Erhöhe Warnstufen für Gewalt, Mental Health Issues und eine Extra-Warning für Self-Harm
Teil 7: Abgesang
I.
Seline hatte unter einer Brücke ihr Lager aufgeschlagen. Die Glocke hatte sie gut sichtbar einige Meter von sich entfernt platziert, und sie selbst schien diese konzentriert anzustarren. Von ihrem sagenumwobenen Meister war nichts zu sehen, doch wenn dieser wirklich in einer anderen Dimension feststeckte, dann war er vielleicht anwesend, konnte aber nur von Seline gesehen werden.
„Seline!"
Caroline war aus dem Auto gesprungen, hielt die Stimmgabel fest umklammert, und eilte auf die Sirene zu. Valerie war ihr auf den Fersen, das wusste sie, und Tyler holte gerade alle notwendigen Waffen aus dem Kofferraum und würde in Kürze zu ihnen aufschließen. Caroline hielt der Sirene drohend die Stimmgabel entgegen. „Du hast uns betrogen", erklärte die Vampirin wütend.
Seline drehte sich zu ihnen um. „Falls es euch tröstet, ich hatte es nicht geplant, aber ich kann nicht mehr so weiterleben. Ich dachte ich könnte es, dass ich die Kraft in mir habe mich von alleine zu ändern. Aber mir ist klar geworden, dass dem nicht so ist. Und da wir nicht in der Lage sind die Glocke zu zerstören, gibt es nur einen Weg mich zu retten. Ich muss mir meine Freiheit erkaufen", erklärte sie.
„Wir werden nicht zulassen, dass du die Glocke an Cade übergibst", sagte Caroline und schlug gegen die Stimmgabel. Valerie neben ihr zischte, doch Seline ließ sich den Schmerz, den sie empfinden musste, nicht anmerken. Stattdessen lächelte sie nur sanft.
„Es ist bereits zu spät, Caroline", erklärte sie, „Ich habe sie schon übergeben."
Und wie auf Kommando erschien Sybil auf dem Platz, schlenderte ohne jede Eile auf die Szene zu. Caroline schlug mit der Stimmgabel gegen ihr eigenes Knie, was Sybil dazu brachte stehen zu bleiben, aber ansonsten nicht viel änderte, wenn man von Valeries sehr leisen Gefluche absah.
Tyler stand inzwischen hinter den beiden Vampiren, hielt eine riesige Axt in den Händen, und drehte sich unsicher hin und her. „Was sollen wir tun, Car?", wollte er wissen, „Welche von den beiden soll ich angreifen?"
Die Frage erledigte sich von selbst, als ein Haufen sterblicher Männer zu Sybil aufschloss und sich schützend um sie scharrte.
„Vergiss Sybil, hol dir Seline, wir müssen die Glocke wiederbekommen", meinte Caroline gepresst. Sie hörte einen Wagen mit quietschenden Reifen anhalten und jemanden aussteigen - das war ihre Verstärkung, zumindest hoffte sie das. Tyler stürmte unterdessen auf Seline zu, doch diese meinte nur: „Lass es sein, Tyler" - und tatsächlich der Werwolf blieb stehen. „Wenn wir uns aus der unmittelbaren Reichweite der Stimmgabel wegbebeben, dann werden wir anfällig für ihre Kräfte", stellte Valerie fest.
„Und wenn wir die Stimmgabel nicht näher an sie heranbringen, dann nutzt sie uns nichts", vervollständigte Caroline ihren Gedanken, „Sie wurde der Wirkung schon öfter ausgesetzt, sie hat sozusagen trainiert, sie kann sie besser aushalten als Sybil."
„Und wenn wir zu nahe ran gehen und sie die Stimmgabel an sich bringt, dann fehlt ihr nicht mehr viel um die Tore zur Hölle zu öffnen", fügte Valerie hinzu.
„Trotzdem bleibt uns keine Wahl", meinte Caroline, „Wir müssen sie aufhalten."
Sie brachte die Stimmgabel erneut in Schwingung, nickte dann Valerie zu, und zusammen stürzten sie auf Seline los. Diese wich nun doch einen Schritt zurück, doch dann blieb sie stehen, und schloss ihre Augen. Caroline hatte keine Zeit sich darüber zu wundern, sie setzte ihren Angriff fort, sah zu wie Tyler Valerie zu Boden riss, und hatte dann Seline erreicht und schlug ihr mit der Stimmgabel auf den Kopf.
Seline öffnete ihre Augen wieder und starrte sie an, ihre Nase begann zu bluten, und Caroline konnte die Adern in ihren Augen platzen sehen. Trotzdem wich sie nicht zurück. Stattdessen griff sie nach Carolines Arm, und dann …. Höllenfeuer und Schreie und er … das musste er sein, Cade … es war ein dunkelhäutiger recht großer Mann, der aber ansonsten nicht wirklich so aussah wie man sich den Teufel landläufig vorstellte. Und er blickte Caroline direkt an. Sein Anblick sollte ihr vielleicht Angst einreden, doch das tat er nicht. Er verwunderte sie eher.
Dann sprach Cade zu ihr. „Ich sehe dich, Caroline Forbes", erklärte er mit sanfter Stimme, „Ich erkenne dich. Ich weiß, was du getan hast…." Und dann zeigte er es ihr. Jedes Leben, das sie genommen hatte, jedes ihrer Opfer, alles Leid, das sie jemals verursacht hatte, alles Leid, das sie nicht verhindert hatte. Einfach alles. Sie schrie auf und taumelte zurück, und…
…. stellte fest, dass die Stimmgabel nicht mehr in ihrer Hand befand. Nein! Sie blickte sich nach Seline um und sah sie hinter der Glocke stehen. „Er will dich nicht, Caroline, darüber kannst du froh sein", erklärte Seline, „Du bist zu gut, zu rein. Deine Seele interessiert ihn nicht."
Caroline sah sich verzweifelt um. Sie konnte sehen, dass Sybils Sklaven mit Matt und seinem Vater rangen, sah, dass Tyler verwirrt wirkte und langsam wieder zu sich kommen zu schien, während Valerie versuchte Seline und die Glocke mit Zaubern anzugreifen, die aber alle wirkungslos abprallten. Wo sind Bonnie und die restlichen Häretiker?
Sie konnte nicht glauben, dass sie die Stimmgabel verloren hatte! Seline musste furchtbare Schmerzen erduldet haben um ihr diese zu entwinden, während sie Schwindungen aussandte, und sie dabei auch noch psychisch zu beeinflussen. … Nun, das war eine Leistung gewesen. Sie sah nun auch aus wie der Tod in Person, aber das war kein Trost, nicht wirklich.
Und dann begann sie auch noch zu singen. Caroline wollte sie aufhalten, wollte ihr die Stimmgabel wieder wegnehmen, wollte irgendetwas tun, doch sie konnte nicht, sie stellte fest, dass sie keinen Muskel bewegen konnte. Aus dem Augenwinkel sah sie, dass es Valerie und Tyler ebenso ging. Sie konnte immer noch Kampfgeräusche hören – Matt und sein Vater waren gegen Selines Einfluss immun, und Sybils Handlanger schienen sich vom Gesang der anderen Sirene ebenfalls nicht stören zu lassen.
Seline verkündete: „Ich habe dir die Glocke gebracht, den Stab, und die Erben der Maxwell-Blutlinie. Und ich weiß wo sich der letzte Teil, den du noch brauchst, befindet. Cade, mein Meister, ich habe dir solange Zeit gedient, lass mich gehen, lass mich frei. Und all das ist dein."
„Tu es nicht, Seline!"
Caroline erkannte die Stimme und hätte sich zu gerne nach dem Sprecher umgedreht. Leider war das hier keine weibliche Stimme, es waren weder Bonnie, noch Nora oder Mary Louise. Es war Stefan. Er sollte nicht hier sein!
Dieses eine Mal schienen sie und Seline einer Meinung zu sein, da die Sirene verkündete: „Du solltest nicht hier sein, Stefan."
Stefan ging auf sie zu und trat vor Carolines Sichtfeld, als er sich vor der Sirene aufbaute. „Ich bin aber hier. Seline, du musst das nicht tun. Du weißt was passieren wird, wenn du das tust. Die Tore zur Hölle werden aufgestoßen. Das kannst du doch nicht wollen! Du, die du unbedingt Vergebung erlangen wolltest, du, die du nur das Böse vernichtest. Du weißt es besser. Du weißt, dass du so niemals Wiedergutmachung leisten kannst", verkündete er gefasst.
„Du hast recht, das kann ich nicht. Aber mir ist klar geworden, dass ich das so oder so niemals könnte", erwiderte Seline, „Siehst du, Stefan, ich wollte daran glauben, dass ich mich ändern kann, dass ich aufhören kann die zu sein, die ich bin. Ich wollte Hoffnung haben. Ich wollte für meine Taten Buße tun, so wie du für seine Buße getan hast. Aber das war reine Selbsttäuschung. Ich kann mich nicht ändern, egal was ich versuche. Meine einzige Chance frei zu sein ist die, von meinem Meister freigelassen zu werden. Der Zwang zu töten ist Teil von dem, was ich bin, und selbst wenn ich ihn los wäre, selbst wenn ich von jetzt tausende von Jahre lang ein Leben führe, in dem ich niemanden mehr ein Leid antue, kann es nie ausreichen um alles wieder gutzumachen, das ich verbrochen habe. Für dich und mich gibt es keine Hoffnung, Stefan, keine Sühne, kein Happy End. Und weißt du auch warum? Weil wir uns für dieses Leben entschieden haben, und für Sybil und Damon ebenfalls entschieden haben, dass sie es zu führen haben. Und doch sind wir es, die keine Kontrolle haben, während sie die Kontrolle haben. Was sagt uns das, Stefan? Ja, genau, dass es für uns keine Hoffnung gibt."
Sie hob die Stimmgabel. „Seline, bitte, tu das nicht, gib nicht auf", bettelte Stefan.
„Arcadius, ich rufe dich, hör mein Flehen, dies sind meine Gaben an dich! Gewähre mir, das, was ich mir am Meisten wünsche, und all das und noch mehr ist dein!", rief Seline aus, und streckte die Stimmgabel in den Himmel empor.
Und dann wurden sie und die Glocke auf einmal von einer aus dem Nichts aufkeimenden Feuerbrunst umschlossen.
„Ich hasse alles an diesem Plan", erklärte Nora voller Abscheu, „Angefangen dabei, dass du ihn wirklich durchführen willst. Bonnie, das ist verrückt. Offenbar ist Damon ihr schon in die Falle gegangen, reicht das nicht? Willst du es ihr wirklich so leicht machen?!"
„Ich kann meine Freunde nicht im Stich lassen. Vor allem, weil das alles meine Schuld ist. Ich war es, die Alex der Sirene am Silbertablett serviert hat. Meinetwegen ist sie nun ein rachsüchtiges Monster geworden. Ich habe euch allen versprochen, dass sie für uns kein Problem mehr darstellt. Doch das tut sie. Also liegt es an mir dafür zu sorgen, dass mein Versprechen doch noch wahr wird", erwiderte Bonnie, „Ich weiß, dass du dir wünscht, dass das alles anders ablaufen könnte, aber das kann es nun mal nicht. Es ist mein Mist, und ich räume ihn weg. Und ihr beide, ihr müsst den anderen helfen. Wenn die Glocke in die falschen Hände fällt, dann ist alles vorbei. Alex ist das kleinere Übel."
„Das hat Damon wahrscheinlich auch gedacht, und was hatte er davon?", widersprach Nora, „Kannst du überhaupt Motorradfahren?"
„Es kann nicht so schwer sein."
Zunächst hatten sie versucht einen Wagen zum Anhalten zu bringen, doch die meisten waren einfach an ihnen vorbeigerast. Ihr Wagen sah nicht kaputt aus, da er das ja auch nicht war, und sie wirkten nicht gerade wie drei Mädchen in Nöten – Hexen strahlten immer eine gewisse Macht aus, die von normalen Menschen genauso gespürt wurde wie von Vampiren und anderen übernatürlichen Wesen. Als dann doch jemand angehalten hatte und sich erkundigt hatte, ob sie Hilfe brauchten, war das ein Motorradfahrer gewesen, den Nora dazu manipuliert hatte ihnen sein Bike zu überlassen und zu Fuß das Weite zu suchen.
Sie hatten beschlossen sich zu trennen. Nora und Mary Louise sollten zu den anderen fahren um ihnen zu helfen, während Bonnie zu Alex fahren wollte. Sobald sie sich um Seline gekümmert hätten, könnten sie zu Bonnies Unterstützung eilen, doch wer wusste schon wann das sein würde und was bis dahin passiert wäre?
Es war also nicht überraschend, dass Nora vom ersten Moment an gegen die Idee, dass Bonnie Alexs Forderung nachkam und alleine kommen wollte, protestiert hatte. Sie sah Bonnie offenbar schon tot vor sich, und schien keine Hoffnung mehr für Damon und Enzo übrig zu haben, und wollte Alex St. John lieber im Team fertig machen.
Aber Bonnie hatte ihr erklärt, dass sie nicht vorhatte die Märtyrerin zu spielen, auch wenn es so aussah. Sie wollte vor allem Zeit gewinnen, den anderen eine Möglichkeit einräumen die eine Sirenenkrise aufzulösen, bevor sie sich gemeinsam der nächsten zuwandten. Sie wollte Alex vor allem ablenken, damit diese davon absah Damon auf der Stelle umzubringen.
Sie hatten eine modifizierte Version des Bindezaubers gesprochen, der zwei Leben aneinander band; was Bonnie zustieß sollte auch Nora zustoßen, damit sie wüsste wann Bonnie in akuter Gefahr wäre, nur dass sie eine Notfalltrennung für den Fall der Fälle ausgemacht hatten, sobald Bonnie dachte, dass sie tatsächlich sterben würde, oder Nora spürte, dass ihr das drohte, wollten sie den Zauber an ihren jeweiligen Enden aufheben. Unterstützt von Mary Louise und gegebenenfalls Valerie.
Und hier kam auch die Modifikation ins Spiel; sie hatten es so gedreht, dass Nora auch Sinneseindrücke von Bonnie empfangen konnte, damit sie wusste wo sich die Hexe gerade befand und was sie erlebte. Und was sie gerade hörte. Damit diese Modifikation nicht zu sensorischen Overload führte, hatten sie es so gedreht, dass sich ihre Sinne immer nur dann verbanden, wenn Nora gerade fremde Magie in sich aufsaugte. Das sollte ihr gestatten mit ihrer eigenen Vampirmagie zu kämpfen ohne abgelenkt zu werden, und sobald sie nachsehen wollte, was Bonnie gerade tat, müsste sie nur Mary Louises Hand ergreifen.
Trotzdem war keine der beiden Hexen-Vampire besonders begeistert von dieser Idee gewesen – aus verschiedenen Gründen – Mary Louise war auch nicht begeistert von der Möglichkeit, dass Bonnie sterben und Nora mit in den Tod reißen könnte, bevor irgendjemand etwas dagegen tun konnte, aber Nora war bereit gewesen dieses Risiko einzugehen, und es war die beste Art, die ihnen auf die Schnelle eingefallen war um Bonnie zu überwachen.
Für Noras Geschmack gab es aber immer noch zu viele blinde Flecken.
„Ich werde Alex so lange hinhalten, wie ich kann", versprach Bonnie, „Alles wird glatt gehen. Wir finden heraus, wo sie Damon und Enzo festhält, was sie will, und dann stellen und vernichten wir sie. Es wird schon klappen, du wirst sehen."
Nora musterte das Motorrad feindselig als wäre es an allem Schuld. „Wenn du trotz allem bei dieser Sache stirbst, und ich nichts dagegen tun kann, Bonnie…", begann sie.
„Das werde ich nicht. Und wenn doch … nun es wäre nicht das erste Mal. Ich habe sehr viele zweite Chancen im Leben eingeräumt bekommen, und ich will diese nicht verschwenden, indem ich mich vor dem, was Richtig ist, verstecke. Du warst mir eine gute Freundin, Nora, und bist es immer noch, gerade weil du dich auf das hier einlässt", wurde sie von Bonnie unterbrochen, „Und jetzt verschwendet lieber keine Zeit mehr, sondern fahrt zu den anderen, ich muss mich auch schleunigst auf den Weg machen."
„Versuch Damon zu retten, Bonnie, aber geh kein dummes Risiko ein", meinte Mary Louise, „Alex St. John war schon wahnsinnig als sich noch ein Mensch war. Was immer sie für dich geplant hat, es wird kein harmloser Spaß sein."
Bonnie nahm an, dass sie damit recht hatte. „Keine Sorge, ich habe so meine Erfahrung mit Irren. Ich bin auf alles vorbereitet, was sie sich ausgedacht hat", erwiderte sie. Sie wünschte sich nur, dass das auch wirklich stimmen würde.
Als das Feuer erlosch waren die Glocke und die Stammgabel immer noch ganz, doch von Seline fehlte jede Spur. Dafür schienen sich die anderen endlich wieder von ihrer Starre zu erholen und wieder bewegen zu können. Was ist passiert?
Stefan blickte sich um und erkannte, dass Matt und sein Vater immer noch mit Sybils Anhängern beschäftigt waren, und die Sirene selbst sich nun wieder in Bewegung gesetzt hatte und auf die Glocke zuschritt.
Stefan erwachte also aus seiner eigenen Trance, hechtete zur Glocke hinüber, und griff nach der Stimmgabel und schickte dann eine Vibrationswelle in Sybils Richtung. Die Sirene blieb stehen und gab einen unwirschen Ton von sich. „Ihr könnt das Unvermeidliche nicht aufhalten", verkündete sie, „Ihr habt bereits verloren. Cade ist nun im Besitz dieser Gegenstände, und derjenige, der sie berührt … nun, der gehört nun ebenfalls Cade."
Was? Was redet sie da?, wunderte sich Stefan und hörte dann ein Räuspern hinter sich. Er drehte sich um und sah einen dunkelhäutigen glatzköpfigen Mann hinter sich stehen, der aus dem Nichts aufgetaucht zu sein schien. „Der Ripper von Monterey", stellte er fest, „Es ist mir eine Ehre dich kennenzulernen, Stefan Salvatore. Ich bin schon lange ein Bewunderer deiner Arbeit."
„Wer zum Teufel bist du? Und was ist mit Seline passiert?!", wollte Stefan wissen.
„Zum Teufel, fürwahr. Ich bin Cade", erklärte ihm der Fremde, „Und was Seline angeht …. Ich habe ihr ihren Wunsch erfüllt. Ich habe sie befreit, auf die einzige Art und Weise, die es ihr ermöglicht hat wirklich frei zu sein. Sie wollte aus meinen Diensten austreten, also habe ich sie aus meinen Diensten entlassen. Permanent."
„Du hast sie umgebracht?", vergewisserte sich Stefan entsetzt.
„Sie wollte es so", lautete die Antwort, „Sie wusste, dass das der einzige Weg war jemals frei zu sein. Sie wusste, dass sie niemals wirklich im Leben Erlösung finden würde, dass sie niemals wieder gutmachen könnte, was sie getan hat. Die Mörderin ihrer Mitmenschen, die ihr Fleisch verzehrt hat, die dieses Fleisch ihrer nichtsahnenden Schwester vorgesetzt hat. Die Freude am Töten empfunden hat, die sich gerächt hat, für das Unrecht, das ihr in ihrer Jugend angetan wurde, an Menschen, die mit diesem Unrecht gar nichts zu tun hatten. Die keine Kontrolle über ihre dunkelsten Impulse hatte, niemals wirklich, niemals auf Dauer. Sie musste nur in die Seelen der Menschen blicken und jemanden finden, der wirklich böse ist, und schon war alles dahin, alle Vorsätze, alle Schwüre, alle Selbsttäuschung. Niemals konnte sie daneben sitzen und nichts tun, niemals konnte sie Böses tolerieren, aber sie konnte auch niemals aufhören selbst Böses zu tun. Also habe ich sie erlöst."
„Nein, sie wollte sich ändern, sie war davon überzeugt, dass sie sich ändern kann", widersprach Stefan, „Sie hat es versucht, und sie hat es geschafft, zumindest beinahe. Das Einzige, das sie noch gefangen gehalten hat, das Einzige, von dem sie sich befreien wollte, warst du. Du hast sie gezwungen Böses zu vernichten, sie wollte aus deinen Diensten treten, aber nicht so. Sie wollte leben."
„Nachdem sie dich getroffen hatte, meinst du. Ja, da wollte sie sich ändern, wollte sich von dir inspirieren lassen. Sie dachte, wenn der Ripper von Monterey sein Verhalten ändern kann, kann sie das auch. Aber was nützt es, wenn man sein Verhalten ändert, wenn getan getan ist? Gute Taten löschen vergangene Sünden nicht aus. Sie dachte, dass es vielleicht trotzdem Hoffnung gibt, dass sie vielleicht trotzdem ein Happy End finden kann. Sie dachte das, weil du es ebenfalls gedacht hast. Doch dann hat sie dir eine Erinnerungen zurückgeben und hat erkannt, was die in Wahrheit denkst. Dass du nur deswegen Hoffnung auf Erlösung hattest, weil du deine schlimmsten Sünden vergessen hattest. Dass du mit dem Wissen über deine Taten in Monterey nicht mehr an Erlösung glaubst, und damit konnte sie es auch nicht mehr. Siehst du, meine Sirenen sind mit ihren Opfern verbunden, sie empfinden, was diese empfinden. Seline hat nicht die Hoffnung verloren, weil es euch nicht gelungen ist die Glocke zu zerstören, sie hat die Hoffnung verloren, weil du sie verloren hast", erklärte ihm Cade.
Nein, das ist nicht wahr!
„Doch es ist wahr. Ich lüge nicht, Stefan Salvatore, ich habe es nicht nötig zu lügen", behauptete Cade, „Und deswegen sage ich dir jetzt auch dieses: Du wirst nicht mehr in der Lage sein meinen Stab gegen meine Sirenen einzusetzen. Seline hat mir diese Gegenstände geweiht, sie gehören jetzt mir, jeder der sie berührt, kann sie nur noch für das verwenden, was ich zulasse."
Nein, das durfte noch weniger wahr sein. Stefan wollte gegen die Stimmgabel schlagen, doch er war dazu nicht in der Lage. Seine linke Hand wollte ihm nicht gehorchen, und als er versuchte seine rechte zu senken und die Gabel gegen seinen eigenen Schenkel zu schlagen, bewegte sich auch seine rechte Hand nicht. Nein!
„Übergib Sybil die Gegenstände, dann verschont sie dein Leben. Ich habe ihr die entsprechenden Befehle erteilt. Weigere dich, und du wirst es bereuen", wandte sich Cade noch einmal an ihn.
Stefan riss sich von seinem Anblick los und sah Sybil auf sich zuschreiten.
„Stefan, Stefan, was machst du? Benutzte die Gabel!", rief Caroline, doch es half nichts, sein Körper wollte ihm nicht gehorchen.
„Ich … kann … nicht", presste Stefan.
„Tatsächlich könnte es keiner von euch", erklärte Sybil freundlich, „Der Stab dient nun wieder nur seinem Meister."
Caroline griff Sybil mit dem Mut der Verzweiflung an, genau wie Valerie, die versuchte die Sirene zu verhexen, doch diese ließ sich von den beiden nicht beeindrucken, schlug Caroline weg und schritt trotz den Magiegangriffen weiter. Sie murmelte etwas, und Valerie erstarrte, schien nicht mehr in der Lage zu sein anzugreifen. Die Sirene hatte Stefan beinahe erreicht.
Doch dann flammte auf einmal eine feurige Wand vor ihr auf und schnitt ihr den Weg ab. Was?
„Stefan, lass die Stimmgabel fallen, sie ist verflucht, lass sie fallen und lauf weg!", hörte er Noras Stimme.
Er starrte auf die Gabel in seiner Hand.
„Oder du lässt sie nicht fallen und schließt dich mir an", raunte Cade ihm in sein Ohr, „Für den Ripper von Monterey habe ich immer Verwendung."
Nein! Stefan ließ die Stimmgabel fallen und taumelte zurück, und sah dann wie die Sirene durch die Flammen hindurch nach ihm griff. Also tat er das, was Nora ihm geraten hatte – er rannte davon, er floh so schnell er konnte. Er blickte nicht einmal zurück, er rannte einfach davon.
Sybil verschwand in einer qualmenden Rauchwolke. Was ihre Sklaven dazu brachte inne zu halten und sich verwirrt umzusehen. Damit war der Kampf vorbei. Gewonnen hatten sie jedoch nicht. Aber zumindest hatten sie noch nicht verloren.
„Halt, bleibt weg von der Glocke und der Stimmgabel, wenn ihr sie berührt, dann geratet ihr in den Einfluss des Fluches", bellte Nora in Tylers Richtung.
„Aber was sollen wir tun, wenn wir die beiden Sachen nicht anrühren können?", wollte Caroline wissen.
„Wir bewachen sie, lassen nicht zu, dass die Sirene oder ihre Handlanger zu ihnen durchdringen", meinte Nora, „Wir haben sie schon einmal vernichtet und so davon abgehalten, wir müssen es einfach weiterhin tun."
„Aber was ist mit Bonnie?", wollte Mary Louise wissen, „Wenn wir hier nicht wegkönnen, dann können wir ihr nicht helfen."
„Wieso, was ist mit Bonnie?", wollte Caroline wissen, „Und wo ist sie überhaupt?"
Nora seufzte. „Das ist Zermürbungstaktik", stellte sie fest, „Sie trennen uns, schalten einen nach dem anderen von uns aus, bis wir irgendwann einen Fehler machen, der ihnen erlaubt zu gewinnen. Die verdammte Alex St. John arbeitet sehr wohl mit der anderen Sirene zusammen, sie tut es nur viel verschlagener, als wir ihr zugetraut hätten."
Jetzt war Caroline ganz verwirrt. Schlimm genug, dass sie nicht wusste, was mit Stefan passiert war, schlimm genug, dass sie ihre einzige effektive Waffe gegen die Sirenen verloren hatten, jetzt war auch noch Bonnie verschwunden, und Alex St. John…
„Ich dachte Damon kümmert sich um Alex St. John", wunderte sie sich, „Was ist passiert? Und wo steckt er überhaupt?"
Die Antwort, da war sie sich einigermaßen sicher, würde ihr nicht gefallen.
A/N: Ja, wo steckt Damon? Das werdet ihr im nächsten Kapitel herausfinden.
Ich habe damit begonnen die 8. Staffel noch mal anzuschauen und bin wieder so begeistert wie beim ersten Mal – nämlich gar nicht. Die meiste Zeit über denke ich „Was ist mit dieser Serie passiert, die war mal so gut". Ja, die 7. Staffel ist im letzten Drittel ziemlich böse abgeglitten, aber zumindest war sie immer spannend. Staffel 8 ist vor allem einfach … Ugh. Sie inspiriert mich weniger zum weiterschreiben dieser Fic als zum aufhören. Aber ich erinnere mich dunkel, dass ich langsam aber sicher zu der einen Folge der Staffel komme, die tatsächlich zur Abwechslung mal wieder ganz gut war (allerdings weiß ich nicht mehr welche das war und warum, ich glaube es war nicht die Weihnachtsfolge, obwohl die zumindest weniger unerträglich schlecht war als die Folgen zuvor, oder war sie es doch und das war damals mein Maßstab?)
Na ja zumindest hoffe ich, dass mein Sirenenteil ansprechender gestaltet ist als der Canon. Zumindest für mich ist er es.
Das war's für Seline, aber Sybil und Alex sind immer noch da und machen Ärger.
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