Still Standing
Vorbemerk:
Ich bin gerade mit meinen Wiederanschauen von Staffel 7 fertig geworden, und habe mir das Gleiche gedacht wie schon beim ersten Mal, als ich die Staffel gesehen habe: WTF?!
Ich meine, alle geben für alles Damon die Schuld, obwohl es Stefan war, der unbedingt Julian töten wollte, was dazu geführt hat, dass Damon im Phönix-Stein gelandet ist, was wiederum zu allen anderen geführt hat, was später in der Staffel passiert ist. Vor allem dazu, dass Damon in eine schwere Depression verfallen ist und jedes Interesse am Leben verloren hat, was ihm alle anderen ständig nur zum Vorwurf gemacht haben, als wäre es seine Schuld. Weil jeder ja weiß, dass man selbst die Schuld daran trägt, dass man depressiv wird. Ja klar.
Vielleicht war die Reaktion der anderen ja übertriebene Anti-Selbstmordpropaganda, aber wie gesagt sie war übertrieben. Ist ja nicht so, als ob uns die Autoren zugleich die ganze Zeit gesagt hätten, dass Stefan Damon tief in seinem Inneren eigentlich nur los sein will und Damon immer allen ihr Leben nur erschwert, und das auch Damons große Selbsterkenntnis der Staffel war. Trotzdem war seine Entscheidung dann auf einmal falsch und egoistisch. Wobei Verlassen werden das Thema der Staffel war, und jemanden Stich zu lassen prinzipiell als falsch dargestellt wurde, aber Caroline vergibt Stefan, dass er sie mehr oder weniger grundlos im Stich gelassen hat, und niemand vergibt Damon – außer vielleicht Bonnie, die aber als einzige Person in der ganzen Serie das Recht hatte böse auf ihn zu sein. Nein, danke. Die Vampire Verse-Autoren sind nun mal chronisch schlecht darin mit Mental Health Issues umzugehen. Man muss sich nur ansehen wie die anderen Charaktere teilweise mit Lizzie in „Legacies" umgehen –Stichwort Penelope - aber das ist keine Entschuldigung, es ist eher ein traugiger Fakt.
Daher also habe ich beschlossen eine Fix-It-Fic zu schreiben. Die Ereignisse der 7. Staffel sind minus der Flashforwards bis 7x15 Canon, ab da geht es bei mir anders weiter in dieser Fic, die das unglaubliche „Was wäre wenn"-Szenario benutzt: Was wäre wenn die VD-Charaktere zur Abwechslung mal nicht immer nur an sich selbst denken würden und nicht immer nur die Leben anderer retten würden sondern sich prinzipiell darum scheren würden wie es ihren Freunden geht?
Das ist doppel gut, weil ich damit auch verhindern kann, dass die furchtbare 8. Staffel in irgendeiner Form passiert.
Inhalt: Damon kann und will nicht mehr weiterleben und will sich neben Elena austrockenen lassen, er hat die Rechnung allerdings ohne seine Freunde gemacht, die nicht einfach nur daneben stehen, wenn er aus tiefer Depression heraus einfach aufgeben will. Fix-It für Staffel 7 und 8.
Disclaimer: „The Vampire Diaries" gehört L. J. Smith, Kevin Williamson, Julie Plec, The CW, Warner, und HarperTeen. Ich erhebe keinen Anspruch auf diese Franchise und verdiene kein Geld mit dieser Fic.
Pairings: Backround Pairings: Delena, Steroline , Nora/May Lou, Matt/Penny, Valerie hat unerwiderte Gefühle für Stefan, und Enzo steht auf Bonnie, es werden diverse vergangene Canon-Pairings erwähnt, das hier ist aber mehr eine Gen, wo die platonischen Beziehungen wie Bamon, Defan, Dalaric, Denzo, Bonra etc im Mittelpunkt stehen.
Warnings: Fix-It, Spoiler für die gesamte Serie, Canon Divergent ab 7x15, alle Vorblicke haben nie stattgefunden und es gibt keinen Zeitsprung in der Form, die ihr kennt, Mental Health Issues, Schilderung von Depression und Post-Traumatischen Belastungsstörungen, etwas Matt-Bashing könnte seinen Weg in diese Fic finden, Gewalt im canonüblichen Ausmaß, jeder hat seinen Standpunkt
Teil 1: Auferstehung
I.
Hey, Kumpel
Ja, ich weiß, dass das eine beschissene Art ist das hier zu tun, aber … hey, ich bin nun mal eine beschissene Person, also denke ich, ist es doch ganz angemessen.
Wenn du das liest, werde ich bereits in einem Sarg gleich neben Elena liegen und dabei sein auszutrocknen. Und ich werde nicht wieder aufwachen, bis sie es tut, also könnte das hier wohl unser offizieller Abschied sein. Ich will nicht gefühlsduselig und kitschig rüberkommen, aber … Du verdienst die Wahrheit.
Ich erzähle Stefan, dass die Welt ohne einen Elena-losen Damon ein besserer Ort ist. Dass es das Beste für alle ist, wenn ich weg bin. Ich bin mir allerdings sicher, dass er das durchschauen wird, denn wenn wir ehrlich sind: Ich gebe einen Scheiß darauf, was besser für die Welt ist.
Die Wahrheit ist, es geht mir nicht gut. Teufel, es geht mir sogar furchtbar schlecht. Und so ist es, seit sie mich verlassen hat.
Vor ihr wusste ich nicht wie es ist wenn man glücklich ist. Wenn man sich erfüllt fühlt. Wenn man sich vervollständigt fühlt.
Aber jetzt weiß ich es. Und nun, da ich dieses Gefühl kenne … das soll ich ohne es weiterleben? Das hätte keinen Sinn.
Nun, das war alles. Es war nett dich gekannt zu haben.
Caroline Forbes war müde, erschöpft, und überfordert. Als sie zugestimmt hatte mit Alaric und den Babys nach Dallas zu kommen, da hatte sie das hauptsächlich deswegen getan, weil es das Beste für die Mädchen war. Josie und Elizabeth brauchten jemanden, der für sie da war. Und der auch verlässlich war. Und so sehr sich Alarics Verhalten verbessert hatte, seit er von der Schwangerschaft erfahren hatte, so sehr war sie sich doch sicher, dass er alleine mit neugeborenen Zwillingen überfordert wäre. Und einer Nanny, irgendeine Fremde, die Pflege ihrer Kinder zu überlassen … nun nicht ihrer Kinder per se, aber der Kinder, die sie Monaten lang in sich getragen und versorgt hatte, die sie geboren hatte … nun das konnte sie einfach nicht.
Ja, sie wusste sehr genau, dass alle der Meinung waren, dass es ihr Kontrollzwang war, der nicht zulassen würde, dass jemand anderer sich um diese Kinder kümmerte, aber die Wahrheit war, dass sie einfach am besten dafür geeignet war. Weil sie gut darin war sich um Dinge zu kümmern und Tonnen an Literatur zum Thema Babys während ihrer Schwangerschaft verschlungen hatte, und es außerdem eine gute Art und Weise war sich von der Tatsache abzulenken, dass der Mann, den sie liebte, von der Vampirjägerin Rayna Cruz markiert worden war und sein Leben lang von ihr gejagt werden würde, wenn ihnen nichts einfiel um die Jägerin permanent loszuwerden. Sich darüber zu sorgen ließ die Versorgung von Neugeborenen im Vergleich sogar einfach wirken.
Zumindest schien das Schlimmste fürs Erste vorbei zu sein. Damon war es gelungen Rayna wegzusperren. Diese geheimnisvolle Waffenkammer, für die Enzo jetzt arbeitete, hatte Rayna eingefangen und schien nicht wieder vorzuhaben sie freizulassen. Das bedeutete also, dass Stefan fürs Erste sicher war, dass er bald nach Dallas kommen würde und sie gemeinsam besprechen könnte, wie es weitergehen sollte.
Caroline hoffte immer noch, dass sie ihren Freund dazu überreden würde können, dass sie in Dallas blieben, damit sie weiterhin bei den Babys sein konnte. Rick hatte ihr gesagt, dass sie solange bleiben konnte, wie sie wollte, und er würde auch weiterhin jede helfende Hand gebrauchen können, also warum sollten die Zwillinge nicht neben ihren Vater auch noch eine Mutter – Leihmutter natürlich – in ihren Leben haben? Stefan könnte auch mit anpacken, und ja, es würde vermutlich seltsam für ihn sein, aber er hatte sie während ihrer Schwangerschaft unterstütz, egal wie schwer es ihm gefallen war, und wenn er nur Zeit mit Josie und Elizabeth verbringen würde, dann würde er die Zwillinge zu lieben lernen und in ihnen nicht mehr eine Erinnerung an seinen eigenen Verlust sehen. Zumindest hoffte sie das. Dass er und Valerie ihr Baby damals verloren hatten, war eine Tragödie, aber wenn sogar Valerie darüber hinweggekommen war und die Bedürfnisse der fremden Babys zu ihrer Priorität machen konnte, dann würde Stefan, der immerhin mit Alaric befreundet war, das doch wohl ebenfalls können!
Sie würde ihn natürlich nicht bedrängen, sie würde ihm Zeit einräumen sich an den Gedanken zu gewöhnen, aber am Ende würde alles gut werden, davon war sie überzeugt.
Caroline hielt eines der Babys am Arm – es war Josie, diejenige, die nie schlafen wollte – und rockte es liebevoll, als sie den Zettel erblickte, den Ric am Tisch liegen hatte lassen. Was ist das denn? Sieht aus wie Damons Handschrift…
Offenbar handelte es sich um einen Brief. Warum ein Brief und keine SMS oder E-Mail?. wunderte sich Caroline. War das hier vielleicht eine Art Abschiedsbrief wegen der Babys? Es würde zu Damon passen, dass er darin einen Grund sah sich formell von seinem Saufkumpanen verabschieden zu müssen. Vermutlich war dieser Brief voll von Spott und schlechten Ratschlägen und Warnungen davor, dass sich Leihmutter Caroline zur Klette entwickeln würde, die Ric nie wieder loswerden würde. Das würde zu Damon passen!
Aber dann fiel Caroline wieder ein, dass Damon bereit dazu gewesen war das Heilmittel zu nehmen und mit Elena eine Familie zu gründen. Vielleicht standen also ganz andere Dinge in diesem Brief. Was auch immer es ist, es geht mich nichts an, es ist eine Privatsache zwischen Damon und Alaric. ….
Andererseits es waren irgendwie auch ihre Kinder. Wenn Damon etwas über die Zwillinge geschrieben hatte, sollte sie dann nicht davon wissen?
Außerdem ging es hier um Damon - Mr „Ich lese die Tagebücher anderer und mache mich dann drüber lustig." Den Kerl, der den Rücken ihres „New Moon"-Soft-Covers unzählige Verbiegungsspuren zugefügt hatte. Er würde es schon aushalten, wenn andere mit seinen Sachen so umging wie er mit ihnen. Letztlich war sie einfach wirklich neugierig auf den Inhalt dieses Briefes!
Und dieser war nicht das, was sie sich erwartet hatte. Gleich der zweite Absatz ließ sie vor Schreck erstarren.
Sie packte den Brief und machte sich auf die Suche nach Ric, und fand ihn neben der Wiege vor, wo er mit verzückten Gesichtsausdruck auf seine schlummernde Tochter starrte. Unter anderen Umständen hätte Caroline diese Szene süß gefunden, aber dazu hatte sie keine Zeit. „Was zum Teufel ist das hier!", wollte sie scharf aber gedämpft wissen und wedelte mit Damons Brief vor Alarics Gesicht herum, „Hast du das gelesen?! Damon will sich austrocknen lassen!"
Ric blickte sie einen Moment lang verwirrt an, dann verfinsterte sich sein Gesichtsausdruck. „Ja, ich weiß. Ich habe es gelesen", erklärte er dann leise.
„Und?!" Caroline wedelte heftiger mit dem Brief. „Und du sagst nichts und tust nichts dagegen?!", wollte sie entsetzt wissen.
„Nun, erstens bin ich hier in Dallas, und Damon ist, wenn er bei Elena ist, irgendwo in New York – zumindest glaube ich, dass es New York ist. Und zweitens ist es schon zu spät um noch etwas zu tun, zumindest laut dem, was hier steht", erwiderte Alaric defensiv.
Caroline verdrehte die Augen. Männer! Sie legte Josie, die inzwischen eingeschlafen zu sein schien, vorsichtig neben ihre Schwester in die Wiege, packte Ric dann am Arm, und zerrte ihn aus dem Schlafzimmer der Mädchen hinaus. Dann zog sie den Brief wieder aus der Hosentasche, in den sie ihn gestopft hatte, als sie Josie abgelegt hatte, und zischte: „Es gibt so eine tolle Erfindung namens Handy! Wir sind im 21. Jahrhundert, weißt du? Du kannst Stefan oder Bonnie oder sogar Enzo anrufen und ihnen sagen, dass sie etwas tun sollen!"
„Ich nehme an, dass sie alle davon wissen", gab Alaric zurück, als wäre das Erklärung genug.
Caroline wartete, doch mehr hatte er nicht zu diesem Thema zu sagen, wie es schien. „Und?! Ihr alle lasst das einfach geschehen, oder wie? Ich weiß es ist eine Weile her, aber falls du dich nicht mehr daran erinnerst für einen Vampir ist austrockenen eine sehr schmerzhafte Art der Folter! Es dauert Wochen, Monate, oder sogar Jahre bis man nichts mehr spürt!", erklärte Caroline gedämpft aber wütend, „Dein bester Freund setzt sich absichtlich großer Folter aus, und du lässt das einfach geschehen?!"
Alaric seufzte. „Es ist seine Entscheidung. Und um ehrlich zu sein … Kann ich ihn verstehen. Nach Jos Tod … wollte ich auch nicht weitermachen. Das Einzige, was mich aufrecht erhalten hat, war der Gedanke daran sie zurückzubringen. Und dann, nachdem sich diese Hoffnung zerschlagen hatte, der an die Babys. Du und die Babys, ihr habt mich gerettet. Aber Damon … so ein Wunder wird es für ihn nicht geben. Er kann und will nicht weitermachen, also lasse ich ihn das tun, was er tun muss", gestand er dann.
Jetzt wurde Caroline erst so richtig wütend. „Und was hat Damon getan, als es dir so schlecht ging? Er ist dir nicht von der Seite gewichen. Ist mit dir durch Europa gereist! Hat dich bei deinem Wahnsinnsplan Jo zurück ins Leben zu bringen unterstützt! Und jetzt, wo er Unterstützung braucht, tust du … einfach nichts?!", wollte sie wissen, und natürlich wurde sie zu laut, und in diesem Moment begannen die Zwillinge zu schreien.
Na toll. Caroline tigerte zurück ins Schlafzimmer, Alaric folgte ihr. „Du kennst doch Damon, wenn er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, dann kann man ihn nicht davon abbringen!", redete Alaric auf sie ein, „Ich habe keine Argumente um ihn davon zu überzeugen nicht zu tun, was ihn als Einziges Erleichterung verschafft…"
Caroline nahm die weinende Elizabeth hoch, und Alaric nahm Josie. „Hast du diesen Brief überhaupt gelesen, Ric?", wollte Caroline wissen, während sie das weinende Baby wiegte, „Es geht hier nicht um eine dumme Damon-Entscheidung. Dieser Brief ist ein einziger Warnschrei. Damon ist schwer depressiv und anstatt Selbstmord zu begehen, ritzt er sich nur, solange bis er gar nichts mehr spürt. Wenn er ein Mensch wäre und kein Vampir, würdest du dann daneben stehen und davon faseln, dass es seine Entscheidung ist?!"
„Das kann man nicht vergleichen. Sein Leben ist dadurch nicht wirklich in Gefahr", erklärte Ric, „Es ist nur als … würde er schlafen gehen."
„Mehr so als würde er sich grundlos in ein künstliches Koma versetzen lassen um ohne Depression wieder aufzuwachen. Was kein Arzt jemals zulassen würde!", schnappte Caroline.
Die Zwillinge heulten im Chor. „Ich bin jetzt Vater, Car, ich kann nicht ständig hinter Damon herlaufen und seinen Mist wegräumen", sagte Alaric, „Die Zwillinge brauchen mich dringender."
„Was du in dem Moment beschlossen hast, als du erfahren hast, dass sie in meinen Uterus transportiert worden sind", stellte Caroline bissig fest, „Wo warst du als Damon aus dem Phönix-Stein geholt wurde? Du hast miterlebt was das Ding Stefan angetan hat! Du wusstest, dass Damon jemanden brauchen würde, der für ihn da ist. Aber warst du für ihn da?! Nein, du warst vollauf damit beschäftigt zu planen wie du von uns allen wegkommst. Weg von den Vampiren!"
„Denkst du das wirklich? Ja, ich wollte weg aus Mystic Falls, weg von dem ewigen Vampir-Werwolf-Hexen-Hybriden-Doppelgänger-Traveler-Häretiker-Drama, weg von den Trümmern meiner Hochzeit und dem Grab des gesamten Gemini-Zirkels. Aber ich wollte niemals weg von dir, Caroline, ich würde dich niemals davon abhalten die Zwillinge zu sehen. Sie sind auch deine Babys!", rief Ric aus, „Und ich wollte für Damon da sein. Aber du hast Recht, ich habe gesehen was der Phönix-Stein mit Stefan getan hat, und ich wusste ich kann nicht für Damon da sein, und ich kann es auch jetzt nicht weil …. weil ich alles noch schlimmer machen würde! Ich habe von Anfang an alles noch schlimmer gemacht. Meinetwegen haben wir den Phönix-Stein benutzt, und dadurch konnte Lily Julian zurückbringen und der hat Damon durchbohren. Ich habe ihm das angetan, Car. Ich kann ihm nicht helfen. Ich kann nur versuchen für meine Mädchen der beste Vater zu sein, der ich sein kann, und mich von allen anderen, die ich liebe, möglichst fernhalten. Damon, Bonnie, Stefan, sie sind alle besser ohne mich dran. Sieh dir doch nur an was mit Isobel, Jenna, Jo, und Elena passiert ist. Das ist es, was ich denen, die ich liebe, antue. Und wenn du klug wärst, dann würdest du so weit und so schnell von mir weglaufen, wie du nur kannst. Du würdest Stefan nehmen und einfach weggehen und nie zurückblicken."
Caroline starrte ihn an und sah dann weg um nichts über seine Tränen sagen zu müssen.
Die Zwillinge weinten einfach weiter vor sich hin. Und dann nach einer Weile, verstummten sie endlich, und wurden wieder in ihre Wiege gelegt.
„Es tut mir leid", meinte Caroline dann, „Ich war … schwanger. Ich war ein schwangerer Vampir, der um seine Mutter trauert, den Mann, den sie liebt, nicht berühren konnte, sich daran gewöhnen muss, dass sie die nächsten sechzig Jahre oder so ihre beste Freundin nicht mehr wiedersehen wird, und der von Magiesauger-Babys beinahe umgebracht wurde. Da sage ich dir, dass Damon depressiv ist, und dabei entgeht mir vollkommen, dass du es auch bist."
Alaric blickte sie verunsichert an. „Caroline, das ist nicht…"
„Dabei habe ich alles darüber gelesen. Damals, nachdem Elenas Eltern gestorben waren, habe ich mich darauf vorbereitet, dass sie zurückkommt. Habe nachgelesen, damit ich die Warnzeichen erkenne. Ich hatte eine Liste, die ich immer bei mir hatte….."
„Natürlich hattest du das", meinte Alaric voller Zuneigung.
„Denn es gibt externe Auslöser, nach denen es ganz normal ist, dass man traurig wird. Aber wenn es nicht wieder besser wird, wenn es schlimmer wird, immer schlimmer, dann ist es mehr als nur Trauer. Aber Elena war so … gefasst. Ein wenig melancholisch, aber immer noch da. Und dann ist Stefan in ihr Leben getreten und hat alles durcheinander gewirbelt. Sie hatte bald keine Zeit mehr traurig zu sein. Und dann, nachdem wir Damon und Bonnie verloren hatten, da war sie so damit beschäftigt zu tun als wäre alles in Ordnung, obwohl es das nicht war. Sie hat diesen Zauber von Luke gekauft, und …. Sie hat gedacht, dass sie nur weiterleben kann, wenn sie Damon vergisst, wenn sie ihn aus ihrem Gedächtnis löschen lässt. Aber das war falsch. Wir beide wissen wie falsch es war. Und nein, ich will nicht, dass du dich schon wieder dafür entschuldigst, dass du es trotzdem getan hast. Ich will, dass du daraus lernst. Denn Damon macht genau das Gleiche wie Elena damals - er denkt er kann nicht ohne sie leben, aber das ist nicht wahr. Er denkt nur nicht ohne sie leben zu können, weil er auch noch seine Mutter verloren hat, er ihr nicht gesagt hat, dass er sie liebt, bevor sie gestorben ist, und er Wochen in der Hölle zugebracht hat und danach von Halluzinationen heimgesucht wurde. Du hast recht: Es ist Mystic Falls. Tyler wusste warum er weggegangen ist. Whitmore ist genauso verseucht. All das magische Zeug – Vampire, Urvampire, Werwölfe, Hybriden, Doppelgänger, Hexen, Travelers, Häretiker, die Bruderschaft der Fünf, Rayna Cruz, Silas und Qetsiyah … niemand sollte mit all dem leben müssen. Die letzten fünf Jahre waren für uns alle hart. Wir haben alle so viel verloren. Aber wenn wir jetzt aufgeben, dann haben alle anderen gewonnen. Ich hab mich in dem Moment, als ich von Katherine ermordet wurde, dazu entschlossen nicht aufzugeben. Ob Vampir oder Mensch, jeder von uns sollte weiterkämpfen. Du musst für deine Töchter weiterkämpfen, und auch Damon muss weiterkämpfen. Das müssen wir ihm nur klar machen", sagte Caroline ruhig, „Wenn er denkt, dass wir ihn einfach so aufgeben, dann irrt er sich. Weil, trotz all seiner zahllosen Fehler, er uns auch niemals aufgegeben hat."
Ric nahm am Tisch Platz. „Was schlägst du vor?", wollte er wissen.
Caroline sah ihn ernst an. „Dass wir denjenigen helfen, die Hilfe brauchen", erwiderte sie, „Jetzt gleich."
Stefan starrte Alarics neues Haus in Dallas wie ein liebeskranker Hund an. Er wusste, dass er anklopfen und sich ankündigen und mit Caroline sprechen sollte, aber … egal ob Rayna Cruz nun gefangen war oder nicht, er war durch seine Narbe immer noch mit ihr verbunden. Sie würde ihn finden, egal wo er hinging, und wenn er hier in Dallas bleiben würde, bei Caroline, so wie sie das wollte, dann würde er damit die Frau, die er liebte, in Gefahr bringen, und die Babys, die sie gerade erst geboren hatte, ebenfalls, und sie würde diese Babys nicht verlassen wollen um mit ihm quer durch die Welt zu reisen auf der Suche nach einem Weg seine Verbindung zu Rayna zu kappen. Ich sollte sie verlassen. Ohne Abschied. Damit sie mich hasst. Das wäre eine Damon-Strategie, keine Stefan-Strategie, aber das Beste für sie alle.
Und Damon hat mich verlassen. Ich war ihm nicht wichtig genug um weiterhin auf dieser Welt leben zu wollen. Daran wollte Stefan eigentlich gar nicht denken, doch er konnte an nichts anderes mehr denken. Er sollte endlich Valerie treffen und verschwinden. Noch mehr Zeit damit zu verschwenden an Leute zu denken, die ihn nicht so sehr brauchten wie er sie, würde zu nichts führen.
„Stefan! Dachte ich mir doch, dass du es bist! Was machst du hier?!"
Und genau deswegen hätte er abhauen sollen, damit er nicht beim Stalken erwischt wurde. „Caroline", er drehte sich zu seiner Freundin um, „Ich wollte gerade…."
„Spielt keine Rolle", schnitt ihm Caroline das Wort ab, „Wenn du schon da bist, dann kannst du genauso gut mit uns kommen."
„Mit euch kommen? Wohin?", wunderte sich Stefan, und sah wie Alaric mit zwei Babys in jeweils einem Kindersitz sein Haus verließ.
„Nach New York", erwiderte Caroline.
„Nach New York", wiederholte Stefan und fühlte sich langsam blöd, „Ich dachte, dass hier ist Rics neues Zuhause."
„Ist es auch. Wir fahren zu Damon", informierte ihn Caroline.
„Zu Damon? Aber Damon hat beschlossen aufzugeben. Er will sich austrockenen lassen, und ….", begann er, doch seine Freundin ließ ihn nicht zu Wort kommen.
„Und genau das wollen wir ihm nicht durchgehen lassen. Damon tut doch ständig Dinge, die andere nicht wollen, zu deren eigenen Besten. Zeit ihm seine eigene Medizin zu verabreichen. Wir wecken ihn und bringen ihn zur Vernunft", erklärte sie ihm.
„Warum?", war alles, was Stefan dazu einfiel.
„Ganz einfach, weil Elena genau das von uns erwarten würde", meinte Caroline ruhig, „Weil es das Richtige ist, genau deswegen."
Stefan könnte nun seine eigenen verletzten Gefühle anführen, Rayna, Valerie, und alles andere, doch er wusste, dass Caroline nichts davon gelten lassen würde. Also protestierte er nicht mehr, sondern folgte Carolin einfach hinüber zum Auto.
Ich kann nicht glauben, dass er es trotzdem getan hat. Sie war extra hierhergekommen, hatte ihm ins Gesicht gesagt, was sie davon hielt, und trotzdem tauchte er jetzt nicht mit einem frechen Grinsen neben ihr auf, nannten sie Bon-Bon, und entschuldigte sich auf wegwerfende Art und Weise bei ihr. Kein „War doch nur ein Scherz, Bon-Bon", kein „ „Hattest recht, ich wollte nicht mehr egoistisch sein, Bonnie". Nein, Damon hatte sie einfach verlassen. Trotzdem. Trotz allen.
Caroline war bei Alaric in Dallas, Stefan wer wusste schon wo, Matt überfordert in Mystic Falls als Deputy unterwegs, Nora auf der Flucht mit Mary Louise, und Enzo hatte sie alle an die Waffenkammer verraten. Und jetzt hatte sie auch noch Damon verlassen. Nun würde sie nicht nur Elena niemals wiedersehen, sondern auch Damon, der geschworen hatte, erst dann wieder aufzuwachen, wenn Elena wieder erwachte, und da ihr Schlaf an Bonnies Leben gebunden war, würde sie gleich beide ihrer besten Freunde nie mehr wiedersehen.
Sie schniefte und wischte sich eine Träne aus dem Gesicht. Sie hatte sich damals richtig entschieden, als sie Jeremy hatte wissen lassen, dass sie ihn so wie sie jetzt war nicht sehen wollte, sie war ein Schatten von einer Person – innerlich genauso kaputt wie sie es gewesen war als sie alleine in der Gemini-Gefängniswelt zurückgelassen worden war. Ihre Bruchstellen zeigten sich wieder, kaum, dass der nächste Schicksalsschlag sie ereilte. Sie hatte Elena versprochen ein erfülltes Leben zu führen, doch sie sah sich dazu nicht in der Lage. Nicht mehr.
Sie saß alleine in einem Starbucks in New York City und weinte in ihren Chococino - wegen einem Kerl! Nicht einmal einem Kerl, den sie in dieser Art mochte, sondern wegen einem Kerl, der es gewagt hatte sie als seine beste Freundin zu bezeichnen, und der sie trotzdem im Stich gelassen hatte.
Ihr Handy klingelte. Es war Caroline. „Bonnie, wo bist du?", wollte diese von ihr wissen.
„In New York", erwiderte Bonnie und hoffte, dass sie möglichst gefasst klang. Niemand sollte ihr anmerken wie sehr sie gerade verfiel.
„Das trifft sich gut, bleib dort, wir sind auf den Weg dorthin", erwiderte Caroline.
Bonnie blinzelte. „Wieso?", wollte sie wissen, „Es ist zu spät. Damon hat es getan. Wir können ihn nicht mehr aufhalten."
„Doch das können wir. Wir können ihn aus dem Sarg zerren, Blut in seinen Rachen zwingen, und ihn zur Vernunft bringen", gab Caroline zurück, „Und genau das werden wir auch tun."
„Wer ist wir?", wollte Bonnie wissen, nachdem sie sich das alles durch den Kopf hatte gehen lassen, „Doch wohl kaum nur du und ich."
„Du, ich, Stefan, und Alaric. Wenn wir Enzo und Tyler bearbeiten uns zu unterstützen um so besser. Oh, und Jeremy, Damon hatte immer eine Schwäche für Jeremy", informierte sie Caroline in ihrer geschäftsmäßigen Stimme.
„Und gemeinsam sollen wir … was tun? Das klingt ja beinahe so, als würdest du eine Intervention planen", meinte Bonnie langsam dazu.
„Im Grunde tue ich das auch. Denn wenn jemand etwas tut, das ihm selbst und anderen nur schadet, dann muss man diese Person davon irgendwie abhalten, nicht wahr?", lautete die Antwort.
Bonnie war der Meinung, dass sie sich das alles wohl leichter vorstellte als es sein würde, doch sie sagte nichts, sondern nahm das, was kommen würde, einfach hin. Wenn alle hier wären, dann wäre sie zumindest nicht mehr alleine. Egal wie diese Sache mit Damon letztlich ausgehen würde.
„Die Babys hast du vergessen aufzuzählen", merkte Bonnie an, als sie dabei zusah, wie Alaric und Caroline die Kindersitze aus dem Wagen hievten.
„Wir konnten sie nicht zurücklassen. Wer weiß wie lange das hier dauert", meinte Caroline, „Hilfst du mir mal mit dem Kinderwagen?"
Bonnie half ihrer Freundin schweigend und versuchte sich vorzustellen, was Damon sagen würde, wenn sie alle bei ihm im Lagerhaus auftauchen würden, zusammen mit den Magiesauger-Zwillingen. Damon und Babys – eine seltsame Kombination, Bonnie konnte sich seine Reaktion nicht wirklich vorstellen, und das obwohl sie der Meinung war, dass sie Damon besser kannte als irgendjemand anderer hier, inklusive Stefan.
„Nur fürs Protokoll, ich halte das hier für absolute Zeitverschwendung", jammerte Enzo, „Damon wird uns zu Hölle wünschen und ignorieren, weil er ein undankbarer Bastard ist, der andere zurücklässt. Das ist es, was er tut."
„Wenn du dieser Meinung bist, warum bist du dann hier?", wollte Bonnie von ihm wissen.
„Weil ein Vampir, der gegen seinen Willen geweckt wird, schon mal gewalttätig werden kann, und ich keine Lust habe Tyler schon wieder halbtot zurück in die Waffenkammer zu schleppen. Oder dich, was das angeht, liebe Bonnie", erklärte Enzo.
„Ich bin gerührt. Und verwirrt, angesichts der Tatsache, dass du uns ansonsten doch bei jeder sich bietenden Gelegenheit verrätst", gab Bonnie zurück, „Oder bist du vielleicht doch endlich dazu bereit uns zu wählen anstatt irgendeine Familie, die sich nicht für dich interessiert hat, bis es ihr in den Kram gepasst hat?"
„Vielleicht bin ich auch einfach nur hier um Damon zu ärgern", konterte Enzo.
„Könntet ihr beide das lassen? Das wird langsam anstrengend", beschwerte sich Tyler, „Der Deal war, dass ich Elenas Sarg bewache, damit sie nicht wieder gekidnapped wird. Nicht, dass ihr Ruheort zu einer Art Bahnhof wird."
„Keine Sorge, sobald wir Damon zur Vernunft gebracht haben, kannst du sie verlegen, und der Bahnhofsbetrieb ist vorbei", meinte Caroline überzeugt, „Also, weiß jeder, was er zu tun hat? Keine Vorwürfe, keine Unterstellungen, keine Beschimpfungen. Der Sinn hiervon ist es Damon dazu zu bringen leben zu wollen, nicht dazu sich selbst einen Pflock ins Herz jagen zu wollen."
Alle nickten, aber niemand besonders enthusiastisch. Bonnie nahm an, dass sie nicht die Einzige hier war, die zur Zeit wütend auf Damon war. Tyler hätte er erst vor nicht allzu langer Zeit beinahe getötet und umgekehrt, und Stefan und Alaric waren vermutlich ebenfalls sauer über seine Entscheidung sie einfach so zu verlassen, während Enzo … nun Enzo war, und seine eigene sehr eigenartige Beziehung zu Damon hatte. Zumindest Jeremy, der nichts von den Ereignissen der letzten Zeit wusste, schien momentan kein Problem mit dem älteren Salvatore-Bruder zu haben.
Bonnie wusste immer noch nicht wie sie mit Elenas kleinen Bruder umgehen sollte. Während des Abschieds von Elena war sie ihm nach Möglichkeit aus dem Weg gegangen, genau wie er ihr – es war zu viel anderes losgewesen, sie hatten zu viele andere Sorgen gehabt. Und nun hatten sie eigentlich wieder zu viele andere Sorgen. Sie hatten sich nach wie vor nicht ausgesprochen, aber eines stand fest: Was immer zwischen ihnen gewesen war, es gehörte eindeutig der Vergangenheit an.
Trotzdem es war komisch zwischen ihnen, deswegen war Bonnie ziemlich dankbar darüber, dass alle anderen als Puffer zwischen ihnen anwesend waren, und auch darüber, dass Damon im Moment ihre Priorität war – sie war für „das Gespräch" nicht bereit. In keinerlei Hinsicht. Und gerade jetzt sollte er sie nicht so sehen, wie sie sich wirklich fühlte.
Immerhin war Jeremy gekommen, genau wie Tyler – letzterer war vermutlich mehr wegen Elena gekommen als wegen Damon, aber er war hier, anders als Matt, der zuletzt offenbar sogar Stefan aus seinem Haus gejagt und Mystic Falls zur vampirfreien Zone erklärt hatte.
Als jemand, deren engste Freunde sich zu einem nicht geringen Teil aus Vampiren zusammensetzen, war Bonnie von dieser Entwicklung gar nicht begeistert. Aber das Matt-Problem würde warten müssen, bis sie das Damon-Problem gelöst hatten.
Sie hatten sich alle rund um Damons Sarg herum versammelt und waren übereingekommen, dass Stefan das Aufwecken erledigen sollte. Caroline und Enzo würden ihm Schützenhilfe leisten – die Nicht-Vampire hielten sich erst einmal im Hintergrund, schirmten den Kinderwagen mit den Babys von Damon ab. Ric, Jeremy, und Tyler hielten ihre Eisenkraut-Pistolen bereit, für den Fall, dass es nötig werden sollte. Bonnies Aufgabe hingegen schien es nur zu sein sich erst einmal im Hintergrund zu halten.
Aber was soll ich auch sonst tun? Ich habe schon versucht ihn davon abzubringen. Ich habe ihm gesagt, was er mir damit antut, aber das war ihm egal. Oder zumindest war es ihm nicht wichtig genug. Nicht wichtiger als er selbst. … Sie atmete tief durch und rief sich in Erinnerung was Caroline gesagt hatte – das hier war nicht der Zeitpunkt für Wut und verletzte Gefühle, dafür war später immer noch Zeit.
Der Sarg wurde geöffnet, und Stefan schien seinen Bruder einen Moment lang anzustarren – bevor er ihm den Inhalt eines Blutbeutels in den Mund träufelte.
Es war ein gurgelndes Geräusch zu hören. „Was soll das? Ich habe doch gesagt, dass ich nicht geweckt werden will. Ist Rayna etwa schon wieder frei?!", drang eine knurrige Stimme aus dem Sarg, und Damon setzte sich auf und blickte sich erstaunt in der Lagerhalle um.
„Was wollt ihr denn alle hier?", wollte er dann wissen, „Ist das hier eine Party?"
Leider war es eher das Gegenteil davon.
A/N: Reviews?
