II.


„Verurteilt mich nicht, ich war am Verhungern! Greift ruhig zu, es ist genug für alle da!" Nicht-Enzo hatte offenbar die halbe Stadt dazu manipuliert mit ihm Party zu machen und ein riesiges Buffett aufbauen lassen, an den sich seine Gäste gütlich taten, während er sich wiederum an seinen Gästen gütlich tat. „Feiert mit mir, als wäre es wieder 1959!"

Er prostete seinen Gästen mit einem Plastikbecher zu. Er hatte sein Hauptquartier in einem Shoppingcenter aufgeschlagen, und genoss offenbar die Annehmlichkeiten der modernen Welt. Warum er gerade diesen Ort als Endpunkt seiner Flucht ausgewählt hatte, und warum er beschlossen hatte nicht mehr weiter vor Bonnie und Enzo wegzulaufen, wusste wohl nur er. Und warum er sie jetzt wie alte Freunde begrüßte, war genauso ein großes Rätsel. Doch er tat es.

Er war eindeutig in Feierlaune, und während er die meisten seiner sterblichen Gäste gebissen hatte, schien er bisher niemanden umgebracht zu haben. Bonnie beschloss dem geschenkten Gaul nichts in Maul zu schauen, sondern einfach die Chance, die sich ihnen bot, beim Schopf zu packen.

Also näherte sie sich Nicht-Enzo an um ihn mit einem Zauber außer Gefecht zu setzen. Doch kaum hatte sie ihm ihre Hand entgegengestreckt und die entsprechende Worte gesprochen, musste sie feststellen, dass nichts passierte. Aus irgendwelchen Gründen schien ihr Zauber nichts zu bewirken.

„Oh, habe ich das nicht erwähnt? Das hier ist eine magiefreue Zone, ich habe die hiesige Hexenfamilie, die es zum Glück immer noch gibt, dazu … animiert mir diesen Gefallen zu tun", meinte der Party-Vampir freundlich.

Nun, das erklärte zumindest, warum er sich sicher fühlen zu schien und seine Flucht eingestellt hatte.

Aber mit oder ohne Magie, er würde ihnen nicht noch einmal entkommen.

„Ich weiß ja, dass ein Trip in den Phönixe-Stein einiges sein kann, Kumpel, aber das, was du das trägst, ist mein Körper, und ich hätte ihn gerne wieder", erklärte Enzo dem anderen Vampir ein wenig pikiert, „Und egal wie viele Schoßhexen du in der Tasche hast, ich werde ihn mir auch zurückholen."

Der andere Vampir schüttelte den Kopf. „Wieso so feindselig? Ich habe dir deinen Körper nicht mit Absicht gestohlen. Die Jägerin hat mich erwischt, ich war in der Hölle, und dann voila war ich plötzlich hier drinnen. Nichts davon durch mein eigenes Verschulden. … Wie passt du übrigens in diese Hosen? Nein, das ist eine ernsthafte Frage, wenn ich die hier ausziehe, wie komme ich dann jemals wieder zurück in sie hinein?", meinte er.

Enzo verdrehte nur die Augen, und war damit Damon noch ähnlicher als sowieso schon, was irritierend war. „Das ist nicht dein Problem, weil du hier nicht drinnen bleiben wirst", betonte er.

Der Typ, der seinen Körper gestohlen hatte, hob einen Finger. „Okay, okay, das verstehe ich ja, aber siehst du, ich verstehe auch, dass ich, wenn ich aus diesem Körper herausgeholt werde, keinen Körper mehr zur Verfügung habe. Es sie denn, du überlässt mir dein jetziges Modell, und das gehört in Wahrheit einen Typ namens … Damon? … soweit ich das richtig mitbekommen habe. Also nehme ich nicht an, dass ihr ihn mir überlassen wollt. Also wäre ich wie gesagt danach körperlos, und das wiederum wäre ein Problem, denn … was wird dann aus mir? Ich habe nämlich keine Lust zurück in diese Höllendimension zu gehen, in der ich mich zuvor befunden habe", erklärte er.

„Das wirst du nicht. Diese Höllendimension war der Phönix-Stein, der Stein auf dem Schwert der Jägerin – und er wurde zerstört, was der Grund dafür ist, dass du überhaupt in diesem Körper gelandet bist", meinte Bonnie, „Du würdest also nicht dorthin zurückkehren."

Der Vampir in Enzos Körper nickte. „Das ist zwar eine gute Nachricht, aber vielleicht doch eher nicht, weil es mich zurück zu der Frage führt, was dann mit mir passieren würde. … Was würde mit mir passieren?" Er blickte abwartend zwischen Bonnie und Enzo hin und her. Die hatten keine Antwort für ihn.

„Ja, das dachte ich mir", kommentierte der Vampir ihr Schweigen, „Und genau da liegt das Problem. Ich will auch weiter existieren, ob nun in diesem Körper oder einem anderen, das ist mir gleich, aber ich will nicht einfach … ins Nichts verschwinden. Danke vielmals. Ihr seht also warum ich mein Schicksal nicht einfach so bereitwillig in eure Hände lege, ja?"

Bonnie und Enzo wechselten einen Blick, und stürzten dann im selben Moment auf den Vampir los. Doch der wich in Vampirgeschwindigkeit zurück. Bonnie wurde abgehängt und sah nur zwei Schemen dabei zu, wie sie einander bekämpften, und erkannte dann, dass Damons Körper von Enzos Körper zu Boden gedrückt und mit einer einzelnen Zaunlatte bedroht wurde.

„Ah ah!", tadelte der Vampir in Enzos Körper die beiden, „Zwingt mich nicht dazu etwas zu tun, was uns allen hier die Laune verderben könnte." Er ließ Enzo frei und trat einen Schritt zurück. „Ich bin randvoll mit Blut, ich habe mich noch niemals so stark gefühlt. Wenn es hart auf hart kommt, dann würde ich immer gewinnen", behauptete er, „Aber ich bin ein vernünftiger Mann. Ich lasse mit mir reden. Seht ihr, ich will zwar nicht sterben, aber ich kann auch verstehen, warum das hier" er deutete auf sein Gesicht und malte die Konturen in die Luft. „für dich irritierend ist. Daher mein Angebot: Du bekommst deinen Körper zurück, dafür kriege ich den, den du gerade trägst. Auf Dauer."

„Das kommt überhaupt nicht in Frage!", erklärte Bonnie sofort.

„Wieso nicht? Ihr habt eure ganze Zeit damit verschwendet mich zu verfolgen, ihr wisst nicht einmal wo dieser Damon steckt. Vielleicht ist er irgendwie verloren gegangen, als der Stein zerstört wurde, vielleicht ist er in irgendeinem armen Tropf gelandet, der inzwischen gestorben ist. Ihr könnt es nicht wissen. Wollt ihr seinen leeren Körper wirklich auf gut Glück in freihalten anstatt ihn jemanden zu geben, der etwas damit anfangen kann?", argumentierte der fremde Vampir, „Ich weiß, wir kennen uns nicht, aber wie ihr seht, bin ich keiner von denen, die herumrennen und Leute in Massen abmurksen. Ich habe mich unter Kontrolle. Will Spaß im Leben haben, nichts anderes. Dieser lästigen Vampirjägerin war das natürlich egal, aber ihr wirkt auf mich wie vernünftige Leute. Seht ihr, ich könnte mich auch einfach weigern euch diesen Körper zu überlassen, könnte euch umbringen und so sicher stellen, dass ihr mir nie wieder auf die Nerven fallen könnt, aber ich tue nichts davon. Stattdessen lasse ich mit mir reden, bin zu Kompromissen bereit. Ist das nichts wert?"

Bonnie schüttelte den Kopf. „Hör mal…" Langsam ging es ihr wirklich auf die Nerven nicht zu wissen wen sie eigentlich vor sich hatte.

„Henry", warf der Vampir ein.

„Hör mal, Henry, es tut mir ja wirklich leid was dir passiert ist. Dass dein Körper zerstört wurde, und du seit 1959 im Phönix-Stein gefangen warst", nahm sie den Faden wieder auf, „Aber du musst auch verstehen, dass wir unseren Freund Damon nicht einfach so im Stich lassen können oder dir seinen Körper überlassen können. Das geht einfach nicht. Würdest du das an unserer Stelle tun?"

„Nein, vermutlich nicht", räumte Henry ein, „Es sei denn natürlich … Nun, wir wäre es damit. Dein Vampirfreund und ich, wir tauschen Körper, und ich helfe euch dabei nach euren anderen Freund, diesem Damon, zu suchen, und im Gegenzug dazu sorgt ihr dafür, dass ich mich nicht in Nichts auflöse. Wenn es uns nicht gelingen sollte Damon zu finden, dann darf ich seinen Körper behalten, wenn es uns aber gelingen sollte ihn zu finden, dann darf ich in den Körper, in dem er sich jetzt befindet, als Vampir weiterleben. Wie wäre das?"

Bonnie warf Enzo einen fragenden Blick zu. Der zuckte die Schultern. Sie wussten beide nicht, ob sie diesem Kerl hier trauen konnten, oder warum er ihnen trauen sollte. Sie könnten ihn ziemlich leicht betrügen, wenn sie das wollten, aber vermutlich konnte er sie genauso leicht betrügen.

„Das ist mein letztes Angebot, und natürlich sind ein paar Bedingungen daran gebunden, denn, tut mir leid, aber ich bin nicht sicher, ob ich euch vertrauen kann – meine Hexen werden den Zauber durchführen, der uns beide in den jeweils anderen Körper verfrachtet, sie sind immer lernwillig, ihr könnt ihnen gerne den Spruch sagen. Und wenn ihr das ausschlagt, nun dann könnt ihr meine Kooperation vergessen", meinte Henry, dessen Gedanken in eine ähnliche Richtung zu gehen schienen.

„Entschuldige uns einen Moment", meinte Bonnie möglichst freundlich, und packte Enzo dann am Arm um sich zu beraten. „Was meinst du?", wollte sie gedämpft wissen.

„Dass flüstern nichts bringt, weil er Vampirohren hat - meine um genau zu sein - und die sehr gut funktionieren?", gab Enzo zurück.

„Zu seinem Angebot, meine ich", zischte Bonnie, „Ist das etwas, das wir überhaupt in Betracht ziehen können?"

„Um ehrlich zu sein, ist es wohl unsere beste Chance das hier zu lösen", meinte Enzo, „Ich will nicht den Rest meiner Tage in Damons Körper verbringen, und er hat recht – er scheint sich im Griff zu haben, er hat keine Leichenspur hinterlassen, hat noch niemanden auf dieser Party getötet, und hat mich nicht gepfählt als er die Chance dazu hatte…."

„Aber ihm Damons Körper überlassen, wenn wir den nicht retten können? Das würde Stefan gar nicht gefallen. Und nicht nur ihm nicht", wandte Bonnie ein.

„Dann sorgen wir eben dafür, dass es gar nicht erst dazu kommt", meinte Enzo, „Ich glaube nicht, dass er besonders wählerisch ist, was den Körper angeht, den er bewohnt, solange er nur überlebt und weiterhin ein Vampir sein kann."

Sie nickten einander zu, und drehten sich dann wieder zu Henry um, der sie erwartungsvoll ansah und so tat als hätte er sie nicht belauscht.

„Also gut", meinte Bonnie, „Wir sind einverstanden. Aber nur damit das klar ist: Damon zu retten hat für uns Priorität, wenn du uns also betrügst, versuchst uns irgendwie hinzuhalten, weil du dir erhoffst so bessere Überlebenschancen zu haben, dann ist der Deal dahin."

Henry nickte genügsam. Dann lächelte er sie strahlend an. „Wundervoll", meinte er, „Dann sind wir uns also einig und sollten keine Zeit mehr verlieren und meine neuen/alten Hexenfreunde aufsuchen. Immerhin wollt ihr ja euren Freund finden, nicht wahr?"


„Bist du sicher, dass wir hier richtig sind?", wollte Alaric von Penny wissen.

„Dieser Mister Law war unser bester Hinweis. Entweder ist er seit seiner Notfall-Op traumatisiert, und dieser ganze Ausflug ist für Nichts, oder er hat etwas zu verbergen. Falls er sich als tatsächlicher Terrorist herausstellt, nun dann haben wir zumindest unsere Bürgerpflicht erfüllt", erwiderte die Polizistin, „Oder er ist ein Vampir im falschen Körper. Und dein Freund hat dir ein Spital mit diesem Namen genannt, also … Ja, das hier ist das richtige Stockwerk."

Na dann…. Wie auf Kommando begann Josie zu quengeln. Alaric gab ein paar Beruhigungs-Laute von sich und hoffte, dass Lizzie auf seinen Rücken nicht dazu übergehen würde sich dem Aufstand ihrer Schwester anzuschließen. Er strich über Josies Kopf, und das schien sie zu beruhigen, und ihre Schwester blieb zum Glück still.

Penny warf ihm einen vielsagenden Blick zu, verkniff sich aber einen Kommentar über Kinder auf Missionen wie dieser, und sie betraten die Station, in der der verdächtige Patient zu finden sein sollte.

Penny wedelte mit ihrer Marke herum und erkundigte sich nach Mister Law, während Alaric den Gang im Auge behielt. Alles wirkte ganz normale, geschäftig wie es in einem Krankenhaus nun mal zuging, aber das war auch schon wieder alles. Und nirgendwo schrie ein verwirrter Vampir in Menschenkörper um Hilfe.

Und dann passierte es – Penny wurde wie von Geisterhand gegen die nächste Wand geschleudert, und plötzlich stand Mary Louise vor ihm. „Zwing mich nicht dir weh zu tun, Ric", bat sie ihn, „Schon gar nicht, während du diese unbezahlbare Fracht trägst." Sie nickte hinunter zu Josie.

Ric starrte sie verwirrt an. „Was….", begann er, doch sie schnitt ihm mit einer herrischen Geste das Wort ab.

„Ich dachte wirklich es wäre vorbei", erklärte sie, „Dass wir gewonnen oder zumindest noch nicht verloren hätten, aber es war dein Haus, Ric. Sie hat mich gezwungen einen Lokalisierungszauber durchzuführen und hat mich gezwungen euch zu verfolgen. Ich wollte ihr widerstehen, wollte es wirklich, aber zwischen dem Fluch und ihr und Cade … Und weißt du, es stimmt, je öfter sie einen beeinflusst, desto leichter fällt es ihr…."

Alaric sah sich nach einer Fluchtmöglichkeit um. Natürlich könnte er versuchen wegzulaufen, doch sie war schneller als er. Und der Pflock, den er in seiner Hosentasche umklammert hielt, nun auch dem könnte sie ausweichen, vor allem, wenn man bedachte, dass er in seiner Bewegungsfreiheit durch zwei Babys, die an jeweils einer Seite seines Körpers in Tragesäcken an ihm hingen, ziemlich eklatant eingeschränkt war.

„Wo ist es, Ric?", wollte Mary Louise wissen, „Wo ist das runde Ding?"

Alaric schüttelte den Kopf. „Ich würde eher sterben, als es dir freiwillig zu geben", erklärte er.

Er konnte sehen, dass Mary Louises Hände zitterten, sie wehrte sich immer noch gegen die Kontrolle der Sirene. „Kämpfe dagegen an", meinte er eindringlich, „Du musst nicht tun, was sie sagt. Du bist stärker als sie."

Die Hände der Häretikerin zitterten stärker. „Ich will euch nichts tun, aber ich muss das letzte Stück der Glocke holen….", erklärte sie, „Gib es mir!"

Alaric sah eine Bewegung hinter Mary Louise. „Niemals!", meinte er, und wich einen Schritt zurück, gerade als sich jemand auf die Häretikerin stürzte und sie so zu Fall brachte – was Alaric ausnützte um davon zu laufen so schnell er konnte. „Hilfe, eine Verrückte, sie verfolgt mich, will mir meine Kinder stehlen!", rief er, was ihm einige verwunderte Blicke einbrachte, aber auch einige tapfere Seelen, die sich der ihn verfolgenden Mary Louise in den Weg stellten. Und die Aufmerksamkeit des Sicherheitspersonals.

Bewaffnete und unbewaffnete Sterbliche umringen die Blondine, die diese ganze Aufmerksamkeit eindeutig überforderte.

Alaric war alles, was sie verlangsamte recht. Er flüchtete in den nächsten Aufzug, und fuhr wieder abwärts. Sein Herz raste, während er nach Luft rang. Er hoffte, dass es Penny einigermaßen gut ging, sie hatte sich nach ihrem Sturz nicht mehr bewegt. Und er hoffte, dass Mary Louise länger zu seinem Auto brauchen würde als er.

In der Lobby angekommen, blickte er sich hektisch um, und durchquerte diese dann so schnell er konnte, bevor er zu seinem Auto lief, dieses aufsperrte, und einstieg. Dann zögerte er einen Moment.

Sollte er riskieren auf Penny zu warten? Nein, das konnte er nicht. Er durfte nicht zulassen, dass den Sirenen ein Stück der Glocke in die Hände fiel, um so mehr, wenn es wirklich wahr war, dass sie die Glocke und den Stab schon an sich gebracht hatten, wie Mary Louise angedeutet hatte. Höllenfeuer auf Erden, nein, das durfte er nicht zulassen.

Also packte er die Babys in Windeseile in die Kindersitze, und startete dann den Motor. Doch gerade als er losfahren wollte, baute sich jemand vor seinem Auto auf. Es war nicht Mary Louise, die hätte er einfach niederfahren können, aber er plante auch die Person, die sich ihm in den Weg stellte einfach niederzufahren, bevor sie eine Chance bekam ihre Sirenenkräfte einzusetzen.

Sybil grinste ihn an. Er stieg aufs Gas. Sie sprang im allerletzten Moment zur Seite, und er achtete nicht mehr auf, sondern fuhr nur davon. Er warf einen prüfenden Blick auf die Zwillinge, die sicher verstaut in ihren Sitzen saßen, und konzentrierte sich dann auf die Straße. Und hörte dann ein metallisches Klonk, als jemand auf das Dach seines Autos sprang.

Na toll. Er hörte ein kratzendes metallisches Quietschen. Jemand bearbeitete gerade das Dach seines Autos, versuchte es aufzugraben so wie sich das anhörte.

Alaric trat auf die Bremse und beobachte dann, wie eine Gestalt auf die Straße geschleudert wurde und ein paar Meter vor ihm am Asphalt aufprallte.

Er legte den Rückwärtsgang ein und fuhr einen Teil der Strecke zurück, bevor er seinen Wagen wendete und wieder losraste. „Von dieser Sache hier erzählen wir Mommy nichts, ja?", meinte er in die Richtung der Zwillinge, da er wusste, dass Caroline durchdrehen würde, wenn sie wüsste, dass er mit den Babys im Wagen ein solches Tempo fuhr.

Die Zwillinge starrten ihn nur mit großen Augen an. Falls die Verfolgungsjagd sie beunruhigte, ließen sie es sich nicht anmerken. Und dann sprang jemand auf seine Motorhaube.

Alaric konnte nicht mehr sehen, wo er hinfuhr, fuhr also weiterhin gerade aus, während die Sirene mit ihren Krallen gegen die Windschutzschreibe schlug. Diese barst nicht, allerdings bildeten sich spinnwebenartige Haarrisse in der Scheibe.

Alaric funkelte Sybil wütend an, doch sie grinste nur, und schlug noch einmal gegen die Scheibe. Mehr Haarrisse bildeten sich, und ein dritter Schlag würde der Scheibe wohl den Rest geben – also bremste Alaric wieder.

Sybil hatte keinen besseren Halt auf seiner Motorhaube als Alex St. John auf seinem Dach gehabt hatte – sie purzelte auf die Straße.

Er legte erneut den Rückwärtsgang ein und achtete nicht darauf wo er hinfuhr, und krachte prompt in die andere Sirene und fuhr über sie drüber, bevor er das Steuer herumriss und den Wagen wieder wendete.

Doch seine Flucht war erneut nicht von langer Dauer, schon bald sprang wieder jemand auf seinen Wagen, und ließ sich dann vom Dach auch die Motorhaube gleiten. Sybil hockte sich direkt vor ihn, hob drohend ihre Hand, und ballte dieser zu einer Faust.

Er versuchte wieder den Bremstrick, doch dieses Mal hatte sie sich mit der anderen Hand festgehaltem. Sie richtete sich zu voller Größe auf und sah ihn herausfordernd an. Bereit die Scheibe durchzuschlagen, bereit seine Babys mit einem Scherbenmeer einzudecken.

Alaric seufzte. Er hatte es versucht, hatte es wirklich versucht, doch wie es aussah, hatte er trotz allem verloren.


Aua. Das war eindeutig keine gute Idee. Sich heldenhaft auf Mary Louise zu werfen um sie davon abzuhalten etwas zu tun, was sie später bereuen würde, Ric und die Babys auf diese Weise zu retten, war weniger heldenhaft als dumm gewesen. Zwar hatte es Ric ermöglicht zu fliehen, aber Mister Laws Körper war nicht für Heldentaten gemacht. Ihm tat jede einzelne Stelle seines Körpers weh, sogar Stellen, von denen er nicht einmal geahnt hatte, dass es Schmerz empfinden konnten.

Worunter Mister Law auch immer leidet, ich fürchte ich habe sein Leben gerade um einiges verkürzt. Mühsam machte er die Augen auf, und erblickte verschwommen das Gesicht von Matts Freundin Penny. „Alles in Ordnung?", wollte sie wissen, „Haben Sie sich verletzt?"

„Penny?", murmelte Damon verwirrt. Was wollte die denn hier?

„Mister Law? Ich meine, Damon? Sind Sie das?", wunderte sich Penny.

„Ja, ja, ich bin es", erklärte Damon schnell, „Ich stecke hier in diesem Wrack von einem Körper fest! Sie müssen mich hier rausholen, damit Bonnie mich wieder mit meinem Körper vereinen kann!"

Und kaum hatte er das gesagt, rückte auch schon wieder das Stationspflegepersonal an um all seine Pläne auf den Kopf zu stellen. „Mister Law! Was machen Sie nur?!", jammerten die Schwestern im Chor.

„Retten Sie mich vor diesen Furien! Schnell!", zischte Damon Penny zu.

„Was immer Mister Law Ihnen erzählt, glauben Sie ihm nicht, Officer", ereiferte sich die Oberschwester, „Er ist verwirrt und weiß nicht was er tut oder sagt!" Und schon griffen diese Gefängniswärterinnen und Wärter wieder nach ihm.

Damon suchte Pennys Blick, die auf einmal ausrief: „Oh, nein, er hat meine Waffe!" und ihm ihre Dienstwaffe in die Hand drückte, bevor sie fortfuhr: „Sie sollten sich noch einmal überlegen, was Sie tun, Sir! Einen Police Officer als Geisel zu nehmen hat ernste Konsequenzen!"

Was? Mister Laws langsames sterbliches Gehirn brauchte einen Moment um zu begreifen was sie vorhatte. Doch dann umklammerte Damon die Waffe, zielte mit dieser auf Penny, und verkündete: „Kommt mir nicht zu nahe, sonst töte ich sie!"

Das brachte die meisten Anwesenden erst einmal dazu inne zu halten, und gab Damon eine Chance einen Schritt zurück zu machen und seine „Geisel" mit sich mitzuziehen. „Wagt es nicht uns zu folgen, oder sie ist tot!", erklärte Damon so ernst es ihm möglich war.

„Aber Mister Law….", begann die Oberschwester.

Damon wandte sich ihr wütend zu. „Eh, eh, es hat sich aus Mister Lawed! Ich lasse mich nicht mehr weiterhin von Ihnen und Ihren Untergebenen herumstoßen. Wenn Sie alle mich nur ein wenig besser behandelt hätten, dann wären wir jetzt nicht in dieser Situation", belehrte er sie. Und das war wahr, denn wenn das der Fall gewesen wäre, dann wäre Damon schon lange nicht mehr hier.

Die Oberschwester runzelte angesichts dieses Vorwurfs die Stirn, und der Rest des Pflegepersonals tausche betroffene Blicke aus. Damon hatte keine Zeit und keine Lust sich weiter mit ihnen zu befassen, sondern bewegte sich langsam rückwärst, und achtete dabei darauf immer Penny mit sich zu ziehen und weiterhin mit ihrer Waffe auf sie zu zielen.

„Geht das nicht ein bisschen schneller?", wollte Penny durch zusammengebissene Zähne von ihm wissen.

„Ich gebe mein Bestes, Schwester, aber dieser Mister Law ist ein Fall für die Leichenhalle, und ungefähr so schnell wie die meisten Patienten dort", zischte Damon leise durch seine Mundwinkel zurück, und versuchte sein Tempo zu beschleunigen, allerdings ohne besonderen Erfolg.

Endlich – nach einer Zeit, die ihm wie eine halbe Ewigkeit erschien - erreichten sie einen Aufzug, betraten diesen, und dann – endlich - schloss sich die Aufzugtüre, und sie waren alleine.

Damon ließ Penny los – vor allem deswegen, weil es langsam wirklich anstrengend geworden war sie die ganze Zeit über festzuhalten. „Das ist eindeutig die anstrengendste Geiselnahme, die ich jemals hinter mich bringen musste", meinte er.

Penny verdrehte die Augen. „Rollentausch für die Lobby", meinte sie, „Ich eskortiere dich mit der Waffe hinaus."

„So verlockend sich das anhört, würde das nicht seltsam wirken?", wunderte sich Damon.

„Hauptsache wir kommen von hier weg, bevor meine Kollegen auftauchen", meinte Penny nur, und packte ihn dann ohne Vorwarnung am Kragen und presste ihre Waffe gegen seinen Kopf. „Und jetzt Bewegung, Freundchen!", verkündete sie, kaum, dass sich die Lifttüre wieder öffnete.

„Wenn du denkst, dass ich so schneller laufen kann, dann irrst du dich", meinte Damon, doch sie achtete nicht auf seinen Einwurf, sondern zerrte ihn einfach mit sich mit aus dem Aufzug hinaus in die Lobby, und schob ihn dann in Richtung Ausgang.

Da Damon dieses Mal nicht rückwärts gehen musste, waren sie ein wenig schneller unterwegs, allerdings nicht bedeutend. Trotzdem schien der Rollentausch zu wirken, denn nur ein Wachmann näherte sich ihnen um Fragen zu stellen, und wurde von Penny schnell abgefertigt, indem sie ihm ihre Marke zeigte und erklärte: „Dieser Scheißkerl dachte er kann vor dem Gesetz davon laufen, aber da hat er sich gewaltig geschnitten."

Und dann standen auf einmal am Parkplatz, vor einem leeren Stellplatz.

„Lass mich raten, Ric hat das Auto mitgenommen", vermutete Damon.

„Offensichtlich", meinte Penny nur.

„Und was machen wir jetzt?", wollte der Vampir im Menschenkörper nun von ihr wissen, während sogar seine schlechten sterblichen Ohren schon die ersten Polizeisirenen hören konnten.


„Es ist an der Zeit, Stefan." Es war Cade, oder zumindest ein Abbild von Cade. Stefan konnte nicht sagen, ob er wirklich da war, oder er wieder nur halluzinierte, also ignorierte er ihn einfach.

„Ich sagte es ist Zeit, Stefan", wiederholte die Erscheinung ruhig, aber bestimmt.

Stefan seufzte, und wandte sich dem Mann zu. „Zeit wofür?", wollte er wissen.

Cade lächelte ihm milde zu. „Zeit für meine Auferstehung natürlich", erwiderte er, „Es ist Zeit dafür zu sorgen, dass mein Königreich erweitert wird und die Erde endlich miteinschließt. Halt dich bereit, Ripper. Ein neues Zeitalter wird eingeläutet werden. Beim zwölften Schlag wird es soweit sein, und dann endlich – endlich – bekommen alle das, was sie verdienen."


A/N: Ja sorry, wenn Hoffnungen müssen zerstört waren, damit die Spannung nicht verloren geht.

Aber noch fehlt den Sirenen jemand, der die Glocke auch läuten kann. Wo diese Personen gerade stecken, erfahrt ihr im nächsten Kapitel.

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