Offenbarung

Es hätte ein ganz normaler Ausflug sein sollen. Sie waren jagen gegangen, Arthur, ein paar Ritter und natürlich Merlin. Doch bevor auch nur ein Tier erlegt werden konnte waren sie von einem Boten aus Camelot unterbrochen worden mit Nachricht vom Hof über ein paar Plünderer an der nahen Grenze.

Arthur hatte alle Adlige und Diener bis auf Merlin und sich selbst zurück nach Camelot geschickt und hatte sich mit den restlichen gut zwei dutzenden Rittern auf den Weg gemacht. Die Reise ging schnell und leise voran, keiner hatte groß Lust auf Gespräche. Die Ritter und Arthur waren enttäuscht, dass die Jagd abgebrochen worden war und Merlin machte sich Gedanken über die Plünderer. Er hatte ein schlechtes Gefühl. Am liebsten wäre er umgedreht, aber er konnte Arthur nicht allein lassen und dieser würde nie seine Untertanen im Stich lassen.

Abends befanden sie sich ganz in der Nähe des geschilderten Ortes, Arthur befand es jedoch zu gefährlich im Dunkeln die Konfrontation zu suchen und so machten sie sich für die Nacht fertig, um am nächsten Tag frisch angreifen zu können.

Merlin war immer noch unruhig und schlief nur schlecht ein. Er hatte sogar überlegt wach zu bleiben, doch dann wäre er am Tag der Konfrontation nur müde und unkonzentriert und das konnte er sich nicht leisten. Und so glitt auch er langsam in einen unruhigen Schlaf.

Er erwachte nicht viel später von einem warnenden Ruf, der aber kurz danach durch einen dumpfen Ton abgebrochen wurde. Erschreckt sprangen er und die Ritter auf, kampfbereit, jedoch schien dies nicht viel zu bringen. Sie waren schon komplett umringt von fremden Gestalten und jeder von ihnen hielt Waffen jeder Art in den Händen.

Doch Arthur und seine Ritter ließen sich nicht durch die Überzahl einschüchtern und griffen dennoch an. Wie sich herausstellte waren die Banditen nicht wirklich geübt im Kampf und nach und nach schafften es die Ritter sie zurück zu drängen. Doch gerade als es wirklich so aussah als ob sie es schafften die Überhand zu gewinnen wurden sie plötzlich durch eine unsichtbare Macht zurückgeworfen.

Merlin der sich bis jetzt an den Rand des Geschehens gedrückt und nur dem ein oder anderen Ritter unauffällig geholfen hatte, zuckte zusammen. Er wusste irgendwas war hier nicht richtig und die Anwesenheit eines Zauberers bei den vielen Zeugen machte es für ihn unglaublich schwer unauffällig zu helfen. Auch den Zauberer zu besiegen war fast nicht möglich, da er hierfür seine Kräfte zeigen müsste.

Er stellte sich schon mental darauf ein, mal wieder eine Gefangenschaft in Kauf nehmen zu müssen, um dann irgendwie zu entkommen, doch diesmal sollte dies keine Möglichkeit sein. Wie er nämlich bemerkte waren die Männer diesmal nicht auf Gefangenschaft aus, nein, sie waren hier, um zu töten.

Nach seinem ersten, relativ harmlosen Spruch fing der Zauberer an fatale Sprüche auszusprechen und auch seine Männer, Kraft sammelnd durch die zusätzliche Hilfe zielten auf Hals, Brust und weitere lebensgefährdende Körperteile. Hilflos und überfordert schaute Merlin einfach zu wie ein Mann nach dem nächsten abgeschlachtet wurde, bis plötzlich Arthur vor dem Zauberer stand.

Arthurs Sicht

Er wich dem ersten Zauber aus und schlug mit seinem Schwert zu, jedoch hatte der verhüllte Mann vor ihm gemerkt was er vorhatte und ließ das Schwert erglühen bis Arthur es nicht mehr halten konnte. Bevor er sich von seiner Überraschung erholt hatte, hatte er Arthur erstarren lassen. Dann holte er auch schon aus, um den König zu erledigen.

Doch er kam nicht mehr dazu, da er plötzlich durch eine magische Welle zurückgeschleudert wurde. Die Lichtung schien kurz zu erstarren, keiner hatte mit einem zweiten Magier gerechnet und sie sahen sich suchend um, nur um auf Merlin zu kommen, welcher mit ausgestreckter Hand dastand.

Ächzend stand der fremde Magier wieder auf und starrte den jungen Mann verächtlich an. „Verräter" warf er ihm vor. „Ich wusste schon immer, dass Prophezeiungen nichts aussagen". Und damit fing er an Merlin zu attackieren. Auch seine Männer fokussierten ihre Aufmerksamkeit auf ihn.

Arthur handelte wie von einer fremden Macht getrieben. Irgendwas in ihm ließ in weiter funktionieren und so kümmerte er sich um das aktuelle Problem. „Für Camelot" rief er und hab seinen Rittern somit das Zeichen weiter zu kämpfen.

Doch er war nicht wirklich fokussiert. Immer wieder geriet sein Blick in die Richtung Merlins und des fremden Zauberers, welche sich ein eindrucksvolles Duell lieferten. Irgendwie wirkte sein Diener gehemmt. Er war sich zwar nicht sicher, schließlich konnte er nicht einschätzen wie mächtig dieser war, generell konnte er magische Fähigkeiten nicht einschätzen, aber er sah es in dessen Haltung und wie er auf den anderen noch versuchte einzureden.

„Es muss doch so nicht sein", meinte er zu hören. Die Antwort des anderen verstand er nicht, aber der Ton war eindeutig. Der Mann klang hasserfüllt.

Nach ein paar weiteren Schlagabtäuschen schien Merlin einzusehen, dass nichts was er sagen konnte die Absichten des Mannes vor ihm ändern würde. Bei der Realisierung warnte nur ein leicht resignierender, wenn auch entschlossener Blick und sogleich griff er richtig an.

Mit einem Aufglühen seiner Hand wurde der Mann nach hinten geschleudert, direkt in ein hinter ihm schwebendes Schwert. Gleichzeitig bewegt sich Merlin nach vorne und fing den nun schwer verletzten Mann auf und hielt ihn in seinen Armen.

„Es tut mir leid" meinte Arthur aus seinen Lippenbewegungen lesen zu können. Es sah wie der Mann seinen letzten Atemzug nahm und dann erschlaffte. Merlin, bleich, blickte trauernd auf die Leiche hinab.

Doch im nächsten Moment wurde er auch schon von einem der Banditen angegriffen, welcher ihn nun verzweifelt versuchte irgendwie zu erwischen. Die Banditen wussten, dass sie keine Chance hatten, doch sie wählten lieber den Tod im Kampf, statt dem Gericht Camelots vorzustehen.

Plötzlich war die Schlacht vorbei.

Der letzte Mann war von Merlin niedergeworfen worden und regte sich nicht mehr. Doch die Spannung blieb, stieg eher noch, keiner wusste was zu tun war.

Alle blickten erwartend auf Arthur, selbst Merlin. Arthur selber befand sich eher in einer Schockstarre. Er wusste nicht so recht was er machen sollte und so starrte er nur auf Merlin und bewegte sich nicht.

Plötzlich glühten dessen Augen auf und er zeigte in Arthurs Richtung und der König erwartete zu sterben. Wenigstens musste er diese Entscheidung nicht mehr treffen. Doch statt eines siedenden Schmerzes und der nachfolgenden Dunkelheit hörte er nur ein „uff" und dann eine fallende Person hinter sich.

Als er sich umdrehte erblickte er einen der Banditen reglos hinter sich liegen. Der Mann war von einem, nun neben ihm liegenden Ast, am Kopf getroffen worden, doch seine schon vorher zugezogene Wunde am Bauch ließ keine Hoffnung auf Besserung zu.

Beinahe störrisch weigerte sich Arthur für ein paar Minuten seine Augen von dem Banditen anzuwenden, irgendwas regte sich in seinem Hinterkopf bei dem Anblick. Woran erinnerte ihn dieser Anblick?

Er wurde unsanft aus seinen Gedanken gerissen als er hinter sich schnelle Bewegungen ausmachte. Ruckartig drehte er sich um, schon einen weiteren Banditen-Angriff erwartend, stockte aber dann mit erhobenem Schwert in der Hand, ungläubig auf die ihm bietende Szene starrend.

Seine Ritter hatten Merlin erfasst und hielten ihn kniend mit Schwertspitze an der Kehle in dieser Position. Der neue entdeckte Zauberer schien selber noch ungläubig und schaute ihn aus großen blauen Augen an. Diese ihm doch so vertrauten Augen schimmerten leicht, als könne Merlin selbst nicht glauben was soeben passiert war. Und gleichzeitig wirkte er sehr resigniert, wagte nur einen Blick in Arthurs Augen und ließ seinen Blick dann auf dessen Stiefel fallen.

Irgendwo in Arthurs Hinterkopf registrierte er, dass sein Leibdiener in seinem Leben noch nie so demütig ihm gegenüber gewesen war. Dann realisierte er, dass er Merlin auch noch nie die Todesstrafe angedroht hatte, zumindest nicht ernsthaft. Doch dies würde er nun tun müssen.

Und dann kam die Wut.

Endlich schien sein Gehirn zu realisieren was überhaupt gerade geschehen war. Merlin war ein Zauberer! Nach all den Menschen, die ihn betrogen hatten, war nun ein weiterer der Magie zum Opfer gefallen! Und ausgerechnet Merlin, dem er, wie er gerade schmerzhaft realisierte, am meisten getraut hatte.

Warum tat er ihm das an? Hatte er nicht genug mitbekommen was die Magie allen antat? Oder war er schon die ganze Zeit am planen wie er Arthur beseitigen konnte und hatte all den missglückten Zauberern, die ihn töten wollten, geholfen?

Ein hilfloser Drang den jungen Mann einfach den Kopf einzutreten überkam ihn.

Wie konnte er ihm das antun? Ausgerechnet Merlin! Jeder einzelne Moment, in dem der junge Mann ihm seine Treue schwor, kam ihm in den Kopf. Alles Lügen! Wie oft hatte er ihm seine Gefühle anvertraut?

In einer Welle an Hass und Trauer hob er das vergessene Schwert an seiner Seite wieder hoch und hob es hoch über seinen Kopf. Doch bevor er auch nur daran denken konnte dieses fallen zu lassen, hielt ihn eine behandschuhte Hand zurück. Als er sich erbost umdrehte blickte er in die braunen Augen von Leon.

„Arthur, nicht" flehte der Ritter fast. „Überlegt es Euch gut, dass ist Merlin da vor euch! Euer Diener!"

Innerlich noch immer erbost durch den Verrat klang Arthurs Stimme vor Wut ganz gepresst: „Er ist ein Feind Camelots! Er hat Magie! Ich kann ihn nicht verschonen!"

„Aber er verdient ein Verfahren Arthur" Ihr habt es geschworen, jeder einzelne bekommt ein faires Verfahren. Das war euer Gelübde bei der Krönung."

Arthur erinnerte sich an den Tag. Und das Gelübde, dieser Absatz war tatsächlich Merlins Idee gewesen. Auch der Zauberer schien sich daran zu erinnern, denn er zuckte doch tatsächlich zusammen und versuchte sich in seiner knienden Gestalt noch kleiner zu machen.

Der König war kurz gewollt gerade deswegen das Gelübde zu vergessen. Hatte Merlin dies absichtlich gemacht? War dies alles ein ausgeklügelter Plan?

„Der Weg ist zu weit Leon! Wir können ihn nicht zwei Tage bewusstlos halten! Und wenn er aufwacht wird er fliehen, du hast ihn doch gesehen! Er ist zu mächtig, wahrscheinlich ist er nur noch hier, da er erschöpft ist aufgrund des Kampfes!"

Arthur war ziemlich stolz diese Begründung gefunden zu haben. Keiner würde es ihm versagen Merlin nun umzubringen, trotz der Gelübde. Nur warum war ihm dann plötzlich so komisch als er nun mit klarem Kopf daran dachte seinem langjährigen Freund den Kopf abzuhacken?

„Ich…" krächzte es plötzlich von unten. „Ich werde nicht weglaufen" schaffte es Merlin alle zu überraschen. „Ich schwöre es, ich werde nicht weglaufen". Er hatte es nun doch geschafft noch einmal den Kopf zu heben und Arthur wieder in die Augen zu schauen. „Arthur…" er brach kurz ab „My Lord, ich weiß Ihr traut mir nicht mehr und ich verstehe warum, aber ich schwöre euch beim Leben meiner Mutter, ich werde nicht weglaufen. Ich gehöre zu euch!"

Wenn Arthur sich einer Sache im Leben sicher war, dann Merlins Liebe zu seiner Mutter. Somit hatte der Magier es geschafft tatsächlich die richtigen Worte zu finden und wenn er sich ganz ehrlich war, fühlte er tief in sich drin ein wenig Erleichterung den jungen Mann vor sich zumindest noch nicht umbringen zu müssen.

„Bindet ihn fest" befahl er somit und drehte sich sofort schwerfällig ab. Nun da die Entscheidung getroffen war schaffte er es fast nicht die Augen offen zu halten.

„Versorgt eure Wunden und legt euch wieder schlafen!" befahl er den Soldaten um sich herum barsch. „Zwei Wachen für den Zauberer. Die Banditen werden allzu bald nicht mehr zurückkommen, sammelt ihre Leichen und verbrennt sie."

Damit machte er sich zum ersten Mal seit Langem wieder daran sich schlafen zu legen ohne sich selbst um seine Soldaten zu kümmern, ohne selbst die Leichten auf einen Haufen zu legen und ohne selbst die Leichen der eigenen Männer zu bergen und zu ehren. Er war einfach zu müde.

Und damit legte er sich auf seine Schlafstätte und schlief ein.

Merlins Sicht

Er konnte es nicht glauben.

Er hatte es getan. Er hatte Arthur seine Magie gezeigt und zwar auf die schlimmstmögliche Art und Weise.

Ermattet ließ er seinen Kopf zurück an den harten Stamm des Baumes fallen, an den ihn die Soldaten nicht allzu sanft gebunden hatten. Die gleichen Soldaten die gestern noch mit ihm abends gescherzt und ihm für das gekochte Essen dankbar auf den Rücken geklopft hatten.

Er konnte es ihnen nicht verdenken. Jeder einzelne von ihnen hatte durch die Magie schon etwas verloren, war es nun Freund, Familie oder Kamerad. Sie alle hatten ihre Gründe, um ihn zu hassen.

Mit einem Seufzen schloss er die Augen und versuchte irgendwie seinen hunderten Gedanken zu entfliehen. Die Angst vor der Zukunft, die Angst um seine Freunden und deren Zukunft und die Angst um und vor Arthur ließen ihn einfach keine Ruhe finden. Er wusste er sollte schlafen, um irgendwie sich auf die Tortur der nächsten Tage einzustellen, aber er schaffte es einfach nicht seine Sorgen zu vergessen.

Arthur wusste es.

Und er war verständlicherweise geschockt und wütend gewesen. Nach Nimueh, Morgause, Morgana und so vielen weiteren die ihm gezeigt hatten wie böse die Magie sein konnte und wie sehr sie einen verraten konnte, war es keine Überraschung, dass der jungen König sofort an Verrat gedacht hatte als er Merlin diese besitzen sah. Auch wenn er sie alle gerettet hatte, das machte keinen Unterschied.

Und doch fühlte Merlin auch ein wenig Bitterkeit in sich aufsteigen. Hatte er nicht so viel für den jungen König getan? Hatte er nicht Jahre seines Lebens damit verbracht diesen vor allen möglichen Gefahren zu schützen und zu retten nur um kein einziges Mal ein Danke zu hören, sondern immer nur als Idiot bezeichnet zu werden und kein einziges Mal für seine Taten anerkannt zu werden?

Wofür sollte er verurteilt werden? Rettung des Königs zum 781ten Mal?

Beinahe hätte er bitter geschnaubt, hielt sich aber im letzten Moment zurück, seine Wächter mussten nicht hören, dass er noch wach war.

Als das Geräusch eines Schwertes in seiner Nähe ertönte, verkrampfte er sich. Würde sich jemand seiner Annehmen, während sie so unbeobachtet in der Ecke der Lichtung saßen. Hatte jemand einen ungeahnten Hass auf ihn, oder seine Magie, die ihn die Befehle des Königs vergessen ließen? Seine Atmung beschleunigte sich automatisch und sein Herz fing an ihm bis zum Hals zu klopfen. Trotz allem wollte er nicht sterben. Zwar wäre ein Tod durch das Schwert wahrscheinlich schneller und schmerzfreier als der Tod durch das Feuer, welcher ihn in Camelot erwartete, doch trotzdem wollte er ihn nicht. Lieber wartete er noch die paar Tage in Hoffnung und sah seine Freunde ein letztes Mal wieder.

Die Augen fest zugekniffen bereitete er sich vor die Klinge durch seine Magie aufzuhalten, als sich der Ritter hörbar auf einen Holzscheit in seiner Nähe setzte und anfing das Schwert mit langen, gleichmäßigen Zügen zu schleifen.

Erleichtert lockerte er seine Muskeln wieder. Arthur hatte seine Ritter besser unter Kontrolle, das wusste er eigentlich. Unter Uthers Herrschaft müsste er vielleicht Angst haben, aber Arthur waren die Ritter loyal und dieser hatte schon von Anfang an klargestellt, dass er es nicht tolerierte, wenn jemand seine Gefangenen misshandelte, um ihm einen Gefallen zu tun.

„Es geht ihm immer noch nicht besser, ich denke eher er wird noch wärmer" fing einer der Ritter, Merlin meinte die Stimme von Sir Galan zu erkennen, an leise dem anderen zuzuwispern. Sie schienen zu denken, dass Merlin schon schlief.

„Kein Wunder, warum sollte er auch besser werden?" antwortete der andere. „Wir sind alle nicht dafür ausgebildet uns um solch große Wunden zu kümmern und er hat sich ja ausgerechnet heute ausgesucht, um sich zu enttarnen."

Merlin konnte sich schon denken wer damit gemeint war.

„Er hat uns auch alle gerettet" warf Sir Galan nun doch tatsächlich ein. „Ich sage nicht, dass er unschuldig ist, aber er hätte auch einfach wegrennen können. Ich glaube nicht, dass die Banditen sich die Arbeit gemacht hätten einem einfachen Diener hinterherzurennen."

Sir Bram antwortete darauf nicht mehr. Anscheinend war er nicht gewollt sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Arthurs Sicht

Er wurde schon früh aus seinem unruhigen Schlaf gerüttelt.

Arthur hätte nicht gedacht, dass er tatsächlich einschlafen würde, aber kaum hatte sein Kopf das Bündel Stoff berührt, war er schon weggeglitten.

„Sire. Wir haben ein Problem" sprach ihn eine bekannte Stimme an. Leon stand über ihm mit einem besorgten Ausdruck auf dem Gesicht. „Ich weiß Ihr wollt immer benachrichtigt werden, wenn es den Männern nicht gut geht."

Mit einem Anflug an Scham realisierte Arthur was er alles vernachlässigt hatte in seinem Anfall an kindlichen Anfall an Wut. Sie hatten gerade erst einen Kampf hinter sich, wie hatte er nicht nach seinen Männern schauen können? Wer war überhaupt alles wieder aufgestanden? Welche Familien musste er benachrichtigen?

Er hatte seine Pflichten aufgrund seiner eigenen Gefühle vernachlässigt, schon wieder. Sofort raffte er sich auf seine Füße und bedeutete Leon fortzufahren.

Merlin hatte ihn betrogen, aber seine Männer nicht und er war immer noch König. Seine Gefühle konnte er später adressieren.

„Wir haben fünf Männer verloren. Sieben weitere sind leicht verletzt sie werden es ohne große Probleme nach Camelot schaffen. Aber Sir Mellon ist stark verletzt. Er beginnt zu fiebern."

„Aber warum kümmert sich denn nicht der Heiler…" schweifte Arthurs Stimme ab. Merlin war die letzten Züge zu ihrem Heiler geworden, er war unter der Obhut von Gaius zu einem kompetenten Mann der Medizin geworden und hatte so das Mitnehmen eines weniger begabten Lehrlings hinfällig werden lassen.

Nun, bis jetzt.

„Wie sieht es aus? Gibt es eine Möglichkeit ihn nach Camelot zu schaffen, wo er von Gaius versorgt werden kann?" Schon während er die Frage stellte wurde ihm klar wie die Antwort lauten würde. Leon hätte ihn nie geweckt, wenn es nicht ernst wäre.

„Wir glauben nicht, dass er die nächste Nacht überlebt" bestätigte Leons Antwort auch schon seine Befürchtungen. „Er hat nach euch gefragt".

Arthur stand schwerfällig auf. Er hasste es seine Ritter zu verlieren, aber noch mehr hasste er es sie langsam dahinsiechen zu sehen. Jeder einzelne von ihnen war bereit im Kampf schnell zu sterben. Stunden nach der Schlacht langsam dahingerafft zu werden war eine ganz andere Geschichte.

Bei dem Rastplatz des Ritters angekommen, kniete er sich neben dessen Kopf. „Sir Mellon" machte er sanft auf seine Anwesenheit aufmerksam.

Der Angesprochene ließ seinen Kopf schwerfällig zu seinem Regenten fallen. „Sire…" er holte rasselnd Luft „es tut mir leid, dass ich so ein Last bin. Bitte lasst mich nicht zurück", flehte der Mann beinahe. „Ich möchte im Kreise meiner Freunde sterben."

„Natürlich lassen wir Euch nicht zurück" beruhigte Arthur den Mann. „Wir bleiben bei euch".

Und so fing die Wache an.

Nach ein paar Stunden fing der Mann an laut zu stöhnen. Er fing an zu halluzinieren und sie schafften es trotz aller ihrer Mühen nicht das Fieber zu senken. Die große Wunde an seinem Bauch fing an zu eitern und faul zu riechen. Die ganze Zeit blieb der König an seiner Seite, wechselte selbst die kalten Lappen auf seiner Stirn und sprach ihm durch die Fieberträume gut zu. All dies machte es ihm einfach den Zauberer keine 20 Meter von ihm zu vergessen.

Zumindest bis er plötzlich Unruhe in der Ecke bemerkte. „Lasst mich doch zu ihm! Was kann ich ihm noch tun, wenn ihr ihn so lasst stirbt er!" erklang Merlins verzweifelte Stimme von der anderen Seite der Lichtung.

„Der König hat befohlen euch hier zu lassen und damit ist das entschieden", schienen seine Ritter überzeugt den jungen Zauberer ohne die Befehle des Königs nirgendwo hin zu lassen.

„Er stirbt! Lasst mich doch wenigstens mit Arthur… dem König sprechen!" ließ Merlin jedoch nicht locker, etwas was dem jungen König beinahe ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Sein Leibdiener war schon immer störrisch gewesen.

Plötzlich hörte er fluchen und als sich ihm schnelle Schritte näherten drehte er sich um und griff dann hektisch nach seinem Schwert, als er sah, dass doch tatsächlich Merlin auf ihn zustürmte. Doch sein Schwert lag noch an seinem Platz und so musste Arthur dem Zauberer mit leeren Händen hilflos entgegen schauen.

Doch statt ihn anzugreifen schmiss sich Merlin vor ihm auf die Knie. „Bitte Arthur, lasst mich um Sir Mellon kümmern. Er muss nicht sterben, nicht weil ich mich heute zeigen musste. Bitte Arthur, ich schwöre euch, ich werde ihn heilen und ihm nichts tun! Und danach lasse ich mich wieder fesseln und werde Euch nicht einmal falsch anschauen! Bitte Arthur!"

Und so kniete der Zauberer vor dem König und bettelte nicht um sein Leben, nein, das eines seiner Ritter.

Endlich kamen Merlins Wachen auf nach und einer verdrehte dem Magier schmerzhaft die Arme hinter dem Rücken, während der andere ihm ein Messer an die Kehle hielt. „Sire, seine Fesseln fielen einfach von ihm ab!" Sie sahen sehr alarmiert von der eindeutigen Macht des Zauberers aus. „Sire, ich glaube nicht, dass wir ihn wirklich festhalten könnten, wenn er wegrennen wollte", meinte schließlich Sir Galan.

Arthur blickte überlegend auf seinen früheren Leibdiener. Dieser achtete gar nicht auf das, was die beiden Ritter sagten, er schaute nur abwechselnd Arthur flehend in die Augen und dann wieder auf den stöhnenden Mann neben ihm.

„Lasst ihn los", befahl der König schließlich und unterstrich seine Worte noch einmal mit einer ungeduldigen Handbewegung als seine zwei Wächter ihn nur ungläubig anstarrten. „Ihr habt es doch gerade selber gesagt, wenn er wollte, könnte er fliehen. Doch er will eindeutig nicht, also lasst ihn los, er tut mir nichts".

„Geh und tu was du nicht lassen kannst" sagte er dann zu Merlin. „Aber Zauberer", weigerte er sich seinen Namen zu nennen und an dem zusammenzucken Merlins kam die Nachricht an, er war nicht mehr sein Freund Merlin, sondern ein ihm fremder Zauberer: „wenn du wagst ihm etwas zu anzutun wirst du nicht mehr die Zeit haben zu fliehen."

Doch der junge Mann schien gar nicht mehr zuzuhören, er stolperte auf den Verwundeten zu und hatte nur noch Augen für den Verletzten und dessen Verletzung. Mit zitternden Händen, wann hatte er angefangen zu zittern, löste er sanft die mehr schlecht als recht umgebundenen Stoffbinden von der schon gelb aussehenden Wunde und tauchte einen weiteren Stofffetzen in den neben stehenden Eimer.

Sanft begann er die Wunde auszuwischen und dem nun sichtbareren Schnitt zu begutachten. Beinahe mechanisch griff er in neben sich, um aus seiner Tasche die nötigen Kräuter zu holen nur um ungläubig auf die zerrissenen Überreste seiner sonst so ordentlich sortierten Heilertasche zu schauen. Die Ritter hatten in ihrer hilflosen Verzweiflung einfach die Tasche auf einer alten Tunika ausgeleert und so lag nun alles in heilloser Unordnung darauf, teilweise zerrissen und die ganzen kleinen Glasgefäße unordentlich auf einen Haufen geworfen. Einen giftigen Blick auf die ihn nun umringenden Ritter werfend machte er sich an die Arbeit, um die richtigen Kräuter zusammen zu suchen und diese sorgsam in seinem kleinen Mörser zu einer Paste zu zerreiben.

Und so verging die Zeit, Merlin auf den Knien neben dem Verletzten und eine Menge Ritter um ihn herum, welche jede einzelne Bewegung verfolgten. Als der junge Mann sich daran machte die Wunde zu nähen, dachte er daran betont unterwürfig nach Hilfe zum festhalten des Mannes zu fragen, welcher sich gegen die Stiche wehren würde.

Nach einer guten Stunde lehnte sich Merlin schließlich schweißüberströmt zurück und verkündete, dass man nun erst mal warten müsse ob das Fieber von selbst herunter ginge.

Er ließ sich, ohne zu wehren wieder an einen Baum fesseln, warnte aber, dass er in zwei Stunden wieder nach dem Ritter schauen müsse, um wieder Salbe auf die Wunde zu tragen.

Und so schaffte Sir Mellon eine weitere Nacht. Alle waren schon in guter Stimmung, aber als Merlin sich den Ritter am nächsten Tag ansah, fiel sein Gesicht in sich zusammen und er machte keine Anstalten mehr neue Salbe anzurühren. Schwerfällig wandte er sich zu Arthur.

„Die Entzündung sitzt zu tief, ich kriege sie nicht mehr heraus", sagte er schleppend als fiele es ihm schwer diese Worte auszusprechen. „Ich kann nicht mehr…" doch plötzlich stoppte er.

„Ich kann doch noch was tun!" rief er aus. „Ihr wisst von meiner Magie, ich kann ihn mit Magie heilen, den Spruch für eine Entzündung kann ich sogar auswendig!"

Merlins Augen schienen ganz hell vor Erleichterung und eine neue Energie schien ihn bei dem Gedanken den Mann doch noch retten zu können zu überfallen. „Es ist ganz einfach, glaubt mir, er wird in wenigen Momenten wieder…"

„Nein."

Arthur hatte die Blicke seiner Ritter gesehen. Sie glaubten Merlin nicht, sie befürchteten eine Falle und auch wenn Arthur nicht glaubte, dass Merlin Sir Mellon was Böses wollte, so verkrampfte sich aus sein Magen bei dem Gedanken diesen der Magie auszusetzen.

„Wie, nein?" schien es Merlin nicht glauben zu können. Fassungslos blickte der junge Mann in die harten Gesichter um sich herum. „Ich könnte ihn retten, ich könnte ihm seine Schmerzen nehmen, wie könnt ihr nur dagegen sein? Arthur, Ihr könnt doch nicht euren Ritter wegen einer idiotischen Angst sterben lassen?" flehte er letztendlich den Regenten an, welche ihm mit einem harten Ausdruck im Gesicht entgegensah.

„Meine Entscheidung steht". Auch wenn ihn diese Entscheidung schwerfiel, so stärkte ihn doch die schweigende Zustimmung seiner Männer um sich herum.

„Nein", hauchte Merlin, als er schließlich einsah, dass er keine Chance hatte. „Nein, das lasse ich nicht zu" verhärtete sich schließlich seine Stimme und bevor irgendwer reagieren konnte, war er schon herumgewirbelt und brüllte beinahe „marbhadh bitheagan!"

Bevor er jedoch das Ergebnis sehen konnte, traf ihn Arthurs Schwertknauf am Kopf und er kippte beinahe in Zeitlupe zur Seite und kam neben dem Verletzten auf dem blättrigen Boden zum Liegen.

Merlins Sicht

Er erwachte mit einem schweren Kopfweh und leichter Übelkeit. Die ganze Welt schien um ihn herum zu schwanken und erst als es nach mehreren Momenten nicht besser wurde, begriff er, dass er über dem Rücken seines Pferdes festgebunden worden war.

Er konnte sich ein leichtes Stöhnen nicht verkneifen und sofort wurden die Pferde angehalten.

Erst jetzt kamen seine Erinnerungen zurück. Das Gefühl des vollkommenen Unverständnisses, dass sie ihn nicht heilen lassen wollte, dann die brennende Entschlossenheit und dann… gar nichts mehr. Irgendwer musste ihm etwas über den Kopf gezogen haben. Arthur musste ihn geschlagen haben, er war der einzige der direkt hinter ihm gestanden hatte und damit außerhalb seines Sichtfeldes war.

Als schwere Schritte auf ihn zu kamen verkrampfte sich sein Magen vor Nervosität. Er hatte gegen einen direkten Befehl des Königs gehandelt als dieser todernst gewesen war, nicht einmal als dieser ihn als Freund angesehen hatte, hatte er sich dies mehr als ein zwei Mal getraut. Arthur würde außer sich sein. Merlin war sich nicht sicher warum sie sich überhaupt die Mühe gemacht hatten ihn noch mitzunehmen, sicherlich hatte er sein Recht auf ein Verfahren verspielt, als er so respektlos gegen das Wort des Königs gehandelt hatte.

Oder warteten sie nur darauf, dass er aufwachte, um ihm noch einmal bewusst zu machen, dass er nun sterben würde? Was würde mit seiner Leiche passieren? Würden sie ihn verbrennen oder würde er hier in dem Wald liegen bleiben und langsam von den Tieren auffressen lassen?

In seiner inneren Panik nahm er gar nicht war, dass die Schritte vor ihm stehen geblieben waren und anscheinend darauf warteten, dass er sich regte.

„Merlin" tönte schließlich Arthurs Stimme durch seine Panik.

„Ich löse jetzt die Fesseln, die dich ans Pferd binden, lass dich langsam von dem Pferd gleiten. Eine falsche Bewegung und du bist wieder bewusstlos."

In langsamen, ruckartigen Bewegungen versuchte Merlin möglichst kontrolliert von dem Tier zu kommen, aber kaum war er über den höchsten Punkt des Rückens geglitten konnte er sich mit seinen zittrigen Gliedern nicht mehr halten und fiel haltlos vor die Füße des jungen Königs. Er blieb kurz liegen, halb in Erwartung wieder ohnmächtig geschlagen zu werden und rappelte sich erst nach ein paar Sekunden auf. Auch hierbei versuchte er sich so langsam wie möglich zu bewegen und blieb schließlich mit hängendem Kopf vor Arthur stehen.

Ihm fiel auf, dass er leicht zitterte. Sein vorherigen Gedanken immer noch im Kopf.

„Du hast gegen meinen eindeutigen Willen gehandelt" hörte er Arthurs feste Stimme vor sich erklingen. Hatte er schon immer so imposant geklungen, oder kam es ihm nur jetzt so vor, da er in den nächsten Momenten über sein Leben entscheiden würde?

„Ich kann dir nicht mehr vertrauen." War er der einzige der den leichten Schmerz aus diesen Worten heraus hörte? Beinahe wäre er Arthur ins Wort gefallen, aber er hielt sich im letzten Moment zurück. Nein, jetzt war nicht die richtige Zeit. Aber was, wenn es keine andere Zeit mehr gäbe?

„Doch ich sehe, dass du immer noch nicht versucht hast zu fliehen und das kann ich anerkennen. Ich möchte kein einziges Wort mehr hören, Zauberer. Wir sind in zwei Tagen in Camelot und wenn du bis dahin auch nur ein einziges Wort murmelst, oder auch nur eine falsche Geste machst, war es das. Kein Verfahren, kein Camelot. Hast du mich verstanden?"

Unter Merlin hätten beinahe seine Knie noch ein zweiten Mal nachgegeben. Er würde weiterleben. Zumindest noch zwei Tage. Er würde Gwen und Gaius noch einmal sehen, er würde seiner Mutter vielleicht noch eine Nachricht senden können.

„Ich verstehe", schaffte er es zu krächzen, seine Stimme beinahe vollkommen weg von Schmerz, Durst und Erleichterung.

Arthurs Sicht

Den restlichen Weg nach Camelot verbrachte Arthur damit, sein gesamtes Leben zu überdenken. Er dachte daran wie Merlin in sein Leben gekommen war, wie er ihm schon am zweiten Tag das Leben rettete und wie er auch da schon so unglaublich störrisch und nicht gewollt gewesen war auf ihn zu hören. Und als er ihre ganze Zeit, vor allem die schwere Zeit, in seinem Kopf wiederspielte fiel ihm eine Sache auf. Sie hatten unglaublich viel Glück gehabt. Unrealistisch viel Glück tatsächlich.

Als er dies dann noch mal reflektierte realisierte er, dass es kein Glück sein konnte. Es gab eine, im Nachhinein, viel naheliegendere Erklärung und diese Erkenntnis hätte ihn beinahe von Pferd geworfen.

Merlin hatte sie mit Magie gerettet. So viele Male, waren so viele Sachen passiert, die er sich im Nachhinein nur durch seine Intervention erklären konnte. Als ihm diese Erleuchtung kam, ging er sein Leben mit dem Zauberer noch ein weiteres Mal durch und oh wie viele Situationen konnte er rekapitulieren in denen ihm nun klar war, dass Merlin ihr Schicksal verändert hatte. Mit sinkendem Gefühl wurde ihm eines klar: Ohne Merlin wäre er nicht mehr am Leben.

Letztendlich änderte dies nichts. Er hatte auch vorher schon gewusst, dass er ihm sein Leben schuldete. Zweimal mindestens hatte Merlin für ihn aus einem vergifteten Kelch getrunken. Bei ihrem ersten Treffen hatte ihn der Zauberer vor einem Messer in die Brust bewahrt.

Dennoch war es was anderes. Er wollte Merlin für seine Magie hassen. So viele Menschen mit Magie hatten ihn verraten und er wollte sie alle einfach nur aus seinem Gehirn verbannen. Doch konnte er so ein Loyalität wie Merlin sie gezeigt hatte einfach verleugnen, nur weil andere seiner Art ihn verraten hatten?

So diskutierte er auf dem ganzen Weg nach Camelot mit sich selbst, während Merlin leise und bedrückt kein weiteres Wort auf der gesamten Reise von sich gab. Das einzige Mal, dass überhaupt ein Ton über seine Lippen kam, war sein leichtes Stöhnen der Erleichterung, als er Sir Mellon seine ersten eigenen Schritte wieder gehen sah.

Merlins Sicht

Je näher sie der Stadt gekommen waren, desto mehr Angst hatte er vor der Reaktion seiner Freunde. Vor allem Gwaine machte ihm Sorge, der erst kürzlich geschlagene Ritter war aufbrausend und sehr loyal ihm gegenüber. Wenn niemand ihn aufhielt würde er sicher etwas Unüberlegtes tun.

Er wurde immer zappeliger je näher sie dem Schloss kamen. Den Rittern fiel dies auch auf und so hielten sie sich noch ein bisschen näher bei ihm und schienen ständig bereit ihre Schwerter zu zücken, was ihn auch nicht beruhigte. Außerdem wirkte er so nur noch mehr wie ein Gefangener, was die Reaktion von Gwaine sicher nicht verbesserte.

Kurz bevor sie in Sichtweite des Schlosses kamen ließ Arthur die Prozedur anhalten. „Ich möchte, dass alle Verletzten, auch wenn es auch nur leichte Verletzungen sind, direkt zu Gaius gehen, wenn wir ankommen. Auch kleine Kratzer müssen ordentlich ausgewaschen werden." Das unausgesprochene „und diesmal wurde das nicht von Merlin erledigt" schwebte in der Luft.

Dann drehte er sich zu Merlin. „Nehmt ihm die Fesseln ab" befahl er den Rittern neben ihm.

Das stieß auf wenig Zustimmung und die Männer zögerten sichtbar. „Aber Mylord…" wagte es tatsächlich einer aufzubegehren.

„Er wird nichts tun" erklärte Arthur sich. „Er ist mir immer noch loyal." Bei diesen Worten hob Merlin das erste Mal seit dem Vorfall mit Sir Mellon das Gesicht und schaute Arthur direkt in die Augen. Der Mann sah so sicher aus, dass ihm fast die Luft wegblieb. Nie hätte er gedacht, dass Arthur dies wirklich erkennen würde. Er war sich sicher gewesen in diesen Augen Misstrauen und Hass zu sehen. Und während er immer noch nicht freundlich oder ihm gewogen aussah, so sah er doch einen Glauben an das Gesagte was ihn überraschte.

„Er hätte die letzten Tage sehr oft versuchen können zu fliehen. Es wäre ihm nicht unbedingt gelungen, aber mein Leibdiener war schon immer stur und hätte es sicher weiter versucht. Würde er weg wollen hätten wir ihn die ganze Reise betäubt halten müssen."

Damit wandte sich der junge König an Merlin. „Befrei dich von den Fesseln", befahl er.

Und während Merlin Angst vor der Reaktion der Ritter und auch Arthur hatte, wenn sie sahen wie einfach ihm die gelänge, so zögerte er keine Sekunde und folgte sofort dessen Befehl. Denn Arthur hatte Recht, er war ihm loyal.

Sie ritten in die Stadt wie immer. Arthur vorne heran und Merlin leicht versetzt hinter diesem. Der einzige Unterschied war, dass die auf sie folgenden Ritter nun näher auf diese folgten und auch wenn es nicht auf den ersten Blick sichtbar war, jederzeit bereit waren ihre Schwerter zu zücken und ihn zu durchbohren, wenn er eine falsche Bewegung machte.

Im Innenhof standen wie immer die Ritter des inneren Zirkels und Gwen, um sie zu empfangen. Doch diesmal wartete Arthur nicht bis er sie alle begrüßt hatte, er umarmte selbst Gwen nur kurz und ging dann sofort in die etwas privatere, große Halle, wobei er alle hinaus schickte bis auf die Ritter des inneren Zirkels, sowie auch Gwen, Merlin und zwei seiner Bewacher.

Dann ließ er sich erst einmal auf seinen Thron sinken und schloss sichtbar erschöpft die Augen.

Merlin fühlte einen Schwall an Schuldgefühlen als er seinen Freund so erschöpft sah. Er zweifelte keine Sekunde daran, dass nicht er der Schuldige daran war.

Nach ein, oder zwei Minuten in denen Arthur sich nicht regte und es beinahe so aussah als wäre er eingeschlafen, war es natürlich Gwen die sich als erstes zu ihm wagte. Sanft legte sie ihm ihre zierlichen Hände auf die Schulter und lehnte sich leicht an ihm, um ihm ihre Unterstützung zu zeigen und beinahe hätte Merlin bei diesem Anblick gelächelt. Der Anblick der beiden erfüllte ihn immer mit Zufriedenheit. Sie gehörte einfach eindeutig zusammen.

Gwens Geste schien auch Arthur wieder die Kraft zu geben die Augen zu öffnen.

„Merlin" meinte er schließlich und er trat vor. Jetzt wo es tatsächlich zu seinem Schuldspruch kam, füllte ihn die Situation plötzlich mit tiefem Schrecken.

Arthur wusste, dass er loyal war, aber würde dies irgendwas ändern? Magie war verboten und mit diesem Gedanken war er aufgewachsen. Er hatte schon Kindern brennen sehen, hatte die Kriegszüge zu dem Camps der Druiden, von denen er wusste, dass sie friedlich lebten selbst geleitet, warum sollte er bei ihm eine Ausnahme machen? Was wenn er ihn verbannte? Er konnte sich nicht vorstellen sein zuhause zu verlassen und wer schützte dann Arthur vor den Angriffen der feindseligen Magier.

Von diesen Gedanken erfüllt stellte er sich zitternd vor den König und sank auf die Knie, während er auf sein Urteil wartete.

Arthurs Sicht

Er fühlte wie sich die Stimmung in dem Raum änderte als Merlin in die Knie sank.

Noch nie hatte der junge Mann vor ihm gekniet und noch nie hatte er es verlangt.

Er fühlte Gwen neben sich, sich verwirrt versteifen und auch die Ritter des Inneren Kreises sahen verwundert und alarmiert aus.

„Merlin hier", begann er laut zu sprechen „hat Magie."

Bevor irgendwer beginnen konnte zu widersprechen hob er bestimmend die rechte Hand.

„Das steht außer Diskussion, er hat sie während eines Angriffs mehrmals benutzt und auch danach noch, vor meinen, und den Augen der begleitenden Ritter."

Die Reaktionen seiner Freunde fielen beinahe genauso aus wie er es sich vorgestellt hatte. Beinahe alle von ihnen waren überrascht und deshalb erst einmal zu keiner wirklichen Reaktion fähig. Er hatte auch nicht erwartet, dass sie es alle wussten, aber es war gut zu sehen, dass er Recht behalten hatte.

Doch einer seiner Ritter schien überhaupt nicht überrascht zu sein, sondern eher mit Schrecken erfüllt. Lancelot starrte ihn mit furchtvollen Augen an, als habe er Angst vor der Reaktion des Königs. Er hatte es also gewusst.

Sir Lancelot", sprach er es auch schon an. „Ihr wusstet von seiner Magie?"

Dies entlockte nun auch Merlin seine erste Reaktion, welcher zuvor einfach nur reglos am Boden gekauert hatte und seine Augen am Boden hielt. Der junge Mann zuckte zusammen, hob seinen Kopf, die Augen vor Panik weit aufgerissen und wollte schon anfangen zu sprechen, als Lancelot ihm dazwischenfuhr.

„Ja Milord", schien der Ritter kein bisschen eingeschüchtert und hob stolz den Kopf. „Merlin hat uns jede Reise beschützt und für uns gesorgt, ich sah keinen Grund sein Geheimnis zu verraten. Es war für das Wohl von Camelot."

Arthur wusste nicht so wirklich damit umzugehen. Auf der einen Seite war er selbst zu dem Schluss gekommen, dass Merlin sie all die Jahre beschützt haben musste, auf der anderen Seite gefiel es ihm gar nicht, dass einer seiner Ritter ihm so etwas verschwiegen hatte. Und wenn er ehrlich mit sich war, fühlte er sich von Merlin und Lancelot ein wenig betrogen. Warum hatte Merlin sich bewegt gefühlt Lancelot sein Geheimnis zu erzählen, aber Arthur nicht? Und warum war Lancelot nie zu ihm gekommen?

„Es ist Hochverrat von einem Magier zu wissen und nichts davon zu erzählen", stellte er nach außen hin ungerührt fest. Er sah wie sich alle in dem Raum bei seinen Worten versteiften. Offensichtlich stimmte sie ihm nicht zu und erwarteten das Schlechteste.

„Merlin", wandte er sich dann an den jungen Mann. Der sah ihm aus seiner knienden Haltung flehend in die Augen.

„Ich hatte genug Zeit nachzudenken in den letzten zwei Tagen".

Er erhob sich von seinem Thron und ging auf Merlin zu. „Du hast mir schon so oft das Leben gerettet. Das habe ich erkannt und mit deiner Hilfe mein Freund will ich versuchen das Land dies auch sehen zu lassen. Kannst du mir auch dabei helfen?"