Haftungsausschluss: „Scarecrow and Mrs. King" gehören Warner Brothers und Shoot the Moon Productions. Ich liebe die Serie und diese Geschichte ist nur für den Spaß gedacht. Ein Verstoß ist nicht beabsichtigt.
Diese Geschichte enthält Texte aus dem Skript „Scarecrow and Mrs. King" „The first Time". Sie gehören Warner Brothers und Shoot the Moon Production und sind hier nur verwendet zum Verständnis.
(Am 19.07.2020 wurde eine Korrektur wegen Schreibfehlern bei den Worten "viel" und "fiel" eingespielt.)
Der Mann mit dem roten Hut verändert zwei Leben
Dienstag, 04. Oktober 1983
Um 10 Uhr erwartete Lee Amanda bereits im Georgetown-Foyer. Er händigte ihr den Gastausweis aus und führte sie in den Schrankaufzug.
„Wo hängt ihr sonst eure Mäntel auf, wenn ein Schrank als Aufzug verwendet wird?", fragte sie ihn neckend.
Lee meinte lachend: „So wie normale Menschen auch. Aber so eine Schrankaufzug ist eine gute Tarnung."
„Zweifellos. Ich wollte nur etwas necken."
Beiden lachten noch immer, als sie in den Bullpen kamen.
Billy, der gerade bei Francine am Schreibtisch stand, blickte auf, als er das Gelächter hörte. Ein Lächeln kam auch auf seine Lippen, als er seinen Agenten mal endlich wieder richtig lachen sah.
Francine hob eine Augenbraue und schaute die beiden Personen an, die sich über etwas amüsierten. Sie war neugierig und folgte ihrem Vorgesetzten unaufgefordert zu seinem Büro.
„Sie haben den gestrigen Tag gut überstanden?", fragte Billy Amanda.
„Danke der Nachfrage, es ist alles OK."
Billy machte eine einladende Handbewegung und ließ Amanda vor sich in sein Büro gehen. Lee folgte den beiden dann. Francine schloss sich an, in der Hoffnung bleiben zu können. Sie wurde leider enttäuscht.
„Francine, ist noch etwas?", fragte Billy seine Assistentin.
„Nein, äh, brauchen sie mich?"
Billy schüttelte nur mit dem Kopf und Francine ging enttäuscht zu ihrem Schreibtisch zurück.
Billy schloss hinter ihr die Tür und kicherte vor sich hin. Er wusste, dass Francine gerne Mäuschen gespielt hätte.
„Kommen wir erst mal zu dem, warum sie herkommen sollten. Hier ist das Protokoll von Gestern." Er reichte die Blätter an Amanda. „Bitte lesen sie sich das durch. Wenn etwas falsch ist oder noch ergänzt werden muss, dann sagen sie es bitte."
Amanda zog sich mit den Unterlagen auf das Sofa zurück. Lee und Billy diskutierten leise über eine andere Angelegenheit.
Nach zehn Minuten hatte Amanda den Bericht durchgelesen und war damit einverstanden: „Mr. Melrose, darf ich fragen, um was es eigentlich geht? Für was bin ich gestern unbeabsichtigt Zug gefahren, bin einen Teil einer Treppe runter gefallen, habe ein Vorstellungsgespräch verpasst und hatte dadurch einen außergewöhnlichen Tag?"
Billy musste bei Amandas herausfordernden Ton, der ruhigen Ausführung der Worte, die den leichten Worten im Gegenspruch lagen, mit einem freundlichen Lächeln Anerkennung zollen. Er entschied, dass es nichts ausmachen würde, ihr etwas dazu zu erzählen:
„Wir haben in den letzten vier Wochen vier Agenten verloren. Leider vermuten wir ein Leck in unseren eigenen Reihen. Frank Warner, einer unserer Agenten hatte eine Spur und hatte Mr. Stetson kontaktiert. Warner hat kurz vor seinem Tod das Päckchen an Lee gegeben. Wir erhofften uns daraus die Information, um die undichte Stelle bei uns zu finden."
Amanda schaute auf ihre gefalteten Hände in ihrem Schoß und schwieg zu den Informationen, die sie gerade erhalten hatte. Vier Tote Menschen, weil jemand, den man für einen Kollegen hielt, sie verriet. Das war wohl ein hartes, gefährliches Geschäft diese Geheimarbeit. Im nächsten Moment kam ihr in den Sinn, dass Lee der nächste sein könnte. Ihr Herz zog sich zusammen, sie sorgte sich um ihn.
Sie schaute auf und blickte erst Lee und dann Billy an: „Und die Kärtchen haben bisher nichts gebracht?"
Lee schüttelte den Kopf und Billy meinte: „Nein, leider nicht. Es ist auch kein Code. Die Dechiffrier-Abteilung hat mit den Worten leider nichts anfangen können.
„Wirklich nichts? Ich bleib dabei, für mich klingt das nach Kochrezepten." Meinte Amanda.
„Rezepte. Dazu habe ich heute Morgen kurz Recherchiert, aber nichts gefunden. Es sind keine Bekannten Bezeichnungen." Erklärte Lee.
„Schade, war nur eine Idee."
Eine Stunde später liefen Lee und Amanda die Stufen vom Jefferson Memorial hinauf. Sie musste sich arg beeilen um Schritt halten zu können. Warum sie dorthin mussten, entzog sich ihrer Kenntnis. Lee hatte sie nach der Besprechung bei Mr. Melrose zu einem Ausflug eingeladen. Und sie waren hier gelandet. Nur warum, es war ja nicht so, als würde sie das hier nicht alles schon kennen.
Lee kam gerne zu dem Jefferson Memorial. Das war ein Ort, an dem er oft saß und nachdachte, über sein Leben, über seinen Beruf. Und irgendwie hatte er das starke Bedürfnis gehabt mit ihr hier her zu kommen. Er war noch nicht bereit sie gehen zu lassen, schon gar nicht ganz aus seinem Leben. Wegen der Arbeit bei der Agentur, hatte Billy ihr zwar die Formulare ausgehändigt, die sie ausfüllen musste. Danach würde dann eine Hintergrundanalyse von ihr und ihrer Familie gemacht und wenn nichts auffiel, könnte sie bei der Agentur beschäftigt werden. Vielleicht aber auch nicht. Wenn er sie nun nicht um ein Date bitten würde, wäre sie vielleicht für immer aus seinem Leben verschwunden. Nur er traute sich nicht, sie nach einem Date zu Fragen. War er schon so aus der Übung oder was hinderte ihn daran?
Als sie die Stufen erklommen hatten, versuchte Lee verzweifelt die Kurve zu bekommen:
„Wie auch immer, es tut mir leid, dass ich sie in all das hineingezogen habe." Das klang sogar in seinen Ohren lahm. Hoffentlich ging sie jetzt nicht.
Amanda reagierte enttäuscht: „Jetzt. das klingt nach einem auf Wiedersehen."
Lee: „Das ist es. Sie haben ein anderes Leben, in das sie zurückkehren können." Lee hätte sich gerne selbst geohrfeigt, er jagte sie ja weg. Das wollte er doch eigentlich nicht. Die Angst vor seinen eigenen Wünschen ließ ihn so reden.
Amanda: „Ähm, was ist mit ihnen? Haben sie kein anderes Leben, in das sie zurückkehren können?"
Lee: „Nicht so, dass sie es bemerken würden."
Er hatte unbemerkt von ihm einen bitteren Ton in der Stimme. Amanda bemerkte die Einsamkeit, die daraus sprach.
Amanda: „Also keine Mrs. Spy, keine kleinen Spione? Keine Freundinnen, keine Freunde?" Amanda war über ihren eigenen Mut überrascht. Aber sie war nicht bereit ihn gehen zu lassen.
Lee: „Sehen Sie, Sie haben von dem Wort "Einzelgänger" gehört?"
Amanda: „Nun, ich hoffe sie gehen nicht in diese Singles Bars. Sie werden nie ein nettes Mädchen in einem von denen treffen."
Amanda erstarrte vor ihrem eigenen Mut. Sie atmete flach. Mit leicht geöffnetem Mund und bangen Augen wartete sie auf seine Reaktion. Sie wollte nicht, dass er aus ihrem Leben verschwand. Sie wollte ihn halten, sie wollte …. Was sie eigentlich wollte wusste sie nicht genau. Im Moment sehnte sie sich danach, dass er zu ihr trat, sie berührte und nicht ging.
Lee drehte sich zu ihr um. Erstaunt über ihre Worte. Wollte sie ihn indirekt auffordern sie zu treffen. Als er sie nun da so angespannt stehen sah. Mit großen Augen, den geöffneten Lippen und den Blick auf ihn, den er nicht deuten konnte. Er trat auf sie zu, wie ein Magnet von ihr angezogen.
Lee: „Hör mal, mach dir keine Sorgen, okay?"
Nun stand er direkt vor ihr, sie war keinen Schritt zurückgewichen. Ihre Blicke verbanden sich. Nervös fuhr Amanda sich mit ihrer Zunge leicht über die trockenen Lippen. Lees Augen folgten dieser Bewegung. Er hob seine linke Hand und strich ihr sanft über die Wange zum Kinn. Keiner von beiden wagte richtig zu atmen. Sie waren gefangen in dem Moment. Die Außenwelt existierte nicht mehr. Lee beugte sich etwas zu ihr und sie kam ihm auf halben Weg entgegen. Ihre Lippen berührten sich vorsichtig, es war fast nur ein Hauch. Lee zog sich etwas zurück, schaute ihr ins Gesicht, sah keine Ablehnung. Er überwand den Abstand wieder und diesmal trafen sich ihre Lippen zu einem festeren Kuss. Der aber für beide auch viel zu schnell beendet war. Unbewusst hatte Amanda sich an seinem Arm festgehalten. Nun streichelte sie ihm zart über das Kinn. Sie schüttelte leicht den Kopf und lächelte. Sie hätte eigentlich über sich entsetzt sein müssen, war es aber nicht. Lee entspannte sich etwas, ließ die verkrampften Schultern sinken. Sie hatte sich nicht losgerissen, war nicht davongelaufen.
Mit sehr bewegter Stimme fragte er sie: „Amanda, würdest du …" er musste sich räuspern „könntest du dir vorstellen…" und wieder unterbrach er sich. Er schloss kurz die Augen um dann hektisch zu fragen: „Gehst du mit mir Essen?"
Amanda lächelte ihn an und nickte: „Gern, wann?"
„Du würdest?" Lee holte erleichtert Luft: „Morgen? Darf ich dich abholen um … sieben?"
Amandas Lächeln wurde breiter und sie nickte ihm nur atemlos zu.
Lee gab ihr noch einen schnellen Kuss auf die Wange und sagte: „Danke."
Dann nahm er sie bei der Hand und führte sie zu seinem Auto zurück.
Schweigend fuhren sie zur Agentur zurück. Keiner wollte die angenehme Spannung zwischen ihnen zerstören. Bis dann Amanda doch fragte:
„Warum sind wir dahingefahren?"
Lee schaute sie lächelnd an: „Ich liebe diesen Ort. Dort bin ich gerne." Und im Stillen dachte er sich, dass er ihn nun noch mehr lieben wird. Mehr sagte er nicht und Amanda merkte, dass er auch nicht mehr dazu sagen würde. Sie fragte nicht weiter und sie verbrachten den Rest des Weges in einer angenehmen Stille.
Bei der Agentur angekommen, trennten sich für diesen Tag ihre Wege.
Lee bekam für den nächsten Tag einen Auftrag von Billy zugeteilt. Er hoffte, dass dieser Fall ihn nicht bis abends beschäftigen würde. Auch hatten sie ja immer noch das Problem mit den ermordeten Agenten und die Dechiffrier-Abteilung hat mit den Namen auf den Kärtchen nichts anfangen können.
Als am Abend ihre Jungs endlich im Bett lagen und auch ihre Mutter sich in ihr Zimmer zurückgezogen hatte, flüchtete Amanda, nachdem sie das Haus für die Nacht abgeschlossen hatte, in ihr Schlafzimmer. Sie brauchte Ruhe und das alleine sein, um sich über einige Dinge, die in den letzten zwei Tagen geschehen waren, Gedanken zu machen.
Sie war regelrecht in ein Abenteuer gestürzt. Ein Abenteuer, was sie aus ihrem täglichen einerlei rausgerissen hatte und nicht nur das, ein Abenteuer, was auch ihr Herz hat wieder aufgeregt schlagen lassen. Es lockte, eine Arbeit anzunehmen, die sie nicht nur Hausfrau, Mutter und Tochter sein lassen würde. Und ein Mann, der ihr Herz schneller schlagen ließ. Ihre Scheidung lag nun ein Jahr zurück. Seitdem war immer wieder in ihren Gedanken, dass sie gescheitert war. Sie hatte es nicht geschafft, eine glückliche Ehe zu führen. Einen Mann so glücklich zu machen, dass er bei ihr bleiben wollte. Sie und die Jungs waren Joe nicht genug gewesen. Er war in die Welt gegangen um anderen Menschen zu helfen und hatte sie und die Kinder alleine gelassen. Sie hatte sich so oft die Frage gestellt, was ihm an ihr nicht gereicht hatte. Sie hatte lange die Schuld für das Scheitern der Ehe bei sich gesucht, erst nachdem sie mit ihrer Tante Lilien mal eine längere Zeit reden konnte, öffnete sie ihre Augen darauf, dass Joe auch Fehler gemacht hat. Er hat sie einfach alleine gelassen. Weil es ihm wichtiger gewesen war anderen zu helfen. Seine erste Priorität war nie seine Familie gewesen, nein, das war sein Beruf. Warum hatte er dann eine Familie gegründet. Er wollte die Kinder genauso wie sie. Aber Lilian hatte ihr gesagt, dass er mal zu ihr gesagt hatte, „Amanda wäre doch nicht alleine, dafür hätte er ihr doch die Jungs gegeben."
Sie liebte ihre Kinder, aber sie waren kein Ersatz für die Liebe eines Mannes. Sie hatte sich eine Familie gewünscht mit einem Ehemann zu Hause. Aber offensichtlich hatte das Schicksal mit ihr etwas anderes vorgehabt. Nun war sie geschieden, hatte ihre Söhne und war genauso einsam wie während der Ehe. Dean hatte diese Einsamkeit auch nicht vertreiben könne. Sie war nicht bereit für eine neue Ehe. Sie war für die Ehe nicht gemacht, dass hat ihr diese Erfahrung gezeigt. Aber sie wollte diese Einsamkeit aus dem Herzen haben. Und sie war weniger geworden, als sie mit Lee unterwegs war. Er wärmte sie, er vertrieb die Kälte. Und das fühlte sich verdammt gut an. Das würde sie versuchen zu behalten. Dafür würde sie aber etwas mehr an sich denken müssen. Ihre Jungs mussten etwas zurücktreten. Sonst würde diese Einsamkeit, diese Kälte in ihrem Herzen sie eines Tages krank machen. Sie wollte auch mal wieder gehalten werden, die Geborgenheit von zwei starken Armen spüren. Von Armen eines Mannes, der ihren Körper kribbeln lassen würde. So wie Lee heute beim Jefferson Memorial. Die zwei vorsichtigen Küsse. Sie schloss ihre Augen und holte sich den Moment in ihre Gedanken zurück. Ein zartes Lächeln lag auf ihren Lippen. Sie fuhr sich vorsichtig mit einem Finger darüber. Sie hatte das Gefühl seine Lippen noch immer zu spüren.
In der Einsamkeit ihres Schlafzimmers entschloss sie sich, das zu nehmen, was sie bekommen konnte. Sie war gespannt darauf, wohin es sie bringen würde mit Lee. Er sah verdammt gut aus, hatte bestimmt kein Problem eine Freundin zu finden. Aber sie hatte bei ihm eine Traurigkeit in den Augen gesehen. Sie würde nichts inszenierend, das war nicht ihr Ding, aber wenn er sie wollte, sie hatte nichts dagegen einzuwenden. Sie wollte keinen Ehemann, sie wollte aber ein Mann, der sie die Einsamkeit vergessen lassen würde. Ihr fiel noch Dean ein, sie musste sich dringend mit ihm treffen, um ihm zu sagen, dass sie nicht zusammen passten. Dazu musste er aber erst wieder zu Hause sein. Er wollte heiraten, sie wollte es nicht. Er hat ihr gesagt, dass er sie liebt. Sie liebte ihn aber nicht. Er mochte ihre Kinder, sie konnten mit ihm aber nichts anfangen. Drei entscheidende Punkte, die klar machten, dass es der falsche Weg war.
Zufrieden mit ihren Gedanken, legte sie sich ins Bett und träumt schon nach kurzer Zeit von einem braunhaarigen, stattlichen Geheimagenten mit haselnussbraunen Augen.
