Montag, 17. Oktober 1983
Lee erwachte um die Mittagszeit in einem gemütlich eingerichteten Krankenzimmer des Agenturkrankenhauses. Nach den ersten Sekunden der Desorientierung, wusste er wo er war. Erleichtert nahm er zur Kenntnis, dass es nicht mehr die kahlen weißen Wände des Krankenhauses der letzten zwei Nächte waren. Er versuchte sich daran zu erinnern, wie er hierher gekommen war, blieb aber zum größten Teil leer in seinen Erinnerungen. Nur schemenhaft konnte er sich an Kleinigkeiten erinnern. Kelford hatte ihm in Amandas Auto geholfen. Amanda hatte ihn in ihrem Auto geweckt, ihn gestützt auf dem Weg zum Aufzug. Amanda, die ihm ins Bett half, ihn zudeckte. Nun huschte ein Grinsen über sein Gesicht. Sie hatte ihm einen Kuss auf die Stirn gegeben. Amanda…..
Hoffentlich ging es ihr gut. Er konnte sich daran erinnern, dass er sie am Boden hat liegen gesehen und sie hatte vor Schmerzen aufgeschrien. War sie hier? Er konnte sich an die Worte von Gerd erinnern: „Mrs. King, können sie bei ihm bleiben. Ich will ihn nicht ohne Aufsicht…"
Lee drehte seinen Kopf in Richtung Zimmertür und da sah er sie. Sie lag auf dem kleinen Sofa. Konnte nicht so besonders bequem sein, dachte er sich. Aber sie war da. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Schon verrückt, wie wichtig sie für ihn in den paar Tagen geworden war, seit er sie kennen gelernt hatte. Sie trug nicht mehr ihre Bedsite Bluebell Uniform. Sie war vermutlich zu Hause gewesen. Aber wohl nicht besonders lang, wenn sie so erschöpft war, dass sie auf dem Sofa schlief. Mit einem kurzen Blick auf die Uhr neben dem Bett, wusste Lee, dass es bereits nach Mittag war.
Er wollte gerade aufstehen, um nach Amanda zu sehen, als an der Tür geklopft wurde und Dr. Kelford mit Billy den Raum betraten.
Billy schaute seinen Agenten vorsichtig an. Er wollte wissen, wie er sich ihm gegenüber fühlte. Aber er ließ erst Dr. Kelford vorgehen und wand sich stattdessen zu dem Sofa, um nach Amanda King zu schauen.
Kelford sprach Lee mit einem Grinsen im Gesicht an: „Na, Scarecrow, endlich wieder unter den Lebenden. Du hast wirklich lange und tief geschlafen. War anstrengend im Krankenhaus gewesen?"
Lee lachte freudlos auf: „Du weißt, was ich von Krankenhäusern halte"
„Ja, aber du schaffst es, ihnen oft einen Besuch abzustatten."
„Ich wünschte, es wäre anders."
„Ich weiß, schieb mal den Ärmel hoch, wir müssen nochmal den Blutdruck und Puls messen."
Lee runzelte die Stirn über die „wir" Redewendung, tat aber was ihm geheißen wurde.
Inzwischen hatte Billy Amanda geweckt. Sie musste sich nach dem Schläfchen auf dem zu kleinen Sofa strecken. Lee schaute ihr liebevoll zu und musterte sie dabei. Ihm gefiel sehr, was er sah. Ihm entging der Seitenblick von dem Arzt. Genauso wie das folgende verstehende kurze Lächeln. Der Arzt nahm sich vor, die weitere Story der beiden wirklich aufmerksam zu folgen. Die Scarecrow, die sich offensichtlich verliebt hatte, das konnte Spaß machen.
Amanda und Billy traten zu dem Bett hinzu.
„Und Doktor?" fragte Billy.
„Blutdruck und Puls wieder OK." Dann schaute er Lee an: „Ich brauche aber noch mal Blut von dir. Ich möchte wissen, wie weit die Medikamente aus dir raus sind."
„Was war es denn alles?", wollte Lee wissen.
„Zum Glück nicht viel. Ein Schafmittel und ein bewusstseinserweiterndes Medikament, was unter anderem den Psilocybin-Pilz enthält. Genau müssen wir es noch überprüfen, aber wir haben genug Material aus dem Labor mitgenommen. Du brauchst auch keine Sorge zu haben, das Zeug macht nicht abhängig."
Amanda hat sich ans Fußende vom Bett gesetzt und schaut Lee beruhigt an. Ein kleines Lächeln auf den Lippen. Ihre Hand strich kurz über seine Wade, die von der Bettdecke bedeckt war. Lee erwiderte ihre beruhigende Tat mit einem zufriedenen Augenzwinkern.
„Das ist gut, Gerd. Das beruhigt mich wirklich. Können wir die Blutentnahme gleich machen und kann ich dann hier raus?"
Dr. Kelford nickt und meint dann: „Wenn Melrose zustimmt, von meiner Seite besteht kein Problem."
Alle Augen lagen auf Billy Melrose.
„Naja, Lee, wir brauchen noch deine Aussage, den Bericht kannst du dann morgen erstellen. Aber was mich noch brennend interessiert." Billy stockt kurz in seiner Rede und überlegt, wie er fragen soll:
„Wie fühlst du dich mir gegenüber? Bist du wütend, willst du auf mich los gehen." Er hob Lester Duck aus der Tasche, die er mit sich führte.
Lee grinste seinen Chef an: „Ja, ich bin wütend über dich. Weil du mich in diese Klinik geschickt hast, weil du mich das hast erleben lassen." Dann schaute er unbeeindruckt auf die Stoffente: „Mach sie an."
Billy tat wie ihm geheißen und die Stimme von Lester Duck schallte durch das leise Krankenzimmer.
Nun schauten alle auf Lee und dieser hatte sich auf die Worte der Ente konzentriert. Ein Unbehagen machte sich bei ihm bemerkbar, aber er spürte Amandas Hand wieder an seinem Unterschenkel. Sie hatte ihre Hand dort niedergelegt, kaum dass die Ente einen Ton von sich gab. Wie als ob sie diesen Kontakt brauchte. Und Lee brauchte ihn auf jeden Fall. Als die Ente still wurde, hätte man in dem Zimmer eine Nadel fallen hören können. Lee hatte sein Gefühlswesen auf Amandas Hand konzentriert, spürte dadurch eine Ruhe in sich, die keine Wut aufkommen lassen konnte.
Lee schaute wieder Billy an: „Hat sich nichts geändert. Und nur um es noch mal zu wiederholen. Für so einen Einsatz stehe ich nie wieder zur Verfügung."
Bei diesen Worten legte sich die Spannung augenblicklich. Ein erlösendes Lachen hallte im nächsten Moment durch den Raum.
XXXXX SMK XXXXX
Kurz danach wurde Lee alleine gelassen, um ihm Gelegenheit zu geben, sich in Ruhe anzuziehen. Er wurde in Billys Büro erwartet, um seine Aussage zu machen. Danach konnte er nach Hause. Amanda hatte sich bereit erklärt ihn zu fahren.
Nachdem er fertig angezogen war, stand er am Fenster und schaute hinaus. Seine Gedanken waren bei der Situation vorhin. Als Amanda sich nach dem Nickerchen streckte, das Bild von ihr, als sich ihre Brüste unter der Bluse dabei abzeichneten, ihr sich leicht windender Körper. Seine Fantasie gingen nun genauso wie vorhin ihren eigenen Weg. Er sah sie sich unter seinem Körper wollüstig winden, als er ihr seine Liebe auch zeigen wollte.
Er wurde durch ein Klopfen an der Tür aus seinen Träumen gerissen. Er war froh, dass er bereits sein Jackett angezogen hatte, so konnte er sich sicher sein, dass er die Reaktion seines Körpers auf seine Träume verstecken konnte.
Er schluckte, als das Objekt seiner Fantasien den Raum betrat. Er grinste sie an und gab ihr ein etwas atemloses: „Hi."
Amanda runzelte etwas die Stirn und fragte: „Bereit zum Gehen?"
„Ja, und so was von. Nur weg hier."
Er erntete durch seine Worte ein vergnügtes Lachen von ihr, in welches er vergnügt einfiel.
Amanda trat zu ihm und grinste noch immer: „Ich habe dir was mitgebracht. Eigentlich wollte ich es dir schon gestern im Krankenhaus geben, aber da warst du nach meiner Mittagspause nicht da."
„An mir lag es nicht, dass ich nicht da war." Erinnerte Lee sie.
„Was hast du mir mitgebracht?" fragte Lee grinsend.
„Ja, ich habe dir was mitgebracht, was gegen die Krankenhausregeln verstößt."
„Du hast mir was mitgebracht. Und bist dadurch zu einer Regelbrecherin geworden. Amanda King, du verwunderst mich."
„Ja, gegen viele wichtige Regeln." Sie grinste. Ihr war bewusst, dass er das Mitbringsel vermutlich ablehnen würde. So etwas schmeckte ihren Söhnen, aber vermutlich ihm nicht. Aber sie wollte ihn einfach ein wenig aufziehen.
„Nun, gib es mir. Ich will meine Belohnung, dass ich so brav die letzten Tage im Krankenhaus war." der Schalk blitzte in seinen Augen.
„Brav, naja. Da wären die Schwestern bestimmt anderer Meinung." Grinste Amanda und reichte ihm einen Schokoladenriegel.
„Was ist das?" Lee beäugte den Riegel skeptisch.
„Ein zäher Riegel mit viel Zucker und Nüssen beladen. Der Krankenhausernährungsberater hätte bestimmt etwas dagegen gehabt."
Lee nahm ihn ihr aus der Hand und runzelte grinsend seine Stirn: „Das ist deine Idee, die Regeln zu brechen?" mit einem breiteren Grinsen: „Da musst du noch viel von mir lernen."
„Ach ja? Was hättest du sonst erwartet?"
Lee tat so als, müsste er genau nachdenken und begann dann grinsend:
„Eine Flasche Scotch, einen Käsekuchen, äh, eine Frau!" bei den letzten Worten war er nur noch am Kichern.
„Was?" Amanda legte den Kopf schief und versuchte das Lachen zu unterdrücken, um was sagen zu können. Und bevor sie den Mut verlor, ging sie, ohne lange darüber nachzudenken, anders als Lee erwartet hatte, auf seine Herausforderung ein.
„Scotch habe ich nicht und auch keinen Käsekuchen," geschmeidig drang sie in seinen persönlichen Bereich ein. Mit der Linken griff sie auf seine Schulter, während sie ihre rechte Hand in seinen Haaren an seinem Hinterkopf vergrub und ihn etwas grob zu sich zog:
„aber ich bin eine Frau."
Sie drückte ihre Lippen auf seine. Ihre Zunge fuhr über seine Lippen, so dass er sie sofort unter dem Druck öffnete und seine Zunge zu einem liebevollen Duell zu ihrer schnellte. Sie hatte gemerkt, dass sie ihn überrascht hatte, aber sein Zögern war nur ein Hauch. Sie gaben sich ihren Gefühlen hin, ohne an Konsequenzen zu denken.
Sie fuhren auseinander, als es an der Tür klopfte. Und ohne lange auf ein Zeichen zu warten, trat Noah Guthrie in das Krankenzimmer. Sein amüsiertes Lächeln konnte er nicht unterdrücken, als er die beiden sah, die etwas atemlos ihre Kleider richteten.
„Seit froh, dass ich das bin." grinste er schief.
