Schützend waren die seidigen Vorhänge vor das Fenster geschoben und ließen nur wenig Licht in das kleine Zimmer.

Dumpf schloss ich die Türe hinter mir, darauf bedacht so leise wie möglich zu sein.

Ich hätte nicht gedacht, dass er nochmals wieder kommen würde, geschweige denn, einen Fuß in dieses Haus setzten würde.

Seine Abneigung gegenüber diesem Planeten und auch uns hatte er mehr als klar und deutlich ausgedrückt und dennoch... und dennoch war er zurück gekehrt. Zurück von seiner langen Suche aus dem All und abermals setzte ich einen Fuß vor den anderen und verharrte augenblicklich, als das morsche Holz unter mir zu knarren begann.

Ein schwaches Murren war von der Seite des Bettes zu hören, kurz drehte sich die fragile Form zur Seite und ich hoffte inständig, dass der Saiyajin nicht erwachen würde.

Doch zu tief war Vegetas Erschöpfung, denn sofort entspannte sich der strenge Ausdruck auf seinem Gesicht und machte erneuter Müdigkeit Platz.

Wie lange war er durch das All gereist, auf der Suche nach meinem nun mehr als einem Jahr verschollenen Freund?

Zu lange, wie es mir schien und nach wenigen Schritten, daraufhin bedacht weiterhin so ruhig wie möglich zu sein, stand ich schließlich vor ihm.

Besorgt sah ich auf das Wesen, welches eigentlich so viel Leid verursacht hatte.

Was hatte mich nur damals geritten, dass ich auf die Idee kam, ihn bei mir aufzunehmen?

Seufzend strich ich mir durch das wirre, blaue Haar und starrte erneut auf den schlafenden Saiyajin.

Doch er hatte mir irgendwie Leid getan.

Kein Zuhause,

Keine Freunde.

Allein und einsam.

Keinerlei Unterkunft, in die er sich hätte zurück ziehen können und als ich seinen traurigen und auch nachdenklichen Blick nicht mehr ertragen konnte, hatte meine Einladung auch schon meine Lippen verlassen.

Es war nicht mal eine Frage gewesen, vielmehr eine Aufforderung und ein kurzes Lächeln huschte über meine Lippen, als ich mich an seinen überraschten Gesichtsausdruck zurück erinnerte.

Ich hatte ihm keine Wahl gelassen.

Wieder lenkte ein entspanntes Seufzten meine Aufmerksamkeit auf den ruhenden Saiyajin und leise stellte ich das kleine, silbrige Tablett mit dem Rest des heutigen Mittagessens auf den Nachttisch. Seit seiner Ankunft vor 3 Tagen schlief Vegeta wie ein Stein. Nicht einmal zum Essen war er erwacht und schließlich nach langem Zögern, setzte ich mich behutsam an seine Seite.

Neugierig beobachteten meine blauen Opale die erschöpften Züge des Saiyajins. Tiefe, dunkel Ringe thronten unter fest zusammengekniffenen Augen, seine sonst von der Sonne gebrandmarkten Haut war blässlich und kurz beschlich mich der Gedanke, ob er nicht irgendwie krank war.

Doch so schnell wie dieser Gedanke gekommen war, verschwand er auch schon wieder in den hintersten Ecken meines Seins.

Vegeta war nicht irgendwer, der so schnell einer simplen Krankheit unterlag, er musste einfach nach seiner langen Suche erschöpft gewesen sein.

Kurz erinnerte ich mich an seine Ankunft zurück. Meine Eltern und ich waren gerade im Garten gewesen, als das Raumschiff mehr denn je vom Himmel krachte. Wohl musste er unterwegs kein Benzin mehr gehabt haben und es war eigentlich ein Wunder, dass er es noch zurück bis zur Erde geschafft hatte.

Schwankend war der Saiyajin aus der geöffneten Luke getreten und ich hatte nicht verhindern können ihn insgeheim zu mustern.

Sein Trainingsanzug war an mehreren Stellen zerrissen, der graue Brustschutz zersprungen und durchlöchert. Sein dunkelbraunes Haar hing im wild in die Stirn, Ruß und Dreck hingen nicht nur in zottigen Strähnen, sonder bedeckten auch fast seinen gesamten Oberkörper. Und als ich das Blut entdeckt hatte, konnte ich meine innere Sorge nicht mehr unterdrücken. Was hatte er bloß da draußen gemacht?

Stumm war er an uns vorbei gegangen doch mir konnte dieser Saiyajin nichts vormachen. Er war verletzt, angeschlagen. Vielleicht auch beides und kurzerhand hatte ich mir den Prinzen des einst so mächtigen Kriegervolkes geschnappt und unter die Dusche gesteckt.

Er beschwerte sich nicht, bei Gott, er hatte nicht mal eine abfällige Bemerkung vom Stapel gelassen und nachdenklich hatte ich im neue Kleider auf einen kleinen Schemel gelegt.

Nach seiner ausgiebigen Dusche war Vegeta schnurstracks in seinem Zimmer verschwunden. Ich war nicht ein mal dazu gekommen seine Wunden zu versorgen und nun, nach drei Tagen, schien sich sein Zustand nicht zu bessern.

Wieder weckte ein heißeres Wimmern meine Aufmerksamkeit und mitleidig sah ich auf die zusammengesunkene Figur zu meiner Seite.

Vegeta schien wohl Schmerzen zu haben, denn unruhig wälzte er sich von einer Seite zur anderen und ohne über mein Handeln nachzudenken, legte ich ihm tröstend eine Hand auf die brust.

Nervös zuckten meine Finger zusammen, als ich seinen kräftigen Herzschlag spüren konnte und unweigerlich wurde mir warm ums Herz.

Sofort schien sich der Saiyajin zu beruhigen, denn sein stockender Atem wurde ruhiger, die Augen entspannter und nach weniger Zeit konnte ich seine gleichmäßige Atmung hören und lächelte zufrieden.

Doch meine Hand verharrte an Ort und Stelle und ehe ich mich versah, fegte ich ihm behutsam die wirren Strähnen aus der Stirn.