Extra-Warning: Mindfuck, Fragen über die Natur von Gut und Böse
II.
Damons Plan war ganz simpel gewesen. Als Érstes hatte er geplant Klein-Gilbert möglichst sanft auszuschalten, und dann hatte er Alex St. John die Eingeweide herausreißen wollen. Es hätte klappen müssen, aber irgendwie war alles schief gegangen.
Am Anfang hatte es noch danach ausgesehen, als würde es keine Probleme geben. Sie hatten die gefälschte Glocke in seinen Wagen geladen und waren losgefahren, Jeremy hatte ein paar nervige Fragen über Taktik gestellt und darüber, was Alex genau gesagt hatte, aber Damon hatte ihn mit genug Informationen gefüttert um ihm zum Schweigen zu bringen. Dann hatten sie an einer Tankstellte angehalten, und während Damon so getan hatte, als würde er tanken, war Jeremy auf die Toilette verschwunden.
Diesen Moment hatte Damon genutzt um den Vampirjäger bei der Rückkehr von der Toilette von Hinten niederzuschlagen, ihm sein Handy zu stehlen, und ihn dann in besagte Toilette einzusperren. Er hatte nur so fest zugeschlagen wie es nötig gewesen war, der junge Gilbert würde einige Zeit im Land der Träume verbringen, aber er würde ohne größere Kopfschmerzen wieder aufwachen und aus der Toilette befreit werden. Allerdings würde er ohne sein Handy einige Zeit brauchen um mit den anderen Kontakt aufzunehmen, da Damon ihm auch all sein Geld gestohlen hatte, und er davon ausging, dass Jeremy als Kind des Millenniums die diversen Handy-Nummern seiner Freunde nicht auswendig kannte. Und da er den jungen Mann auch noch mit falschen Informationen über den Treffpunkt gefüttert hatte, sollte ihm diese ganze Aktion genug Vorsprung verschaffen um mit Alex St. John fertig zu werden.
Ihm war klar, dass die anderen wütend auf ihn sein würden, aber wenn er den Tag rettete und die Sirene erledigte, dann würde sie ihn schon verzeihen, bis jetzt hatte sie ihm noch immer verziehen. Und außerdem konnte er keine dumme Heldenaktion riskieren, die Sulez in Gefahr bringen würde. Enzo würde schon klar kommen, aber sein Therapeut war leichte Beute für die Sirene. Er musste ihren Forderungen nachkommen um sie davon abzubringen diesen nur umzubringen um sich an Damon zu rächen und deswegen alleine kommen.
Die Koordinaten, die Alex ihm geschickt hatte, führten ihn zu einem verlassenen Vergnügungspark. Der Park schien nur außer Betrieb und nicht aufgegeben zu sein, was bedeutete, dass er vermutlich Strom hatte. Also handelte es sich eindeutig um eine Falle. Aber Damon Salvatore ließ sich von Achterbahnen, Karussellen, und Fun Häusern nicht beeindrucken, er hatte das Ende der Freakshows live miterlebt, für ihn war das alles der traurige Versuch vergangene Zeiten auf eine kommerzialisierte Art wiederzubeleben, nicht mehr. Ja, Disney World wäre ein Problem gewesen, aber dieser kleine Park hier, hatte vermutlich nicht mal ein ordentliches Geisterhaus zu bieten. Er rechnete mit keinen Hightech-Fallen.
Okay, sie hat Enzo erwischt, weil der nicht gut genug aufgepasst hat, aber ich bin nicht Enzo, ich bin abgebrühter. Er betrat den Park, bewaffnet nur mit einer Angst und seinem Handy, warf noch einmal einen Blick auf die Koordinaten, und folgte diesen dann zu einer leeren Bude und blieb vor dieser stehen. Und wartete ab. Niemand sprang unter dem Tisch der Bude hervor und griff ihn an. Niemand schoss mit einer Eisenkrautpistole auf ihn. Niemand zeigte sich, so einfach war das.
Also blieb ihm keine andere Wahl als Sulezs Handy anzurufen. „Ich bin hier", erklärte er nachdem abgehoben wurde, „Wo steckt meine Gegnerin?"
„Ich musste sichergehen, dass Sie sich auch an meine Bedingungen halten, Damon", erwiderte Alex St. John ruhig, „Da Sie das offenbar tun, kommen Sie hinüber zum Spiegelkabinett."
„Du weißt, dass das mit den Spiegeln eine literarische Erfindung basierend auf alten Aberglauben ist und ich sehr wohl ein Spiegelbild besitze, ja?", gab Damon zurück.
„Gehen Sie einfach hinein, Damon", lautete die Antwort, und dann hatte sie schon wieder aufgelegt.
Die ist wirklich anstrengend. Seufzend steckte Damon sein Handy wieder ein und ging hinüber zum Spiegelkabinett. Vor dem Eingang blieb er stehen und wartete, niemand zeigte sich. Sie wollte ihn offenbar wirklich in ihr Territorium locken.
Er hob die Axt und trat in den dunklen Eingang zum Spiegelkabinett. Dort drinnen erwartete ihn zunächst einmal Dunkelheit und dann gleißendes Licht und eine Menge Spiegeln. „Sehr originell, Alex. Haben wir unsere Inspiration dafür aus dem Horrorfilm der Woche? Falls Jigsaw nicht hinter einem dieser Spiegel lauert, ist der Aufbau besser als der Höhepunkt der Spannungskurve!", rief Damon, aber natürlich erhielt er keine Antwort.
Nun, offenbar blieb ihm keine andere Wahl als ihr Spiel mitzuspielen.
Langsam bewegte er sich durch den Raum hindurch auf der Suche nach der nächsten Abzweigung. In den Spiegeln zeigte sich bisher nur seine eigene Reflexion. Vielleicht sollte ich die einfach zerdeppern, dann ist sie gezwungen sich zu zeigen. … Es sei denn sie erwartet genau dieses Verhalten von mir und hat irgendeine explosive Überraschung vorbereitet, die sich auslöst, wenn ich das tue.
Es war schon irgendwie besorgniserregend zu wissen, dass seine Gegnerin nicht nur ein mystisches Monster sondern auch noch eine verrückte Wissenschaftlerin war. Was wenn sie die Sprinkler mit Eisenkrautsaft gefüllt hatte und plante diese auf ihn herabregnen zu lassen? Er warf einen prüfenden Blick zur Decke, sah keine Sprinkler, nahm jedoch an, dass diese dort oben waren. Aber zumindest gingen sie nicht los.
Langsam schob er sich in den nächsten Raum. Immer noch erwartete ihn nur sein eigenes Spiegelbild. „Das hier wird langsam anstrengend, Alex!", rief er, „Ich dachte, wir wollten gegeneinander kämpfen!"
Das war der Moment, indem etwas von Oben auf ihn zuraste. Er sprang zur Seite und sah, dass es sich nur um eine Fledermaus-Puppe handelte, die Alex offenbar aus dem Geisterhaus nebenan entwendet und hier installiert hatte. „Haha, sehr witzig", ätzte er, umklammerte seine Axt fester, und prallte gegen eine unsichtbare Wand. Na toll…
Er machte einen Schritt zurück und drehte sich langsam um die eigene Achse. Wo jetzt hin?... Er machte einen Schritt nach recht, erkannte seinen Fehler kaum, dass etwas unter seinem Fuß spürte, und warf sich gerade noch rechtzeitig am Boden um nicht von dem Baumstammgeschoss durchbohrt zu werden, das von hinten angeschossen kam und an seiner Stelle den Spiegel direkt vor ihm zerbarst.
Vorsichtig richtete er sich wieder auf. Hinter den Überresten des Spiegels befand sich dankenswerter Weise nur eine Wand und kein lauerndes Monster. Damon bewegte sich langsam weiter, gab nun aber doppelt so viel Acht wo er hintrat.
Es erfolgte kein weiterer Angriff. Und dann erblickte er in einem der Spiegel endlich etwas anderes – er sah Alex die Sirene die Doktor Sulez umklammert hielt und ihn drohend die spitzen Krallen ihrer anderen Hand unter das Kinn hielt.
Damon blickte in die Richtung, in der sich die beiden Gestalten befinden mussten, sah dort aber nur einen anderen Spiegle, der ihn selbst reflektierte. Also konnte er Anblick vor ihm keine Reflexion sein, es mussten die echte Alex und der echte Doktor Sulez sein.
„Wenn du ihm etwas antust, dann….", begann er mit einer Drohung, doch er kam nicht sonderlich weit, da Alex schneller war und ihre Krallen in seinen wehrlosen Therapeuten bohrte. Nein! „Nein!", rief er aus und stürmte auf die beiden zu – und rannte – natürlich – direkt in einen Spiegel, der klirrend zerbrach, als er in Vampirgeschwindigkeit dagegen prallte.
Was? …. Damon taumelte zurück und starrte entsetzt gegen die verräterische Wand, die ihn erwartete. Aber … Er wirbelte herum und sah hinter sich nur Spiegel. Wie hat sie das….
Er kam nicht mehr dazu diesen Gedanken fertig zu denken, da er in diesem Moment von etwas durchbohrt wurde. „Wissen Sie, Damon, es ist immer erfrischend, wenn man es mit einem Gegner zu tun hat, der einfach nur dämlich ist", erklärte ihm die Sirene und riss ihre Krallen aus seinen Rücken, „Sie mussten darauf zu rennen, nicht wahr? Sie konnten einfach nicht anders…"
„Sulez…", keuchte Damon.
„Ja, das wüssten Sie gerne, nicht wahr?", meinte Alex nur, und verpasste ihm einen kräftigen Tritt, der ihn zu Boden gehen ließ. Dann präsentierte sie ihm eine Waffe, die er sofort wieder erkannte, auch wenn er seit Wochen nicht mehr an sie gedacht hatte.
Die Sirene hielt Raynas Schwert mit dem Phönix-Stein darauf in den Händen. „Nein", murmelte er.
„Der Stein hat Miss Raynas Cruzs bedauernswertes Ableben überstanden", informierte ihn Alex, „Ich frage mich, ob er immer noch funktioniert. Wollen wir beide das gemeinsam herausfinden?"
Bonnies Motorrad kam vor dem Vergnügungspark zu stehen. Sie wusste nicht was sie sich erwartet hatte, aber nicht das hier. Sie zückte ihr Handy und rief Damons Nummer an.
Alex hob beim ersten Läuten ab. „Ich bin hier", informierte Bonnie die andere Frau, „Wo soll ich jetzt hin?"
„Ich erwarte Sie im Geisterhaus, Miss Bennett", lautete die schlichte Antwort.
Wie passend. Bonnie wünschte sich, sie könnte bewaffnet gehen, doch ihr war gesagt worden, dass sie auf sämtliche spitze Gegenstände zu verzichten hatte, aber im Grunde brauchte sie ja keine Waffen, sie selbst war eine Waffe. „Nora, ich weiß nicht, ob du mich hören kannst, aber ich bin hier in einen verlassenen Vergnügungspark und besuche jetzt das ansässige Geisterhaus", murmelte sie, und machte sich dann auf in den Park.
Falls Damon und Jeremy hier gewesen waren, so hatten sie keine sichtbaren Spuren hinterlassen. Sie konnte Damons Wagen nirgendwo entdecken, aber natürlich hatte Alex inzwischen genügend Zeit gehabt um sein Auto wegzufahren.
Sie sah sich so genau sie konnte im Park um, nur für den Fall, dass Nora gerade zusah. Und bewegte sich so langsam sie konnte vorwärts. Irgendwie musste sie ja immerhin Zeit schinden. Ich wünschte ich wüsste wie es bei den anderen gelaufen ist. Aber es war besser, wenn sie es nicht wusste, nur für den Fall, dass alles schief gegangen war und die Sirenen mit der Glocke über alle Berge abgehauen waren. Sie hatte schon genug Dinge, um die sie sich jetzt gerade sorgen musste, die bevorstehende Apokalypse sollte nicht auch noch dazu kommen.
Vorsichtig betrat sie das Geisterhaus. Von Alex war vorerst nichts zu sehen. Es gab ein paar Puppen, in der Form von Vampiren, Zombies, Wolfsmenschen, und Mumien, die sich aus ihren Verstecken schossen, als Bonnie vorbeiging, aber sonst war hier alles so wie man es sich von einem Geisterhaus erwarten würde.
Bis sie einem Raum betrat, der grauenhafte Experimente ankündigte und in dem sie nicht einen Doktor Frankenstein oder einen Zombiechirurgen vorfand, sondern stattdessen Alex St. John, die sie grinsend begrüßte.
„Es freut mich, dass Sie hergefunden haben, Miss Bennett", meinte sie.
Links und rechts von ihr befanden sich zwei Liegen, auf denen normalerweise Puppen oder Schausteller lagen, an denen irgendwelche „grauenhaften Experimente" durchgeführt wurden, doch heute lag Enzo auf der einen Liege und auf der anderen lag Damon. Beide schienen ohne Bewusstsein zu sein.
„Was haben Sie mit Ihnen gemacht?", wollte Bonnie erbost wissen.
„Nun, ich habe sie bestraft", erklärte Alex ruhig, „Ich meine, Enzo hat mich verraten, und Damon hat sich als verdammt große Nervensäge entpuppt. Ich konnte das nicht durchgehen lassen, nicht wahr?" Sie zog etwas hinter ihrem Rücken hervor, und Bonnie erkannte zu ihrem Schrecken das Phönixschwert mit intaktem Phönix-Stein darauf.
„Nein .. Nein, das haben Sie nicht getan!", entfuhr es ihr entsetzt. Sein letzter Trip in den Stein hätte Damon beinahe den Verstand gekostet, und weder er noch Enzo waren an den meisten Tagen ein strahlendes Beispiel für geistige Stabiliät.
„Wieso die Aufregung? So weit ich weiß, haben Sie die Salvatore-Brüder schon einmal aus dem Stein herausgeholt. Alles, was Sie tun müssen, ist das noch einmal zu tun", meinte Alex abwertend, „Es ist kein großer Drama … Nun, wäre es nicht, wenn ich es so einfach zulassen würde, nicht wahr?"
Und dann pflückte sie den Phönix-Stein von dem Schwert und ließ ihn in einen bereitgestellten Bottich mit Säure darin fallen. Wenn Bonnie nicht genau wusste, dass das zu nichts führen würde, hätte sie sich in diesem Moment vielleicht sogar Sorgen gemacht.
„Das wird nicht funktionieren", erklärte sie also gelassen, „Der Stein lässt sich nicht so einfach zerstören."
Alex hob eine Augenbraue. „Ach? Denken Sie wirklich?"
Und dann nahm sie eine Phiole mit einer dunklen Flüssigkeit darin, und goss sie in den Säurebehälter mit dem Stein darin. Bonnie runzelte die Stirn und erwartete sich keinen wirklichen Effekt von dem Ganzen. Selbst wenn das hier Raynas Blut gewesen war, basierte der Stein auf derselben Machtquelle wie ihre Fähigkeiten, es gäbe keinen Grund dafür, dass ihr Blut dem Stein irgendeinen Schaden zufügen sollte.
Doch dann hörte sie es. Es war ein unverkennbares Knackgeräusch. Bonnie starrte Alex entsetzt an. „Mein neuer Meister ist sehr hilfreich, wenn es darum geht kreative Wege zu finden Magie und Wissenschaft zu verbinden. Er kennt die Magie der Schamamen, die Rayna gemacht haben, und er weiß auch wie man sie neutralisiert", erklärte ihr die Sirene ruhig, „Das heißt dann wohl bye bye, Vampirseelen …."
Bonnie stürmte los und griff nach dem Säurebehälter. Doch noch bevor sie ihn erreichte, explodierte dieser, und mit ihm der Phönix-Stein, der in tausend Stücke zerbrach.
Nein, nein, nein …. Damon, nein, Enzo, nein…
Im nächsten Moment fuhr Damons Körper hoch. „Damon!" Zum Glück, sie hat nur geblufft, sie wollte mich nur quälen, sie hat das Schwert nie bei den beiden benutzt…
Damon sah sie verwirrt an. „Bonnie. Was machst du denn hier, Liebes?", wollte er wissen. Und dabei hörte er sich überhaupt nicht an wie Damon, dieser Akzent…. „Enzo?"
„Wieso siehst du mich so an als …. Wieso hört sich meine Stimme so seltsam an?" Damon, der nicht Damon war, hob seine Arme und betrachtet seine Hände. „Bin ich etwa in Damons Körper?", wunderte er sich.
Auf der anderen Liege fuhr Enzos Körper keuchend auf. Bonnie wandte sich hoffnungsvoll an ihn. „Damon?", wollte sie wissen.
Enzos Gesicht zeigte einen verwirrten Ausdruck. „Wie bitte?", wollte er wissen. Seine Stimme klang wie Enzos, der Akzent war aber ein wenig anders, und leider hörte er sich nicht wirklich nach Damon an.
„Damon, sag mir bitte, dass du das bist", bettelte Bonnie.
Der Vampir musterte sie einen Moment lang, bevor er dann den Kopf schüttelte. „Tut mir leid, Süße, ich weiß nicht wer das sein soll", erklärte er, „Wo genau bin ich, und wer seid ihr?"
Nein, nein, nein …. Wo ist Damon?! Was ist mit Damon passiert?
„Mhm, interessant. Ich hatte gehofft, dass die Seelen aus dem Stein direkt zu Cade weiterwandern, sobald sie freigesetzt werden, aber offenbar haben sie sich an den nächstbesten toten Körper geheftet, den sie finden konnten. Nun, da es sich um die falschen Körper handelt, werden sie in diesen so oder so nicht lange überlegen können, nehme ich an. Damit braucht es wohl nur ein wenig länger, bis sie zu Cade gelangen", stellte Alex fest, „Aber da das dort drinnen nicht Damon ist, brauchen wir den hier nicht mehr länger, nicht wahr?"
Sie zog einen Pflock und sprang damit auf Enzos Körper zu.
Als Stefan wieder zum Halten kam, blickte er sich als Erstes nach Cade um. Er erblickte ihn aber zum Glück nirgends. Bedeutete das, dass er ihn losgeworden war? Nora hatte gesagt die Stimmgabel wäre verflucht, aber bedeutete das, dass Stefan nun, nachdem er sie berührt hatte, ebenfalls verflucht war, oder traf einem dieser Fluch nur, wenn man die Stimmgabel in der Hand hielt?
Er wusste gar nichts mehr. Seline … Hatte sie wirklich wegen seiner Verzweiflung aufgegeben? Bedeutete das, dass er tief in sich ebenfalls bereits aufgegeben hatte? Glaubte er so wie sie nicht mehr daran, dass es für ihn irgendeine andere Erlösung als den Tod geben würde?
„Stefan! Da bist du ja! Es war verdammt schwer dich zu finden!" Stefan drehte seinen Kopf und sah Caroline auf ihn zukommen; sie musste ihm in Vampirgeschwindigkeit gefolgt sein.
„Caroline …." Es tat ihm gut sie zu sehen, es hatte ihn schon immer gut getan sie zu sehen, doch zugleich weckte ihr Anblick Sorge in ihm. Was wenn er ihr etwas antat, was wenn der Fluch ihn dazu brachte ihr etwas anzutun?
„Komm mir nicht zu nahe, wenn ich verflucht bin … wer weiß wozu ich dann fähig bin", meinte er.
„Komm schon, Stefan, ich weiß, dass du mir niemals etwas antun würdest", entgegnete Caroline kopfschüttelnd, „Was ist da überhaupt passiert? Du bist mit der Stimmgabel in der Hand einfach nur dagestanden, hast auf nichts mehr reagiert…."
„Ich habe Cade getroffen", erklärte Stefan, „Ihn gesehen, mit ihm gesprochen …." Er verstummte, den Rest wollte er ihr eigentlich nicht sagen, er wollte ihr nicht sagen, was Cade ihm mitgeteilt hatte. Doch Caroline kannte ihn zu gut, sie durchschaute sein Verhalten sofort.
„Was immer er dir gesagt hat, Stefan, es war nur ein Versuch dich zu verwirren. Du solltest nichts davon ernst nehmen", meinte sie.
„Ach, ich sollte es nicht ernst nehmen, wenn der Teufel persönlich mich rekrutieren möchte?", vergewisserte sich Stefan bitter, „Offenbar bin ich ihm genau böse genug..." Er verstummte wieder und schüttelte den Kopf.
„Es ist deine Vergangenheit, wegen der er dich rekrutieren wollte, nicht deine Gegenwart", meinte Caroline, „Du bist nicht mehr der Mann, der du einst warst, du hast dich verändert, hast gelernt den Ripper in dir unter Kontrolle zu halten. Vergiss nicht, dass du es sogar geschafft hast eine jahrtausendealte Sirene so zu beeindrucken, dass sie sich dich zum Vorbild genommen hat und ihr Leben ändern wollte."
Seline. Stefan lachte bitter auf. „Ja, genau, sie wollte sich ändern, solange bis sie mir meine Erinnerungen zurückgegeben hat und meine wahren Gefühle lesen konnte. Sie hat uns nicht verraten, weil wir die Glocke nicht zerstören konnten, Car, sie hat uns verraten, weil ihr klar geworden ist, dass sie es nie schaffen wird alles, was sie getan hat, wieder gutzumachen. Und deswegen hat Cade sie getötet, weil sie nur noch in ihrem Tod die Erlösung gesehen hat", informierte er seine Freundin.
Diese wollte einen Schritt auf ihn zumachen, doch er wich zurück.
„Selbst wenn das stimmen sollte, war das Selines Entscheidung. Deine Gefühle haben nichts mit dem zu tun, was sie getan hat", argumentierte Caroline und blieb dort stehen wo sie sich gerade befand, „Ich meine, du siehst das doch nicht ebenfalls, so, oder? Du weißt es besser."
„Das dachte ich, aber …. Monterey …. was ich dort getan habe …." Er verstummte. „Ich weiß, du siehst das anders, aber was wenn es wirklich so ist, was wenn es für mich kein Zurück gibt, was wenn ich nie wieder gutmachen kann, was ich getan habe? Und was wenn ich mich nie wirklich ändern kann? Ich muss nur den Schalter umlegen und werde wieder zum Ripper. Ich versuche ja dagegen anzukämpfen, aber alleine in den letzten Jahren hatte ich mehrere Rückfälle. Was wenn ich diese Seite an mir niemals loswerde?"
„Stefan…."
„Ich habe das alles vor dir verheimlicht", gab Stefan zu, „Ich habe es verheimlicht, weil ich nicht wollte, dass du mich so siehst wie ich bin. Denn die Wahrheit ist, ich bin nicht der Held, den du in mir siehst. Ich tue Gutes nicht deswegen, weil es richtig ist Gutes zu tun, Caroline, ich tue es, weil ich krampfhaft versuche all das Böse, was ich getan habe, wieder aufzuwiegen, aber egal was ich tue, egal wie viele Leben ich rette, ich kann niemals die Leben, die ich genommen habe, wiederherstellen, ich kann niemals das, was ich verbrochen habe, rückgängig machen. Und das Schlimmste daran ist, dass es ja nicht nur um die Leben geht, die ich genommen habe. Es geht auch darum, dass ich meinen Bruder verraten habe, dass ich ihn in eine Existenz gezwungen habe, die ihn zerstört hat. Und so wie Seline meinetwegen aufgeben hat, ist Damon meinetwegen zum dem geworden, der er heute ist."
„Das mag ja vielleicht sein, aber du kannst dir nicht für alle Entscheidungen, die er getroffen hat die Schuld geben", meinte Caroline, „Und selbst wenn, auch er hat sich geändert, er gibt sein Bestes, versucht Elena gerecht zu werden, ein besserer Mann zu sein. Genau wie du."
„Aber der Unterschied ist, dass er sich davon keine Belohnung verspricht, keine Vergebung. Ja natürlich, will er Elenas Liebe und will ihr gerecht werden, aber … das wirklich Schreckliche ist … dass er nur versucht wieder zu dem zu werden, der er zuvor war. Car, als wir uns verwandelt haben, da war Damon der gute Bruder und ich war der böse. Ich war von Anfang ein Monster ohne Maß und Kontrolle. Aber er … er ist damit zurecht gekommen ein Vampir zu sein, obwohl er das nicht einmal sein wollte. Und ich habe immer darauf gewartet, dass ihm eines Tages das Gleiche passiert wie mir. Und dann ist es ihm passiert, dann ist er durchgedreht. Und ich dachte, ja, es geht ihm wie mir, er verliert die Kontrolle. Ich habe Lexi zu ihm geschickt, damit sie ihn rettet, wie sich mich gerettet hat, doch das konnte sie nicht. Sie konnte es nicht, weil Damon für sein Verhalten einen Grund hatte, weil er von Augustine gefangen und gefoltert wurde, weil er Enzo bei seiner Flucht zurückzulassen musste, gedacht hat, dass er ihn hat sterben lassen, und weil er mit diesen Erinnerungen nicht leben konnte, damit nicht klar gekommen ist. Und ich habe nicht mal bemerkt, dass er weg war, er hätte mich gebraucht und ich war nicht für ihn da, er hätte meine Hilfe gebraucht, aber ich bin nicht gekommen. Stattdessen habe ich Lexi geschickt, und das hat dazu geführt, dass er Jahrzehnte später umgebracht hat. Und all diese Jahre nach Augustine hat er immer wieder seine Gefühle abgedreht und immer mehr Schuld auf sich geladen, und jedes Mal habe ich es zugelassen, ich habe es zugelassen, weil seine Gegenwart mein Leben verkompliziert hat, Car. Ich habe ihn aufgegeben, obwohl er mich trotz allem, was ich ihm angetan habe, niemals aufgegeben hat.
Ich habe nur wieder an ihn geglaubt, weil Elena an ihn geglaubt hat. Sie hat erkannt, dass er immer noch da ist unter all den Leid und den Tod, sie hat ihn mir zurückgegeben. Und trotzdem, trotzdem mache ich es ihm so schwer, jedes Mal, wenn ich den Eindruck bekomme, dass er sich nicht einmal bemüht sich zu ändern, mache ich es ihm schwer. Aber nicht seinetwegen, sondern meinetwegen, weil ein Teil von mir fürchtet, dass er so ist wie ich, dass er, wenn er sich nicht bemüht die Kontrolle verliert und zum Ripper wird. Aber der Unterschied zwischen uns ist, dass selbst wenn ihm das passiert, er davon zurückkommen kann, wenn er es genug möchte, während ich das nicht kann, nicht wirklich.
Lexi hat versucht mir zu helfen, hat so sehr daran geglaubt, dass ich über mich selbst siegen kann, aber sie hat eines übersehen: Ich bin nicht deswegen ein Ripper, weil mir irgendetwas passiert ist, das mich dazu gemacht hat, ich bin ein Ripper, weil es in meiner Natur liegt. Damon tut Böses, weil er einfacher ist als darum zu kämpfen gut zu bleiben, aber ich tue Böses, weil es in meiner Natur liegt. Seline dachte, dass ich gut sein muss, nur weil ich meine Taten bereue, aber jemand der gut ist, der hat Gründe dafür Falsches zu tun, und ich … ich habe keine Gründe dafür, ich kann nur einfach nicht anders. Und in dem Moment, in der ihr das klar geworden ist, da hat Seline aufgegeben, weil wir beide vom selben Schlag waren, und sie erkannt hat, dass sie genauso ist wie ich." Stefan brach ab und verbarg sein Gesicht in seinen Händen. Er konnte die Tränen der Verzweiflung nicht mehr zurückhalten.
Als er wieder aufsah, blickte Caroline ihn mit offenem Ekel im Gesicht an. „Ja, Stefan, du hast recht", meinte sie, „Damon hat auch sehr viel Böses getan, aber nicht ihn will der Teufel, dich will er, weil Damon seine Gründe hat, du aber einfach nur Spaß daran hast andere zu quälen. Der Ripper von Monterey …. Es war dir nicht genug sie zu töten, du musstest es auch noch zu Weihnachten tun, nicht wahr? Nur um ihnen zu zeigen wie irrig ihre Annahme war, dass sie irgendwann einmal in Sicherheit wären."
Stefan blinzelte. „Woher weißt du … Ich habe es dir niemals erzählt … Und Seline hätte das auch nicht …" Er musterte die blonde Vampirin. „Du, du bist gar nicht Caroline", erkannte er. Es hätte ihm gleich seltsam vorkommen müssen, dass sie ihn so schnell gefunden hatte.
Nicht-Caroline grinste böse. „Ach", meinte sie, „Meinst du wirklich?"
Damon schlug die Augen auf. Das hier ist nicht das, was ich erwartet hätte. Offenbar hatte der Phönix-Stein immer wieder mal was Neues für ihn auf Lager. Keine Bürgerkriegsgeräusche weckten ihn, kein Mystic Falls, kein Dallas, kein verdammtes Spiegelkabinett, nein, dieses Mal kam er in einen Krankenhausbett zu sich. Sein Körper war an Schläuchen und Drähten befestigt, und einen Moment lang befürchtete er schon, dass er in seinen Körper zurück gekehrt war, sich aber nach wie vor in der Gewalt von Alex St. John befand, und das hier ihr neuestes verrücktes Experiment war, für das er als Versuchskaninchen herhalten musste.
Doch von Alex war nichts zu sehen, stattdessen war er von diversen erschrocken wirkenden Leuten mit medizinischen Masken im Gesicht umgeben. „Scheinbar müssen wir den Zeitpunkt des Todes zurücknehmen", meinte ein Mann schließlich.
„Wir dachten schon wir hätten Sie verloren, Mister Law", erklärte ihm eine Frau.
Mister Law? Zeitpunkt des Todes? Wenn das hier auf das Konto des Phönix-Stein ging, dann wurde dieser wirklich kreativ, da Damon nichts an diesem Szenario auch nur im Entferntesten bekannt vorkam.
„Was ist passiert?", wollte Damon sagen, doch da ein Schlauch in seinem Hals steckte, bekam er kein Wort heraus, nur unverständliche Laute.
Er wurde zurück auf sein Bett gedrückt. „Keine Sorge, Mister Law", sagte die Frau, die ihn schon einmal so genannt hatte, „Sie sind in den besten Händen. Bleiben Sie ruhig und entspannen Sie sich, die Anästhesie wird gleich wieder zu wirken beginnen."
Damon gab einen protestierenden Laut von sich, doch dann verschwamm die Sicht vor seinen Augen, und er verlor das Bewusstsein.
A/N: Yep, dieses Kapitel war einiges.
Diese Fic ist nicht gerade ein Sonntagsspaziergang.
Ja, der Phönix-Stein, wenn ein Element aus der Fic verschwindet, heißt das nicht, dass ich darauf vergessen habe.
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