Schweigend schob Harry sich die Gabel in den Mund und huschte mit den Augen nun zum gefühlt hundertsten Mal den Tisch entlang. Die Skurrilität der Situation nahm einfach nicht ab. Eher stieg sie immer weiter. Und weiter. Und weiter. Es war ihm noch immer nicht begreiflich, wie sie es unter den gegebenen Umständen geschafft hatten sich an den Esstisch zu setzen, ohne dass es in einen Kampf ausgeartet war.
Sein Blick blieb an Malfoy hängen, der auf der anderen Seite des Tisches einen Platz weiter nach rechts Hermine gegenübersaß, die direkt neben Harry Platz genommen hatte. Ziemlich lustlos stocherte der Blonde in seinem eigenen Essen herum. Inzwischen schien er die Nahrung zu einer einheitlichen Masse zusammengeknetet zu haben, in der man keinen großen Unterschied mehr zwischen den einzelnen Komponenten des ursprünglichen Essens erkennen konnte. Seine Umgebung interessierte ihn nicht einmal ansatzweise. Nun, wahrscheinlich würde Harry das auch nicht, wenn er eine Armee an Hauselfen hätte, die jeden platt machen würden, der auch nur Anzeichen zeigte, seiner Feindseligkeit nachzugeben.
Zu seiner Rechten und somit Harry gegenüber, saß Zabini. Sich offensichtlich unwohl fühlend in der gegebenen Situation huschten auch seine Augen hin und her, während er zögerlich aß. Auf Malfoys linker Seite hatte sich Parkinson niedergelassen. Sie, sowie Astoria und Daphne Greengrass, nun neben Parkinson sitzend, waren bereits bei Malfoy und Zabini gewesen, als Harry und Hermine dort angekommen waren. Offenbar hatten sie sich bei der Spurensuche beteiligt. Parkinson war sofort dazu übergegangen Harry anzufeinden, sobald dieser näher gekommen war, was weniger seltsam war, als die Tatsache, dass sie und Hermine sich lächelnd und mit Wangenküsschen begrüßt hatten. Das hatte das Bisschen Normalität sofort wieder aus den Fugen geschleudert. Daphne Greengrass hatte ihn ignoriert, aber Hermine immerhin zugenickt, während Astoria Greengrass sowohl Harry als auch Hermine freundlich lächelnd begrüßt hatte.
Zu allem Überfluss war auch noch Ron plötzlich bei ihnen aufgetaucht, sich lauthals beschwerend und nach einer Erklärung für die Freakshow verlangend, wobei er die ganze Zeit versucht hatte seine Freundin von den Slytherins zu trennen und Distanz zwischen sie zu bringen. Offenbar hatte ihn Hermines Flohpulverreise nach Malfoy Manor ziemlich beunruhigt, sodass er direkt nach ihrer Abreise ins Ministerium ist und sich in Hermines Abteilung erkundigt hatte, wo sie momentan eigentlich sein sollte. Da allerdings dort keiner eine Ahnung gehabt hatte, war er hierher appariert. Praktischerweise hatten sie ja alle vor der Tür gestanden.
Als es schließlich so ausgesehen hatte, als würden Parkinson und Ron aufeinander losgehen, war Hermine dazwischen gesprungen. Erstaunlicherweise hatte das nicht nur Ron sofort daran gehindert anzugreifen, sondern auch die Slytherin, die ebenso ihren Zauberstab gesenkt hatte, sodass Harry sich beruhigt zurückhalten hatte könnte. Währenddessen schien Malfoy an Allem kein Interesse zu zeigen, Zabini hatte die Arme vor der Brust verschränkt und beobachtete das Schauspielt wieder mit diesem arrogant überlegenen Blick. Die beiden Greengrass hatten sich ebenfalls rausgehalten. Doch während Daphne sich deutlich auf Parkinsons Seite gestellt und ihre rechte Hand in ihrem Umhang verschwinden lassen hatte, schien Astoria eine gewaltvolle Auseinandersetzung eher abzulehnen und machte keine Anstalten in irgendeiner Form dabei mitzuwirken. Eher hatte sie einen Schritt aus der Gefahrenzone heraus gemacht, um nicht mit hineingezogen zu werden.
Als Malfoy sich schließlich wortlos einfach umgedreht hatte und gegangen war, löste das die unangenehme Situation wieder auf, denn die Slytherins folgten ihm fast augenblicklich. Als Hermine Anstalten gemacht hatte ebenfalls zurück auf das Anwesen zu gehen, hatte Ron sie zurückgehalten und nach Erklärungen verlangt, woraufhin sie ihm nur die Kurzfassung von dem offenbart, was auch Harry vor nicht allzu langer Zeit erfahren hatte. Hermine setzte ihren Kopf durch und schließlich liefen sie gemeinsam den Slytherins hinterher, wobei Ron an der Haustür erneut von Tink darauf hingewiesen wurde, dass respektloses Benehmen gegenüber dem Hausherrn nicht hingenommen werden würde und auch er nur eingelassen wurde, weil er in Hermines Begleitung war. Der verwirrt, fragende Ausdruck im Gesicht seines besten Freundes war für Harry gut nachvollziehbar. Vor nicht allzu langer Zeit hatte er sich genauso gefühlt, als ihm langsam dämmerte, dass Hermine in Malfoy Manor anscheinend ein und aus ging. Und das auch noch über den Kamin. Als Harry seinen Hilfe suchenden Blick schließlich auffing, konnte er allerdings auch nur mit den Schultern zucken. Denn so richtig begriffen hatte er das auch alles noch nicht.
Die Elfen hatten beim Betreten des Hauses alle Anwesenden in den Speisesaal geleitet, wo bereits für jeden ein Gedeck aufgelegt war. Selbst für Ron, der ja doch wirklich sehr unangekündigt aufgetaucht war.
Schweigend hatten alle sich auf die Stühle niedergelassen und das vorbereitete Essen erschien plötzlich auf dem Tisch, was Harry direkt an Hogwarts erinnerte. Ein Lächeln war über seine Lippen gehuscht. Als er davon hochgesehen hatte, beobachtete Malfoy ihn. In seinem blassen Gesicht war nichts zu lesen gewesen, doch seine Augen waren voller Misstrauen. Dann lenkte ihn Parkinson ab, die ihm etwas von den Kartoffeln auf den Teller tat und dabei in sein Ohr flüsterte, während auch ihre Augen mit Abneigung auf Harry gerichtet gewesen waren. Ein hinterhältiges Grinsen war auf ihren Lippen erschienen. Aber Malfoy seufzte lediglich erschöpft, fuhr sich mit einer Hand über das Gesicht und griff dann nach einer anderen Schüssel, während Parkinson die Kartoffeln an Greengrass weitergereicht hatte.
Schließlich schob Hermine Harry ebenfalls eine Schüssel in die Hände, lächelte dabei, wies ihn aber gleichzeitig leise jedoch bestimmt darauf hin, dass er aufhören sollte Malfoy derart anzustarren. Er war ihrem Wunsch nachgegangen, obwohl er nicht der Meinung war gestarrt zu haben und beschäftigte sich daraufhin mehr mit den Speisen um ihn herum, nur um zu beobachten, dass Hermine Essen auf Rons Teller legte, der allerdings darauf starrte, als sein es pures Gift.
Als alle angefangen hatten zu essen, fing Harry erneut einen Blick von seiner besten Freundin auf. Ein auffordernder, schon fast genervter Blick. Mit einem Ruck, ganz als würde er jetzt erst verstehen, was sie hier alle taten, griff Harry nach seiner Gabel. Er sah Ron sich weiterhin weigern.
Niemand sagte etwas. Die Anspannung war schon fast mit den Händen greifbar. Es wurde immer unangenehmer. Zumindest für Harry, denn Hermine schien sich einigermaßen wohl zu fühlen, oder zumindest sah es so aus. Malfoy schien nicht einmal zu bemerken, was um ihn herum passierte. Parkinson hatte sich inzwischen gesättigt zurückgelehnt und hielt ein Glas mit einer roten Flüssigkeit in der Hand, während sie die Situation beobachtete und zusammen mit Greengrass ab und zu flüsterte. Astoria lächelte freundlich als sich ihre Blicke trafen. Ron weigerte sich weiterhin etwas zu essen. Zabini schien der einzige zu sein, der sich ähnlich unwohl fühlte wie Harry. Was allein schon seltsam war. Er hatte den Mann noch nie so gesehen. Eigentlich immer nur komplett von sich selbst überzeugt. Doch er hatte ihn ja auch nie wirklich privat gesehen. Wer wusste, schon, ob diese Reaktion so seltsam war, wie sie Harry schien.
Als er mit seinem Essen fertig war, lehnte er sich zurück und nur kurz darauf, verschwanden die leeren Teller und Speisen vom Tisch mit einem leisen `Pling´ und anstatt dessen erschienen Schüsseln mit allerlei Nachtisch. Eis, Kuchen, kandierte Früchte, Pudding, Bonbons und lauter Schokofrösche die munter drum herumsprangen.
Etwas überrascht zuckte Harry leicht zurück, als einer der Frösche sehr nahe an seinem Gesicht vorbeisprang, aber dann doch auf der Stuhllehne landete und von dort seinen Weg wieder zurück auf den Tisch fand.
Irritiert betrachtete er das Treiben auf dem Tisch. Hermine, Parkinson, Greengrass und Astoria griffen nach dem Dessert und stellten sich ihren zusammen. Ron schien die Nachspeisen für noch giftiger zu halten, als den Hauptgang, wenn sein Gesichtsausdruck ein Hinweis auf seine Gedanken sein sollte und er schien sich kaum davon abhalten zu können Hermine den Löffel aus der Hand zu schlagen. Währenddessen hielt sich Zabini ebenfalls zurück und schien die Szenerie zu beobachten. Jedoch war er nicht überrascht davon, wie Harry. Ihre Blicke trafen sich. Unsicher lächelte Harry zurückhaltend. Zabini zog fragend eine Augenbraue hoch, betrachtete ihn einen Moment, dann zogen auch seine Mundwinkel sich dezent auseinander, bevor er seine dunklen Augen wieder auf den Rest der Anwesenden richtete. Harry folgte seinem Blick zu Greengrass, die mit vor der Brust verschränkten Armen dasaß und sich mit Ron ein Starrduell zu liefern schien, während Astoria neben ihr genervt davon zu sein schien. Als Harrys und ihr Blick sich trafen, nickte sie mit ihrem Kopf in Richtung ihrer älteren Schwester, rollte entnervt mit den Augen und lächelte ihn anschließend herzlich an, bevor sie sich eine kandierte Erdbeere in den Mund schob uns sich wieder ihrem Teller zuwandte.
Harry ließ sich von ihrem Lächeln anstecken. Astoria erschien ihm ziemlich friedliebend und sympathisch. Es sei denn sie versuchte ihn lediglich in Sicherheit zu wiegen, um ihm dann hinterrücks einen Fluch in den Hinterkopf zu feuern. Wer wusste das schon bei Slytherins.
Malfoy hatte sich ebenfalls in seinem Stuhl zurückgelehnt. Seine kalten grauen Augen starrten ihm bereits entgegen, als Harry in seine Richtung sah. Das leichte Lächeln auf seinen Lippen gefror sogleich, passend zu der rapide fallenden Raumtemperatur, wie er fand. Sie sahen sich gegenseitig einige Sekunden in die Augen und Harry konnte spüren, wie sich ihm die Nackenhaare aufstellten. Dann unterbrach Zabini den Blickkontakt, indem er sich zu Malfoy beugte, eine Hand auf seine Schulter legte und ihm etwas ins Ohr flüsterte, was dessen Aufmerksamkeit von Harry wegzog.
Diesen Moment nutzte Hermine aus, um ihm erneut ihren Ellbogen in die Seite zu bohren und ihm einen tadelnden Blick zuzuwerfen. Die Nachricht war eindeutig. Er sollte aufhören zu starren. Harry verkniff sich den Kommentar, dass Malfoy ihn ebenfalls anstarrte. Stattdessen nickte er zustimmend und sie wandte sich wieder Ron zu und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Bei ihrer momentanen Laune wahrscheinlich eine Morddrohung oder Ähnliches, wenn er sich nicht benahm.
Als keiner mehr aß, verschwand schließlich jegliches Geschirr und alles Essen vom Tisch. Nur die Tassen und Gläser blieben übrig.
„Das ist doch lächerlich!", zischte Greengrass schließlich und stand ruckartig auf. Wütend warf sie je Ron und Harry einen Blick zu, bevor sie sich an Hermine wandte. „Was willst du mit den Gryffindorks hier?", verlangte sie zu wissen.
„Wir Gryffindors…", Hermine betonte dieses Wort, als wollte sie ganz klarstellen, dass sie sich ebenfalls dazu zählte, obwohl Greengrass sie offensichtlich nicht gemeint hatte. „… sind hier, um herauszufinden, was mit den verschwindenden Leuten passiert. Insbesondere mit Narcissa."
Parkinson verzog das Gesicht, als hätte sie in eine saure Zitrone gebissen, während Greengrass mit einem giftigen Blick zu Ron und Harry tief Luft holte, um wahrscheinlich sofort in Widersprüche zu verfallen. Doch Hermine stand nun ebenfalls auf, Greengrass fixierend. „Ich weiß, ich habe euch nicht ernst genommen.", kam sie der Slytherin zuvor. „Es tut mir leid." Harry konnte hören und sehen, dass sie es zutiefst bedauerte. Auch wenn er nicht ganz verstand, worum es ging. Allerdings reichte es, um ihr Gegenüber die Lippen aufeinander pressen zu lassen. Hermine sah kurz Astoria und Parkinson an, bevor sie sich wieder an Greengrass wandte. „Ich verstehe es jetzt. Das System, die Gesellschaft hat euch im Stich gelassen. Viel mehr, als ich bislang wahrgenommen habe. Eure Wut und euer Misstrauen sind mehr als verständlich. Aber wir…" Sie legte Harry eine Hand auf die Schulter. „… wollen das wirklich aufklären." Sie ließ die Worte etwas im Raum schweben und sah von einem Slytherin zum anderen.
Astoria reagierte als erstes. Sie stand auf, umrundete den Tisch und fiel Hermine fast schon um den Hals. Die erwiderte die Umarmung sofort. Derweil schienen Parkinson und Greengrass noch unsicher und beobachteten diese Reaktion eher skeptisch.
„Keiner hier zweifelt an dir.", ergriff Zabini dann das Wort. Er war lässig in seinem Stuhl zurückgelehnt. „Potter ist das Problem. Und warum Weasley hier ist, entzieht sich vollkommen meiner Kenntnis."
„Ja.", gab Hermine zu und sah Ron an, den Harry hinter ihr und Astoria nicht wirklich erkennen konnte. „Rons Anwesenheit hier war nicht geplant.", erklärte sie. „Er ist mir einfach nachgerannt."
„Und das ist für dich überraschend?", eschauffierte dieser sich. Astoria löste sich wieder von Hermine und trat zur Seite, sodass Harry die Wut im Gesicht seines Freundes sehen konnte. Es war vollkommen ersichtlich, dass er die Situation wirklich nicht gut aufnahm. Noch viel schlechter als Harry selbst. Es wäre besser, wenn er nicht hier wäre. Das würde doch alles bloß wieder im Wald enden.
Misstrauisch sah Ron wieder in die Runde, bevor er aufstand, Hermines Hand nahm und eine ihrer braunen Strähnen hinters Ohr strich. Was er daraufhin sagte, war jedoch so leise, dass Harry es nicht verstehen konnte. Doch die Sorge in Rons Gesicht ließ keinen Zweifel daran, dass es etwas Ernstes war.
Völlig unpassend dazu, gab seine Freundin jedoch nur ein genervtes Geräusch von sich und zog ihm ihre Hand weg. „Das hat Harry gleich als erstes getan.", antwortete sie und warf auch ihm nun einen giftigen Blick zu, bevor sie sich wieder Ron zuwandte.
„Du tust gerade so als wäre das völlig abwegig!", entgegnete Ron ihr nun selbst wieder wütend und mit immer wiederholt prüfenden Blicken zu den Slytherins. Astoria schien er komplett zu ignorieren, die weiterhin bei ihnen stand. Dann senkte er seine Lautstärke. „Es wäre nicht das erste Mal, dass er das tut.", konnte Harry geradeso noch verstehen. Erst jetzt schien Ron sich seines Publikums bewusst zu werden. Er warf einen wütend-misstrauischen Blick in die Runde, bevor er Hermine am Arm packte und sie ziemlich rabiat vom Tisch wegzog.
„Aua!", protestierte sie, ließ sich aber von ihm in Richtung der großen Doppeltür, die in den riesigen Kaminraum führte, ziehen. Die bis dahin eher amüsierten bis prinzipiell giftigen Blicke der Slytherins veränderten sich schlagartig und die gesamte Riege sah aus, als wollte sie aufspringen und Ron einen Fluch entgegenschleudern. Zabini stand mit entschlossenem Gesichtsausdruck auf. Selbst Astorias Miene verfinsterte sich, als sie Hermines Schmerzensausruf vernahm. Und Malfoy fixierte Ron mit seinem Todesblick, den er seit ihrer Schulzeit sichtlich verfeinert hatte. Offenbar gefiel es niemandem hier wie Ron mit seiner Freundin umging. Bevor die beiden im Kaminzimmer verschwanden, drehte Hermine sich jedoch noch einmal um, nickte ihnen zu und gab ihnen mit einer Handbewegung zu verstehen, dass sie gleich wieder da sein würde. Dann waren sie und Ron weg.
Astoria blickte noch etwas in Richtung der Tür, dann drehte sie sich zu Harry, der ungeschickt lächelte, bevor sie wieder zurück zu ihrem Platz ging und sich wieder neben ihre Schwester setzte. Auch Zabini ließ sich langsam wieder nieder, fixierte aber den offenen Durchgang durch den die beiden Gryffindors verschwunden waren als könnte der maßgeblich etwas für seine plötzlich schlechte Laune.
„Also, Potter.", sprach Parkinson ihn daraufhin an. „Offenbar denkt Hermine du meinst es ernst damit Narcissa wiederzufinden." Skepsis spiegelte sich in ihrem Gesicht wider.
„Ich meine es ernst.", antwortete Harry wahrheitsgemäß.
Greengrass gab ein abfälliges Geräusch von sich, sagte aber nichts.
„Ich denke, wir würden alle gerne wissen, warum ausgerechnet du, diesen Fall übernommen hast. Das klingt doch schon nach einer gewissen Absicht, wenn man so eure Vergangenheit betrachtet.", schaltete sich Zabini dazu. Doch im Gegensatz zu Parkinson schien er eher neutral bei diesem Thema zu sein.
„Ja, wie kommt es das ausgerechnet Sankt Potter den Fall bekommt, in dem ein Malfoy verschwunden ist?", wollte nun auch Parkinson wissen.
„Hast wahrscheinlich nur darauf gewartet.", fügte Greengrass bissig hinzu.
„Ich wollte den Fall nicht!", platzte es aus Harry sofort heraus. „Ich weiß, dass das hier eine bescheuerte Idee ist. Aber einer der Auroren hielt das für witzig und hat dafür gesorgt, dass ich ihn bekomme." Er könnte Aleius noch immer dafür in den Hintern treten. Außerdem hätte er diese Information vielleicht nicht unbedingt herausgeben sollen. Das war interner Kram, der Außenstehende nichts anging.
„Und da dachtest du dir, du machst dir eine lustige Zeit daraus?", hakte Parkinson weiter nach.
„Was sollte ich denn tun?", wollte Harry wütend wissen. „Wenn ich den Fall abgegeben hätte, würde niemand sich darum kümmern! Das wisst ihr!" Soviel dazu internen Kram nicht weiter zu verbreiten…
„Und wir sollen nun glauben, dass ausgerechnet du, dich ernsthaft damit befassen wirst?", lachte Greengrass spöttisch.
„Das wird er.", meldete sich Hermine und kam wieder auf den Tisch zu. Sie war alleine. „Im Wald.", antwortete sie Harry auf seine unausgesprochene Frage, bevor sie sich wieder neben ihn hinsetzte. „Er hat es verdient.", fügte sie noch mit einem Blick auf Malfoy hinzu und griff nach ihrem Glas. „Warum, geht ihr nicht alle schon mal ins Kaminzimmer? Ich bleibe mit Draco und Harry hier.", fügte sie anschließend noch nebensächlich hinzu.
„Wow! Keine Chance!", lehnte Parkinson sofort ab und verschränkte die Arme vor der Brust.
Seufzend fuhr sich Hermine mit der Hand über das Gesicht. „Wir haben keine Zeit dafür, Pansy. An mich konntet ihr euch langsam gewöhnen, aber momentan können wir uns den Luxus nicht leisten."
Einige Sekunden starrten die beiden sich gegenseitig an. Greengrass imitierte Parkinsons Haltung. Doch auch hier war Astoria erneut diejenige, die diesem Vorschlag nicht abgeneigt war und schon halb aufgestanden gewesen war, bevor sie gemerkt hatte, dass nichts passierte. Mit einem Blick auf Zabini bemerkte Harry, dass auch dieser deutlich weniger Feindseligkeit ausstrahlte, als erwartet war.
„Geht.", zerstörte Malfoy schließlich die sich langsam aufbauende Anspannung. Er und Parkinson sahen sich einen Moment in die Augen, dann erhob sie sich, legte eine Hand an seine Schulter und strich mit dieser in einer aufmunternden Art und Weise seinen Arm entlang, drückte ihm einen Kuss an die Schläfe, schnappte sich ihr Glas und stolzierte dann erhobenen Hauptes in Richtung des Kaminzimmers. Der Rest der Slytherins schloss sich ihr wortlos an und nur Greengrass sah Harry warnend an, wurde dann aber von ihrer Schwester mit hinausgezogen, die wiederum ihn nur entschuldigend anlächelte. Astoria war seltsam.
„Also…", fing Hermine an als sie nur noch zu dritt waren. Sie zog etwas aus ihrem Umhang hervor und vergrößerte es mit einem Schlenker ihres Zauberstabs und einem geflüsterten Zauberspruch wieder auf die originale Größe. Dann nahm sie die Feder, schlug den Notizblock auf und fing an sofort zu schreiben. „… wir wissen, dass Narcissa irgendwo zwischen dem Anwesen und dem Waldrand verschwunden sein muss. Ich war die letzte, die sie gesehen hat. Hat sie vorher schon irgendetwas erwähnt? Jemand, der sie verfolgt hat? Irgendetwas?" Sie wandte sich Malfoy zu, der lediglich den Kopf leicht schüttelte. Hermine verfolgte die Befragung weiter und Malfoy antwortete kurz und bündig auf jede ihrer Fragen, die sie eifrig notierte. Es dauerte einen Moment, bevor Harry sich mit einschaltete und ebenfalls Fragen stellte. Etwas erstaunt bemerkte er, dass der Slytherin keinen Unterschied machte, von wem die Frage kam. Er antwortete ohne bissige Kommentare oder ablehnende Blicke. Schließlich beschrieb er auch die Orte, an denen er aus eigener Idee heraus bereits nach seiner Mutter gesucht hatte und bei wem er gewesen ist, um ihn zu befragen. Malfoy schien sich an der einen oder anderen Stelle jedoch noch sehr genau zu überlegen ob und was genau er antwortete, immer mit einem misstrauischen Blick in Harrys Richtung, aber er war kooperativ. Vielleicht sollte Harry Hermine ab jetzt immer dabeihaben, wenn er mit dem Slytherin sprach. Offenbar bewirkte ihre Anwesenheit wahre Wunder.
Außerdem wagte er ohnehin zu bezweifeln, dass er jetzt noch die Möglichkeit haben würde sie überhaupt noch herauszuhalten. Es war offensichtlich, dass Narcissas Verschwinden sie auf ganz persönlicher Ebene traf, obwohl Harry nicht einschätzen konnte, ob es um die Verschwundene selbst oder den Effekt auf ihren Sohn dabei ging.
Grübelnd und am Ende ihrer Feder herumkauend besah sich Hermine die ganzen Informationen zum Schluss und versuchte offensichtlich irgendetwas aus diesen Daten herauszulesen. „Ich weiß es würde aus dem Rahmen fallen, aber ich muss die Möglichkeit ansprechen, dass Narcissas Verschwinden in Zusammenhang mit dem Verschwinden der ehemaligen Todesser steht.", überlegte sie laut ohne überhaupt aufzusehen.
„Ich wäre der Verschwundene, wenn dem so wäre, nicht meine Mutter.", antwortete Malfoy ruhig.
„Ich weiß." Hermine bedachte ihn mit einem besorgten Blick. „Ein Thema, dass du dauernd von der Hand weist.", fügte sie noch mit deutlicher Kritik in ihrer Stimme hinzu.
Malfoy schloss kurz die Augen, atmete hörbar aus, bevor er das Wort ergriff. „Die Tatsache, dass Mutter kein Dunkles Mal hat, ist nach den Gerichtsverhandlungen eine offen zugängliche Information. Es kann also kein Versehen gewesen sein. Erst recht nicht, nachdem so viele Leute verschwunden sind, über die es keine derart populistisch publizierten Daten gab.", ignorierte er Hermines Seitenhieb und griff wieder das ursprüngliche Thema auf.
„Nun, wer auch immer diese Leute verschwinden lässt, ist offensichtlich gut informiert.", stimmte Hermine zu und ließ ihren Kritikpunkt fallen. „Ein Versehen, scheint mir ebenfalls unwahrscheinlich. Aber möglicherweise ist es Absicht. Deine Eltern sind beide sehr starke Befürworter Voldemorts gewesen. Möglicherweise wurde sie zum Ziel, weil das bereits ausreicht." Sie sah Malfoy einen Moment an. „Die anderen sind deutlich vorsichtiger geworden, gehen nicht mehr alleine heraus, nutzen sichere Orte und Transporte. Vielleicht ist das einfach die Konsequenz. Diejenigen mit dem Mal sind inzwischen schwerer angreifbar. Der Fokus könnte sich nun auf die restlichen Befürworter verschieben."
Erschöpft wirkend fuhr Malfoy sich mit der Hand über die Augen und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. „Spekulationen darüber bringen uns nicht weiter.", sagte er, bevor er seinen Blick auf Harry richtete und sich ganz deutlich mehr Feuer in die grauen Augen mischte. Dennoch wurde es aus unerfindlichen Gründen plötzlich wieder kälter. „Aber möglicherweise hat Potter ja was dazu zu sagen. Immerhin arbeiten…" Er betonte das Wort mit deutlichem Sarkasmus. „… die Auroren ja an diesem Fall bereits seit Monaten."
Den kalten Blick erwidernd versuchte Harry ruhig zu bleiben. Denn die Ergebnisse waren ehrlich gesagt eher peinlich. Wirklich viel Zeit hatte er bisher nicht gehabt sich mit diesem Massenverschwinden zu beschäftigen, aber er wusste jetzt schon, dass die Akten ihn nicht weiterbringen würden. Die, die er sich angeschaut hatte, hatten ihm einen sehr guten Eindruck geliefert, wie wenig die Auroren sich dafür interessierten die Todesser wiederzufinden. Die Hoffnung in den restlichen Papieren sinnvolleren Inhalt nachlesen zu können, war verschwindend gering. Er hatte zwar noch kaum mit einem er Ermittler gesprochen, ging aber auch hier davon aus, dass der Inhalt eines Gespräches nicht wirklich weiterhelfen würde. Wollte er das vor Malfoy so einfach zugeben? Hermine wusste es ja jetzt.
„Ich war bisher nicht an dem Fall beteiligt.", versuchte Harry sich also aus einer direkten Antwort herauszureden. „Und du sagst selbst, das hier könnte ohnehin etwas anderes sein."
Verächtlich schnaubend verschränkte Malfoy die Arme vor der Brust. Sein gesamter Gesichtsausdruck verhärtete sich und Harry fühlte sich langsam wie in einem Kühlschrank. Ob ein Wärmezauber dem Abhilfe schaffen würde?
„Hat die Aurorenausbildung es endlich geschafft dir etwas beizubringen, wofür du in all den Jahren davor nicht empfänglich warst?", hakte Malfoy in einem Tonfall nach, den Harry nicht so recht identifizieren konnte. Entweder es war Sarkasmus oder er war amüsiert. Vielleicht eine Mischung aus Beidem? „Zurückhaltung bei Sachen die dich nichts angehen? Wie praktisch gerade jetzt auf diese Fähigkeit zurückgreifen zu können." Okay. Es war Sarkasmus.
Das Problem war, das dieser Sarkasmus sofort seine offenbar tief verankerte Abwehr triggerte. Er spürte wie die Muskulatur in seinem Rücken sich anspannte. Er holte Luft, um ihm eine Antwort entgegenzupfeffern, die sie wieder auf Schulniveau schleudern würde, doch Hermine war schneller.
„Das ist nicht zielführend, Draco.", kommentierte sie in einem mahnenden Tonfall und legte gleichzeitig Harry eine Hand an den Arm, fixierte aber den Slytherin, der seine eiskalten Augen nun abwandte und die junge Frau ansah. Sofort wurde sein Blick weicher und die stählerne Härte wich aus den Gesichtszügen. Harry musste sich auf die Zunge beißen, schaffte es aber den Mund zu halten.
„Ich werde mich darum kümmern, Draco. Versprochen.", sprach Hermine weiter.
„Es ist nicht deine Aufgabe dich darum zu kümmern!", entgegnete der Slytherin gereizt und stand auf. „Es ist seine!" Damit machte er eine aggressiv wirkende Geste in Harrys Richtung und wandte sich wieder ihm zu. „Und Weasleys! Und so vieler anderer, die es einen Dreck interessiert was mit den Leuten passiert, die vor Gericht freigesprochen wurden oder die Strafe bereits abgegolten haben! Einige waren am zweiten Krieg nicht einmal beteiligt!" Einen Moment wirkte es, als wollte der Slytherin einfach davonstürmen, doch dann überlegte er es sich anscheinend anders. „Wir sind der Abschaum der Gesellschaft und werden einfach ignoriert. Und offenbar gibt es jetzt einen Reinigungsmechanismus, der mit offenen Armen begrüßt wird. Herzlichen Glückwunsch, Potter. Sieht so aus, als wärst du mich dieses Mal tatsächlich bald endgültig los.", spie er ihm schon fast entgegen. „Und diesmal, musst du mich dafür nicht einmal aufschlitzen."
Die Worte taten weh. Harry wollte es beiseite wischen und nicht darauf eingehen. Aber die Wahrheit an den Kopf geschmissen zu bekommen, war eben nicht angenehm. Erst recht, wenn man sich irgendwie dafür verantwortlich oder schuldig fühlte. Und Harry hatte sich tatsächlich nicht darum gekümmert, sich nicht dafür interessiert, obwohl er wusste, dass die Angelegenheit nicht wirklich behandelt wurde wie sie sollte. Das gesamte Ausmaß der Ignoranz war ihm zwar erst bewusst geworden, als er selbst mit dringesteckt hatte, aber er konnte verstehen, das Malfoy und vermutlich der Rest der Slytherins äußerst wütend auf die Auroren waren. Der Seitenhieb mit dem Verweis auf den Sectumsempra-Zwischenfall machte das alles nicht angenehmer.
„Wenn ich dich wirklich so dringend loswerden wollte, würdest du bereits für den Rest deines Lebens in Azkaban sitzen, Malfoy!", wetterte er jedoch schon fast automatisch zurück und stand nun ebenfalls auf. Die Scham über die Situation hatte ihn in eine Verteidigung gezwungen und weil der Angreifer eben niemand anderes als Malfoy war, konnte er nicht anders als daraufhin um sich zu schlagen. Dieser Typ brachte ihn einfach um den Verstand! Ihm einen Fall zu geben, der auch nur im Entferntesten mit dieser Familie zu tun hatte, war ein Riesenfehler!
„Ich bin sicher das Tribunal wird deine Aussage zu meiner Verhandlung noch einmal neu bewerten, wenn du deinen Freund Shacklebolt darauf ansprichst!", kam es sofort zurückgeschossen.
Wie um alles in der Welt waren sie von einer sachlichen, ruhigen Befragung nur wieder dazu übergegangen sich gegenseitig anzuschreien!? „Oh! Ich denke das lohnt sich nicht mehr. Deine Mutter ist bereits weg. Du bist sicher ohnehin der nächste! Und du passt ja dann auch perfekt in das Abschaum Todesser Beuteschema! Ich muss mich also ohnehin nicht mehr lange mit dir abgeben!", entkam es Harrys Lippen bevor er nachgedacht hatte. Dann stockte er, als ihm klar wurde, was ihm da aus dem Mund gepurzelt war.
Malfoy schwieg. Die Wut und der Hass in seinem Gesicht waren wie weggeblasen und es war bloß wieder diese Eiseskälte sichtbar, die alles um ihn herum gefrieren ließ. Einige Sekunden vergingen, in denen keiner ein Wort sagte. Harry wagte es kaum zu atmen, denn solange niemand auf seine Aussage reagierte, konnte er ignorieren, dass er es gesagt hatte. Wo war nur ein Zeitumkehrer, wenn man ihn brauchte?
„Seid ihr endlich fertig?", erklang schließlich Hermines angespannte Stimme. Harry löste den Blick von dem Slytherin. Seine Freundin hatte ihren Kopf auf eine Hand abgestützt und wirkte mit ihrer Körperhaltung schon fast gelangweilt, doch in ihren Augen konnte er sehen, dass ihm eine Apokalypse bevorstand für das was er gesagt hatte. Neben ihr standen zwei Hauselfen, die er jetzt erst bemerkte. Auch diese spießten ihn mit ihren Blicken geradezu auf. Alles in Allem war es ein Wunder, dass er jetzt nicht im Wald stand.
„Ja.", meldete sich Malfoy wieder. „Sehr fertig. Tut mir leid dich mit meiner Existenz auf meinem eigenen Anwesen belästigt zu haben, Potter." Mit diesen Worten, drehte er sich um und entfernte sich zügig zur Tür, von der Harry nicht wusste, wo sie hinführte. Sie schwang auf, ließ ihn hindurch und blieb dann offenstehen.
„Ich erledige das, Vert.", sagte Hermine dann zu einem der beiden Elfen, die sich daraufhin gegenseitig ansahen und dann deutlich unzufrieden mit einem leisen Plop verschwanden. Langsam stand sie auf und Harry spürte Panik in sich aufsteigen. Seine Freundin war ruhig. Zu ruhig. Harry wünschte sich in den Wald.
Als sie ihre Hände hob, erwartete er bereits einen Schlag ins Gesicht, wie sie es ironischer Weise damals bei Malfoy getan hatte. Doch stattdessen klatschte sie nur leise in die Hände. „Hervorragend, Harry. Nicht einmal Ron hätte das so gekonnt hinbekommen.", kommentierte sie lediglich trocken. Sie bedachte ihn mit einem Blick voller Wut und Enttäuschung, bevor sie ihren eigenen Stuhl zurückschob, aufstand und ohne ihn noch einmal anzusehen oder etwas zu sagen, den Raum durch die gleiche Tür wie Malfoy verließ.
Harry blieb eine Weile einfach an Ort und Stelle stehen. Er wünschte sie hätte ihn einfach geschlagen. Er hätte es verdient.
Schließlich setzte er sich wieder an den Tisch und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. Sein Blick fiel auf den Notizblock, den Hermine liegengelassen hatte und er zog ihn heran, um sich die Stichpunkte anzusehen. Sie hatte mehrere Seiten vollgeschrieben. Hier und da waren Passagen unterstrichen oder eingekreist, einige waren mit Strichen quer über die Blätter miteinander verbunden, kleinere Stichwörter waren zwischen die einzelnen Zeilen gequetscht. Er konnte sehen, dass sie bereits eigene Gedanken und Ideen hinzugefügt hatte.
Es war dringend nötig, dass er sich zusammenriss. Unbedingt. Sie waren keine Schulkinder mehr! Genervt von sich selbst schmiss er den Notizblock wieder zurück auf den Tisch und raufte sich die Haare. Er hatte Malfoy seit dreieinhalb Jahren nicht mehr gesehen. Warum zur Hölle ging er ihm noch immer derart unter die Haut? Nichts davon machte Sinn!
Wütend auf sich selbst zog er wieder Hermines Notizblock heran und griff nach ihrer Feder. Er blätterte auf eine leere Seite und fing an sich Gedanken zum weiteren Vorgehen zu machen, schrieb Orte und Personen auf die er sehen oder sprechen wollte. Auch war ihm klar, dass er Hilfe von den anderen Auroren brauchen würde. Es würde schwierig sein sie davon zu überzeugen ihm zu helfen, aber zumindest Aleius und den einen oder anderen mit dem er inzwischen gut befreundet war, würde er sicher dazu bringen können ihn zumindest nicht komplett zu ignorieren. Jedenfalls würde er es versuchen und wenn es nicht klappte, würde er zumindest selbst alles nur Erdenkliche tun um Narcissa Malfoy wiederzufinden. Wie könnte er ansonsten Andromeda jemals wieder unter die Augen treten. Oder Teddy, der auf den ganzen Fotos sichtlich glücklich mit ihr gewesen war und ihm selbst ja auch dauernd von der lustigen Sasa erzählt hatte. Zumindest soweit wie ein Dreieinhalbjähriger sich artikulieren konnte.
Als ihm letztendlich nichts weiter einfiel das er notieren konnte, verkleinerte er Hermines Schreibutensilien wieder und steckte sie in seine Hosentasche. Frustriert raufte er sich erneut durch die Haare, atmete ein paar Mal tief durch und stand wieder auf. Er konnte sich nicht bis in alle Ewigkeit im Speisesaal verstecken. Sicherlich war dieser groß genug um eine Weile nicht aufzufallen, wenn man sich entsprechend positionierte, aber ehrlich gesagt wollte er einfach nur dieses Haus verlassen und sich am liebsten irgendwo verkriechen, wo niemand wusste, was für einen grenzenlosen Idioten er gerade erst wieder aus sich gemacht hatte.
Tief durchatmend trat er auf die Tür zum Kaminzimmer zu. Es war der einzige Ausweg, den er kannte. Von den anderen beiden Türen hatte er keine Ahnung, wo diese hinführten und er würde garantiert nicht riskieren in diesem Haus verloren zu gehen und ziellos umherzuwandern.
Leises Lachen erreichte seine Ohren, als er den Raum wechselte. Feuer loderte im Kamin. Die Slytherins waren auf den Sitzgelegenheiten um diesen versammelt. Auf der großen Couch saßen die beiden Greengrass Schwestern, zusammen mit Hermine. Er sah wie die ältere Greengrass einen Arm um Hermine geschlungen und ihren Kopf an ihre Schulter gelegt hatte, während sie zusammen lachten und Astoria erzählend mit ihren Händen gestikulierte. Einen Moment später entdeckte er einen Hauselfen, der zusammen mit ihnen ebenfalls auf der Couch saß. Es war der Hauself, der es sich bei Harrys vorherigem Besuch auf Malfoys Schoß gemütlich gemacht hatte. Mit großen Augen verfolgte er jedes Wort, das aus dem Mund der jungen Frau kam und lachte ebenfalls immer wieder. Heute hatte er kein glitzerndes Kleid an, sondern eine dunkle Hose und einen roten Pullover mit aufwendig aussehendem Muster. Die Anwesenheit dieses Elfen schien niemandem besonders aufzufallen. Als wäre es das Normalste überhaupt.
Im Sessel zur Rechten der Couch saß Malfoy zusammen mit Parkinson, die auf der Armlehne Platz genommen hatte. Sie lehnte mit dem Oberkörper gegen die Kante der Rückenlehne mit ihren angewinkelten Beinen in Malfoys Richtung sortiert und ihre Fußspitzen verschwanden unter seinem Oberschenkel. Eine ihrer Hände strich immer wieder geistesabwesend durch einige der platinblonden Strähnen, während ihre Hauptaufmerksamkeit aber genauso wie Malfoys auf Astoria zu liegen schien. Doch anders als Parkinson, lachte er nicht zusammen mit ihnen. Die Eiseskälte war verschwunden, aber mehr als Neutralität schien er gerade nicht aufbringen zu können.
Harry betrachtete die beiden etwas eingehender. Diese selbstverständliche Vertrautheit zwischen ihnen erinnerte ihn etwas an Ron und Hermine, wenn sie sich nicht gerade zofften. Waren die beiden ein Paar? In Hogwarts war es ziemlich offensichtlich gewesen, dass die junge Frau das gewollt hatte und immerhin waren sie in ihrem vierten Jahr zusammen auf dem Ball gewesen.
Es blieb nur noch der besetzte andere Sessel übrig, den Harry lediglich von hinten sehen konnte. Rein mit dem Ausschlussverfahren war es offensichtlich, dass es sich um Zabini handeln musste.
Die gesamte Szenerie wirkte so friedlich. Und die einsame Gryffindor unter der Ansammlung an Slytherins, die sich in der Schule so sehr untereinander bekriegt hatten, passte nahtlos in dieses Bild hinein. Als wäre sie schon immer mit ihnen befreundet gewesen. Als wären sie nie verfeindet gewesen.
Wie in aller Welt hatte Hermine das bloß hinbekommen? Wie hatte sie sich in diesen offensichtlich so festen Verbund geschlichen und war so nahtlos assimiliert worden? Wie war das nur möglich gewesen?
„Festgewurzelt, Potter?", riss ihn letztlich Zabinis amüsierte Stimme aus seiner Starre. Er hatte sich aus seinem Sessel nach hinten umgedreht und wirkte deutlich weniger feindselig als Harry erwarten würde. Nämlich gar nicht. Dann grinste er ihm zu und hob abwartend eine Augenbraue, als erwarte er eine Antwort. Das brachte Harry lediglich nur weiter aus dem Konzept. Das war eindeutig nicht die Reaktion, die er erwartet hatte.
Unsicher sah er zu Hermine, die noch immer Kopf an Kopf mit Greengrass seinen Blick erwiderte.
Doch bevor Harry etwas sagen konnte, erhob Malfoy sich auf einmal. „Weasley ist wieder zurück.", sagte er in den Raum hinein, was ihm sofort jedwede Aufmerksamkeit einbrachte. Die allgemein gute Stimmung verpuffte und alle standen mit verkniffener Miene auf.
„Keine Flüche.", ermahnte Hermine sie alle, bevor sie gemeinsam, von ihr angeführt in Richtung der Eingangstür gingen. Selbst der Hauself sprang von der Couch und ging mit ihnen mit. Harry machte, dass er hinterherkam. Die Slytherins schienen sich nicht daran zu stören.
Als wäre es ihr eigenes Zuhause öffnete Hermine wie selbstverständlich die Vordertür mit einem Schlenker ihres Zauberstabes und positionierte sich im Eingangsbereich mit den Slytherins im Rücken. Zabini und Parkinson traten jeweils neben sie und Harry quetschte sich an der gesamten Gruppe vorbei und trat hinaus. Er wurde nicht weiter beachtet. Alle sahen seinem Freund entgegen, der schnellen Schrittes vom Tor zu ihnen eilte, seinen Patronus aufgeregt neben sich herdackelnd. Er war wütend. Das war nicht zu übersehen.
„Vielleicht sollten wir einfach gehen.", schlug Harry vor, bevor Ron die Gelegenheit hatte den Mund aufzumachen.
„Ja, Hermine, wir sollten jetzt wirklich gehen.", schnappte Ron seine Worte auf. Den Zauberstab fest umklammert fixierte er die Slytherins nacheinander. „Offenbar haben wir einiges zu bereden!"
Nun, eigentlich hatte Harry sich und Ron gemeint, aber das war entweder nicht verstanden oder ignoriert worden.
Hermine schürzte die Lippen als sie mit einem derartigen Befehlston angesprochen wurde. Sichtlich unzufrieden verschränkte sie die Arme vor der Brust. Es war die perfekte Situation für einen gewaltigen Streit zwischen ihnen. Die Frage war nur, ob seine Freundin das hier und jetzt im Beisein der Slytherins austragen wollte, die alle aussahen, als wären sie bereit Ron mit dem einen oder anderen Fluch zu belegen, oder ob sie das in den eigenen vier Wänden machen würde. Es war ihre Entscheidung, denn Ron schien gerade nicht fähig zu sein sich soweit zu beruhigen, dass er verstand, dass sie in keinerlei Gefahr schwebte.
„Hermine!", zischte Ron gereizt und trat näher auf sie zu, als sie sich nicht bewegte. Mit seiner freien Hand griff er nach ihr, doch bevor er sie erreichen konnte, hatte Zabini sein Handgelenk fest umklammert und schob sich zwischen die beiden, drängte Ron damit einen Schritt zurück. Harry war schnell genug da um zu verhindern, dass sein Freund den Zauberstab hob und dem dunkelhäutigen Mann einen Fluch entgegenschleuderte, indem er sein anderes Handgelenk festhielt.
Überrascht und verwirrt sah Ron ihn an.
„Fass sie noch einmal derart grob an, Weasley und ich garantiere dir einen dringend notwendigen Aufenthalt im St. Mungos.", zischte er ihm hasserfüllt entgegen. Sofort ging der Terrier in Angriffshaltung über und bleckte die Zähne.
Ron zog und zerrte an seinem Arm, aber Harry ließ ihn nicht los. Er konnte nicht zulassen, dass das hier in einer Schlacht endete. Denn es entwickelte sich in genau diese Richtung. Verdammt! Dabei hatte Zabini doch noch mit am ruhigsten gewirkt. Allerdings hatte er auch am heftigsten reagiert als Ron seine Freundin vorhin aus dem Raum herausgezerrt hatte.
„Lass uns gehen, Ron.", beschwor Harry seinen Freund.
„Es ist okay, Blaise.", meldete Hermine sich zu Wort und trat hinter ihm hervor. Sie legte ihm eine Hand an den Oberarm und lächelte ihn an. „Sitz!", wies sie den Patronus an, der eher unsicher dem Befehl folgte und zu seinem Beschwörer hochsah, als erwarte er neue Befehle. „Ich werde gut mit ihm fertig, wenn er es verdient.", versicherte Hermine dem Slytherin.
Sein Blick schwenkte zweifelnd zu ihr herüber. Doch er ließ zu, dass sie seinen Griff von Rons Handgelenk löste und sich zwischen sie schob. Dann drehte sie sich zu Ron um. Der Blick mit dem sie ihn bedachte war nicht halb so freundlich. „Deine Schicht fängt gleich an, Ronald.", wies sie ihn darauf hin, dass er dabei war zu spät zur Arbeit zu kommen. Der verblüfft-ungläubige Blick im Gesicht seines Freundes zeigte eindeutig, dass ihm das im Augenblick nicht einmal ansatzweise interessierte. „Wir gehen.", stimmte Hermine ihm dann zu, legte ihre Hände an seine Brust uns schob ihn etwas von sich nach hinten. „Ich verabschiede mich noch und du wirst dich ruhig verhalten.", fügte sie noch hinzu, warf Harry einen kurzen prüfenden Blick zu, der Rons Zauberstabhand noch immer fest umklammert hielt und nicht vorhatte loszulassen. „Hast du meine Notizen?", fragte sie ihn. Nickend antwortete er und beobachtete dann wie sie sich wieder umdrehte. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht überwand sie als erstes die Distanz zu den beiden Greengrass und umarmte sie. Als sie sich Parkinson zuwandte schnippte diese ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und grinste. Was sie mit einander redeten, konnte Harry nicht verstehen, doch es endete damit, dass sie sich gegenseitig Küsschen auf die Wange gaben und Hermine sich dann Zabini zuwandte, der sie mit ernstem Blick betrachtete.
„Du weißt, er hat dich nicht verdient.", sagte er und Harry musste Ron zurückhalten, als dieser versuchte sich loszureißen. Sicherheitshalber zog er ihn eine Stufe mit sich weiter nach unten.
„Ron, ruhig, wir sind gleich weg.", flüsterte er ihm zu. Etwas verzweifelt wirkend drehte sein Freund sich ihm zu und Harry zog ihn einen weiteren Schritt zurück und damit weg von den Slytherins. Die blanke Wut schien ihm die Sprache verschlagen zu haben.
Als Harry wieder hinsah, umarmte Hermine gerade Malfoy zum Abschied, der den Hauselfen neben sich an der Hand hielt, wie ein kleines Kind. Letztlich hockte die junge Frau sich hin und drückte dem Elfen einen Kuss auf den Kopf, bevor sie noch einmal allen winkte und sich dann endlich zu ihnen gesellte. Harry ließ Ron los und dieser schlang sofort einen Arm um seine Freundin, zog sie besitzergreifend an sich und schob sie in Richtung des riesigen Tores. Sie ließ es geschehen ohne zu murren.
Harry sah noch einmal hinter sich, wo die Slytherins alle noch immer im Eingang standen und ihnen missmutig nachsahen. Als Malfoys und sein Blick sich trafen, wandte dieser den Blick sofort ab, drehte sich um und trat zurück ins Haus.