Haftungsausschluss: „Scarecrow and Mrs. King" gehören Warner Brothers und Shoot the Moon Productions. Ich liebe die Serie und diese Geschichte ist nur für den Spaß gedacht. Ein Verstoß ist nicht beabsichtigt.

Diese Geschichte enthält Texte aus dem Skript „Scarecrow and Mrs. King" „The first Time". Sie gehören Warner Brothers und Shoot the Moon Production und sind hier nur verwendet zum Verständnis.

Die Serie wurde ab Juni 1986 in Deutschland ausgestrahlt. Ob ich sie gleich dann gesehen habe oder in einer der vielen Wiederholungen, kann ich heute nicht mehr sagen.
Ich fand damals, dass Amanda etwas naiv auftrat, wie als ob sie nur von Haushalt und Schule Ahnung hätte und den Rest der Welt nicht kannte. Sie war immer lieb und brav. Selten gab sie Lee Paroli. Noch eher in den ersten Folgen, dann wurde es aber weniger und erst in der dritten Staffel bekam sie wieder mehr power. Und warum wurde sie nicht mehr ausgebildet? Wollte der Geheimdienst, dass sie gefährdet war?
Von Lee wurde sie schlecht behandelt und ließ es meist geschehen. Aber warum sollte er eigentlich so genervt und herablassend sein. Weil sie so naiv und nicht in seine Weltanschauung passte?

Zur etwa gleichen Zeit wurde die Serie Remington Steele gedreht. Darin durfte Laura Holt eine taffe, selbstbewusste Frau der 80er Jahre sein, die mit beiden Beinen im Leben stand. Warum dann nicht auch Amanda King?

Trotzdem liebte ich die Serie damals. Hatte mir sogar die Mühe gemacht die dritte und vierte Staffel auf Video aufzunehmen. Ich fieberte mit, damit sie endlich ein Paar wurden, nur wurden wir ja in Deutschland um einige wichtige Folgen betrogen ….

Auf jeden Fall ist mir nun die Idee gekommen, lass Amanda nicht so naiv sein, lass sie mehr Fuß fassen in der Welt des Geheimdienstes, lass sie eine selbstbewusste Frau der 80er Jahre, ähnlich wie Laura Holt, sein. Die ihren Weg geht, auch in einer ihr bis dahin unbekannten Spionagewelt. Und dass sie sich den gutaussehenden, vom Leben gebeutelten Spion, früher schnappt. Sie schon viel früher eine Beziehung haben. Eine geheime Beziehung gegenüber der Agentur, aber nur vor der Agentur.

Und die Folgen werden nie so sein, wie sie ausgestrahlt wurden. Ich denke nicht, dass ich alle durchmache. Das wäre dann doch ein riesen Projekt, was Jahre dauern würde.

Über konstruktive Kritik würde ich mich sehr freuen.

(Am 19.07.2020 wurde eine Korrektur wegen Schreibfehlern bei den Worten "viel" und "fiel" eingespielt.)

Der Mann mit dem roten Hut verändert zwei Leben

Montag, 03. Oktober 1983

Sekretärin: „Entschuldigung. Äh, Mr. Stetson? Ich dachte, Sie möchten es wissen, sie haben gerade Special Agent Guthrie ausfindig gemacht. Er ist auf der Krankenstation."
Sie geht und schließt die Tür. Lee lächelt den anderen zu.
Lee: „Der Quarterback hat gerade den Ball zurückgeholt."

Billy Melrose, Dirk Fredericks, Francine Desmond und Lee Stetson gingen nach dieser Mitteilung zur Krankenstation der Agentur. Dort trafen sie auf Dr. Karl Kelford.

Billy: „Hi, Doktor. Was ist mit Guthrie?"
Der angesprochene Arzt schaute auf das Klemmbrett in seinen Händen, nickte Billy freundlich zu.
Kelford: „Guthrie hat es ordentlich erwischt. Schussverletzung in Schulter und Oberschenkel. Mehrere Quetschungen durch den Sturz die Treppe runter. Er lebt und wird es überstehen."
Dirk: „Hatte er ein Päckchen bei sich?"
Kelford: „Nein, aber …."
Dirk: „Hat er etwas gesagt?"
Kelford: „Ja, bevor er das Bewusstsein verlor hat er noch nach Mrs. King gefragt. Ihr müsste geholfen werden. Sie hätte die Informationen."
Dirk: „Wer ist Mrs. King."
Kelford: „Eine junge Frau, die mit Guthrie hergebracht wurde. Sie wird gerade untersucht, ob alles mit ihr in Ordnung ist."
Mit einen Blick in das Gesicht von Lee meinte er dann noch:
„Scarecrow, sie brauchen wohl auch ein paar Pflaster."
Lee: „Ja, Doc, später."

Lee fuhr sich nervös durch die Haare. Er überlegte, ob die Frau vom Bahnhof vielleicht Mrs. King war? Nachdem die beiden KGB-Männer ihn zusammengeschlagen hatten, dann feststellten, dass er das Päckchen nicht mehr hatte und ihn einfach liegen ließen, hatte er beim Aufwachen diese dunkelbraunen Augen vor sich gesehen. Das Gesicht der Frau hatte er auch vor Augen gehabt, als er zusammengeschlagen wurde. Sie war die Ablenkung, damit er die Schläge nicht so spürte. Die schmalen Lippen, die ausdrucksstarken Augen, die schönen braune Locken, ihre hohen Wangenknochen. Dieses Gesicht würde ihm in seine Träume folgen. Sie hatte zwar nicht viel mit ihm gesprochen, aber ihre raue Stimme, er konnte sie jetzt noch hören. Er wusste nicht warum, aber sie war ihm unter die Haut gegangen. Hoffentlich ging es ihr gut.
„Wo ist diese Mrs. King?", fragte Lee.
Dr. Kelford führte sie aus dem Krankenzimmer:
„Guthrie wird noch gerade versorgt, aber kommt bitte mit."

Sie gingen den Flur entlang, zwei Räume weiter links, öffnete er die Tür, nach dem er geklopft hatte. Lee betrat eilig als erster den Raum. Er sah die junge Frau vom Bahnhof und war erleichtert, dass sie scheinbar unverletzt war. Sie saß auf einer Behandlungsliege und bekam gerade Blutdruck gemessen. Die Schwester nahm gerade die Manschette ab.
Amanda King blickte auf und sah die vier Herren und eine Frau, die den Raum betraten. Sie erkannte darunter den Mann vom Bahnhof. Sie sah die Erleichterung auf seinem Gesicht. Und auch sie war froh, dass er lebendig vor ihr stand. Sie sprang auf und ging auf ihn zu.
„Was bin ich froh, dass sie an einem Stück sind. Als ich sah, wie die beiden Männer sie zusammenschlugen und in die Koffer schmissen, hatte ich die schlimmsten Bedenken über ihr wohlergehen."
Sie strich ihm vorsichtig über die Schramme an der Stirn.
Lee grinste verlegen, ein solches Kümmern um ihn war er nicht gewohnt.
„Nicht so schlimm wie es aussieht. Danke."
Er griff nach ihrer Hand, die eben seine Stirn berührt, um sie zu hindern ihn weiter zur berühren. Er genoss es zu sehr und sie wurden von den andern neugierig beobachtet. Er behielt ihre Hand in der seinen, hielt sie aber so, dass es von seinem Körper für die anderen verdeckt war. Er fragte sie voller Sorge:
„Ihnen geht es gut? Warum sind sie hier?"
Da drängte sich Dirk Fredericks dazwischen:
„Stetson, das ist im Moment unwichtig. Mrs. King, wissen sie wo das Päckchen ist?"
„Ja, im Potomac."
„Wir brauchen es, wo im Potomac?"
Amanda: „Aber …"
Dirk ließ sie nicht zu Wort kommen. Er wand sich gleich an Billy:
„Wir brauchen Taucher, Billy."
Amanda konnte es nicht ausstehen, wenn man sie nicht zu Wort kommen ließ. Diese Angewohnheit hatte ihre Mutter auch. Sie runzelte die Stirn und ihre Augen blitzten wütend auf. Dieser Mann hatte keine Manieren.
Billy hatte ihren Gesichtsausdruck gesehen und nickte Dirk nur zu und sprach die Frau an:
„Mrs. King. Wissen sie wo das Päckchen in den Potomac gefallen ist? Können sie uns die Stelle zeigen."
„Ja, könnte ich, aber Mr. Guthrie wiess mich an, das Päckchen zu öffnen, während wir mit dem Taxi frohen. Es war nur eine defekte Spieluhr und drei Kärtchen drin. Die Spieluhr ist noch im Päckchen, er hielt sie für Wertlos. Die Kärtchen habe ich in meiner Handtasche." Sie ging zu einem Stuhl in der Ecke, hob ihre Handtasche auf und holte die Kärtchen heraus.
Währenddessen entschuldigten sich Dr. Kelford und die Krankenschwester und verließen den Raum. Dr. Kelford hatte entschieden, dass es der Frau gut ging und sie keine weitere ärztliche Behandlung brauchte.

Billy nahm die Kärtchen von Amanda dankend entgegen und las was darauf stand und schaute dann nur verwundert auf.
„Duck a la Nathan Hale. - Valley Forge Flapjacks. - Pilgrims Peach Puff. …. Kann damit jemand was anfangen?" stellte er seinen Kollegen die Frage.
Francine antwortete ratlos: „Nein, ich werde es mal der Dechiffrier-Abteilung bringen." Francine nahm die Zettel und machte sich auf den Weg, ihre Ankündigung in die Tat umzusetzen.

Lee war dem Gespräch gefolgt, hatte dabei aber Amanda King nicht aus den Augen gelassen. Ihm fiel auf, dass sie so schaute, als könnte sie mit den Worten etwas anfangen.
„Sie haben diese Worte schon einmal gehört?"
„Nur das Duck a la Nathan Hale. Ich komme aber gerade nicht darauf woher. Aber ich finde, es hört sich wie ein Name für ein Gericht an. Dieses „a la" kommt gelegentlich bei Namen für Rezepte vor."
„Rezepte?", Dirk schüttelte verwundert den Kopf. „Also mit kochen haben wir hier nun wirklich nichts zu tun. Billy ich überlasse diesen Chaos ihnen." Mit diesen Worten entschwand er aus dem Krankenzimmer.
„Ist der immer so unfreundlich?" fragte Amanda kopfschüttelnd, nachdem er das Zimmer verlassen hatte.
„Ja." Bekam sie von Lee prompt zur Antwort.
„Nein, Mrs. King," verteidigte Billy und grinste dann: „Wir besorgen ihnen erst mal einen Gast-Ausweis und dann gehen wir in mein Büro. Sie müssen uns genau erzählen, was passiert ist."

Auf dem Weg zu seinem Büro erklärte Billy ihr, in was für einer Staatlichen Einrichtung sie sich befand. Sie hatte darauf hin zu Lee geblickt und gesagt: „Sie sind also ein Spion?"
Lee grinste: „Ja, wobei mir Bundesagent besser zusagt."
„Soll mir recht sein. Ich hatte ja Anfangs die Befürchtung sie wären ein Verbrecher."
„Und trotzdem haben sie mir geholfen."
„Sollte mir zu denken geben, ob ich nicht meinen Geisteszustand mal testen lassen sollte." Meinte Amanda grinsend und blickte Lee neckend an.
Sie erntete von ihm ein verlegenes Lächeln, was seine Grübchen zum Vorschein brachte.

In Billy Büro nahm dieser hinter seinem Schreibtisch Platz. Lee und Amanda setzten sich auf die beiden Besuchersessel vor seinem Schreitisch.
Billy: „Wenn es ihnen recht ist, nehme ich das Gespräch auf Band auf, dann kann es später für den Bericht nur abgetippt werden."
„Ok, damit bin ich einverstanden." Antwortet Amanda ihm.
Billy stellte das Aufnahmegerät bereit und drückte auf Rekord.
„Lee Stetson hat ihnen also am Bahnhof diese Päckchen gegeben?"
„Ja, er bat mich, es einem Mann mit rotem Hut in dem Zugabteil zu geben. Er schien so verzweifelt, da wollte ich helfen."
Dass dieser Mann ihr gefiel, seine Augen sie so baten und sie ihn faszinierend fand, das behielt sie lieber für sich.
„Ich stieg in den Wagon und drehte mich dann noch einmal um und konnte sehen, dass der Mann von zwei anderen zusammengeschlagen wurde. Ich war entsetzt und verzweifelt, dass ich nichts für ihn tun konnte. Der Zug fuhr gerade los.
Als ich mich dann in dem Abteil umschaute, saßen dort ganz viele Männer mit roten Hüten. Dann kam der Schaffner und ich musste mir eine Fahrkarte kaufen. Nachdem sich mein erster Schrecken gelegt hatte, schaute ich mich genauer um. Das waren lauter Männer mit einem roten Fes auf dem Kopf. Dann bemerkte ich in einer Reihe einen Mann, der eine rote Baseballmütze trug. Ich fragte mich, ob vielleicht dieser Mann gemeint war. Der Platz neben ihm war mit einem Mann mit roten Fes besetzt, also wartete ich bis zur nächsten Haltestation. Dort wollte ich ja eh aussteigen. Der bewusste Mann tat dies auch. Auf dem Bahnsteig sprach ich ihn an. Meinte, dass ich von einem Mann gebeten worden wäre einem Mann mit rotem Hut etwas zu geben. Er meinte, dass er in dem Zug einen Bekannten treffen wollte. Er hatte diesem gesagt, er würde zum besseren Erkennen einen roten Hut tragen. Er fragte mich dann noch wie der Mann ausgesehen hätte, der mich zu diesem Ausflug gebeten hätte. Auf meine Beschreibung hin meinte er „Scarecrow". Keine Ahnung was er damit meinte. Können sie damit etwas anfangen."

Amanda unterbrach kurz ihren atemlosen Monolog und schaute von Mr. Melrose zu Lee Stetson und wieder zurück. Lee nickte ihr aufmunternd zu. Billy hatte ein leichtes Lächeln nur auf den Lippen. Amanda beschloss die Erzählung zu Ende zu bringen. Keiner der Männer war offensichtlich bereit ihr eine Antwort zu geben:
„Auf jeden Fall überzeugt er mich, dass er der Mann war, der von mir was bekommen sollte. Ich gab ihm das Päckchen."

„Da wurde es plötzlich hektisch auf dem Bahnsteig. Von der anderen Seite kamen drei Männer angelaufen und mein Mann mit dem roten Hut griff mich am Ellenbogen und zog mich mit. Wir rannten aus dem Bahnhof hinaus. Am Taxistand standen zwei Fahrer neben ihren Fahrzeugen und unterhielten sich. Ich wurde von Mr. Guthrie in eine Taxe geschoben und er sprang als Fahrer rein, schrie dem Besitzer noch was zu und fuhr davon. Wir wurden verfolgt. Er sagte zu mir, ich sollte das Päckchen öffnen. Darin war dann nur die kaputte Spieluhr und diese drei Kärtchen. Er meinte noch, ich sollte mir die Kiste und das Klebeband ansehen. Aber da war auch nichts. Die Verfolgungsjagt endete dann als wir in eine Sackgasse fuhren, die am Ufer des Potomac endete. Wir sprangen aus dem Wagen, es wurde geschossen, Er wurde getroffen und fiel die Treppe hinunter, die wir runter rannten. Dabei hat er mich die letzten Stufen mit erwischt und ich habe dabei das Päckchen fallen lassen. Mr. Guthrie schaffte es, sich auf die Beine zu bringen, schnappte das Päckchen und warf es in den Potomac. Dann brach er zusammen.
Da dort unten am Fluss auch noch Passanten waren, die eh schon wegen den Schüssen auf uns aufmerksam geworden waren fing ich an zu schreien, man sollte uns doch bitte helfen, diese Verrückten wollten uns überfallen. Da verschwanden die Verfolger und ein Jogger rief dann für uns den Krankenwagen.
Dann war ein hin und her, als der Krankenwagen und die Polizei kamen, da Mr. Guthrie sich in kein Krankenhaus bringen lassen wollte. Ich habe das nicht alles mitbekommen. Aber am Ende wurden wir hierhergebracht."

Damit beendete Amanda ihre Erzählung. Billy war froh, dass er den Rekorder eingeschaltet hatte. Mrs. King konnte sehr schnell reden. Und es war ihm vorgekommen, als hätte sie kaum Luft geholt.
Interessant für ihn war auch gewesen, währenddessen seinem Agenten zuzusehen. Lee Stetson hing an ihren Lippen, er schien ihren Ausführungen gebannt gefolgt zu sein. Billy konnte sehen, dass Lee von der Frau beeindruckt war. Sie saß hier, erzählte was geschah. Keine Bemerkung darüber, ob sie Angst gehabt hatte, ob sie von dem Geschehen geschockt war. Sie schien wenig aufgeregt zu sein über den Tag. Eher erfreut über den Nervenkitzel. Und sie schien seinem jungen Agenten zu gefallen. Seine Augen hatten schon lange nicht mehr so interessiert geblickt und gleichzeitig auch etwas verwundert. Da Billy sich die letzten Monate große Sorgen um Lee gemacht hatte, bemerkte er heute einen entscheidenden Wandel in dem Mann. Sein Verhalten war zwar schon in den letzten Tagen merklich besser geworden, aber heute war es anders. Billy konnte es noch nicht greifen, was ihm anders erschien, aber er war sich sicher, dass es mit dieser Frau zusammenhing. Billy schwor sich, das im Auge zu behalten. Wenn Amanda King notwendig war, das Leben von Lee Stetson zu retten, dann musste er dafür sorgen, dass sie in seinem Leben blieb.

„Danke, Mrs. King." Wand sich Billy an sie. „Ich lasse darüber einen Bericht schreiben und wäre ihnen dankbar, wenn sie morgen noch einmal vorbeikommen könnten, um diesen zu unterschreiben."
„Gerne, ich nehme mal an, dass ich von dem was heute passiert ist niemanden was sagen soll. Richtig?"
Über diese Geistesgegenwart musste Billy lächeln: „Ja, damit haben sie recht."
Lee saß auch da und lächelte.
Amanda blickte kurz zu Boden, holte dabei tief Luft:
„Gut das ich die lange Abwesenheit meiner Mutter nicht erklären muss. Sie ist heute Morgen zu einer Freundin gegangen und kommt erst am frühen Nachmittag zurück."
Sie schaute auf. „Ich wollte doch heute Morgen nur schnell meinen Freund zum Bahnhof bringen. Bin nicht richtig angezogen. Und müsste schon seit Stunden wieder zu Hause sein. Die Wäsche ist jetzt nicht gemacht."
Lee runzelte die Stirn, als er das Wort Freund hörte, ein leichter Stich ging durch sein Herz. Es störte ihn, dass sie einen Freund hatte. Ihm war aufgefallen, dass sie keinen Ehering trug auch wenn das Mrs ja darauf hinwies, dass sie verheiratet ist oder war. Wie war ihr Familienstand. Warum ihn das so brennend interessierte, wollte er gerade selbst nicht wissen. Er wusste nur, dass er es wissen wollte. Und was war das für ein guter Freund oder war es mehr. Irgendwie musste er es wissen.
„Ihre Mutter?" Meinte Lee schnell in der Hoffnung mehr zu erfahren.
Billy hatte den Schatten bemerkt, der kurz über Lees Gesicht gewandert war, als das Wort Freund gefallen war. Ob sich der einsame Wolf für jemanden interessierte?
Amanda blickte Lee an und erklärte dann ganz offen: „Ich wohne seit der Scheidung vor einem Jahr mit meiner Mutter zusammen, damit sie mir bei Jamie und Phillip helfen kann. Ich habe heute Morgen nur schnell den Mantel über das Nachthemd gezogen und bin aus dem Haus, weil ich zu spät war. Dean hatte mich gebeten ihn zum Bahnhof zu fahren, damit er sein Auto in der Garage lassen konnte, da er es erst gewaschen hat und es heute regnen soll."
„Was?" Lee schaute sie verständnislos an. Erst die Eröffnung, dass die Frau, die neben ihm saß nur mit einem Nachthemd unter dem Mantel bekleidet war, was auch erklärte, warum sie diesen nicht ausgezogen hatte. Und dann das ein Auto nicht nass werden sollte. Darüber, dass sie Kinder hatte, wollte er gerade nicht nachdenken.
Amanda war rot geworden, als ihr bewusst geworden war, was sie gerade über ihre Kleidung offenbart hatte, bezog seine Frage aber dann extra nur auf das Auto.
„Ja, Dean ist beim Fernsehen Wettermann, es soll heute regnen und daher …" sie zuckte etwas mit den Schultern und hatte ein Grinsen auf dem Gesicht, was kenntlich machte, dass sie das auch albern fand. Ein Auto war zum Benutzen da.
Alle drei kicherten über Amandas letzte Bemerkung.
Nach einem Blick auf die Uhrzeit und der Erkenntnis, dass es bereits kurz vor 12 Uhr mittags war:
„Mist, jetzt habe ich auch noch mein Vorstellungsgespräch bei Honeycutt Typewriter verpasst. Oh man, den Job hätte ich wirklich gebraucht."
Amanda machte einen verzweifelten Gesichtsausdruck.
„Was wollten sie arbeiten?" fragte Billy.
„Als Schreibkraft, ich schaffe so 90 Wörter in der Minute."
„Ich könnte mal sehen, ob wir ihnen was anbieten können. Vielleicht kann ich ihnen da morgen schon etwas sagen." Billy hoffte, dass sie Interesse hatte und das er wirklich etwas für sie tun konnte. Eigentlich hatten sie oft Engpässe bei dem Schreibpool.
Amanda schaute ihn dankbar lächelnd an.

Eine halbe Stunde später verließen Lee und Amanda das Gebäude der Agentur durch das Georgtown-Foyer. Er hatte ihr zuvor erzählt, dass dieser Geheimdienst nach außen hin als eine Filmgesellschaft auftrat und sein Cover das eines Dokumentarfilmregisseur sei.
Er legte eine Hand auf ihren unteren Rücken und führte sie zu seinem Auto auf dem Parkplatz der Agentur. Amanda empfand seine Berührung als sehr angenehm und es durchfuhr sie ein Kribbeln.
„Soll ich sie nun erst nach Hause fahren oder zum Bahnhof um ihr Auto zu holen?"
„Vielleicht doch lieber erst nach Hause. Ich könnte mir mal was Richtiges anziehen. Um die Mittagszeit noch immer im Nachthemd ist nicht gerade angebracht."
„Sieht ja niemand unter diesem Mantel." Amüsierte sich Lee. „Wenn sie es nicht erwähnt hätten, wäre es mir nie aufgefallen."
Sie schlug ihn leicht auf den Arm: „Ärgern sie mich nicht."
„Also erst nach Hause?", lachte Lee.
„Ja, danke. Mr. Stetson."
Sie standen dann vor seinem silbernen Porsche. Amanda runzelte die Stirn
„Ernsthaft? Ihr Auto?"
„Ja, warum?"
„Sie sind recht groß für den Wagen. Dann ist er auch sehr auffällig. Ich habe angenommen, dass man in ihrem Job unauffälligere Fahrzeuge wählt."
Lee musste lachen:
„Schon recht, ja er ist ein wenig klein für mich, geht aber. Mag sein, dass er etwas auffällig ist, dafür aber schnell zum Verfolgen."
Er hielt ihr die Beifahrertür auf und sie stieg ein.

Sie lenkte ihn dann zu ihrem Haus in Arlington. Dort wartete er im Wagen, während sie sich schnell umzog. Sie war sehr froh gewesen, dass niemand auf der Straße war, der sie kannte. Bereits nach zehn Minuten waren sie wieder unterwegs. Amanda hatte nur die Kleider gewechselt, auf Schminken hatte sie weiterhin verzichtet. Sie hatte bedenken, dass der Porsche in ihrer Wohngegend für Gerede sorgen würde. Ihrer Mutter hatte sie eine kurze Nachricht dagelassen, dass sie Probleme mit dem Wagen hätte und in der Werkstatt wäre.

Am Bahnhof von Arlington musste sie dann feststellen, dass ihr Wagen nicht mehr da war. Sie hatte die Parkzeit überzogen. Lee telefonierte von seinem Autotelefon aus, bis er raus hatte, wo ihr Wagen abgeblieben war. Er bezahlte dann für sie die Strafgebühr bei der Polizei, damit sie ihren Wagen wiederbekam. Das würde er mit seinen Spesen abrechnen, immerhin war dies ja nur passiert, da sie für den Geheimdienst gearbeitet hatte.
Als sie dann endlich bereit war, um mit ihrem Wagen nach Hause zu fahren, erinnerte Lee sie noch an den Termin morgen um 10 Uhr bei Mr. Melrose im Büro.
„Diesen Termin werde ich nicht verpassen. Bis morgen dann Mr. Stetson.
Lee schaute ihrem entschwindenden Wagen hinterher. Er freute sich schon auf morgen. Und dieses Gefühl verwirrte ihn. Er schaute auf die Uhr, entschied, dass er heute nichts mehr auf die Reihe bringen würde und fuhr dann nach Hause. Das Bedürfnis alleine zu sein, sich über den heutigen Tag Gedanken zu machen, waren für ihn untypische Gedanken, aber er konnte sich dem gerade nicht entziehen.

Amanda fuhr nicht weit. Bei einem nahen Park blieb sie stehen. Sie saß in ihrem Wagen und ließ das heute geschehene Revue passieren. Am Ende verweilten ihre Gedanken bei zwei Dingen. Einmal, dass sie vielleicht einen Job bei dem Geheimdienst hätte. Und der andere war dieser Mann. Lee Stetson hatte einen enormen Eindruck auf sie gemacht. Er sah super aus, ja. Das wusste er aber auch, man konnte merken, dass er sich seiner Wirkung bewusst war. Er strahlte Selbstbewusstsein aus. Während sie im Büro von Mr. Melrose die Abläufe des Vormittags erzählt hatte, hatte sie seinen ruhigen Blick auf sich ruhen gespürt. Er hatte sie die ganze Zeit im Blick behalten. Und später seine Hand auf ihrem Rücken, das hat ihre Gedanken in Bereiche wandern lassen, die lang verborgende Wünsche hervorrief, was er doch mit ihr anstellen könnte. Alleine jetzt bei diesem Gedanken wurde es ihr warm. Sie schimpfte mit sich selbst, sie sollte sich zusammenreißen, vernünftig sein. Aber gleichzeitig meldete sich das kleine Teufelchen und fragte, warum sie immer vernünftig sein sollte. Etwas Spaß dürfte doch OK sein.

Zu mehr als einen kurzen Spaß wäre er bestimmt auch nicht bereit. Er trug keinen Ehering und schien ihr ungebunden. Aber so wie er aussah hatte er bestimmt kein Problem bei den Frauen. Und wenn sie dort wirklich arbeiten würde, hätte sie Zeit ihn kennen zu lernen. Sie schüttelte entsetzt ihren Kopf über sich. Da war doch ihr Freund Dean in ihrem Leben. Ihn durfte sie nicht vergessen, aber wenn sie ehrlich war, sie hatte heute nie an ihn gedacht, nachdem sie ihn zu dem Zug gebraucht hatte. Er hatte wieder vom Heiraten gesprochen. Und sie war für eine Heirat nicht bereit. Die Scheidung lag erst knapp ein Jahr zurück. Sie musste dringend mit Dean reden, wenn er zurück war. So konnte es nicht weiter gehen. Sie empfand nicht genug für ihn. Er war ein netter Kerl, aber er weckte nicht ihre Gefühle, nicht ihre Leidenschaft. Sie erinnerte sich wieder an Lees Hand an ihrem Rücken, das hat Empfindungen in ihr ausgelöst, die sie bei Dean nie hatte. Und es war nur eine Hand auf ihrem Rücken gewesen. Dean wollte sie heirate, obwohl sie nie mit ihm ins Bett gegangen war. Aber das machte ihm scheinbar nichts aus, da war er wohl altmodisch.
Sie blickte auf die Uhr. Es wurde Zeit, in ihren Tag zurück zu kehren. Aber sie freute sich schon auf morgen. Dann würde sie Lee Stetson wiedersehen und hätte vielleicht auch eine Arbeit.

Lee räumte an diesem Abend Gedankenverloren seine Wohnung auf.
Nach dem sein Partner im Dienst vor gut vier Monaten erschossen wurde, war er erstmal fast acht Wochen am Abgrund gewesen. Er gab sich die Schuld an dem Unglück.
Zu Anfang hatte er nächtelang nicht geschlafen, bis fast zum Umfallen gearbeitet, bis er den Schuldigen hatte. Dieser saß nun hoffentlich den Rest seines Lebens im Gefängnis. Als er dann einsah, dass er den Unfall nicht hätte verhindern können und somit aufhörte sich die Schuld am Tod seines Partners zu geben, war er fast jeden Abend aus gegangen. Er war seine schwarzen Adressbücher mit Frauenbekanntschaften durchgegangen und hat sich mit einer Frau nach der anderen verabredet. Er hatte das Leben gefeiert, was aber auch schlaflose Nächte bedeutete. Aber es ging ihm dabei nicht gut. Keines dieser Treffen konnte die Leere in seinem Herzen füllen. Der Tod seines Partners hatte ihn schwer getroffen. Er war ruhelos. Scheinbar auf der Suche nach etwas, was er selbst nicht wusste.

Sein Chef und guter Freund Billy Melrose hatte sich sein Treiben die acht Wochen angesehen, dann wurde er in sein Büro zitiert und hat eine Standpauke gehalten bekommen. Er wurde zu fünf Sitzungen bei Dr. Pfaff, dem Psychologen der Agentur verdonnert. Die hatte er murrend durchgezogen. Er hielt nichts von Psychologen. Da er sich weigerte, dass diese Gespräche was bringen sollten, brachten sie natürlich auch nichts.
Bis ihn dann nach weiteren drei Wochen seine gute Freundin Emelie Farnsworth anrief. Sie hat ihn bei einem Sondereinsatz in Europa zu Beginn seiner Kariere unter ihre Fittiche genommen. Sie war eine erfahrene Agentin beim Mi6. Sie war sein Mentor und über die Jahre auch zu einer Art Ersatzmutter geworden. Bei ihre redete er sich alles von der Seele und es wurde besser.

Er bekam so drei Monate nach dem Tod seines Partners sein Leben so einigermaßen wieder in den Griff. Bei der Arbeit war er fast wieder so wie zuvor. Er hatte nur bemerkt, dass er zu Risikoreich an die Fälle ran ging, zu sorglos. Ohne Gehirn, wie eine Vogelscheuche, er wurde zur Zeit seinem Code-Namen gerecht.

Billy wollte ihm nun wieder einen Partner zuteilen, er wollte aber nicht. Die Angst, dann wieder einen Freund zu verlieren, die saß noch zu tief. Er war nicht bereit dazu. Dass die Arbeit ohne Partner gefährlicher war, das wusste er. Auch war ihm es sehr bewusst, dass sich Billy Sorgen um ihn machte.
Seit 3 Wochen war er wieder ruhiger geworden, keine Verabredungen mehr, er hatte keine Lust, seine Wohnung brachte er wieder in Ordnung, längere Spaziergänge zum Kopf frei bekommen. Er war ernster geworden. Es kam jetzt oft vor, dass er über sein bisheriges Leben nachdachte. Was hatte er? Eine geheime Karriere, die ihm auch schon geliebte Menschen genommen hatte. Die zwei Frauen in seinem Leben, die ihm etwas bedeutet hatten. Dorothy, gestorben bei einem Einsatz in einem Meer aus roten Rosen und Eva, die Frau, die einen anderen heiratete. Als er an die beiden dachte, sah er das Gesicht von Amanda King vor sich. Sie hatte mit diesen beiden Frauen eine äußerliche Ähnlichkeit, aber das war alles.

Amanda King hatte einen großen Eindruck auf ihn gemacht. Das Leben was sie führte, das machte ihn neugierig. Zwei Jungs hatte sie. Somit eigentlich mehr im Leben erreicht als er. Wenn man eine Familie wollte.
Er wollte nie eine, er hatte auch nie eine gehabt. Seine Eltern starben als er fünf war und sein Onkel war nie eine Ersatzfamilie gewesen.
Seit gut einer Woche, waren bei seinen neuen abendlichen Routinen des Wohnung Aufräumens immer wieder die Gedanken gekommen, dass er gerne einen Menschen in seinem Leben haben wollte, den er liebte und der ihn liebte. Diese oberflächlichen, nichtsbedeutenden Verabredungen der letzten Jahre hatten ihren Reiz verloren, langweilten ihn. Keine dieser Frauen würde die Lücke, die sich in seinem Leben aufgetan hatte, schließen können. In seinem Herzen hatte sich eine Sehnsucht aufgetan, die er noch nie zuvor gespürt hatte. Er wollte Leben, er wollte eine Frau an seiner Seite, für immer. Dabei kam dann doch die Angst, ob es eine Frau geben könnte, die ihn lieben könnte, die ihn so akzeptieren konnte, die auch mit seinem Beruf leben konnte.

Heute am Bahnhof, da hatte er das erste Mal seit Wochen wieder mal Angst gehabt. Er war nicht bereit zum Sterben, nicht mehr. Er war nun 33 Jahre alt und fragte sich, ob dies alles gewesen war. Ein wenig früh um schon eine Lebensbilanz zu machen, aber durch den Tod seines Partners war ihm bewusst geworden, wie schnell es vorbei sein konnte.

Heute Abend hatte er Amanda King immer wieder vor seinem inneren Auge. Da war eine Frau heute in sein Leben getreten, die ihn faszinierte. Sie war anders als alle anderen Frauen, die bisher in seinem Leben waren. Sie war intelligent, selbstbewusst und ungemein hübsch. Sie war natürlich, nichts Aufgesetztes, auch ungeschminkt schön und sie hat nicht versucht ihm zu gefallen. Das hatte ihn entspannt. Er wollte sie gerne näher kennenlernen.

Offen für einen Wandel in seinem Leben ging er an diesem Tag zu Bett. Am Morgen wachte er auf und wusste, dass ihm im Halbschlaf immer wieder die hübschen dunkelbraunen Augen und das zarte Gesicht von Amanda King aufgetaucht waren. Die Frau hatte es in seine Träume geschafft. Unter der Dusche fragte er sich, ob er bereit war, sie auch in sein Leben zu lassen. Darauf gab er sich keine Antwort. Er war aber voller Freude, sie nachher wieder zu sehen.