III.


„Wo warst du? Ich habe stundenlang gewartet! Ich dachte, wir wollten gemeinsam weglaufen!" Bei Valerie schwang da ein gewisser Subtext mit, den Stefan definitiv nicht mit eingeplant hatte, als er sie gebeten hatte mit ihm zusammen wegzugehen. Zum Glück wusste Caroline nichts von seinen verworfenen Plänen. Schon gar nichts von dem Valerie-Teil, denn ansonsten hätte er jetzt gewaltigen Ärger am Hals.

„Es gab unvorhergesehene Verwicklungen", erklärte Stefan dem Handy in seiner Hand. Er konnte Valeries Gesichtsausdruck nicht sehen, aber er konnte ihren Zorn eindeutig in ihrer Stimme hören, als sie erwiderte: „Verwicklungen, die dich davon abgehalten haben mich anzurufen?! Was treibst du in New York, Stefan? Ich dachte, du hast endlich genug von Damon und davon, dass er dich dauernd in Schwierigkeiten bringt?!"

„Die Dinge liegen jetzt anders", erwiderte Stefan ausweichend.

„Anders, aha", lautete die schnippische Antwort, „Eine Minute sagst du das eine, dann änderst du deine Meinung wieder, und als ob das nicht schlimm genug wäre, bin ich die Idiotin, die auch noch bereit war alles stehen und liegen zu lassen um mit dir wegzugehen und dir dabei zu helfen einen Weg zu finden Raynas Narbe loszuwerden. Und dann bin ich dir nicht einmal einen Anruf wert!"

„Es ging drunter und drüber", verteidigte sich Stefan, und das war sogar wahr.

Nachdem sie es geschafft hatten Damon dazu zu überreden mit ihnen mitzukommen, hatte Tyler Elenas Standort geändert, während sie anderen Damon in das nächstbeste Hotel eskortiert hatten und sich überlegt hatten wie es jetzt weitergehen sollte.

Alle waren überein gekommen, dass sie sich nicht an Klaus oder Elijah oder einen der anderen Urvampire wenden würden. Wenn es um geistige Gesundheit ging, waren die Mikaelsons nicht gerade Vorbilder, und nachdem Klaus und seine Schwester Freya Stefan erst letzte Woche geholfen hatten, wollte er verhindern, dass er noch mehr in ihrer Schuld stand als sowieso schon. Also waren sie auf sich gestellt, und ja, Damon hatte nicht unrecht gehabt – es war gar nicht so einfach Hilfe für einen depressiven Vampir zu finden.

„Vampire-Psychologe" war nicht gerade ein verbreiteter Beruf – diejenigen, die ihn ausübten, stellten sich darunter vermutlich etwas anderes vor als Damon brauchte, also würden sie jemanden finden und dazu manipulieren müssen keine Angst vor Vampiren zu haben, genau wie Damon vorhergesagt hatte, und das war gar nicht so einfach. Immerhin sollte es ein Experte sein, und die Tatsache, dass Matt sie aus Mystic Falls verbannt hatte, stellte ein zusätzliches Hindernis dar, da eine vertraute Umgebung besser wäre um den unberechenbaren Damon unterzubringen als ein Hotel in New York.

„Was ist mit Meredith? Vielleicht kann sie uns jemanden empfehlen", schlug Caroline schließlich vor.

„Ich weiß nicht, ich glaube sie denkt immer noch ich sei tot", wandte Alaric unangenehm berührt ein, was Caroline dazu veranlasste ihn in die Schulter zu boxen und einen Vortrag darüber zu halten wie unverantwortlich das nun wieder war.

„Gibt es keine psychologische Fakultät in Whitmore?", wollte Jeremy wissen.

„In der es eventuell von Augustine-Anhängern wimmelt? Nein, das wäre keine gute Idee", befand Bonnie, „Je weniger Leute in Whitmore von Vampiren wissen umso besser."

Und so war das Brainstorming und Googeln weitergegangen, während immer einer von ihnen Damon gesittet hatte, der wiederum zumindest momentan Freude daran zu finden schien seinerseits die Zwillinge zu sitten. Was der einzige Vorteil an ihrer momentanen Situation war.

Auf einen grünen Zweig waren sie bisher nicht gekommen. Aber immerhin schien Damon wirklich nicht mehr vorzuhaben sich noch einmal auszutrocknen.

„Oh, ja, das kann ich mir vorstellen. Keiner von euch ist zu erreichen, wie es scheint", giftete Valerie.

„Wir haben uns eben alle zusammengetan um Damon zu helfen. Sogar Enzo ist hier. Und es scheint diesmal wirklich anders zu sein, wir stehen kurz vor einem Durchbruch, und…."

„Moment, Enzo ist bei dir?", unterbrach ihn Valerie rüde, „Dann kannst du diesem Scheißkerl vielleicht fragen warum seine neuen Freunde von der Waffenkammer Nora und Mary Louise entführt haben!"

„Die Waffenkammer hat Nora und Mary Louise entführt?!", wiederholte Stefan überrumpelt, „Ich dachte, sie wären vor Rayna geflohen."

„Das dachte ich auch. Aber als du nicht aufgetaucht bist und nicht zu erreichen warst, habe ich ein paar Ortungszauber durchgeführt, und neben dir auch nach den beiden gesucht, nur um sicher zu gehen, dass es ihnen gut geht, und habe herausgefunden, dass das gar nicht der Fall ist. Nachdem die Waffenkammer magische Wesen sammelt und einsperrt, kann ich mir wirklich nicht vorstellen, dass die beiden freiwillig dort sind. Oder kannst du das?", erwiderte Valerie erregt.

„Nein. Nein, das kann ich nicht", gab Stefan zu.

„Wer weiß was die dort mit Häretikern anstellen? Wir waren unser Leben lang Freaks, Stefan, und das war schlimm genug, aber jetzt auch noch von der Waffenkammern behandelt zu werden als wären wir Tiere, das geht zu weit. Ich weiß, die beiden sind nicht deine Lieblingspersonen, aber…."

„Nein, schon gut", fiel ihr Stefan ins Wort, „Ja, wir hatten unsere Differenzen, besonders zu Anfang, aber Nora hat sich als Freundin erwiesen, und die beiden gehören zur Familie. Natürlich retten wir sie. Ich knöpfe mir Enzo vor und bin dann schon auf dem Weg. Dieses Mal wirklich. Versprochen."

Typisch Enzo! Tat so als würde er sich um Damon scheren, aber kidnappte Nora und ihre bessere Hälfte hinter ihrer aller Rücken! Enzo war gerade mit dem Damon-Sitten dran. Um so besser, damit konnte er ihn wenigstens nicht kommen sehen.

Stefan ließ ihm keine Chance zu fliehen, bevor er ihn packte und gegen die nächste Wand presste. „Was hat die Waffenkammer mit Nora und Mary Louise vor?!", wollte er wütend wissen.

„Ich weiß nicht. Hat die Waffenkammer etwas mit den beiden vor?", gab Enzo unbeeindruckt zurück.

„Die Waffenkammer hat Nora und Mary Louise zumindest gekidnapped und hält sie jetzt gefangen, also sag du mir, ob das darauf hindeuten könnte, dass sie etwas mit den beiden vorhaben!", spukte Stefan dem dunkelhaarigen Vampir entgegen.

Bonnie kam in das Zimmer gestürmt. „Was ist mit Nora?", wollte sie wissen.

„Oh, das Drama spitzt sich zu", kommentierte Damon die Situation, als wäre er wieder vollkommen sein altes Ich, „Das kommt davon, Enzo, wenn man sich ständig mit fragwürdigen Individuen einlässt."

„Ich schwöre, ich hatte keine Ahnung", behauptete Enzo, „Alex vertraut mir solche wichtigen Dinge nicht an. Und so was schon gar nicht, für den Fall, dass ich es vor euch ausplaudern könnte. Wir wollten Rayna, von den Häretikern war nie die Rede."

„Valerie hat einen Ortungszauber durchgeführt. Wenn sie auf der Flucht vor Rayna sind, warum sollten sie dann an dem Ort sein, wo sie gefangen gehalten wird?", wollte Stefan wissen.

Damon klatschte in die Hände. „Eine neue Rettungsmission. Schon wieder. Nun, zumindest hält mich das beschäftigt, bis ihr einen Experten für mich findet", meinte er, „Los, Team! Zeit die lesbische Elite des Mean Girls Club zu retten!"

Stefan musterte seinen Bruder einen Moment lang misstrauisch, und überlegte sich dann wie er die schlechte Nachricht am besten überbringen sollte. Er entschloss sich dafür es auf die Damon-Art zu tun – direkt und schmerzvoll. „Das werden wir auch tun, allerdings kommst du nicht mit", erklärte er bestimmt.

Damon starrte ihn ungläubig an. „Was heißt hier, ich komme nicht mit? Natürlich komme ich mit! Denkst du wirklich ich würde daneben sitzen, wenn Bonnies Ein-Frau-Lerngruppe gerettet werden muss? Dann kennst du mich aber schlecht", widersprach er sofort.

„Du kommst nicht mit, weil diese Mission auch Erfolg haben soll. Und wenn du mitkommst, dann stehen die Chancen gut, dass sie aus irgendeinem Grund scheitert. Du warst in letzter Zeit nicht gerade auf der Höhe, wie du dich vielleicht noch erinnerst, und hast uns mehr als einmal vom Regen in die Traufe gesteuert. Und ja, wir sind uns alle einig, dass das nicht deine Schuld war, aber wir sind uns auch alle einig, dass du nicht in der Verfassung bist an irgendwelchen weiteren Rettungsmissionen teilzunehmen", erklärte Stefan ungerührt, „Also bleibst du hier. Zusammen mit Caroline und Ric."

Damon blinzelte. „Ihr braucht mich", behauptete er, und vermutlich hatte er damit sogar recht. Die Waffenkammer war nach wie vor eine unbekannte Größe, sie konnten sich nicht sicher sein wie hilfreich Enzo bei dieser Mission sein würde, und selbst wenn Jeremy und Tyler ihnen zur Hand gehen würden, selbst wenn sie Matt dazu überreden könnten ihnen zu helfen, würde die Hauptlast der Rettung bei Stefan, Bonnie, und Valerie liegen, und die Dreieinigkeit zwischen Vampir, Hexe, und Häretikerin würde möglicherweise nicht ausreichen um aus all dem unbeschadet wieder herauszukommen. Allerdings musste es ausreichen.

„Wir schaffen das auch ohne dich", log Stefan, „Wie schwer kann es schon sein in die Waffenkammer einzubrechen und zwei Hexen-Vampirinen zu befreien und heimlich heraus zu schmuggeln? Immerhin haben wir einen Inside Man" Stefan deutete mit seinen Daumen auf Enzo. „Es sollte ein Kinderspiel werden."

„Mir gefällt das nicht, Stefan", meinte Damon, „Je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger gefällt es mir, denn es gibt eine Sache, die du bei deinem tollen Plan übersehen hast: Rayna Cruz ist in der Waffenkammer, und sie ist immer noch mit dir verbunden. Wenn du hingehst, dann wird sie es wissen. Und alles versuchen um dich umzubringen - schon wieder. Also vergib mir, wenn ich dein Leben nicht unbedingt in die Hände von Enzo legen möchte, sondern selbst auf dich aufpassen will."

Damon, fiel Stefan auf, ließ immer nur dann den großen Bruder heraushängen, wenn es ihm in den Kram passte. Aber damit würde er dieses Mal nicht durchkommen. „Du würdet uns behindern, Damon, wir können dich nicht mitnehmen", betonte er.

„Von wegen behindern! Ich habe uns auch Rayna Cruz vom Hals geschafft, oder etwa nicht?! Ich kann mich zusammenreißen, ich schwöre es!", ließ sein Bruder nicht locker.

„Stefan hat recht, Damon", mischte sich nun Bonnie ein, „Ich will Nora retten, und nicht riskieren stattdessen auch noch dich zu verlieren. Und das dieses Mal endgültig."

Damon warf ihr einen düsteren Blick zu. Dann seufzte er. „Heult mir nachher aber nicht die Ohren voll, wenn ihr Häretiker-Überreste von der Wand kratzen müsst!", schnappte er dann, „Und kommt gefälligst lebendig wieder. Und nehmt Gilbert mit, vielleicht ist er ja zu was Nutze." Dann stapfte er beleidigt davon, kam aber nicht weit, da er von Caroline, die mit ihrem Vampirgehör alles mitbekommen hatte, abgefangen wurde.

„Ihr erwartet wirklich von mir, dass ich meine neu-gefundene Familie für die Lesben aus der Hölle betrüge?", wollte Enzo gedämpft wissen.

„Wir erwarten von dir, dass du zur Abwechslung einmal die richtige Seite wählst", zischte Bonnie, „Wenn du es nicht für uns oder die beiden tun willst, dann tue es für Lily. Sie hat die Mädchen geliebt. Sie zu retten ist das Mindeste, was du tun kannst, um sie zu ehren."

„Und wenn du uns wieder betrügen solltest, dann töte ich dich", warf Stefan freundlich ein, „Und erzähle Damon nachher, dass du heldenhaft bei dem Versuch uns alle zu retten umgekommen bist."

Enzo gab einen undefinierbaren Laut von sich. „Nun zumindest spielen wir alle von Anfang an mit offenen Karten", meinte er.

Die Frage war nur, ob das auch ausreichen würde.


„Soll das ein Witz sein?" Matt Donovan starrte Bonnie an, als hätte er sie noch nie zuvor in seinem Leben gesehen. Als wäre er nicht einer ihrer ältesten Freunde. „Du bittest mich darum euch dabei zu helfen Nora und Mary Louise zu retten?! Nicht Caroline, oder Stefan, oder zumindest Damon, nein Nora und Mary Louise, zwei der Häretiker, die meine ganze Abschlussklasse umgebracht haben! Warum um alles in der Welt sollte es mich interessieren was aus den beiden wird?!" Er schüttelte ungläubig seinen Kopf. „Sie haben das ganze Sheriffsdepartement getötet, einfach nur so zum Spaß!"

„Damals waren sie gerade erst aus der Gefängniswelt zurückgekommen und wollten sich gegen Lily auflehnen, weil sie das Gefühl hatten immer noch im Gefängnis zu sein. Sie wissen es inzwischen besser und sind inzwischen anders", erwiderte Bonnie sofort, „Nora ist meine Freundin, und sie hat uns geholfen Stefan und Damon aus dem Phönix-Stein zu befreien, und …."

„… sie hat Stefan erst dorthinein geschickt. Und Massenmord soll verziehen werden, weil es ein Akt von Teenie-Rebellion war? Das denke ich nicht. Ihr, ihr alle, ihr verlangt immer von mir, dass ich einfach vergebe und vergesse, was Vampire getan haben. Dass Damon Vicki getötet hat. Dass alle meine Freunde von Nora und ihrer Freundin hingemeuchelt wurden, Klaus' Morde an Elenas Tante und Tylers Mutter … Ich habe wirklich genug davon. Ich habe euch immer wieder geholfen, entgegen besserem Wissen, einfach deswegen, weil ihr mich darum gebeten habt, aber damit ist es jetzt vorbei. Mystic Falls ist meine Heimat, die ich beschütze – vor allem vor Vampiren. Alles andere kümmert mich nicht mehr", unterbrach Matt sie bitter, „Zuviel ist einfach zuviel – ich werde von nun an nicht mehr losspringen um Stefan oder seinen Bruder oder sonst jemanden zu retten. Diese Zeiten sind vorbei. Vampire – sie sind alle gleich. Sie sind alle böse. Wann verstehst du das endlich, Bonnie?"

Bonnie konnte nicht glauben was sie da hörte. „Sie sind nicht einfach böse. Caroline ist ein Vampir, und …."

„… sie ist im letzten Jahr mörderisch herumgerannt, als sie nach dem Tod ihrer Mutter ihre Gefühle ausgeschalten hat. Genau wie Elena nach Jeremys Tod. Ich wollte mir Jahre lang einreden, dass sich nichts geändert hat, nur ihre Diät, aber so ist es nicht. Caroline Forbes ist gestorben, schon vor Jahren. Sie ist nicht mehr wie du oder ich. Allein die Tatsache, dass diese Wesen einfach einen metaphorischen Schalter umlegen können, und dann alles, was sie empfinden ausschalten können, zeigt doch wie unnatürlich sie sind", vervollständige Matt ihren Satz, „Sie retten zu wollen ist der größte Fehler, den man machen kann. Wenn sich Elena damals nicht in Stefan verliebt hätte, dann wären wir jetzt alle nicht hier. Dann wäre Vicki noch am Leben, diese Stadt hätte immer noch ein Sheriffsdepartement, Jenna wäre noch unter uns, genau wie Tylers Eltern und deine Grams. Es ist an der Zeit, dass wir aufhören diese Blutsauger, die von unserem Blut leben, aus den Schwierigkeiten, in die sie sich selbst gebracht haben, herauszuholen, und sie stattdessen einfach das ernten lassen, was sie selbst gesät haben."

Bonnie schüttelte nur den Kopf. „Bedeutet dir Caroline als auf einen Schlag gar nicht mehr? Was ist mit Elena und Tyler, sie waren zwischendurch auch Vampire…."

„Und wurden als Menschen wiedergeboren. Oder als Mensch und als ruhender Werwolf, was weiß ich. Der Punkt ist, sie sind wie wir – deren Beute. Es gibt Gründe dafür warum sich Lämmer nicht mit Löwen anfreunden", erklärte Matt hart, „Ich weiß, dass du das alles nicht wahrhaben willst. Ich wollte es Jahre lang auch nicht wahrhaben. Ich habe Diskussion um Diskussion zu diesem Thema geführt, habe mich immer weichkochen lassen, habe immer wieder über diverse Dinge hinweggesehen, aber das ist vorbei. Ich habe jemanden getroffen, der mir die Augen geöffnet hat – mit einer einzigen Frage: Trinken deine Vampirfreunde ebenfalls Blut? Und solange die Antwort darauf ja lautet, solange sind sie keine Menschen und wir ihre Beute. Keine Tierblut-Diät kann das ändern, nicht auf Dauer. Irgendwann wird jeder von ihnen zur Gefahr für uns. Und die meisten von ihnen war nie etwas anderes."

Bonnie konnte es wirklich nicht fassen. Sie war extra hierher nach Mystic Falls gekommen, hatte Matt extra am Revier besucht, um ihn dazu zu überreden ihr zu helfen, trotz allen, was sie über ihn gehört hatte, hatte sie noch daran geglaubt, dass er ihnen helfen würde, und jetzt musste sie sich das anhören! Matt, der Caroline geliebt hatte, der Elena geliebt hatte, sogar noch als sie ein Vampir gewesen war, der mit Rebekah Mikaelson durch Europa gereist war als wäre das ganz normal, dieser Matt, Stefans Freund Matt, Tylers Freund Matt, verdammte nun eine ganze Rasse, sowie alle ihre Freunde, einfach dafür, dass sie waren, was sie waren.

„Ist das der Grund, warum du Enzo an die Waffenkammer übergeben hast?", wollte sie wissen, „Weil er ein Vampir ist, und du beschlossen hast von jetzt an alle Vampire zu hassen?"

„Ich habe Enzo an die Waffenkammer übergeben, weil er uns, seit er in Damons Leben zurückgekehrt ist, nichts als Ärger gemacht hat, weil er mich entführt und bedroht hat, mich gestalkt hat, genau wie Elena und Damon, weil er sich den Häretikern angeschlossen hat, und weil er in dieser Stadt Menschenblut getrunken hat. Und ja, weil er ein Vampir ist", erwiderte Matt, „Und sich niemals ändern wird. Und das im Gegensatz zu Caroline oder Stefan oder sogar Damon nicht einmal versucht. Also, ja, Bonnie, ich helfe der Waffenkammer dabei Vampire zu fangen, ich rette sie nicht vor ihnen."

„Nora wurde ihr ganzes Leben lang für das gehasst, was sie ist. Sie wurde von ihrem Zirkel ausgestoßen, weil sie keine eigene Magie besitzt, sondern die anderer benutzen muss. Sie wurde als unnatürlich bezeichnet, weil sie Frauen an der Stelle von Männern liebt", erklärte Bonnie bitter, „Und jetzt weigerst du dich ihr Leben zu retten, wieder wegen etwas, das sie ist?"

„Sie wurde als Magiesaugerin und als Lesbe geboren, Bonnie. Aber dafür ein Monster zu sein hat sie sich entschieden. Versuch nicht mir ein schlechtes Gewissen zu machen, indem du so tust als wäre ich derjenige, der sich hier irrational verhält", gab Matt mit zusammengebissenen Zähnen zurück, „Denn das bin ich nicht. Du bist es."

In Mystic Falls würde Bonnie keine Hilfe finden, so viel war klar. Es wäre ja auch wohl zu einfach gewesen.


IV.


„Es gefällt mir nicht hier herumzusitzen und nichts zu tun, während die anderen ihren Hals riskieren", beschwerte sich Damon, „Das ist nicht mein Stil."

„Nun, dann tu nicht nichts. Hilf mir dabei deinen zukünftigen Therapeuten auszusuchen", erwiderte Caroline und hielt ihm den Laptop unter die Nase, „Hier sind die mit der besten Online-Bewertung aus New York. Springt dir einer ins Auge?"

Damon schob den Laptop zu ihr zurück. „Ich fasse es nicht, dass du Online-Bewertungen von Seelenklempnern durchsiehst." Er stand von dem Bett auf, auf dem er zuvor gesessen hatte, und spitzte seine Ohren nach Ric's Stimme. Der telefonierte mit Meredith Fell, und das schon sehr lange. Es schien nach allem, was Damon mitbekommen hatte, nicht so gut zu laufen. Nun, das hatte man eben davon, wenn man sich nach seiner wundersamen Auferstehung von den Toten nicht bei seiner Ex meldete.

„Es wäre einfacher, wenn wir wüssten, wo du vorhast von jetzt an zu leben", warf Caroline ein, „Ich meine, New York ist schon toll, und ist New York. Aber sollte es hier genau deswegen nicht eigentlich von Vampiren wimmeln? Vielleicht solltest du lieber irgendwohin ziehen, wo dir niemand dein Jagdgebiet streitig macht. Schon mal an Dallas gedacht?"

Damon warf ihr einen scharfen Blick zu. „Neben dir und Stefan, nehme ich an, damit ihr immer ein Auge auf mich haben könnt. Am Besten in einer WG mit Bonnie, die ihr Studium am Whitmore College abbricht und fortsetzt an der Dallas University für …. Gibt es an Dallas überhaupt eine Universität? Ich meine, es muss eine geben, oder? Immerhin ist Ric dorthin gezogen, weil die ihn dort haben wollten. Ich habe zwar noch nie davon gehört, aber es muss eine Uni geben. Es sagt nur niemand jemals: Hey, ich will in Dallas studieren, die haben dort eine wunderbare philologische Fakultät." Er unterstrich diese Behauptung mit Anführungszeichen in der Luft. „Aber das spielt keine Rolle, denn wenn es ein Saftladen sein sollte, dann würdest du einfach etwas anderes für sie zu tun finden. So oder so, du hättest alle an einem Ort vereint. Unter deiner Kontrolle: Ric und die Babys, deine bessere Hälfte, seinen Bruder, und deine beste Freundin. Das würde dir gefallen, was?"

Caroline sah ihn nur stumm an. „Und was wäre verkehrt daran?", wollte sie dann wissen, „Alle würden sofort wissen, wenn Stefans Narbe wieder aufgeht. Wir wären alle vereint, wenn Elena wieder aufwacht. Und wir könnten ein Auge aufeinander haben."

„Damit meinst du ihr alle könntet ein Auge auf mich haben", korrigierte sie Damon.

„Und wenn schon", lautete die Antwort, „Besser einen Babysitter zu haben als alleine zu sein. Wir sind nicht deine Wärter, Damon, wird sind deine Freunde."

Damon schüttelte nur den Kopf. „Ihr denkt, ihr seid meine Erziehungsberechtigten, das ist ein Unterschied", erklärte er.

„Ein wenig Hintern versohlen ab und zu würde dir ganz gut tun", meinte Alaric, der in diesem Moment wieder hereinkam. Er schwenkte sein Handy vor ihren Nasen herum. „Das war das unangenehmste Gespräch meines Lebens. Aber zumindest habe ich ein paar Namen bekommen."

„Schön für dich. Du kannst sie mit Carolines Yelp-Bewertungen abgleichen", brummte Damon wenig begeistert.

„Wir tun das hier für dich, Damon", rief ihm Alaric in Erinnerung.

„Und ich habe euch nie darum gebeten. Ich mache bei all dem nur mit um euch einen Gefallen zu tun. Und anstatt mir zu danken lasst ihr mich nicht einmal meinen Bruder und meine beste Freundin beschützen!", giftete Damon.

Alaric und Caroline wechselten einen Blick. Gemeinsam Eltern zu sein hatte sie einander auf unheimliche Weise näherkommen lassen, sie schienen jetzt telepathisch zu kommunizieren und die Sätze des anderen zu beenden. Das war eindeutig unnatürlich!

„Ich bin sicher, es geht ihnen gut, Damon", behauptete Alaric geduldig.

Damon war ganz und gar nicht davon überzeugt, dass das auch stimmte.


Der Plan war tatsächlich ein Plan und keine einfache „Rein und alles kurz und klein schlagen"-Aktion, was der beste Beweis dafür war, dass Damon nichts damit zu tun hatte. Sie hatten nicht nur einen Inside Man, sie hatten zwei, eigentlich sogar drei. Während Enzo zurückkehrte und vorgab seinen üblichen Geschäften nachzugehen (wie auch immer die aussahen), besuchte Tyler begleitet von Jeremy ebenfalls die Waffenkammer, mit der Ausrede Jeremy mit der Organisation bekannt machen zu wollen, um eine zukünftige Zusammenarbeit arrangieren zu können. Inzwischen wusste jeder, dass Jeremy niemals zur Kunsthochschule gegangen war, sondern sich stattdessen als freischaffender Jäger betätigte, das war das ganze Cover, das er brauchte.

Während Tyler und Jeremy also Alex ablenkten, sollte Enzo nach den gefangenen Häretikern suchen, herausfinden wo sie gefangen gehalten wurden und welche Sicherheitsvorkehrungen es gab, und diese sollte er dann deaktivieren, und dann würden Stefan, Valerie, und Bonnie, die draußen als Kavallerie warteten, ihren Angriff starten um so für die notwendige Ablenkung zu sorgen. Tyler und Jeremy sollten nur dann eingreifen, wenn es wirklich notwendig werden sollte, während Enzo auf keinen Fall riskieren sollte etwas zu tun, das Rayna Cruz die Flucht ermöglichte.

Es war also ein ganz einfacher Plan. Und natürlich musste alles schiefgehen.

Was immer Enzo in der Waffenkammer trieb, sehr gut vertraut mit deren Sicherheitsmaßnahmen war er offensichtlich nicht, da er natürlich den Sicherheitsalarm auslöste. Das sorgte für einen verfrühten Aufmarsch der Sicherheitskräfte, die Stefan, Valerie, und Bonnie nun extra finden und angreifen mussten anstatt sie durch eine Frontalattacke zu sich zu locken. Außerdem wurde Alex misstrauisch, was dazu führte, dass Tyler und Jeremy ihr Cover fallen lassen mussten, und so ging nach wenigen Minuten alles drunter und drüber – und das ganz ohne Damon.

Stefan weigerte sich das Ich hab's euch ja gleich gesagt seiner inneren Stimme, die sich verdächtig nach seinem Bruder anhörte, zu beachten und konzentrierte sich stattdessen auf den Kampf. Und darauf nach Rayna Cruz Ausschau zu halten, falls sie einem Rachengel gleich hier auftauchen sollte und versuchen sollte ihn zu erstechen oder dergleichen.

Rayna ließ sich nicht blicken, aber dafür schien es der Sicherheitsdienst der Waffenkammer aus irgendwelchen Gründen mehr auf Bonnie abgesehen zu haben als auf die fliehenden Häretiker. Aber immerhin waren an dem Kampf zwei Vampire, drei Häretiker, eine Hexe, ein Werwolf, und ein Jäger beteiligt, womit die Waffenkammer nicht gerade im Vorteil war.

„Enzo, wie kannst du das tun? Wie kannst du mich nur verraten? Ich bin deine Familie!", beschwerte sich Alex schließlich, als sie eine Kampfpause einlegten und sich die beiden Fraktionen mit gezückten Waffen gegenüberstanden.

„Das sind sie auch!", erwiderte Enzo und zeigte auf Nora und Mary Louise, „Sie sind meine Schwestern, von derselben Schöpferin gemacht, und das wusstest du, weswegen du sie hinter meinem Rücken gefangen und eingesperrt hast! Eine schöne Familie ist das! Eine Familie, die sich einen feuchten Dreck um einen schert, ist keine Familie!" Aus irgendwelchen Gründen nickte er bei diesen Worten in Bonnies Richtung.

„Ich wusste nicht, dass euch allen so viel an diesen mörderischen Hexen/Vampir-Hybriden liegt", behauptete Alex, „Aber so bewundernswert euer Einsatz für eure Freunde auch ist, ihr habt keine Chance von hier zu entkommen. Es sei denn natürlich, ich lasse es zu. Und im Grunde liegt mir nicht besonders viel an diesen sogenannten Häretikern. Ja, sie sind interessant, aber ich kann ohne sie leben. Immerhin habe ich dank euch allen Rayna Cruz, die schamanische Vampirjägerin, in meiner Gewalt. Ich bin bereit euch alle gehen zu lassen, euch alle, abgesehen von Miss Bennett hier. Die müsste noch eine Sache für mich erledigen, bevor ich auch sie gehen lassen."

„Was?" Bonnie sah verwirrt zu Enzo hinüber, genau wie alle anderen, der aber nur die Schultern zuckte. „Das ist das erste Mal, dass ich davon höre", behauptete er, „Alex hat mir gegenüber in keiner Form angedeutet, dass sie irgendeine Art von Interesse an dir hat."

„Deine neue Familie scheint dir ja nicht besonders viel mitzuteilen, Lorenzo", merkte Valerie an.

„Ja, so scheint es", brummte Enzo, „Die St. John-Familie ist offenbar nicht sehr gut darin ihre Geheimnisse untereinander zu teilen."

„Was ich wem anvertraue ist meine Sache!", verteidigte sich Alex, „Aber das Angebot ist ernst gemeint - ihr alle könnt gehen, wenn Miss Bennett bleibt."

„Tu es nicht, Bonnie. Sie plant an dir herumzuexperimentieren. Opfere dich nicht für uns!", rief Nora aus.

Stefan dachte darüber nach. Er nahm an, dass Nora recht hatte – Alex St. John wollte Bonnie sicherlich hierbehalten, weil sie ihre Kräfte erforschen wollte, doch ihm war nicht ganz klar warum. Rayna Cruz war einzigartig, die Häretiker überaus selten – Valerie, Nora, und Mary Louise waren vermutlich die letzten, die es überhaupt noch gab – aber Bonnie war eine einfache Hexe. Ja, sicher, sie war im Laufe der Zeit ein paar andere Dinge gewesen – der Anker zur Anderen Seite, ein Geist, eine Hexe, die Expressions-Magie betrieb – aber all das war vorbei, er war sich nicht sicher, ob es davon überhaupt immer noch Spuren in ihrem Körper zu finden gäbe. Und selbst wenn, wusste er nicht welchen Vorteil sich Alex St. John von all diesen Dingen versprach – die Andere Seite war weg, Expression konnten auch andere erlernen. Nein, es konnte nicht darum gehen. Doch worum ging es dann?

Hexen gab es wie Sand am Meer, Alex könnte ohne Probleme genug von denen entführen um die ganze Waffenkammer zu füllen. Und solange sie sich nicht nach New Orleans wagte, würde sie deswegen vermutlich nicht mal besonders große Schwierigkeiten bekommen.

„Ich verstehe das nicht", sagte Bonnie, „Was wollt ihr mit mir?"

„Wir brauchen etwas von dir, das nur eine Bennett-Hexe tun kann", erklärte Alex.

Das klang ominös und alles andere als vielversprechend. Und hatte hoffentlich nicht schon wieder mit Katherine und Emily zu tun, denn das wurde langsam alt.

Doch sie kamen nicht dazu weiter zu diskutieren, da Mary Louise an dieser Stelle scheinbar beschlossen hatte, dass sie genug geredet hatten. „Wir gehen entweder alle von hier weg oder keiner!", verkündete sie, „Tesamtos!"

Und damit ging der Kampf von vorne los.


„Also gut, jetzt haben wir fünf Termine für dich ausgemacht. Du kannst zu allen gehen und dir den Therapeuten aussuchen, der dir am besten gefällt", meinte Caroline.

Damon hatte nicht vor zu auch nur einem dieser Termine zu gehen. Bei Caroline hörte sich das alles an wie eine Shoppingtour, aber Damon hatte nicht vor sein Inneres und all seine Geheimnisse vor einem vollkommen Fremden auszupacken. Ja klar, er hatte es versprochen, aber in Wahrheit hatte er ja eigentlich nur versprochen, dass er sich nicht austrocknen lassen würde, sondern versuchen wollte weiterhin wach zu bleiben. Von „Wähle den Seelenklempner" war nie die Rede gewesen.

Die Zwillinge schienen ihm zuzustimmen, da sie wie auf Kommando zu weinen begannen. „Das war's wohl mit der Ruhe und den Frieden", stelle Caroline entnervt fest.

„Ich geh schon", meinte Alaric schnell und hechtete hinüber zu in dem von dem Hotel gemieteten Babybett, in dem die schreienden Zwillinge lagen.

Langsam begann Damon sich zu fragen, ob Caroline sich so sehr darin hineinsteigerte ihm zu helfen, weil ihr das eine willkommene Ablenkung von schreienden Babys bot.

Endlich läutete Carolines Handy. „Wie steht's?",wollte er wissen, kaum dass sie abgehoben hatte, woraufhin sie ihm deutete still zu sein, dann lauschte sie der Stimme am Telefon.

„Sie haben Nora und Mary Louise befreit", verkündete sie.

Soweit so gut.

Dann seufzte sie. „Aber stattdessen gibt es ein neues Problem", fuhr sie dann fort.

Natürlich gab es das. Das hatte ja auch nicht anders sein können, nicht wahr? Damon hatte ja gleich gewusst, dass es besser gewesen wäre, wenn er mitgegangen und das alles selbst geregelt hätte.


A/N: Die Nach-Zeitsprung-Welt von Staffel 7 ist voll von so viel Unsinn und Widersprüchen und Plotlöchern. Was natürlich auch damit zu tun hat, dass die Autoren keine Zeit hatten alles aufzuklären was keinen Sinn macht, aber da niemand sie zu diesem seltsamen Storytelling Format gezwungen hat, hätte sie es ja auch anders machen können. Damon hätte ja weiterhin in den Flashforwards vorkommen können, oder ähnliches.

Wie auch immer, da bei mir bisher so gut wie keine Zeit vergangen ist, kann Enzo all die Dinge, von denen er nichts weiß, tatsächlich nicht wissen. Was Alex aber eigentlich wirklich mit Nora und Mary Lou wollte oder warum sie überhaupt mit magischen Wesen experimentieren will und Magiedämpfer entwickeln sollte … bleibt auch hier offen, da ich nicht glaube, dass ich je auf diese Fragen eingehen werde (und es keinen Sinn macht so eine gewisse verschlossene Türe öffnen zu wollen, das also nicht der Grund dafür sein kann), also nehmen wir einfach an, dass die Waffenkammer magische Wesen sammelt und an ihnen experimentiert, weil sie das eben machen.

Damit endet Teil 1. Teil 2 wird sich mit der Bonnie-Situation befassen, unter anderen.

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