah beieinander waren, so hatten wir immer jemanden zum Spielen, auch wenn er viel zu oft auf Fred und George reingefallen ist." Sie verdrehte die Augen. „Idiot. Aber wie dem auch sei, außer Harry weiß es noch keiner. Wir wollten es heute eigentlich allen sagen, aber jetzt, wo Hermine und Ron ihre Schwangerschaft verkündet haben, wollen wir ihnen nicht das Rampenlicht nehmen. Sie haben so lange auf ihr Baby gewartet, sie sollten den Augenblick genießen."

Ginny lächelte. „Außerdem sind unsere Kinder dann fast gleichalt! Ich hoffe nur, dass sie gute Freunde werden, dann haben sie in Hogwarts immer jemanden, auf den sie sich verlassen können und werden sich hoffentlich nie alleine fühlen, so wie ich damals im ersten Schuljahr." Sie erschauderte und Andromeda erinnerte sich dunkel daran, dass sie in ihrem ersten Schuljahr von Voldemort besessen und ihr Schwager Lucius wohl irgendwie darin verwickelt gewesen war. Ihre Familie war wirklich sehr talentiert darin, das Leben der Weasleys zu ruinieren. Und am Ende unbeschadeter davon zu kommen als die Weasleys, die ihre Wunden immer noch mit sich herumtrugen, auch wenn sie sie nach all den Jahren besser verbergen konnten. Eine Schande war das.

„Nun ja. Jedenfalls bekommen wir noch ein Baby. Ich hoffe, du kannst das noch eine Weile für dich behalten, bis wir es der Familie in ein paar Wochen gesagt haben. Und Harry will es Teddy persönlich sagen. Damit er sicher gehen kann, dass Teddy nicht mehr solche Zweifel hat wie nach James' Geburt. Ich hatte so gehofft, dass wir ihm deutlich gemacht haben, dass sich nichts ändert, auch mit James, aber er hat sich ja anscheinend doch sehr deshalb gequält. Das tut mir immer noch so leid." Ginny schaute bedauernd zu Teddy, der fröhlich lachte und versuchte, Dominique aus dem Weg zu gehen.

„Mach dir keine Vorwürfe, ich hab's ja auch nicht erkannt. Und ich weiß nicht, ob ihr überhaupt mehr hättet machen können. Wahrscheinlich hat er nur sehen müssen, dass ihr es wirklich ernst meint. Und ich glaube, jetzt weiß er es, da wird ein weiteres Kind nichts daran ändern." Zumindest hoffte Andromeda das. Aber jetzt wusste sie, worauf sie achten musste, und sie würde schon dafür sorgen, dass Teddy seinen Platz in Harrys Leben nicht anzweifelte.

Andromeda hatte gedacht, dass es das mit den Schwangerschaften gewesen war, aber bei ihrem nächsten Treffen mit Narcissa wurde sie eines Besseren belehrt. Der Gesichtsausdruck ihrer kleinen Schwester sah noch verkniffener aus als letztes Jahr, als sie Andromeda von Dracos Verlobung erzählt hatte.

„Was ist denn jetzt schon wieder?", fragte sie sofort genervt. Dieser Gesichtsausdruck bedeutete nichts Gutes, dieser Gesichtsausdruck bedeutete, dass sie sich spätestens in einer halben Stunde so streiten würden, dass sie Narcissa aus dem Haus warf.

„Ich werde Großmutter", seufzte Narcissa gequält und ließ sich auf einen Stuhl sinken. „Kannst du dir das vorstellen?"

„Ja?", erwiderte Andromeda verständnislos und goss einen Schuss Feuerwhiskey in Narcissas Tee. Vielleicht war sie angetrunken leichter zu ertragen. „Ich bin schon seit sieben Jahren Großmutter, so eine Katastrophe ist das nicht. Und Enkelkinder sind toll, besonders, wenn man sie nicht dauernd um sich hat und nur verwöhnen kann." Zumindest behauptete Molly das. Aber Andromeda war auch sehr glücklich damit, Teddy die ganze Zeit bei sich zu haben. So hatte sie immer noch einen Teil ihrer Tochter und zusätzlich noch einen ganz neuen und wunderbaren Menschen.

„Aber das bedeutet, dass ich auf eine Scheidung nicht mehr hoffen kann", beschwerte sich Narcissa und trank die Tasse in einem Zug leer. „Eine Scheidung nachdem man ein Kind bekommen hat ist so schrecklich gewöhnlich."

Andromeda verdrehte die Augen. „Ich dachte, dass eine Scheidung im Hause Malfoy immer verpönt ist, ganz egal, wie lange man verheiratet ist. Du kannst mir doch nicht erzählen, dass du nicht auch manchmal kurz vor der Scheidung von Malfoy gestanden hast. Aus Liebe bist du bestimmt nicht geblieben."

„Natürlich nicht", erwiderte Narcissa sofort. „Aber ich hab ihn auch nicht aus Liebe geheiratet. Darum ging es bei uns nie. Aber wir haben eine Entscheidung getroffen und die macht man nicht einfach so rückgängig. Als ob es mir Spaß gemacht hätte, bei ihm zu bleiben, als er aus purer Dummheit in Askaban gelandet ist! Oder ständig vom Dunklen Lord erniedrigt worden ist, nachdem Bella ihn praktisch in unser Haus gezerrt hat! Oder dass er einfach nur zugesehen hat, als der Dunkle Lord sein Bestes getan hat, unseren Sohn zugrunde zu richten, nur um ihn für seine Unfähigkeit zu bestrafen! Nein, ich bin nicht gern bei ihm geblieben, aber ich habe mich damals für ihn entschieden und in unseren Kreisen ist das eine Entscheidung fürs Leben!" Sie seufzte. „Ich wünschte nur, dass Draco eine bessere Entscheidung getroffen hätte, als eine Greengrass zu heiraten oder zu schwängern." Sie seufzte erneut und hielt Andromeda ihre Tasse hin, in die sie wortlos noch etwas Feuerwhiskey goss. Den Tee ließ sie diesmal ganz weg. „Aber ich werde es wohl akzeptieren müssen."

„Wäre besser", stimmte Andromeda zu und setzte sich neben sie. Sie würde es ihrer Schwester bis ans Ende ihres Lebens übel nehmen, dass Narcissas Mann und Kind den Krieg überlebt hatten, während sie ihre verloren hatte, und es nicht einmal zu schätzen wusste, aber es bereitete Andromeda eine diebische Freude, dass Narcissa mit ihren Entscheidungen nicht unbedingt glücklich war und die Traditionen, auf die sie so viel Wert legte, es ihr nicht möglich machten, welche zu treffen, die sie vielleicht glücklicher machen würden. Das machte Andromeda vielleicht zu einem schlechten Menschen, aber es geschah Narcissa Recht, dass sie alles hatte, was sie angestrebt hatte, und es sie dennoch nicht glücklicher machte. „Und egal, wie die Umstände sind, ein Baby schließt man normalerweise schnell ins Herz."

Narcissa lächelte kaum merklich. „Draco habe ich von der Sekunde an geliebt, in der sie ihn in meine Arme gelegt haben. Er war ein so wunderbares Kind. Ich hoffe nur, dass das Baby ganz nach ihm kommen wird."

Jetzt war es an Andromeda, die Augen zu verdrehen. Ihre Schwester würde nie über ihren Schatten springen können. Sie hoffte nur, dass sie es sich auf diese Art nicht mit dem einzigen Menschen verscherzen würde, der ihr wirklich wichtig war. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass ihr Neffe diese dauernde Kritik ewig kommentarlos ertragen würde. Sie zumindest hätte das nicht.

„Freu dich einfach auf deinen neuen Enkel und spar dir deine Kommentare. So lebt es sich viel leichter. Darin müsstest du schließlich Übung haben." In den reinblütigen Kreisen sprach man doch nie aus, was man wirklich dachte, sondern zeigte seine Meinung nur durch missbilligende Blicke und leises abwertendes Schnauben. Und darin war Narcissa Expertin.

„Ich hab nur gewollt, dass mein Kind macht, was ich will", sagte Narcissa nach einer Weile resigniert.

Andromeda lachte und schenkte ihr Feuerwhiskey nach. „Das machen sie nie. Das müsstest du als Mutter doch eigentlich wissen."

Narcissa verdrehte die Augen. „Wem sagst du das, Schwesterchen. Wem sagst du das?"

TBC…


Bezug auf andere Geschichte im 10-kleine-Dinge-Universum: What You Want The Most (Hermine und Ron versuchen ein Baby zu bekommen)