Sonntag, 16. Oktober 1983

Eine nackte Glühbirne, Drähte, Schatten an der Decke, er fiel nach unten, versuchte sich festzuhalten, fand aber keinen Halt. Dampf und Wärme. Er hatte ein dauerndes Piepsen im Ohr. Stimmen. Bilder: Ein explodierendes Auto, eine Hand mit einem Messer, eine Hand mit einem Revolver, dunkelbraune Augen, noch ein explodierendes Auto, ein bellender scharfer Hund, Panzer, dunkelbraune Augen, eine fallende Guillotine, eine Hand mit einem Revolver, dunkelbraune Augen und dann fing alles wieder von vorne an. Die Augen kamen ihm bekannt vor. Und die ganze Zeit dieses Piepsen. Am Ende dann eine komische Ente. „Ich bin Lester Duck. Lass uns schauen und lernen."

Lee erwachte am frühen Morgen im Krankenhaus von dem geschäftigen Treiben auf dem Krankenhausflur. Er fühlte sich müde und gereizt. Kurz vorm Aufwachen hatte er von Amanda und ihren ruhigen, dunkelbraunen Augen geträumt, die mit einem zärtlichen, warmen Blick auf ihm ruhten. Seine Augen hatten sich mit ihren verbunden und ihre Lippen sich zu einem zärtlichen Kuss getroffen. Der Gedanke an diesen Traum beruhigte ihn. Ihm schossen unfreundlich blickende dunkelbraune Augen kurz durch seinen Kopf. Er schüttelte sie weg und holte sich den Gedanken an Amanda zurück.
Ihm fiel noch ein, dass er seinen Kamm aus seiner Wohnung noch bräuchte. Er würde Amanda anrufen und sie bitten, ihn für ihn zu holen.

Amanda betrat, nach einer fast schlaflosen Nacht, müde ihre Küche. Draußen lachte die Sonne vom Himmel, konnte aber ihre Seele an dem Morgen nicht erreichen.
Die Laune von Jamie war ihrer ähnlich. Er erzählte ihr, dass Dean ihm sein Skateboard am Vortag repariert hatte, es aber dann nur kurz gehalten hatte. Offensichtlich hatte Dean sich nicht damit ausgekannt. Amanda versprach, sich in einem freien Moment dem Board anzunehmen. Kaum hatte sie ihren Sohn etwas besser gestimmt, klingelte das Telefon.
Es war Lee, er forderte sie auf, sich etwas zum Schreiben zu holen, da sie ihm bitte aus seiner Wohnung was holen sollte. Nachdem sie dann einen Stift und einen Zettel hatte, zählte er ihr nur seinen Kamm mit den zwei fehlenden Zähnen auf, den sie im Wohnzimmer zwischen den Zeitschriften finden würde. Das Gespräch irritierte sie total.
Da die Jungs aber nun schnell gehen mussten, um den Schulbus zu bekommen, machte sie sich in dem Moment nicht weiter Gedanken darüber.

Amanda wollte gerade mit einem „Schönen Tag, Mutter." Das Haus verlassen, als Dotty sich ihr in den Weg stellte.
„Du bist wieder im Krankenhaus?" Sie ließ ihren Blick über die Bedside-Bluebell Uniform wandern. „Wird es wieder so spät wie gestern werden?"
„Ja, Mutter, ich bin im Krankenhaus und" sie holte tief Luft „ja, es könnte wieder spät werden."
„Gut, will es nur wissen, damit ich mich danach richten kann. Ich unterstütze dich voll, damit du bei der Arbeit Fuß fassen kannst. Aber ein Teilzeitjob ist das ja nicht gerade." Dotty lächelte herausfordernd und wurde dann wieder ernst:
„Was soll ich Dean sagen, wenn er wieder anruft oder auftaucht?"
„Dass er mich in Ruhe lassen soll." brachte Amanda aufgebracht hervor um dann aber ruhiger mit einem Kopfschütteln:
„Nein, sag ihm einfach, dass ich arbeite."
„Soll ich ihm sagen, dass du dich meldest?"
Amanda schaute traurig zu Boden: „Eigentlich nicht. Ich habe ihm nichts zu sagen."
Ihre Stimme war sehr leise und emotionslos.
Sie schaute auf ihre Armbanduhr: „Es wird spät. Mutter, ich versuche dich anzurufen, wenn ich weiß wie spät es wird."
„Mach das, bis heute Abend dann."
Dotty drückte die Schulter ihrer Tochter und schaute ihr hinterher, als sie mit dem Wagen aus der Einfahrt fuhr.
Sie konnte es nicht vermeiden, sich Sorgen zu machen. Dean war ein unauffälliger, netter Mann bisher gewesen. Gestern Nachmittag kam er ihr aber sehr verbissen vor. Hoffentlich würden sie nicht noch Schwierigkeiten mit ihm bekommen. Und Amanda sah heute Morgen aus, als hätte sie fast nicht geschlafen. Die neue Arbeit schien ihr ja zu gefallen, war aber wohl anstrengend. Außerdem war ihr auch nicht entgangen, dass sie von Amanda bezüglich ihres Arbeitskollegen, mit dem sie aus gewesen war, keine vernünftige Antwort bekommen hatte. Sie hoffte, dass das alles für Amanda nicht zu viel wurde. Sie würde ihr auf jeden Fall den Rücken freihalten.

Amanda fuhr auf dem Weg zum Krankenhaus erst bei Lee's Wohnung vorbei. Der Türsteher ließ sie rein.

In Lees Wohnung suchte sie sich durch die Zeitschriften im Wohnzimmer. Gerade als sie den Kamm gefunden hatte und sich darüber wunderte, warum er unbedingt diesen Kamm brauchte, hörte sie an der Wohnungstür ein „Hallo.
Sie drehte sich um und sah eine ältere Frau dort stehen.
„Ich bin Mr. Stetsons Nachbarin, Lydia Lowell."
Amanda: „Oh, hallo. Ich bin Amanda King."
Lydia: „Werden Sie Mr. Stetson wiedersehen, oder ist das eine Sache für eine Nacht?"
Amanda lachte nervös, sie fühlte sich unwohl unter dem kritischen Blick der Nachbarin und antwortete ihr dann:
„Oh, ich werde ihn wiedersehen."
Die Nachbarin nickte und stürmte aus der Wohnung, nur um kurz darauf mit einer großen Schachtel zurück zu kommen:
„Dieses Paket wurde ihm heute früher zugestellt."
Amanda nahm die Schachtel entgegen, stellte sie ab und las die beigefügte Karte:
„Oh. Ha ha! "Für Lee, komm schnell zurück, Liebe, der Steno-Pool.""
Lydia: „Frauen scheinen Mr. Stetson zu mögen."
Amanda: „Anscheinend."
Lydia: „Sie bringen ihm Dinge. Viele Dinge. Viele, viele, viele, viele Dinge."
Amanda: „So, ok."
„Ja, es ist zwar schon etwas her, dass ich eines von euch Mädchen gesehen habe und Geschenke gekommen sind, aber jetzt scheint es wieder zu beginnen."
Im weggehen meint Lydia noch:
„Ich sehe die Anziehungskraft selbst nicht ganz. . . Ich bin mir aber sicher, dass ihr Mädchen eure Gründe habt. … Guten Tag."
Bei Lydias Worten lächelte Amanda halbherzig. Ihre Gedanken waren bei der Schachtel. Sie rief der Nachbarin einen Abschied hinterher und wand sich dann an das Paket.
"Liebe, der Steno-Pool."
Sie richtete die große Schleife, nur um dann den Deckel zu heben. In der Kiste war ein Stofftier, eine Ente. Sie berührte die Ente und schloss den Deckel dann wieder.
„Süß!"
Während sie die Schleife richtete dachte sie über dieses Geschenk nach. Hier passte etwas überhaupt nicht. Warum sollte der Steno-Pool ihm eine Stoffente schicken. Sie hatte bei ihren kurzen Arbeiten in der Agentur den einen oder anderen Klatsch über Lee aufgeschnappt und interessiert zu gehört, das musste sie zugeben. Aber sie hatte auch gehört, dass er seit Sommer mit keinem Mädchen aus dem Steno-Pool etwas zu tun hatte. Was diese bemängelten.
Ihr derzeitiger Auftrag war im Geheimen vorbereitet worden. Niemand außer Francine, Billy, Guthrie, Dr. Kelford, Lee und sie waren eingeweiht. Mit diesem Paket stimmte etwas nicht. Sie beschloss es mitzunehmen.

XXXXX SMK XXXXX

Im Krankenhaus führten ihre Schritte sie zuerst zu Guthrie.
„Guten Morgen Mr. Guthrie. Wie geht es ihnen heute Morgen?"
„Hi, meine liebe Bluebell. Kannst du mir das Kissen neu richten, bitte?"
Als Amanda nun so nah bei ihm war, steckte er ihr eine Tablette in die Schürze.
„Diese Tabletten sind gestern Abend verteilt worden. Ich brauche ja eigentlich nur gelegentlich ein Schmerzmittel, daher habe ich sie nicht genommen. Ich vermute, das ist ein Schlafmittel, da die ganze Abteilung heute Nacht sehr ruhig war."
„Hat Lee sie genommen?"
„Unfreiwillig, ich konnte es nicht verhindern."
Amanda schaute ihn neugierig an.
„Er hat einen großen Aufstand gemacht, er bräuchte keine Tabletten. Ich war zur Tür gegangen und konnte dann sehen, wie der Helfer von Dr. Glaser die Tablette in Lees Wasser auflöste. Bis ich dann in seinem Zimmer war, hatte er das Glas bereits ausgetrunken und ich bin weggeschickt worden, wegen der Nachtruhe."
„Und war dann heute Nacht irgendwas?"
„Ich bin noch mal zu ihm rüber, er war nicht da."
„Also war er herumgegangen?"
„Nein, er war mit dem Krankenbett weg."
Amanda richtete sich erschrocken auf.
„Oh, Gott. Ich lass die Tablette überprüfen."
Amanda war nun ängstlich und nervös, sie musste sofort nach Lee sehen, was war mit ihm in der Nacht gemacht worden? Seine Ängste von Gestern bezüglich der Manipulation durch Medikamente blitzten durch ihre Gedanken.
„So, ist das Kissen so in Ordnung?", fragte sie Guthrie und richtete sich dabei ganz auf, fügte leise hinzu:
„Ich schau jetzt nach ihm."
Guthrie nickte ihr aufmunternd zu: „Ja, danke, ist bestens."

Kaum hatte Amanda Guthries Zimmer verlassen und stand auf dem Krankenhausflur, als sie laute Worte aus Lee's Zimmer hörte. Im nächsten Moment rauschte eine Schwester aus seinem Zimmer und als sie Amanda sah:
„Gut das du da bist. Stetson ist heute noch schlimmer als sonst. Ich sollte ihm Schreibzeug bringen, nun ist diese ihm nicht ordentlich genug, der Stift nicht fein genug. Kümmere du dich um ihn, du hast ihn auch gestern ruhig bekommen."
Die Schwester eilte wutschnaubend an Amanda vorbei.
Amanda betrat vorsichtig Lee's Zimmer.
Er saß auf seinem Bett und hatte einen Block in der Hand und schrieb eine Liste.
„Guten Morgen", machte sie ihn auf sich aufmerksam.
„Ah, gut das du da bist. Du kannst mir helfen, ich muss eine Aufstellung machen."
„Über was?"
„Tagesablauf im Krankenhaus, Kleiderschrankorganisation für zu Hause und dann dachte ich noch an eine neue Ordnung im Büro."
Amanda runzelte irritiert die Stirn.
„Wann sind deine nächsten Untersuchungen?"
Nach einem Blick auf die Uhr an der Wand gab er ihr zur Antwort: „In zwei Stunden und exakt 8 Minuten. Hoffentlich kommt der Arzt auch pünktlich."
Amanda starte ihn mit offenen Mund an und nachdem sie sich erholt hatte:
„Dann ist genug Zeit für einen Spaziergang, findest du nicht auch."
„Ja, hast recht, frische Luft baucht man jeden Tag."
Lee legte den Block ordentlich in die Schublade seines Nachttischs. Der Stift wurde akkurat dazu gelegt.
Amandas Gedanken rasten. Es war mit Lee in der Nacht was passiert. Das war nicht der Lee Stetson, den sie kannte. Sie musste es ihm klar machen und dann bei Billy Alarmschlagen.

Im Krankenhausgarten blickte Amanda sich immer wieder um, bis sie sich sicher war, dass sie so standen, dass sie vom Krankenhaus aus nicht gesehen wurden. Sie blieb stehen und reicht ihm den mitgebrachten Kamm:
„Und hier ist dein Kamm mit den zwei fehlenden Zähnen."
Lee: „Ah."
Amanda: „Ich wusste nicht, dass du so Wert auf kleine Details legst."
Lee: „Dieser Kamm ist kein kleines, winziges Detail. Dies ist der richtige Kamm für meine Haare.
Amanda: „Oh." Sie blickte ihn irritiert an.
Lee: „Details sind wichtig. Schritt für Schritt. Präzision ist im Leben von entscheidender Bedeutung. Es trennt die Schlampen von den Fürsten."
Lee kämmte sich seine Haare. Und meinte dann mit einem Blick auf ihren Rocksaum:
„Dein Saum ist ungleichmäßig."
Amanda: „Mein Saum ist ungleichmäßig?
Lee beendete das Kämmen und sah Amanda an:
„Äh-huh. Gestern war er gut, heute sackt er. Daran besteht kein Zweifel."
Sie schaute an sich hinab:
„Wie kannst du es überhaupt sagen?"
Lee: „Komm schon, es ist wie Tag und Nacht."

Amanda legte ihm eine Hand auf den Arm, um seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen:
„Lee, stopp."
„Was?"
„Ich kenne dich noch nicht so lange, aber du bist kein Mensch, der Listen schreibt, alles organisiert. Deine Wohnung, in der ich heute Morgen war, ist nicht so ordentlich. Mein Rocksaum würde dich nicht interessieren, eigentlich nur das was drunter ist." Mit dem letzten Satz versuchte sie die Stimmung etwas zu erhellen.
Sie hatte seine ganze Aufmerksamkeit als sie ein Diktiergerät aus der Schürze holte und die Kassetten wechselte und auf Start drückte.
„Du erinnerst dich an unser Gespräch gestern?"
Sie lauschten den Worten von Gestern, seinen Ängsten wegen dem Auftrag und dann seine Bitte:
„Bitte Amanda, wenn ich mich nicht mehr benehme wie du mich kennst, hol mich hier raus. Ich will mich nicht verlieren" und wieder mehr flüsternd „Ich habe gerade wieder einen Sinn in meinem Leben gefunden, lass ihn mich nicht verlieren."

Lee blickte Amanda konzentriert an, als die Aufnahme endete. Er fuhr sich mit einer Hand durch die Haare. Nervös blickte er sich in der Umgebung um und trat dann näher an sie heran, wie als ob er ihre Nähe als Unterstützung brauchte. Sie hatte ihn die ganze Zeit genau beobachtet und fing dann seinen Blick ein. Ihre Augen verbanden sich und Lee hatte das Gefühl in ihren braunen ruhigen Augen zu versinken.
„Von deinen Augen habe ich heute Nacht geträumt." Flüsterte er. Mit einer Hand strich er ihr über die Wange und ließ sie an ihren Hinterkopf wandern. „In dem Traum habe ich das getan." Er küsste sie und Amanda reagierte sofort auf ihn. Sie hatte sich solche Sorgen um ihn gemacht und sich nach einem Kuss von ihm gesehnt. Als seine Zunge über ihre Lippen fuhr, öffnete sie sie ihm. Ihre Hände zogen ihn näher. Seine andere Hand lag auf ihrem Hintern und er presste sie an sich.
Schwer atmend brach Lee den Kuss und meinte dann grinsend:
„Und es interessiert mich wirklich, was unter dem Rock ist."
Beide kicherten, dann holte Lee tief Luft und meinte dann mit ernster Stimme:

„Also ist es bereits geschehen."
Er trat etwas von ihr weg und fuhr sich mit beiden Händen durch das Gesicht.
„Irgendwas ist heute Nacht mit mir gemacht worden. Ordentlicher zu sein ist ja OK…"
Bevor er den Satz beenden konnte unterbrach Amanda ihn: „Schon, aber nicht so pedantisch."
Er schaute sie entsetzt an und musste dann über ihr leichtes Grinsen und die hochgezogene Augenbraue grinsen. Den eigentümlichen Zwang, die Haarsträhne, die sich aus ihrer Frisur gelöst hatte, wieder ordentlich zu verknüpfen, unterdrückte er. Es fiel ihm schwer, aber der Zwang war nicht mehr so groß wie vor dem Kuss.
„Kannst du dich an etwas von heute Nacht erinnern?" fragte sie ihn.
Lee rieb sich nochmals die Augen:
„Ich bin heute Morgen müder als gestern Abend. Der Schlaf hat mich irgendwie erschöpft. Und dieser Traum ..." Er unterbrach sich und versuchte sich zu konzentrieren:
„Ein explodierendes Auto, ein Revolver, Augen, ein scharfer Hund, Augen, eine Guillotine, eine Ente, Augen."
„Wessen Augen? Und was für eine Ente?" Amanda dachte an das Stofftier in ihrem Auto.

„Ich weiß nicht wessen Augen. Sie kommen mir bekannt vor, ich kann sie aber nicht einsortieren. Und diese Ente. Eine Stoffente, gelb, großer Schnabel, wackelnde Beine und sie redet."

„Sie redet?", fragte Amanda erstaunt. Sie schaute ihn konzentriert an. „Diese Ente kann reden?"
„Du kennst sie?", fragt Lee irritiert.
Amanda erzählt nickend weiter: „Als ich heute Morgen bei die zu Hause war um den Kamm zu holen, da kam deine Nachbarin mit einem Paket für dich. Ich habe es entgegengenommen."

„Mrs. Lowell?" wurde Amanda von Lee unterbrochen.
„Ja, genau Lydia Lowell." Lee verdrehte genervt die Augen und Amanda musste über ihn lachen.
„Das macht sie gerne. Sie will immer genau wissen, was so im Haus passiert."
„Ja, das habe ich gemerkt. Und sie kann nicht verstehen, warum dich so viele Mädchen interessant finden. Und mich hat sie gefragt, ob ich eine einmalige Sache wäre.", feixte Amanda amüsiert.
„Was?", schnappte Lee. Das war ihm unangenehm. „Bitte Amanda. Lass diese Worte nicht zu dir kommen. Mein Leben hat sich geändert. Ich habe mich geändert."
Amanda legte ihm beruhigend eine Hand auf den Arm: „Du hattest mich gebeten, nicht auf den Klatsch zu hören und das tue ich."
„Danke." Lee schaute sie dankbar an.
„Aber der Klatsch kann ganz amüsant sein.", zog sie Lee grinsend auf.
Lee ging auf ihren leichten Ton ein und schüttelte gespielt entsetzt den Kopf. Er tat so als würde er es lustig finden, aber tief in seinem Herzen hoffte er, dass sie keinen falschen Eindruck von ihm bekommen würde. Dann lenkte er vom Thema ab:
„Du hast mein Paket geöffnet?" entrüstete er sich grinsend und zog eine Augenbraue hoch.
Amanda wurde ernst: „Ja, weil es angeblich vom Steno-Pool kommt und das konnte nicht sein. Der Kreis der Leute, die von dem Fall wissen, ist sehr klein. Und auf keinen Fall gehört der Steno-Pool dazu. Woher sollten sie also wissen, dass du länger weg bist. Daher habe ich das Paket mitgenommen, um es nachher in der Agentur untersuchen zu lassen."
„Und jetzt ist es in deinem Auto?"
Amanda nickte mit großen Augen bestätigend.
Lee blickte sich um, er wollte kontrollieren, ob sie beobachtet werden. „Wo steht dein Auto?"
„Nicht auf dem Krankenhausparkplatz, es soll hier niemand mein Auto sehen. In der nächsten Querstraße."
„Gut, dann lass und gehen."
„Was, du kannst das Krankenhaus nicht verlassen. Und schau dich an. Du trägst Schlafanzug und Morgenmantel."
Lee blickte an sich herab. „Naja, besser als nichts, oder?" versuchte er zu scherzen. Dann schaute er sie ernst an: „Amanda, das ist jetzt egal. Wenn das die Ente ist, an die ich mich erinnere, dann haben wir eine Spur. In mein Apartmenthaus darf nur, wer sich unten angemeldet hat. Somit kannst du feststellen, wer das Paket geliefert hat und dadurch kann die Agentur vielleicht den Absender ermitteln. Lass uns zu deinem Auto gehen. Schnell!"
Er schob sie mit einer Hand auf ihrem Rücken in Richtung einer kleinen Pforte in der Mauer um den Krankenhausgarten. „Da können wir raus. Ich hoffe, dass dein Auto nicht auf der anderen Seite des Krankenhausgeländes steht."
Amanda ergab sich seinem Drängen und ging eilig mit ihm: „Da hast du Glück, es ist ganz hier in der Nähe."
„Gut."

An der Pforte angekommen, hielt Amanda Lee zurück. „Geht kein Alarm an, wenn wir sie verwenden? Sonst könnte ja hier jeder rein und raus spazieren."
Lee grinste sie geheimnisvoll an. „Wir sind nicht jeder." Mit diesen Worten gab er an einem verborgenen Display ein Code ein und konnte dann die Tür öffnen.
Bei Amandas Auto angekommen, öffnete sie den Kofferraum und nahm die Decke von dem Paket.
Lee blickte auf das Paket mit der großen Schleife und verzog angewidert das Gesicht.
„Eins steht fest, der Versender hat kein Geschmack. Das ist ja furchtbar kitschig."
Amanda kicherte verhalten und schaute ihn amüsiert an. „Nicht dein Geschmack?"
Er schüttelte den Kopf und erwiderte ihr Lächeln.

Nachdem er den Deckel abgehoben hatte, schaute er auf die gelbe Ente. Er erkannte sie sofort aus seinen Erinnerungsfetzen von der Nacht. Seine Hand stockte kurz vor der Ente. Ein ungutes, beklemmendes Gefühl machte sich in ihm breit und er wollte sie nicht anfassen. Amanda hatte ihn beobachtet und bemerkte sein stocken und seine beschleunigte Atmung. Sie legte ihm eine Hand auf den Arm: „Soll ich sie nehmen?"
Lee's Blick lag weiterhin auf der Ente, er zog aber seine Hand zurück und nickte.
Amanda griff nach der Ente und zog sie aus ihrer Verpackung. Sie schauten sich das Spielzeug genauer an und entdeckten eine Schnur.
„Wenn man daran zieht passiert etwas.", meinte Amanda „Wenn es ein normales Spielzeug wäre, würde ich erwarten, dass sie vielleicht quakt oder einen netten Satz sagt."
„Dann zieh mal.", sagte Lee beklommen. Seine Augen fixierten starr sie Ente und als Amanda an der Schnur zog hielt er die Luft an.
„Was für ein Typ! Du hast echtes Potenzial. Mach weiter so. Braver Junge! Erfolg kommt Schritt für Schritt.", krächzte die Ente.
Lee griff nach dem Steg im Kofferraum und schnappte nach Luft. Amanda ließ die Ente in das Paket fallen und griff nach seinem Arm, um ihm zu helfen, sich auf die Kante der Kofferraumlucke des Autos zu setzen.
Lee spürte, dass er etwas tun sollte, wusste aber nicht was. Er versuchte sich automatisch mit tiefen Luftzügen zu beruhigen. Nachdem er tief Luft geholt hatte, sagte er: „Ja, genau, das sagt sie, aber ich weiß nicht was ich damit anfangen soll."
„Keine Bedeutung?"
„Doch schon eine, dass ich was tun soll, nur ich weiß nicht was."
Dann schaute er sie verwundert an: „Ich spüre noch etwas. Ich bin total wütend auf Billy!"

„Amanda, verdammt, was haben die im Krankenhaus in der letzten Nacht mit mir gemacht." Er blickte sie mit großen Augen an, ein leichter Schweißfilm lag auf seinem Gesicht, er atmete flach mit offenem Mund. Er sah verloren aus und die gleiche Angst wie am Vortag schimmerte in seinen Augen. Amanda handelte rein aus dem Instinkt heraus, sie wollte ihn beschützen, ihn aus seiner Angst ziehen. Sie setzte sich neben ihn, legte beide Arme um ihn, ihre rechte Hand fuhr in seine Haare. Als sie deren Weichheit spürte, änderte sie ihr eigentliches Vorhaben, ihn einfach in die Arme zu nehmen. Sie presste leichte ihre Lippen auf seine und küsste ihn.
Lee durchzuckte es leicht, sein ganzes Wesen, seine Gedanken fokussierten sich auf die Frau, die ihn küsste. Er spürte ihre weichen Lippen auf den seinen und erwiderte die Zärtlichkeit. Ihre Zunge strich an seinen Lippen entlang und er kam ihr mit seiner entgegen. Beide Arme um sie legend vertiefte er den Kuss. Beide verloren sich in den Kuss, vergaßen wo sie waren.

Unbemerkt von Amanda und Lee wurden sie aus einer Limousine mit getönten Fenstern beobachtet. Der ältere Herr zwirbelte leicht amüsiert die rechte Seite seines Schnurrbarts. Ein wohlwollendes Lächeln lag auf seinen Lippen. Dann klopfte er gegen die Scheibe zu seinem Fahrer. Der Wagen fuhr langsam an dem Pärchen vorbei und beschleunigte unmittelbar danach.

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In ihrer Mittagspause fuhr Amanda in die Agentur, um dort die „Ente" abzugeben. Lee verbrachte die Zeit im Krankenhaus mit Guthrie zusammen, so dass keiner von ihnen alleine angetroffen werden konnte.

Als Amanda durch den Bullpen zu Billy's Büro ging, erregte sie große Aufmerksamkeit, wegen der großen kitschigen Kiste die sie in Händen hatte. Billy winkte sie sofort in sein Büro, obwohl er noch Besuch hatte. Amandas Eintreten sollte Alec Belmont dazu bewegen, endlich zu gehen.
Billy: „Hallo Amanda."
Amanda: „Hallo, Sir."
Billy: „Ähm, Amanda, das ist Alec Belmont aus unserer Abteilung für innere Angelegenheiten."
Alec stand auf und reichte Amanda die Hand.
Amanda: „Wie geht es ihnen?"
Alec: „Schön sie kennenzulernen."
Amanda lächelte und wand sich dann mit ernsten Blick an Billy.
Amanda: „Sir, es ist etwas passiert im Krankenhaus. Ich müsste sie dringend sprechen."
Sie ging zu dem Sofa und stellt die Kiste auf den Beistelltisch und wand sich dann wieder an die anwesenden Personen und schaute dabei demonstrativ auf ihre Armbanduhr, um Billy zu signalisieren, dass es eilte.
Billy: „Ja, Dr. Glaser hat angerufen, er meint, dass Lee auch unter Stress leidet."
Amanda runzelte die Stirn und blickte auf Mr. Belmont: „Bin ich nicht der Meinung."
Francine betrat das Büro, sie war am Telefonieren gewesen als Amanda eintraf. Sie sah Alec Belmont irritiert an, sie war davon ausgegangen, dass er bereits gegangen war. Ihr Blick traf sich mit Billy's. Er zuckte nur mit den Schultern, stand auf und wollte Alec freundlich aus seinem Büro bewegen.
Alec stand zwar auch auf, forderte Amanda dann aber noch auf:
„Äh, fahren Sie mit Ihrem Bericht fort, Mrs. King."
Sie warf Billy einen fragenden Blick zu. Er nickte vorsichtig. Sie beschloss eine Kleinigkeit zu erzählen: „Ja, Sir. Nun, es begann mit dem Kamm, bei dem die beiden Zähne fehlten und dann ging es um einen ungeraden Saum."
Allen Zuhörern fehlten die Zusammenhänge, aber Billy realisierte, dass sie wohl dringend ohne Alec reden mussten.
Alec: „Verzeihung, Mrs. King. Was ist mit Stetson?"
Amanda: „Lees Verhalten, Sir. Sie sehen, er hat extrem detaillierte Listen erstellt. Er ist sich der kleinsten Details bewusst geworden. Er ist ordentlich, schnell und organisiert."
Auf dem Weg zur Tür meinte Alec: „Das ist doch hervorragend. Ordentlichkeit und Präzision werden von allen unseren Agenten erwartet."
Francine schloss die Tür hinter ihm und Amanda wand sich grinsend an Billy:
„Kennt er Lee?"
Billy und Francine kicherten.

Amanda holte tief Luft:
„Sie können sehen, warum ich mir Sorgen mache. Lee verhielt sich untypisch. Wir haben darüber geredet."
Billy nickte ihr zu: „Ja, ich kann verstehen warum sie sich Sorgen machen. Das ist nicht Lee. Ist es Lee aufgefallen, als sie mit ihm darüber redeten?"
„Ja, Sir. Als ich gegangen bin, war wieder soweit alles in Ordnung. Aber Lee ist letzte Nacht aus seinem Zimmer verschwunden. Guthrie war das aufgefallen. Er war noch mal zu Lee rüber gegangen. Guthrie wollte mit ihm noch reden, da war er aber mit Krankenbett verschwunden. Guthrie hat die Vermutung, dass die ganze Abteilung abends mit Schlafmitteln ruhig gestellt wurde." Sie fischte seine Tablette aus ihrer Schürze: „Guthrie hat seine nicht genommen. Hier die müsste untersucht werden. Er hat beobachtet, dass man Lee die Tablette im Wasser aufgelöst gegeben hat, nachdem er sich geweigert hatte sie zu nehmen."
Billy griff zum Telefon um Dr. Kelford aufzufordern, in sein Büro zu kommen. Als Dr. Kelford kam, unterrichtete Billy ihn über ihre Vermutung. Dieser eilte dann schnell in das Labor, um die Zusammensetzung der Tablette zu analysieren. Sie wussten, dass das seine Zeit brauchte.

„Gut, Amanda. Aber was ist in dieser Kiste?" fragte nun Francine aufgebracht. Sie war ja eigentlich nur wegen dieser ins Büro gekommen.
Amanda schaute sich lächelnd zu der Kiste um und während sie zum Sofa ging und Francine und Billy ihr folgten:
„Diese Kiste wurde an Lee zu Hause geliefert. Ich habe sie an mich genommen, als ich heute Morgen noch etwas für ihn aus seiner Wohnung holte. Angeblich kommt das Paket von den Damen des Steno-Pools aber woher sollten diese wissen, dass Lee länger weg ist. Ich habe die Kiste aufgemacht und es ist eine eigentümliche Spielzeugente darin."
Sie hob sie aus der Kiste und erntete verwunderte Blicke von Billy und Francine.
„Ich habe Lee davon erzählt, da er erzählte, dass er sich an eine Ente erinnerte, die irgendwie ihm in der Nacht im Traum oder so vorkam. Wir haben sie uns gemeinsam angesehen und als Lee erwähnte, dass die Ente reden könnte.."
Amanda unterbrach sich und zog einfach an der Schnur:
„Was für ein Typ! Du hast echtes Potenzial. Mach weiter so. Braver Junge! Erfolg kommt Schritt für Schritt."
Billy und Francine schauten sich irritiert an.
„Das hat mit der Manipulation im Krankenhaus zu tun. Als Lee dies hörte, wurde ihm schwindelig und er wurde wütend auf sie, Sir." Sie blickte Billy an.
„Lee meinte, er würde spüren, dass er irgendwas tun sollte, nur er wüsste nicht was."
Billy setzte sich erschüttert auf das Sofa.
„Er war wütend auf mich?" Billy fuhr sich mit einer Hand über sein Gesicht. „Bin wirklich ich das Ziel dieser ganzen Anschläge!" stellte er dann nur fest.
„Sieht ganz danach aus, Billy" stimmte Francine ihm zu.
„Lee und ich haben den Vorschlag," redete Amanda weiter „dass diese Ente Walt Kimball gezeigt und vielleicht auch vorgespielt wird."
Billy nickte zustimmend.
„Und außerdem meint Lee, dass man zurückverfolgen sollte, wo das Paket her kam. Bei ihm in seinem Wohngebäude kommt niemand unangemeldet am Pförtner vorbei. Der müsste sagen können, von wem das Paket geliefert worden ist."
„Ja, da hat er recht." Billy hatte sich wieder gefasst und stand voller Tatendrang auf. „Francine, sie kümmern sich um den Zusteller des Pakets und Amanda, wir beide gehen zu Walt."

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Im Krankenhausflügel der geheimen Zentrale begegneten Amanda und Billy als erstes Dr. Kelford auf dem Gang.
„Billy, ich bin zwar schnell, aber so schnell nun auch wieder nicht. Ich habe die Tablette noch nicht fertig analysiert, die Tests laufen noch."
„Deswegen sind wir nicht hier." Meinte Billy und hielt die Spielzeugente hoch. „Diese Ente hat was mit der Manipulation zu tun. Wir wollen sie Walt zeigen. Gerd, komm du besser mit. Lee hat bereits nach einer Behandlung auf sie reagiert. Wer weiß, wie Walt handelt."
„Sir, sollten sie dann überhaupt mit ins Zimmer gehen?" wand Amanda ein.
„Da ich offensichtlich das Ziel bin, werde ich wohl gebraucht, um es genau zu wissen." Tat Billy ihren Einwand ab.

Als die Drei das Krankenzimmer von Walt Kimball betraten, saß dieser am Tisch und seine Ehefrau leistete ihm Gesellschaft.
Walt schaut Billy an und schnappt erschrocken nach Luft.
Billy wendete sich erst freundlich an Walts Ehefrau „Hallo Janet." Dann sprach er Walt an: „Hallo Walt. Wie geht es dir?"
Die freundlichen Worte erreichen Walt Kimball, er spürt aber wieder diese Wut auf den Mann, der nun vor ihm steht, in seiner Brust aufsteigen.
Er muss seine ganze Willenskraft aufbringen, um dagegen anzukommen. Er schüttelt den Kopf und presst dann hervor: „Ich weiß nicht Billy wie es mir geht. Bis eben noch so wie immer, aber jetzt bin ich aufgebracht und würde mich am liebsten auf dich stürzen."
Janet legt ihm beruhigend ihre Hände auf den Arm. „Walt, darüber haben wir eben gesprochen. Billy ist ein sehr netter Mensch."
„Janet, es ist gut." Unterbrach Billy sie.
„Wir sind in unserer Untersuchung so weit, dass ich das Ziel war. Von Walt und von zwei ähnlichen Anschlägen in den letzten Monaten." Billy seufzte.
„Und jetzt haben wir Guthrie und Stetson im Galilee General Hospital und mit Stetson wurde auch bereits eine entsprechende Behandlung durchgeführt. Nur wir haben keine Beweise und wissen nicht von wem."
„Billy!" rief Walt aufgebracht. „Hol die beiden da raus. Seit ich dort war, ging es mir komisch." Dann sah er Amanda an, die die Ente im Arm hatte.
„Lester Duck." Walt starrte auf die Ente, Schweiß bildete sich auf seiner Stirn, er atmete schwer. „Nimm sie weg, nimm die Ente weg. Und lass sie nicht reden."
Amanda reagierte, indem sie die Ente hinter ihrem Rücken versteckte.
Billy nickte ihr zustimmend zu.
„Walt, was ist mit der Ente?" fragte Dr. Kelford.
„Das kann ich dir nicht so genau sagen. Sie heißt Lester Duck und sie redet. Und wenn sie redet, dann garantiere ich für nichts. Sie macht mich nervös, aggressiv. Wenn ich sie sehe, wird meine Wut größer."
„Walt, ich wüsste gerne, was du tust, wenn sie redet." Warf Dr. Kelford ein. „Ich denke, dann kann ich dir helfen, dass du wieder gesund wirst und diensttauglich."
Janets Handdruck auf seinem Arm verstärkte sich. Walt schaute nachdenklich den Arzt an. Dann wanderte sein Blick zu Billy und blieb am Ende auf Amanda hängen.
„Sie stehen hier völlig ruhig, dabei hätte ich sie doch beinahe erschossen. Das waren sie doch, oder?"
Amanda nickte: „Ja, das war ich."
„Ja, das sind sie. Sie sind die falschen braunen Augen. Mir wurden immer wieder braune Augen gezeigt. Ich erinnere mich genau an sie. Es sind Billys Augen." Walt holte tief Luft. „Gut, lasst die Ente sprechen. Aber ich garantiere für nichts."
Ängstlich wand er sich wieder an Amanda: „Sie haben keine Angst vor mir?"
„Nein, sie sollten Mr. Melrose erschießen. Jetzt haben sie keine Waffe."
Vier Augenpaare blickten Amanda mit Interesse an.
Sie hatte die Ente wieder im Arm und zog dann an der Schnur, nachdem Dr. Kelford sich neben Walt gestellt hatte und ihr zugenickt hatte.
Wieder erklangen die krächzenden Worte der Ente.

Walt reagierte aber anders als erwartet. Er stürzte sich nicht auf Billy. Er bekam einen starren Blick, wie als ob er hypnotisiert wäre, schaute kurz auf Billy, dann auf die Uhr an der Wand. Danach bückte er sich und wollte seine Waffe aus der Wadenhalterung nehmen. Nur hatte er ja keine an und auch keine Waffe. Irritiert blickte er auf seine leere Hand. Sein starrer Blick verwandelte sich in einen panischen, er atmete schwer. Er schien in starker Bedrängnis zu sein. Sein Blick wanderte wieder zu der Uhr und dann auf Billy. Er machte einen Schritt nach vorne, wie als ob er sich auf Billy stürzen wollte. Er wurde aber von Dr. Kelford und seiner Frau Janet zurückgehalten.
Janet rief erschrocken: „Walt, nicht."'
Er stockte und Dr. Kelford sagte: „Mrs. King. Lester Duck soll noch mal reden."
Im nächsten Moment hörte man wieder die Worte der Spielzeugente in dem Krankenzimmer. Walt verharrte, schüttelte dann seinen Kopf und ließ sich erschöpft auf den nächsten Stuhl fallen. Keiner wagte etwas zu sagen.
Nach kurzer Zeit hob Walt den Kopf und meinte: „Ich will sie nie wieder hören. Sie will, dass ich Billy erschieße, aber ich kann das nicht. Ich habe schon im Bullpen dagegen angekämpft. Es ist nicht richtig. Ich mag dich Billy und ich wüsste nicht, warum ich dich umbringen sollte. Aber es ist ein Art Zwang, von dem man erst erlöst wird, wenn man seine Aufgabe erfüllt hat."
Dr. Kelford schaute Walt aufrichtig an: „Es ist eine Hypnose. Walt, das bekommen wir wieder hin."
„Sir," wendet Amanda sich an Billy „Meine Mittagspause ist bald um. Ich muss ins Krankenhaus zurück. Bitte, Sir, können nicht Lee und Noah raus aus dem Krankenhaus. Es wäre furchtbar, wenn einer von beiden auch den Auftrag hätte, sie umzubringen."
„Billy, keiner von beiden ist eigentlich für so einen Auftrag geeignet. Beide sind aufgrund ihrer Lebenssituation anfällig für solche Manipulationen." wand Dr. Gerd Kelford ein.
„Wie meinst du das Gerd?" fragte Billy verwundert.
„Naja, beide sind nicht innerlich stabil, keine Stabile Familiensituation oder ähnliches. Noah ist seit drei Jahren geschieden und Lee hat Jason verloren."
„Um Lee müssen wir uns keine Gedanken machen, er ist stabil." Unterbricht eine Stimme von der Tür des Krankenzimmers. Alle wenden sich der Stimme zu.

Ein Mann, Billys Statur, etwas älter, mit grauen Haaren und einem ebenso grauen Schnurrbart blickt freundlich auf die anwesenden Menschen.
„Harry, was führt dich zu uns? Und woher weißt du, dass Lee stabil ist?" Fragt Billy als erster mit einem freudigen Lachen im Gesicht.
„Ich habe Lee erst heute gesehen, er ist sehr gefestigt." Harry Thornton lächelte hintergründig. „Ich bin hier, wie ich den ersten Bericht zu diesem Fall gelesen habe. Es hat mich sehr interessiert. Und noch mehr, da ich hier zum dritten Mal einen Namen las, zu dem mir noch das Gesicht fehlt." Seine freundlichen Augen hafteten sich auf Amanda.
„Ich glaube, ich habe das Gesicht zu dem Namen gefunden. Mrs. Amanda King?"
„Ja, Sir." Amanda nickte und schaute ihn fragend an.
„Amanda, das ist Harry Thornton."
„Mrs. King, wir müssen uns näher kennenlernen. Aber dazu ist Zeit, wenn wir den Fall abgeschlossen haben. Vielleicht können sie und Lee zu einem Abendessen bei mir vorbeischauen." Er klang freundlich, aber sehr bestimmt, so dass Amanda nicht wagte ihm zu widersprechen.
Dann schaute Harry Billy an: „Offensichtlich hat niemand damit gerechnet, dass irgendwer das gelieferte Paket an Stetson als falsch ansah. Ms. Desmond hat bereits den Absender. Sie wartet auf dich und Mrs. King."
„OK, danke." Billy wand sich noch schnell an Walt: „Bis später. Wir sorgen jetzt erstmal dafür, dass wir wissen, wer dir das angetan hat." Mit diesen Worten verließ Billy das Krankenzimmer und Amanda folgte ihm nach einem freundlichen Nicken an die Anwesenden. Zu gerne hätte sie gewusst, was für eine Funktion dieser Mr. Thornton hat, aber man ließ ihr keine Gelegenheit zum Nachfragen.
Harry Thornton schaute ihr noch hinterher, zwirbelte dabei die rechte Seite seines Schnurrbartes. Dann wand er sich für ein aufmunterndes Gespräch an Walt.

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Billy eilte mit raschen Schritten in den Bullpen zurück. Amanda folgte ihm auf dem Fuß. Kaum, dass er den Bullpen betrat: „Francine, wer hat das Paket geschickt?"
„Ich dachte erst, es wäre jetzt klar. Das Paket wurde von einer Kathrin Paulus geschickt. Sie wurde vor 4 Monaten entlassen. Sie war Schwester im Galilee General Hospital. Nur sie ist vor zwei Wochen bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Ich werde zu ihrer Wohnung fahren. Sie ist noch nicht aufgelöst und mich da umsehen. Hier habe ich noch die Adressen von ihrer Schwester. Sie wohnt in Washington D.C. Vielleicht könnte Kollege Brown dahinfahren."
„Ja, lassen sie sie herbringen." Gab Billy in Auftrag.
„Ich fahre jetzt erst mal ins Krankenhaus zurück." Brachte sich Amanda ein. Es wurde langsam Zeit.
„Moment." Hilft Billy sie zurück. „Rufen sie im Krankenhaus an, dass sie aus privaten Gründen später kommen. Lassen sie sich irgendwas einfallen. Ich gehe davon aus, dass Lee in der kommenden Nacht wieder geholt wird für eine Behandlung. Dann müssen sie dort sein. Wir haben niemand anderen dafür."
Dann wand sich Billy an Francine: „Brown soll die Schwester holen, Porter soll sich die Wohnung ansehen. Desmond, bitte einen Agenten Crashkurs für Mrs. King. Soviel Input wie nur geht."
Francine lachte gestresst auf und wand sich an Amanda: „Na dann. Sie sind wohl diesmal unsere Geheimwaffe. Dann sollten wir zusehen, dass sie das auch hinbekommen. Hier geht es nicht um Teller spülen."
Amanda starrte Billy und Francine nur groß an, auf was hatte sie sich hier eingelassen.
Sie hörte in ihren Gedanken die Bitte von Lee vom Vormittag des letzten Tages: „Bitte Amanda, wenn ich mich nicht mehr benehme wie du mich kennst, hol mich hier raus. Ich will mich nicht verlieren. Ich habe gerade wieder einen Sinn in meinem Leben gefunden, lass ihn mich nicht verlieren."
Sie musste in der Nacht in das Krankenhaus. Jede weitere Behandlung von Lee durch diese Ärzte wollte sie verhindern. Was ihnen noch immer fehlte waren Beweise gegen die Ärzte. Sie hatten nur Vermutungen und den Verdacht.

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Nach ihrer recht langen Mittagspause kam Amanda mit einem überfüllten Kopf und einem überforderten, gestressten Gefühl im Krankenhaus an. Francine hatte sie mit Agenturvorschriften, Verhaltensregeln, Überwachungsvorschriften und -vorschlägen vollgestopft. Ihr rauchte regelrecht der Kopf. Aber sie hatte nun eine gute Vorstellung davon, wie sie das in der Nacht machen würde.

Sie ging erst zu Noah Guthrie, um ihn auf einen Besuch von Francine am Nachmittag vorzubereiten. Auch konnte sie ihm bestätigen, dass die Tablette ein Schlafmittel war. Dr. Kelford hatte aber gemeint, dass da noch etwas drin wäre, was er noch genauer untersuchen musste.
Guthrie empfing sie sehr aufgeregt: „Bluebell, gut das du da bist. Die haben Lee vor fünf Minuten geholt. Ich konnte ihnen mit dem Gips nicht folgen. Es war Dr. Chrysler. Er hat den alten Aufzug da hinten am Ende vom Gang verwendet. Er fuhr ganz runter in den Keller. Wir müssen die Agentur informieren."
Amanda starrt ihn erschrocken an. Nein, nein, keine weitere Behandlung. Das musste sie verhindern.
„Ja, ruf in der Zentrale an und schlag Alarm, die bereiten sich eh für einen Nachteinsatz hier im Krankenhaus vor." Sie hastete den Gang entlang zur Treppe.
„Halt Amanda, was denkst du was du gerade machst?"
„Ich rette Lee."
„Was hast du vor?"
Amanda stockte kurz, drehte sich zu ihm um: „Keine Ahnung. Mir wird schon was einfallen. Ich weiß nur eins, Lee soll eine solche Gedankenmanipulation nicht noch mal gemacht bekommen. Das lasse ich nicht zu."
„Gut. Du musst nur wissen, Lee war betäubt. Er wird dir vermutlich nicht helfen können." Rief er ihr noch hinterher.

Die Treppe befand sich rechts und links um den Aufzugschacht. Amanda konnte auf dem Weg nach untern die Aufzugkabel sehen, die sich nur hin und her bewegten. Der Aufzug befand sich unten im Keller.
Bei ihrem geplanten Nachteinsatz wäre sie Verkabelt worden. Sie wünschte, das wäre jetzt schon der Fall, dann hätte sie durchgeben können, wo sie sich befand und es wäre Verstärkung gekommen. Ohne einen Plan ging sie auf leisen Sohlen die Treppe hinunter. Was würde sie unten erwarten?

Die Aufzugkabine stand wirklich im Keller. Amanda blickte sich am Ende der Treppe um. Sie war gestern mit einer Schwester hier unten gewesen. Man hatte ihr die Wäscherei gezeigt. Dort wurden auch die Handtücher für die Stationen aufbewahrt. Die Tür zur Wäscherei stand offen und Dampf war im Gang. Sie erinnerte sich, dass Lee etwas von Dampf erzählt hatte und ging in diese Richtung. Da sie gestern aus der anderen Richtung gekommen war, kannte sie den Gang hinter der Waschküche nicht. Wenn es einen Ort gab, in welchem geheime Versuche gemacht werden könnten, dann in dem hinteren Bereich, in den kaum jemand ging. Dort sah sie eine blaue Tür. Sie war gekennzeichnet mit Labor Dr. Glaser und einem großen Schild „Betreten verboten" Die Tür war nicht ganz zu. Sie hörte Stimmen aus dem Raum.

Chrysler: „Ich habe alle unsere Notizen überprüft, Sir. Und ich glaube, ich weiß wo unser Experiment bisher immer Falsch gelaufen ist. Es sollte nicht wieder vorkommen."
Glaser: „Besser nicht. Wir haben es offensichtlich auch nicht geschafft, Kimballs
Unterbewusstsein tief genug zu durchdringen. Er brach zusammen, bevor er seine Mission vollbrachte."
Chrysler: „Und jetzt haben Sie Mr. Stetson, der es für Sie erledigt."
Glaser lachte auf: „Ja, darin liegt eine gewisse leckere Ironie. Wir würden viel weiter sein, Ogden, wenn Stetson mein Agenturprojekt nicht beendet hätte. Stetson, zusammen mit Billy Melrose und Walt Kimball."

In Glaser's Labor hatten sie Ärzte Lee ein seltsames Gerät mit Elektroden auf dem Kopf gesetzt. Die Ärzte zeigten ihm wieder den Film. Lee starrte es an und blinzelte. Inzwischen betrieb Glaser die Maschine, während Chrysler neben ihm stand.
Chrysler: „Wenn diese nächsten zwei Experimente erfolgreich sind, Dr. Glaser, haben Sie den absoluten Beweis für ihrer Theorie. Sie können Ihren Artikel veröffentlichen."
Glaser: „Ich fürchte, was wir mit Mr. Stetson vorhaben, ist für eine Veröffentlichung nicht geeignet, Ogden. Ich muss meine Technik auf akzeptablere Weise demonstrieren um die richtigen Daten zu sammeln."
Chrysler: „Aber sobald Sie es getan haben, werden Sie von der wissenschaftlichen Welt wieder hergestellt."
Dr. Glaser räusperte sich nur.
Chrysler: „Sie haben bewiesen, dass der bewusste Wille besiegt werden kann."
Glaser: „Aber genauso wichtig, Ogden, ist die private Zufriedenheit. Ich habe die Gewissheit, dass ich es erreicht habe, dass Lee Stetson seinen Chef Billy Melrose ermordet hat."
Er geht zu Lee und beobachtete ihn. Lee schaute sich immer noch den Film an. Im Moment war ein Bild von Billy zu sehen. Und dann kam Lester Duck:
„Was für ein Typ. Mach weiter so. Details sind wichtig. Erfolg kommt Schritt für Schritt."

„Aber eigentlich müssten wir mit Stetson schon weiter sein. Ich habe das Gefühl, dass er in einer Verfassung ist, als wäre dies gerade seine erste Sitzung." meinte Dr. Glaser nachdenklich.
„Ja, da muss ich ihnen recht geben." antwortete Dr. Chrysler zögernd. „Ich dachte, nur ich hätte dieses Gefühl."
„Was ist nur noch immer falsch an den Notizen? Wir sollten ihn mehr aus der Betäubung holen, dann ist sein Bewusstsein noch offener." gab Dr. Glaser eine Anweisung, der Dr. Chrysler sofort mit einer Spritze nachkam.

Bei den letzten Worten hatte die lauschende Amanda frohlockt. Wenn sie Lee weiter aus der Betäubung holen, könnte er ihr doch eine Hilfe sein. Sie hatte noch immer keinen Plan und wusste nicht, was sie jetzt machen sollte. Sie war alleine, hatte keine Waffe und es waren zwei Männer, die sie überwinden müsste. Sie blickte sich um, ob irgendwas da wäre, was sie als Waffe benutzen könnte. Ob Guthrie doch versuchen würde, ihr zu folgen? Der Gedanke war gerade auch nicht hilfreich, denn im Moment war sie alleine. Sie entfernte sich von der Tür, irgendwas suchend, was sie verwenden könnte, um sich zu verteidigen. Dabei stieß sie einen Besen um, der an der Wand gestanden hatte. Schnell lief sie zur Wäscherei und tat so, als hätte sie dort etwas zu tun.

Beide Ärzte stürmten aus dem Labor und sahen Amanda mit einem Stapel Handtücher aus der Wäscherei kommen.
„Was machen sie hier unten, sie haben Dienst auf der Station." meinte Dr. Chrysler.
„Ja, Sir, aber es hatte jemand vergessen Handtücher aufzufüllen." gab Amanda schlagfähig zurück.
„Das ist Quatsch. Die sind dann im Stationslager zu finden. Sie haben uns hier nachspioniert." Bevor Amanda reagieren konnte, hatte Dr. Glaser sie am Handgelenk gepackt und den Arm ihr auf den Rücken gedreht. Die Handtücher verteilten sich im Flur. Amanda wurde von den beiden Ärzten in das Labor gezogen.
„Lassen sie mich los, ich wollte nur Handtücher holen. Was soll ich hier spionieren, ist doch nur der Keller." Versuchte Amanda sich noch zu verteidigen.
Dann sah sie Lee. Er war mit beiden Armen an einem Stuhl festgeschnallt und auf seinem Kopf saß ein Gestell mit Elektroden. Vor ihm lief ein Film ab mit schnell wechselnden Bildern.

Amanda sah sich diese mit großen Augen an:
Ein explodierendes Auto, eine Hand mit einem Messer, eine Hand mit einem Revolver, Augen, noch ein explodierendes Auto, ein bellender scharfer Hund, Panzer, Augen, eine fallende Guillotine, eine Hand mit einem Revolver, Augen und dann fing alles wieder von vorne an. Die Augen waren die Augen von Mr. Melrose.
Und dann tauchte noch die Ente, Lester Duck auf: „Ich bin Lester Duck. Lass uns schauen und lernen."

Amanda riss sich von dem Film und dem Anblick von Lee los und versuchte in ihrer Rolle zu bleiben: „Was machen sie mit Mr. Stetson? Ist das eine besondere Therapie?"
„Hehe, Ja und du Bedside-Bluebell hast zu viel gesehen und gehört. Schlecht für dich." meinte Dr. Glaser und dann an seinen Assistenten gewandt: „Bind sie auf dem Stuhl fest."
Dr. Chrysler packte Amanda an beiden Armen und wollte sie zu dem anderen Stuhl zerren, der ebenfalls Armbinden hatte, wie der auf welchem Lee saß.
Amanda war nur nicht bereit sich so ohne weiteres geschlagen zu geben. Sie war die einzige Hoffnung für Lee und letztendlich für sich selbst. Der Gedanke, dass sie für ihre Söhne hier wieder rauskommen musste, gab ihr Stärke. Der Arzt hielt sie zwar sehr fest, aber sie wehrte sich dagegen, zu dem Stuhl gezogen zu werden. Sie trat nach seinen Füßen und versuchte ihm den Ellenbogen in den Magen zu stoßen:
„Lassen sie mich los." schrie sie, in der Hoffnung, dass sie im Flur von irgendjemand anderen gehört wurde. Immerhin war es ja mitten am Tag und nicht in der Nacht, hier konnten Mitarbeiter des Krankenhauses sehr wohl vorbeikommen.

Ihre angstvolle Stimme erreichte Lee. Durch die Spritze, die er bekommen hatte, mittlerweile wacher und durch Amandas Stimme aus dem Dunstkreis des Films gerissen, riss er an seinen Armfesseln. Die Angst in Amandas Stimme traf ihn und es war aus der Manipulation geschlüpft. Dr. Glaser wurde auf seinen Befreiungsversuch aufmerksam und eilte schnell zu ihm, um zu verhindern, dass er sich befreien konnte.
Lee wendete den Kopf von dem Film ab, konzentrierte sich darauf, seine Arme frei zu bekommen. Da die Ärzte ihn ja betäubt hatten, waren sie mit den Armbinden nicht so gewissenhaft gewesen. Bevor Dr. Glaser etwas unternehmen konnte, hatte Lee seine Hände frei. Lee war aber zu fixiert auf Amanda. Er lief an Dr. Glaser vorbei und versuchte zu ihr zu kommen. Das nutzte der Arzt und schlug ihm mit einem Tablet über den Hinterkopf. Lee ging in die Knie. Schwer nach Luft schnappend versuchte er seine Sinne zusammen zu bekommen. Er kämpfte gegen die Benommenheit, hervorgerufen durch die Medikamente und dem Schlag.

Dr. Chrysler ließ sich ablenken und Amanda nutzte dies. Sie trat dem Arzt noch mal kräftig auf den Fuß und landete endlich mit ihrem Ellenbogen in seinem Magen. Vor Schmerzen aufschreiend, versuchte er von ihr weg zu kommen und schleuderte sie von sich. Sie fiel gegen die Wand, schrie vor Schmerzen auf. Sie fiel auf den Boden, wo sie benommen liegen blieb.

Als nun Chrysler auf Lee zustürmte, richtete dieser sich auf. Amandas Schrei hatte Lee auf die Füße geholt. Die Frau, der er sein Herz geschenkt hatte, wurde verletzt, sie brauchte ihn. Er aktivierte die letzten Kraftreserven und rammte dem heran eilenden Doktor seinen Kopf in den Magen. Dieser stürzte Rückwärts gegen einen Tisch, den er mit sich riss und alles krachend am Boden landete. Dr. Chrysler schlug sehr hart mit dem Hinterkopf auf den Steinboden und blieb bewusstlos liegen.
Lee richtete sich atemlos zu seiner vollen Größe auf. Blickte auf den am Boden liegenden Arzt und dann zu Amanda.

In dem Moment schalte die Stimme von Lester Duck durch das geheime Labor:
„Was für ein Typ! Du hast echtes Potenzial. Mach weiter so. Braver Junge! Erfolg kommt Schritt für Schritt."
Dr. Glaser hoffte, dass er Lee unter Kontrolle bekommen könnte. Gegen den ausgebildeten Agenten sah er anders seine Felle davon schwimmen. „Mr. Stetson, sie sind von ihrer Arbeit gestresst, es ist ihnen alles zu viel. Der Verlust von Jason war zu viel für sie. Kommen sie, ich will ihnen helfen. Bei mir können sie sich fallen lassen. Bei mir brauchen sie kein Agent zu sein. Erholen sie sich erst wieder."
Lee hörte die Ente, runzelte die Stirn. Die Worte von Glaser beruhigten ihn irgendwie. Aber seine Augen ruhten noch immer auf Amanda, die auf dem Boden an der Wand lag. Sie rührte sich gerade und stemmte sich stöhnend auf. Mit weit aufgerissenen benommen Augen blickte sie auf Lee. Sie hatte die Stimme von Lester Duck gehört und die Worte von Dr. Glaser. Sie hoffte inständig, dass Lee nicht auf die Ente und den Arzt reagierte. Sie hatte die Situation mit Walt im Agenturkrankenhaus vor Augen, wie sehr diese Worte Walt beeinflusst hatten.

„Lee." Presste sie durch ihre trockenen Lippen. Lee schloss kurz die Augen und griff sich mit einer Hand an die Stirn.
Dr. Glaser: „Die Frau will nicht, dass du dich erholst. Sie will dich vernichten." Gleichzeitig ließ er nochmals Lester Duck reden:
„Was für ein Typ! Du hast echtes Potenzial. Mach weiter so. Braver Junge! Erfolg kommt Schritt für Schritt."
Amanda stemmte sich auf ihre Knie hoch und stand dann kurz danach auf wackligen Beinen an die Wand gelehnt. Weder Lee noch Dr. Glaser hatten sich in der Zeit gerührt. Es herrschte eine beklemmende Stille.
„Lee, du weißt dass das nicht stimmt." Brachte Amanda leise hervor. Ihr Oberkörper tat ihr von dem Aufprall an der Wand weh. Sie wusste nicht, ob Lee nun bei ihr war oder auf Glaser hörte. Ihre braunen Augen lagen hoffnungsvoll auf Lee. Lee hob den Blick und schaute ihr ins Gesicht. Ihre Augen verbanden sich. Er blinzelte ihr aufmunternd zu, machte gleichzeitig einen Schritt auf sie zu.
Dr. Glaser folgte ihm, kam etwas näher: „Ja Stetson, lass es nicht zu, dass sie deine Genesung unterbindet."
Im nächsten Moment schnellte Lee herum, schlug Dr. Glaser mit der Faust ins Gesicht. Es war nicht so effektiv wie sonst, aber es reichte aus, um den Mann in die Knie zu zwingen. Die Ente fiel zu Boden. Lee nahm Lester Duck in seine Hand und schmiss ihn quer durch den Raum gegen die Wand und schrie dabei:
„Halt deine Klappe, ich kann es nicht mehr hören!"

Lee griff halt suchend nach einem nahestehenden Tisch. Er hatte Kopfschmerzen und es war ihm etwas schwindelig.
Amanda trat zu ihm und legte ihm eine Hand auf den Oberarm.
„Ich bin voll da, Amanda. Keine Angst. Mir ist nur etwas schwummerig." In dem Moment regte sich Glaser. „Wir müssen ihn festbinden."
Amanda blickte sich schnell um und fand nur ein paar Drähte: „Geht das?" Lee nickte und griff danach. Er drehte Glaser grob auf den Bauch, und band ihm dann die Handgelenke mit den Drähten zusammen. Amanda tat das gleiche mit seinen Fußgelenken. Was ihr von Lee einen anerkennenden Blick einbrachte.
Mit einem Blick auf Chrysler, war Lee klar, dass von ihm nichts zu befürchten war. Er brauchte wohl eher dringend einen Arzt.

Lee setzte sich aufstöhnend auf einen noch heilen Stuhl und stütze seinen Kopf in seinen Händen ab. „Amanda, könntest du Verstärkung rufen? Die Agentur anrufen."
„Nicht nötig." In dem Moment betrat Noah mit schmerzverzerrtem Gesicht, schwitzend den Raum. „Ich habe schon in der Agentur angerufen. Sie müssten jeden Moment hier sein."
„Das ist gut. Ich hätte Lee ungern hier alleine gelassen." Amanda trat von hinten an Lee heran, legte ihre Arme über seine Schulter. Er richtete sich auf und legte mit geschlossenen Augen seinen Kopf an sie.
„Ich habe erst in der Zentrale Alarm gegeben," erklärte Guthrie „dann bin ich dir die Treppe runter gefolgt. Aber mit diesem Bein ging das nicht so schnell. Aber ihr habt die Sache ja auch ohne mich Griff gehabt."
Mit einem Grinsen ging er zur Tür, um den Flur zu beobachten, wenn ihre Leute eintrafen.

Kurz darauf kamen sie angeführt von Billy an. Er ließ Glaser festnehmen und rief für Chrysler einen Arzt. Er würde aber dafür sorgen, dass er nach der Erstversorgung ins Agenturkrankenhaus verlegt würde, damit sie ihn in Gewahrsam hatten.
Nachdem die Agenten alles im Griff hatten, trat Billy zu Noah. Dieser hatte sich an die Wand gelehnt und entlastete sein schmerzendes Bein.
„Sorry, Billy. Ich war einfach nicht schnell genug." Er deutete beschämt auf sein Bein.
Billy klopfte ihm beruhigend auf die Schulter.
„Alles gut, Noah. Du hast uns ja früh genug um Hilfe gerufen. Die Treppe vom dritten Stock bis in den Keller ist mit dem Bein auch eine enorme Herausforderung."
Noah dankte ihm mit einem schiefen Grinsen und wies dann mit einer Kopfbewegung zu Lee und Amanda:
„Amanda hat sich wohl gut gehalten. Jetzt muss sie wohl die Scarecrow erst mal wieder auf die Beine bekommen."
Billy folgte seinem Blick.
Lee hatte sich nicht von dem Stuhl erhoben. Er war dem Treiben um sich herum nur mit den Augen gefolgt. Er sah etwas benommen aus, was vermutlich von den Drogen kam, die ihm in Form des Schlafmittels oder sonst noch gegeben worden waren. Amanda legte ihm gerade ihre rechte Hand auf die Schulter. Er legte seine linke Hand auf ihre und hob nun den Kopf um sie anzusehen:
„Bring mich bitte hier raus. Raus aus dem Krankenhaus."
„Solltest du dich nicht erst von einem Agenturarzt untersuchen lassen. Wer weiß was du alles in deinem Blut hast."
„Da hat Mrs. King recht, Scarecrow." Mit diesen Worten trat Billy an die Beiden heran.
„Wie geht es dir im Moment?" fragte er dann mit ruhiger Stimme, der man seine Besorgnis anhören konnte.
„Kopfschmerzen, Schwindel und übel ist mir auch noch. Aber es ging alles schon mal schlechter. Wird OK sein, wenn ich endlich hier raus bin. Und Billy, so einen Auftrag übernehme ich nie wieder!"
Billy klopfte ihm mit einem aufmunternden Lächeln auf die Schulter.
„Werde es vermerken." Dann wanderte seine Aufmerksamkeit auf Amanda.
„Kann ich Lee in ihrer Obhut zurücklassen? Ich möchte draußen nach dem Rechten sehen und Kollegen ordern, die sich dieses Versuchslabor mal genauer ansehen. Außerdem werde ich Dr. Kelford zu euch schicken. Er wartet im Einsatzwagen."
„Nein, bin schon hier." Dr. Kelford betrat den Raum.
„Gerd, das ist gut. Bitte untersuche Lee. Ich möchte hauptsächlich wissen, was er alles im Blut hat." Damit verließ Billy Melrose das Labor und ging sich um das weitere Vorgehen kümmern.

Es strengte Lee an, den Worten zu folgen. Er war sehr müde und wollte nur aus dem Labor, weg aus dem Krankenhaus, an einen ruhigen Ort und am liebsten in die Arme von Amanda. Seinen verwirrten Geist bei ihr ausruhen. Er stand auf:
„Ich gehe nicht in unser Krankenhaus und hier bleibe ich auf keinen Fall."
Dr. Kelford, der wusste, wie sehr Lee Stetson Ärzte und Krankenhäuser mochte, grinste ihn nur fröhlich, herausfordernd an:
„Setz dich." Er schob Lee wieder auf den Stuhl. „Ich brauch etwas Blut von dir, deine Vitalwerte und dann kann dich Mrs. King nach Hause bringen."
Lee tat was ihm gesagt wurde, worüber man sich eigentlich Sorgen machen müsste, da dies für ihn ungewöhnlich war.
Während der Arzt an Lee arbeitete, ließ dieser alles über sich ergehen. Seit er wieder saß spürte er die bleierne Erschöpfung in seinem Körper. Er ließ seinen müden Kopf gegen Amandas Bauch sinken. Sie strich ihm beruhigend durch die Haare. Ihre Augen folgten dem Tun des Arztes ganz genau, was diesem nicht entging.
Als Dr. Kelford seine Tasche wieder zusammen packte sagte er zu ihr:
„Mrs. King, können sie bei ihm bleiben. Ich will ihn nicht ohne Aufsicht, bis ich weiß, was ihm gegeben wurde."
„Ja kann ich Dr. Kelford."
„Scarecrow!" sprach der Doktor Lee an. „Deine Werte gefallen mir nicht. Der Blutdruck ist viel zu niedrig und der Puls zu schnell."
Lee öffnete seine Augen und hob seinen Kopf. „Nach den letzten beiden Versuchen von Dr. Glaser habe ich längere Zeit geschlafen. Vielleicht hilft das."
Dr. Kelford nickte zustimmend. „Kann ich dich nicht doch davon überzeugen, ins Agenturkrankenhaus zu gehen?"
„Nein, mir wird es zu Hause besser gehen." Lee schluckte die aufkommende Panik herunter. Der Gedanke weiterhin in einem Krankenhaus zu sein, gab ihm das Gefühl davon rennen zu müssen, wenn seine Beine ihn nur ausreichend tragen würden.
„Lee." Amanda strich ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Es ist besser, wenn du unter ärztlicher Aufsicht bleibst. Bitte.", sie sprach leise, aber trotzdem mit dem nötigen Druck. Lee blickte zu ihr auf, seine Augen brauchten etwas, um sich auf sie zu konzentrieren, als er dann ihre tiefe Sorge um ihn in ihren Augen sehen konnte, schmolz sein Widerstand zusammen. Er wusste, dass sie und der Doktor recht hatten.
Er brach den Augenkontakt, schaute zu Dr. Kelford und dann auf seine Hände: „Gut, dann das Agenturkrankenhaus. Aber nur die Nacht."

Dr. Kelford hatte dem Austausch interessiert zugesehen. Er war sehr zufrieden, dass Scarecrow sich hat überzeugen lassen. Und er schwor sich, dieses Zweiergespann im Auge zu behalten. Das könnte in Zukunft interessant werden. Wie der sonst so harte und widerspenstige Lee Stetson bei dieser Frau nachgab, war sehr aufschlussreich.
„Das ist eine gute Entscheidung, Lee."
Dann schaute er Amanda an: „Können Sie ihn zum Krankenhaus fahren? Ich würde gerne Noah noch mitnehmen. Wir lassen keinen von uns heute hier in diesem Krankenhaus zurück."
„Ja, kann ich."
„Gut.", Gerd Kelford war erleichtert, „Ich helfe ihnen noch, ihn zu ihrem Auto zu bringen."
„Danke." Amanda lächelte ihm dankbar zu.