19. Dezember: Zukunftspläne

Und auch die nächsten Jahre waren sehr schön. Andromeda hatte mittlerweile aufgehört, im Mungos zu arbeiten und besuchte nur noch die Patienten bei den Fluchschäden. Frank und Alice freuten sich jedes Mal, sie zu sehen, und manchmal erkannten sie sogar für ein paar Sekunden ihren Sohn Neville. Sogar Lockhart war ihr irgendwie ans Herz gewachsen.

Teddy machte gute Fortschritte in seiner Abteilung und hatte grünes Licht dafür bekommen, Werwölfe und ihre Genetik zu untersuchen. Auch mit Victoire lief es hervorragend und sie war mittlerweile zu ihm in seine kleine Wohnung gezogen. Er hatte wirklich Glück, nicht viele Sachen zu haben, denn sie hatte eine ganze Menge. Aber Hermine half ihnen an einem Wochenende aus und vergrößerte ihren Kleiderschrank auf das doppelte, dann war das auch kein Problem mehr. Fleur freute sich sehr für die beiden, auch wenn Bill immer noch nicht sonderlich begeistert davon war, wie schnell das zwischen ihnen ging. Er war aber erleichtert, dass sie mit einer Hochzeit noch eine Weile warten wollten.

Dominique und Louis hatten mittlerweile ebenfalls ihren Abschluss gemacht. Louis war nach Frankreich verschwunden, weil er etwas Ruhe vor seiner Familie haben und etwas anderes als England sehen wollte, und Dominique war von einem Quidditchteam im Norden Großbritanniens unter Vertrag genommen worden. Wie Andromeda kam auch Fleur sehr viel besser damit klar, ihre Kinder jetzt ziehen zu lassen, nachdem sie es schon gewohnt war, während der Schulzeit ein leeres Haus zu haben.

Scorpius war mittlerweile ein gern gesehener Gast sowohl bei den Potters als auch im Fuchsbau und außer Ron hatte niemand etwas gegen den Jungen. Abgesehen von Arthur war er der größte Muggelliebhaber, dem Andromeda je begegnet war, und im Gegensatz zu Arthur verstand er auch tatsächlich etwas von der Muggelwelt und wie sie funktionierte. Bei einer Weihnachtsfeier erzählte er ihr, dass es sein größter Traum war, die Muggelabteilung im Ministerium eines Tages auszubauen und die Beziehungen zu den Muggeln zu verbessern.

„Ich versteh überhaupt nicht, wie unsere Welt nicht andauernd auffliegt", sagte er ihr verständnislos, als er fünfzehn war. „Natürlich, wenn man an solchen Orten lebt wie Godric's Hollow, oder in der Winkelgasse oder Hogsmeade, oder so abgeschieden wie meine Großeltern, dann ist es nicht notwendig, sich gut auszukennen, aber die meisten haben doch hin und wieder mit Muggeln zu tun und es muss doch eine bessere Lösung geben, als sie ständig mit irgendwelchen Gedächtnissprüchen zu belegen, oder nicht? Unsere Professorin in Hogwarts ist wirklich super und versteht was von dem Fach, aber manche von den Büchern, die über Muggel geschrieben worden sind, sind sowas von absurd, das kannst du dir gar nicht vorstellen! Siebenhundert Seiten darüber, wie Flugzeuge fliegen, und nicht eine Vermutung war annähernd richtig! Nicht, dass ich mittlerweile hundertprozentig weiß, wie sie funktionieren, ich muss Rose immer bitten, mir das zu erklären, aber trotzdem …"

Andromeda nickte sprachlos. Darüber hatte sie ehrlich gesagt noch nie nachgedacht. Sie kannte sich sehr gut in der Muggelwelt aus, aber das war einzig und allein Ted zu verdanken. Ohne ihn hätte sie sich nie im Leben zurechtgefunden.

„Aber die einzige Abteilung, die wirklich den Muggeln gewidmet ist, ist Mr Weasleys gegen den Missbrauch von Muggelartefakten, und das ist doch bei weitem nicht genug, meinst du nicht? Ich will nach dem Abschluss unbedingt irgendwann nach Amerika, die sollen da ein viel besser ausgeklügeltes System haben als wir, ich hoffe, es wird möglich sein, das auch bei uns zu integrieren. Ich hab schon mal bei Minister Shaklebold nachgefragt, als ich ihn bei Mr Potters Geburtstagsfeier dieses Jahr getroffen habe, und anscheinend ist noch nie jemand auf die Idee gekommen, sich darum zu kümmern! Ist das zu glauben?!" Er schüttelte aufgebracht den Kopf, während Andromeda nur leise vor sich hinlächelte. Ihr Großneffe war ein wirklich erstaunlicher Junge. Und er hatte so klare Vorstellungen von seinem späteren Weg, es war wunderbar. Sie wusste, wie schwierig es war, wenn man nicht sicher war, was man später einmal machen wollte, da war es herrlich zu sehen, was für eindeutige Ziele Scorpius schon hatte. Und er schien wirklich entschlossen, diese einmal durchzuziehen, es war bewundernswert.

Ihre Schwester sah das natürlich nicht so. Im Laufe der Jahre war Narcissas Familie zu keinen so häufigen Thema mehr geworden. Zu Lucius sagte sie kaum jemals etwas, und was Draco und Scorpius betraf, wurde Narcissa immer missbilligender, auch wenn sie natürlich voll des Lobes war, wenn einer von ihnen etwas getan hatte, das für die Familienehre gut war. Allerdings schien sie langsam einzusehen, dass das letzte, was darauf zutraf, Scorpius' Einteilung nach Slytherin gewesen war.

„Ich verstehe einfach nicht, was er mit diesen Muggeln hat", sagte Narcissa kopfschüttelnd. „Schlimm genug, dass er früher auf diese gewöhnliche Schule im Dorf musste und manchmal mit den Kindern dort gespielt hat." Sie erschauderte. „Aber ich hatte gehofft, dass er jetzt, wo er die ganze Zeit ein Mitglied der Zauberwelt ist, endlich mir dieser anderen Welt abschließt. Aber nein, er musste ja unbedingt Muggelkunde belegen! Und anscheinend liegt er Draco und Astoria die ganze Zeit in den Ohren, dass er so ein Ferndings will, womit man diese komischen bewegten Fotos mit Ton sehen kann. Merlin sei Dank hat mein Sohn nicht komplett den Verstand verloren!"

„Ach, so schlimm sind Fernseher gar nicht", erwiderte Andromeda und zeigte auf ihren Flachbildschirm, der im Wohnzimmer stand. „Mittlerweile gibt es sogar einen Zaubererkanal, auf dem man die ganze Zeit Quidditchspiele sehen kann. Teddy kam letzte Woche vorbei, um sich die Wimbourner Wespen anzuschauen, das war super." Erst war Andromeda skeptisch gewesen, ob das nicht eine zu absurde Entwicklung für die Zauberwelt war, aber der neue Zaubererkanal hatte überraschend großen Anklang gefunden. Kein Wunder, denn es gab immer mehr und mehr Halbblüter und Muggelstämmige in der Zauberwelt, die auf Muggeltechnik nicht ganz verzichten wollten und noch dazu große Quidditchfans waren. Teddy und Victoire hatten in ihrer Wohnung keinen Fernseher, weil die Winkelgasse einfach zu magisch war und sie noch keinen Weg gefunden hatten, dass er trotzdem bei ihnen funktionieren konnte. Was dazu führte, dass sie ihren Enkel viel häufiger zu Gesicht bekam, weil er gerne die Spiele sehen wollte. Manchmal kam auch Victoire mit, die zwar kein so großer Fan war, aber zumindest Dominique sehen wollte, wenn sie als Sucherin spielte. (Dominique besorgte ihnen zwar häufig Freikarten, aber das Stadion im hohen Norden war wahnsinnig zugig und oft verschneit und sie zog es vor, in Andromedas warmen Wohnzimmer zuzuschauen.)

Narcissa warf dem Gerät einen vernichtenden Blick zu und schaute dann Andromeda an, als wäre sie verrückt geworden. „Ist dir überhaupt bewusst, wie absurd das ist, was du da sagst?", fragte sie empört.

Andromeda schüttelte den Kopf. „Eigentlich nicht, nein. Ich finde es toll, dass sich die Technik so weiterentwickelt und wir es schaffen, alles miteinander zu verbinden. Ich wünschte nur, Ted wäre noch am Leben, dem hätte es einen riesigen Spaß gemacht, Quidditch im Fernsehen zu schauen." Sie konnte sich ihren Mann bildlich vorstellen, wie er in seinem geliebten Fernsehsessel saß, ein Bier in der Hand, und seine Lieblingsmannschaft anfeuerte. Er hatte auch gerne dieses Fußball gesehen, aber dieser Sport hatte sich Andromeda nie erschlossen. Nur ein Ball und kein Fliegen? Wie langweilig!

Narcissa seufzte, sagte aber nichts dazu, denn sie hatte wenigstens den Anstand, Andromedas toten Mann in Ruhe zu lassen. „Ich wünschte nur, Scorpius würde sich mit etwas vernünftigerem beschäftigen. Muggelkunde und Pflege magischer Geschöpfe! Was für ein Schwachsinn! Alte Runen! Arithmantik! Das sind doch viel anständigere Fächer."

Andromeda legte den Kopf schief. „Hast du damals nicht Wahrsagen genommen?", fragte sie grinsend.

Narcissa verzog das Gesicht und nickte kurz. „Ja. Aber ich habe vergessen, dass du das noch weißt." Sie seufzte. „Und ich habe trotzdem Recht. Wahrsagen ist nichts als Zeitverschwendung gewesen. Prophezeiungen, meinetwegen, aber ich bezweifle sehr, dass irgendjemand schon mal was anderes in dieser blöden Glaskugel gesehen hat als sein eigenes Spiegelbild! Und schlimm genug, dass Scorpius Muggelkunde belegt hat! Dann hat er auch noch Pflege magischer Geschöpfe bei diesem Ungetüm, wegen dem Draco damals fast seinen Arm verloren hätte! Dass der überhaupt noch unterrichten darf! Als Halbriese und ohne Schulabschluss! Gemeingefährlich, sag ich dir! Lucius hat immer sein Bestes getan, ihn aus Hogwarts zu entfernen, aber leider ohne Erfolg."

„Ja, aber für Tiere hat er ein gutes Händchen", erwiderte Andromeda. Sie hatte schon lange festgestellt, dass es wirklich am besten war, sich von ihrer Schwester nicht provozieren zu lassen und ihr einfach nur ruhig zu widersprechen. Manchmal ging Narcissa darauf ein, aber häufig ignorierte sie sie einfach und wetterte weiter, bis ihr die Luft ausging. „Keiner hat die Zentauren und Einhörner so gut im Griff wie er. Ohre ihn wären die Geschöpfe im Verbotenen Wald bestimmt sehr viel mehr außer Kontrolle."

„Meinetwegen", sagte Narcissa widerwillig. „Trotzdem muss er nicht auch noch unterrichten. Ich meine, diese Kreatur war in Askaban, um Himmels Willen!"

„So wie dein Mann", erwiderte Andromeda mit hochgezogenen Augenbrauen. „Und im Gegensatz zu ihm waren das bei Hagrid alles nur falsche Anschuldigungen, die sich als haltlos erwiesen haben. Während dein Mann wirklich im Ministerium eingebrochen ist und einen Haufen Kinder angegriffen hat."

Narcissa schnaubte nur und trank wortlos ihren Tee. Nach fünf Minuten Schweigen murmelte sie: „Ich finde trotzdem, dass Muggelkunde reine Zeitverschwendung ist, die niemand braucht."

Andromeda lehnte sich unbeeindruckt zurück. „Tja, dein Enkel scheint das anders zu sehen. Und du kannst nichts dagegen machen."

Sie seufzte dramatisch. „Leider nicht. Ich wünschte, es wäre anders!"

Andromeda war froh, dass es nicht so war, denn bei jeder Begegnung mit ihrem Großneffen wurde ihr mehr bewusst, wie sehr er dieses reinblütige Korsett hassen würde, das Narcissa und Lucius versuchten, ihm aufzuzwingen. Er spielte den braven Enkel während der Zeit, die er mit seinen Großeltern verbrachte, aber er entschuldigte sich auch nicht für seine Entscheidungen und Leidenschaften. Er war zu dem Schluss gekommen, dass es am besten war, wenn seine Großeltern von den meisten Sachen einfach nichts wussten, auch wenn er Andromeda immer bereitwillig von seinen Berufswünschen und Hobbies in Hogwarts erzählte. Er kam wahrscheinlich gar nicht auf die Idee, sie könnte ihrer Schwester davon erzählen. Aber das würde sie nie tun, sie war froh, dass der Junge so glücklich mit seinem eingeschlagenen Weg war. Vielleicht würde sie endlich einen Grund haben, stolz darauf zu sein, mit den Malfoys verwandt zu sein.

Teddy und Scorpius verstanden sich auch sehr gut, wenn sie sich auf den großen Feiern der Weasleys trafen oder Teddy Harry besuchte, während Scorpius auch da war. Scorpius war sehr fasziniert von Teddys Forschung, auch wenn Zaubertränke nicht seine Stärke waren, und Teddy war jedes Mal verblüfft und amüsiert, wenn er Scorpius so leidenschaftlich über Muggel sprechen hörte. Teddy hatte nach dem ersten Iron Man das Interesse an diesen Marvelfilmen verloren, aber Scorpius hatte jeden einzelnen gesehen und konnte so begeistert von dem Universum und dem Plot der einzelnen Filme berichten, dass Teddys Interesse genug geweckt war, sich die neuen Filme im Kino anzuschauen. Er würde zwar nie so eine Freude haben wie Scorpius, aber Spaß hatte er auch daran. Sogar Victoire gefielen einige ganz gut.

Aber dennoch konnten sie Quidditch im Fernsehen nicht das Wasser reichen. Eines Abends stand Andromeda gerade in der Küche und machte einen Shepherd's Pie zum Abendessen, als Teddy gehetzt aus dem Kamin stolperte und das Wohnzimmer sofort nach der Fernbedienung absuchte.

„Hab ich den Anfang verpasst?", fragte er aufgeregt. „Ich wollte extra pünktlich weg, aber der verdammte Schrumpftrank hat länger gedauert, weil ein Kollege vergessen hat, dreimal gegen den Uhrzeigersinn zu rühren! Hoffentlich hab ich nicht verpasst, wie die Wespen die Meisterschaft gewinnen!"

Seit er ein kleiner Junge war, war Teddy ein großer Fan der Wimbourner Wespen. In den letzten Jahren waren sie nicht sehr erfolgreich gewesen, aber diese Saison waren sie überraschend stark und hatten wirklich eine Chance, die Liga zu gewinnen. Dominiques Team schlug sich leider nicht so gut, was aber nicht an ihrer Leistung lag. Das Team hatte einige neue Spieler aufgenommen und sich noch nicht gut genug eingespielt.

Teddy hatte endlich die Fernbedienung gefunden und atmete erleichtert auf, als er sah, dass das Spiel wohl erst vor kurzem gestartet hatte, da es erst vierzig zu zehn für die Wespen stand. Er ließ sich in ihren großen Sessel fallen und machte es sich gemütlich. Andromeda machte unbeirrt ihren Shepherd's Pie fertig, den sie eine halbe Stunde später zufrieden in den Ofen schob und sich dann zu ihrem Enkel gesellte. Sie hatte nicht gelogen, als sie den Quidditchkanal gegenüber Narcissa gelobt hatte. Quidditch so zu sehen war schön, aber am besten war, dass sie so ihren Enkel wieder viel mehr zu Gesicht bekam, und ihn mit ihrem Essen ein bisschen vollstopfen konnte. Teddy war immer dünn und schlaksig gewesen und durch die viele Arbeit war er viel zu dürr geworden. Aber Andromeda päppelte ihn langsam wieder auf.

„Kommt Victoire auch?", fragte sie interessiert, während sie sich ihm gegenüber auf ihr Sofa setzte und jetzt auch begann, das Spiel zu verfolgen. Manchmal kam Victoire nach der Arbeit auch vorbei, um mit Teddy zusammen ein Spiel zu verfolgen.

Teddy schüttelte den Kopf. „Nein, sie ist heute im französischen Ministerium bei einer Konferenz." Victoire arbeitete in der Abteilung zur Internationalen Zusammenarbeit im Ministerium und war besonders für Frankreich zuständig. Zu diesem Zweck reiste sie häufig ins Ministerium in Paris und besuchte bei der Gelegenheit auch ihren Bruder Louis, der in Frankreich wohnte und wer weiß was dort trieb.

Eine Weile schauten die beiden stumm das Spiel, dann war der Shepherd's Pie fertig und Andromeda brachte zwei Teller ins Wohnzimmer, damit sie beim Fernsehen essen konnten. Das Spiel lief sehr gut für die Wespen, weshalb Teddy relativ entspannt essen konnte. Hätte seine Mannschaft hinten gelegen, hätte er wahrscheinlich keinen Bissen heruntergebracht.

Der Schnatz war noch nicht gesichtet worden, also stellte sich Andromeda auf ein etwas längeres Spiel ein und kramte ihr Strickzeug hervor. Es war nicht ihre Stärke, aber Molly hatte ihr erst vor kurzem ein paar Tipps gegeben und Andromeda fand, dass es beim Fernsehen eine sehr gute Beschäftigung war. Seit Nymphadoras Schwangerschaft hatte sie nicht mehr gestrickt, denn die Schühchen, die sie für Teddy gestrickt hatte, waren eine einzige Katastrophe gewesen.

„Grandma?", sagte Teddy nach einer dreiviertel Stunde leise, während Andromeda gerade prüfend das Stoffgebilde betrachtete, das einmal ein Schal werden sollte. Nun ja, schließlich musste man ja irgendwann mal wieder anfangen, um besser zu werden.

„Ja?", fragte sie abgelenkt, weil sie gerade überlegte, wo sie einen Fehler gemacht hatte und ob es sich lohnte, ihn zu korrigieren, oder einfach noch mal von vorne anzufangen.

„Ich möchte Vic fragen, ob sie mich heiratet", sagte Teddy und knetete nervös seine Hände.

Andromeda ließ mit offenem Mund ihren „Schal" sinken und schaute Teddy überrascht an. „Wirklich?"

Teddy biss sich auf die Lippe und nickte. „Ja. Wir wollten nach ihrem Abschluss eine Weile warten, weil wir als Paar bis dahin viel zu wenig Zeit verbracht haben, um zu sehen, ob das auch wirklich mit uns funktionieren wird. Schließlich war sie fast die ganze Zeit in Hogwarts." Ein strahlendes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Aber wir sind jetzt schon fast fünf Jahre zusammen und es fühlt sich richtig an. Glaubst du, wir sind zu schnell?"

Andromeda schüttelte den Kopf. „Ich hab deinen Großvater mit neunzehn geheiratet und es hat sich damals auch richtig angefühlt. Darauf kommt es an, egal, wie lange man gewartet hat. Meinst du denn, Victoire denkt genauso?"

Teddy nickte. „Ich denke schon. Ich meine, schlimmstenfalls sagt sie nein, wenn sie nicht will." Er wurde blass. „Oh je, glaubst du, sie sagt nein?!", fragte er besorgt.

Andromeda lachte, hörte aber rasch wieder damit auf, als sie sah, dass Teddy tatsächlich zu zweifeln begann. „Natürlich nicht, mein Schatz. Das Mädchen ist über beide Ohren in dich verliebt. Ihr habt doch schon ein paar Pläne geschmiedet, bald ein Haus zu kaufen, sowas macht man normalerweise nicht, wenn man nicht langfristig für die Zukunft plant. Du musst dir keine Sorgen machen, sie sagt bestimmt ja."

„Hoffentlich", seufzte Teddy unsicher. Er schaute zum Fernseher, wo die Wespen mittlerweile drei weitere Tore gemacht hatten, und atmete tief durch.

„Hast du schon einen Ring?", fragte sie neugierig. Er schüttelte den Kopf.

„Nein. Ich hab mich erst vor ein paar Tagen entschieden sie zu fragen, soweit hab ich noch nicht gedacht." Er runzelte die Stirn. „Meinst du, ich sollte ihr einen teuren kaufen? So viel Geld haben wir auch nicht und die Hochzeit wird bestimmt nicht billig bei der vielen Familie, die sie hat, außerdem, wenn wir ein Haus kaufen wollen …"

Andromeda lächelte. In diesem Moment erinnerte er sie so sehr an Ted, der sich damals ähnliche Fragen gestellt hatte, nachdem er ihr spontan einen Antrag gemacht hatte. Letzten Endes hatte ihm seine Mutter ihren Verlobungsring für Andromeda gegeben und sie hatte ihn immer in Ehren gehalten.

Das war überhaupt die Idee!

Sie griff sich unter den Kragen ihrer Bluse und zog eine lange feingliedrige Kette hervor, an der einige Ringe hingen. Teddy schaute ihr mit großen Augen dabei zu, wie sie die Kette abnahm und vorsichtig einen Ring davon entfernte. Andromeda trug immer noch ihren Ehering. Sie konnte sich nicht vorstellen, ihn jemals abzunehmen. Aber der Verlobungsring passte ihr schon lange nicht mehr und sie war nie dazu gekommen, ihn ändern zu lassen, deshalb hatte sie angefangen, ihn auf einer Kette zu tragen. Nach Teds Tod hatte sie seinen Ring ebenfalls auf der Kette aufgefädelt und das gleiche hatte sie mit den Ringen von Nymphadora und Remus gemacht. So war ein Teil von ihnen immer nah an ihrem Herzen.

Jetzt nahm sie den Verlobungsring, der einst ihrer Schwiegermutter gehört hatte, und hielt ihn Teddy strahlend hin. Es war ein schöner Ring, mit einem hübschen kleinen Diamanten in der Mitte, der ihr immer sehr gut gefallen hatte. Nicht zu übertrieben, aber dennoch etwas Besonderes. „Hier", sagte sie auffordernd, als Teddy keine Anstalten machte, den Ring zu nehmen.

„Grandma, ich kann doch nicht …", fing er an zu protestieren, aber Andromeda schüttelte entschieden den Kopf.

„Natürlich kannst du. Das war der Ring deiner Urgroßmutter. Ted hat ihn mir zu unserer Verlobung geschenkt und hätten deine Eltern damals nicht heimlich geheiratet, hätte ich ihn wahrscheinlich deinem Vater gegeben. Es ist nur fair, wenn du ihn jetzt deiner Victoire schenkst. Deine Urgroßmutter hätte sich so darüber gefreut, dass er in der Familie bleibt, genau wie dein Großvater. Ein Muggelelement in einer Welt voller Magie, das ihr in Ehren haltet. Wenn sie einen anderen Ring will, dann ist das natürlich etwas anderes, aber wenn du willst, dann gehört er dir."

Teddy schluckte schwer und nahm den Ring schließlich ehrfürchtig entgegen. Fasziniert starrte er ihn an. „Er wird ihr wahrscheinlich nicht passen, sie hat wahnsinnig schlanke Finger."

„Dann lasst ihr ihn ändern. Das ist in Ordnung, es soll ja ihr Ring sein", sagte Andromeda unbekümmert. Sie sah Victoire mit dem Ring schon genau vor sich und konnte es kaum erwarten. Ihr kleiner Teddy! Bald ein verheirateter Mann! Wenn seine Eltern das doch nur miterleben könnten, wie er erwachsen und glücklich und erfolgreich war. Mehr hatten sie sich für ihn nie gewünscht. Sie waren gestorben, um ihm diese Welt zu geben, und sie hatten es geschafft.

Teddy blinzelte ein paar Tränen aus den Augenwinkeln weg und verstaute den Ring vorsichtig in seiner Hosentasche. Dann stand er auf und umarmte Andromeda fest. „Danke, Grandma. Ich hoffe, sie sagt auch ja."

„Natürlich wird sie das, sie liebt dich doch", erwiderte Andromeda mit bebender Stimme und drückte ihn an sich. Unglaublich, wie groß und erwachsen er mittlerweile war. Genau in dem Moment verkündete der Kommentator im Fernsehen begeistert, dass der Sucher der Wespen den Schnatz gefangen hatte und sie die Meisterschaft gewonnen hatten. Teddy sprang vor Freude in die Luft und rief begeistert, dass er den Tag nie vergessen würde.

TBC…