16. Dezember: Erwachsenwerden

Die nächste Zeit verging wie im Flug. Hermine bekam drei Wochen später ein gesundes Mädchen, in das besonders ihr Vater völlig vernarrt war. Anfang Januar bekam Ginny einen gesunden Jungen, der, genau wie James auch, seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten war. Andromeda wäre fast in Ohnmacht gefallen, als sie erfahren hatte, dass sie ihn Albus Severus genannt hatten. Albus konnte sie noch irgendwo nachvollziehen, Dumbledore hatte Harry viel bedeutet, aber dass Snape der andere Namensgeber war … ganz egal, was Harry ihr erzählte, diese Wahl kam ihr doch mehr als merkwürdig vor. Aber Ginny hatte sich breitschlagen lassen, da würden sie kaum auf Andromeda hören.

Im nächsten Jahr entwickelte Teddy dann zu ihrer Überraschung ein großes Interesse an Werwölfen. Bei Flourish und Blotts bestand er darauf, dass sie alle Bücher zu diesem Thema kauften und studierte sie alle eingehend. „Warum interessierst du dich denn so für dieses Thema?", fragte sie schließlich, als Teddy einen Monat lang nichts anderes gelesen hatte. Sie hatte ihn schon öfters gefragt, aber er hatte immer nur mit den Schultern gezuckt. Aber dieses Mal schien er willig, ihre Frage tatsächlich zu beantworten.

„Ich hab diese Briefe auf dem Dachboden gefunden", sagte er schließlich zögerlich und reichte Andromeda ein paar eng beschriebene Pergamente. Andromeda überflog sie mit gerunzelter Stirn. Es schienen Briefe von Remus während seiner Zeit bei den Werwölfen zu sein. Briefe an Nymohadora und an den Orden. „Von Dad. Da hat er erwähnt, dass er ein Werwolf ist und ich wollte nur wissen … ihr habt nie was davon gesagt und ich wollte wissen, wie Werwölfe so sind. Aber das in den Büchern klingt gar nicht nach dem Dad, von dem Harry und du immer erzählt."

Andromeda seufzte und ließ sich neben Teddy auf einen Stuhl sinken. Teddy hatte immer nach seinen Eltern gefragt und sie hatte ihr Bestes getan, ihm alles über sie zu erzählen, was sie wusste. Aber sie wollte ihn nicht mit Remus' Schicksal belasten, auch jetzt nicht, wo er immer älter wurde. Sie hatte schon mit Harry darüber diskutiert, wann sie ihm davon erzählen sollten, aber der war genauso unsicher wie sie, wann der richtige Zeitpunkt für so ein Gespräch war.

„Dein Dad war genau so, wie Harry und ich dir immer erzählen", sagte sie schließlich nach langem Zögern. „Aber er war auch ein Werwolf, das stimmt. Er wurde als kleiner Junge gebissen und er und seine Eltern haben immer alles dafür getan, dass er ein normales Leben hat. Er war in Hogwarts und immer ein sehr guter Schüler. Er hat in beiden Kriegen unermüdlich für die richtige Seite gekämpft, ohne zu zögern. Er hat ein Jahr in Hogwarts unterrichtet und war der Lieblingslehrer von so vielen Schülern." Sie dachte einen Moment an Astoria, die so wohlwollend von Remus gesprochen hatte. „Als es so aussah, dass Voldemort sich auch unter den Werwölfen Verbündete suchen wollte, hat er sein Bestes gegeben, sich da einzuschleusen und so viele Informationen für unsere Seite zu suchen wie nur möglich. Er war zwar ein Werwolf, aber er war immer zuallererst ein Zauberer, der nie aufgegeben hat, auch wenn unsere Gesellschaft es ihm nicht einfach gemacht hat mit ihren Gesetzen und ihren mickrigen Bemühungen, ein Heilmittel für den Biss zu finden. Aber wenigstens wurde ein Trank entwickelt, der eine allzu schlimme Verwandlung verhindert hat."

„Ja?", fragte Teddy hoffnungsvoll. „War das der Grund, warum er nach der Hochzeit eine Weile von Mum weggegangen ist?"

Andromeda nickte. Es war ihr irgendwann rausgerutscht, dass Remus für einige Zeit fortgegangen war, aber sie hatte es damals auf den Krieg geschoben und Teddy hatte glücklicherweise nicht weiter nachgefragt. „Er hatte schreckliche Angst, dass du auch ein Werwolf sein würdest. Werwölfe bekommen normalerweise keine Kinder, deshalb wussten wir nicht, ob das Werwolfgen vererbbar ist. Und weil wir uns alle versteckt hatten, konnten wir auch schlecht irgendwelche internationalen Experten ausfindig machen. Du hättest sehen sollen, wie glücklich dein Dad nach deinem ersten Vollmond war, als dir überhaupt nichts passiert ist. Noch glücklicher als nach deiner Geburt."

„Ja?", fragte Teddy strahlend.

Andromeda wuschelte ihm durch die Haare. „Ja. Nach dem Krieg hab ich mich etwas umgehört. Es gibt nicht viele Experten auf dem Gebiet, aber allgemein wird vermutet, dass du kein Werwolf geworden bist, weil du ein Metamorphmagus bist und deine Gene ständig verändern kannst. Das Werwolfgen kann keinen Fuß fassen. Merlin sei Dank. Ich hab ihnen damals erlaubt, etwas von deinem Blut zu testen, aber ich wollte nicht, dass du ständig überall rumgereicht wirst. Wie ein interessantes Anschauungsobjekt und nicht wie ein Mensch."

„Aber es gibt noch kein Heilmittel?", fragte Teddy enttäuscht. „Nach all den Jahren und diesen ganzen Geschichten", er zeigte auf die Bücher, in denen er gelesen hatte, „haben sie immer noch nichts gefunden? Die Leute werden gebissen und das war's dann?"

„Leider ja", erwiderte Andromeda bedauernd. „Der Wolfsbanntrank ist schon ein großer Fortschritt und hat Remus das Leben sehr viel leichter gemacht, aber eine Heilung gibt es noch nicht."

Teddy nickte nachdenklich und kaute auf seiner Lippe herum. „Danke Grandma", sagte er schließlich.

Andromeda lächelte erleichtert. „Es tut mir Leid, dass ich dir das nicht eher erzählt habe, Teddy. Aber dein Dad war so viel mehr als das und ich wollte nicht, dass du ihn nur als Werwolf siehst."

Teddy schüttelte vehement den Kopf. „Keine Sorge."

Dieses Gespräch hatte wohl den Grundstein für Teddys späteren Berufswunsch gelegt. Seit er von Remus' Schicksal erfahren hatte, war er besessen davon, alles über Werwölfe herauszufinden. Und damit nicht genug, suchte er dann in Fachpublikationen nach Fortschritten, die bei der Heilung von Werwölfen gemacht wurden (zu seiner Enttäuschung gab es da leider nicht viel zu finden). Als sie Teddy einmal im Shell Cottage abholte, erzählte ihr Bill amüsiert, dass Teddy ihn den ganzen Nachmittag ausgefragt hatte über die Nacht, in der er von Greyback angefallen worden war und was für Nachwirkungen das für ihn hatte und ob er etwas bei Victoire und den Zwillingen gemerkt hatte (die, wenn Andromeda genau darüber nachdachte, an Vollmond immer gereizter und streitsüchtiger waren als sonst, selbst die eigentlich friedliebende Victoire).

„Ja, seit Teddy weiß, dass Remus ein Werwolf war, ist er ganz besessen von dem Thema", sagte sie schulterzuckend. „Entschuldige, ich hätte dich warnen sollen. Aber ich habe ehrlich gesagt ganz vergessen, dass dir das passiert ist." Sie hatte Bill vor dem Angriff kaum gekannt, deshalb gehörten die tiefen Narben in seinem Gesicht genauso sehr zu ihm wie zu Fleur ihre silberblonden langen Haare.

Bill lachte und strich sich über die Narben. „Kein Problem, Andromeda. Es ist nett, wenn jemand die Narben kaum beachtet. Manche Leute sehen nichts als das. Die sind dann immer völlig überrascht, wenn sie sehen, dass jemand wie Fleur meine Frau ist."

„Isch sage ihnen dann immer, dass Beel früher einen fantastischen Giftzahnohrring 'atte und sie bei so einem attraktiven Mann auch nischt 'ätten nein sagen können", sagte Fleur grinsend und schlang die Arme um Bill.

Bill grinste zufrieden. „Teddy war sehr gründlich mit seinen Fragen. Würde mich nicht wundern, wenn er später mal in die Forschung geht, so interessiert, wie er an der Sache ist." Sie konnten es zwar noch nicht ahnen, aber Bill hatte völlig Recht gehabt mit seiner Vermutung. Teddy würde unermüdlich sein bei seiner Suche nach einer Heilung und in den kommenden Jahrzehnten größere Fortschritte auf dem Gebiet machen als jeder andere. Nicht zuletzt, weil er als Kind eines Metamorphmagus und Werwolfs in einer einzigartigen Position war.

Aber bis dahin dauerte es noch eine Weile. Dennoch verging die Zeit wie im Flug. Alle Kinder wuchsen so schnell wie Unkraut. Zwei Jahre später bekam Ginny das Mädchen, das Harry und sie sich gewünscht hatten, und Merlin sei Dank suchten sie dieses Mal einen halbwegs vernünftigen Namen für die Kleine aus. Ein paar Monate später bekam Hermine einen gesunden Jungen, dieses Mal ohne jegliche Probleme, weder beim Schwanger werden noch während der Schwangerschaft oder Geburt. Ron war hin und weg von seiner Familie und konnte den ganzen Tag von nichts anderem reden.

Schlimmer als Ron war nur Narcissa, die Andromeda bei jedem Treffen mit Bildern und neuen Geschichten von Scorpius überhäufte. Der Junge war wahnsinnig süß und sie freute sich, dass Astoria ihren Rat anscheinend beherzigte. Sie schickte Scorpius in einen Muggelkindergarten und ließ ihn häufig mit Muggelkindern aus dem Dorf spielen. Narcissa echauffierte sich schrecklich darüber, fand bei Andromeda aber nie ein offenes Ohr und gab es schließlich auf, sich bei ihr über die Verfehlungen ihrer Schwiegertochter aufzuregen.

Ehe sie sich's versah, war Teddy elf Jahre alt geworden und kam das erste Mal nach Hogwarts. Er freute sich ungemein und alle Weasleykinder waren grün vor Neid, dass er der erste von ihnen war, der in die Schule durfte. Andromeda freute sich für ihn, aber es war auch eine sehr melancholische Zeit für sie. Teddy hatte sie noch nie so sehr an Nymphadora erinnert wie jetzt. Sie hatte damals auch vor Begeisterung und Vorfreude auf Hogwarts gesprüht und Andromeda spürte jedes Mal einen Stich im Herzen, wenn sie daran dachte, dass Dora diese ganzen wichtigen Momente im Leben ihres Sohnes verpasste. Wie würde das erst einmal sein, sollte Teddy heiraten?

Aber das war nicht das einzige. Zum ersten Mal in ihrem Leben war sie in ihrem Haus ganz allein. Sie und Ted hatten es damals gekauft, als Nymphadora noch klein gewesen war. Auch wenn Dora in Hogwarts und später in ihrer eigenen Wohnung gewesen war, Ted war immer da gewesen. Und als er fort war, hatte sie erst Nymphadora und Remus und dann wenigstens Teddy gehabt. Aber jetzt war sie ganz allein.

Nun ja, immerhin hatte sie noch die Weasleys.

Der Großteil der Familie hatte darauf bestanden, Teddy zum Zug zu bringen, und so hatten sich Harry, Ginny und ihre drei Kinder sowie Bill, Fleur und deren Kinder auf Gleis 9 ¾ versammelt, um ihm zum Abschied zuzuwinken. Die meisten anderen Familien starrten Harry und Ginny mit offenem Mund an, aber die waren die Aufmerksamkeit so gewöhnt, dass sie sie kaum zu bemerken schienen. Außerdem waren sie voll und ganz mit der kleinen Lily beschäftigt, die so aufgebracht war, dass Teddy sie verlassen würde, dass sie sich weinend an ihm festklammerte und Harry Mühe hatte, sie von Teddy wegzuzerren und selbst auf den Arm zu nehmen. James wäre hinter dem Zug fast auf die Gleise gefallen, weil er alles so genau inspizierte und auch Victoire war sehr deprimiert, dass ihr bester Freund sie verlassen würde.

Am Ende schaffte Andromeda es endlich, Teddy von allen loszueisen und mitsamt seinem Koffer und seiner neuen Eule zum Zug zu schieben. Sie umarmte ihn zum Abschied. „Mach's gut, mein Schatz. Du wirst sicher viele Freunde finden und viel Spaß haben und viel lernen. Und denk dran, es ist nicht wichtig, in welches Haus du kommst. Alle können sich glücklich schätzen, dich zu haben." Tatsächlich konnte sie kaum einschätzen, wo er am Ende landen würde. Sie war in Slytherin, aber Ted und Nymphadora waren beide in Hufflepuff gewesen. Ganz zu schweigen von Remus, der durch und durch ein Gryffindor war. Und wenn sie daran dachte, was für ein großes Interesse Teddy daran hatte, später Werwölfe zu erforschen, dann wäre auch Ravenclaw eine realistische Wahl für ihn. „Ich hab dich lieb und bin so stolz auf dich. Deine Eltern wären auch so stolz auf dich. Ganz sicher." Teddy schluckte und nickte. Harry und Bill halfen ihm dabei, den schweren Koffer in den Zug zu hieven und bald darauf steckte er den Kopf aus einem Abteilfenster und winkte der Familie zum Abschied zu.

Alle winkten überschwänglich zurück, nur Lily kullerten immer noch dicke Tränen über die Wangen und sie vergrub das Gesicht im Umhang ihres Vaters. Sie alle schauten dem Hogwartsexpress wehmütig hinterher.

„Ich wünschte, ich wäre auch schon alt genug", seufzte Dominique sehnsüchtig, während Bill ungläubig den Kopf schüttelte.

„Nicht zu fassen, dass er schon nach Hogwarts kommt. Mir kommt es vor, als wäre es erst gestern gewesen, als Remus bei uns reingeschneit ist, um uns von seiner Geburt zu erzählen." Er schaute zu seinen Kindern, die alle die Augen verdrehten, weil sie die Geschichte nicht zum ersten Mal hörten und dementsprechend wenig begeistert waren. Bei allen hatte sich eine melancholische Stimmung breit gemacht. Schließlich klatschte Ginny aufmunternd in die Hände.

„So, wie wäre es, wenn wir zur Feier des Tages alle zu McDonald's gehen für ein bisschen Muggelfastfood?" Die Kinder waren kaum zu bändigen und so fanden sie sich keine zehn Minuten später in einem Fastfoodrestaurant in der Nähe des Bahnhofs wieder. Auch hier warfen ihnen die Leute Blicke zu, was aber mehr mit den übermütigen Kindern zu tun hatte als Harrys Berühmtheit.

„Wenn ich meine Ruhe will, gehe ich immer in die Muggelwelt", erklärte Harry Andromeda grinsend. „Wenn Ginny und ich einen Abend alleine verbringen wollen, suchen wir uns immer ein kleines Restaurant in London aus. Das ist wunderbar, da erkennt uns keiner. Auf Dauer ist es schrecklich nervig, sich ständig in der Hexenwoche abgedruckt zu sehen, nur weil man mit den Kindern in der Winkelgasse ein Eis essen war."

Andromeda lachte und war froh, etwas aufgemuntert zu werden. Es graute ihr, alleine in ihr Haus zurückzukehren.

„Wenn du willst, kannst du gerne mit uns nach 'ause kommen und sum Abendessen bleiben", schlug Fleur ihr vor, was Andromeda dankend annahm. Die Kinder waren begeistert, dass Andromeda mit zu ihnen kam und führten ihr in den nächsten Stunden ihr gesamtes Spielzeug vor, bevor sie sie dazu überredeten, ihnen aus ihrem Lieblingsbuch vorzulesen. Fleurs Essen war vorzüglich und Andromeda war froh, dass sie eine so große Familie hatte, die jetzt auf sie aufpasste.

Trotzdem war es schwer ohne Teddy. Sie stürzte sich in die Arbeit im Krankenhaus und bat darum, wieder mehr Schichten übernehmen zu dürfen, was im Mungos immer gut gebraucht wurde. Teddy schrieb ihr nach ein paar Tagen, dass er nach Hufflepuff gekommen war und sich bereits mit einem Jungen in seinem Schlafsaal angefreundet hatte. Andromeda brach in Tränen aus, als sie daran dachte, wie glücklich Nymphadora darüber gewesen wäre. Sie hätte Remus ewig damit aufgezogen, dass ihr Sohn in ihrem Haus war und nicht in seinem, und Remus hätte nur amüsiert gelächelt.

Ginny konnte es sich schließlich nicht mehr mitansehen, wie unglücklich Andromeda ohne Teddy war, und brachte sie zu einem Tierheim. Sie war der Meinung, dass Andromeda ganz dringend einen neuen Gefährten brauchte, um sich zu Hause nicht so alleine zu fühlen und präsentierte ihr einen wunderschönen Schäferhund, der nach einem neuen Zuhause suchte und ihrer Ansicht nach wunderbar zu Andromeda passte.

Andromeda war anfangs zwar sehr skeptisch, aber nach ein paar Wochen zeigte sich, dass Ginny wirklich recht hatte. Es war zwar nicht dasselbe wie mit Teddy im Haus, aber sie war wenigstens nicht alleine und der Hund (Merlin, wie sein früherer Muggelbesitzer ihn amüsanterweise genannt hatte) war eine wunderbare Ablenkung. Nicht zuletzt, weil Narcissa laut kreischte, als sie das erste Mal nach Merlins Ankunft zu Besuch kam und der Hund zur Begrüßung an ihr hochsprang. Sie ließ zwar kein gutes Haar an dem Hund, aber Andromeda war nicht blind, sie sah genau, wie Narcissa ihm manchmal heimlich ein paar Leckerli zusteckte.

Merlin hatte noch ein Gutes, die Weasleykinder waren begeistert von ihm und bettelten ihre Eltern an, ihn besuchen und mit ihm spielen zu dürfen. Die machten sich Sorgen, dass sie Andromeda zu sehr mit ihnen belästigten, aber Andromeda winkte ab. Sie war froh, dass die Kinder gerne bei ihr waren und die Eltern hatten ihnen eingeschärft, besonders brav bei ihr zu sein, wenn sie Merlin weiterhin sehen wollten.

Auch Teddy war hin und weg von ihrem neuen Mitbewohner und konnte in den Weihnachtsferien gar nicht genug bekommen von dem Tier. Bei der Weihnachtsfeier im Fuchsbau wurde Teddy empfangen wie ein Held, die Kinder scharten sich um ihn und fragten ihm mehrere Löcher in den Bauch.

„Teddy ist viel zu gutmütig", sagte George kopfschüttelnd, nachdem er Andromedas Punsch heimlich mit etwas Feuerwhiskey aufgepeppt hatte. Schon seit Jahren hatte er es sich zur Aufgabe gemacht, den Punsch der Volljährigen und Nichtschwangeren so zu frisieren, damit die Feier „nicht so sterbenslangweilig" war. Er dachte, dass er damit davonkam, ohne dass seine Mutter etwas mitbekam, aber Molly hatte Andromeda schon nach der ersten Feier, auf der er das gemacht hatte, verraten, dass sie genau wusste, was er da trieb und solange die Familienmitglieder nicht aus dem Ruder liefen, ließ sie es ihm durchgehen.

„Wieso ist Teddy zu gutmütig?", fragte Andromeda verständnislos. Natürlich war Teddy ein sehr gutmütiger Mensch, aber was machte das schon?

„Er könnte den Kindern wer weiß was über Hogwarts erzählen, um besser dazustehen, aber er erzählt einfach nur die Wahrheit", sagte George verständnislos. Er lachte unwillkürlich. „Ich weiß noch genau, wie Fred und ich Ron erzählt haben, dass wir mit einem Troll ringen mussten, damit wir erfahren, in welches Haus wir kommen. Merlin, was der Junge leichtgläubig! Ginny war da viel misstrauischer. Hoffentlich ist Ron mittlerweile besser darin, Bullshit zu erkennen, sonst haben die Verbrecher wirklich leichtes Spiel."

Andromeda lachte. „Das war aber nicht nett von euch!"

„Wozu sind kleine Geschwister denn da?", erwiderte George verständnislos. „Du hättest mal hören sollen, was für Mist Bill und Charlie uns allen erzählt haben. Wir haben uns zwar gedacht, dass das nicht alles stimmt, aber man konnte ja nie wissen. In Hogwarts schien einfach alles möglich. Und auch manches, was eigentlich unmöglich war. Ich meine, wie viele Jahrhunderte hat dieser Basilisk auf den Erben Slytherins gewartet? Mitten im Schloss? Und keiner hat davon gewusst?"

„Glaub mir, mir wird heute noch schlecht, wenn ich daran denke. Wer weiß, wie nah mir dieses Vieh gekommen ist, ich hab ja in diesen blöden Kerken schlafen müssen. Teds Gemeinschaftsraum war wenigstens schön beleuchtet und heimelig, während man in unserem Gemeinschaftsraum problemlos eine Kuh für ein Ritual hätte schlachten können." Das würde sie nie verstehen. Man konnte sich auch allen anderen überlegen fühlen in einem Gemeinschaftsraum, der anständig beleuchtet und nicht konstant kalt und feucht war. Aber das war wohl zu viel verlangt.

George seufzte. „Ja, das war ein schreckliches Jahr. Kein Quidditch, man hat sich nirgendwo mehr sicher gefühlt, ständig wurde jemand versteinert und die Lehrer hatten genauso wenig Ahnung wie wir. Und dann wurde Ginny noch in dieses Loch entführt und Malfoy hat dafür gesorgt, dass Dumbledore wegmusste, als ob irgendjemand mehr Grips gehabt hätte als er … nun ja, am Ende ist es auf Harry und Ron angekommen, also hatte Malfoy vielleicht nicht ganz Unrecht …" Sie schauten zu Teddy, der gerade Victoire und den Zwillingen lang und breit die Treppen erklärte, die die Richtung wechselten. „Teddy hat erzählt, dass er sehr gut in Zaubertränke ist."

Andromeda nickte begeistert. „Ja, hat er mir auch gesagt. Der Professor hält ihn wohl für ein sehr vielversprechendes Talent. Was sehr gut ist, wenn er sich später wirklich ernsthaft damit beschäftigen will, Werwölfen zu helfen." Besonders in der Zaubertränkeabteilung des Mungos wurde viel Forschung betrieben und Teddy würde dort den größten Erfolg haben. Aber das war noch ein weiter Weg und wer weiß, ob er nach sieben Jahren in Hogwarts nicht etwas anderes machen wollen würde. Nymphadora hatte jedenfalls nicht in der Schule angefangen mit dem Ziel, später einmal Auror zu werden. Und Andromeda hatte die Prinzipien ihrer Eltern damals längst nicht so hinterfragt wie am Ende ihrer Schulzeit.

„Ja, er klang wirklich begeistert. Was ich nie werde nachvollziehen können. Aber ich hatte auch Snape in Zaubertränke, das war immer eine besondere Folter. Fred und ich hatten Glück, überhaupt was bei ihm gelernt zu haben, sonst hätten wir unseren Scherzartikelladen nie aufziehen können." Andromeda war jedes Mal aufs Neue fasziniert, wie talentiert George eigentlich war, denn in den meisten Scherzartikeln steckte wirklich ausgeklügelte und komplizierte Magie.

„Wir hatten Slughorn, der war als Lehrer nicht schlecht, aber diese ständige Bevorzugung war schon sehr nervig." Sie war zwar wirklich gut in Zaubertränke und er war nie müde gewesen, das hervorzuheben, trotzdem hatte es sie schrecklich gestört, wie er immer auf ihrem Familiennamen herumgeritten war. Aber er war bestimmt ein sehr viel besserer und netterer Lehrer gewesen als Snape.

„Besser als Snape, der damit droht, dein Haustier mit deinem vielleicht fehlerhaften Trank zu vergiften. Ich glaube nicht, dass ich als Vater so einen Lehrer bei meinen Kindern dulden würde." George schaute zu seiner Frau Angelina, die mittlerweile ein kleines rundes Bäuchlein hatte. Es würde noch Monate dauern, bis das Baby da war, aber George nahm die Aufgabe schon jetzt überraschend ernst. Auch wenn er Percy schon sehr deutlich erklärt hatte, wohin er sich seine Erziehungstipps schieben konnte. Andromeda wusste zwar, dass Percy es nicht böse meinte, aber so erfolgreich schienen seine Methoden nicht zu sein, wenn man bedachte, dass seine Töchter sich ständig an die Gurgel gingen und überhaupt nicht verstanden. Das erinnerte sie manchmal so sehr an ihre eigenen Schwestern, auch wenn sie sich selten in der Öffentlichkeit angeschrien hatten und keins von Percys Kindern so ein Psychopath wie Bellatrix gewesen war.

„Tja, Hogwarts ist Hogwarts", sagte sie schließlich schulterzuckend und trank einen Schluck von ihrem Punsch. Einen Moment später wurde sie von Teddy heran gewunken, der wollte, dass sie seine Geschichte bestätigte, dass der Slytheringemeinschaftsraum unter dem See war.

Mit der Zeit wurde es leichter, ohne Teddy zuhause zu sein. Merlin war ein guter Gefährte, die Arbeit im Krankenhaus nahm nicht ab und Andromeda begann, sich mehr in der Nachbarschaft zu engagieren und älteren Nachbarn beim Einkaufen zu helfen. Außerdem wurde sie von den Weasleys häufig als Babysitter eingespannt und so war sie weniger allein, als sie befürchtet hatte.

Narcissa schwärmte regelmäßig von Scorpius, auch wenn sie für Astoria weiterhin kein gutes Wort übrighatte und es sehr missbilligte, dass sie sich geweigert hatte, für ihn einen Hauslehrer zu engagieren, und ihn stattdessen in eine Muggelgrundschule schickte. Andromeda hielt das für eine gute Wahl. Für sie hatte es nie zur Debatte gestanden, Nymphadora irgendwo anders unterrichten zu lassen. Ihre Welt war so magisch, da war es wichtig, dass Teds Wurzeln nicht untergingen und Nymphadora sich ebenso gut in der Muggelwelt auskannte wie in der Zauberwelt. Der zweite Krieg hatte schließlich gezeigt, es schadete nie, effektiv untertauchen zu können.

Die Weasleys teilten diese Meinung ebenfalls. Molly hatte ihre Kinder alle zuhause unterrichtet, aber keiner der nächsten Generation war nicht berufstätig und hatte die Zeit, den Kindern die Grundlagen beizubringen. Außerdem waren bis auf Fleur und Angelina alle Partner in der Muggelwelt aufgewachsen und es war ihnen wichtig, ebenso wie Ted früher, diesen Teil ihres Lebens nicht völlig zu verlieren. Und es war nur gut, wenn Scorpius so bald wie möglich Respekt für Muggel entwickelte und sie als gleichwertige Menschen betrachtete. Darin, das zu vermitteln, waren die Malfoys ein hoffnungsloser Fall. Aber es sprach zumindest für Draco, dass er seine Frau in diesem Vorhaben unterstützte, etwas, das Narcissa gehörig missfiel.

„Ich verstehe einfach nicht, wieso er das für nötig hält", sagte sie zum wiederholten Mal kopfschüttelnd. „Draco hatte eine wunderbare Grundausbildung durch einen sehr qualifizierten Hauslehrer, der immer noch arbeitet und einen fantastischen Ruf in unseren Kreisen hat. Wir hatten doch auch eine fantastische Hauslehrerin, weißt du noch? Miss Merryweather?"

Andromeda verdrehte die Augen. Die Hauslehrerin hatte ihnen zwar das Nötigste beigebracht, aber sie war streng und unnachgiebig gewesen und hatte ihnen gerne auf die Finger gehaut, wenn sie unzufrieden mit ihren Leistungen gewesen war. Bellatrix hatte sie immer gerne provoziert und Merryweathers Zorn dann geschickt auf Andromeda gelenkt. Nein, Andromeda war sehr froh, dass Scorpius ein anderes Umfeld mit anderen, nicht reinblütigen Kindern bekam. Nymphadora hatte das immer sehr gutgetan und Teddy auch

„Ja, ich weiß, du hast sie nicht sonderlich gemocht, aber der Unterricht war vortrefflich", fügte Narcissa hinzu.

„Dora hat eine genauso gute Ausbildung hier in der Schule bekommen. Und sie hat gute Freunde gefunden, mit denen sie spielen konnte. Wir hatten doch meistens immer nur uns und Bella, oder irgendwelche anderen hochnäsigen Reinblüter. Du kannst mir doch nicht erzählen, dass das besser war." Sie hob die Hand, als Narcissa zum Protest ansetzte. „Vergiss es! Akzeptier einfach, dass es nicht deine Entscheidung ist, was für eine Ausbildung er bekommt. Das ist die Sache der Eltern."

„Ich wünschte nur, dass Draco auf mich hören würde anstatt auf diese Person. Sie hat ihn völlig in der Hand, ich komm gar nicht mehr an ihn ran."

„Sollte das nicht so sein? Immerhin sind sie verheiratet und es ihr Kind, nicht deins", wandte Andromeda ein. Sie hatte es Teds Mutter hoch angerechnet, dass sie sich nie eingemischt hatte, was Nymphadora betraf, auch wenn sie während des ersten Krieges bei ihr gewohnt hatten. Sie hatte Andromeda bereitwillig Ratschläge gegeben, wenn sie darum gebeten hatte, aber ansonsten hatte sie sie tun lassen, was Andromeda für richtig gehalten hatte.

„Ich habe es immer zu schätzen gewusst, wenn Mutter mir Ratschläge gegeben hat, was Dracos Erziehung betraf."

„Ach ja?", fragte Andromeda skeptisch. Das wunderte sie sehr, denn ihre Mutter hatte mir ihrer Erziehung nicht sonderlich viel zu tun gehabt. Und wenn man bedachte, welchen Weg sie und Bellatrix eingeschlagen hatten, konnte man auch nicht unbedingt sagen, dass ihre Erziehung besonders erfolgreich gewesen war. In jedem Fall hätte sie es gehasst, wenn ihre Mutter sich in Nymphadoras Erziehung eingemischt hätte. Sie konnte es Draco nicht übelnehmen, dass er sich davon abgrenzen wollte.

„Ja", beharrte Narcissa. „Und ich wollte meine Erfahrungen nur weitergeben, aber anscheinend wissen das weder Draco noch seine Frau zu schätzen." Sie verschränkte die Arme vor der Brust und Andromeda lenkte das Gespräch wie üblich aufs Wetter. Beim Wetter waren sie sicher.

Im Laufe der Zeit erwähnte Narcissa Astoria immer seltener, auch wenn sie weiterhin von Scorpius schwärmte. Andromeda erzählte manchmal von Teddy und seinen guten Noten, aber Narcissa hatte nie viel Interesse und Andromeda konnte auf ihre missbilligenden Blicke verzichten. Sie hatte kein so dickes Fell wie Narcissa, die um einiges besser darin war, Andromedas Kritik zu ignorieren. Aber so was sie schon immer gewesen. Hörte nur, was sie hören wollte.

Einmal war Andromeda Astoria und Scorpius sogar zufällig in der Winkelgasse begegnet, als sie bei Flourish und Blotts auf der Suche nach einem Geschenk zu Teddys dreizehntem Geburtstag war. Es war erst vor kurzem ein sehr gutes Fachbuch über Heiltränke herausgekommen, das Teddy unbedingt haben wollte. Sie stieß beinahe mit Astoria zusammen, die von Scorpius durch den Laden gezerrt wurde, der zielstrebig auf die Muggelabteilung zusteuerte.

„Oh, entschuldigen Sie bitte", sagte sie abwesend, bevor sie Andromeda erkannte und stehen blieb. „Mrs Tonks! Wie schön, Sie wieder zu sehen! Wie geht es Ihnen?", fragte sie ehrlich interessiert und bedeutete Scorpius, schon vorzugehen.

„Gut, danke. Mein Enkel ist in Hogwarts, da ist es zuhause ein bisschen leer, aber mittlerweile hab ich mich daran gewöhnt."

„Ist er schon so alt?", sagte Astoria überrascht. „Ich hab mich ein bisschen nach Ihnen erkundigt, nachdem Sie mich im Mungos besucht haben. Ein paar von den Heilern sind sehr geschwätzig." Andromeda lachte, verdrehte aber auch die Augen. Privatleben war im Krankenhaus ein Fremdwort, auch wenn die meisten es gut meinten. „Draco wusste ja überhaupt nichts, als ich ihn gefragt habe."

„Ich bin das schwarze Schaf, das hab ich doch schon gesagt", erwiderte Andromeda amüsiert.

„Nach allem, was ich von dieser Familie gesehen habe, sind Sie das beste Schaf", versicherte Astoria ihr mit einem aufrichtigem Lächeln.

„Ja, ich weiß, meine Schwester ist von der Muggelgrundschule nicht begeistert, aber letzten Endes kann sie nichts machen und Sie haben gewonnen."

Astoria nickte, wenn auch überrascht, dass Andromeda anscheinend Bescheid wusste. „Sie sprechen immer noch mit Ihrer Schwester?"

„Oh ja. Manchmal frage ich mich, warum, aber ich bin wahrscheinlich die einzige, bei der sie nicht den Schein wahren muss und ihre Meinung sagen kann." Eine andere Erklärung fiel ihr nicht ein.

„Aber sie hat doch Lucius", gab Astoria zu bedenken.

Andromeda entschlüpfte ein lautes Lachen, das sie rasch unterdrückte. „Ich bin mir nicht sicher, ob die sich überhaupt jemals unterhalten haben."

Astoria legte die Stirn in Falten, nickte aber nach ein paar Sekunden. „Wahrscheinlich haben Sie recht. Diese wirklich alten reinblütigen Familien … meine Familie ist auch reinblütig, aber auf manchen Quatsch haben meine Eltern noch nie viel Wert gelegt. Ich vergesse manchmal, dass das nicht bei allen Familien so war. Meine Eltern haben aus Liebe geheiratet und nicht, weil das die beste oder lukrativste Verbindung war. Einen Hauslehrer hatten meine Schwester und ich aber auch und ich hab ihn gehasst. Ich wollte immer so gerne in die Schule und Scorpius wollte ich das nicht vorenthalten."

„Und Draco?", fragte Andromeda neugierig.

„Draco lässt mir freie Hand und unterstützt mich in meinen Entscheidungen. Er will nur, dass Scorp glücklich ist. Und der ist ganz begeistert von der Schule und seinen neuen Freunden und will alles über Muggel wissen. Jeden Monat schleppt er mich hierher, weil er ein neues Buch über das Leben der Muggel haben will. Und jetzt fängt er auch noch an, sich für Comics zu interessieren, wo soll ich die denn herkriegen?" Sie lachte erschöpft.

„Ich glaube ganz in der Nähe vom Tropfenden Kessel gibt es einen Laden. Mein Mann hat die früher manchmal gerne gelesen und hat vor der Winkelgasse oft einen Zwischenstopp dort eingelegt." Ted hatte einen Haufen alte Comics gehabt, die sie nach seinem Tod auf den Dachboden gebracht hatte. Teddy stöberte manchmal in seiner alten Sammlung, aber eine große Faszination hatten sie nicht auf ihn ausgeübt.

Astoria nickte erfreut. „Sehr gut, vielen Dank für den Tipp. Dann werden wir gleich mal danach suchen, wenn Scorpius seinen neuesten Wälzer hat. Ich freu mich ja, dass er so schnell lesen gelernt hat, aber ich hätte das nicht so unterstützt, wenn ich gewusst hätte, dass ich jetzt dauernd hierherkommen muss."

„Ja, solche Sachen haben manchmal ungeahnte Konsequenzen", stimmte Andromeda zu. Sie konnte sich noch gut erinnern, dass Nymphadora als kleines Mädchen eine Phase hatte, in der sie sich nur für Eulen interessiert hatte und nichts anziehen wollte, auf dem keine Eule war. Sie hatte sich die Finger wundgenäht, um überall Applikationen draufzunähen und dann hatte Nymphadora das Interesse von einem auf den anderen Tag verloren.

„MUM!", rief Scorpius laut durch den halben Laden und schaute seine Mutter ungeduldig an. Astoria zuckte hilflos mit den Schultern und verabschiedete sich. Andromeda bezahlte das Buch für Teddy und nahm sich vor, Teddy auch ein paar alte Comics von Ted zu schicken. Vielleicht würde er sich ja darüber freuen.

Was er auch tat, wie er in seinem nächsten Brief schrieb. Jedoch erwähnte er auch, dass sein Freund Simon noch viel begeisterter davon war. Simon kam aus einer durch und durch magischen Familie und hatte sehr wenig Ahnung, was die Muggelwelt betraf. Das machte ihn schrecklich amüsant, wenn er Teddy bei ihnen zuhause besuchte und mit einigen Muggelsachen konfrontiert wurde. In den letzten Sommerferien kam er jedes Mal pünktlich vorbei, um die neue Folge von EastEnders zu sehen. Andromeda hatte sich erst Sorgen gemacht, dass Victoire sich zurück gesetzt fühlen würde durch Teddys neuen besten Freund, aber Simon hatte ihr nur einen Blick zugeworfen und sich unsterblich in sie verliebt. Eine Entwicklung, die Teddy unglaublich amüsierte, auch wenn es für ihn absolut unverständlich war, wie man sich in Victoire verlieben konnte. Aber durch seine Schwärmerei war Simon immer sehr bemüht, Victoire in alles miteinzubeziehen und keiner fühlte sich weniger wichtig in Teddys Leben.

Im nächsten Jahr wurde dann auch Victoire eingeschult , was Fleur in regelrechte Panik versetzte, weil im Jahr darauf alle ihre Kinder in der Schule sein würden. Sie erdrückte die Zwillinge beinahe mit ihrer Fürsorge und mehr als einmal kam Andromeda nach einem langen Arbeitstag nach Hause und fand die Zwillinge im Wohnzimmer vor, wo sie friedlich mit Merlin spielten, mit dem sie bereits Gassi gegangen waren, nur um ihrer Mutter zu entkommen. (Nachdem das das dritte Mal passiert war, legte Hermine einen Zauber auf Andromedas Kamin, der Fleur mithilfe eines leuchtenden Kristalls mitteilte, dass die Zwillinge bei Andromeda angekommen waren und sie sich keine Sorgen machen musste.

„Wieso kommt ihr eigentlich immer her?", fragte sie schließlich eines Abends neugierig, nachdem sie ihnen Nudeln mit Soße zum Abendessen gemacht hatte. „Ihr habt doch so viele Onkeln und Tanten und eure Großeltern. Warum hier?"

Dominique zuckte mit den Schultern, aber Louis antwortete: „Die haben aber alle keinen Merlin, mit dem man spielen kann. Außerdem sind da überall kleine Kinder, mit denen man dann spielen muss, und für die sind wir alle viel zu groß und dann müssen wir noch auf die aufpassen." Andromeda verzichtete darauf zu fragen, warum sie nicht zu Percy gingen, schließlich war Molly nur ein Jahr jünger. Für Percy musste man schon in besonders guter Stimmung sein. „Und Grandma würde uns nur wieder nach Hause schicken oder uns einen langen Vortrag halten, dass wir nicht einfach so von Zuhause weglaufen sollen. Dabei gehen wir doch nicht einfach so raus, wir gehen zu dir. Und mit Merlin gehen wir nur in den Garten, und der ist doch sicher."

„Das ist ja auch sehr gut. Ich denke nur, eure Mutter würde es begrüßen, wenn ihr zuhause bei ihr bleibt."

Dominique stöhnte gequält auf. „Aber seit Vic in Hogwarts ist, ist sie unmöglich! Will ständig was mit uns machen und das ist so langweiliges Zeug! Wer will denn schon ständig neue Klamotten haben? Oder schick essen gehen, wo man dann diese schrecklich kratzigen Kleider anziehen muss, die man nicht dreckig machen darf? Ich wollte ja, dass wir uns ein Quidditchspiel anschauen, aber Mum findet das zu langweilig." Sie verdrehte die Augen. „Tante Ginny hat versprochen, mich nächste Woche zu einem Spiel mitzunehmen. Dann muss ich zwar James und Albus ertragen, aber wenigstens mögen alle Quidditch."

„Seid nicht zu hart zu eurer Mum. Ihr fehlt einfach nur Victoire und sie will so viel Zeit wie möglich mit euch verbringen, bevor ihr auch weg seid. Was meint ihr, wie merkwürdig das ohne Teddy für mich war! Warum hab ich wohl Merlin zu mir genommen?"

„Vielleicht kann Mum ja schon dieses Jahr einen Hund kaufen, dann hätten wir auch noch was davon", sagte Dominique hoffnungsvoll. Louis schüttelte enttäuscht den Kopf.

„Das kannst du vergessen, Mum hält doch nichts von Tieren. Der Goldfisch war die große Ausnahme, und den musstest du ja unbedingt in einer Pfütze ertränken!"

„Das ist eine Lüge, ich wollte nur sehen, ob er auch in diesen schlammigen Pfützen bei uns im Garten zurechtkommt! Woher sollte ich denn wissen, dass er durch den Schlamm erstickt?"

„Jedenfalls war das unsere letzte Chance auf ein Haustier und du hast sie versaut", beharrte Louis.

Dominique verzog das Gesicht. „Als ob du einen Fisch als Haustier bezeichnen kannst. Der kann ja noch nicht mal Sitz machen. Oder Stöckchen holen."

Louis lachte. „Du hast es ja oft genug versucht, mit den ganzen Ästen, die du ins Aquarium geworfen hast."

Dominique zuckte mit den Schultern. „Irgendwie musste ich mich ja beschäftigen, bis Mum und Dad mir endlich einen Besen gekauft haben. Seit ich endlich fliegen darf, ist es nicht mehr so langweilig."

Dominique liebte ihren Besen und fliegen und Quidditch und trainierte schon jetzt dafür, später in ihre Hausmannschaft zu kommen und Karriere als Quidditchspielerin zu machen. Ginny hatte immer sehr lobende Worte für ihr Talent übrig.

„Nun gut. Ich bleibe dabei, ihr solltet etwas mehr Verständnis für eure Mutter haben", seufzte Andromeda. „Und ihr wenigstens Bescheid sagen, wenn ihr mich besuchen wollt. Ihr werdet sie schon noch verstehen, wenn ihr später mal selbst Kinder habt."

Dominique schnaubte. „Ich werde niemals Kinder haben, den Stress tu ich mir nicht an. Ich werde Quidditch spielen, bis ich alt und grau bin."

Louis lachte. „Und dann bist du zu blind, um den Schnatz überhaupt zu finden. Oder einem Klatscher auszuweichen." Dominique versuchte, ihn auf den Arm zu hauen, aber Louis kannte seine Schwester zu gut und konnte ihr mit Leichtigkeit ausweichen.

So fand sich Andromeda damit ab, dass die Zwillinge sie nun öfter besuchten, um ihrer Mutter zu entkommen. Die wandte sich enttäuscht einem neuen Projekt zu, jedes Gericht aus einem französischen Kochbuch zu perfektionieren, was wiederrum die Zwillinge dazu brachte, zum Abendessen immer nach Hause zu kommen, weil Fleurs Essen um Klassen besser war als Andromedas. Andromeda nahm es ihnen nicht übel, sie war nie die beste Köchin gewesen. Sie beherrschte natürlich die Grundlagen, die Teds Mutter ihr damals im ersten Krieg beigebracht hatte, aber mehr auch nicht, dazu hatte sie als Heilerin zu wenig Zeit gehabt. Ted war besser im Kochen gewesen als sie, aber seine Stärke war es ehrlich gesagt auch nicht gewesen. Deshalb waren alle Tonks seit jeher ein großer Fan von Tiefkühlpizza und Lieferdiensten.

Bald darauf wurden auch die Zwillinge eingeschult, was Fleur dazu brachte, sich mehr in ihre Arbeit in der Bank zu stürzen, die sie nach der Geburt ihrer Kinder sehr reduziert hatte. Bill nahm einige Angebote für Geschäftsreisen an, anscheinend war er vor dem Krieg ein sehr guter Fluchbrecher in Ägypten gewesen und die Leute dort sehnten sich immer noch nach seiner Expertise. Wegen des Kriegs und später seiner Familie zuliebe war er in England geblieben, aber anscheinend juckte es ihm immer noch in den Fingern und Fleur war glücklich, ihn begleiten zu können.

Aber auch sonst tat sich einiges. George und Angelina hatten mittlerweile ebenfalls zwei Kinder, die Nesthäkchen der Rasselbande, und George war ganz begeistert von ihnen. (Auch wenn Andromeda manchmal bezweifelte, ob es so eine gute Idee gewesen war, seinen Sohn Fred zu nennen. George brachte es manchmal kaum über sich, den Namen überhaupt auszusprechen. Vielleicht wäre der Name als zweiter Vorname die bessere Wahl gewesen.)

Und wie schnell die Kinder alle groß wurden! Im Handumdrehen wurde Percys Tochter Molly ebenfalls eingeschult und dann hatte Teddy plötzlich eine Freundin. (Celia war höflich und nett, aber immer irgendwie nichtssagend und Andromeda bezweifelte, dass die beiden allzu lange zusammen sein würden. Sie wurde aber eines Besseren belehrt, denn die beiden trennten sich erst nach Teddys Abschluss, als ihr Leben sich in unterschiedliche Richtungen weiterentwickelte.) Aus irgendeinem Grund war Teddy dann sogar eine Weile mit Victoire zerstritten, die mit Celia überhaupt nicht klarkam. Andromeda fragte sich, ob Victoire vielleicht eifersüchtig war, denn sie erinnerte sich noch gut daran, wie Victoire als kleines Mädchen, als alle um sie herum geheiratet hatten, immer behauptet hatte, dass Teddy und sie eines Tages heiraten würden. Aber Victoire widersprach dem immer vehement, wenn sie sich auf Familienfeiern begegneten und erzählte von ihrem eigenen Freund, also nahm Andromeda an, dass es wohl wirklich nur ein Streit unter Freunden war, der zu sehr ausgeartet war. Sowas passierte schließlich auch.

„Ich weiß ja nicht", sagte Hermine skeptisch beim Weihnachtsfest im Fuchsbau, wo sich Teddy und Victoire stur aus dem Weg gegangen waren und demonstrativ mit anderen Leuten sprachen, nur nicht miteinander. „Ich hab einmal monatelang nicht mit Ron geredet, weil er so ein Arsch gewesen ist. Ich hab ihn zu irgendeiner Veranstaltung als meine Begleitung eingeladen und ich dachte, wir sind wirklich auf einem guten Weg, dann drehe ich mich plötzlich um und er ist ein absolutes Arschloch und küsst eine andere. Ich hätte ihn am liebsten umgebracht, so weh hat das damals getan. Er musste erst fast sterben, damit ich mich wieder mit ihm vertrage." Sie schluckte und schüttelte den Kopf. „Es war furchtbar damals. Egal, wo ich hinging, immer hat er mit ihr rumgeknutscht, anscheinend, um sich an mir zu rächen, weil ich vor Jahren mal jemand anderen geküsst habe!" Sie verdrehte die Augen. „Dabei hätte er damals nur ein Wort sagen müssen und dann hätten wir uns stattdessen küssen können." Sie seufzte. „Mein Gott, waren wir damals bescheuert! So viel Zeit haben wir verschwendet, wegen solcher Nichtigkeiten. Und ein Jahr später hat er zuhören müssen, wie ich fast um den Verstand gefoltert wurde, da war alles andere sowas von unwichtig. Aber so sind Teenager nun mal. Diese Kleinigkeiten sind ein Weltuntergang."

„Jaah, schon", erwiderte Andromeda skeptisch und trank einen Schluck aufgepeppten Punsch. „Aber beide behaupten steif und fest, dass es um sowas nicht geht und Victoire meint nur, dass Celia unmöglich ist und man mit Teddy nicht reden kann, solange sie dabei ist, und Teddy findet nur, dass Vicky übertreibt und sich nicht so anstellen soll." Andromeda fand es vor allem schade, dass die ehemals so guten Freunde sich so entzweit hatten, aber ihr gutes Zureden hatte nichts genützt und sie hatte es aufgegeben, sich einzumischen. Sie wusste nur, dass sie lieber Victoire im Haus gehabt hatte als Celia, auch wenn es an dem Mädchen nichts konkretes auszusetzen gab.

„Ja, weil wir den Erwachsenen damals unsere innersten Probleme erzählt haben", erwiderte Hermine schulterzuckend. „Ich hab meinen Kummer immer nur in mich hineingefressen und mich bei Ginny beschwert, weil Harry absolut die falsche Adresse für sowas war. Aber die kleine Schwester ist da nicht immer die beste Ansprechpartnerin. Sie hat mir zwar immer zugestimmt, dass Ron ein Idiot war, aber ab einem gewissen Punkt hat sie sich verpflichtet gefühlt, ihn zu verteidigen. Und Ron war mit einem Mädchen aus meinem Schlafsaal zusammen und die andere war ihre beste Freundin, deshalb waren die auch keine guten Zuhörerinnen." Sie lachte. „Einmal hatte ich ein sehr gutes Gespräch mit McGonagall, als sie wissen wollte, warum ich heulend in einem Klassenzimmer die ganzen Möbel verwandelt habe."

Andromeda lächelte, schaute dann aber wieder besorgt zu Teddy und Victoire, die sich immer wieder verstohlene Blicke zuwarfen, wenn der andere nicht hinschaute, und dann rasch wieder wegsahen. Es war lächerlich und absolut unnötig. „Das ist zwar alles schön und gut, aber es hilft mir nicht weiter, Hermine."

Hermine verdrehte die Augen. „Nach meiner Erfahrung löst sich sowas irgendwann von selbst, wenn einer von ihnen seinen Stolz überwindet und auf den anderen zugeht. Es kann nur eine Weile dauern, je nachdem, wie stur die Verantwortlichen sind. Ich war damals sehr stur, aber zu meiner Verteidigung, Ron war ein Idiot."

„Wieso war ich ein Idiot?", fragte Ron empört, der nah genug an sie herangekommen war, um den letzten Teil ihrer Unterhaltung mitanzuhören. Er schlang die Arme um seine Frau und trank einen Schluck von ihrem Punsch.

„Ich hab ihr nur erzählt, wie unmöglich du damals mit Lavender gewesen bist und dass ich deshalb Monate nicht mit dir gesprochen hab", erwiderte Hermine und küsste ihn auf die Wange.

Ron hatte den Anstand, rot zu werden und beschämt zu Boden zu schauen. „Ich weiß, ich weiß, ich war wirklich ein Idiot. Zu meiner Verteidigung, ich war sechzehn und hab nicht wirklich nachgedacht."

Andromeda lachte. „Ja, das passiert häufig, wenn man sechzehn ist, da habt ihr Recht. Dann muss ich dem Schicksal wohl seinen Lauf lassen."

Ron schaute sie verwirrt an. „Meinst du Teddy und Victoire? Das wird sich schon wieder einrenken, keine Sorge. Hermine und ich haben uns mehrmals zerstritten, das gehört einfach dazu. Das wichtigste ist, dass man sich am Ende wieder verträgt. Und die beiden waren doch immer sehr gute Freunde."

Andromeda nickte. Sie war immer noch skeptisch, aber Hermine und Ron hatten sie wenigstens etwas beruhigt. Und sie hatten zumindest Recht, dass ihre Einmischung wahrscheinlich nichts bringen würde. Sie hatte mit beiden schon gesprochen und keiner von ihnen war bereit gewesen, nachzugeben.

Es dauerte dann allerdings bis zu Teddys letztem Schuljahr, bis sie wieder Freunde wurden. Teddy war es anscheinend endlich Leid gewesen, nicht mehr mit Victoire befreundet zu sein und über seinen Schatten gesprungen. Wahrscheinlich spielte es auch eine Rolle, dass er nicht mehr so begeistert von Celia war und seine Zeit nur mit ihr und nicht mit seinen Freunden verbringen wollte. Jedenfalls waren Teddy und Victoire auf Teddys Abschlussfeier, die Harry bei sich zuhause für ihn schmiss, wieder ein Herz und eine Seele.

TBC…