Teil 3: Neuanfänge


I.


Adrenalin ist eine gute Sache, die einem dabei hilft zu überleben; die Probleme beginnen dann, wenn der Kick nachlässt. In den letzten fünf Jahren waren sie von einer Krise in die nächste geschlittert, und während den Krisen waren die Dinge vergleichsweise runder gelaufen als zwischen ihnen. Dann wenn die unmittelbare Gefahr vorbei ist, dann kann man sich wieder ausruhen, und wenn man sich wieder ausruhen kann, dann kann man einen Blick zurückwerfen und damit beginnen all das zu verarbeiten, was geschehen ist. Und dann kann man Konsequenzen ziehen. Und Konsequenzen sind nicht immer angenehm.

Valerie hatte unterstützt von Nora und Mary Louise Stefans Narbe in Windeseile auf den nächstbesten anderen Vampir übertragen. Sie hatte keine Zeit gehabt sich ein Opfer auszusuchen, das willig (wer wäre das schon?) oder besonders böse (wie sollte sie so jemanden finden und überwältigen?) war. Das wussten sie alle. Sie alle wussten, dass sie keine Zeit dazu gehabt hatten wählerisch zu sein, für den Fall, dass das Böse, das unter der Waffenkammer hauste, Rayna irgendwie tötete. Die Zeit hatte gedrängt. Sie alle waren sich bewusst gewesen, dass Stefans Leben durch die Narbe an Raynas Leben gebunden war, Stefan wäre bereits einmal beinahe gestorben, als Damon Rayna lebendig begraben hatte und ersticken hatte lassen wollen. Es war kein Mythos, es war ein Fakt: Wenn die Jägerin endgültig starb, dann würde ihre markierte Beute mit ihr sterben.

Als Valerie also mit einem fremden Vampir angekommen war, da hatte keiner nachgefragt. Es war einfach keine Zeit dazu gewesen. Nachdem sie die Narbe übertragen hatten, hatten sie den fremden Vampir sich selbst überlassen. Sie hatten ihm kurz erklärt, was die Narbe zu bedeuten hatte, waren aber nicht ins Detail gegangen.

„Die Jägerin ist gefangen und sollte nicht in der Lage sein frei zu kommen, doch wenn sie stirbt, während du markiert bist, stirbst du mit ihr. Da sie aber noch jung und gesund ist, solltest du mindestens ein ganzes menschliches Leben noch vor dir haben", hatte Valerie ihm rüde erklärt, ohne zu erwähnen, dass Raynas Leben möglicherweise in direkter Gefahr war. Und dann waren sie weggefahren und hatten den frisch markierten Vampir zurückgelassen.

Die Häretiker mochten das Ganze nun als etwas ansehen, das vergangen und damit vorbei war, aber Stefan wäre nicht Stefan, wenn er sich nicht Fragen stellen würde. Fragen wie wer dieser Vampir eigentlich gewesen war, ob er das, was sie ihn angetan hatten, überhaupt verdient hatte, ob sie es ihm nicht wenigstens schuldig gewesen wären ihm die ganze Wahrheit zu erzählen.

Die Wahrheit war, dass nicht alle Vampire eiskalte Monster waren. Viele lebten ein durchaus angepasstes Leben, gaben vor Menschen zu sein, ernährten sich von Blutbeuteln oder willigen Spendern, und sorgten nicht einmal für besonderes viel Ärger. So gerne Stefan vorgab, dass es anders war, so gerne er auf andere Vampire, die nicht einmal in Erwägung zogen auf Menschenblut zu verzichten, herabsah, so genau wusste er tief in sich, dass nicht jeder Vampir ein Ripper war, dass es viele mit Selbstbeherrschung gab, die viel länger gelebt hatten als er und all dieser Zeit viel weniger Schaden angerichtet hatten. Und dass es auch viele junge Vampire gab, wie Caroline, die trotz ihrer vergleichsweise kurzen Zeit als Vampir niemals besonders aufgefallen waren, weil sie im Grunde normal weiter machten, und nur eben ab und zu ein wenig Blut schlürften.

Also, ja, es beschäftigte ihn, wer dieser Vampir gewesen war, auf den seine Narbe übertragen worden war. Und er schämte sich ein wenig dafür, dass er seine Bürde einfach so jemand anderem übergeben hatte.

Er wusste natürlich auch, dass die Häretiker seine Gefühle nicht teilten. Sie waren alle drei sehr kaltblütig, wenn es um Fragen des Überlebens ging. Diejenigen, die ihnen nahe standen, waren alles für sie, alle anderen waren Kollateralschäden. Und auch wenn keine von ihnen wissentlich hilflose Kinder in Gefahr bringen würde, und sie versuchten sich mehr anzupassen und in Menschen mehr als nur wandelnde Blutbeutel zu sehen, waren sie meilenweit davon entfernt sich schlecht zu fühlen, weil sie irgendeinen fremden Vampir dazu verurteilt hatten mit Rayna Cruz verbunden zu sein.

Vor allem Valerie war das. Das wusste Stefan. Er wusste, dass sie die kaltblütigste unter den drei Hexen-Vampiren war. Sie hatte ihren „Bruder" Oscar getötet, nur weil dieser Julian zurück in ihr Leben hätte bringen können. Obwohl dieser das genau so wenig gewollt hatte wie sie. Obwohl er der friedfertig Partydude unter den Häretikern gewesen war (wenn auch mit Ripper-Problem, aber das hatte Stefan oder Lily auch nicht davon abgehalten ein relativ normales Leben zu führen).

Sie hatte gute Gründe dafür gehabt Julian zu fürchten und von ihrer Familie fernhalten zu wollen, aber das änderte nichts daran, dass ihre Methoden denen eines Vampirs mit ausgeschalteten Gefühlen glichen, und das selbst dann, wenn ihre Gefühle eingeschaltet waren. Vielleicht war das der Grund, warum er zuerst zögerte nachzufragen. Es war Valerie gewesen, die den Vampir für die Übertragung ausgesucht hatte. Vielleicht wollte er die Antworten auf seine Fragen gar nicht wissen, weil ein Teil von ihm sie bereits kannte, und er sie deswegen fürchtete.

Immerhin verband ihn und Valeries einiges- eine gemeinsame Vergangenheit, ein gemeinsamer Verlust. Er hatte sich sehr lange Zeit eingeredet, dass sie nur mit ihm gespielt hatte, dass sie für ihn nicht das Gleiche empfunden hatte wie er für sie. Doch nun wusste er, dass das nicht stimmte, er wusste, dass er auch ihre erste Liebe gewesen war, und dass sie ihn in all den Jahren nie vergessen hatte. Er wusste, was sie davon abgehalten hatte zu ihm zurückzukommen, und er wusste was sie verloren hatte. Und er war weder blind noch ignorant, er erkannte deutlich, dass Valerie immer noch starke Gefühle für ihn hegte. Dass sie bereit gewesen war mit ihm gemeinsam zu fliehen und durch die ganze Welt auf der Suche nach einer Methode die Narbe loszuwerden hatte ziehen wollen, eben weil sie Gefühle für ihn hatte, die über reine Freundschaft hinausgingen.

Für Valerie hatte es keine Katherine, keine Elena, und keine Caroline gegeben. Für sie war auf gewisse Weise die Zeit damals nach ihrer Trennung stehen geblieben. Und sie hatte in letzter Zeit so viel verloren – fast ihre ganze Familie, nur Nora und Mary Louise waren ihr geblieben. Und eben Stefan.

Trotzdem konnte Stefan es nicht einfach auf sich beruhen lassen. So war er nicht gestrickt. Und Bonnie hatte in Einem Recht gehabt: Man brachte ein Problem nicht einfach dazu zu verschwinden, indem man davor davon lief. Immerhin war es Valerie gewesen, die Caroline mit dem Zauber belegt hatte, der ihn daran gehindert hatte sie zu berühren. Immerhin war es Valerie gewesen, die sich unter einem gemeinsamen Weglaufen etwas anderes vorgestellt hatte als er.

Rücksicht und Mitleid waren gut und schön, aber es war an der Zeit ein paar Dinge zu klären, bevor noch mehr Leute zu Schaden kamen. Denn immerhin wäre es nur richtig mit offenen Karten zu spielen. Valeries Zuneigung zu ihm hatte ihn in der letzten Zeit mehr als nur einmal aus der Patsche geholfen, aber es war an der Zeit, dass er ehrlich zu ihr war. Und von ihr seinerseits die Wahrheit einforderte. Wenn es schon vorbei war, dann sollte es wirklich vorbei sein. Es sollten keine offenen Fragen zurückbleiben.

Als sie also Dallas erreichten und auf den Weg zu Rics Haus waren, wo sich alle sammeln und alles noch einmal durch besprechen wollten, bat er Nora und Mary Louise also vorauszufahren und lud Valerie auf ein Kebab ein.

„Wir beide ganz alleine, du bezahlst mein Essen. … Wieso nur bekomme ich das Gefühl, dass du eine große Ankündigung planst?", wollte Valerie in einem spielerischen Tonfall wissen.

Stefan blickte sie ernst an. „Es ist nicht die Art Ankündigung, die dich freuen wird", erwiderte er, „Aber zuerst muss ich dir eine Frage stellen. Und die Antwort … nun zuerst wollte ich es nicht wissen, aber ich muss es einfach wissen. Verstehst du?"

„Weil die Antwort es dir leichter machen wird das zu sagen, was du sagen willst", vermutete Valerie, und jede Verspieltheit war aus ihrem Ton und ihrem Gesicht gewichen; sie wirkte wie versteinert, „Also gut, wenn du darauf bestehst, dann sprechen wir es eben aus. Es war schön eine Zeit lang so tun zu können als ob. Aber ich wusste, dass es nicht halten wird. Ich wusste, dass du dich letztlich für sie entscheiden wirst und nicht für mich. Wenn ich noch das Mädchen wäre, das ich damals gewesen bin, als wir uns kennengelernt haben, dann würden die Dinge vielleicht anders aussehen, aber so …. Nun, du willst es wissen, also frag mich." Sie sah Stefan herausfordernd an.

Der wich ihrem Blick nicht aus. „Der Vampir, auf den wir meine Narbe übertragen haben, wo hast du ihn gefunden?", wollte er wissen.

„Das weißt du doch längest. Wieso also fragst du nach? Uns ist die Zeit davon gelaufen, ich hatte keine Zeit nach irgendeinem anderen Vampir zu suchen. Also habe ich den nächstbesten Passaten auf der Straße abgepasst, ihm mein Blut gegeben, ihn umgebracht und dazu gezwungen Menschenblut zu trinken. Und voila, schon hatten wir einen brandneuen Vampir, der noch zu überwältigt von allem war um sich zu wehren, als wir deine Narbe auf ihn übertragen haben", sagte Valerie.

„Wussten es Nora und Mary Louise?", wollte Stefan wissen.

„Ich denke mal, dass sie nicht überrascht wären, sie kennen mich gut genug", erwiderte Valerie, „Und du, du kennst mich jetzt auch."

„Du weißt nichts über diesen Mann. Er könnte Familie haben. Eine Frau, Kinder, kranke Eltern, jüngere Geschwister, die er aufzieht. Er könnte ein brillanter Arzt sein, der eines Tages ein Heilmittel gegen Krebs gefunden hätte. Und du hast ihn einfach aus seinem Leben herausgerissen und den Wölfen zum Fraß vorgeworfen!", warf ihr Stefan vor, „Wie konntest du das tun, Valerie?"

„Weil ich dich retten musste, Stefan. Weil ich alles tun würde um dich zu retten", lautete die unbeeindruckte Antwort, „Aber auch das wusstest du schon vorher. Sei einen Moment ehrlich, überrascht dich das alles wirklich? Sag mir nicht, dass Damon nicht genau das Gleiche getan hätte, wenn er am meiner Stelle gewesen wäre."

Stefan schüttelte den Kopf. „Das mag schon sein, aber das ist etwas anderes. Damon ist mein Bruder. Wir tun ständig verwerfliche Dinge füreinander und erwarten dafür keinerlei Gegenleistung. So ist Familie nun einmal. Aber du und ich, wir sind keine Familie", widersprach er, „Und, um ehrlich zu sein, will ich nicht, dass du alles für mich tust, Valerie. Weil die schlichte Wahrheit ist, dass ich zwar versuchen würde, was ich kann, um dich zu retten, aber es Grenzen gibt, die ich für dich nicht überschreiten würde. Einfach deswegen weil…."

„.. du mich nicht liebst", vervollständigte Valerie seinen Satz, „Weil du Caroline liebst. Für sie würdest du alles tun. Aber ich, ich bin nur die Ex, mit den praktischen Zauberkräften."

„Und genau das solltest du nicht sein. Du hast mehr verdient. Du hast jemanden verdient, der für dich das Gleiche empfindet, was du für ihn empfindest. Der für dich Grenzen überschreiten würde. Ich fürchte, dass du denkst, dass ich eines Tages aufwachen und erkennen könnte, dass ich in Wahrheit dich liebe. Oder dass ich eines Tages lernen könnte dich zu lieben", fuhr Stefan fort, „Aber die Wahrheit ist, dass das niemals passieren wird, und ich nicht will, dass du darauf wartest. Ich weiß nicht, ob das anders wäre, wenn du noch das Mädchen von damals wärst, aber ich bin ja auch nicht mehr der Junge von damals. Ich weiß nur, dass ich, wenn ich dich ansehe, nicht das empfinde, was ich früher empfunden habe, und dass sich daran nichts ändern wird. Selbst wenn du dich ändern würdest, würde sich daran vermutlich nichts ändern."

„Selbst wenn du all diese schrecklichen Dinge nicht über mich wüsstest, dann würde sich daran vermutlich nichts ändern", meinte Valerie besiegt, „Einfach deswegen, weil sie da ist und nichts falsch machen kann."

„Es tut mir leid", fügte Stefan hinzu, „Ich weiß was du alles für mich getan hast."

Valerie zuckte die Schultern. „Ich habe nichts davon getan, weil ich gehofft habe, dass du mich eines Tages zurückliebst", meinte sie.

„Auch das weiß ich. Deswegen tut es mir ja leid."


„Stefan, endlich. Wo steckt Valerie?", wollte Caroline wissen, als das letzte Mitglied ihrer kleinen Verschwörergruppe endlich eintraf.

„Sie wird nicht kommen", erwiderte Stefan ernst, „Sie … braucht Zeit für sich."

Caroline musterte ihren Freund mit leicht gefurchter Stirn und nickte dann langsam. „Aha. Ich verstehe", behauptete sie.

„Und aus Rücksicht auf all jene, die sich für Stefans Liebesdrama nicht sonderlich interessieren, sollten wir endlich zur Sache kommen", rief Damon zu ihnen hinüber, während er eines der Babys auf seinem Arm hielt und ihm einen leichten Klaps auf den Rücken gab, woraufhin die Kleine einen kurzen Rülpser von sich gab. „Gut so", lobte Damon das Kind, „Du bist meine Lieblings-Mini-Saltzman, Lizzie." Dann verschwand er mit dem Mädchen ins Kinderzimmer.

Unterdessen sammelten sich die anderen im Wohnzimmer. „Euer Blutvorrat ist aus", informierte Mary Louise Caroline, als diese gefolgt von Stefan in das Zimmer trat.

„Woran das wohl liegen mag", lautete die spitze Antwort, die aber weder Nora noch Enzo davon abzuhalten schien weiter an ihren jeweiligen Blutbeutel zu nuckeln.

Damon kehrte gefolgt von Ric aus dem Kinderzimmer zurück. Und nachdem Valerie nicht vorzuhaben schien aufzutauchen, konnten sie nun endlich anfangen, wie es schien. Caroline räusperte sich und blickte dann hinüber zu Bonnie, die zwischen Jeremy und Tyler am Sofa saß. „Also … wir sind uns einig, dass es vorbei ist?", wollte sie wissen.

Bonnie seufzte. „Wie oft denn noch? Niemand kann in die Waffenkammer hinein oder aus der Waffenkammer hinaus kommen. Alex St. John und ihre Leute, Rayna, diese Sirenen, und alles, was dort sonst noch eingesperrt sein mag, sind dort drinnen gefangen. Bis in alle Ewigkeit", versicherte sie allen Anwesenden, „Glaubt mir bitte einfach, wenn ich sage, dass ich weiß was ich tue. Es war derselbe Zauber, den Lucy angewandt hat. Nur ich oder jemand aus meiner Blutlinie kann ihn aufheben."

„Magiesauger mit Bennettmagie?", hakte Damon nach.

„Nein, das war die Idee einer Wahnsinnigen, so funktioniert Magiesauger-Magie nicht. Es ist immer noch deren Magie, auch wenn sie von einer externen Quelle kommt. Es ist … wie ein Akku. Der lädt sich zwar mit fremden Strom auf, aber die Geräte, die er mit Strom versorgt, bekommen trotzdem seinen Strom", erwiderte Bonnie, „Stimmt doch, oder?"

Nora nickte. „Ja, wenn ich einen Zauber spreche und die Energie dafür von Bonnie nehme, ist es trotzdem mein Zauber, er trägt trotzdem meine Energiesignatur", bestätigte sie, „Das würde nicht klappen."

„So viel zu diesem Schlupfloch. Was wäre noch eine Möglichkeit? ... Ein Klon von dir?", rief Damon.

„Wenn die Waffenkammer in der Lage ist eine genetische Kopie von mir mit magischem Talent herzustellen, dann ja, könnte diese wohl den Zauber aufgeheben. In zwanzig Jahren oder so, wenn sie weit genug gereift ist und sich gut genug mit Magie auskennt um es zu tun. Aber wir leben nicht in einem Science Fiction-Film, Damon. Also halte ich diese Variante doch für sehr unwahrscheinlich", gab Bonnie zurück.

„Ein Kind hergestellt aus einer gestohlenen Eizelle von dir?", ließ Damon nicht locker.

„Siehe die Klon-Antwort", meinte Bonnie dazu nur.

„Ich will damit ja nur sagen, dass man niemals nie sagen soll, Bon-Bon", versuchte Damon sie zu beschwichtigen, „Es gibt immer Möglichkeiten. Und es sind schon seltsamere Dinge geschehen als so etwas. Vampirschwangerschaften, Klaus als Erzeuger und Vater eines menschlichen Wesens, Doppelgänger en Masse, Auferstehungen. Ich will nur, dass wir nichts übersehen, denn Virginia mag ja eine etwas wahnsinnige Mörderin sein, aber sie war ziemlich deutlich: Diese Sirenen machen aus harmlosen Leuten verrückte Schlächter und dienen dem personifizierten Bösen. Und sie haben Rayna in ihrer Gewalt, die die meisten von uns mit Leichtigkeit töten könnte, und das vermutlich auch will, jetzt mehr als jemals zuvor, würde ich meinen. Also vergib mir, wenn ich übervorsichtig bin."

„Damon hat recht", mischte sich Tyler ein.

„Ah, dieser eine wundervolle Satz, der viel zu selten fällt", seufzte Damon verzückt, „Sei so gut und wiederhole ihn noch einmal, Lockwood."

Tyler verdrehte die Augen. „Dieses eine Mal hat Damon recht", verbesserte er sich, „Kein Zauber ist für die Ewigkeit. Wir sollten die Waffenkammer auf jeden Fall im Auge behalten, nur damit uns keine unangenehmen Überraschungen erwarten."

„Videoüberwachung vielleicht", schlug Jeremy vor.

„Guter Vorschlag, Gilbert, du entwickelst dich langsam aber sicher zu einem nützlichen Mitglied der Gesellschaft", lobte ihn Damon.

Bonnie seufzte. „Nun, ich schätze, es kann nicht schaden auf Nummer Sicher zu gehen. Aber glaubt mir, für die nächste Zeit sind wir dieses Problem erst einmal los. Alex hat es ein Jahr lang nicht lösen können. Nichts spricht dafür, dass es jemand anderer schneller oder einfacher schafft", räumte sie ein, „Es ist vorbei. Wir können zu unseren Leben zurückkehren."

Dieser unschuldige Satz brachte alle Anwesenden zum Verstummen und legte sich wie eine drückende Last über den Raum. Denn … die offensichtliche Frage war natürlich, wie die Leben der meisten hier Anwesenden nun eigentlich weitergehen sollten.

„Nun, ich werde diese Videoausrüstung organisieren", meinte Jeremy, „Tyler, kommst du mit?"

„Klar", murmelte der Werwolf, „Wir sehen uns, Leute." Er und Jeremy schoben sich unauffällig in Richtung Türe und waren wenig später verschwunden.

„Da gehen sie hin, die einzigen beiden von uns mit so etwas ähnlichen wie einem Leben", kommentierte Damon ihren Abgang.

„Entschuldige, aber ich habe ebenfalls ein Leben. Ich bin zweifacher Vater und habe einen Job. Na ja, hatte", warf Alaric ein, „Gleich zu Beginn seiner Anstellung nicht aufzutauchen bringt einem nicht gerade Punkte ein. Egal wo und bei wem." Er seufzte.

Damon sah sich einen Moment lang irritiert um. „Was mich zu der offensichtlichen Frage bringt: Wie kannst du dir dieses Haus leisten?", wollte er wissen.

„Caroline hat den Makler manipuliert", lautete die prompte Antwort.

„Wir werden es abbezahlen. Irgendwie", verteidigte sich die Vampirin sofort, „Sobald wir Jobs haben und Geld verdienen."

„Warum bitte solltet ihr das tun?", wollte Mary Louise offen angeekelt wissen, „Behaltet es einfach so. Die Welt ist es euch schuldig."

Caroline sah sie verstimmt an. „So funktioniert das Leben nicht. Man kann sich nicht ewig für alle Ungerechtigkeiten, die einem widerfahren sind, an allen anderen rächen", behauptete sie.

„Natürlich kann man das", meinte Mary Louise.

Caroline wollte wieder protestieren, doch an dieser Stelle mischte sich Stefan ein. „Was unser aller Zukunft angeht, egal wie sie aussehen mag, wir müssen uns alle wohl noch überlegen, was wir eigentlich tun wollen. Matt hat alle Vampire aus Mystic Falls verbannt. Aber ich denke Whitmore steht nicht auf seiner Liste. Ihr könnt zurück ins Wohnheim, euer Studium wieder aufnehmen…" Er nickte Bonnie und Nora zu. „Wenn ihr das wollt."

„Und was willst du tun?", wollte Caroline wissen.

„Ich bin nicht sicher, aber ich dachte mir, dass Dallas ein netter Ort für einen Neuanfang sein sollte", erklärte Stefan.

Damon verdrehte theatralisch die Augen. „Jeder, der das jetzt nicht hat kommen sehen, soll die Hand heben", ätzte er.

„Und was willst du tun, Damon?", warf Enzo ein, „Jetzt wo du nicht mehr vorhast dich auszutrocknen und von Donovan aus deinem Heim vertrieben wurdest."

Alle blickten Damon erwartungsvoll an. „Nun, ich werde nicht zur Therapie gehen, falls ihr das denkt. Ich war bereits in der Klapse und wurde therapiert und bin jetzt geheilt", verkündete dieser schließlich, „Das muss ich sein, da ich nicht zurück kann, wegen der ganzen Sache mit der Entführung einer anderen Patientin. Aber wie gesagt, es geht mir gut. Ich brauche keine Therapie. Was ich brauche ist … eine Beschäftigung. Vielleicht … vielleicht studiere ich ja auch. Ich könnte Rics Student sein, das wäre sicher witzig. Oder ich werde das dritte Mitglied in Bonnies und Noras Lerngruppe. Ich meine, Stefan ist zurück an die High-School gegangen, also muss was an dieser ganzen Weiterbildungssache dran sein."

„Was ist mir dir, Enzo?", wollte Bonnie in die Richtung des anderen Sorgenvampirs wissen, „Ohne die Waffenkammer hast du keinen Job mehr."

Enzo zuckte die Schultern. „Ich war nicht wegen dem Job dort, wie du dich vielleicht erinnerst. Und der war sowieso dumm. Ich werde schon etwas Besseres finden um mir die Zeit zu vertreiben", meinte er. Allerdings ließ er offen was das sein könnte.

„Nun da wir geklärt haben, dass keiner weiß wie es eigentlich weitergehen soll, können wir ja -", setzte Alaric an, doch er wurde von Babybrüllen unterbrochen und rauschte grummelnd in Richtung Kinderzimmer ab.

Alle anderen blieben ein wenig betreten zurück. „Und wo genau schlafen wir alle heute Nacht?", wollte Bonnie wissen, aber auch darauf hatte niemand eine Antwort parat.


„Was hat du jetzt wirklich vor?", wollte Bonnie später von Damon wissen. Sie standen gemeinsam vor Alarics Haus und starrten ins Nichts. Dachten vielleicht beide an Elena oder beide an das Hauptquartier der Waffenkammer. Oder an ganz andere Dinge.

„Ich habe keine Ahnung, Bon-Bon. Irgendjemand muss Stefan im Auge behalten, und die Chaos-Eltern und ihre Kleinen. Und das werde wohl ich sein müssen", meinte er, „Mystic Falls war immer meine Heimat. Egal wie lange ich weg war, ich wusste, dass ich dorthin zurückkann, und es ärgert mich, dass ausgerechnet Donovan dafür verantwortlich sein soll, dass ich das jetzt nicht mehr kann. Und Whitmore. … Ich hab's versucht, aber um ehrlich zu sein, erinnert mich dort jede Ecke an Elena."

„Dann also Dallas", stellte die Hexe fest.

„Für dich nicht unbedingt. Dich hat Deputy Blödkopf nicht verbannt. Die Waffenkammer ist nicht mehr hinter dir her, du könntest zurück ins Wohnheim ziehen, dort weiter machen, wo du aufgehört hast. Du kannst mit Nora und Mary Louise zusammenziehen. Ihr könntet eine queere Neuauflage von Charmed nachspielen. Statt Schwestern ein Liebespaar und ihre beste Freundin, die mit ihren Hexenkräften gemeinsam das Böse bekämpfen – wenn zwei von ihnen nicht gerade Studentinnenhälse anknabbern. Weißt du was, vergiss was ich vorhin gesagt habe, mein Schicksal liegt eindeutig in Hollywood – ich würde dort ein Vermögen machen", erwiderte der Vampir.

„Was soll ich in Mystic Falls oder Whitmore, wenn kein anderer von euch mehr dort ist?", entgegnete Bonnie, „Matt … ich weiß gar nicht mehr wer Matt eigentlich ist. Elena schläft, Caroline ist hier. Genau wie du und Alaric. Genau wie Stefan. Jeremy und Tyler gurken in der Weltgeschichte herum. Dort gibt es nichts mehr für mich. Wenn alle anderen neu anfangen, warum sollte ich das nicht auch tun? Es muss irgendeine Art Uni in Dallas geben, oder? Ich meine, irgendjemand hat Ric eingestellt."

„Meine Rede. Wer sagt schon: Es ist mein Traum in der University of Dallas zu studieren? Genau niemand. Und weißt du warum: Weil es ein katholisches College ist. Jetzt frage ich dich: Warum stellt ein katholisches College einen Professor für Okkultismus an? Genau, das klingt doch sehr verdächtig. Und außerdem liegt sie nicht mal in Dallas, sondern in Irving", nahm Damon den Ball auf, „Die University of Texas hingegen liegt in Richmond, und sollte eigentlich University of Dallas heißen. Und ist so viel besser als diese andere Universität, das glaubst du gar nicht. Vielleicht waren die es ja, die Ric eingestellt haben. Das würde viel mehr Sinn machen. Aber warum wohnt er dann mit seinen Babys in Dallas und nicht gleich in Richmond? Fürchtet er den schlechten Einfluss der Studenten? Alles in allem sollten wir noch einmal mit Ric über diesen Job, den er irgendwo hier in der Gegend angeblich bekommen hat, sprechen. Nicht, dass sich herausstellt, dass es den nie gab und das alles nur eine Ausrede war um von uns wegzukommen. Oder er plant Caroline von nun an auf der Tasche zu liegen. Vielleicht ist er ja ein Anhänger von Mary Louises Philosophie…"

Damon, stellte Bonnie fest, wirkte beinahe wie der alte Damon. Nur irgendwie gab er sich beinahe zu viel Mühe. Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass er nicht so sehr im Reinen mit sich selbst war, wie er vorgab. Irgendwie wurde sie das Gefühl nicht los, dass er seine Aufgekratztheit nur vorgab, und dass das rein gar nichts mit der Waffenkammer und der Gefahr darin zu tun hatte. Aber genau deswegen war es gut, dass sie hier bei ihm bleiben wollte, nicht wahr? Immerhin war es ihre Aufgabe auf ihn aufzupassen. Und das würde sie auch weiterhin tun, während er auf Ric und seinen Bruder aufpasste. Das war ihr System, und es hatte in der Vergangenheit gut funktioniert, zumindest eine Weile. Und sie würden es wieder zum funktionieren bringen. Zumindest hoffte sie das.

Immerhin hatte sie die Waffenkammer neutralisiert. Dagegen sollte das hier richtiggehend leicht werden.


A/N: Vergesst nicht, dass diese Ereignisse lange vor der Existenz des tatsächlichen „Charmed"-Reboots stattfinden.

Mini-Spoiler: Was immer auch passieren wird, keines von Damons Hollywood-Szenarien wird die Sirenen befreien, soviel kann ich euch verraten.

Also, Kudos to my International Readers who are reading this anyways. THX. And no, there is no such a thing as too many positive reviews. ;-)

Im nächsten Kapitel bauen sich unsere Helden neue Leben auf.

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