Achtung! Erhöhte Triggerwarnung für dieses Kapitel für Mental Health Issues!


II.


Es war ein Neuanfang, und dieses Mal sollte es anders laufen, und er gab sich auch wirklich Mühe. Er wollte, dass es dieses Mal anders ablief. Dr. Sulez hatte immer davon gesprochen, dass es auch eine Frage der Einstellung war, wie gewisse Dinge abliefen; wenn man schon im Vorfeld davon ausging, dass alles schief gehen würde, dann würde es auch schief gehen. Doch die Wahrheit war, dass sich nichts geändert hatte – nicht wirklich: Es ging ihn immer noch nicht gut. Es ging ihn immer noch richtig schlecht.

Er versuchte vorzugeben, dass es anders war. Machte ein tapferes Gesicht und verbarg die innere Leere, die er empfand, so gut er konnte, sowohl vor den anderen als auch vor sich selbst. Damon wusste, dass sein Versuch sich auszutrocknen Bonnie und Stefan verletzt hatte, dass sie es irgendwie persönlich genommen hatten, dass sie ihm nicht genug waren um weitermachen zu wollen. Er wollte sie nicht noch einmal verletzten, denn entgegen dem, was er selbst oft behauptet hatte und andere ihm ständig vorwarfen, ging er nicht mit dezidierten Absicht durchs Leben anderen das Leben schwerer zu machen.

Gerade jetzt, wo sich in ihrer aller Leben so viel verändert hatte und weiterhin veränderte, wollte er nicht ein weiterer Grund sein seinen Lieben alles zu erschweren. Ric hatte genug Sorgen mit seinen Babys, er wollte nicht, dass sich der Mann auch noch um ihn sorgen musste. Oder dass sich Caroline wieder einbildete, dass sie ihn retten musste.

Also tat er so als wäre alles in bester Ordnung, als wäre er wieder der alte Damon, als wäre er geheilt und würde nicht jeden Tag damit verbringen Elena zu vermissen.

Die meiste Zeit über schien es zu funktionieren. Ric versuchte zwar immer wieder mal ihn dazu zu überreden doch einmal mit ihm seinen Therapeuten aufzusuchen, doch Damon war sich ziemlich sicher, dass er das hauptsächlich deswegen tat, weil Caroline ihn dazu anstiftete, und nicht weil er sich wirklich Sorgen um Damon machte. Und was Blondie anging, so tat er einfach sein Bestes um ihr zu beweisen, dass er keine Hilfe brauchte, indem er sich so damonhaft wie möglich ihr gegenüber verhielt und hoffte, dass sie sich eines Tages damit abfinden würde, dass es ihm gut ging, oder zumindest darauf vergessen würde, dass sie ihn eigentlich mit Sorge um seine geistige Gesundheit auf die Nerven fallen sollte.

Alle hatten sich neue Leben aufgebaut oder es zumindest versucht. Stefan, Caroline, Ric und die Zwillinge bildeten zusammen mit Damon die merkwürdigste Wohngemeinschaft, die man sich vorstellen konnte. Aber irgendwie funktionierte es. Ric unterrichtete an der University of Texas – Vampirmanipulation sei Dank – während Caroline die Babys versorgte und ein wenig Fernstudium betrieb. Stefan hatte sich wieder einen Job als Mechaniker beschafft – warum auch immer er seine Talente schon wieder damit verschwendete – und bestand darauf seinen Teil zur Miete beizusteuern. Damon hatte seine Drohung wahrgemacht und sich ins Universitätsleben gestürzt, zumindest ein wenig – er arbeitete als Rics Assistent, was allerdings ein ziemlich langweiliger und unterfordender Job war, da das hier nicht Whitemore war, und die Anzahl von Rics Studenten äußerst limitiert war, und deren Interesse an dem von Damon geleiteten Kolloquium praktisch nicht vorhanden war.

Bonnie studierte jetzt ebenfalls hier an der Uni und zählte zu Rics wenigen Studenten, zusammen mit Nora und Mary Louise, die zusammen mit Bonnie im Studentenheim lebten. Sie spielten scheinbar doch ihre neue verbesserte Neuauflage von Charmed durch, wenn auch weniger aufregend als sich Damon erhofft hatte – sie schienen ihre meiste Zeit tatsächlich damit zu verbringen zu studieren.

Valerie hatte sich abgesetzt. Sie nahm ab und zu Kontakt zu Nora auf um zu zeigen, dass es ihr gut ging und sie nicht von treuen Anhängern der Waffenkammer verschleppt worden war oder dergleichen, aber die meiste Zeit über hielt sie sich fern. Was Damon für keinen sehr großen Verlust hielt, da er sie noch nie hatte leiden können und ihre Anwesenheit Caroline verunsichert hatte – und eine verunsicherte Caroline Forbes war wie alle wussten eine anstrengende Caroline Forbes.

Was Enzo so trieb, wusste er nicht, was er wusste war, dass sein alter Freund sich immer wieder mal sehen ließ, vor allem bei Bonnie, wie es schien. Er behauptete, dass er nicht vorhätte sie zu belästigen, aber Damon kannte die „ich bin nur ein unterstützender Freund"-Nummer – er hatte sie selbst lange Zeit mit Elena durchgespielt, und er wusste was sich der angeblich unterstützende Freund als Endergebnis erhoffte. Aber Bonnie schien nichts dagegen zu haben, dass Enzo ihr platonischer männlicher Freund sein wollte, also mischte sich Damon nicht ein, zumindest nicht zu sehr. Er behielt Enzo im Auge, stieß ab und zu große Bruder-Drohungen aus, die er in Stefans Fall nie hatte anbringen können und jetzt eben für Bonnie auspackte, aber er ließ zu, dass Enzo Zeit mit Bonnie verbrachte, weil … nun weil er sich sehr wohl der Tatsache bewusst war, dass Enzo keine anderen Freunde auf dieser Welt besaß, und auch an die Rolle erinnert er sich noch. Außerdem traute er Bonnie genug Intelligenz zu um nicht auf Enzo hereinzufallen.

Zumindest nachdem er ihr den „Enzo verliebt sich in jede Frau, die in irgendeiner Form freundlich zu ihm ist"-Vortrag gehalten hatte. Der Vortrag lautete ungefähr so: „Enzo ist es nicht gewohnt, dass man freundlich zu ihm ist, weil seine Familie ihn an ein Arbeitshaus verkauft hat, deswegen verwechselt er Sympathie mit Liebe und verliebt sich unsterblich in jede Frau, die den Fehler macht ihm gegenüber Mitleid zu demonstrieren. Sogar während der Augustine-Gefangenschaft hat er sich in eine seiner Wärterinnen verliebt, einfach nur weil sie netter zu ihm war als die anderen dort. Er hat sich in Lily verliebt, weil sie sein Leben gerettet hat und ihn zu einem Vampir gemacht hat. Er hat sich in Caroline verliebt, weil sie ihn behandelt hat wie einen normalen Menschen. Und jetzt hat er sich in dich verliebt, weil du dabei unterstützen wolltest sein Leben auf die Reihe zu kriegen, indem er sich von Lily und der Waffenkammer abwendet. Es ist aber nicht echt und kann daher jeden Moment wieder verschwinden. Nimm dich also in Acht. Und vergiss nicht wen du vor dir hast. Er ist immer noch Enzo."

Bonnie hatte ihn nach diesem Vortrag nur strafend angesehen und spitz erwidert: „Ich weiß das alles, Damon, und ich komme zurecht."

Und Damon hatte beschlossen ihr das zu glauben, auch wenn er befürchtete, dass es Enzo gelingen könnte sie mit seinem guten Aussehen und seinem Charme weichzukochen.

Was dann passieren würde, wusste er nicht. Er konnte sich Bonnie und Enzo nicht als Paar vorstellen und wollte das auch gar nicht. Das war einfach … absurd. Das war es. Bonnie Bennett und Enzo St. John? Da würde eine heiße Affäre zwischen Ric und Caroline ja noch mehr Sinn machen. Und die waren jetzt schon unheimlich genug mit ihrem Co-Parenting-Ding, das sie zu Co-Konspiratoren in jeder Hinsicht hatte werden lassen. Aber zumindest liebte Caroline eindeutig Stefan, was jeder, der Vampir-Ohren hatte und bei ihnen im Haus wohnte, bestätigen konnte. (Igitt, übrigens).

Bonnie aber war Single und scheinbar über Klein-Gilbert hinweg, also war alles möglich. Vielleicht sollte Damon ja versuchen ihr Alternativen vor die Nase zu setzen – es musste dort draußen einfach bessere Single-Männer geben als Enzo. Möglicherweise sollte er ein Blind-Date für sie arrangieren. Nora war sicher bereit ihm zu helfen, sie war noch nie begeistert von Enzo gewesen. Zusammen sollte es ihnen gelingen jemanden zu finden, der Bonnies Interesse wecken könnte, und nicht Enzo hieß.

Wie auch immer, wenn Enzo nicht gerade Bonnie stalkte, dann arbeitete er irgendetwas in Dallas, das behauptete er zumindest, doch es war Damon nicht gelungen herauszufinden wo er arbeitete und was er tat. Er hoffte allerdings, dass es sich diesmal nicht wieder um eine Organisation handelte, die übernatürliche Wesen fing.

Die Waffenkammer verhielt sich um Übrigen ruhig. Die Videoüberwachung, die Jeremy und Tyler eingerichtet hatten, zeigte einen konstanten Feed des Hauses und gähnender Leere davor. Niemand versuchte hineinzukommen. Nichts und niemand kam heraus. Und genau so sollte es sein.

Klein-Gilbert und Lockwood selbst waren wieder dazu übergangen das zu tun, was sie so getrieben hatten, seit sie Mystic Falls verlassen hatten. Also böse Vampire zu jagen und Lockwoodsche Werwolf-Dinge zu tun.

Von Mystic Falls hörten sie nichts. Die Stadt war wieder geöffnet worden, Donovan war befördert worden und schien in der Stadt und rum herum zusammen mit seiner neuen Polizisten-Freundin alles zu jagen, was es wagte sich von Blut zu ernähren (ob er auch auf Stechmücken Jagd machte, wusste Damon nicht, aber er nahm es fast an). Auf jeden Fall hatte seine Heimatstadt einen sehr schlechten Ruf in der Vampir-Gemeinde bekommen – die Vampire warnten einander sogar auf Facebook schon davor auch nur in die Nähe von Virginia zu kommen. Früher als die Welt der Wesen der Nacht noch Stil gehabt hatte, wäre es niemals so weit gekommen, aber diese ganze Generation Internet stellte das Vampirtum ziemlich auf den Kopf, auf eine Art und Weise, die Damon eher anekelte als beeindruckte.

Zumindest ließen sich auch nur selten andere Vampire in Dallas blicken. Sie hatten ihr Gebiet hier ziemlich eindeutig abgesteckt – wenn man Richmond mitzählte, dann musste Dallas sechs Vampire ernähren, und das war wahrlich genug, hinzu kam der eine oder andere Durchreisende. Mehr wollten sie hier nicht haben, wenn sie nicht auffallen wollten, aber der Vorteil einer Großstadt im Gegensatz zu einer Kleinstadt war, dass es hier keinen Gründerrat, keine Eingeweihten und keine Vampirjäger gab – im Vergleich zu Mystic Falls war Dallas ein Untoten-Paradies. Trotzdem konnte Damon es nicht über sich bringen sich hier wohl zu fühlen, er vermisste Mystic Falls trotz all dem. Alles dort hatte ihn an Elena erinnert, aber hier hatte er nichts, was ihn an sie erinnerte, und das war irgendwie auch nicht besser. Irgendwie war es sogar schlimmer.

Er hatte im Lauf seines Lebens an vielen verschiedenen Orten gelebt, aber er konnte sich nicht daran erinnern, wann er das letzte Mal so lange gebraucht hatte um sich zu akklimatisieren (wenn man von dem Augustine-Käfig einmal absah). Er gab sich ja alle Mühe, aber irgendwie konnte er es einfach nicht schaffen, dass er sich hier wohl in seiner Haut fühlte.

Allerdings nahm er an, dass das in Mystic Falls oder am Whitmore College genauso wenig der Fall gewesen wäre. Aber er hatte es versprochen, hatte versprochen, dass er weitermachen würde, dass er weiterkämpfen würde. Irgendwann musste es doch vorübergehen, irgendwann musste er sich doch daran gewöhnen können, dass sie fort war, irgendwann musste er doch wieder irgendeine Art von Freude am Leben finden können.

Als es noch darum gegangen war Leute vor der Waffenkammer zu retten, da hatte er so viel zu tun gehabt, dass ihm beinahe gar nicht aufgefallen war, wie schlecht es ihm ging. Er hatte den Kopf voll mit zu lösenden Problemen gehabt, doch jetzt … jetzt war sein größtes Problem Bonnies Liebesleben, und das hielt ihn pro Tag nicht sehr lange beschäftigt.

Es war nicht, dass er sich Ärger herbeiwünschte, es war mehr so … dass er sich irgendetwas herbeiwünschte, das ihn davon ablenkte wie er sich gerade fühlte. Doch dieses eine Mal in seinem Leben wurde ihn dieser Wunsch nicht erfüllt, zumindest nicht so wie er sich wünschen würde.


Er war auf der Suche nach Bonnie, als es passierte. Er hatte seine Angewohnheit ohne Vorankündigung in ihr Zimmer im Studentenheim hereinzuspazieren auch in Richmond nicht abgelegt. Allerdings war sie dieses Mal nicht da, als er hereinkam. Dafür war Mary Louise da.

Nora war auf ihre Weise ja ganz unterhaltsam, aber ihr Anhang war niemand, mit dem Damon freiwillig Zeit alleine verbringen wollte. Deswegen machte er eigentlich, kaum, dass er das Zimmer betreten und festgestellt hatte, dass nur sie da war, schon wieder Anstalten sich zurückzuziehen, doch was ihn stoppte, war die ungeschminkte Verzweiflung der blonden Häretikerin.

Mary Louise saß am Schreibtisch der Mädchen und hatte sich über einen Laptop gebeugt. Genauer gesagt war sie eher über diesem zusammengebrochen, und nun dabei auf die Tastatur einzuschlagen und dabei zu schniefen. Das wäre der normalerweise der Moment für ein spöttisches Kommentar, und Damon setzte schon dazu ein, doch Mary Louise kam ihm zuvor.

„Na los, sag es schon! Ich bin zu dumm für das 21. Jahrhundert, zu unangepasst! Ich versage bei den einfachsten Aufgaben!", erklärte sie mit zitternder Stimme und schlug noch einmal wütend auf die Tastatur.

„Nun …. Ich würde nicht sagen, dass irgendetwas, das mit diesem Teufelsgerät hier zusammenhängt, zu den einfachsten Aufgaben gehört", erwiderte Damon zögerlich, „Immerhin gibt es genug Menschen dieser Zeit, die bei dem Umgang mit diesen Ding ebenfalls versagen, „Und vielleicht auch den einen oder anderen älteren Vampir. Ich will ja keine Namen nennen, aber ich kenne jemanden, der zufällig mit mir verwandt ist, der…."

Mary Louise schlug wieder auf den Laptop. „Aber bei allen anderen sieht es so leicht aus! Bei Bonnie! Selbst bei Nora! Sie und ich, wir sind im gleichen Moment in diese Zeit eingetreten, aber sie hatte überhaupt keine Anpassungsschwierigkeiten! Sie blüht in dieser Zeit auf, während ich …. Ich dachte, dass es irgendwann besser wird, dass ich mir nur Mühe geben muss, nicht aufgeben darf, dass ich, wenn ich es einfach genug probierte irgendwann Erfolg haben muss", klagt sie, „Aber die Wahrheit ist, dass ich diese Zeit hasse. Nichts ist so wie es sein sollte, und jedes Mal, wenn ich denke, ich würde etwas begreifen, verstehen wie etwas funktioniert, dann stellt sich heraus, dass ich mich doch wieder geirrt habe. Nora und Bonnie lachen darüber, dass ich den mit der Fernbedienung vom Fernseher immer noch nicht umgehen kann. Und dass ich mein mobiles Telefon nicht abheben kann. Aber weißt du, wer das außer mir ebenfalls nicht kann? Alte Menschen! Uralte Menschen. Die können das auch nicht, weil sie zu dumm dafür sind! Ich bin wie einer von denen: Zu dumm dafür!"

„Also das hat mit Verkalkung und neuronalen Zerfall zu tun, unter denern du sicher nicht leidest, also würde ich mir darüber keine Sorgen machen….", warf Damon ein, aber er kam nicht sehr weit, da die blonde Hexen-Vampirin schon wieder loslegte.

„Es spielt keine Rolle, was der Grund dafür ist. Was eine Rolle spielt, ist, dass mich Nora deswegen verlassen wird. Es hat sie schon vorher genervt, und sie hat mich schon einmal verlassen. Wer sagt, dass sie mich deswegen nicht noch einmal verlassen wird?! Sie könnte jemanden haben, der mit ihr Schritt halten kann, und eines Tages wird sie so jemanden haben wollen! Als wir dachten, dass wir fliehen müssen, da waren wir wieder ein Herz und eine Seele, haben unsere Hochzeit geplant, aber davon war jetzt schon Wochen lang nicht mehr die Rede! Und wenn sie mich verlässt … wenn das einzig Gute aus meinem Leben verschwindet dann … dann weiß ich nicht wie ich weiter machen soll! Ich meine, da ich sowieso weiß, dass es früher oder später dazu kommen wird, ist alles sogar noch schwerer für mich. Das alles hier … das überfordert mich doch nur. Dieses Studium, dieser Computer für den Schoß, dieser Fernseher, diese Kleidung, die ich trage, selbst die Tatsache, dass wir uns jetzt in aller Öffentlichkeit mit Zuneigung bedenken können, was eigentlich eine gute Sache sein sollte, überfordert mich. Nora sagt, dass sich die Zeiten geändert haben, dass es besser geworden ist, aber ich fühle mich nicht besser. Ich fühle mich schlechter, als ich mich jemals zuvor in meinem Leben gefühlt habe, und abgesehen von dem Momenten, in denen ich bei ihr bin, da frage ich mich die ganze Zeit nur, was ich jetzt gerade schon wieder falsch mache! Ich weiß nicht, ich weiß einfach nicht, wie ich so weiter machen soll! Es ist doch sinnlos, und wenn ich sie verliere, und ich werde sie verlieren, dann wird überhaupt nichts mehr Sinn haben!", sprudelte es aus Mary Louise heraus, „Da könnte ich mich genauso gut immer noch in der Gefangenschaft der Waffenkammer befinden. Es macht keinen Unterschied, es ist genauso Folter!"

Mary Louise blickte Damon mit verweinten Augen an. „Wie soll ich weiterleben, wenn es nichts mehr auf dieser Welt gibt, das mich glücklich machen kann oder auch nur weniger unglücklich?", wollte sie wissen.

Und was für eine grausame Ironie des Schicksals war es, dass sie sich mit dieser Frage ausgerechnet an ihn wandte. „Ich will mich nicht mehr so fühlen, Damon. Ich will dass dieses Gefühl endlich aufhört! Dass es mir endlich besser geht! Aber ich weiß, dass es niemals aufhören wird. Was wenn es wirklich niemals aufhören wird?!", verlangte sie fordernd zu erfahren.

Damon rang nach Worten, aber er fand keine. Tatsächlich blieb ihm regelrecht die Luft weg. Alles, was Mary Louise gerade gesagt hatte, prasselte auf ihn ein. Und alles, das alles, kam ihm so verdammt bekannt vor. Was wenn es niemals aufhören wird, was wenn es immer so ist wie jetzt, was wenn dieses Gefühl niemals vergehen wird, dann hat das doch alles keinen Sinn. Wie kann ich ohne sie weiterleben? Wie kann ich weitermachen, wenn da nur noch Leere ist, nur noch Verzweiflung?

Er versuchte etwas zu sagen, doch er konnte nicht. Also tat er das Einzige, was er tun konnte – was er laut Enzo immer tat, wenn die Lage schwierig wurde: Er lief weg.

Er lief weg, und fand sich vor dem Studentenheim wieder und rang nach Luft, aber kein noch so tiefer Atemzug machte es besser. Nicht wirklich. Das hat doch alles keinen Sinn. So zu leben hat keinen Sinn. Und auch er wollte sich nicht mehr so fühlen, wollte sich nicht für immer so fühlen, und auch nicht für die nächsten sechzig Jahre.

Bonnie so unter die Augen zu treten war undenkbar. Stefan so unter die Augen zu treten war genauso undenkbar. Genau genommen konnte er so niemanden unter die Augen treten.

Er musste etwas tun, er musste etwas unternehmen, er musste irgendwie dafür sorgen, dass es aufhörte….


„Hallo, Doc."

Dr. Sulez zuckte zusammen und wirbelte herum. Was auch immer er erwartet hatte, Damon vor dem Eingang seines Hauses stehen zu sehen, gehörte definitiv nicht dazu. „Damon, mein Gott, Sie haben mich erschreckt", gab er zu, „Was machen Sie hier?!"

Damon zuckte die Schultern. „Ich … ich dachte, ich komme klar. Ich war davon überzeugt. Aber die Wahrheit ist … ich brauche Hilfe", sagte er gepresst.

Sulez musterte ihn. „Also, schön, kommen Sie rein", meinte er und winkte Damon hinter sich her ins Haus, das er mit erstaunlich ruhigen Händen aufsperrte. Damon folgte ihm pflichtschuldig ins Haus. Es war ein nett eingerichtetes Heim, außer ihnen schien niemand da zu sein. Niemand, den es kümmerte, dass ein verstörtet ehemaliger Patient seinen Arzt im Dunkeln vor dessen Haus auflauerte. Was schon besorgniserregend wäre, wenn besager Patient kein Vampir wäre, der gerade die Erlaubnis bekommen hatte besagtes Haus zu betreten.

„Was ist passiert?", wollte Sulez wissen.

„Ich wollte eine Freundin besuchen, aber sie war nicht da, nur ihre Mitbewohnerin, und die hatte einen Zusammenbruch, direkt vor mir, und ich … die Dinge, die sie gesagt hat … ich konnte sie nicht trösten, weil sie recht hatte. Es ist also so sinnlos. Warum sollte man weiterleben wollen, wenn man sich ständig so fühlt? Ich habe es versprochen, aber wann habe ich je versprochen all dieses Leid in Kauf zu nehmen? Was wenn sie recht hat? Was wenn es niemals besser wird?", sagte Damon, „Wie soll ich weitermachen, wenn ich glaube, nein weiß, dass dieses Gefühl niemals vergehen wird?"

Sulze nickte ernst. „Sie sind hier, das ist ein Fortschritt. Sie sind hier anstatt irgendetwas Dummes zu tun", meinte er.

„Was ist daran hier zu sein nicht dumm? Wieso haben Sie mich überhaupt rein gelassen? Sind Sie wahnsinnig, Doc?", gab Damon zurück, und spürte so etwas ähnliches wie Wut in sich aufsteigen, „Nach unserem letzten Gespräch habe ich eine andere Patientin entführt! Warum sollten Sie mir helfen wollen?!" Er funkelte den Arzt herausfordernd an.

„Weil es das ist, was ich tue: Ich helfe denjenigen, die Hilfe brauchen. Und zum anderen weiß ich, dass Sie nicht hier sind um mir etwas anzutun, sondern eben weil Sie Hilfe brauchen, Damon", lautete die Antwort.

Damon schüttelte den Kopf. „Vielleicht können Sie mir gar nicht helfen, vielleicht kann mir keiner helfen", meinte er.

„Ich will es zumindest versuchen", meinte Dr. Sulez, „Und Sie glauben, dass ich Ihnen helfen kann, sonst wären Sie nicht gekommen. Sie vertrauen darauf, dass ich alles tue, was in meiner Macht steht, um Ihnen zu helfen."

Damon fuhr sich durch die Haare. „Ich wollte ihr nicht tun, Virginia, meine ich. Aber eine Freundin von mir war in Gefahr, und ich musste wissen, was sie weiß", erklärte er.

„Ja, ich weiß", meinte der Arzt freundlich.

„Aber ich habe wirklich schlimme Dinge in meinem Leben getan, und ich habe ein sehr langes Leben hinter mir. Ich wurde 1839 geboren, und bin seit 1864 ein blutsaugendes Monster. Ich habe im amerikanischen Bürgerkrieg gekämpft, war Gefangener von verrückten Wissenschaftlern, und ich war nur in der Nervenheilanstalt, weil ich an Virginia St. John rankommen wollte. Ich habe Menschen umgebracht, viele Menschen, habe Unschuldige ermordet, Freunde geopfert. Ich bin ein Vampir, und keiner der guten Sorte", sagte Damon, „Und ich habe Sie in jedem einzelnen Gespräch, das wir jemals miteinander geführt haben, belogen."

Sulez seufzte. „Ja, Damon, ich weiß", wiederholte er dann.

„Das war mein Ernst, ich leide nicht unter Wahnvorstellungen, wenn Sie das denken", beharrte Damon, „Ich bin kein Mensch mehr. Begreifen Sie das?"

„Damon, Sie haben sich unter falschen Namen in eine Nervenheilanstalt eingewiesen, unangebrachtes Interesse an einer anderen Patientin gezeigt, die Sie schließlich entführt haben, indem Sie das Sicherheitsschloss Ihrer Türe, diese Türe selbst, und die Vergitterung zu Ihrem Fenster mit bloßen Händen herausgerissen haben, Sie haben in all der Zeit, während Sie in Behandlung waren, niemals Ihre Medizin eingenommen, haben nur Nahrung und Getränke zu sich genommen, die Sie von Ihrem angeblichen Bruder, der ebenfalls unter einer falschen Identität unterwegs war, mitgebracht bekommen haben, haben es irgendwie geschafft das Pflegepersonal davon zu überzeugen, dass Sie Ihre Tabletten nehmen, obwohl Sie das offensichtlich nicht getan haben, und haben Dinge erlebt, die niemand in Ihren augenscheinlichen Alter erlebt haben sollte. Nicht zu vergessen, dass Ihr angeblicher Bruder, Alaric Saltzman, ein irrtümlich für tot erklärter Okkultismus Professor ist, während Sie einem gewissen Damon Salvatore aus Mystic Falls wie aus dem Gesicht geschnitten sind, der einen Bruder namens Stefan Salvatore hat – zwei Namen, die es offenbar in jeder Salvatore Generation seit dem 19. Jahrhundert gibt, und deren Träger sich immer zum Verwechseln ähnlich sehen", gab Dr. Sulez ruhig zurück, „Und ach ja, Virginia St. John hat erwähnt, dass Sie ein Vampir sind, der seine Hexen-Freundin aus den Klauen ihrer bösen Schwester retten will, die eine Organisation anführt, die übernatürliche Wesen erforscht. Dachten Sie wirklich, dass Sie nach Ihrem kleinen Stunt mit Virginia einfach weiterhin unentdeckt bleiben würden?"

Nun, wenn er das so formulierte, dann kam sich Damon irgendwie reichlich närrisch vor. „Na ja, normalerweise tun die Menschen es immer irgendwie als seltsame Umstände ab. Oder Sie spitzen zumindest ihre Pfähle an", erwiderte Damon langsam, „Wie kommt es, dass Sie das nicht tun?"

„Weil Sie wochenlang in einer Nervenheilanstalt eingesperrt waren und kein einzige Person dort gebissen haben. Und ich Sie kenne, Damon, Sie sind kein Monster. Sie sind jemand, der Hilfe braucht", erwiderte Dr. Sulez, „Kommen Sie, setzen Sie sich. Sagen Sie mir, was der Trigger war. Was sie genau gesagt hat."

Damon zögerte. „Ich habe nur niemanden gebissen, weil ich nicht auffliegen wollte. Das hatte nichts mit moralischen Fragen zu tun", fühlte er sich verpflichtet zu erklären.

Sulez nickte nur. „Das habe ich auch nie behauptet", entgegnete er, „Haben wir jetzt alles geklärt? Sie sind hier, weil sie Hilfe wollten, dann lassen Sie mich helfen."

Und jetzt folgte Damon dem Arzt endlich zum Sofa und nahm auf diesen wie aufgefordert Platz. „Mary Louise war lange Zeit in einer Gefängniswelt eingesperrt. Sie ist erst vor kurzem entkommen, und das 21. Jahrhundert ist noch neu für sie. Und sie hat den Übergang in das neue Jahrhundert nie so richtig verkraftet….", begann er.


Caroline wusste, dass sie dazu neigte sich leicht verunsichern zu lassen, besonders wenn es um Männer ging. Aber zur ihrer Verteidigung, das hatte durchaus seinen Grund. In beinahe jeder ernsten Beziehung, die sie bisher geführt hatte, war sie mehr oder weniger zweite Wahl gewesen, und dann war da auch noch alles, was sie mit Matt und Tyler durchgemacht hatte, was ihr mehr als genug Gründe dazu gab verunsichert zu sein. Mit Stefan hätte es anders laufen sollen, das hatte sie sich fix vorgenommen, aber auch in dieser Beziehung war von Anfang an alles schief gegangen, da sie zum ersten Mal richtig zusammen gewesen waren, als sie beide ihre Menschlichkeit ausgeschaltet hatten, und dann auch noch Valerie aufgetaucht war.

Also ja, sie war sich nicht sicher, ob sie nicht nur paranoid war, oder Stefan wirklich etwas vor ihr verbarg, doch fest stand, dass er verdächtig viel Zeit bei diesem Garagenjob verbrachte, den er sich ausgesucht hatte. Was auch immer der Grund dafür war – Caroline wollte eben nicht den Fehler machen gleich davon auszugehen, dass es irgendwie ihre Schuld war – ihr kam allerdings vor, als würde er sie aus einem Teil seines Lebens heraushalten, und das passte ihr nicht.

Sie wusste, dass das alles nichts mit Valerie zu tun hatte. Das wusste sie auch sicherer Quelle (vielleicht hatte sie Bonnie ja gedrängt den einen oder anderen und den einen und anderen Ortungszauber durchzuführen, aber nicht wegen Stefan, sondern nur um sicherzugehen, dass es Valerie auch wirklich gut ging und sie nicht von irgendjemanden irgendwo gefangen gehalten wurde). Es konnte also nicht um eine andere Frau gehen. Doch sie würde gerne wissen worum es dann ging.

Direkte Konfrontationen funktionierten in solchen Fällen am besten, also nutzte sie einen Moment, in dem Alaric die Babys hütete, um Stefan in der Garage zu besuchen.

Dort fand die Stefan nicht direkt bei der Arbeit vor, sondern im Gespräch mit jemandem. Mit einem fremden Mann, den sie noch nie zuvor gesehen hatte. Eigentlich hatte sie sich darüber nicht sonderlich gewundert, allerdings erschreckte ihre Anwesenheit den Fremden offensichtlich, der bei ihrem Anblick einen Schritt zurückmachte und instinktiv sein Verteidigungsgesicht aufsetzte – das mit den Augen und den Venen. Der Fremde war also offensichtlich ein Vampir.

„Caroline!", entfuhr es Stefan überrascht.

„Stefan, ich wusste nicht, dass du noch andere Vampirfreunde in der Stadt hast", meinte Caroline zögerlich.

Stefan zögerte ebenfalls sichtlich, bevor er sagte: „Ja, also Car, das ist Jack, Jack das ist meine Freundin Caroline, ich habe dir von ihr erzählt."

Caroline schluckte ihre Überraschung und Verwirrung hinunter, und machte einen Schritt auf diese ihre fremde Jack-Person zu und streckte dem Vampir ihre Hand entgegen. „Hi, freut mich dich kennenzulernen", meinte sie. Jack nahm ihre Hand und schüttelte sie mit festem Händedruck. „Hallo. Stefan hat mir schon viel von dir erzählt", meinte er.

Das ist interessant, da Stefan mir rein gar nichts von dir erzählt hat, hätte Caroline beinahe geantwortet, aber sie stand über solchen Kommentaren, zumindest versuchte sie das, denn sie war ja nicht Damon. Während der Fremde ihre Hand schüttelte, konnte sie allerdings etwas Vertrautes unter seinem Hemd hervor blitzen sehen.

Die Narbe! Stefans Phönix-Schwert-Narbe! Dieser Jack hier schien genau die gleiche Narbe zu haben, und das konnte einfach kein Zufall sein, nicht wahr? Caroline schenkte Jack ihr freundlichstes Lächeln. „Stefan, kann ich kurz mit dir reden. Unter vier Augen?", wandte sie sich dann an ihren Freund, der etwas eingeschüchtert nickte, und ihr dann folgte, bis sie außerhalb von Jacks Vampirhörweite waren.

„Das ist er, oder? Dass ist der Vampir, auf den ihr deine Narbe übertragen habt!", vermutete sie, „Du bist noch einmal los und hast ihn hierher gebracht und …. versteckst ihn jetzt vor uns allen? … Stefan, warum?"

Stefan seufzte. „Valerie hat den nächstbesten Passanten eine Verwandlung aufgezwungen und meine Narbe auf ihn übertragen, und dann haben wir ihn zurückgelassen. Ohne irgendwelche Erklärungen. Ich konnte damit einfach nicht leben. Also bin ich los und habe ihn aufgesucht. Ich habe Valerie gebeten ihn für mich zu finden und habe ihn dann gesucht. Und Jack ist ein netter Kerl, aber er musste seine Lieben verlassen, weil er ein neugeborener Vampir war, ohne Ahnung von irgendetwas. Und weil ich genau weiß, wie es sich anfühlt diejenigen, die man am meisten liebt, verlassen zu müssen, musste ich mich einfach um ihn kümmern", erklärte er.

„Das ist doch selbstverständlich, Stefan", erwiderte Caroline sofort, „Ich meine, ich weiß noch wie du dich um mich gekümmert hast, als ich ein neugeborener Vampir war. Es liegt in deiner Natur, dass du jemanden, der durch Ungerechtigkeit zum Vampir wurde, helfen willst. Was ich an all dem nicht verstehe, ist dass du es geheim gehalten hast. Vor allem vor mir."

„Zum einen wollte ich nicht, dass du mich verurteilst. Meine Sicherheit hat dazu geführt, dass das Leben von jemand anderen zerstört wurde", erwiderte Stefan.

Caroline schüttelte den Kopf. „Du wusstest es doch nicht. Es war Valerie, die das getan hat. Du dachtest sicher, dass es irgendein alteingesessener Vampir ist, der gut auf sich selbst aufpassen kann. Ich würde dich niemals für etwas verurteilen, das Valerie getan hat, Stefan", betonte sie.

„Und außerdem hat er immer noch die Narbe. Ich wollte euch alle durch seine Gegenwart nicht in Gefahr bringen, deswegen habe ich versucht ihn von dir und Damon fernzuhalten, und besonders von den Zwillingen", fuhr Stefan fort, „Damit Rayna euch nicht gegen ihn benutzen kann."

Caroline schüttelte verständnislos den Kopf. „Aber Stefan, das hatten wir doch schon. Rayna ist eingesperrt. Sie kann die Waffenkammer nicht verlassen", meinte sie.

„Das wird aber vielleicht nicht immer so sein", beharrte Stefan, „Und ich wollte euch keiner Gefahr aussetzen."

Caroline blickte ihn immer noch verständnislos an. Dann meinte sie: „Oh, so ist das. Ich verstehe. Das war es, was du tun wolltest, du wolltest uns verlassen, wolltest mich verlassen, egal ob Rayna eingesperrt ist oder nicht. Selbst nach Bonnies Zauber wolltest du nicht zurückkommen, solange du die Narbe noch trägst."

Das kam unerwartet und tat mehr weh als es sollte. Denn immerhin war ja nichts davon eingetreten, aber alleine das Wissen, dass Stefan bereit gewesen war sie so einfach fallen zu lassen, tat weh und ließ Erinnerungen an Tyler in ihr aufsteigen, der ihr das ebenso angetan hatte. Soviel dazu, dass es mit Stefan anders laufen sollte.

„Ich wusste, dass du es nicht zulassen würdest, dass du es mir ausreden würdest", argumentierte Stefan, „Und ich wollte dich und die Zwillinge auf jeden Fall beschützen."

Caroline wandte sich ab und wollte am Liebsten weglaufen.

Doch Stefan griff nach ihrem Ellenbogen. „Car, bitte, es tut mir leid. Ich weiß, dass das falsch war. Und dass ich dir das alles schon früher hätte sagen sollen", verkündete er, „Aber ich habe daraus gelernt. Deswegen ist Jack jetzt doch hier, weil mir klar geworden ist, dass man zusammen stärker ist. Sich seinen Problemen alleine stellen zu wollen, ist keine Lösung. Das ist mir klar geworden, als Bonnie den gleichen Fehler gemacht hat wie ich beinahe vor ihr. Als sie uns alle zurückgelassen hat um uns zu beschützen, nachdem sie mir einen Vortrag darüber gehalten hat, dass Weglaufen falsch ist. Ich schwöre dir, dass ich es jetzt besser weiß, dass ich nie wieder den gleichen Trugschluss erliegen werde. Dass ich dich niemals einfach so zu deinem eigenen Schutz verlassen werde. Ich verspreche es dir."

Caroline seufzte. Er hörte sich ehrlich an. Und es war Stefan, Stefan log nicht. Aber sie konnte sich keine Neuauflage ihrer Beziehung zu Tyler leisten, denn das würde sie einfach nicht ertragen. Ob sie aus falsch verstandenem Edelmut verlassen wurde oder aus Rachsucht heraus war ihr gleich, das Endergebnis war für sie das Selbe. Sie wandte sich wieder zu Stefan um.

„Na gut. Ich sehe darüber hinweg, einmal. Aber Stefan, wenn du mich jemals verlässt, ohne dass wir vorher Schluss gemacht hätten, wenn du jemals abhaust, egal aus welchem Grund, dann ist es vorbei, verstehst du? Dann nehme ich dich nicht zurück, nie wieder", erklärte sie mühsam gefasst.

Stefan nickte ernst. „Ich habe verstanden. Und das wird nicht passieren. Ich verspreche es dir. Das wird niemals passieren", schwor er. Und Caroline hoffte, sie hoffte wirklich, dass sie ihm das auch glauben konnte.


Damon setzte sich uneingeladen neben Mary Louise an den kleinen Tisch vor dem Cafe. „Was willst du?", lautete die nicht sehr begeisterte Begrüßung, die er erhielt.

„Ich bin hier um darüber zu sprechen, was passiert ist", erklärte Damon.

Die Blondine schnaufte daraufhin nur ungläubig. „Wieso? Damit ich mir dir wieder öffne, und du daraufhin wieder einfach wegläufst? Nein, danke ich verzichte", meinte sie.

„Genau das will ich dir ja erklären. Siehst du, seit du weggesperrt wurdest, hat die Menschheit so eine Sache namens Psychologie erfunden, die uns erklärt warum jemand gewisse Dinge tut und …."

„Ich weiß was Psychologie ist, Damon, ich bin vielleicht etwas altmodisch, aber ich bin nicht zurückgeblieben. Ich studiere hier", unterbrach ihn Mary Louise unfreundlich.

„Ja, klar. Worauf ich eigentlich hinauswollte ist, dass es mir selbst zur Zeit auch nicht wirklich gut geht, und dass deine Triade viele Punkte angesprochen hat, die mir selbst zu schaffen machen und in mir eine Panikreaktion ausgelöst haben, die es mir unmöglich gemacht haben dir zu helfen. Deswegen bin ich weggelaufen, und nicht aus böser Absicht heraus. Das ist zwar keine Entschuldigung, aber es ist eine Erklärung", fuhr Damon fort, „Ich bin direkt zu meinem Therapeuten gefahren, und jetzt geht es mir wieder etwas besser, und deswegen bin ich hier um mich zu entschuldigen, weil ich weiß, dass das, was ich getan habe, nicht in Ordnung war."

Mary Louise musterte ihn einen Moment lang prüfend. „Von mir aus", meinte sie, „Entschuldigung akzeptiert. Und jetzt verschwinde."

„Nicht so schnell, ich will es wiedergutmachen", erklärte Damon, was ihm einen ungläubigen Blick einbrachte, „Ich bin kein vollkommenes Monster. Ich habe zur Kenntnis genommen, dass du Probleme hast."

Mary Louise schien darüber nachzudenken. „Also gut. Dein Therapeut. Ist der gut?", wollte sie dann wissen.

„Sogar sehr gut", erwiderte Damon.

„Aber er hat keine Ahnung, dass du ein Vampir bist?", vermutete sie.

„Doch er weiß es", gab Damon zurück, „Es ist ihm nur egal."

„Kann ich ihn dann auch treffen?", wollte Mary Louise wissen.

„Auf keinen Fall", lautete die harte Antwort.

Jetzt war die Häretikerin offensichtlich verwirrt. „Aber wieso nicht?", wollte sie wissen.

„Eben weil er gut ist. Ich brauche ihn. Er gehört mir, verstehst du? Und ich kann nicht riskieren, dass du ihn anknabberst, verstörst, oder gar tötest, nur weil er etwas sagt, dss dir nicht gefällt, und er neigt dazu Dinge zu sagen, die man nicht hören will, das gehört irgendwie zu seinem Job. Und ja, du wirst mir versprechen, dass du dich benehmen wirst, aber die Sache ist die, du magst zwar mit Nora verlobt sein, aber du gehörst nun mal trotzdem nicht zum Kreis des Vertrauens", erklärte ihr Damon liebenswürdig, „Wenn du einen Therapeuten willst, dann such dir gefälligst einen eigenen. Und wenn du irgendwann einen wirklich guten willst, dann musst du warten bis du zum Kreis des Vertrauens gehörst."

„Und wann gehöre ich zum Kreis des Vertrauens?", wollte die Hexen-Vampirin daraufhin wissen.

„Sobald du bewiesen hast, dass man dir vertrauen kann", laute die Antwort.

Sie schwieg einen Moment. „Ich dachte, du wolltest mir helfen", merkte sie dann an.

„Das will ich auch", versicherte ihr Damon, „Aber auf oberflächlichere Weise." Er zog einen Laptop aus seiner Tasche und legte ihn vor Mary Louise auf den Tisch. „Vampirgehirne sind im Normalfall extrem lernfähig. Ich glaube, dass dir einfach jemand fehlt, der die ordentlich erklärt hat wie das alles funktioniert. Hi, ich bin Damon Salvatore, dein 21. Jahrhundert Tutor. Andere unterrichte ich in Okkultismus, aber für dich ist moderne Welt wohl das Äquivalent dazu. Also, das Erste was du wissen musst: Diese Dinge lügen - sie behaupten, dass sie genug Strom haben, aber das stimmt meistens nur ein paar Sekunden lang, und wenn sie dir eine Zeitangabe darüber geben wie lange ihr Strom noch reichen wird, dann ist das ebenfalls eine Lüge. Deswegen ist es immer eine gute Idee sie anzustecken, wenn man sie aufdreht und erst nach einigen Minuten das Kabel abzuziehen, wenn man sicher ist, dass der Akku voll genug ist um für einige Zeit zu halten. Und dann…"

Mary Louise begann sich sichtlich langsam zu entspannen, und begann ebenfalls damit ihm zuzuhören. Vielleicht würde all dieser Unterricht ihre Probleme nicht lösen, aber zumindest war es ein Anfang, der auf lange Sicht dazu führen könnte, dass ihre Probleme gelöst wurden. Und das wäre auch etwas wert.


A/N: Wir machen langsam Fortschritte, alles scheint gut zu laufen. Oh, nein, das muss wohl bedeuteten, dass die nächste Katastrophe schon um die nächste Ecke lauert. Oder nicht?

Also ja, ich arbeite an einem tatsächlichen Therapeuten für Vampire, aber ob das eine gute oder eine schlechte Sache ist, nun das könnt ihr Cami fragen. Mal sehen, ob mein Dr. Sulez mehr Glück haben wird.

Ich mochte an Mary Louise immer die Tatsache, dass sie sich eben nicht sofort an die moderne Welt angepasst hat. Normalerweise waren die alten Vampire immer sofort im 21. Jahrhundert angekommen, was ich nie für realistisch gehalten habe. Ich habe die Szenen aus der ersten Staffel vermisst, als Anna die Gruftvampire noch mühselig in Dinge wie „Das ist ein Fernseher" einführen musste.

Reviews?