Dienstag, 11. Oktober 1983

Um 20 Minuten nach eins in der Nacht wurden sie durch quietschende Reifen und heulenden Alarmanlagen aus dem doch unbequemen Schlaf auf der Couch gerissen. Lee schaltete schnell in seinen Agentenmodus, zog sich seine Schuhe an, schnappte sich Jacke und Waffe. Amanda folgte ihm etwas langsamer, aber gesellte sich doch schnell zu ihm auf der Straße. Sie hatte immerhin an den Haustürschlüssel gedacht, bevor sie die Tür hinter sich zuzog. Die Alarmanlage des Bodine-Hauses jaulte durch die Nacht, die quietschenden Reifen waren von einem kleinen weißen oder silberfarbenen Lieferwagen, der mit offenen Hecktüren in der Ferne verschwand. Sowohl Lee als auch Amanda erhaschten einen Blick auf den Wagen. Außerdem heulten noch die Alarmanlagen von mindestens drei Fahrzeugen, die auf der Straße geparkt waren und offensichtlich von dem Lieferwagen angefahren worden waren. Die Anwohner hasteten in ihren Schlafgewändern auf die Straße. Lee hatte schnell in dem Trubel seine Waffe wieder eingesteckt. Der Verursacher des Chaos war wohl der Fahrer des Lieferwagens gewesen, welche auf und davon war. Amanda und Lee hasteten zu dem Haus der Bodine's. Mr. Bodine stand auf dem Rasen in seinem Garten und starte auf die aufgebrochene Garage. Da die Garage offensichtlich für die Verkaufsartikel seiner verstorbenen Ehefrau als Connie Beth Girl verwendet wurde, stand das Auto der Familie auf der Straße und war nun eines, dessen Alarmanlage durch die Nacht heulte.

„Mr. Bodine, was ist geschehen?" fragte Lee, als er ihn erreichte.
Der Mann sah ihn erst verwundert an, bis er sich erinnern konnte, wer mit ihm sprach.
„Die haben die Garage aufgebrochen. Das ist doch nur der Connie Beth Quatsch drin. Was wollten die." Antwortete er aufgebracht mit lauter Stimme.
„Erst meine Frau und dann das." Tränen standen in seinen Augen und er zitterte etwas.
In der Ferne konnte man die Sirenen der Polizei hören. Irgendwer hatte sie wohl angerufen.
„Amanda, wenn die Polizei da ist, dann halten wir uns im Hintergrund. Wir müssen aber da bleiben, so bekommen wir alles mit. Verziehen dürfen wir uns nicht, das würde auffallen.", raunte Lee Amanda leise zu.
Sie nickte. Ihr tat Mr. Bodine furchtbar leid.

Kurz danach hielten zwei Polizeiwagen an der Stelle, wo sich die Anwohner versammelt hatten. Nach ersten Fragen und Diskussionen wurden erst mal alle Alarmanlagen zum Schweigen gebracht. Nachdem die Polizisten die Anwohner und Mr. Bodine befragt hatten, was sie so gesehen hatten, kam dann noch die Frage auf, ob jemand Angaben zu dem Lieferwagen machen könnte. Lee hatte dafür gesorgt, dass er und Amanda bisher nicht befragt wurden, indem sie sich im Hintergrund hielten und versuchten der Polizei auszuweichen. Nun beschloss Lee, dass sie der Polizei doch helfen konnten. Es schadete nichts, wenn neben der Agentur noch die Polizei nach dem Wagen fahndete.
„Ich kann ihnen zu dem Wagen etwas sagen." Lee trat auf den Polizisten zu. Amanda hielt sich neben ihm. „Er war weiß oder silber. Die Nummer begann mit 2E und endete auf 95."
„Außerdem hatte er die 351 auf der linken Seite der Stoßstange." Gab dann noch Amanda dazu. Lee blickte sie anerkennend an. Er bewunderte, dass sie so viel Geistesgegenwart hatte in dem Trubel sich von dem Wagen etwas zu merken.
„Wie ist ihr Name?"
„Amanda und Lee Morton."
„Sind sie zufällig vorbeigekommen?"
„Nein, wir wohnen dort vorne in der Nummer 394. Sind heute erst eingezogen."
„Sorry, kam nur auf die Idee, da sie zwei die einzigen hier sind, die normale Kleidung tragen.", meinte der Polizist, als er sie von oben nach unten musterte.
Amanda blickte sich um und registrierte, dass alle anderen in ihren Bademänteln oder ähnlichem herumstanden. Sie musste grinsen.:
„Oh, wir hatten heute einen anstrengenden Tag mit Einzug und Einweihungsparty. Wir sind beim Abendessen auf der Couch eingeschlafen und dieser Trubel hier hat uns vor einer unbequemen Nacht auf der Couch bewahrt."
Der Polizist lachte über ihre Worte und machte sich noch Notizen.

„Ok, das wäre es erst mal." Mit lauterer Stimme wand er sich an die Anwohner:
„Die Show ist nun zu Ende, sie können alle wieder nach Hause gehen." Die Leute taten murrend was er wollte. Auch Lee legte eine Hand auf Amandas Rücken und schob sie vorsichtig in Richtung ihres Hauses. Der Polizist wand sich mit seinen Kollegen an Mr. Bodine:
„Können sie schon überblicken, ob bei ihnen bei dem Einbruch etwas gestohlen worden ist?"
Was Mr. Bodine ihm zur Antwort gab, konnte Lee leider nicht mehr hören, da sich die Männer in Richtung des Hauses drehten und dort hin zurückkehrten.
Angespannt führte er Amanda zu ihrem Haus.

Amanda ließ sie mit dem Schlüssel ein und Lee musste auch hier ihre Weitsicht anerkennen, dass sie an den Schlüssel gedacht hatte.
„Was nun?" fragte sie als sie im Flur standen.
„Kein Besuch mehr heute Nacht bei Mr. Bodine. Die Leute werden heute Nacht zu sehr auf alles achten, was draußen passiert."
Er zog sie zur Treppe.
„Was machst du?" fragte Amanda verwundert.
„Nun, wir sollten ins Bett gehen."
Er deutete auf die Treppe in den ersten Stock.
„Wir sollten etwas schlafen, erholt können wir unsere Arbeit besser machen."
Amanda schmunzelte: „Bessere Arbeit und überleben. Du hast ja aufbauende Sprüche auf Lager. Du meinst also, wir sollten beide in dem einzigen Schlafzimmer dort oben schlafen?"
„Traust du mir nicht?"
Amanda legte den Kopf etwas schräg und schaute ihn schmunzelnd an.
„Besonders lange kenne ich dich noch nicht, um diese Frage wirklich zu hundert Prozent beantworten zu können."
In Wahrheit traute sie sich selbst nicht. Wie gerne würde sie ihn spüren. Aber ihr Gewissen stand ihr im weg. Einfach mal unvernünftig zu sein, konnte sie nicht. Dazu kannte sie Lee wirklich erst zu kurz.
„Du hast auf der Couch in meinen Armen geschlafen. Ich verspreche dir, dass das da oben im Bett viel bequemer sein wird. Du hast eben selbst gesagt, dass der Trubel uns vor einer unbequemen Nacht auf der Couch bewahrt hat."
Amandas musste grinsen und ihr Blick wanderte über ihn. Ihr Zögern war für sie so kurz, für Lee aber lange, so dass er den Mut verlor und etwas zurückruderte:
„Wenn es dir lieber ist, kann auch einer auf der Couch schlafen."
Gab Lee etwas enttäuscht zurück. Blickte dann auf diese und gab zu bedenken:
„Wir wissen aber, dass sie nicht bequem ist."
Amanda folgte seinem Blick und schaute angewidert auf die Couch.
„Nein, keiner würde dort gut schlafen können."
Lee lächelte sie aufmunternd an: „Ich würde sagen, dass Bett oben ist die bessere Alternative und es ist ein breites. Genug Platz für uns beide."
„Ich wusste nicht, dass der erst Stock auch eingerichtet ist.", versuchte Amanda von der Peinlichkeit der Situation abzulenken.
„Doch, die Möbel kamen gestern, als ich alleine hier war."
Er hatte ihre Hand während des Gesprächs nicht los gelassen und zog sie nun mit sich die Treppe hinauf.

Ohne darüber zu reden, ging Lee als erster ins Badezimmer und Amanda zog sich in der Zwischenzeit ihren zweiteiligen Schlafanzug an. Danach tauschten sie die Orte. Amanda ging während des Zähneputzens etwas über Mr. Bodine und seinem Haus durch den Kopf, was sie Lee unbedingt fragen musste. Sie beeilte sich und trat ohne Vorwarnung in das Schafzimmer zurück:
„Was glaubst du, was in der Garage gelagert ist? Was könnte es dort interessantes geben."
Sie blieb stehen, sprach die letzten Worte leiser und ihr Blick wanderte über die nackte Brust von Lee, der mit dem Umziehen noch nicht fertig war. Er hatte bisher nur seine Hose gewechselt und stand mit nacktem Oberkörper im Schlafzimmer.
Ihr anerkennender Blick wanderte über seinen muskulösen Oberkörper. Er war gut gebaut und hatte nicht zu wenige und auch nicht zu viele Muskeln. Amanda schluckte, sie fragte sich, wie sich seine Haut unter ihren Fingern anfühlen würde. Lee merkte, zu seiner eigenen Verwunderung, dass er unter ihrem Blick etwas rot wurde. Er räusperte sich und griff schnell nach seinem Schlafanzugoberteil und schlupfte hinein.

Amanda merkte, dass sie gestarrt hatte und ihr war es nicht entgangen, dass es ihm fast etwas unangenehm gewesen war:
„Sorry." Sie wand den Blick beschämt von ihm ab und nun war sie es, die rot wurde.
Lee musste über die Situation lachen und Amanda grinste ihn dann an und biss sich leicht auf die Unterlippe.
„Auf welcher Seite des Bettes willst du schlafen?" fragte Lee um abzulenken und seine Gedanken aus der Gosse zu ziehen.
„Links." Gab sie ihm zur Antwort und schaute ihn unsicher an. Ihr war ihr Benehmen von eben noch immer peinlich und wollte das irgendwie klären, wusste aber nicht wie.
Lee bemerkte, dass sie etwas störte und interpretierte ihr Verhalten falsch:
„Ich … ähm. Ich werde brav sein. Du kannst mir vertrauen. Ich werde nicht versuchen dich zu verführen." Er grinste sie frech an.
Durch diesen neckenden Ton bekam auch Amanda ihre Lockerheit zurück und antwortete ihm mit einem Augenaufschlag: „Hmm, sollte mir das nun gefallen, dass du mich nicht interessant genug findest zum Verführen.", neckte sie ihn kichernd und ging zu ihm.
Er hatte das Schlafanzughemd noch immer nicht ganz geschafft zu zuknöpfen.
„Ich scherze." Wollte sie ihm schnell klar machen und setzte mutig fort: „Schon mal die Idee gehabt, dass ich mir selbst nicht traue? Wenn du hier so rumläufst."

Sie trat dicht an ihn heran, ihre rechte Hand strich über seine linke Schulter. Wie gerne würde sie über seine nackte Brust streicheln, seine Haut an ihren Fingern spüren. Lee streichelte vorsichtig mit seiner rechten Hand an ihrem Arm nach oben, fand sie im nächsten Moment an ihrem Hinterkopf, um sie leicht an sich zu ziehen, um ihre Lippen zu erobern. Amandas Hand rutschte von seiner Schulter unter sein Hemd. Seine Haut fühlte sich gut an, oh wie sie dieses Gefühl genoss.

Ihre Hände auf sich zu spüren, war zu viel für Lee. Er zog sie fester an sich und der Kuss wurde leidenschaftlicher. Seine rechte Hand fand ihren Weg unter ihr Schlafanzugoberteil und berührte im nächsten Moment ihre nackte linke Taille. Amanda reagierte auf diese Liebkosung damit, dass sie ihren Körper noch näher an Lee brachte. Ein leises Stöhnen wand sich von seinen Lippen.
„Amanda," Lee brach atemlos den Kuss und zog sich etwas von ihr zurück: „Amanda, ich … wir sollten …"
Sie legte ihm einen Finger auf die Lippen um ihn am Weiterreden zu hindern. Und initiierte den nächsten Kuss. Lee zog sie fest an sich. Sein Versuch sie beide zu stoppen hatte sie vereitelt, aber die Warnung in seinem Hinterkopf war nicht ganz verschwunden. Er hatte Angst weiter zu gehen. Angst sie dadurch zu verlieren. Wenn sie in der Agentur erst den Klatsch über ihn hören würde. Er durfte hier jetzt nicht mit ihr schlafen, sonst würde sie dann glauben, er hätte sie so wie die anderen Frauen in seinem Leben behandelt.
Auch Amanda kämpfte gegen ihre Gefühle, gegen ihre Wünsche. Sie sollte ihn erst mehr kennen lernen. Sie hatte sich vor drei Nächten eingestanden, dass sie sich in ihn verliebt hatte, aber sie musste ihn mehr kennen lernen, nicht dass sie nur das äußere liebte. Die körperliche Anziehungskraft konnten sie beide nicht leugnen.

Die Atemnot brachte sie dazu, den Kuss zu beenden. Sie hielten sich fest, legten schwer atmend ihre Stirn aneinander und als sie wieder genug Luft hatten redeten sie fast zur gleichen Zeit los:
„Wir müssen langsamer werden." Sie lachten über sich selbst.
Lee wagte sich dann als erstes:
„Amanda, ich habe so viel in meinem Leben falsch gemacht. Und ich habe eine schlimme Zeit hinter mir. Die letzten Wochen haben mich verändert und ich habe andere Wünsche als bisher an mein Leben. Du bist jemand besonderes, der genau im richtigen Moment in meinem Leben auftauchte. Ich muss aber so viel noch für mich herausfinden. Ich weiß, dass ich sehr viel für dich empfinde. Mehr als jemals für jemand anderes. Ich bin dadurch verwirrt und ich brauche etwas Zeit. Ich will hier nicht in alte Gewohnheiten fallen. Du bist zu wertvoll für mich."

Seine Worte hatten die gewünschte Wirkung auf Amanda. Sie konnte ihm nur zustimmen und fühlte sich wohl in der Situation:
„Ich verstehe was du meinst. Meine Scheidung hat mich tief getroffen. Ich hatte lange mit dem Gedanken zu kämpfen, versagt zu haben. Es ist noch nicht so lange her, dass ich dies abgestreift habe. Wir lassen uns Zeit um uns mehr kennen zu lernen. Du bedeutest mir auch sehr viel."
Lee gab ihr noch einen Kuss auf den Mund.
„Lass uns schlafen." Er lächelte sie zärtlich an. In seinen Augen lag die ganze Liebe, die er für Amanda empfand, die er sich aber selbst noch nicht eingestehen konnte. Sie nahm diese auf und verschloss diese tief in ihrem Herzen. Sie fühlte sich glücklich.
„Wir haben morgen viel zu tun. Wir müssen rausbekommen, was da in der Garage ist. Ich weiß es nicht, ich kann es nur vermuten. Es konnte was von diesen Kosmetiksachen sein."
„Du hast meine Frage also mitbekommen?"
„Oh ja, bin nur dann sehr abgelenkt worden.", neckte er.
Amanda stand lachend auf und ging um das Bett herum, um sich auf ihre Seite zu legen.
Beide rutschten in die Mitte des Bettes, kuschelten sich ineinander und schliefen nach kurzer Zeit in den Armen des anderen ein.

Am Morgen lernt Amanda über Lee, dass er definitiv kein Morgenmensch war. Sie stand morgens auf und hatte gute Laune. Er brummelte verschlafen vor sich hin und war erst nach einer Tasse Kaffee ansprechbar. Während sie frühstückte, er hatte ein Frühstück abgelehnt, saß er ihr mit der zweiten Tasse Kaffee gegenüber. Ihre Versuche, ihn davon zu überzeugen, dass das Frühstück die wichtigste Mahlzeit am Tag wäre, hatte er recht ungehalten weggewischt. Er bräuchte nur seinen Kaffee. Amanda ließ es dann lieber auf sich beruhen.
„Ich rufe gleich Billy an und berichte ihm von Gestern und letzter Nacht. Dann werden wir Mr. Bodine einen Besuch abstatten."
Amanda nickte ihm zustimmend zu.
„Haben die Frauen gestern gesagt, wann das nächste Treffen der Connie Beth Girls ist?"
„Da haben wir Glück, das ist bereits morgen."
„Gut, dann werden wir mal sehen, was wir heute herausbekommen. Mr. Bodine wird uns hoffentlich weiterbringen."

Während Amanda das Geschirr ihres Frühstücks aufräumte, telefonierte Lee mit Billy. Nachdem er ihm die Geschehnisse des letzten Tages und der Nacht mit dem Einbruch, den Alarmanlagen erzählt hatte und auch die Teile des Nummernschildes sowie die Zahl auf dem Nummernschild durchgegeben hatte, fragte Billy noch:
„Wie macht sich Mrs. King? Wie liegt ihr die Arbeit?"
„Oh, sie hat sich gut in ihrer Rolle gegeben. Sie war selbst erstaunt darüber, wie sie sich einfügt. Es scheint ihr zu liegen. Und sie hat sich die Nummer auf der Stoßstange gemerkt und dass, obwohl sie nach mir draußen war. Sie hatte gut den Überblick behalten. Und morgen wird sie zu dem Treffen der Connie Beth Girls gehen. Wir gehen jetzt gleich zu Mr. Bodine."
„Das hört sich alles sehr gut. Passt auf euch auf."
„Ach Billy, Francine hatte doch gesagt, dass Mrs. Bodine an jemand anderes weitergegeben wurde, als sie den Kongressabgeordneten anrief. Das sollte sie noch einmal überprüfen und mit diesem reden."
„Ja, Lee, das ist ein guter Vorschlag."
Damit war das Telefonat beendet.

Eine halbe Stunde später klingelten sie bei Mr. Bodine. Er öffnete ihnen recht schnell. Man sah ihm an, dass er wenig oder gar nicht geschlafen hatte.
„Mr. Bodine, wir möchten ihnen unser Beileid ausdrücken. Wir kennen uns zwar erst seit gestern, aber irgendwie, hmm." Lee stockte.
„Da sie bei uns waren, als die Polizei ihnen die schlimme Nachricht brachte, fühlen wir uns irgendwie mit ihnen verbunden." Sprang ihm Amanda zur Hilfe. Lee lächelte sie dankbar an. Solche Worte zu finden fiel ihm immer schwer.
„Ja, sie haben sich ihre Party sicher auch anders vorgestellt," antwortete Mr. Bodin und trat dann zur Seite, „Kommen sie doch bitte rein." Er öffnete ihnen die Tür ganz und ließ sie eintreten. Er führte sie in sein Wohnzimmer und bot ihnen ein Wasser an, welches beide dankend annahmen.
„Ich danke ihnen, dass sie gekommen sind. Es ist nicht normal, dass so etwas hier bei uns passiert. Die Siedlung ist eigentlich recht ruhig, außer die ganzen Frauen mit ihren Connie Beth Getue." Mr. Bodine versuchte ein anderes Thema zu finden. Er wollte nicht über seine Trauer und den Verlust reden. Schon gar nicht mit den neuen Nachbarn.
„Sie scheinen nicht so Glücklich über die Arbeit der Frauen bei Conny Beth zu sein? Ich bin neugierig warum. Meiner Frau wurde diese Arbeit auch vorgeschlagen."
„Bestimmt von Harriet und Judy."
„Ja, das ist richtig. Mr. Bodine, was ist den falsch daran?" fragte nun Amanda auch.
„Anfangs fand ich es ja noch ok, dass Betty zusätzliches Geld nach Hause brachte. Das konnten wir ganz gut gebrauchen. Damit konnten wir uns einiges nebenbei leisten und auch einen zusätzlichen Urlaub machen. Als sie dann aber ein Golden Circle Girl wurde, hatte sie so viel zu tun. Da ging viel Zeit für drauf, so dass wir sogar den letzten Urlaub streichen mussten. Es machte uns nicht glücklich und sie wollte aufhören. Und jetzt das …."
„Mr. Bodine. Es tut uns sehr leid."
Er nickte und schaute Amanda dann starr an:
„Werden sie kein Conny Beth Girl, Mrs. Morton, das zusätzliche Geld wird sie nicht glücklich machen und irgendwas stimmt dort bei der Firma auch nicht."
„Wie meinen sie das?" Lee war hellhörig geworden.
„Am Freitag brannte der Haarföhn von Betty beim Föhnen durch. Wir wollten in die Oper und sie musste ihre Haare in Ordnung bringen. Daher ging sie in die Garage und holte ein Paket mit Haartrocknern. Sie wollte sich einen davon nehmen und dann einfach bezahlen. Aber irgendwie funktionierte der Föhn nicht. Er ging nicht an. Ich weiß nicht was sie dann genau machte, aber sie war dann plötzlich richtig erschrocken und hat bei einem Bekannten angerufen. Er ist Kongressabgeordneter. Sie meinte, der Föhn wäre gefährlich."
„Das heißt, dass heute Nacht versucht worden ist Conny Beth Kosmetikartikel aus ihrer Garage zu stehlen?"
„Ja, aber es fehlen nur zwei Kisten. Die Polizisten haben eine Bestandsaufnahme gemacht mit den Listen von Betty. Zwei Kisten mit Haartrocknern."
„Haartrocknern?" Lee und Amanda schauten sich an.
„Ja, aber sie wollten mehr mitnehmen. Sie haben sich selbst unterbrochen, als sie die Alarmanlage auslösten."
Lee und Amanda unterhielten sich mit Mr. Bodine noch einige Zeit, bis sie dann einen guten Abgang schafften.

In ihrem Haus zurück, organisierte Lee, dass jemand von der Agentur zu Mr. Bodine fahren und um eine Kiste der Haartrockner für die polizeilichen Untersuchungen bitten sollte.
Lee fuhr am Nachmittag zum Hauptsitz von Conny Beth Cosmetics und schaute sich dort um.
Amanda ging zu Harriet Rosemont und ließ sich von dem Job als Conny Beth Girl erzählen und versuchte an zusätzliche Informationen zu kommen.

Amanda kam gegen 5 Uhr am Nachmittag in ihr Haus in der Betsy Ross Estates zurück. Es war ein nerviger Nachmittag bei Harriet gewesen. Harriet hatte sie zwar mit allen Informationen eingedeckt, die sie brauchte, auch alle ihre Fragen wurden von ihr beantwortet, aber Harriet war eine anstrengende Frau. Ihre Laune wechselte sehr schlagartig. Auch schien sie sehr neidisch über die Erfolge ihrer Freundinnen zu sein. Sie hatte immer wieder davon angefangen, dass Betty Bodine viel zu schnell ein Golden Circle Girl geworden war und ihr ihr Erfolg auf die Nerven ging. Amanda war kein Mensch, der anderen etwas missgönnte, daher traf sie dieses dumme Gerede tief und kratzte furchtbar an ihren Nerven. Sie war froh gewesen, als Judy dazu kam, so konnte Amanda sich etwas aus dem Gespräch herausziehen. Sie hatte die beiden Frauen beobachtete. Harriet betrachtete Judy offensichtlich nicht als so arge Konkurrenz, obwohl sie auch ein Golden Circle Girl war. Aber scheinbar hielt Harriet Judy für etwas dumm und oberflächlich. Schön, sie redete viel und lachte über sich selbst, aber Amanda hatte die innere wärme der Frau bemerkt. Sie war eine sehr fürsorgliche Frau, sehr ähnlich wie Amanda.
Nun saß Amanda in einem Sessel im Wohnzimmer und hatte einfach die Beine untergeschlagen, die Augen geschlossen und versuchte sich zu erholen. Wann sie mit dem Kommen von Lee zu rechnen hatte, wusste sie nicht.

Lee hatte am Nachmittag ein kurzes Gespräch mit Laura Moore gehabt, der Sekretärin von Bobby Bouchard, dem Eigentümer von Connie Beth Cosmetics. Er hatte um Informationen gebeten, wie seine Frau in der Firma als Verkäuferin anfangen könnte. Er wurde mit Flyer, einem Infoprospekt und den Terminen der nächsten Verkäuferinnentreffen versorgt. Mehr konnte er dort leider nicht erreichen.
Als er dann im Büro bei Billy noch vorbeischaute, musste er erfahren, dass leider niemand Frank Bodine zu Hause antreffen konnte und sie somit noch keine Kiste mit Haartrocknern hatten. Im Ganzen war er mit dem Ergebnis seiner heutigen Arbeit mehr als unzufrieden. Als er dann durch den Bullpen das Büro verlassen wollte, erschien noch Francine:
„Und wie steht's im trauten Vorort Zuhause? Abendessen um sechs, Fernsehen bis neun?"
Lee blickte auf seine Armbanduhr und mit dem Versuch ernst zu bleiben:
„Abendessen um sechs, da muss ich mich wohl beeilen."
„Kommst zu spät." Grinste Francine.
„Sie wird es mir hoffentlich warmhalten." Feixte er.
„Das Abendessen? Oder hält sie dir mehr warm?"
Lee ging eine Erwiderung bezüglich Großzügigkeit und Ausdauer einer amerikanischen Hausfrau durch den Kopf, verscheuchte diesen Gedanken aber schnell. So etwas würde er Amanda nicht antun. Er schaute Francine nur strafend an und zog eine Augenbraue nach oben.
„Du hast keine Ahnung von dem Leben im Vorort." Sagte er stattdessen und ließ sie einfach verwundert stehen. Francine hatte eine andere Reaktion von ihm erwartet und musste sich wieder in Erinnerung rufen, dass dieser Lee einfach nicht mehr der wie vor einem halben Jahr war. Sie schaute ihm nach und überlegte, ob der neue oder der alte Lee Stetson ihr besser gefiel. Sie blieb sich eine Antwort schuldig.

Lee erreichte das Haus in der Betsy Ross Estates gegen 8 Uhr. Er hatte auf dem Weg dorthin bei Amanda angerufen und sie gefragt, ob sie bereits ein Abendessen gehabt hätte. Das hatte sie verneint und war von seinem Vorschlag, etwas vom Chinesen mit zu bringen sehr angetan gewesen. Nun lag das Haus im Dunkeln vor ihm. Kein Licht brannte. Das gefiel Lee nicht, er machte sich sofort sorgen, dass etwas nicht stimmen konnte. Mit gezogener Waffe betrat er das Haus. Das mitgebrachte Essen hatte er auf die Stufen der Treppe abgestellt. Er warf einen Blick ins Wohnzimmer. Dort brannte nur die Birne in der Stehlampe im Eck. Und in dem Sessel lag Amanda zusammengekauert am Schlafen. Er richtete sich entspannt auf und auf seinem Gesicht erschien ein zärtliches Lächeln. Während er seine Waffe weg steckte gingen seine Gedanken zu der Nacht zurück, nach ihrem Date. Da hatte er darüber nachgedacht, ob er sich in Amanda verliebt hatte. Sein Herz war gerade übervoll für sie und er ließ diese Gefühle zu. Er gestand sich ein, dass er sie tatsächlich liebte und heute mehr als vor ein paar Tagen. Gedanken daran, ob das nun Richtig war oder nicht machte er sich ausnahmsweise mal nicht. Er holte das Essen rein, verschloss die Tür hinter sich und ging dann ins Wohnzimmer. Das Essen stellte er auf den Tisch und kniete sich dann neben den Sessel, um Amanda zu wecken.

Zärtlich strich er ihr eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht, bevor er ihr über die Wange streichelte:
„Amanda" sagte er leise, damit sie aufwachte.
Amanda wurde von der zärtlichen Stimme und den federleichten Berührungen auf ihrer Wange aus dem leichten Schlaf geholt. Als ihre Augen aufflatterten, beugte Lee sich über sie und küsste sie. Als sich ihre Lippen trafen, durchfuhr es beide wie ein kleiner Stromschlag. Amanda hob ihre Hand in seine Haare und hielt ihn so bei sich, während sie sich seinem Kuss öffnete und sich ihre Zungen zu einem zärtlichen Wettstreit fanden. Sie legte ihre Arme um seinen Hals und ließ sich vom Sessel auf den Boden rutschen um sich zu ihm zu knien. Er zog sie fest in seine Arme und drückte sie aufstöhnend an sich. Keiner von ihnen war bereit es weiter gehen zu lassen, aber sie sonnten sich in dem Gefühl den anderen zu spüren, die Lippen zu spüren, sich zu streicheln. Als sie atemlos den Kuss brechen mussten, verteilte Lee Küsse an ihrem Kinn entlang über ihren Hals. Sie spielte mit seinen Haaren im Genick. Als sich Lee seitlich an den Sessel lehnte, kuschelte Amanda ihr Gesicht in seine Halsbeuge. Aufgewühlt hielten sie sich in ihren Armen und genossen das Gefühl dem anderen so nah zu sein.

„Ich habe Essen mitgebracht." Brach Lee nach ein paar Minuten das angenehme Schweigen. Er befürchtete, dass das Essen kalt werden könnte und ihr es dann nicht mehr schmeckte. Froh über diese Ablenkung, da ihre Fantasie gerade sehr aktiv war, löste sie sich etwas von ihm, hauchte ihm noch einen Kuss auf die Lippen:
„Dann hole ich mal Teller." Mit diesen Worten stand sie auf.

Während sie nun das Abendessen zu sich nahmen, erzählten sie sich gegenseitig, was sie in Erfahrung bringen konnten. Sie mussten feststellen, dass sie beide in etwa das gleiche erfahren hatten und Amanda die gleichen Flyer hatte, wie Lee von der Sekretärin bekommen hatte. Dass das Packet von Mr. Bodine noch nicht abgeholt werden konnte, verzögerte auch alles.

Nach dem Essen spülten sie noch in angenehmer Zweisamkeit das Geschirr und gingen zu Bett. Wie bereits in der Nacht zuvor kuschelten sie sich in dem Bett zusammen. Diesmal nur mit weniger peinlichen Momenten wie in der Nacht zuvor.