15. Dezember: Babys über Babys
Im Mai heirateten George und Angelina, genau einen Tag nach Harrys und Ginnys Hochzeitstag. Andromeda war etwas verwirrt, dass das Brautpaar ausgerechnet diesen Tag gewählt hatte, aber George erklärte es ihr auf der Feier danach, die wie alle anderen ebenfalls im Fuchsbau stattfand. „Wir waren zusammen in Hogwarts, aber danach haben wir uns aus den Augen verloren. Auf der Hochzeit von Ron und Hermine haben wir uns damals wiedergetroffen und sind ein paar Mal ausgegangen, aber erst nach der Hochzeit von Harry und Ginny ein Jahr später wurde es etwas ernster und Angelina sagt immer, dass sie sich heute vor vier Jahren in mich verliebt hat. Ich hab leider noch sehr viel länger gebraucht, bis ich mir meine Gefühle für sie eingestehen konnte, aber … nach Ginnys Hochzeit hat sich unsere Beziehung unweigerlich verändert und Angelina fand es schön und symbolisch, heute zu heiraten, und Harry und Ginny hatten nichts dagegen. Es ist ja nicht so, als ob wir unsere Hochzeitstage zusammen feiern werden."
Das war romantischer, als Andromeda es George zugetraut hätte, aber sie hatte mit ihm auch nie viel zu tun gehabt. Sie hatte ihn erst nach dem Tod seines Zwillings besser kennen gelernt und es war ihm verständlicherweise sehr schwergefallen, aus dem dunklen Loch herauszukommen, in das er nach Freds Tod gefallen war. Aber heute schaute er zufriedener und fröhlicher aus, als sie ihn je gesehen hatte. Nur manchmal bemerkte sie, dass er seinen Blick durch den Garten schweifen ließ auf der Suche nach jemandem, den er nicht finden würde.
Aber die strahlendste Person auf der Hochzeit, abgesehen von der Braut, war Fleur.
„Isch se'e fantastisch aus auf den Fotos. Endlisch! Isch bin weder ein riesiger Ballon, weil isch mit Swillingen schwanger bin, noch ein Vampir, weil isch misch um ein neugeborenes Baby kümmern muss! Merlin sei Dank 'aben Schorsch und Angelina so lange mit der 'ochseit gewartet, bis isch wieder gut ausse'e." Sie strich sich ihr blassrosa Kleid glatt und warf ihre silberblonden Haare nach hinten.
Andromeda lächelte sie an. Sie war zwar der Ansicht, dass Fleur niemals schlecht ausgesehen hatte, selbst mit großem Bauch oder Ringen unter den Augen, aber sie konnte sich noch gut daran erinnern, wie unwohl sie sich manchmal während der Schwangerschaft und wie erschöpft sie sich häufig mit einem Säugling gefühlt hatte, und konnte nachvollziehen, dass Fleur sich zu dieser Zeit nicht gerade wohl gefühlt hatte. Besonders wenn man so viel Wert auf sein Aussehen legte wie sie.
Fleurs Augen wurden groß. „Oh je, entschuldige misch, Andromeda", sagte sie erschrocken und eilte davon. „Dominique!", rief sie so laut, dass die halbe Festgesellschaft erschrocken zusammenzuckte. „Lass sofort den Kuchen in Ruhe, den gibt es erst später!" Sie rauschte über die Tanzfläche hin zu der imposanten Torte, die Molly gebacken hatte, packte Dominique am Kragen ihres niedlichen pinken Kleidchens und zog sie ein paar Schritte zurück.
„Mum!", beschwerte Dominique sich genervt und enttäuscht und starrte sehnsüchtig auf die riesige Schokoladentorte. Andromeda lachte und entdeckte an der Seite der Tanzfläche Teddy und Victoire. Victoire schien sich nach Kräften zu bemühen, Teddy auf die Tanzfläche zu zerren, aber der schüttelte entschlossen den Kopf. Andromeda hatte noch nie jemanden gekannt, der so ein großer Tanzmuffel wie ihr Enkel war. Da würde Victoire aber lange warten, wenn sie hoffte, Teddy zum Tanzen zu überreden. Auch wenn das mehr oder weniger nur beinhaltete, wild auf der Tanzfläche herumzuhüpfen, so wie Percys Tochter Molly, Louis und Dominique, die wohl endlich vom Kuchen hatte ablassen können.
Eine Weile später fand sie sich in der Nähe von Charlie wieder, der vor kurzem noch von seiner Mutter ausgefragt worden war, wann er denn nun endlich heiraten würde. Dementsprechend erschöpft sah er aus.
„Deine Mutter meint es nur gut", sagte sie entschuldigend. Molly wollte wirklich, dass ihre Kinder glücklich waren, aber wie sie das manchmal anging, erinnerte Andromeda oft stark an Narcissa. Sie hatte genaue Vorstellungen, was ihre Kinder brauchten, um glücklich zu sein, und wenn ihre Kinder anderer Meinung waren, dauerte es oft lange, bis Molly schließlich akzeptiert hatte, dass es nicht nach ihr ging. Der Unterschied zu Narcissa war letztendlich, dass Molly es schließlich akzeptierte und sich für das Glück ihrer Kinder freute. Fleur hatte ihr oft erzählt, dass Molly sehr lange gebraucht hatte, bis sie sie als Schwiegertochter akzeptiert hatte, aber mittlerweile verstanden sich die beiden ausgezeichnet. Andromeda konnte sich nicht vorstellen, dass das einmal zwischen Narcissa und Astoria auch so sein würde.
„Ich weiß, dass Mum es nur gut meint, ich wünschte nur, dass sie endlich aufhören würde, etwas erzwingen zu wollen, was nie passieren wird", sagte Charlie entschlossen. „Ich habe meine Drachen und meine Freunde und Kollegen und das reicht. Ich will nicht heiraten und ich werde nie heiraten. Der Zug ist abgefahren."
Andromeda schaute ihn überrascht an, denn es klang so, als ob da mehr dahintersteckte. Aber Charlie machte nicht den Eindruck, als ob er weiter darüber reden wollte und so fragte sie ihn stattdessen nach seinen Drachen. Über die konnte er andauernd sprechen und er schlug ihr vor, dass Teddy und sie doch Bill, Fleur und seine Kinder begleiten könnte, wenn sie ihn im Sommer besuchen würden. Teddy war ganz aus dem Häuschen, als er davon erfuhr und eine Stunde später hatten sie bereits alles geklärt und im August begleiteten Teddy und sie tatsächlich Bill und Fleur mit ihren Kindern nach Rumänien.
Andromeda und Teddy waren gleichermaßen überrascht und fasziniert von den Drachen, da sie beide noch nie einen in Echt gesehen hatten. Bill hatte seinen Bruder schon öfter besucht und Fleur war bei ihrer Arbeit in Gringotts öfter welchen in den tiefsten Verließen begegnet (auch wenn Hermine sich vehement dafür einsetzte, Drachen nicht mehr als Wachtposten zu benutzen und man ihr gute Chancen ausrechnete, dass sie gewinnen würde), aber Andromeda hatte noch nie einen gesehen. Es waren wahrlich imposante Tiere, die Charlie über alles liebte, wenn man danach ging, wie sehr er von ihnen schwärmte.
„Und hier haben wir Norberta, den Norwegischen Stachelbuckel, den Harry und Hermine damals durch Hogwarts geschmuggelt haben", sagte er und deutete begeistert auf ein riesiges Tier, das in einiger Entfernung in einer Lichtung lag und in der Sonne schlief. Kleine Rauchwolken kamen aus ihren Nasenlöchern, wenn sie ausatmete.
Die Augen der Kinder wurden groß. „Harry hat einen Drachen durch das Schloss geschmuggelt?", fragte Teddy schockiert.
„Mit Tante Hermine?", rief Dominique skeptisch.
Andromeda schaute Charlie ungläubig an, denn davon hörte sie zum ersten Mal, während Bill die Augen verdrehte. „Musst du das den Kindern unbedingt erzählen?"
Charlie zuckte mit den Schultern. „Wieso nicht? Ist ja nicht so, als ob die das in Hogwarts später nachmachen können."
„Was ist denn passiert?", fragte Teddy wissbegierig. „Wie kommt Harry an einen Drachen? Und warum mussten sie ihn durchs Schloss schmuggeln? Und warum ist er jetzt hier?"
Charlie lachte. „Hagrid hat beim Kartenspielen ein Drachenei gewonnen und gedacht, er kann den Drachen in seiner Hütte aufziehen. Kleiner Tipp, falls ihr mal auf so eine absurde Idee kommen solltet: Es geht nicht. Ihr seht ja, wie groß die werden, die kann man nie im Leben bei sich zu Hause halten." Die Kinder schauten staunend auf den Drachen und versuchten wahrscheinlich gerade, sich vorzustellen, wie der in ihre Zimmer passen würde. „Jedenfalls haben Harry, Ron und Hermine Hagrid nach einer Weile dazu überredet, den Drachen mir zu überlassen, aber weil sie nicht wollten, dass er Schwierigkeiten bekommt, haben sie die Übergabe mit mir heimlich arrangiert, damit Hagrid nicht von den Behörden erfasst wird." Er seufzte. „Hagrid ist fantastisch, er liebt jede Kreatur und er würde alles für sie tun, aber manchmal schießt er einfach übers Ziel hinaus und unterschätzt, dass er nicht allen eine gute Umgebung geben kann, in der sie alles haben, was sie brauchen." Er verdrehte die Augen.
„Jedenfalls haben Harry und Hermine das Drachenbaby eines Nachts durchs Schloss geschmuggelt, damit ich und ein paar Kollegen es an einem der Türme abholen können." Er schüttelte den Kopf. „Sie hatten ganz schön Dusel, dass das so gut geklappt hat. Als Erstklässler hätte ich mich das glaube ich nie getraut."
„Als Erstklässler!", riefen die Kinder beeindruckt. Andromeda lachte. Sie hatte die Geschichte zwar noch nie gehört, aber nach allem, was sie mittlerweile von der Schulzeit des Trios wusste, passte das genau zu dem ganzen Unsinn, den die drei im Laufe der Jahre veranstaltet hatten. Auch wenn ihre Absichten in den allermeisten Fällen gut gewesen waren, hatten sie sich doch sehr häufig in Gefahr begeben, nachdem sie die Regeln gebrochen hatten.
„Aber das werdet ihr nie nachmachen, ist das klar?", sagte Fleur streng. Sie stemmte die Hände in die Hüften und schaute jedes Kind so lange an, bis es schließlich kleinlaut nickte. „'agrid weiß es mittlerweile besser und wird sischerlisch nischt noch einmal versuchen, einen Draschen bei sisch aufsusie'en."
Charlie nickte bekräftigend. „Ganz genau. Drachen gehören nicht nach Hogwarts. Und eure Tante Hermine hat völlig recht, dass sie auch nicht in eine Bank gehören. Ich wünschte nur, dass mehr Leute das einsehen würden. Das ist die Aufgabe, die ich am meisten verabscheue, Drachen für Banken auszubilden." Er führte sie weiter zu dem Ort in der Anlage, wo die Sicherheitsdrachen ausgebildet wurden und beantwortete dabei die Fragen der Kinder so ausführlich wie möglich, die alles darüber wissen wollten, wie Harry, Hermine und Ron damals in Gringotts eingebrochen und mit einem Drachen wieder rausgekommen waren.
Bill seufzte. „Es ist schon beeindruckend, was Ron, Harry und Hermine alles gemacht haben und mit was sie davongekommen sind", sagte er zu Andromeda. „Ich wünschte nur, dass die Kinder nie davon erfahren würden und am Ende noch selbst auf die Idee kommen, diese Dinge nachzumachen. In Gringotts einbrechen? Es mit einem Basilisken aufnehmen zu wollen? In der zweiten Klasse einen Vielsafttrank brauen?" Er schüttelte den Kopf.
„Nun ja, ich glaube, das meiste davon waren sehr unglückliche Umstände und ich bezweifle sehr, dass die Kinder auch nur eine Sache davon nachmachen können." Der Basilisk war schließlich tot und sie hatten nun wirklich keinen Grund, in Gringotts einzubrechen. „Wenn Harry Teddy von diesen Sachen erzählt, betont er immer, dass es hauptsächlich darum ging, Voldemort aufzuhalten und dass es ihm lieber gewesen wäre, wenn sie diese Sachen nicht hätten machen müssen." Auch wenn sie sich da ehrlich gesagt nicht so sicher war. Harry hatte bestimmt Spaß daran gehabt, die Regeln zu brechen und den Helden zu spielen, auch wenn es ihn im Laufe der Zeit einiges gekostet hatte.
„Ja, aber auch ohne Du-weißt-schon-wen sind die Kinder in der Lage, viel Unsinn anzustellen. Doch das gehört wohl dazu. Wenn ich da an meine eigene Schulzeit denke …"
Andromeda lachte. Ihre eigene Schulzeit war eigentlich sehr unspektakulär gewesen. Sie hatte viel Zeit damit verbracht, Bellatrix aus dem Weg zu gehen und zu lernen. Am abenteuerlichsten war es wahrscheinlich gewesen, neue Orte zu finden, an denen sie sich heimlich mit Ted treffen konnte, wo weder Bellatrix noch Peeves sie erwischen würden.
„Nun ja, ein bisschen Abenteuer in Hogwarts gehört dazu. Solange man sich nicht andauernd in Lebensgefahr begibt. Ich war heilfroh, dass Dora zu einer Zeit in Hogwarts war, als man als Schüler nicht andauernd Angst haben musste zu sterben."
Bill nickte. „Da hast du Recht. Charlie und ich hatten es ja noch ziemlich entspannt, aber alleine der Basilisk, der alle in Gefahr gebracht hat … und dann Sirius Black, dem sie die Dementoren zu verdanken hatten, weil Pettigrew alle getäuscht hatte …" Er schüttelte den Kopf. „Dreizehn Jahre lang hat ein massenmordender Todesser bei uns im Fuchsbau gewohnt, wenn ich da dran denke, wird mir immer noch ganz schlecht."
Andromeda verzog das Gesicht. Natürlich wusste sie, was Pettigrew für eine Rolle gespielt hatte, aber ihr war nie wirklich bewusst gewesen, dass er tatsächlich dreizehn Jahre als Ratte bei den Weasleys gelebt hatte. Nymphadora hatte öfters bei den Weasleys gespielt und war ganz in seiner Nähe gewesen. Merlin sei Dank war Pettigrew im Grunde ein Feigling gewesen und hatte immer nur versucht, seine Haut zu retten, ohne besonders überzeugt von der Ideologie zu sein. Sie bezweifelte stark, dass Bellatrix es dreizehn Jahre bei einer Familie von Blutsverrätern ausgehalten hätte, ohne sie kaltblütig zu ermorden. Trotzdem wurde ihr fast schlecht, wenn sie daran dachte, dass Pettigrew dennoch ohne zu zögern jedes Mitglied der Weasleys und Harry den anderen Todessern zum Fraß vorgeworfen hätte, wenn es ihm etwas genützt hätte. Schrecklich genug, dass er entscheidend bei Voldemorts Auferstehung gewesen war. Am besten wäre es wirklich gewesen, wenn Nymphadora in ihrer Tollpatschigkeit einmal auf die Ratte gefallen wäre und sie zerquetscht hätte. Wäre für alle besser gewesen. Und wer weiß, ohne Pettigrew würden vielleicht alle, die während des zweiten Krieges gestorben waren, noch leben.
„Grandma! Bill!", riss Teddys aufgeregte Stimme sie aus ihren düsteren Gedanken. „Wo bleibt ihr denn? Charlie will uns gleich die frisch geschlüpften Drachenbabys zeigen!"
Andromeda zwang sich ein Lächeln aufs Gesicht und hakte sich bei Bill unter, der sie galant über den steinigen Weg zu den anderen führte, die sich schon ein ganzes Stück von ihnen entfernt hatten. Sie wuschelte durch Teddys Haare, die die Farbe der Schuppen des letzten Drachens angenommen hatten, und nahm dann dankbar seine Hand. Merlin sei Dank war diese schreckliche Zeit vorbei und würde es hoffentlich für immer bleiben. Sie hatten alle mehr als genug Opfer gebracht.
Die Babydrachen waren herzallerliebst und für einen Moment konnte Andromeda Hagrid sogar verstehen, aber dann konnte Teddy nur um Haaresbreite verhindern, dass Dominique sich verbrannte und sie war froh, dass es nicht erlaubt war, zuhause Drachen zu halten.
In jedem Fall war die Zeit bei Charlie wunderbar und Teddy schwärmte noch Monate später von ihrer Reise. Die Lehrer in seiner Grundschule erzählten Andromeda amüsiert, was für eine große Fantasie er hatte und wie begeistert seine Mitschüler an seinen Lippen hingen, wenn er von den Drachen berichtete. Der Herbst war dieses Mal sehr düster und verregnet und im Krankenhaus musste sie reihenweise Tränke an verschnupfte Hexen und Zauberer verteilen, die den Trank nicht selbst brauen konnten.
Sie war zu Tode erschrocken, als plötzlich Anfang Oktober wie wild an ihre Haustür gehämmert wurde. Merlin sei Dank übernachtete Teddy bei Harry und Ginny, deren Bauch mittlerweile schon wieder kugelrund war. Besonders Baby James war fasziniert und pikste seine Mutter so oft es ging. Er war ganz begeistert davon, dass von innen zurückgetreten wurde.
Andromeda schluckte und griff sofort nach ihrem Zauberstab, den sie auch nach all den Jahren immer griffbereit hatte. Man wusste ja nie, was für Verrückte draußen rumliefen. Zögerlich ging sie auf ihre Haustür zu und linste durch den Spion. Erleichtert atmete sie auf, als sie nur Narcissa sah, die mit wehenden Haaren vor der Tür stand.
„Was machst du denn hier mitten am Wochenende?", fragte sie überrascht und trat rasch zur Seite, als ihre Schwester in den Flur rauschte. Narcissa war noch nie an einem anderen Tag als dem dritten Donnerstag im Monat gekommen.
Zur Antwort wedelte Narcissa mit einem Foto durch die Luft. „Ich bin Großmutter!", rief sie aufgeregt. „Stell dir das vor, ich bin wirklich Großmutter! Die Linie der Malfoys wird fortgeführt! Nicht so reinblütig, wie ich wollte, aber immerhin. Hier!" Sie hielt ihr das Foto unter die Nase, das Andromeda ihr amüsiert aus der Hand nahm. Auf dem Bild waren drei Personen abgebildet. Der Mann konnte nur der Sohn von Lucius sein. Der Arme sah genauso aus wie er, auch wenn er bereits jetzt sehr viel weniger Haare hatte. Er saß am Bettrand und hatte den Arm um eine schwarzhaarige Frau gelegt, die erschöpft in die Kamera lächelte. Im Arm hielt sie ein kleines Bündel, dessen blonde Haare jetzt schon unverkennbar waren. Draco schaute fasziniert auf das Baby und strich mit dem Finger über seine Wange.
„Scorpius Hyperion Malfoy!", verkündete Narcissa mit stolz geschwellter Brust. „Scorpius nach unserem Urgroßonkel zweiten Grades und Hyperion nach Lucius Großcousin dritten Grades. Es war uns wichtig, dass er Namen mit Tradition bekommt."
Andromeda verkniff sich ein Grinsen und bedauerte im Stillen den armen Jungen, der mit solchen Namen durch die Welt laufen musste. Aber wer weiß, vielleicht würde ihm der Name auch gefallen. Sie war damals überzeugt gewesen, ihrer Tochter den besten Namen überhaupt gegeben zu haben und Nymphadora hatte ihn ihr ganzes Leben lang verabscheut.
„Er sieht genauso aus wie Draco als Baby", schwärmte Narcissa weiter. „Ganz genauso. Merlin sei Dank! Die Männer in Astorias Familie sind nun wirklich nichts besonderes und das Aussehen war an Lucius schon immer das Beste, abgesehen von seiner Herkunft, versteht sich."
Andromeda verkniff sich ebenfalls den Kommentar, dass an Lucius gar nichts Gutes war, und hoffte stattdessen, dass das Baby wenigstens den Rest nur von Astoria bekommen hatte. Stattdessen hörte sie weiter ihrer Schwester zu, die in einer Tour nur von ihrem neuen Enkel berichtete. Sie brachte sie ins Esszimmer und goss ihr zur Feier des Tages einen Feuerwhiskey ein, den Narcissa dankbar herunterkippte. Andromeda kam kaum zu Wort, aber das störte sie nicht. Sie konnte sich nicht erinnern, ihre kleine Schwester schon jemals so begeistert erlebt zu haben. Vielleicht bei der Geburt ihres eigenen Kindes, aber zu dieser Zeit hatten sie kein Wort miteinander gesprochen.
Es freute sie, dass sie zumindest darin Recht gehabt hatte, dass Narcissa das Baby uneingeschränkt ins Herz geschlossen hatte, ganz egal, wie wenig sie auch von dessen Mutter hielt. Sie hoffte, dass das auch so bleiben würde, sollte das Kind einmal Entscheidungen treffen, die sie weniger guthieß, aber das war ein Problem der Zukunft. Vielleicht konnte sie ihre Schwester in der Zwischenzeit subtil bearbeiten, sodass es nie zu einem Problem werden würde.
„Ich werde Draco in den nächsten Tagen sein ganzes altes Spielzeug vorbeibringen, solange Astoria noch im Krankenhaus ist", fuhr Narcissa fort. Andromeda hatte die letzten fünf Minuten nicht zugehört, deshalb nickte sie unverbindlich und goss Narcissa Feuerwhiskey nach. „Ich habe alle seine alten Sachen sorgfältig verpackt. Ich verstehe nicht, warum Astoria darauf bestanden hat, die Babyeinrichtung neu zu kaufen, alle von Dracos Sachen sind tadellos." Sie verdrehte die Augen. Andromeda konnte sich gut vorstellen, warum Astoria auf den schrecklichen Kram der Malfoys verzichtet hatte, aber Narcissa war da ein hoffnungsloser Fall.
Narcissa ging ins Detail, was Dracos alten Teddybär und seine Ritterrüstung (?!) anging und Andromeda nickte nur die ganze Zeit unverbindlich, bis Narcissa schließlich ihr fünftes Glas Feuerwhiskey leertrank, das Glas auf den Tisch knallte und schwankend aufstand. „Nun dann, ich verabschiede mich wieder, Dromeda. Bei unserem nächsten Treffen werde ich bestimmt eine ganze Menge neuer Fotos haben, die ich dir zeigen kann." Völlig überraschend zog Narcissa Andromeda in ihre Arme. Hilflos tätschelte Andromeda ihr den Rücken und lächelte sie an. „Ich danke dir, Schwesterchen", sagte sie schließlich. „Du hattest völlig Recht, bei so einem wunderbaren Baby sind die äußeren Umstände nicht mehr so wichtig, auch wenn ich mir etwas Besseres für meinen Enkel gewünscht hätte."
Andromeda biss sich auf die Lippe und schob ihre Schwester zur Tür heraus. „Mach's gut, Sissy. Herzlichen Glückwunsch."
Narcissa strahlte und konnte gerade noch verhindern, dass sie in Andromedas Rosenbeet stolperte. Sie winkte ihr zu und war einen Moment später verschwunden. Andromeda hatte eine Sekunde ein schlechtes Gewissen, dass sie ihre Schwester im angetrunkenen Zustand apparieren ließ, aber letzten Endes war sie alt genug und musste wissen, was sie tat. Und es war schön und überraschend, dass sie sich so sehr über ihr neues Enkelkind freute. Normalerweise hatte ihre Schwester sich in jeder Sekunde unter Kontrolle. Gut zu wissen, dass da wirklich ein Herz in ihr steckte und nicht nur ein gefrorener Eisklotz.
Am nächsten Tag vergaß sie ihre Schwester allerdings komplett, da sie im Krankenhaus zufällig Ron über den Weg lief, nachdem sie sich nach ihrer Schicht umgezogen hatte und vor dem Nachhauseweg noch einmal bei einem Patienten vorbeischaute, um zu sehen, ob sein linker Fuß schon wieder auf Normalgröße zurückgeschrumpft war.
„Was machst du denn hier?", fragte Andromeda überrascht und suchte ihn automatisch nach Verletzungen ab. Er war Anfang des Jahres schon einmal hier gewesen, als er während eines Auroremneinsatzes verletzt worden war, aber er sah völlig in Ordnung aus. Wenn man mal von dem panischen Blick absah. „Oh, ist es schon so weit? Habt ihr schon das Baby?" Sie dachte, dass es noch einen Monat dauern würde, aber Babys waren unzuverlässig. Witzig, dass das Baby nur einen Tag nach Narcissas Enkel auf die Welt kam.
Ron schüttelte den Kopf. „Nein, leider nicht. Aber heute war Hermines letzter Arbeitstag im Ministerium und sie ist wohl direkt nach der Anhörung zusammengebrochen. Merlin sei Dank haben die da keine Dementoren mehr unten, das wäre noch schlimmer gewesen." Er erschauderte und Andromeda schaute ihn besorgt an.
„Und was haben ihre Heiler gesagt?"
„Dass ihre Werte wohl nicht so gut sind und sie sie wahrscheinlich bis zur Geburt hierbehalten wollen, auch weil die Herztöne vom Baby wohl besorgniserregend sind. Und weil wir schon solche Probleme hatten, überhaupt schwanger zu werden und die Spätfolgen von dem Cruciatus-Fluch immer noch so unerforscht sind, wollen sie absolut kein Risiko eingehen." Er seufzte. „Dabei ist alles so gut gelaufen. Kaum Probleme und Hermine hat sich schon die ganze Schwangerschaft geschont, sie hat extra zwei große Fälle abgegeben. Wir sind so kurz vor dem Ziel, wenn jetzt noch was passiert …"
Andromeda strich ihm beruhigend über den Arm. „Das wird schon. Hier ist sie in guten Händen und unsere Geburtsstation ist wirklich ausgezeichnet. Im schlimmsten Fall holen sie das Baby früher, Hermine ist ja schon weit genug, dass das kein Problem sein dürfte."
Ron schaute sie dankbar an und gähnte dann unwillkürlich. „Entschuldige. Ich mach im Moment dauernd Überstunden, dass ich mir nach der Geburt einen Monat frei nehmen kann."
„Dann solltest du dringend nach Hause schlafen gehen. Glaub mir, nach der Geburt wirst du dir wünschen, dass du davor so viel wie möglich geschlafen hast, weil dir das dann eine ganze Weile fehlen wird. Hermine ist in guten Händen."
Ron nickte. „Ich weiß. Sie hat mich ja auch schon nach Hause geschickt, sonst wäre ich am liebsten hiergeblieben." Er sah sich um und beugte sich dann verschwörerisch zu ihr. „Und dann bin ich auch noch Malfoy begegnet, seine Frau liegt anscheinend direkt nebenan." Er schüttelte ungläubig den Kopf. „Hätte ich nicht gedacht, dass der mal jemanden finden würde, der sich freiwillig mit ihm fortpflanzt. Und dann noch so ein bescheuerter Name! Scorpius Hyperion! Der Junge hat doch jetzt schon keine Chance."
Andromeda lachte und schickte ihn zum Ausgang. Anstatt ihm zu folgen drehte sie sich um und ging spontan auf die Geburtsstation drei Stockwerke höher. Sie kannte die Stationsschwester und wurde gleich zu Hermines Zimmer geführt. Die war die einzige Patientin im Zimmer und lächelte erfreut, als sie Andromeda sah. Ihr Bauch war riesig und die Erschöpfung stand ihr ins Gesicht geschrieben, aber sie machte einen besseren Eindruck als ihr Mann. In der Luft schwebte ein Pergament, auf dem eine Feder die ganze Zeit die Herztonkurve des Babys aufzeichnete. Für Andromeda sah alles in Ordnung aus, aber sie hatte in diesem Bereich nur wenig Erfahrung.
„Hey, was machst du denn hier?", sagte sie überrascht und richtete sich vorsichtig etwas auf.
„Ich bin gerade deinem Mann begegnet und er hat gesagt, dass du hier bist, da wollte ich kurz vorbeischauen. Teddy ist heute und morgen noch bei Harry und Ginny, da hab ich Zeit." Sie erkundigte sich bei Hermine, wie es ihr ging und die erzählte ihr mehr oder weniger genau dasselbe wie Ron, nur mit mehr Details, was ihre Werte betraf. Aber sie schien optimistischer als Ron, dass alles gut gehen würde.
„Wir hatten schon fast aufgegeben, als ich doch noch schwanger wurde", erklärte sie und strich zärtlich über ihren großen Bauch. „Bisher ist alles gut gelaufen, ich lass mir das jetzt nicht von jemandem wie Bellatrix Lestrange versauen. Die hat schon so viel ruiniert, das wird sie uns nicht auch noch nehmen!" Andromeda seufzte. Hermine schaute sie entschuldigend an. „Oh, Andromeda, es tut mir leid. Dir hat sie am meisten genommen. Ich vergesse immer, dass sie deine Schwester war."
„Das würde ich auch gern, glaub mir", erwiderte sie. „Ich hab mich sobald wie möglich von ihr entfernt, aber ich wusste immer, dass ich nie vor ihr sicher sein würde. Sirius auch, aber er hat schon immer gerne sein Glück herausgefordert." Sie schüttelte den Kopf. „Aber genug davon. Ich wünsch euch alles Gute und ich würde mir nicht allzu viele Sorgen machen. Letzten Endes klingt das nach den üblichen Problemen, das kriegen wir hier normalerweise gut in den Griff."
„Hab ich Ron auch gesagt", erwiderte Hermine. „Aber er macht sich gerne Sorgen. Und ich weiß nicht, wenn ich damals gehört hätte, wie er gefoltert wird, dann wäre ich vielleicht auch so. Es waren schreckliche Schmerzen, aber ich glaube fast, dass ich es besser hatte als er. Er hat deshalb viel mehr Albträume als ich, ich hab den Großteil dieses Tages verdrängt und er kann das nicht." Sie wischte sich ein paar Tränen aus den Augen und Andromeda schluckte. Wenn sie sich vorstellte, wie es wäre, zuzuhören, wie ihre Familie gefoltert wurde … sie war froh, dass sie nicht dabei hatte zusehen oder zuhören müssen, wie sie ermordet worden waren, so schrecklich es auch war, die Nachricht von ihrem Tod zu erhalten. „Aber es wird alles gut gehen, das weiß ich. Wir hatten alle Probleme vor der Schwangerschaft, ich glaube nicht, dass jetzt noch etwas schiefgeht. Und ehe wir uns versehen, haben wir unser gesundes Baby. Endlich."
Andromeda tätschelte ihr zum Abschied die Hand und dann den Bauch und lächelte, als sie ein paar dumpfe Tritte spürte. Sie verließ das Zimmer, zögerte einen Moment und klopfte dann an die Tür daneben. Vorsichtig streckte sie den Kopf durch die Tür. Auch hier war nur ein Bett belegt und sie erkannte die erschöpfte dunkelhaarige Frau, die im Bett am Fenster lag und Andromeda mit großen Augen anstarrte.
„Wer sind Sie?", sagte sie erschrocken und tastete nach ihrem Zauberstab auf dem Nachttisch. „Sie sehen aus wie Bellatrix Lestrange, aber die ist schon seit Jahren tot, das kann gar nicht sein."
Andromeda seufzte. Da war Bellatrix schon so lange tot und man verwechselte sie immer noch manchmal mit ihrer verhassten Schwester, auch wenn sie im Laufe der Jahre immer unterschiedlicher aussahen. Askaban hinterließ bei allen seine Spuren. „Ich bin Bellatrix' und Narcissas Schwester, Andromeda. Vielleicht haben Sie schon mal von mir gehört? Würde mich aber nicht wundern, wenn nicht, die Familie redet nicht gerne über mich."
Astoria musterte sie prüfend und mit gerunzelter Stirn, dann nickte sie schließlich. „Ja, ich glaube, ich erinnere mich, dass Lucius Narcissa bei einem Streit ihre fragwürdige Familie vorgeworfen hat."
Andromeda seufzte. „Ja, das klingt nach ihm. Mich wundert nur, dass er mich überhaupt erwähnt."
Astoria zuckte mit den Schultern. „Es war an dem Abend, als Draco mich ihnen vorgestellt und unsere Verlobung verkündet hat. Sie waren zu geschockt, dass Draco es gewagt hat, jemanden wie mich anzuschleppen, um den üblichen Schein zu wahren. Sie haben mich zwar im Esszimmer sitzen lassen und Draco im Salon angeschrien, aber schalldicht sind die Räume bestimmt nicht." Sie lachte humorlos. „Narcissa hat ihm vorgeworfen, dass noch nie eine unpassendere Person in die Linie der Malfoys eingeheiratet hat und Lucius hat gekontert, dass Narcissas Schwester ein Schlammblut geheiratet hat und deren Tochter einen Werwolf und dass es auch noch eine Missgeburt aus dieser Verbindung gibt. Ich dachte ehrlich gesagt, dass das eher so klang, als ob er den Verstand verloren hat, aber Narcissa hat nicht widersprochen. Nur sehr missbilligend geschnaubt. Draco konnte mir kaum was darüber sagen, der war nur froh, als wir endlich weggekommen sind."
Andromeda schluckte und setzte sich zögerlich auf den Stuhl, der bei Astorias Bett stand. Sie wusste nicht, warum sie enttäuscht war, dass ihre Schwester sie nicht verteidigt hatte. Sie wusste schon seit Jahren, was ihre Schwester von ihrer Familie hielt, aber dennoch … es war wohl wirklich zu viel verlangt, ein wenig Menschlichkeit von ihrer kleinen Schwester zu erwarten.
Andromeda zog ihren Geldbeutel hervor und holte ein paar Fotos heraus, die sie immer bei sich trug. Da war zum einen ein Foto von Ted, Nymphadora und ihr an Nymphadoras erstem Schultag. Dann ein Bild von Nymphadora, Remus und einem neugeborenen Teddy. Und ein Bild von Teddy und ihr, das Bill von ihnen bei Charlies Drachen geschossen hatte. Sie reichte Astoria die Bilder. „Das ist meine unpassende Familie. Mein Mann Ted und unsere Tochter, und dann unsere Tochter mit ihrem Mann Remus und ihrem Sohn Teddy, und mein Enkel Teddy jetzt. Er ist ein Metamorphmagus und keine Missgeburt. Sie waren alle wunderbar und Malfoy und Bellatrix und ihre tolle Truppe haben mir alle genommen, bis auf Teddy." Sie schluckte. „Ich schäme mich ja mehr für die Todesser in meiner Familie, die in Askaban gelandet sind wegen ihrer Verbrechen, als für diese wunderbaren Menschen, aber die Malfoys waren schon immer schrecklich verbohrt."
Astoria betrachtete grinsend die Fotos. Sie strich über Teddys Haare, die in dem Moment, in dem das Foto gemacht worden war, die Farbe wechselten und schaute dann mit gerunzelter Stirn auf das Foto von Nymphadora und Remus. „Der Mann kommt mir bekannt vor. Ist das der Werwolf, von dem die Rede war?"
Andromeda nickte. „Ja, er war mal ein Jahr lang Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste in Hogwarts und ansonsten hat er sich viel im Kampf gegen Voldemort engagiert."
Astorias Augen leuchteten auf. „Ja richtig! Professor Lupin! Ich kann mich noch erinnern, er war mein Lehrer in der ersten Klasse. Der beste in dem Fach, den ich während der ganzen Schulzeit hatte! Er war fantastisch und ich war so naiv zu glauben, dass die anderen auch so gut sein würden. Moody war ja noch ganz okay, auch wenn es Wahnsinn war, dass er Zweitklässler mit verbotenen Flüchen belegt hat. Und Umbridge war unmöglich! Meine Schwester beschwert sich heute noch, dass sie so eine miserable Note in ihrem Verteidigungs-ZAG bekommen hat, weil Umbridge sie nicht richtig vorbereitet hat. Und dann kam ein Todesser nach dem anderen und die waren alle Mist. Ich war so traurig, dass wir Professor Lupin damals verloren haben."
„Er war auch sehr traurig, dass er nicht bleiben konnte. Aber da Dank Snape die ganze Schule wusste, dass er ein Werwolf war, wäre es wohl kaum möglich gewesen", erwiderte Andromeda überrascht. Mit so einer Reaktion hatte sie nun wirklich nicht gerechnet.
Astoria verdrehte die Augen. „Wenn ich an die ganzen Clowns denke, die nach ihm gekommen sind, hätte ich das gerne in Kauf genommen." Sie gab Andromeda die Bilder zurück. „Danke, dass Sie sie mir gezeigt haben. Es ist schön zu wissen, dass es auch normale Menschen in der Familie gibt." Andromeda lachte. „Und entschuldigen Sie, dass ich Sie für Bellatrix gehalten habe. In dem Licht …"
„Ich versteh schon. Bella und ich sahen uns früher sehr ähnlich. In Hogwarts sind manchmal Erstklässler schreiend vor mir davongelaufen, weil sie mich auf die Entfernung für sie gehalten haben. Ich meine zwar, dass ich im Laufe der Zeit besser ausgesehen habe als sie, aber ich kann es Ihnen nicht übelnehmen. Sie kennen mich ja nicht." Andromeda verstaute ihre Fotos sorgfältig wieder in ihrem Geldbeutel. „Ich habe nur eine Bekannte besucht und gehört, dass Sie hier liegen, da wollte ich Ihnen gratulieren und mir den kleinen Scorpius mal anschauen."
Astoria warf ihr einen überraschten Blick zu. „Sie kennen seinen Namen?"
Andromeda nickte grinsend. „Oh ja. Narcissa kam noch am Abend von seiner Geburt vorbei und hat mir ein Foto gebracht. Sie war ganz aus dem Häuschen."
„Ach ja?", sagte Astoria erstaunt. „Im Krankenhaus war sie so missbilligend wie immer. Hat sich nicht mal gefreut, dass sie mir den blöden Namen aufgeschwatzt haben, als ich noch unter starken Schmerzmitteln stand."
„Ja, sie wird nie aus ihrer Haut können", erwiderte Andromeda schulterzuckend. „Sie war schon immer eine versnobte Ziege, die will, dass man nach ihrer Pfeife tanzt. Ich fürchte, sie wird es Ihnen bis an ihr Lebensende übelnehmen, dass Sie nicht die Person sind, die sie für ihren Sohn ausgesucht hat. Ganz egal, wie sehr Ihre Familie sonst ihren Kriterien entspricht."
Astoria zuckte ebenfalls mit den Schultern. „Meine Schwester ist lesbisch und wohnt in Paris. Ich glaube nicht, dass Narcissa das je akzeptieren wird. Aber Draco nimmt mich, wie ich bin, deshalb stört es mich nicht so sehr. Er hat von Anfang an gesagt, dass seine Familie nicht glücklich mit mir sein wird, aber dass es ihm egal ist."
„Das ist gut", sagte Andromeda erfreut. So ein Rückgrat hatte sie ihrem Neffen gar nicht zugetraut. Im Krieg hatte er noch genau nach der Pfeife seiner Eltern getanzt. Aber es würde ihm nur zugutekommen, wenn er auf der Seite seiner Frau war. Mit Ted an ihrer Seite hatte sie sich immer unbesiegbar gefühlt. „Es wird nur wichtig sein, dass Sie sich von meiner Schwester nicht reinreden lassen. Das wird sie bestimmt versuchen, wie ich sie kenne. Aber erziehen Sie Scorpius bloß so, wie Sie es für richtig halten. Meine Schwester muss das akzeptieren."
„Wird sie das denn?", fragte Astoria skeptisch. „Sie kommt mir nicht vor wie jemand, der gerne zurücksteckt."
„Das nicht. Aber sie liebt ihren Sohn und ihren Enkel und wenn sie Gefahr läuft, einen von ihnen zu verlieren, dann wird sie sich zusammenreißen müssen." Auch wenn es nur eine kleine Geste gewesen war, Narcissa war damals eine entscheidende Person gewesen, die Harry geholfen hatte, Voldemort zu besiegen, und das hatte sie nur ihrem Sohn zuliebe gemacht. Sie würde es so weit treiben, wie sie konnte, aber wenn ihr klare Grenzen aufgezeigt wurden, dann würde sie es nicht riskieren, Draco und Scorpius zu verlieren. „Ich kenne sie gut genug, vertrauen Sie mir. Scorpius' Name sollte das letzte sein, was nach Sissys Willem ging und nicht nach eurem." Zögerlich nickte Astoria. „Und so schlecht ist der Name gar nicht. In der Zauberwelt gibt es ja die abenteuerlichsten Namen. Ich fand den Namen meiner Tochter wunderschön und sie hat ihn gehasst. Vielleicht wird er ihn ja ganz toll finden."
„Ja, vielleicht", sagte Astoria mit einem Lächeln. Sie zuckten zusammen, als sie einen leisen Schrei aus dem Babybettchen hörten, das neben Astorias Bett stand.
Andromeda sprang auf und eilte zu dem Bettchen. „Ich geb ihn Ihnen", sagte sie und hob das weinende Baby vorsichtig aus dem Bettchen. So aus der Nähe sah er Lucius glücklicherweise nicht mehr ganz so ähnlich. Er war zwar eindeutig ein Malfoy, aber sie konnte auch Astoria in seinen Zügen erkennen. „Hallo Scorpius", flüsterte sie ihm zu. „Viel Glück mit dieser Familie!" Sie reichte ihn Astoria, die begierig die Arme nach ihrem Sohn ausstreckte. „Noch mal herzlichen Glückwunsch. Sie müssen meiner Schwester nicht sagen, dass ich hier war, wahrscheinlich ist es für alle besser, wenn das unter uns bleibt."
„So wie die Tatsache, dass Narcissa noch Kontakt mit Ihnen hat?", fragte Astoria amüsiert.
Andromeda zwinkerte ihr zu. „Ganz genau. Ich sehe, wir verstehen uns." Sie tätschelte ihr den Oberschenkel und lächelte Scorpius zu, der aufgehört hatte zu weinen und sie mit großen blauen Kulleraugen anstarrte. „Willkommen in der Familie. Und ich meine nicht die Malfoys, diese Luschen. Die Blacks sind sehr viel mehr hardcore. Ich glaube, ihr zwei werdet da gut reinpassen."
Astoria lachte und Andromeda ging zur Tür. Sie konnte kaum glauben, dass ihr Neffe wirklich so einen guten Fang gemacht hatte wie Astoria.
TBC…
