21. Dezember: Shakespearehaft
Ein paar Monate nach der Hochzeit hatten Teddy und Victoire endlich ein nettes Haus gefunden, in das sie umziehen konnten und zu Andromedas Freude war es ganz in ihrer Nähe. Wie schon bei Teddys Umzug in seine Wohnung versammelten sich wieder ein Haufen Familienmitglieder, um beim Umzug zu helfen. Kaum waren die Sachen von Teddy und Victoire im neuen Haus, half die Familie Molly und Justin, ihre Sachen in Teddys und Victoires alte Wohnung zu bringen. Justin war nach seinem Abschluss in eine sehr kleine Ein-Zimmer-Wohnung gezogen und Molly nach ihrem Abschluss zu ihm und sie waren sehr erleichtert, als Teddy und Victoire ihnen gesagt hatten, dass sie ihre alte Wohnung haben könnten. Im Vergleich zu Justins Loch war die Wohnung von Teddy und Victoire ein Palast. Molly machte zwar sehr schnell Karriere in der Abteilung zur magischen Strafverfolgung, aber sie wollten ihr Geld für ein gutes Haus sparen und da kam Teddys alte Wohnung ihnen gerade recht. Wenigstens gab es da Platz für einen anständigen Schreibtisch, was mehr war, als man von Justins Wohnung hätte sagen können.
Bei der nächsten Weihnachtsfeier erfuhr Andromeda dann, dass Teddy mit seiner Vermutung tatsächlich recht gehabt hatte. Sie war kaum aus dem Kamin gestiegen, als sie schon Rons gequälte Stimme hörte.
„Ein Malfoy!", rief er leidend. „Meine Tochter ist tatsächlich mit einem Malfoy zusammen! Dabei hab ich sie noch explizit am ersten Schultag davor gewarnt, ihm zu nahe zu kommen, damit so etwas nicht passiert! Aber auf mich hört natürlich wieder keiner!"
„Besser, du hättest es ihm nicht gesagt", erwiderte George grinsend. „Damit hast du das Schicksal ja direkt herausgefordert. Sogar Trelawney hätte das voraussagen können."
Ron schnaubte empört. „Die Frau sagt doch nur von jedem den Tod voraus, damit sie auf Nummer sicher gehen kann. Und am Ende hat sie immer recht, schließlich stirbt jeder irgendwann mal."
„Merlin, Ron, kannst du noch schlechter gelaunt sein?", sagte Ginny genervt und schaute zu Rose, die in der anderen Ecke des Wohnzimmers stand und sich mit Albus und Hugo unterhielt. „Du übertreibst wirklich maßlos! Scorpius ist ein anständiger lieber Junge und Al hat gesagt, dass er bis über beide Ohren in Rose verliebt ist. Egal, welche Schauergeschichten du dir ausmalst, du irrst dich! Und du tätest gut daran, es dir mit deiner Tochter wegen deiner ständigen Kritik nicht zu verscherzen. Außerdem ist Scorpius ein Chudley Canons Fan, du solltest dich eigentlich mit ihm gutstellen, von euch gibt es doch nur fünf!"
Ron schaute seine Schwester schockiert an und warf dann frustriert die Arme in die Luft.
Andromeda näherte sich kopfschüttelnd Rose und ihrer Gruppe. „Was höre ich da?", fragte sie amüsiert. Rose zuckte zusammen und schaute Andromeda erschrocken und angespannt an. „Du bist mit Scorpius zusammen?"
Sie nickte. „Noch nicht lange, erst seit diesem Schuljahr. Und seit er es weiß, ist Dad völlig unmöglich! Reitet ständig auf den Sachen herum, die sein Dad in der Schule gemacht hat. Dabei ist Scorpius ganz anders und jeder weiß das!" Sie wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel.
Einen Moment später gab es einen lauten Knall und Rauch breitete sich im ganzen Wohnzimmer aus. Erschrocken griff Andromeda sofort nach ihrem Zauberstab und überlegte, welchen Spruch sie am besten zur Verteidigung einsetzen sollte, als sie die Stimme von George hörte.
„Alles in Ordnung!", rief er laut, bevor er von einem Hustenanfall geschüttelt wurde. „Es sind nur Knallfrösche. Ich hab einen neuen Prototyp entwickelt und vergessen, dass ich ihn in der Hosentasche hatte. In zehn Minuten ist der Rauch wieder weg, keine Sorge." Andromeda konnte schon wieder Albus und Rose sehen, die ihr am nächsten waren und atmete erleichtert durch. Rose zog die Nase kraus. Durch den Rauch roch es wirklich nicht sonderlich gut, aber George versicherte ihnen, dass sich alles gleich wieder legen würde und es in zehn Minuten so sein würde, als wäre nichts gewesen.
Rose verdrehte die Augen. „Ich glaub, ich geh eine Weile nach draußen. Scorpius wollte bald hierher apparieren und ich will nicht, dass er Dad ohne mich in die Arme läuft." Sie lächelte Andromeda zu und verschwand dann im dichten Rauch.
„Onkel Ron stellt sich wirklich zu sehr an", sagte Albus kopfschüttelnd zu Andromeda. „Dieses ganze Theater haben wir doch schon durchgemacht, als wir uns in der ersten Klasse angefreundet haben. In den Ferien ist er dauernd bei uns und seit Jahren ist er zu jedem Fest hier eingeladen. Als ob er uns all die Jahre nur hinters Licht geführt hätte!" Wütend schüttelte er den Kopf und verschränkte die Arme vor der Brust. „Dabei ist er wirklich in Rose verliebt. So richtig. Er meint es wirklich ernst." Er hustete leicht und wedelte den Rauch von seinem Gesicht weg. „Onkel Ron sollte lieber mal mit Lily sprechen und ihr diesen Idioten McLaggen ausreden, mit dem sie unbedingt zusammen sein will! Der Typ macht nur Ärger, wenn du mich fragst! Ganz anders als Scorpius."
Andromeda schüttelte lachend den Kopf, verabschiedete sich von Albus und tastete sich zur Küche durch, weil sie etwas von dem Punsch wollte. Eine halbe Stunde später war der Rauch endlich vollends verschwunden, nachdem Molly alle Fenster aufgerissen und die ganze Zeit über George böse Blicke zugeworfen hatte. Mittlerweile war auch Victoire aufgetaucht. Teddy musste mal wieder arbeiten, aber sie versprach, dass er versuchen würde, nach der Arbeit noch vorbeizuschauen. Seit die Kinder immer größer wurden, ging die Weihnachtsfeier der Weasleys jedes Mal bis in die Nacht hinein, da würde er es sicher schaffen.
„Ich hab gehört, dass Rose jetzt mit Scorpius zusammen ist", sagte Victoire grinsend, nachdem sie Andromeda auf den neuesten Stand gebracht hatte was ihre und Teddys Arbeit betraf. „Onkel Ron beklagt sich bei jedem, dem er begegnet. Erinnert mich ein bisschen an Dad, als Ted und ich frisch zusammen waren. Der wollte ihm damals auch Angst einjagen."
„Ja, aber Ron meint es ernst", gab Andromeda seufzend zu bedenken. „Ich kann's ihm nicht mal übelnehmen, er war einer derjenigen, der am meisten unter den Malfoys gelitten hat und er ist nachtragender als Harry oder Ginny. Und es geht um Hermine, da konnte er noch nie klar denken." Es würde ihr für immer im Gedächtnis bleiben, wie sehr er noch nach Jahren darunter gelitten hatte, dass Bellatrix Hermine damals im Haus der Malfoys so skrupellos gefoltert hatte. Kein Wunder, dass er die Malfoys mit Angst und Schmerz und Verlust in Verbindung brachte. Ron und Hermine waren kurz davor gewesen, überhaupt kein Baby bekommen zu können, alles nur wegen Andromedas Familie. Aber Scorpius hatte bei jeder Begegnung bewiesen, dass er nicht so war wie andere Malfoys und es war auch mehr als unfair, dass Ron das jetzt an Scorpius ausließ. Der Junge hatte wirklich nichts gemacht. Und Rose ging seine Abneigung jetzt schon viel zu nahe, wenn sie sich an die Tränen erinnerte, die die Kleine sich weggewischt hatte.
Aber Ron war vernünftig genug, sich Scorpius gegenüber nicht so unmöglich zu benehmen, als der schließlich im Fuchsbau auftauchte. Er warf Scorpius zwar den ganzen Abend vernichtende Blicke zu, wünschte ihm aber nur frohe Weihnachten und hielt dann so viel Abstand wie möglich zu ihm. Was nicht hieß, dass Scorpius nicht jede Sekunde genau wusste, was Ron von ihm und seiner Beziehung mit Rose hielt.
„Mach dir keine Sorgen", sagte sie zu Scorpius, als sie ihn eine Sekunde alleine erwischte. Er schaute sie skeptisch an. „Ich weiß, Ron kann schwierig sein. Und stur. Und unfair. Und das hast du nicht verdient. Aber er liebt Rose und er will sie nur beschützen und irgendwann wird er akzeptieren, dass du nichts anderes willst und dann wird er dich genauso akzeptieren wie alle anderen. Aber es wird eine Weile dauern. Wahrscheinlich, weil er hofft, dass eure Beziehung nicht lange genug hält."
Scorpius verzog das Gesicht. „Ich hoffe, dass es nicht so lange dauert. Rose nimmt das wirklich mit, dass ihn das so stört und ich will nicht, dass unsere Beziehung sie unglücklich macht. Sie ist so toll und ich mag sie so sehr …"
Andromeda lächelte. Sie konnte sich so gut erinnern, wie sie sich damals mit Ted gefühlt hatte. Scorpius sah genauso aus. Er hatte das gleiche Dilemma wie sie, was seine Familie anging und es schien ihm egal zu sein. Er musste Rose wirklich sehr mögen, wenn er bereit war, sich Ron Weasley auszusetzen. „Das wird schon", sagte sie zuversichtlich. „Was sagen denn deine Eltern dazu?"
„Meine Mum hat sich gefreut", erwiderte Scorpius. „Mein Dad … er ist nicht begeistert, aber ich glaube, das hat mehr mit meinen Großeltern zu tun als mit Rose. Die hassen doch alles, was ich tue, auch wenn mich Großmutter wenigstens nicht enterben will deswegen. Ich glaube, sie hält die Muggel immer noch für eine Phase von mir, und wenn jetzt auch noch Rose dazukommt … Das gibt ihnen den Rest."
„Das müssen sie aushalten", sagte Andromeda entschieden. Das würden wieder erfreuliche Treffen mit Narcissa werden, sobald diese Bescheid wusste. „Sie hat ja schon Übung darin, von mir enttäuscht zu sein."
„Aber du wurdest verstoßen", sagte Scorpius entsetzt.
„Ja, von meinen Eltern. Narcissa war immer nur schweigend missbilligend, aber sie hat mich nie verraten. Vor allem wegen Bellatrix, aber immerhin. Und deine Eltern wissen es bereits und haben es akzeptiert, also hast du die größte Hürde schon genommen. Und wenn ich eins weiß, dann, dass meiner Schwester ihre Familie mehr bedeutet als alles andere. Sie wird es nicht gut finden, aber sie liebt dich mehr, als dass sie Rose missbilligen wird. Das verspreche ich dir." Dafür würde sie schon sorgen.
Scorpius nickte skeptisch. „Ich hoffe, es dauert noch eine Weile, bis sie es weiß. Meine Eltern haben es nicht eilig, es ihnen zu sagen. Mein Dad hat vorgeschlagen, damit bis zu den Sommerferien zu warten. Wahrscheinlich hoffen sie, dass wir bis dahin schon wieder getrennt sind." Er schaute zu Rose, die gerade versuchte, einen Streit zwischen Lily und Albus zu schlichten. „Ich glaube nicht, dass wir uns trennen werden. Dafür fühlt sich das zu ernst an."
Andromeda klopfte ihm lächelnd auf die Schulter. Sie konnte kaum glauben, dass er bei ihrem letzten Gespräch noch daran gezweifelt hatte, in Hogwarts die große Liebe zu finden. Ganz eindeutig hatte er sie bereits gefunden. Und Teddy hatte wahrscheinlich recht gehabt und die Sache zwischen ihm und Rose hatte sich schon auf der Hochzeit angebahnt. Die Blicke, die sie sich jetzt zuwarfen, waren nicht viel anders als auf der Tanzfläche damals.
Ach ja, junge Liebe. Und dann noch zwischen Kindern aus Familien, die so sehr miteinander verkracht waren. Wie Shakespearehaft! Aber Scorpius und Rose waren um einiges vernünftiger als die beiden und Andromeda hatte vollstes Vertrauen, dass es bei ihnen nicht in Mord und Todschlag enden würde. Schon alleine deshalb, weil Scorpius viel vernünftiger war als Romeo.
TBC…
Bezug auf andere Geschichte im 10-kleine-Dinge-Universum:
Can't Help Falling in Love With You
Momentaufnahmen, Kapitel 1: Albus, Lily und McLaggen
