Haftungsausschluss: „Scarecrow and Mrs. King" gehören Warner Brothers und Shoot the Moon Productions. Ich liebe die Serie und diese Geschichte ist nur für den Spaß gedacht. Ein Verstoß ist nicht beabsichtigt.

Diese Geschichte enthält Texte aus dem Skript „Scarecrow and Mrs. King" „If Thoughts Could Kill". Sie gehören Warner Brothers und Shoot the Moon Production und sind hier nur verwendet zum Verständnis.

Tausend Dank an Sally1093 für das Korrekturlesen.

Die Serie wurde ab Juni 1986 in Deutschland ausgestrahlt. Ich fand damals, dass Amanda etwas naiv auftrat, wie als ob sie nur von Haushalt und Schule Ahnung hätte und den Rest der Welt nicht kannte. Selten gab sie Lee Paroli, war recht brav. Und warum wurde sie nicht mehr ausgebildet? Wollte der Geheimdienst, dass sie gefährdet war?

Zur etwa gleichen Zeit wurde die Serie Remington Steele gedreht. Darin durfte Laura Holt eine taffe, selbstbewusste Frau der 80er Jahre sein, die mit beiden Beinen im Leben stand. Warum dann nicht auch Amanda King?

Auf jeden Fall ist mir nun die Idee gekommen, lass Amanda nicht so naiv sein, lass sie mehr Fuß fassen in der Welt des Geheimdienstes, lass sie eine selbstbewusste Frau der 80er Jahre, ähnlich wie Laura Holt, sein. Die ihren Weg geht, auch in einer ihr bis dahin unbekannten Spionagewelt. Und dass sie sich den gutaussehenden Spion, früher schnappt. Sie schon viel früher eine Beziehung haben. Eine geheime Beziehung gegenüber der Agentur, aber nur vor der Agentur.

Und die Folgen werden nie so sein, wie sie ausgestrahlt wurden. Ich denke nicht, dass ich alle durchmache. Das wäre dann doch ein sehr großes Projekt, was Jahre dauern würde.

Über konstruktive Kritik würde ich mich sehr freuen.

Viel Spaß nun beim Lesen des dritten Teils.

Lester Duck

Donnerstag, 13. Oktober 1983

Walt Kimball betrat nervös, starr nach vorne schauend, den Bullpen. Er war innerlich wütend, wütend auf einen Mann, den er eigentlich als einen guten Vorgesetzten ansah. Warum er wütend auf ihn war, wusste er nicht. Es war wie in einem Traum. Eigentlich war er nur wütend auf William Melrose entschlossen blickende braune Augen. Er focht mit sich selbst einen inneren Kampf. In den Falten seines Jacketts hatte er seine Waffe versteckt. Er spürte den Drang Melrose zu erschießen und er wusste, dass er es jetzt um 11:15 machen musste. Aber warum er ihn eigentlich erschießen wollte, dass entzog sich seinem Bewusstsein. Diese Unkenntnis verunsicherte ihn. Sein Unterbewusstsein sagte ihm, dass er es eigentlich nicht machen wollte. Aber warum war er eigentlich dann hier?

Ohne auf jemanden zu achten, ging er zum Cafepoint im Bullpen. Um diese Uhrzeit war Melrose immer dort. Walt rempelte auf dem Weg dorthin Lee Stetson an.
„Walt, geht es dir gut?", fragte Lee seinen Kollegen. Als dieser nicht im Geringsten reagierte, ging Lee ihm nach.
Walt erreichte den Cafepoint und blickte sich erstaunt um. Kein William Melrose. Dann schaute er auf die Uhr an der Wand. Es war bereits 11:16 Uhr, er wurde noch nervöser. Amanda King goss sich einen Kaffee ein und drehte sich dann zu Walt um:
„Kann ich Ihnen auch einen Kaffee reichen?" Sie kannte den Mann nicht und fand auch, dass er komisch schaute. Sie registrierte den leichten Schweißfilm auf seinem Gesicht und den starren Blick.
„Walt, was brauchst du?" kam Lee hinzu.
Walt starrte in die braunen Augen der Frau, die ihn erstaunt ansah. Er hob die verborgene Waffe und zielte auf Amanda.
Mit großen, erschrocken Augen ging sie einen Schritt zurück. Dabei versetzte sie dem Tisch einen starken Stoß, so dass ein paar Kaffeetassen klirrend zu Boden fielen.
Lee versuchte Walt zu beruhigen:
„Walt! Walt! Nimm die Waffe runter. Komm, lass uns – lass uns darüber reden, okay? Komm schon, leg die Waffe runter."
Die Waffe zitterte in Walts Händen und er murmelte: „Das sind die falschen braunen Augen." Er schien sehr verwundert und blickte nun Lee an und wiederholte mit fester Stimme: „Das sind die falschen braunen Augen."
„Ja, die falschen." Lee ging auf seine Worte ein, mit der Hoffnung Walt zu erreichen und ihn von Amanda abzulenken.
„Komm Walt, gib mir die Waffe." Lee ging näher und versuchte nach der Waffe, die nun nicht mehr auf Amanda zeigte, zu greifen.
Da reagierte Walt wieder. „Ihr wollt mich nur verwirren." Er klang aggressiv und hob die Waffe wieder und schoss ohne lange zu zögern auf Amanda.
Sie hatte damit gerechnet und konnte sich mit einem Sprung zur Seite in Sicherheit bringen. Dabei stieß sie aber den Kaffeetisch endgültig um, so dass nicht nur die Fensterscheibe hinter ihrem bisherigen Standort in tausend Stücke zerfiel, sondern dazu noch ein lautes Getöse der zerschellenden restlichen Tassen kam.
Dieser Krach und Walts Verwirrung reichten Lee aus, ihn zu entwaffnen und mit einem linken Haken zu Boden zu strecken. Im nächsten Moment waren die Wachen da und übernahmen Walt Kimball. Während diese den halb bewusstlosen Mann in die Krankenstation brachten und dort unter Bewachung stellten, eilte Lee zu Amanda.

Amanda hatte sich bereits wieder hochgerappelt. Ihr tat ihre rechte Seite weh, da sie unsanft auf dieser gelandet war. Aber zum Glück war ihr sonst nichts weiter geschehen.
„Geht es dir gut?" Lee sprach sie in Sorge an und half ihr auf die Beine. Am liebsten hätte er sie fest in seine Arme genommen. Aber er hielt sich zurück. Einige Mitarbeiter aus dem Bullpen, unter anderem Francine, hatten ihre volle Aufmerksamkeit auf ihn und Amanda gerichtet. Noch kam dazu, dass Billy Melrose irritiert den Tatort betrat.
„Was ist hier passiert?"
„Walt Kimball hat auf Amanda geschossen, er wollte sie umbringen.", meinte Francine.
„Nein, es war nicht Amanda.", widersprach Lee.
„Er sagte so etwas, wie das sind die falschen braunen Augen.", warf Amanda noch etwas atemlos ein.
Billy schaute von einem zum anderen und mit einer Armbewegung in Richtung seinem Büro: „King, Desmond, Stetson! Mein Büro."
Lee griff nach Amanda und führte sie in Billys Büro. Francine und Melrose folgten ihnen.

Auf dem Weg zu seinem Schreibtisch forderte Billy auf: „Bitte von Anfang an."
Francine und Amanda nahmen auf den beiden Stühlen vor seinem Schreitisch Platz. Lee stellte sich an seine gewohnte Position am Fenster zum Bullpen, während Billy sich in seinem Schreibtischstuhl niederließ.

Francine und Lee erläuterten Billy, was im Bullpen abgelaufen war. Amanda saß still dabei. In ihr sackte gerade, dass auf sie geschossen worden war. Billy wand sich nachdem er alles wusste ruhig an Amanda:
„Mrs. King, geht es ihnen gut? Nicht verletzt?"
Amanda blinzelte als sie angesprochen wurde. „Nein, Sir. Mir geht es bis auf eine leichte Prellung gut."
Sie sprach in einem Tonfall, der viel zu emotionslos für sie war. Lee ging zu ihr und legte ihr eine Hand auf die Schulter.
„Wollen wir kurz an die frische Luft und etwas spazieren gehen? Ich denke, die kurze Pause würde dir guttun. Danach können wir uns genauer unterhalten."
Er wusste, dass Amanda dort gerade raus wollte und er selbst kämpfte gegen sein Bedürfnis, sie in die Arme zu nehmen, um sie vor der Welt zu beschützen. Lee wollte sie eine Zeit alleine für sich haben.
Billy nickte zustimmend: „Ja, macht eine kurze Pause und dann reden wir hier weiter. Sagen wir in einer halben Stunde." Er sah auch, dass Amanda raus musste, etwas Abstand brauchte.
Er wand sich dann noch an seine Assistentin: „Francine, könntest du bitte die Unterlagen Conster und Markes rausholen."
Francine nickte. Sie hatte an diese Fälle auch bereits gedacht, da sie ähnlich waren. Auch Lee blickte auf, als er die Namen hörte und nickte Billy zustimmend zu.
„Komm Amanda, wir gehen etwas raus." Lee reichte ihr eine Hand, die sie bereitwillig ergriff und mit ihm das Büro verließ.

Lee führte Amanda zu einer nahen kleinen Parkanlage. Es war für Oktober noch ein recht angenehmer Tag.
„Über was denkst du nach?" forderte Lee sie zum Reden auf.
„Mich hat der Gedanke etwas erschreckt, dass auf mich geschossen wurde. Mir ist dabei bewusst geworden, dass mir das immer wieder passieren kann, wenn ich weiterhin hier arbeite. Ganz besonders, wenn ich das Angebot von Mr. Melrose annehme und mich ausbilden lasse."
„Vor ein paar Tagen wurden wir auch mit einer Waffe bedroht.", machte Lee sie auf die Aktion mit Bobby Bouchard aufmerksam.
Amanda kicherte, als sie an ihr Schauspiel dachte: „Ja, aber das war irgendwie anders. Wir wurden bedroht, nicht beschossen. Aber damit muss ich wohl leben, wenn ich das hier machen will."
„Willst du das und kannst du es?" Lee war stehen geblieben. Seine linke Hand, die beim Gehen die ganze Zeit leicht an ihrem unteren Rücken gelegen hatte, lag nun schwer auf ihrer Hüfte und zog sie so an ihn heran, als er stehen geblieben war.
Amanda schaute in sein ernstes Gesicht und musste ihn dann aufmunternd anlächeln. Leicht nickend meinte sie: „Ja, ich will es. Wird man sich daran gewöhnen?"
„Nein.", bekam sie von Lee nur sehr knapp zur Antwort.
Sie blickte kurz an ihm vorbei in die Ferne, um dann wieder zu seinem Gesicht zurück zu kehren.
Das Lächeln noch immer auf den Lippen: „Danke für deine ehrliche Antwort. Mir geht es gut, Lee. Und ich lasse mich nicht so schnell erschrecken." In ihrem Kopf hängte sie noch die Worte, dass er sie so schnell nicht los bekommen würde an, sprach sie aber nicht aus.
Lee reagiert mit einem Grinsen auf sie und zog sie nun endgültig in seine Arme, um sich selbst zu beruhigen. Er hielt sie einen Moment fest an sich gedrückt, hauchte ihr einen Kuss auf die Haare.
Dann löste er sich von ihr: „Lass uns zurück gehen. Wir hatten ähnliche Fälle schon mal. Vielleicht finden wir einen Zusammenhang."
Amanda schaute ihn überrascht an: „So etwas ist schon mal passiert?"
Lee nickte und erzählte ihr auf dem Rückweg zur Agentur was er wusste.

Zurück in Billy's Büro schauten sie sich gemeinsam mit Billy und Francine die zwei Altakten von den ähnlichen Vorfällen an.
Der erste Fall lag etwa fünf Monate zurück, der andere zwei. Beide Male war ein Agent in solch einem Zustand gewesen wir Kimball an diesem Morgen. Nicht ansprechbar und verwirrt. Vor fünf Monaten hatte Agent Bobby Carter auf ein Einsatzfahrzeug geschossen, welches vor Billys Wagen in die Tiefgarage fuhr. Beim anderen Mal, vor zwei Monaten, nahm Francine an der monatlichen Sitzung der Abteilungsleiter im Marriott Hotel teil. Sie war kurzfristig für Billy eingesprungen, da er krank geworden war. Francine hatte auch im Fallbericht aufgeschrieben, dass die Agentin Molly Friedman von „falschen Augen" gesprochen hatte.
In beiden Fällen wurde nicht tiefergehend untersucht, da für beide Agenten eine stressbedingtes Fehlverhalten vom Arzt diagnostiziert wurde. Beide Agenten wurden vom Dienst freigestellt und befanden sich noch immer in Behandlung.

Amanda hörte sich alles an und las die Berichte. Sie beteiligte sich nicht an der Diskussion, die Billy, Francine und Lee führten. In einem Moment der Ruhe fragte sie:
„Sir, was für einen Wagen fuhren sie vor fünf Monaten?"
Billy wusste nicht, wohin sie mit dieser Frage wollte, gab ihr aber bereitwillig Auskunft: „Ich bin zu diesem Zeitpunkt den dritten Monat einen Agenturwagen gefahren, da sich die Auslieferung für meinen neuen Wagen verzögerte."

Lee schaute Amanda neugierig an: „Was hast du gefunden?"
Amanda zuckte mit den Schultern: „Es ist vermutlich nichts, aber beide Agenten wurden vor den Vorfällen im Galilee Generel Hospital behandelt."
Sie griff nach der Friedman Akte. „Hier steht, das routinemäßige Untersuchungen durchgeführt wurden."
„Ja, alle Agenten müssen im zwei Jahres Abstand sich dort einer Gesundheitsuntersuchung und entsprechenden Tests unterziehen.", gab ihr Francine zur Antwort.
„Sir, irgendwie waren sie immer involviert bei allen drei Fällen.", meinte Amanda.
Billy schüttelte den Kopf: „Nein, ich war heute Morgen nicht hier und bei der Tagung war Francine."
„Schon, aber sie waren für die Tagung vorgesehen. Und sie fuhren den identischen Wagen, genau hinter dem, der beschossen wurde. Nur heute Morgen, ja, da waren sie nicht da.", Amanda zuckte nochmals mit einer Schulter.
„Aber eigentlich wärest du da gewesen.", reagierte Lee aufgeregt. „Es war 11:15 Uhr, da holst du dir jeden Morgen deinen nächsten Kaffee. Eigentlich könnte man die Uhr danach stellen."

Billy runzelte die Stirn, irgendwie machte das alles Sinn. Francine zog eine Augenbraue hoch. Auch ihr dämmerten die Zusammenhänge.
„Und sie haben braune Augen.", gab Amanda noch hinzu.
Dann nahm sie auch noch die andere Akte zur Hand und blätterte kurz: „Beide Agenten sind im Galilee von einem Dr. Glaser durch die Routineuntersuchungen geführt worden."
Sie blätterte noch in einer Akte noch einmal um:
„Nach den Vorfällen wurden beide von einem Dr. Chrysler behandelt. Assistent von Dr. Glaser."
„Wann hatte Walt seine letzte Routineuntersuchung?", stellte Lee in den Raum.
Francine stand sofort auf und ging dies recherchieren: „Das finde ich heraus."

Billy hatte die ganze Zeit schweigend seinen Leuten zugehört und sich dazu Gedanken gemacht: „Amanda! Was genau hat Walt zu ihnen gesagt?"
Amanda blickte zu ihm und dachte kurz nach: „Er hatte die Waffe auf mich gerichtet und schaute mich irgendwie sehr verwundert an und meinte dann: Das sind die falschen braunen Augen. Lee kam dazu und da wiederholte er den gleichen Satz noch mal."
„Genau, ich versuchte ihn dann von Amanda abzulenken.", nahm Lee die Erzählung auf. „Ich bestätigte ihm, dass es die falschen wären. Ich konnte damit zwar nichts anfangen, aber ich dachte mir, wenn ich ihm recht gebe, wird er ruhiger. Dann bat ich ihn noch darum, dass er mir die Waffe gab. Nur leider hat ihn das dann dazu gebracht, wieder zu Amanda zu schauen. Er sagte noch: „Ihr wollt mich nur verwirren. Dann schoss er."
„Ich hatte das irgendwie erwartet und war in Deckung gegangen." endete Amanda.

„Du hast ein schönes durcheinander im Bullpen angerichtet, meine Liebe. Die meisten Tassen und Gläser sind kaputt. Und erst die Scheibe.", Francine hatte mit diesen Worten das Büro wieder betreten. Sie konnte sich diese Stichelei in Richtung Amanda nicht verkneifen. Amanda reagierte nur mit einem kleinen Lächeln. Sie sah keine Notwendigkeit darauf zu reagieren.
Francine wand sich dann an Billy: „Walt war die letzte Woche zur Routineuntersuchung im Galilee. Die Untersuchungen wurden von Dr. Glaser durchgeführt.
Billy setzte sich auf. „Wo ist Walt jetzt?"
„In unserem Agenturkrankenhaus. Dr. Kelford und Dr. Pfaff versorgen ihn" bekam er von Francine geantwortet.
„Gut, da soll er auch bleiben. Er soll nicht ins Galilee gebracht werden. Und es soll nichts nach außen dringen, was hier passiert ist. Sorge bitte dafür, dass alle die Anwesend waren noch einmal daran erinnert werden, dass sie unter strengster Geheimhaltung stehen."

Amanda hatte die letzten Minuten nervös auf die Uhr geschaut, nun wand sie sich an Billy: „Sir, ich wollte eigentlich nicht so lange heute hier sein. Ich muss Jamie von der Schule abholen, da er einen Arzttermin hat."
Billy nickte: „Gut. Sie waren jetzt aber noch nicht bei einem unserer Ärzte. Nicht dass sie sich bei dem Sturz verletzt haben."
„Nein, Sir. Wirklich nicht. Höchstens ein blauer Fleck." Amanda stand auf und ging dann zur Tür. „Aber ich muss nun wirklich weg. So in zwei Stunden sollte ich aber mit ihm dann wieder zu Hause sein, falls dann noch etwas ist."
Billy entließ sie mit einem freundlichen Lächeln.
Francine blickte ihr mit einem genervten Augenrollen hinterher: „Eine Hausfrau, die Agentin spielt."
„Desmond!", ermahnte Billy mit gerunzelter Stirn.
Lee grinste amüsiert und schaute Amanda nach.

Eine dreiviertel Stunde später war Billy genervt.
Sie hatten die Akten mehrfach durchgearbeitet, auch eine über Walt angelegt, aber eine Lösung hatten sie nicht:
„Wir brauchen Beweise", stöhnte Billy und schmiss genervt die Akte, die er zuvor durchgeblättert hatte auf seinen Schreibtisch. Er sank in seinem Bürostuhl und starrte über seine verschränkten Finger, die er vor seinem Gesicht hielt.
„Dann müssen wir jemanden Undercover dort einschleusen.", schlug Lee vor, der in einem Stuhl vor Billys Schreibtisch saß.
„Undercover im Galilee Generel Hospital? Wie stellst du dir das vor? Wie du weißt, sind dort alle Agenten bekannt. Wer soll da Undercover rein?"
Lee lehnte seinen Kopf auf die Rückenlehne des Stuhls und musste Billy leider recht geben. Dadurch, dass alle Agenten in dem Galilee Generel Hospital ihre Routineuntersuchungen machen mussten, waren sie alle dort bekannt.
„Wir könnten einen Agenten dort rein schicken, der sich von einer Verletzung erholt oder seine Routineuntersuchungen machen lässt.", schlug Lee vor.
Billy blickte ihn an, ihm war durch Lees Worte eine Idee gekommen. „Wann waren deine letzten Routineuntersuchungen?"

„Oh nein, Billy, bitte nicht." Lee verdrehte genervt die Augen.
Billy griff aber zu einem Ordner und blätterte kurz. „Du bist überfällig. Ich hatte das absichtlich geschoben, da zu der Zeit dein Alkoholanteil im Blut vermutlich höher war als vertretbar. Du hättest vor drei Monaten die Untersuchungen nicht bestanden." Billy grinste Lee an: „Scarecrow, somit bist du mein erster Freiwilliger für den Einsatz und der andere, der mir einfällt ist Noah Guthrie. Er kann sich auch dort noch ein paar Tage von seinen Schussverletzungen erholen."
„Du willst uns also da rein schicken, mit der Gefahr, dass wir manipuliert werden. Das gefällt mir nicht, Billy. Nein, Billy überhaupt nicht. Mit irgendwas werden unsere Agenten so beeinflusst, dass sie zu Killern werden. Und so etwas willst du mit mir machen lassen?" Der Gedanke, dass seine Gefühle und Gedanken beeinflusst wurden, dass versetzte ihn nicht nur etwas in Panik. Er war aufgestanden und lief aufgebracht in Billys Büro hin und her.
Billy schaute ihn an und erkannte das Unbehagen. „Nein, das will ich eigentlich nicht. Aber ich habe auch keine andere Idee, als dass wir da jemand rein bekommen müssen, der aber gewarnt ist, dass etwas dergleichen passieren könnte. Wir brauchen noch jemanden, der nach euch schaut, auf Veränderungen achtet." Er setzte sich auf und griff nach einer anderen Akte, die noch als unerledigt auf seinem Schreibtisch lag. Nachdem er darin geblättert und die Stelle gefunden hatte, nach der er suchte, wanderte ein Lächeln über sein Gesicht:
„Ha, wusste ich es doch. Hier, sie ist gelegentlich als Bedside-Bluebell im Virgina Hospital. Somit bewirbt sie sich jetzt im Galilee und wir haben unseren Aufpasser, der nicht bekannt ist."
„Wen meinst du Billy?" Lee setzte sich wieder und schaute seinen Chef gespannt an. Er hatte eine Ahnung wen Billy vorschlagen würde.
„Amanda King", antwortete Billy.
Lee wurde es um sein Herz kalt. Dieser Einsatz war so verrückt und in seinen Augen verdammt gefährlich. „Nicht Amanda. Das ist zu Gefährlich. Sie hat noch kein Training, nichts."
„Genau. Und daher auch noch keine Untersuchungen in dem Krankenhaus. Sie ist die einzige aus unseren Reihen, die dort nicht bekannt ist. Ruf sie bitte an und frage sie, ob sie heute um 4 Uhr am Nachmittag noch mal herkommen kann. Dann besprechen wir alles."

Billys Ton klang entschieden. Lee fügte sich, er kannte seinen Chef. Im Moment konnte er ihn nicht davon abbringen. Also konnte er nur versuchen Amanda im Voraus zu warnen, in der Hoffnung, dass sie den Auftrag nicht annahm. Lee entschied, sie nicht anzurufen. Er fuhr zu ihr nach Arlington und hoffte, sie alleine anzutreffen.

XXXXX SMK XXXXX

Lee parkte sein Auto zwei Straßenecken von Amandas Haus entfernt und ging zu Fuß weiter. Die ganze Fahrt nach Arlington hatte er das Für und Wider von diesem Fall abgewogen. Warum ihm selbst der Auftrag so wenig gefiel, warum er ein so ungutes Gefühl hatte. Er hatte sich die Gründe eingestehen müssen und musste sich nun seinen Ängsten stellen. Als er nach dem Tod seines Partners seine Gefühle und Ängste im Alkohol ersäufen wollte, hatte er oft den Kontakt zur Realität verloren. An manchen Tagen hatte er nicht mehr gewusst, was er die Nacht gemacht hatte. Dies hatte ihn immer geängstigt, Teile seines Lebens nicht zu wissen, sich fragen zu müssen, was man getan hatte. Welche Abgründe des eigenen Selbst erreicht. Eines hatte er aus diesen Erfahrungen mitgenommen. Nie wieder wollte er so tief sinken, niemals wollte er mehr die Kontrolle über sich selbst auch nur einen Hauch verlieren. Aber nun hatte er einen Auftrag, wo ihm genau das passieren könnte. Der Gedanke gefiel ihm nicht. Machte ihm Angst und lähmte seine Gedanken. Er wusste, dass er dies schnell in den Griff bekommen musste, sonst könnte der Auftrag gefährlicher werden, als es sein müsste. Er schob die Gedanken zur Seite und fokussierte sich auf Amanda.

Amandas Auto stand in der Einfahrt, somit war es anzunehmen, dass sie zu Hause war. Um diese Uhrzeit waren die Jungs vermutlich bei Freunden. Er hoffte es inständig. Gerade als er überlegte, über das Nachbargrundstück zu ihrem Garten zu schleichen, verließ Amandas Mutter das Haus. Sie erschien besorgt und aufgebracht. Sie erzählte etwas vor sich hin ging eiligen Schrittes in Lees Richtung. Lee ging wie ein Spaziergänger einfach weiter und sie begegneten sich dann auf halben Weg zum Haus.

Dotty musterte ihn unauffällig von oben bis unten, da sie ihn in der Gegend noch nie gesehen hatte. Sie drehte sich auch ein paar Meter weiter nochmals nach dem gut-aussehenden Mann um, aber nach einem Blick auf ihre Armbanduhr eilte sie doch schnell weiter. Dadurch, dass sie Amanda nicht alleine lassen wollte, als sie das eigentümliche Telefongespräch mit Dean führte, hatte sie sich zu ihrer Verabredung im Gartenclub verspätet. Da sie in Eile war, fiel es ihr nicht auf, dass der Mann durch die Einfahrt in den Garten von ihrem Haus ging.

Lee umrundete das Haus und kam über die Terrasse heran. Die französischen Türen standen offen und er vernahm Amandas Stimme, die sehr genervt klang. So hatte er sie noch nie gehört.
„Dean, ich habe es dir doch gestern erklärt." …. „Nein, du hast nichts falsch gemacht." … „Was ist daran nicht zu verstehen, dass ich nicht wieder heiraten will."
Sie drehte sich um, als sie das Gefühl hatte, nicht mehr alleine zu sein. Sie sah Lee, der mit einem sehr wachsamen Blick in der Tür stand. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Sie winkte ihm zu, dass er reinkommen sollte. Er ging zu ihr und blieb nah bei ihr stehen. Gestärkt durch seine Anwesenheit unterbrach sie den Redefluss von Dean auf der anderen Seite der Leitung: „Stopp, bitte, wir passen nicht zusammen. Du willst etwas anderes als ich."
Sie wurde wieder von ihm unterbrochen. Er war lauter geworden, so dass Lee ihn hören, nur leider nicht genau verstehen konnte.
„Verdammt, Dean, ich liebe dich nicht! Und ich werde es nicht. Und ich heirate dich nicht. Und ich will jetzt nicht mehr mit dir reden." Mit diesen Worten legte Amanda völlig entnervt auf.

Laut luftholend fuhr sie sich gestresst mit einer Hand über das Gesicht. Lee legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter. Sie schaute ihn dann an und erkannte die unausgesprochene Frage von ihm, was los war. Ohne das er fragen musste, erzählte sie ihm was geschehen war:
„Ich habe mich gestern Abend mit Dean zum Abendessen getroffen. Ich wollte ihm klar machen, dass ich seinen Antrag ablehne und dass ich die Beziehung nicht fortführen wollte. Klar versuchte ich ihm nicht weh zu tun. Er hatte gesagt, dass er mich liebt. Ich wollte ihm nicht das Herz brechen und habe versucht das vorsichtig zu machen."
Sie blickte wehmütig zu Boden. Das Schweigen dauerte länger. Lee nahm an, sie wollte nichts weiter dazu sagen, er wusste aber auch nichts, was er erwidern sollte. Wobei er sich zusammennehmen musste, da er den starken Anflug von Eifersucht verspürte. Diesem Gefühl durfte er auf keinem Fall nachgeben. Ihm war nicht klar, was er mit Amanda hatte. Waren sie einfach Freunde. Freund mit einer besonderen Anziehungskraft. Er würde dieser Anziehungskraft zu gerne nachgeben, aber was Amanda wollte, war ihm unklar. Die Neuigkeit, dass sie gestern mit Dean Schluss gemacht hatte, die erfüllte ihn aber mit einer ungemeinen Freude.

Aber dann redete Amanda doch weiter:
„Ich hatte schon seit Wochen bemerkt, dass wir verschiedenes wollten. Er wollte heiraten, eine Familie, aber ich bin erst geschieden und ob ich eines Tages bereit bin wieder zu heiraten, dass weiß ich heute noch nicht. Ich habe mich in seiner Gesellschaft nur einfach wohl gefühlt, es hat gutgetan, dass sich jemand um mich kümmerte. Aber ich liebe ihn nicht und werde es auch nie. Er ist ein netter Kerl, aber wir passen nicht zusammen. Und die Jungs mögen ihn auch nicht. Ich muss nun lernen, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Nicht mich wieder in eine Ehe drängen lassen, zur Sicherheit. Ich will das nicht …." Amanda beendete ihren Gedanken nicht.
„Und was willst du?", fragte Lee, als er bemerkte, dass sie nichts weiter sagen würde. Den Stich in seinem Herzen ignorierend und die aufkeimende Eifersucht auf Dean herunterschluckend, versuchte er Amanda zu helfen, ihre Gedanken und Gefühle zu sortieren.
Amanda musste trotz ihrer aufgewühlten Stimmung lächeln: „Das kann ich dir so genau im Moment auch nicht sagen. Ich habe seit ein paar Tagen einen interessanten Job und habe interessante Leute kenngelernt."
Sie blickte ihn vorsichtig von der Seite an. „Diese Arbeit hat etwas, was mich neugierig auf mehr macht. Ich hatte früher immer die Idee etwas für die Welt zu machen. Dann ging aber Joe in die Welt hinaus und wollte was bewegen und ich saß zu Hause. Diese Arbeit lockt mich, dass ich etwas bewegen könnte, wenigstens etwas Kleines, damit sie sicherer für Jamie und Phillip werden könnte."
Sie biss sich nervös auf die Unterlippe und blickte Lee vorsichtig an: „Klingt blöd, oder? Was soll ich schon machen können?"
Lee lächelte sie breit an: „Nicht blöd, nein überhaupt nicht. Aus patriotischen Gründen bin ich auch zu dieser Arbeit gekommen. Und du kannst mit deiner Arbeit Dinge bewegen, auch für deine Kinder."
Lee strich ihr zärtlich über die Wange. Leise hoffte er, dass sie noch sagen würde, dass es bei der Arbeit auch einen Typen geben würde, der sie interessiert. Aber er würde nichts sagen, nur diese Hoffnung in seinem Herzen verbergen.
„Dean will nichts davon wissen, dass du die Beziehung beendet hast?" fragte er dann.
„Er will mich davon überzeugen, dass sie nicht zu Ende ist, dass er warten kann, bis ich bereit bin. Da er sich nicht davon abbringen ließ, habe ich ihm eben laut gesagt, dass ich ihn nicht liebe. So hart hatte ich es noch nicht ausgesprochen."
Sie hob ihren Blick zu Lees Gesicht und meinte mit besorgtem Ausdruck: „Ich hoffe, dass er es nun verstanden hat. Ich wollte ihm nie so weh tun."
Lee zog sie an sich, legte seine Arme tröstend um sie. Er wollte es schon die ganze Zeit tun. Sie halten, sie spüren und vor der Welt beschützen.
Sie drückte sich in seine Umarmung. Sie fühlte sich geborgen und beruhigte sich. Nach kurzer Zeit hob sie den Kopf und zog sich etwas von ihm zurück und fragte:
„Was hat dich eigentlich zu dieser Zeit hierhergeführt?"

Lee holte sich in das hier und jetzt zurück und versuchte grinsend die Situation zu entspannen: „Arbeit."
„Schade, ich hoffte, du wärest wegen mir hier.", ging Amanda neckend auf seinen Ton ein.
Nun musste er lachen: „Billy hat Arbeit für uns und hatte mir gesagt, ich sollte dich anrufen. Aber ich bin selbst gekommen." Das brachte ihm ein glückliches Lächeln von ihr ein. Dean hatte sie jetzt erst mal vergessen.
„Mir gefällt der Auftrag aber nicht. Weder für mich, noch für dich. Ich will ihn eigentlich nicht übernehmen, aber Billy hat sich das so in den Kopf gesetzt."
„Hat es mit der Sache von heute Morgen und den beiden anderen Fällen zu tun?", fragte sie etwas besorgt.
Lee holte tief Luft: „Ja, nach genauem Recherchieren und deinem Hinweis, haben wir den Verdacht, dass im Galilee Generel Hospital Manipulationen an Agenten vorgenommen werden. Geistige Manipulationen. Manipulationen, die ihr Verhalten ändert. Kannst du heute um 4 Uhr zu einer Besprechung reinkommen. Aber bitte, höre dir das genau an und stürme nicht in den nächsten Auftrag. Ich halte das Ganze für gefährlich."
Sie runzelte die Stirn: „Zu gefährlich für mich?"
„Ich fühle mich selbst bei dem Gedanken nicht wohl in dieses Krankenhaus zu gehen und ich habe Angst wegen dir."
Sie lächelte ihn zärtlich an: „Ich bin um 4 da und ich verspreche dir, mir das genau anzuhören und dann überlegt zu entscheiden."
Lee nickte dankbar.

Das Ergebnis der Besprechung am Nachmittag war, dass Lee und Guthrie als Patienten in das Hospital gehen werden. Weder Lee noch Guthrie fühlten sich mit dieser Idee wohl. Amanda ließ sich von Billy davon überzeugen, dass sie sich dort als ehrenamtliche Helferin bewerben sollte. Ihr war mulmig bei dem Gedanken, dass dort Verhaltensmanipulationen vorgenommen wurden. Da sie aber Angst um Lee hatte, wollte sie ihn dort nicht alleine lassen. Und wie sollte es für sie als ehrenamtliche Mitarbeiterin gefährlich werden? Sie würde ja nur ein wenig den Krankenschwestern unter die Arme greifen, sie unterstützen. Außerdem war geplant, dass auch Francine täglich zu Besuch kommen sollte, um Informationen zu erhalten und Veränderungen abzugreifen.
Amanda hatte die besorgten Blicke von Lee sehr wohl bemerkt, aber gerade, weil er sich bei diesem Auftrag nicht wohl fühlte, wollte sie in seiner Nähe sein.