Mit einem unangenehmen Gefühl in der Magengegend zog Harry das nächste Foto aus Andromedas blauer Box. Es zeigte Malfoy, wie er in einem Sessel in Andromedas Wohnzimmer saß und schlief. Sein Kopf war leicht zur Seite gedreht, die Gesichtszüge entspannt. Seine Atmung ging ruhig. Auf seinem Schoß saß Teddy. Die kurzen Arme waren um Malfoys Bauch geschlungen und der kleine Junge hatte sein Gesicht in der Brust des Mannes vergraben. Auch Teddy war offenbar irgendwo im Traumland verschwunden und sabberte das grüne Hemd voll an dem sein Gesicht lehnte. Malfoy hatte einen Arm um ihn geschlungen und verhinderte so, dass er zur Seite wegrutschte. Mit einem Blick auf die Rückseite, konnte Harry ein Datum in Andromedas Handschrift erkennen. Oktober. Also Anfang des Monats erst.
Seufzend ließ Harry das Bild nach unten auf seinen Schreibtisch fallen, zu den anderen Fotos, die er sich bereits angesehen hatte. Als er gestern nach Hause gegangen war, hatte er sich schlafen gelegt mit der Absicht den Fall zu ignorieren. Heute Morgen beim Aufstehen hatte er sich nicht mehr so sicher gefühlt und dann war da diese dämliche blaue Fotobox, die auf seinen Schreibtisch gestanden hatte. Zunächst hatte er noch versucht sich mit einer anderen Vermisstenmeldung zu beschäftigen. Nun war fast der gesamte Inhalt der Box durch seine Hände gewandert.
Er würde diesen Fall nicht ignorieren. Nicht nachdem er so viele Fotos gesehen hatte. Fotos auf denen Narcissa lachte, ihre Schwester umarmte, zusammen mit ihr kochte, sich um den Garten kümmerte, mit Teddy fangen spielte, ihm aus einem Buch vorlas oder Dreck aus dem Gesicht wischte.
Harry war vorher nie aufgefallen, wie schön Narcissa Malfoy tatsächlich war. Aber auf den Fotos, trotz der Falten, die sich langsam abzeichneten, trotz der weißen Strähnen, die ihr blondes Haar durchzogen, war sie eine wirklich bildschöne Frau. Mit einem Lachen auf dem Gesicht, sah sie aus als wäre sie gerade erst zwanzig. So verkniffen, wie sie immer dreingeblickt hatte, wenn Harry sie gesehen hatte, hatte er ernsthaft daran gezweifelt, dass sie die nötige Muskulatur besaß, um zu lachen.
Und dann waren da noch die Bilder von Malfoy selbst. Es waren nicht so viele, wie von seiner Mutter. Wahrscheinlich war er einfach nicht so häufig zu Besuch gewesen. Er lachte auch nicht. Doch es reichte, wenn er nur lächelte, und sofort sah Harry die Ähnlichkeit zwischen ihm und seiner Mutter. Er wirkte so sympathisch. Freundlich. Es war das erste Mal, dass Harry ihn überhaupt wirklich lächeln sah. Er war das überlegene Grinsen oder das abfällige Lachen gewohnt. Es war ein riesen Unterschied.
Schon fast genervt zog Harry das nächste Foto aus der Box. Es zeigte Narcissa und Draco Malfoy zusammen. Sie standen vor Andromedas Kamin. Narcissa trug ein langes schwarzes Kleid. Ihre Haare fielen in Kaskaden ihren Rücken herab. Sie lachte glücklich, winkte in die Kamera, dann drehte sie sich ihrem Sohn zu, zog sich etwas hoch zu ihm und drückte ihm einen Kuss auf die Wange, bevor sie ihren Kopf an seine Schulter legte und zurück in die Kamera schaute.
Malfoy lachte nicht. Aber er lächelte. Als Antwort auf ihren Kuss drückte er seine Lippen gegen ihre Schläfe. Er legte einen Arm um sie und zog sie an sich.
Harry konnte sehen, warum Malfoy so felsenfest überzeugt gewesen ist nicht zurückgelassen worden zu sein. Die Zuneigung, die Narcissa ihrem Sohn entgegenbrachte, war beinahe mit den Händen greifbar. Diese Frau hätte ihren Sohn niemals freiwillig verlassen!
Harry drehte das Bild um. August. Also vor etwa zwei Monaten.
Das nächste Bild zeigte Teddy, wie er zusammen mit Narcissa im Garten auf dem Boden saß und diese mit dem Zauberstab eine Lichtkugel über den Boden flitzen ließ. Hazel jagte dem Licht fieberhaft hinterher und versuchte es offenbar einzufangen. Teddy lachte. Juni.
Harry bekam Kopfschmerzen. Wie konnte er das nicht bemerkt haben?
Endgültig genervt griff er nach dem Fotostapel auf seinem Schreibtisch und warf die Bilder zurück in ihre Box. Er hatte es begriffen. Er verstand, warum Andromeda ihre Schwester wiederhaben wollte. Warum sie die beiden Malfoy anders wahrnahm als er das tat. Hatte sie recht? War er es, der die Situation falsch sah? Würden sie sich anders benehmen, wenn Edward nicht gestorben wäre? Würde Narcissa Zeit mit ihrer Schwester verbringen, wenn ihr muggelgeborener Ehemann noch da wäre?
Andererseits schien sie Teddy ja wirklich geradezu zu vergöttern. Und schließlich war er ja unweigerlich ein Produkt das ohne ihren Ehemann nie entstanden wäre. Also abgesehen davon, dass sein Vater ein Werwolf gewesen ist.
Als hätte die Fotobox ihn beleidigt, drückte Harry den Deckel wieder darauf und schob sie von sich weg. Er wusste nicht wie lange er sie mit seinem Todesblick angestarrt hatte, als es plötzlich an seiner Tür klopfte und ihn zusammenfahren ließ.
„Harry?" Ohne eine Antwort abzuwarten öffnete Hermine die Tür und trat ein. Es war offensichtlich, dass etwas nicht in Ordnung war. Sie wirkte vollkommen zerknirscht. Wortlos setzte sie sich auf den freien Stuhl vor dem Schreibtisch und mied seinen Blick.
„Ist etwas passiert?", wollte er schließlich wissen.
„Ich…", fing sie an. „Ron hat mir von deinem neuen Fall erzählt.", sagte sie dann. Rons Schicht fing erst am Nachmittag an, aber er stand in der Regel zusammen mit seiner Freundin auf, um mit ihr frühstücken zu können. Hatte er ihr erst heute früh davon erzählt? Würde sie ihn jetzt auch versuchen davon zu überzeugen sich nicht weiter mit diesem Fall zu beschäftigen? Denn nach diesen Bildern würde sie mit Sicherheit überhaupt keine Chance mehr haben das zu bewerkstelligen. Andererseits hatte Hermine sich in der Angelegenheit Malfoy sehr zurückgehalten. Während Ron ohne ein Tuch vor den Mund zu nehmen herumgewettert hatte, hatte sie sich kaum dazu geäußert. In letzter Zeit hatte sie eher einen genervten Eindruck gemacht, wenn das Thema aufgekommen war.
Harry sah, wie ihr Blick auf der blauen Fotobox hängen blieb. Ein kurzes Lächeln huschte über ihre Lippen. Dann wandte sie sich wieder ihm zu. „Ich denke, ich bin wahrscheinlich die Letzte, die Narcissa vor ihrem Verschwinden gesehen hat."
Baff starrte Harry seine Freundin an. „Was?", brachte er intelligenter Weise hervor.
„Ich habe mich für ein Abendpicknick mit ihr getroffen. Sie war vorher bei Andromeda.", sprudelte es plötzlich aus ihr heraus. „Wir waren bis…"
„Moment, Moment, Moment!" Harry hob seine Hände, um sie zum schweigen zu bringen. Etwas hilflos wirkend wurde sie leiser und verstummte schließlich komplett. „Seit wann, triffst du dich mit Narcissa Malfoy?", wollte er wissen. War das jetzt der neueste Trend? Erst Andromeda und nun Hermine? Wer kam als nächstes? Molly? Warum sollten sie sich überhaupt treffen? Zu einem Picknick auch noch! Und war Hermine nicht ziemlich alles, was Narcissa Malfoy verachtete?
„Es ging um Draco.", ergriff die junge Frau wieder das Wort. „Er weigert sich weiterhin…"
Draco?", hakte Harry ungläubig nach. „Hast du auch heimliche Picknickdates mit Draco?"
Hermine gab ein genervtes Geräusch von sich und warf Harry einen angesäuerten Blick zu. „Wenn du aufhören würdest mich zu unterbrechen, wären wir sicherlich schon um einiges weiter.", sagte sie und hob herausfordernd eine ihrer Augenbrauen an, verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück. Von ihrem anfänglichen Zögern war keine Spur mehr zu sehen.
„Du erwartest von mir, dass ich still dasitze und mich nicht darüber wundere, dass du offenbar mit der Todesser Familie Nummer eins deine Freizeit verbringst?", wollte Harry aufgebracht wissen. Waren plötzlich alle verrückt geworden? Und selbst wenn Hermine, aus welchen Gründen auch immer, sich Andromedas Meinung angeschlossen hatte – Moment! Steckten die beiden unter einer Decke? Das würde erklären, warum sie so gelächelt hatte, als sie die Fotobox gesehen hatte. Wieso wussten weder Harry noch Ron davon? Warum die Heimlichtuerei? Zumindest ging er davon aus, dass Ron nichts davon wusste. Oder hatte der etwa auch Picknickdates?
„Ich erwarte von dir, dass du den Mund hältst und mir zuhörst, bevor du mit wüsten Anschuldigungen um dich schmeißt.", verlangte sie in einem Tonfall, der deutlich machte, dass ihr Geduldsfaden bereits ziemlich straff gespannt war. Harry war nicht der Meinung, dass sie das Recht dazu hatte gerade die mit dem gestrafften Geduldsfaden zu sein.
„Okay!", eschauffierte Harry sich. „Wie du willst. Erklär es mir."
Mit einem warnenden Blick sah die Frau ihn noch einen Moment an, bevor sie wieder das Wort ergriff. „Ich habe euch von dem anonymen Unterstützer für BELFER erzählt.", fing sie völlig zusammenhanglos an. Harry konnte sich daran erinnern. Hermine hatte ihre damalige Aktion aus Hogwarts im Ministerium durchgesetzt, nachdem sie ihr siebtes Jahr in Hogwarts wiederholt hatte. Die Zauberergemeinschaft hatte eher wenig enthusiastisch darauf reagiert. Das Ministerium hatte ihr auch kaum Mittel zur Verfügung gestellt um darauf aufmerksam zu machen und Interessierte, Spenden oder Mitglieder waren eher rar gesät gewesen. Dann hatte jemand Unbekanntes plötzlich Unsummen angefangen in BELFER zu investieren. Ein Elf hatte sie irgendwo in der Winkelgasse abgefangen und eine Spende seines Herren übergeben. Das war kontinuierlich so weitergegangen. Er hatte nie Forderungen gestellt, nie seinen Namen genannt, nie auf Einladungen reagiert. Jegliche Kommunikation lief nur über diesen Elf. Den außer ihr nie jemand zu Gesicht bekommen hatte. Mit dem Geld, dass Hermine so erhalten hatte, war es ihr gelungen so viel Aufmerksamkeit zu bekommen, dass BELFER eine ernstzunehmende Bewegung geworden war mit der man es sich besser nicht verscherzte. Es hatte bereits Schlagzeilen im Propheten gegeben in denen von harten Strafen berichtet wurde, die über Zauberer und Hexen verhängt wurden, die sich nicht an die Gesetzte zur Regelung magischer Geschöpfe gehalten hatten.
„Wenn du mir jetzt erzählst, dass der anonyme Spender Narcissa war, muss ich dich leider auf einen Gedächtniszauber hin untersuchen.", kommentierte Harry nur.
„Nein. Es war nicht Narcissa.", winkte seine Freundin ab. „Es ist Draco."
„Okay." Harry zog seinen Zauberstab. „Du kennst die Routine."
„Ich bin nicht verzaubert, Harry.", erwiderte sie angesäuert, ließ ihn aber seinen Detektionszauber für verschiedene Flüche über sie sprechen.
„Du redest wirr.", antwortete er lediglich, während er ihr eine Phiole mit einem starken Gegengift hinhielt, das verschiedene Toxine beseitigen würde, die sich sehr gerne im Verstand festsetzen und Erinnerungen leichter manipulierbar machten.
Seufzend ergriff Hermine die Phiole und nahm kommentarlos einen Schluck daraus. Es passierte nichts und Harry konnte nichts finden, das auf eine Beeinflussung hindeutete.
„Zufrieden?", wollte sie schließlich wissen.
Schweigend sprach Harry noch ein paar weitere Sprüche und wiederholte einige andere. Nur um sicher zu sein.
„Wie auch immer." Hermine lehnte sich im Stuhl wieder zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. „Narcissa und ich haben uns in dem Wald getroffen, der bei Malfoy Manor liegt. Es gibt dort eine Lichtung, auf der wir zusammengesessen haben. Aber später sind wir zusammen zurückgelaufen und haben uns am Waldrand getrennt, als ich wieder wegapparieren konnte. Es muss gegen acht Uhr gewesen sein.", fuhr sie unbeirrt fort und störte sich nicht daran, dass ihr Freund weiterhin Gegen- und Analysezauber auf sie abfeuerte.
Missmutig steckte Harry seinen Zauberstab schließlich wieder ein. Er hörte ihr zu. Aber so richtig glauben wollte er es noch nicht. An welcher Stelle hatte er denn bitte was verpasst? Und wieso hatte ihm niemand etwas davon erzählt? Immerhin war es doch erwähnenswert, wenn seine beste Freundin und die Erziehungsberechtigte seines Patenkindes mit seinem Erzfeind plötzlich Kontakt pflegten!
„Harry?", fragte Hermine nach, als er eine Weile still war.
„Warum?", wollte er wissen. Als sie nur fragend ihre Augenbrauen zusammenzog, sprach er weiter. „Wieso erfahre ich jetzt erst davon? Ist dir nicht in den Sinn gekommen, das vielleicht mal bei einem Treffen zu erwähnen?"
„Ah, Harry, ich war doch zu Beginn selbst unsicher.", gab sie zu. „Ich habe nicht vergessen, was er getan hat."
„Warum ist er also nun Draco? Und warum triffst du dich mit seiner Mutter im Wald?"
„Er ist wirklich nicht mehr, wer er in der Schule war. Und Narcissa ist definitiv anders, als ich erwartet habe.", erklärte sie. „Ich habe ihn aufgesucht, als ich herausgefunden habe, wohin der Elf gehört, der immer die Spenden für BELFER brachte. Du erinnerst dich, es hatte angefangen kurz nachdem Lucius Malfoy verschwunden ist."
Nickend lehnte Harry sich nun auch in seinem Stuhl zurück. Damals hatten Ron, Neville und er gerade ihre halbe Ausbildung an der Aurorenakademie beendet und sind in den richtigen aktiven Dienst versetzt worden. Sie hatten ohnehin nur das Kurzprogramm dort erhalten und waren die ganze Zeit über bereits als Auroren aktiv gewesen bei kleineren Einsätzen.
„Es hat mich verrückt gemacht, nicht zu wissen, wer mir solche großzügigen Spenden zukommen ließ. Letztendlich erkannte ich aber ein Etikett an der Kleidung des Elfen, konnte so den Hersteller finden und habe ihm dann entlockt, wer die Kleidung in Auftrag gegeben hat. Ich bin genauso aus allen Wolken gefallen wie du.", erzählte Hermine weiter und Harry konnte etwas Stolz heraushören. „Ich wollte ihm sein Gold ins Gesicht zurückwerfen und ihn zum Teufel schicken."
„Bist du im Wald gelandet?", wollte Harry wissen. Ihm war bekannt, dass, auch wenn Hermine nicht so aussah, sie hatte eine bunte Ansammlung an Beleidigungen in ihrem Wortschatz, den sie sehr gut zu nutzen wusste.
„Nein.", grinste sie. „Das habe ich allerdings eher Draco zu verdanken. Wenn es nach Vert ginge, wäre ich spätestens nach dem Wort Frettchen verschwunden gewesen."
Jetzt musste auch Harry kurz grinsen. „Also?"
„Ich habe schließlich bemerkt, dass ich von dem gesamten Hauselfenstab umzingelt war. Ibby hat angefangen zu weinen und sich an Draco geklammert. Das hat dazu geführt, dass ich mir die Situation erst einmal angesehen habe." Sie fasste sich an die Stirn und schüttelte leicht den Kopf, als könnte sie nicht glauben, was sie da getan hatte. Währenddessen versuchte Harry sich an Ibby zu erinnern. Hatte er diesen Namen gehört? Nein. Der Name war nicht gefallen. Wahrscheinlich war das eines der Kinder gewesen. Zumindest würde die beschriebene Reaktion passen. Na ja, zumindest außer, dass es Malfoy war an den dieser Elf sich geklammert hatte. Und dass er ihn die ganze Zeit bereits auf dem Arm gehabt haben müsste. Was Hermine sicher aufgefallen wäre. Oder?
„Du weißt wie Kreacher zu Beginn war. Hauselfen sind zwangsläufig an die Befehle der Einwohner gebunden. Aber wirkliche Loyalität ist etwas, dass sie sich verdienen. Und Draco hatte das definitiv. Außerdem war es wirklich seltsam, dass Ibby einfach geduldet wurde, wie sie sich da an ihn krallte. Er hat sogar schützend einen Arm um sie gelegt. Für einen Moment dachte ich, ich bin im falschen Haus gelandet."
Zumindest diese Situation konnte Harry einigermaßen nachvollziehen. Es war wirklich sehr seltsam gewesen wie die Hauselfen sich benommen hatten. Und dass das geduldet worden war.
„Also habt ihr einfach beschlossen eine geheime Freundschaft abzuschließen?", hakte Harry nach.
„So einfach ist das nicht." Sie machte eine kurze Pause und ihre Augen wanderten wieder zu der blauen Fotobox. „Ich habe mit den Elfen gesprochen, mir die Situation angesehen. Er behandelt sie mit Respekt, wollte sie freilassen, sie für ihre Arbeit bezahlen und alles andere. Aber sie haben abgelehnt. Und als Tink mir dann von Ibby erzählt hat… ich weiß auch nicht, Harry. Es hat alles auf einmal keinen Sinn mehr gemacht. Andromeda scheint Recht zu haben mit ihrer Sicht. Er ist kein schlechter Mensch. Er hat Mist gebaut, aber seine Situation war wirklich nicht einfach."
„Du wusstes also auch davon schon vorher?"
„Natürlich! Jedes Mal, wenn Teddy Sasa oder Coco erwähnt hat, habe ich erwartet, dass auch einer von euch auf den Trichter kommt.", erwiderte sie schon fast vorwurfsvoll und warf Harry einen leicht tadelnden Blick zu, dass er die Verbindung nicht gesehen hatte. In diesem Moment, fühlte er sich auch unglaublich dämlich. Er hatte die beiden für Kinder aus Andromedas Bekanntenkreis gehalten. Sie traf sich dauernd mit anderen Leuten und ließ die Kinder zusammen spielen. Harry hatte sogar angesprochen Sasa und Coco zu Teddys Geburtstag im April einzuladen, da sein Patenkind offenbar so begeistert in letzter Zeit von den beiden war. Nun verstand er, warum Andromeda eher zurückhaltend auf diese Idee reagiert hatte.
„Oh man…", murmelte er nur und fasste sich genervt von seiner eigenen Dummheit an die Stirn. Er war nicht einmal in die Richtung mit seinen Gedanken gedriftet.
„Harry, ich weiß, das ist für dich schwer zu verstehen, aber wir haben nicht die Zeit das alles sacken zu lassen. Narcissa ist jetzt vier Tage verschwunden. Du weißt genauso gut wie ich, dass in einer solchen Situation wie sie wir hier haben, nach einer Woche jemanden lebend wiederzufinden an ein Wunder grenzt. Also bitte, Harry, bitte! Wir müssen sie finden!", flehte sie. Und sie meinte es wirklich ernst. Harry konnte sehen, wie viel es ihr bedeutete. Und er musste zugeben, er bekam es nicht so richtig hin die Situation komplett zu erfassen, aber er würde seine beste Freundin in dieser Lage sicher nicht im Stich lassen. Zumal er eh nicht vorhatte den Fall zu den Akten zu legen.
„Ich will sie ja finden.", antwortete er. „Aber ich muss dir sagen, ich habe keine große Hoffnung. Die Akten zu den verschwundenen Todessern sind praktisch leer, die verantwortlichen Auroren wissen noch weniger als auf den Vermisstenanzeigen steht und Malfoy hat deutlich gezeigt, dass er nicht daran interessiert ist zu kooperieren.", fasste er seine eher aussichtslose Sache zusammen. „Ich schätze, ich sollte mir ansehen, wo ihr euch getrennt habt. Aber nach vier Tagen noch etwas zu finden wäre schon deutlich mehr Glück als ich erwarte. Ich wollte mich in der Winkelgasse umhören, ein paar Kontakte befragen, vielleicht findet sich ja etwas. Narcissa Malfoy ist definitiv keine unauffällige Person."
Zustimmend nickte Hermine. „Ja, da können wir anfangen. Ich werde auch unter meinen Kontakten nachfragen und dann… was meinst du damit die Akten sind praktisch leer und die Auroren wissen nichts?", stockte sie plötzlich und sah ihn interessiert an.
Irritiert erwiderte er ihren Blick. „Die Vermisstenfälle der ehemaligen Todesser.", wiederholte er. „Keiner hat sich um sie gekümmert. Keiner wollte sie finden."
Hermines Augen wurden immer größer. „Ihr… seid verpflichtet Vermisstenmeldung für einen bestimmten Zeitraum nachzugehen, Harry. Erst wenn sich dann keine Spuren aufzeigen, dürft ihr den Fall zu den Akten legen. Und bei einem solchen Massenverschwinden, ist gar nicht daran zu denken!", sagte sie dann. „Ich erwartete eher, dass jeden Moment ein eigener Untersuchungsausschuss dafür gebildet würde."
„Ich… was hat Ron dir erzählt? Keiner hier sucht nach den Todessern. Das ist wie eine unausgesprochene Abmachung. Ich weiß nicht, was die anderen machen, wenn sie offiziell mit dem Fall beschäftigt sind, aber sicher nicht sich um ihn kümmern.", fasste er kurz zusammen. Er hatte erst verstanden in was für einem Rahmen das tatsächlich ablief, als er versucht hatte in die Akten zu sehen und da tatsächlich rein gar nichts drin war. Ihm war klar, dass er sich sehr viele Seitenhiebe holen würde, wenn publik wurde, dass er nicht vorhatte seinen Fall ebenfalls so zu ignorieren. Das war ihm aber ziemlich egal.
„Das ist ja…!", regte Hermine sich auf und sprang wütend auf die Füße dabei. „Ich fasse es nicht!" Dann wurde sie kreidebleich. „Oh mein Gott, oh mein Gott! Pansy hat nicht übertrieben! Oh nein! Draco wird denken, du willst dich nur über ihn lustig machen! Und dass du deshalb den Fall überhaupt übernommen hast!"
„Hermine?", fragte Harry unsicher und trat hinter seinem Schreibtisch hervor. So bleich wie sie aussah, befürchtete er sie könnte jeden Moment umkippen. Doch bevor er sie wieder zurück auf den Stuhl dirigieren konnte, schnappte sie sich seine Hand und zog ihn mit einer Kraft mit sich, die ihn immer wieder erstaunte. Noch bevor er sein Gleichgewicht wieder richtig gefunden hatte, war sie mit ihm auch schon aus seinem Büro raus. Zielsicher steuerte Hermine den Ausgang aus der Aurorenabteilung an.
„Hermine, wo willst du hin?", wollte er wissen, leistete aber keinen Wiederstand. Er wusste es besser, als sich in ihrem Zustand gegen sie aufzulehnen. Doch sie warf ihm nur einen wirschen Blick zu und wäre dabei fast mit einem anderen Ministeriumsmitarbeiter zusammengeprallt.
Schließlich kamen sie bei den Ausgängen an, wo immer einiges los war. Leute kamen an und gingen den ganzen Tag in Hülle und Fülle. Nur des nachts und am Sonntag war mal weniger los. Hermine steuerte auf einen der großen Kamine zu. Erst dort ließ sie auch Harry los, um nach dem Flohpulver zu greifen und es in die Flammen zu schmeißen, welche sofort grün aufloderten. Sogleich zog sie ihn mit sich in die Flammen und rief ihre eigene Adresse aus.
Kaum eine Sekunde später traten sie in dem gemütlichen Wohnzimmer seiner beiden besten Freunde aus dem Kamin. Automatisch wollte Harry nach der Bürste greifen, um den Ruß von sich zu streichen, doch Hermine griff direkt nach ihrer eigenen Dose mit Flohpulver.
„Oh! Hey! Was macht ihr denn hier?", kam es überrascht, aber erfreut von der Tür, die in den Flur führte. Ron grinste breit und trat auf sie zu. In dem Moment drehte Hermine sich zu ihm um und warf ihm einen giftigen Blick zu. Sofort blieb Ron stehen. „Okay, was habe ich jetzt wieder falsch gemacht?", wollte er wissen und sah hilfesuchend zu Harry, da seine Freundin sich wieder mit dem Flohpulver beschäftigte.
Harry zog nur die Schultern hoch und gab ihm damit zu verstehen, dass er selbst nicht wirklich wusste, was hier vor sich ging. Gleich darauf wurde er erneut gepackt und in grüne Flammen gezogen.
„Malfoy Manor!", rief Hermine ihren nächsten Zielort aus.
WAS?!
Doch bevor er irgendetwas unternehmen konnte, wurde er auf der anderen Seite auch schon ausgespuckt. Hustend trat er aus dem Kamin. Er stand im gleichen Salon, wie erst gestern. Nur das jetzt niemand hier war. Dennoch, anscheinend hatte Hermine Zugang über das Kaminsystem und wurde hier als Gast akzeptiert. Wie nahe genau standen sich die beiden, dass Malfoy es offenbar für angebracht hielt ihr jederzeit nach eigenem Ermessen Zugang zu gewähren?
„Tink!", hörte er Hermine erfreut rufen und als Harry sich in entsprechende Richtung drehte, sah er den Elf. Heute hatte er einen Smoking an.
„Miss Granger.", begrüßte der Elf. „Wir erwarteten Sie erst morgen zum Lunch. Es ist natürlich immer eine Freude Sie hier zu haben."
WAS?!
„Tink muss jedoch eine Warnung aussprechen, Mr. Potter. Der einzige Grund, warum Sie Zugang gewährt bekommen haben, ist Ihre Begleitung. Sie sollten ihre Worte dieses Mal weise wählen.", wandte er sich dann an Harry.
WAS?
„Tink, wir müssen mit Draco reden. Ist er hier?", wandte Hermine sich an den Elfen.
„Hat sich in seinem Zimmer eingesperrt.", schallte es durch den Raum. Zabini stand in der geöffneten Doppeltür, die in den ausladenden Flur führte. Hermine nickte dem Hauselfen einmal dankend zu, dann eilte sie auf den Mann zu, der ihr entgegenkam.
„Blaise!", begrüßte sie ihn. Langsam fühlte Harry sich wie im völlig falschen Film. Er sah zu, wie Hermine den Slytherin flüchtig umarmte. „Was soll das heißen?", wollte sie dann wissen.
„Ich denke, es ist der Prophet. Hast du es gelesen?", antwortete dieser nur. „Warum hast du den mitgebracht?", fragte er dann und nickte in Harrys Richtung. Seiner Tonlage war unschwer anzuhören, dass er wenig begeistert von seiner Anwesenheit war. Das ließ Harry sich aus seiner Starre lösen. Er ignorierte Zabinis giftigen Blick und ging auf die beiden zu.
Hermine warf ihm einen Blick zu, als würde sie sich jetzt erst daran erinnern, dass er ja auch hier war. Dann drehte sie sich wieder dem Slytherin zu und machte eine wegwerfende Bewegung in Harrys Richtung, als wäre seine Anwesenheit momentan völlig bedeutungslos. „Nein. Ich kam nicht dazu, bevor ich herkam. Was ist mit dem Propheten?"
„Kimmkorn hat einen Artikel über Narcissa verfasst.", antwortete Zabini.
„Oh nein.", murmelte Hermine und schloss die Augen, um sich zu fassen. Sie atmete einmal tief ein, bevor sie ihren Blick wieder auf den dunkelhäutigen Mann vor sich richtete. „Draco? Wie schlimm ist es?"
„Keine Ahnung." Zabini zuckte mit den Schultern. „Ich bin hergekommen, als ich den Artikel entdeckt habe. Da hatte er sich schon zurückgezogen."
Hermine presste die Lippen aufeinander. Sie und Zabini sahen sich einige Sekunden wortlos in die Augen, dann schob sie sich an dem Mann vorbei und lief zielsicher in den Flur. Kommentarlos folgte Zabini ihr und weil Harry keine Ahnung hatte, was er tun sollte, ging er ebenfalls mit.
Offenbar kannte seine Freundin sich hier aus, denn sie zögerte nicht ein Mal auf ihrem Weg zur großen Treppe, hoch und dann zu einer geschlossenen Tür.
Ohne zu zögern hämmerte Hermine mit der Faust dagegen. „Draco!?", rief sie. Es passierte nichts. Irritiert und interessiert betrachtete Harry die Situation. Es wirkte noch immer seltsam. Skurril. Unwirklich. Seine beste Freundin schien sich hier hervorragend auszukennen, Zabini schien mit ihr befreundet und sie machte sich wirklich Sorgen um Malfoy.
Doch es kam keine Antwort, egal wie oft sie gegen die Tür hämmerte.
„Ich war die letzte, die Narcissa gesehen hat.", rief sie schließlich durch die Tür. Zabini sah sie irritiert an, doch bevor er auch nur die Gelegenheit hätte nachzufragen, wurde die schwere Holztür aufgerissen.
Malfoy stand im Türrahmen. Es war offensichtlich, dass es ihm schlecht ging. Seine Haare waren völlig durcheinander und standen in alle Richtungen ab, die dunklen Schatten unter den Augen konnte man nun gar nicht mehr übersehen und dazu kam, dass die Augen rot unterlaufen und aufgequollen waren. Zweifellos hatte er gerade erst geheult. Verzweiflung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Es war nicht das erste Mal, dass Harry ihn so sah.
„Was soll das heißen?", wollte er mit brüchiger Stimme wissen. Der Blick mit dem er Hermine betrachtete, war geradezu bohrend.
„Oh Draco." Ein mitfühlendes Lächeln erschien auf Hermines Lippen und sie griff nach oben und wischte ihm mit den Fingern über seine Wangen. „Es tut mir so leid. Ich erfuhr erst heute davon, sonst wäre ich eher gekommen."
Malfoy ignorierte ihre Geste vollkommen und ließ es zu, dass sie ihm die restlichen Spuren seiner Tränen aus dem Gesicht wischte. „Du hast Mutter gesehen?", verlangte er erneut nach einer Erklärung. Seine Stimme war diesmal fest und voller Ungeduld.
„Wir haben abends auf der Lichtung im Wald gepicknickt. Anschließend sind wir zusammen zum Waldrand gelaufen und haben uns dort getrennt. Es muss gegen acht Uhr gewesen sein. Sie wollte einen Spaziergang zurück machen.", fasste Hermine erneut zusammen.
„Also ist sie hier irgendwo verschwunden?", schlussfolgerte Malfoy. Ohne ein weiteres Wort schob er sich an Hermine vorbei und in den Flur. Erst jetzt schien er zu realisieren, dass noch andere Personen anwesend waren. Während er den anderen Slytherin nur mit einem knappen Blick bedachte, blieben seine Augen etwas länger an Harry haften. Einen kurzen Moment sahen sie sich gegenseitig an. Überraschung spiegelte sich in den grauen Augen wider. Ein unsicherer Blick fiel wieder zurück auf Hermine, die ihm nur zulächelte, dann entschied er sich offenbar dazu Harry komplett zu ignorieren und lief an ihm vorbei und den Weg entlang, den sie soeben gekommen waren. Zabini holte zu ihm auf und Hermine ergriff Harrys Arm beim Vorbeigehen und zog ihn mit sich ebenfalls Malfoy hinterher.
Keiner sprach. Aber das war wohl auch unnötig. Es war offensichtlich, wohin Malfoy wollte und wenn sie den Weg untersuchen wollten, würde er mit Sicherheit einen Beitrag leisten können. Je nachdem wo Hermine und Narcissa sich getrennt hatten, war der Weg auf dem sie hatte verschwinden können überschaubar. Sie waren mit dieser Information deutlich weiter, als mit der Information, sie sei bei Gringotts gewesen.
Als sie wieder im Erdgeschoss ankamen, warteten bereits drei Elfen auf sie am Fuß der Treppe. „Master Draco.", sprach Tink den Hausherren an. „Sie haben bislang noch nichts zu sich genommen. Sollen wir ein Frühstück zubereiten oder den Lunch vorziehen?", fragte er. Die beiden anderen Elfen, standen hinter Tink und sahen ihnen erwartungsvoll entgegen. Der eine hatte ein buntes Kleid mit Blümchen an und einen Strohhut auf dem Kopf, der andere etwas das aussah wie eine Badehose und eine offene Jeansjacke. Es wirkte beides seltsam.
„Das ist unnötig.", antwortete Malfoy.
„Werden Ihre Besucher uns dann später beim Essen Gesellschaft leisten?", fragte Tink als nächstes, als Malfoy an ihm bereits vorbei und auf die Tür zuschritt.
„Ja.", antwortete ihm stattdessen Zabini und auch Hermine bejahte die Frage sowohl für sich selbst als auch für Harry, der definitiv keine Lust hatte hier und jetzt eine Diskussion mit ihr anzufangen. Er versuchte noch immer zu verstehen was genau vor sich ging.
Wind blies ihnen entgegen, als sie das Haus verließen und schließlich, als sie das Anwesen verlassen hatten, apparierte Hermine an den Ort, an dem sie sich vor vier Tagen von Narcissa getrennt hatte. Sie folgten ihrer Spur und standen wie erwartet direkt am Waldrand. Malfoy Manor war von hier aus gut zu sehen. Es war nicht weit. Ein paar hundert Meter vielleicht.
„Hier haben wir uns getrennt.", sagte Hermine. „Du kennst die Lichtung, Draco. Wir sind auf direktem Wege hierhergelaufen."
„Dann sollten wir den Weg ablaufen und sehen, ob wir etwas entdecken.", schlug Zabini vor, während Hermine bereits ihren Zauberstab hervorgezogen hatte und ohne Zweifel irgendwelche Analysezauber vor sich hinmurmelte, um herauszufinden, ob Überbleibsel ungewöhnlicher Magie nachzuweisen waren. Harry sah sich zunächst generell um. Es hatte in den letzten Tagen teils heftig geregnet. Jegliche Spuren, die auf dem weichen Boden hier möglicherweise entstanden waren, waren heute mit Sicherheit nicht mehr zu sehen. Dennoch suchte er die Gegend ab, sprach seine eigenen Zauber und konnte beobachten, dass Malfoy ähnliches tat. Zabini hingegen sah sich zwar um, war aber anscheinend nicht wirklich bewandert auf diesem Gebiet. Nun ja, in die Kamera lächeln zu können, brachte ihn hier nicht weiter und Harry fragte sich auch wie nützlich die Zauber von Hermine und Malfoy waren. Keiner von ihnen hatte eine Ausbildung gemacht, die es ihnen ermöglichte verschwundene Leute wiederzufinden?
Andererseits, es war Hermine. Wahrscheinlich konnte sie ohnehin einfach alles. Und was Malfoy die letzten drei Jahre gemacht hatte, wusste er ohnehin nicht. Er schloss es jedoch nicht aus, dass er und seine Freunde sich selbst mit dem Verschwinden der Todesser beschäftigt hatten. Möglicherweise hatte sich da etwas Wissen angesammelt, dass er hier nutzen konnte. Auch wenn zumindest Zabini etwas unbeholfen wirkte.
„Weshalb hast du dich mit Mutter getroffen?", durchschnitt Malfoy letztendlich die Stille in der sie arbeiteten.
„Oh, wir haben über dich gesprochen.", antwortete sie nebenbei, ohne aufzusehen. „Wenn ihr jemand aufgelauert hat, dann macht es Sinn in der Nähe des Anwesens zu warten. Immerhin kann sie nicht direkt auf das Anwesen apparieren und wenn ihr kein Kamin zur Verfügung stand, dann würde sie zwangsläufig am Tor erscheinen müssen. Das kann sich jeder zusammenreimen. Hier ist jedenfalls nichts. Harry?", sprach sie den Gryffindor an, der so direkt angesprochen, sich auf einmal wie auf dem Präsentierteller fühlte. Bisher war er ja fast komplett ignoriert worden.
„Hier ist nichts.", bestätigte er, was er von Anfang an befürchtet hatte.
„Was soll das bedeuten?", wollte Malfoy wissen und fixierte Hermine, die sich nun in Richtung des Anwesens orientierte.
„Ich wollte dich auf der BELFER Gala nächsten Monat haben. Wir haben über Möglichkeiten gesprochen dich dazu zu bringen mich zu begleiten.", antwortete Hermine ihm nebenbei und lief langsam in Richtung des Kiesweges, der auf direktem Weg zum Anwesen führte. Harry fragte sich zwangsläufig, was Ron davon halten würde.
„Wir haben das längst besprochen.", entgegnete Malfoy mit leicht genervtem Tonfall, folgte ihr aber.
„Und ich habe dir gesagt, die Sache ist noch nicht beendet." Diesmal sah sie hoch. Ihr Blick sagte jedem ganz klar, dass sie nicht so leicht aufgeben würde.
„Du weißt, ich habe Recht. Es hat zwei Jahre gedauert, bis BELFER eine ernstzunehmende Institution war.", erwiderte er.
„Und das habe ich nur durch deine Unterstützung geschafft."
„Ich habe dir lediglich Gold zur Verfügung gestellt. Die Arbeit hast du getan."
„Du hast mir Unsummen gegeben. Ohne dich, würde ich ewig mit einer Sammeldose in den Gängen des Ministeriums herumlaufen und keinerlei Beachtung finden."
„Wir wissen alle, dass das nicht stimmt!" Er machte eine ausladende Geste, die klar machte, dass er Zabini und Harry in dieser Aussage miteinschloss. „Ich habe dir nur die Mittel gegeben, bevor du dir irgendetwas brillantes ausdenken konntest. Mehr nicht. Und wir wissen genau, dass nichts dich aufgehalten hätte. Es hätte nur etwas länger gedauert."
„Draco…", fing Hermine wieder an, doch Malfoy unterbrach sie direkt wieder.
„Du weißt, wer deine Mitglieder sind besser als ich. Wenn publik würde, dass ein Malfoy irgendetwas mit BELFER zu tun hat, wäre das eine Katastrophe. Die meisten würden sofort jeglichen Kontakt abbrechen und du und alles, was du je wieder in Angriff nehmen würdest, würde in Verruf geraten!"
Für einen Moment, blieb es still. Selbst Zabini schien sich nicht einmischen zu wollen. Er schien etwas angespannt und sich nicht wohl zu fühlen. Wie Harry stand er in einigem Abstand zu ihnen, sah zu, rührte sich aber nicht.
„Das hast du nicht verdient, Draco.", brach Hermine letztlich die Stille wieder. Sie wiedersprach seiner Aussage nicht und Harry wusste ebenso wie sie, dass der Slytherin Recht hatte. Harry war genauso bei jeder BELFER Veranstaltung dabei wie auch Ron, wenn er nicht gerade beruflich verhindert war. Die Mitglieder setzten sich hauptsächlich aus Leuten zusammen, die die Einstellung von Voldemorts Anhängern gegenüber magischen Geschöpfen zutiefst verachtet hatten. Wenn sie erführen, woher das Geld kam, würde es einen unglaublichen Aufruhr geben. Vielleicht würden nicht alle sofort jeglichen Kontakt abbrechen, aber es würde BELFER deutlich zurückwerfen und vielleicht würde es sich nie wieder richtig erholen. Oder zumindest lange Zeit nicht. „Du bist nicht nur dein Nachname.", fügte Hermine noch hinzu und machte einen Schritt auf ihn zu. Sie hob eine Hand an und versuchte nach Malfoys zu greifen, doch der trat aus ihrer Reichweite hinaus. Sein Gesichtsausdruck verriet, dass ihn diese Unterhaltung nicht kalt ließ. Harry vermochte nicht genau zu erkennen, was für Emotionen sich da in dem blassen Gesicht des Mannes widerspiegelten.
„Bin ich nicht?", wollte Malfoy dann mit abweisendem Tonfall wissen. „Ich denke, du solltest ein realistischeres Bild der Situation haben." Und wieder fühlte es sich an, als würde die Temperatur rapide abfallen. Ein kalter Schauer jagte Harry über den Rücken. Er sah zu, wie Malfoy sich von Hermine ab- und dem Anwesen zuwandte. „Ich werde die Umgebung am Tor absuchen. Ihr zwei solltet den Weg untersuchen.", sagte er und setzte sich in Bewegung, ohne sie auch nur eines weiteren Blickes zu würdigen. Harry überwand die Distanz zu seiner Freundin. Anders als er erwartet hatte, sah sie Malfoy mit Trotz im Gesicht nach.
Zabini trat noch einmal mit einem aufmunternden Lächeln an Hermine heran, sie wechselten einen Blick miteinander, dann nickte sie ihm zu und der Slytherin drehte sich um und lief Malfoy hinterher.