Erhöhte Warnstufe für Gewalt
Extra-Warnings: Unkluge potentiell schädliche medizinische Prozeduren werden diskutiert, plus: wegen der momentanen Lage Triggerwarnung für Beatmungsgerät
III.
Alexs Versuch Enzos Körper zu pfählen wurde von Enzo in Damons Körper unterbunden. Der Vampir hatte sich ohne zu zögern auf sie gestürzt und entwand ihr nun den Pfahl. „Lass das mal lieber, den brauche ich noch", erklärte Damon, der nicht Damon war.
„Ehm, nichts für Ungut, aber ich habe nichts mit alle dem zu tun!", verkündete die Person in Enzos Körper, und war dann auch schon mittels Vampirgeschwindigkeit auf und davon. Bonnie kam nicht dazu den falschen Enzo aufzuhalten, da Alex in diesem Moment den richtigen Enzo in Damons Körper an die Wand schleuderte. Was Bonnie nutzte um ihr den nächstbesten Zauber auf den Hals zu hetzten. Ein wenig Flammen kamen immer gut.
Doch die Sirene hatte sich schnell wieder gelöscht. „Was ist passiert? Wo ist Damon?", wollte Bonnie von ihr wissen.
Die Sirene lachte. „In dem nächstbesten toten Körper, den er finden konnte, nehme ich an. Wo auch immer der ist. Oh, das ist gut, es ist noch besser, als ich es erwartet hätte. Ich würde ihm gerne beim Verfallen zusehen. Während dieser hier …. Nun vielleicht könnte er überleben, ein Vampirkörper wird immerhin magisch am Leben gehalten. Vielleicht also übersteht er die falsche Seele darin", meinte sie, „Wie wäre das für dich Enzo, zu wissen, dass auf Damons Kosten überlebst? Ausgleichende Gerechtigkeit, oder würde es dir ein schlechtes Gewissen bereiten?" Sie lachte.
„Ich habe nicht vor hier drinnen zu bleiben", informierte sie Enzo kalt, „Bei der ersten sich bietenden Gelegenheit ziehe ich wieder in meinen eigenen Körper, und Damon bekommt seinen zurück."
„Dafür müsst ihr deinen Körper und Damons Seele aber erst einmal finden, nicht wahr?", rief Alex ihnen in Erinnerung, „Und je länger ihr dafür braucht, desto schlechter stehen eure Chancen. Es wird wohl kaum besonders viele andere leer herumliegende Vampirkörper zur freien Entnahme geben. Das heißt alles, was ich jetzt noch tun muss, ist euch zu töten schätze ich."
Enzo-Damon knurrte. Und Bonnie trat der Sirene furchtlos entgegen. „Dabei vergisst du allerdings eines: Du hast jetzt keine Geiseln mehr, mit denen du uns erpressen kannst", erklärte sie.
„Ach, denkst ihr das wirklich?", gab Alex zurück und ging mit erhobenen Krallen in Verteidigungsposition.
Und wurde im nächsten Moment von einem Geschoss um einen Kopf kürzer gemacht. Bonnie wirbelte herum und erblickte Jeremy, der mit einem Raketenwerfer in der Türe stand. „Von der habe ich langsam aber sicher wirklich genug", meinte er, „Verdammt, Damon, was sollte das?!" Er funkelte Enzo wütend an. „Das war nicht witzig. Kein bisschen", beschwerte er sich.
„Ich bin nicht Damon, ich bin Enzo", erklärte der Vampir.
Jeremy furchte verwirrt die Stirn. „Aber wer wann dann der, den ich getroffen habe, und der mich hierher geschickt hat und gesagt hat, dass er Verstärkung holt?", wollte er wissen.
„Das wissen wir nicht", gab Bonnie zu.
„Ein verdammter Körperdieb, das ist er", meinte Enzo.
„Und wo ist dann Damon? Und was ist mit seinem Therapeuten? Hatte Alex den nicht auch noch?", fuhr Jeremy fort damit die wichtigen Fragen abzuarbeiten.
Das hat sie also gemeint. Aber wo …. „Wir könnten sie fragen, wenn du ihr nicht den Kopf weggeschossen hättest", meinte Bonnie leicht verärgert.
„Sie kommt so oder so wieder", verteidigte sich Jeremy, „Ich dachte, es ist besser sie weg zu machen, bevor sie so richtig loslegen kann."
„Du verbringst eindeutig zu viel Zeit mit Damon", befand Bonnie, „Lasst uns Doktor Sulez suchen. Und dann müssen wir Damon und den Typen, der mit Enzos Körper abgehauen ist, finden." Als ob wir nicht schon genug andere Probleme hätten. Aber nein, offenbar reichten ihre Sirenenprobleme ihnen noch nicht aus.
Nora ließ Mary Louises Hand wieder los. „Und was hast du gehört? Geht es Bonnie gut?", wollte Caroline wissen.
„Ihr schon, aber Damon und Enzo weniger. Offenbar wurden sie von Alex in den Phönix-Stein gesperrt, den sie daraufhin zerstört hat, und nun steckt Enzos Seele in Damons Körper, irgendein anderer Vampir ist mit Enzos Körper abgehauen, und wo Damons Seele steckt weiß keiner", berichtete Nora, „Aber zumindest ist Alex mal wieder vorübergehend tot."
„Verdammt", befand Caroline, „Und Stefan geht nicht an sein Handy."
„Wenn er verflucht wurde, dann ist es nicht abzusehen wie schnell sich der Fluch auf ihn auswirkt", sagte Nora, „Die meiste Flüche verstärken negative Emotionen. Je weiter ein Fluch fortschreitet, desto mehr wird der Verfluchte zu einer Gefahr für andere und sich selbst. Wir müssen ihn finden, bevor die Wirkung ihn überwältigt."
„Und zugleich dürfen wir auch die Glocke und die Stimmgabel nicht alleine zurücklassen, und müssen sie weiterhin gegen Sybil verteidigen, ja ich weiß", fügte Caroline müde hinzu, „Wenn wir uns alle klonen könnten, dann wäre das hier um einiges einfacher."
„Irgendjemand muss los und Stefan suchen, Caroline. Jeder würde verstehen, wenn du das bist", meinte Matt, „Der Rest von uns kommt hier schon klar."
Caroline wollte glauben, dass er damit recht hatte, doch wer wusste mit welcher Armee Sybil das nächste Mal anrücken würde? Und während Matt und sein Vater immun gegen ihre psychischen Kräfte waren, waren sie auch diejenigen, die ihr ansonsten am wenigsten entgegen setzen konnten. Und immerhin hatte Seline ihr gesagt, dass Cade sie nicht wollte, was immer das auch heißen sollte, sie nahm an, dass das irgendeine Bedeutung haben musste, vielleicht bedeutete es, dass Sybil sie nicht töten konnte. Andererseits war Seline die Sirene mit der „Ich töte nur die Bösen"-Regel gewesen, nicht Sybil.
Aber Stefan brauchte sie. Er hatte sie noch nie im Stich gelassen, sie schuldete es ihm, dass sie ihn ebenfalls niemals im Stich ließ. „Also gut", meinte sie, „Aber ich brauche eine Hexe."
„Ich werde gehen", bot sich Valerie an, „Sybil war schon mal in meinem Kopf, ich bin auf keine Wiederholung scharf." Und außerdem, und das musste sie nicht extra aussprechen, war ihr Stefan immer noch wichtig.
„Schön, das lässt Mary Lou und mich sowie den Werwolf und die Maxwell-Erben als Wächter hier übrig. Das sollte reichen", meinte Nora, „Bonnie muss fürs Erste alleine klar kommen. Und wir müssen hoffen, dass Alaric das runde Ding weiterhin nicht aus den Augen lässt. Und wenn es euch dann noch gelingt Stefan rechtzeitig zu finden, dann wird schon alles klar gehen." Ihr Optimismus klang aufgesetzt, aber irgendjemand musste optimistisch bleiben. In Wahrheit standen ihre Chancen nicht gerade gut.
Für keinen von ihnen.
Damons Therapeut war am Leben, allerdings schlimm zugerichtet. Die Sirene hatte ihn an diversen Stellen schlimm aufgeschlitzt und in einer Kiste eingesperrt, zumindest war es keine luftdichte Kiste gewesen.
„Damon", murmelte Sulez, als er Enzo erblickte, „Es war nicht Ihre Schuld, glauben Sie das nicht. Sie war es, die Monster-Frau…."
Enzo gab den Mann sein Blut um ihn zu heilen und meinte dann: „Jetzt weiß ich was Damon an diesen Mann findet. Wer von uns würde das als Erstes zu ihm sagen, nachdem er seinetwegen entführt und beinahe umgebracht wurde?"
„Elena", meinte Bonnie nur, „Und wir sollten uns daran vielleicht ein Beispiel nehmen. Jer, du musst ihn in ein Krankenhaus bringen und bewachen. Wir können uns nicht noch eine Entführung leisten. Enzo und ich suchen Damon und den anderen Kerl."
„Ich würde lieber mit euch gehen", wandte Jeremy ein, „Mich außen vor zu halten, hat doch erst zu dieser Katastrophe geführt."
„Alex ist alles zuzutrauen. Sie könnte ihn aus reiner Boshaftigkeit heraus umbringen. Du hat bewiesen, dass du mir ihr klar kommst", hielt Bonnie dagegen, „Und nachdem Damon alles riskiert hat um ihn zu retten, können wir annehmen, dass das das ist, was er wollen würde."
Sie manövrierten den schwer verletzten Therapeuten in Damons Wagen, den Jeremy gefunden hatte, als er hier angekommen war, und sahen dem jungen Gilbert dann zu wie der damit wegfuhr.
„Und jetzt?", wollte Enzo wissen.
„Jetzt brauche ich etwas von einen von euch beiden um euch zu finden. Ansonsten habe ich keine Ahnung, wo wir mit der Suche anfangen sollten", gab Bonnie zu.
Enzo kramte in Damons Taschen herum. „Hier", meinte er dann, und drückte Bonnie ein Feuerzeug in die Hand. „Oh … ihr tauscht Feuerzeuge aus, wie echte Männer. Das ist hinreißend", kommentierte Bonnie diese Tatsache.
Enzo zog eine Grimasse, und es war irritierend eine Enzo-Grimasse auf Damons Gesicht zu sehen. „Feuerzeug kann man immer gebrauchen, es wundert mich eher, dass er es bei sich hatte", murmelte er.
Bonnie beäugte ihn nachdenklich. Nach all den Monaten wusste sie ein wenig besser was in Enzos Kopf vorging, zumindest die meiste Zeit über, aber im Moment hatte sie keine Ahnung. Es musste sich seltsam anfühlen ausgerechnet in Damons Körper gestrandet zu sein. „Es tut mir leid. Dass Alex dir das angetan hat, meine ich, alles davon. Ich weiß, du wolltest deine Familie unbedingt finden, und dann hast du dich für uns entschieden, was dazu geführt hat, dass sie dir das alles angetan hat", meinte sie langsam.
„Du hast mir gesagt, dass Familie mehr ist als Blut, und du hattest damit recht. Alex St. John war nie meine Familie, Damon ist meine Familie, du bist meine Familie - zumindest hoffe ich das", erwiderte Enzo, „Aber sie, sie war immer nur jemand, der mich benutzen wollte, genau wie alle anderen St. Johns vor ihr. Komm schon, wir müssen diesen Typen finden, der meinen Körper gestohlen hat, bevor er es noch schafft meine Leben zu zerstören, indem er als irrer Mörder im Fernsehen oder auf der Most Wanted-Liste des FBIs landet."
Bonnie schwenkte das Feuerzeug. „Klar doch", meinte sie, „Gib mir eine Karte, und es kann losgehen."
Familie ja? Nun, warum nicht. Enzo hatte sich als loyal erwiese, wenn sie es gebraucht hatten. Und von ihrer eigenen Familie war auch nicht mehr besonders viel übrig. Trotzdem war sie sich nicht sicher, ob das die Art und Weise war, auf die sie ihrerseits Enzo eigentlich sah, aber dann hatte sie während sie versucht hatte ihr Leben wieder aufzubauen und in den Griff zu bekommen, niemals besonders viel darüber nachgedacht wie sie Enzo eigentlich sah. Er war immer irgendwie da gewesen, war aufgetaucht, wann es ihm passte, ganz und gar nicht zu Noras oder Damons Freude, hatte ihr manchmal die Bücher getragen, sich mit ihr unterhalten, sie zum Gitarre kaufen mitgenommen, und ihr dann entsetzt erklärt, dass sie nichts von Musik verstand und seine neu gekaufte Gitarre niemals wieder anfassen dürfte - vielleicht hatte sie ihn einfach als selbstverständlich hingenommen.
War sie jetzt enttäuscht, dass er sie jetzt auf diese Art und Weise sah oder erleichtert? Sie wusste es nicht. Aber eigentlich spielte das im Moment keine Rolle. Wenn Damon in einem sterblichen Körper gelandet war, dann lief ihm die Zeit davon, also sollten sie sich lieber damit beeilen den Enzo-Napper zu finden, damit sie dann dazu übergehen konnten ihn zu suchen.
„Stefan!"
Stefan hob den Kopf. „Elena?"
Die brünette Frau schüttelte tadelnd den Kopf. „Du fällst aber auch wirklich jedes Mal darauf rein, nicht wahr?", erwiderte sie.
„Katherine", stellte er fest, und dann fiel ihm wieder ein, dass auch das nicht sein konnte, da Katherine tot war, und das schon seit Jahren. „Du bist nicht wirklich hier, bist eine Halluzination", erklärte er.
„So kannst du es natürlich auch nennen", meinte Katherine, die nicht Katherine war, „Oder ich bin ein Wunschtraum. Ich bin die Person, die du jetzt am Dringendsten sehen willst. Immerhin bin ich deine vom Schicksal bestimmte Liebe, nicht wahr? Wer also versteht dich besser als ich?" Sie lachte. „Valerie, Elena, Caroline … keine von denen hat dich jemals so verstanden wie ich. Lexi, Seline … alles nur Amateure. Nein, Stefan, ich kenne deine Seele. Habe sie schon immer gekannt. Habe sie erkannt, als ich dich zum ersten Mal erblickt habe. Und weißt du, was ich erkannt habe? Ich habe mich selbst in dir wiedererkannt. Weißt du warum ich immer nur dich geliebt habe und niemals Damon? Es hat nichts mit diesem ganzen Doppelgänger-Fluch zu tun gehabt, oh nein, es war, weil ich gespürt habe, dass du bist wie ich. Du warst ein böser Junge, Stefan, ein böser Junge, der seinen eigenen Vater getötet hat. Damon war mir von Anfang an einfach zu langweilig, er war so … ehrlich. Du aber, du hast immer nur so getan als ob. Und das habe ich sofort erkannt."
Stefan schüttelte seinen Kopf. „Du bist nicht Katherine, du sprichst nicht ihre Gedanken aus, du sprichst meine aus, du bist eine Manifestation meiner Ängste. Der Fluch … der hat irgendetwas mit mir gemacht. Irgendetwas, das mich dazu bringt Dinge zu sehen, die nicht da sind", murmelte er.
„Dinge, die du sehen möchtest. Caroline hat dein wahres Ich verurteilt, ich aber würde das niemals tun, ich liebe dein wahres Ich", belehrte ihn Nicht-Katherine, „Deswegen sucht dein Geist Trost bei meinem Anblick."
„Nein, nein, das ist nicht wahr", erwiderte Stefan, „Ich bin nicht wie du, ich bin kein bisschen wie du."
Katherine wiegte nachdenklich den Kopf. „Ja, genau genommen stimmt das, nicht wahr?", räumte sie ein, „Ich meine, ich wurde zu dem Monster, das ich bin, weil ich vor Klaus geflohen bin, weil ich von ihm und Elijah betrogen wurde und dann dafür bestraft wurde, dass ich es gewagt habe überleben zu wollen. Du hingegen … du wurdest zum Monster weil … Nun weil du es einfach sein wolltest, nicht wahr? Damon wollte ein Vampir werden um bei mir zu sein, und als er dachte ich sei tot, hatte er kein Interesse mehr daran. Aber du … du wolltest ein Vampir sein. Du hast dich freiwillig dazu entschieden ein Monster zu werden, auch ohne die versprochene ewige Liebe an deiner Seite. Genau genommen, Stefan, bist du viel schlimmer als ich es jemals war."
Als Damon das nächste Mal erwachte, steckte immer noch ein Schlauch in seinem Hals. Aber zumindest befand er sich nicht mehr im Operationssaal und war nicht mehr von Massen an Menschen in Masken umgeben. Aber er war sich nicht so sicher, ob er darin einen Fortschritt sehen konnte, da er trotzdem immer noch eindeutig nicht er selbst war. Phönix-Stein oder Realität, das ist die Frage.
Wie gesagt das hier war ein sehr weit hergeholtes Szenario für den Phönix-Stein, aber andererseits machte er sich auf diese Weise vielleicht über Damons Entscheidung ein menschliches Leben mit Elena führen zu wollen lustig. Vielleicht hatte er ihn in einem menschlichen Körper gesteckt um ihn vor Augen zu führen, wie scheiße es war ein alter kranker gebrechlicher Mensch zu sein. Allerdings warum dann der falsche Name?
Oder ist das hier so eine Jo-Geschichte? Bin ich aus irgendwelchen Gründen im falschen Körper gelandet? Aber selbst wenn sein eigener Körper tot wäre, warum sollte ihn Bonnie dann in den eines Menschen stecken?
So viele Fragen, so wenig Antworten.
Fest stand, dass Damon nicht vor hatte hier in diesem Krankenhausbett mit einem Atemschlauch in Rachen und Hals liegen zu bleiben. Wenn ihn die Sirenen hier erwischen wollten, dann hatte er keine Chance sich zu retten. Und ganz abgesehen davon musste er wissen was mit den anderen los war. Er musste herausfinden, was aus Enzo und Doktor Sulez geworden war und aus Alex St. John. Und ob die Vernichtung der Glocke Erfolg gehabt hatte.
Aber um fliehen zu können, musste er erst einmal den Atemschlauch loswerden. Das hier wird jetzt weh tun, oh ja, das wird es. Zumindest fehlte es ihm an Vampirkraft, also war die Chance, dass er sich bei dieser Aktion umbringen würde geringer als sie sein könnte, aber sie war immer noch gegeben. Was wenn ich wirklich alles nur noch schlimmer mache? Aber er konnte nicht hier bleiben! Nein, es führte kein Weg daran vorbei, er musste den Schlauch herausreißen…..
„Mister Law, was tun Sie da?! Sie können sich den Schlauch nicht selbst entfernen! Nein, hören Sie auf! Sie tun sich noch weh!" Die Krankenschwester war wie aus dem Nichts erschienen, und stellte sich als erstaunlich kräftig für jemanden, der der so dünn war, heraus. Oder war er so schwach? Auf jeden Fall packte sie seine Hände und presste sie zurück aufs Bett, aber so einfach gab Damon nicht auf.
„Schon gut, schon gut, Sie wollen ihn loswerden, ja?", meinte sie, während sie mit ihm rang.
Damon nickte zustimmend.
„Dann holen wir ihn raus, aber Sie müssen zulassen, dass wir ihn raus holen lassen, Mister Law", meinte die Krankenschwester, „Ich werde einen Arzt holen, und wir werden ihn entfernen. Aber nur wenn Sie sich benehmen, okay?"
Damon nickte wieder um anzudeuten, dass er verstanden hatte. Und ja, er konnte brav sein. Solange er diese Monstrosität nur los wurde, war ihm egal wie das geschah. Die Krankenschwester verschwand, und Damon fragte sich einen Moment lang, ob sie ihn eventuell belogen hatte, aber wenn das der Fall sein sollte, nun dann könnte er sich den Schlauch in fünf Minuten immer noch selbst herausreißen.
Zum Glück stellte sich das als nicht notwendig heraus, als die Schwester kurz darauf mit einem Arzt und ein paar ihrer Kollegen auftauchte, und er ent-intubiert wurde. Ohne Schlauch fühlte er sich gleich viel besser, allerdings stellte er fest, dass sein Hals schmerzte, und dass er immer noch nicht in der Lage war zu reden. Der Arzt erklärte ihm irgendetwas, doch Damon hörte kaum zu. „Mister Law" schien es „dem Umständen entsprechen zu gehen" und ihm wurde davon abgeraten sich zu überanstrengen und all das Blah Blah. Dieser Arzt hatte ja keine Ahnung davon, dass „Mister Law" es sowieso nicht mehr lange machen würde, da er tot war, und nur noch lebte, weil eine falsche Seele in ihm steckte.
Denn ja, das hier war eindeutig nicht Damons Körper, nicht nur weil er offenbar sterblich war und ständig „Mister Law" genannt wurde. Oh, nein, nichts stimmte. Nichts sah so aus, wie es aussehen sollte oder fühlte sich so an, wer auch immer er gerade war, Damon Salvatore war er nicht.
Und das bedeutete, dass ihm die Zeit davon lief, und er wirklich dringenderes zu tun hatte als sich mit Mister Laws gesundheitlichen Problemen, an denen er offenbar gestorben war, auseinanderzusetzen. Er musste die anderen kontaktieren und dafür sorgen, dass seine Seele wieder in seinen Körper zurück wurde. Er hatte keine Zeit sich zu schonen oder sich weiterhin untersuchen zu lassen, denn sobald die Ärzte feststellen würden, dass sein Körper verfiel, würden sie ihn schon wieder einem Atemschlauch in den Rachen stopfen, und das wäre noch die am wenigsten invasive Maßnahme, die ihm bevorstand.
Also tat er so als würde er zuhören, während er in Wahrheit nur darauf wartete, dass die Mediziner verschwanden, und nachdem sie ihn endlich alleine gelassen hatten, nutzte er die erstbeste Gelegenheit zur Flucht aus seinem Bett.
Mister Law war verdammt unbeweglich. Sich zu bücken tat Damon genauso weh wie zu gehen. Und verdammt langsam war der Kerl auch noch. Ja, okay, er war gerade erst gestorben, und das offenbar während irgendwelche Quacksalber in seinen Eingeweiden herum gepfuscht hatten, aber trotzdem …. So sollte es sich nicht anfühlen am Leben zu sein. Und nehme alles zurück, was ich jemals über Lestat in „Tale of the Body Thief" gedacht habe, er war kein Jammerlappen, menschliche Körper sind scheiße.
Damon versteckte sich in der Damentoilette und wartete dann ab bis die Stationsschwester ihren Posten verließ, bevor er zu ihrem Schreibtisch herüber huschte (nun, zumindest versuchte er zu huschen, in Wahrheit bewegte er sich wie ein hinkender Elefant vorwärts) und ihr Telefon in Beschlag nahm. Da er kein Geld bei sich hatte, fielen die Münztelefone des Krankenhauses aus, und er hatte kein Handy in seinem Zimmer gefunden und traute sich nicht zu unbemerkt eines von einem anderen Patienten zu stehlen.
Schnell wählte er Rics Nummer. Hoffentlich lässt mich mein doofes menschliches Gehirn nicht im Stich und das ist auch wirklich die richtige Nummer! „Hallo?", meinte gleich darauf Ric's Stimme.
„Ric", krächzte Damon mit aller Kraft heraus. Zunächst befürchtet er zu leise gewesen zu sein, da Ric erst nach einigen Sekunden erwiderte: „Damon? Bist du das? Ich kann dich kaum verstehen."
„Bin im Krankenhaus", erklärte Damon oder versuchte es zumindest. Verdammte Körper, seine Stimme kooperierte nicht. „Bin Mensch. Mister Law. Brauche B- Bonnie", fuhr er bemüht fort.
„Krankenhaus? Welches Krankenhaus?", wollte Ric wissen, „Hallo? Damon, sprich mit mir!"
Was denkt er was ich gerade versuche?! Damon sah sich um, und ja natürlich war Mister Law auch noch kurzsichtig. Aber es gelang ihm trotzdem den Namen des Krankenhaus von einem größeren Logo auf dem Bildschirmschoner des Bildschirms neben dem Telefon zu entziffern. „Sankt M-Mercy … *hust hust* Hospital ...", krächzte er und in diesem Moment wurde ihm von einer unnatürlich starken Frau der Hörer aus der Hand gerissen.
„Mister Law, was treiben Sie da! Alle sind in Sorge um Sie!", beschimpfte ihn die Stationsschwester, die er nicht hatte kommen hören. Mister Law war offenbar auch noch halb taub! Entweder das oder ein Vampirgehör hatte wirklich mehr Vorteile, als ihm bisher bewusst gewesen war.
Damon holte pfeifend Luft und wollte sich erklären, doch stattdessen schüttelte ihn ein Hustenanfall durch. „Beruhigen Sie sich", meinte die Schwester, legte den Telefonhörer auf, und packte ihn am Arm und schien ihn beruhigen zu wollen, während sie brutal seinen Rücken knetete. „Sehen Sie, genau deswegen sollen Sie nicht herumlaufen", meinte sie.
Damon deutete auf das Telefon. „A-Anruf", forderte er.
„Machen Sie sich nicht lächerlich, Sie können kaum sprechen. Nichts ist so wichtig, dass es nicht warten kann. Ihre Angehörigen wurden bereits darüber informiert, dass es Ihnen gut geht. Sie können sie in der nächsten Besuchszeit sehen", informierte ihn die Schwester, und schob ihn mit erstaunlicher Kraft vom Telefon weg in die Richtung seines Zimmers.
Sie konnte ja nicht ahnen, dass es sich um die falschen Angehörigen handelte. Und dass ihm sehr wohl die Zeit davon lief. „N-nein", Damon streckte seine Arme nach dem Telefon aus, doch die Schwester, die sich mehr verhielt wie eine ausgebildete Soldatin, die einen Gefangenen bewachte, kannte kein Erbarmen.
„Sie müssen sich ausruhen, Mister Law. Sie sind immer noch verwirrt von der Narkose", meinte sie bestimmt und schob Damon weiter weg vom rettende Telefon, „Sobald Sie ein wenig geschlafen haben, werden Sie sich besser fühlen."
Von wegen! Sobald er ein wenig geschlafen hatte, wäre er vielleicht tot! Er konnte sich nicht mehr daran erinnern wie lange es Nicht-Jo gemacht hatte, aber da er nicht wusste wie lange er sich schon in diesem Körper befand, war seine Zeit noch knapper bemessen.
Doch natürlich konnte er das der Schwester nicht klar machen, und das nicht nur, weil er kaum sprechen konnte. Wenn er es ihr sagen würde, dann würde sie ihn schon bald nicht mehr für verwirrt, sondern gleich für vollkommen irre halten.
Sie ließ ihn nicht aus ihrem eisernen Griff, also blieb ihm nichts anderes übrig als sich zu fügen und mit ihr zu gehen. Fürs Erste zumindest. Er konnte nur hoffen, dass Ric seine Botschaft verstanden hatte, und ihn finden würde. Und später einen neuen Fluchtversuch starten. Und hoffen, dass es dann nicht schon zu spät für ihn sein würde.
Der nächste Angriff auf die Glocke ließ nicht lange auf sich warten. Sybil schien die halbe Stadt auf sie zu hetzen. Zum Glück war Häretiker-Magie stärker als hirnlose Sirenen-Anbeter. Wenn es ihnen gestattet gewesen wäre ihre Angreifer einfach zu töten, dann wäre das alles viel einfacher gewesen, aber die anderen hätten das nicht gerne gesehen, und außerdem wäre es heuchlerisch. Sie hatten Valerie nicht getötet, sondern versucht sie aus dem Bann der Sirene zu befreien, diese Menschen hier jetzt zu töten, würde als blöd aussehen. Vor allem, weil sie keine wirkliche Gefahr für sie darstellten. Tyler, Matt Donovan, und sein Vater wurden zumeist sogar ohne magische Hilfe mit ihnen fertig.
Doch dann tauchte die Sirene auf. Und sie war nicht alleine – Alex St. John war bei ihr. Ich kann diese Frau wirklich nicht leiden, dachte Nora und konzentrierte sich dann darauf Sybil und ihrer Begleiterin Magie entgegen zu werfen. Und dann spürte sie es – das Kratzen in ihrem Schädel. Die Krallen, die sich in ihre Gedanken bohrten. Es war Sybil, die Sirene, die versuchte in ihren Kopf einzudringen.
„Sie ist es, wir brauchen die Stimmgabel, Fluch oder nicht, wir müsse sie benutzen", keuchte Mary Louise.
„Nein, Mary Lou, vergiss nicht, was mit Stefan passiert ist", erwiderte Nora, „Versuch ihr zu widerstehen, du kannst das, wir haben die Gefängniswelt überstanden, wir können auch diese dumme Sirene überstehen!" Sie griff nach der Hand ihrer Verlobten und drückte sie. „Wir sind stärker als sie!"
Nora, ist alles in Ordnung? Was ist los?, hallte Bonnies Stimme in ihrem Kopf.
„Kein Grund zur Sorge, wir kommen klar", presst sie, „Konzentrier du dich auf die Jungs." Sie sah sich nach ihren Mitstreitern um, Tyler wurde von mehreren Sirenen Versklaven bedrängt, während Matt und sein Vater sich auf Alex St. John gestürzt hatten und versuchten sie zu enthaupten oder ihr zumindest ihre Gliedmaßen abzuhacken, keiner von ihnen war in der Lage sich Sybil zu stellen, wie es schien. Und je näher die Sirenen ihnen kam, desto stärker wurde ihr psychischer Einfluss auf sie.
Nora verdoppelte also ihre Anstrengungen Sybil in Flammen aufgehen zu lassen, doch diese hatte dazu gelernt, und auch Häretiker-Zauber waren an eine gewisse Reichweite gebunden. „Ach kommt schon, Mädels", seufzte Sybil, „Das führt doch zu nichts, wir alle wissen, wie das hier am Ende ausgehen wird. Erspart euch das Drama und übergebt mir einfach das, was ich haben will." Dann summte sie leise vor sich hin.
„Damit erreichst du bei uns gar nichts!", schleuderte Nora ihr entgegen.
„Ja, ich habe so meine Probleme mit Frauen. Männer, nun die konnten mir nie widerstehen. Mit der Ausnahme ein paar Jungs vom Peleponnes. Aber Frauen … die sind schwieriger. Seline war immer diejenige mit dem breiten Appeal. Aber seht ihr, es gibt da etwas, das ihr vielleicht nicht wisst: Je öfter ich jemanden treffen, und desto mehr Zeit ich mit dieser Person verbringe, desto einfach fällt es mir seine oder ihre psychischen Barrieren zu knacken", erwiderte Sybil freundlich, „Willensstärke ist gut und schön, aber jede Mauer bricht, wenn man oft genug auf sie einschlägt. Also, egal wie oft ihr mich tötet oder vertreibt, jedes Mal wenn ich zurückkomme, fällt es mir ein wenig leichter euch mit meinen Kräften zu beeinflussen. Solange bis … ihr mir nicht mehr widerstehen könnt. … Oder ihr den Fehler macht mich nahe genug heranzulassen."
„Komm ruhig näher, wenn du brennen willst", gab Nora zurück.
Sybil lachte. „Ich werde gewinnen, so oder so, dafür brauche ich nur … Geduld", erklärte sie, „Und was genau habt ihr mir entgegenzusetzen?" Sie summte wieder.
„Nein, wir können sie nicht gewinnen lassen!", verkündete Mary Louise in diesem Moment und riss sich von Nora los und hechtete hinüber zur Stimmgabel.
„Nein, Mary Lou, nicht!", rief Nora aus, doch es war zu spät – Mary Louise griff nach der Gabel, und ließ sie erklingen – vielleicht gehörte sie jetzt zu Cade, aber Stefan hatte es zuvor geschafft sie zumindest kurzzeitig zum Summen zu bringen. Mary Lou hoffte wohl das ebenfalls zu schaffen, und wenn es nur für einen Moment wäre, bevor der Fluch zu wirken begann, es würde zumindest Sybils Dauerangriff auf ihre Psychen unterbrechen.
Nora spürte wie sich Kopfschmerz in ihr aufbaute, aber sie sah auch, dass Sybil von den Auswirkungen der Schallwellen unberührt zu bleiben schien. Die Sirene lachte.
„Ich habe es auch gesagt, von nun an, kann sie keiner von euch mehr benutzen, dafür hat Cade gesorgt", sagte sie, „Mary Louise gehört jetzt Cade, genau wie die Glocke und der Stab."
Nein, nein, nein! Sybil hatte ihre Ablenkung ausgenützt um durch die Feuer hindurch zuschreiten. „Nein! Incen-"
„Halt den Mund", unterbrach sie Sybil, und Nora stellte fest, dass sie keinen weiteren Laut mehr hinaus bekam.
In diesem Moment stürzte sich Matt von Hinten auf Sybil und rammte ihr seine Axt in den Schädel. Sybil hielt inne, doch es war zu spät. Nora wusste das, denn Mary Lou hielt immer noch die Stimmgabel in den Händen und starrte so wie Stefan vor ihr ins Nichts.
„Mary Louise, du weißt was zu tun ist", meinte Sybil noch, während ihr das Blut übers Gesicht rannte.
Nora hechtete zu ihrer Verlobten hinüber, doch die Blondine war schneller. Noch bevor Nora sie erreichen konnte, war sie mit Stimmgabel und Glocke über alle Berge.
Nein, nein, nein…. Sie wirbelte herum und sah wie Matt noch einmal ausholte um der Sirene den Rest zu geben und wie er dabei von seinem Vater unterstützt wurde. Alex St. Johns Überreste lagen regungslos ein paar Meter entfernt, während Tyler seine menschlichen Gegner endlich alle los zu sein schien.
Aber das war egal, alles war egal, sie hatten verloren. Cade hatte Mary Lou und die Glocke und die Stimmgabel. Und alles andere, was er noch bräuchte, nun das würde er bald ebenfalls in den Händen halten, und es gab nichts, was sie dagegen noch tun konnten.
A/N: Vom Regen in die Traufe, wie es scheint.
Der Fluch der Stimmgabel wirkt auf Stefan ähnlich wie manche Flüche, die wir aus „The Originals" kennen, aber doch ein wenig anders.
Und nein, ich habe Doktor Sulez nicht umgebracht, wieder mal. Glück gehabt.
Reviews?
