Erhöhte Warnstufe für Gewalt für dieses Kapitel.

Zusätzliche Warnings: Erwähnung von Vergasung und Folter


Teil 9: Hölle auf Erden


I.


Nach dem zweiten Schlag brach das Hölle los, genau wie ausgemacht, um so zu verhindern, dass die wortwörtliche Hölle losbrechen konnte. Matt hatte die Glocke einmal geläutet, und dann noch einmal, und dann - anstatt sie ein drittes Mal zu läuten - den Klöppel abgerissen und mit ihm nach Sybil geschlagen. Im selben Moment hatte sein Vater Alex angegriffen, war einfach hochgeschossen, hatte ihren Kopf gepackt und gegen den Boden gedonnert.

Natürlich war beiden Männern klar, dass sie nur den Überraschungsmoment auf ihrer Seite hatten, sonst nichts, und dass alles, was danach kam, eher schlecht für sie ausgehen würde, aber das war die Stelle, von der Matt hoffte, dass Stefan sich einmischen würde. Wenn nicht, nun dann hätten sie es zumindest versucht, und wüssten mit Sicherheit, dass sie ihn an die Sirenen, Cade, und den Fluch verloren hatten.

Sybil taumelte ein paar Schritte zurück, und Matt schlug nach einmal mit dem Klöppel nach ihr, doch dieses Mal wich sie ihm aus. Er konnte sehen, dass Alex wieder hochkam und sich seinem Vater zuwandte, und dann dankenswerter Weise von Stefan angesprungen wurde, der sie zu Boden rang und ihr das Genick brach.

Das hielt die Sirene natürlich nicht lange auf, hatte Peter Maxwell aber die Zeit eingeräumt, die er gebraucht hatte um sich eine Waffe zu besorgen, oder etwas das nahe genug dran kam – eine Metallstange, die beim Bau der Gerüsts für die Glocke übrig geblieben war, mit der er nun auf die wieder hochkommende Alex St. John einschlug.

Matt konnte den Kampf aber nicht weiter beobachten, da er mit seiner eigenen Gegnerin alle Hände voll zu tun hatte. Sybil wollte ihn anspringen, doch er ließ den Klöppel direkt vor ihr auf den Boden schnallen. Sie erstarrte, genau wie er, und sie beide warteten ab. Doch der erhoffte Effekt trat nicht ein.

„Es ist keine Stimmgabel mehr, Matt, und es ist nicht einmal in deinen Händen mehr eine Waffe gegen uns. Es ist zu einer Waffe von Cade geworden", meinte die Sirene überzeugt, und fuhr dann ihre Klauen aus und schlug nach Matt. Er konnte gerade noch zur Seite springen, musste den Klöppel aber loslassen, und wurde trotzdem von ihren Klauen am Arm gestreift, wenn auch nur oberflächlich.

Er stolperte ein paar Schritte zurück, krallte sich an der Glocke fest, und fand so wieder Halt. Allerdings nur ein paar Sekunden lang, da diese sich plötzlich unglaublich heiß unter seiner Haut anfühlte, und er erschrocken los ließ. Was zum … Er entdeckte sein Blut auf der Glocke, hatte aber keine Zeit mehr sich weiterhin zu wundern, da Sybil es wieder einmal darauf abgesehen hatte ihn aufzuschlitzen, und er unter ihren Klauen wegtauchen musste.

„Mary Louise, sei so gut und hilf mir mit diesem hier", befahl Sybil, was ihren einen leeren Blick von der blonden Frau einbrachte.

„Na los!", schnaubte Sybil ungeduldig.

Mary Louises Blick war nun nicht mehr leer, sondern hauptsächlich verwirrt. Sie sah Sybil nicht einmal an, nein, sie blickte direkt an ihr vorbei. Matt folgte ihren Blick, und sah wie Stefan und sein Vater gemeinsam gegen Alex St. John kämpften. Matt wusste, was die Vampirin dachte. „Ja genau!", rief er, „Stefan hat der Fluch genauso erwischt wie dich, er ist ebenfalls unter Cades Einfluss geraten und den der Sirene, aber trotzdem hat er sich davon befreit, trotzdem hat er getan was richtig ist! Er hat sich gewehrt und hat gesiegt! Du kannst das auch!"

Mary Louise wandte ihren Blick nun ihm zu. Matt, der niemals gedacht hatte, dass ausgerechnet er einmal Cheerleader für einen Vampir spielen würde müssen, nickte ihr zu. „Du kannst das. Du hast dir nicht einmal von Lily Vorschriften machen lassen, warum solltest du sie dir von dieser dahergelaufenen Sirene machen lassen?!", wollte er wissen.

Sybil schnaufte. „Ach, mach doch was du willst!", verkündete sie, „Mit Matt komme ich auch allein zurecht." Und dann machte sie Anstalten sich wieder auf Matt zu stürzen, wurde dabei jedoch von einem Geschoss getroffen und umgeworfen.

Matt drehte sich in die entsprechende Richtung – und sah die gleiche Kanone, die Sybils Anhänger benutzt hatten um Alarics Haus zu belagern, die auf einer Art Paradewagen stand, und die gerade von Caroline in Vampirgeschwindigkeit nachgeladen wurde. „Noch einmal, Tyler!", rief sie, woraufhin der Werwolf noch eine Kugel auf Sybil abfeuerte.

Matt nutzte die Chance um sich den Klöppel zu schnappen und in Sicherheitsabstand zu fliehen. Und dann sah er wie Mary Louise einen wütenden Schrei von sich gab, und sich auf die etwas bedient wirkende Sybil stürzte und ihre den Kopf abriss.

Matt selbst bewaffnete sich wieder und dann sprintete hinüber zu der anderen Sirene, und verpasste Alex St. John einen heftigen Schlag mit dem Klöppel auf den Kopf. Das ließ sie endlich zu Boden gehen, und gab Stefan die Möglichkeit auch ihr den Kopf von den Schultern zu reißen.

Das alles wäre natürlich befriedigender, wenn es auch bedeuten würde, dass die Sirenen endlich tot bleiben würden, aber Cade würde sie mit Sicherheit so schnell er konnte zurückschicken, und dann würde alles wieder von vorne losgehen. Und was ist mit Bonnie?

Matt blickte sich hektisch nach Sybils Handy um, und entdeckte es einige Schritt neben ihrer kopflosen Leiche liegend, er rannte hinüber und schrieb eine hektische SMS an diesen Henry, in der ihm mitteilte, dass sich Sybil wieder bei ihm melden würde, und dass er mit Bonnie vorerst nichts tun sollte. Etwas Besseres fiel ihm im Moment nicht ein.

Dann steckte er das Handy in seine Tasche, und rannte zurück zu seinem Vater und Stefan.

Caroline und Tyler schlossen zu ihnen auf, während Mary Louise in Sicherheitsabstand stehen blieb.

„Stefan, du hast es geschafft, du hast den Fluch überwunden, genau wie alles andere, du bist zurück!", rief Caroline aus, und machte Anstalten Stefan zu umarmen, doch dieser wich zurück.

„Nein, haltet euch fern, ich bin alles andere als klar im Kopf", erklärte er, „Ich weiß immer noch nicht was real ist und was nicht. Das Einzige, was ich weiß, ist dass ich nicht zulassen konnte, dass das Höllenfeuer frei gesetzt wird….." Er starrte auf eine Stelle, an der sich nichts und niemand befand, und er schauderte.

„Cades Macht mögen wir durchbrechen können, zumindest kurzfristig, aber den Fluch werden wir nicht so schnell los", sagte Mary Louise, „Wir sind immer noch eine Gefahr für alle anderen. Wir sollten verschwinden, solange es noch geht…."

„Nein, wenn ihr wieder weglauft, erwischt euch Cade vielleicht wieder", meinte Caroline entschlossen, „Wir müssen alle zusammenbleiben, wir müssen einen Weg finden den Fluch aufzuhaben und dafür sorgen, dass die Sirenen keine Chance haben die Glocke noch einmal zu läuten, und …."

„Nicht nur die Sirenen arbeiten für Cade", rief ihr Matt in Erinnerung, „Das ist dieser Hexenzirkel, und der Vampir, für den sie arbeiten, der in Damons Körper - er hat Bonnie und ist bereit sie auf Sybils Befehl hin zu foltern."

„Was?!" Caroline starrte ihn entsetzt an. „Dann müssen wir Bonnie retten!"

Peter räusperte sich. „Vor allem müssen wir geschlossen vorgehen, panische Einzelaktionen haben uns erst in diese Situation gebracht. Was ist mit Valerie und Nora? Sind sie tot? Verletzt? Wir könnten etwas Magie auf unserer Seite gebrauchen. Und dann müssen wir uns überlegen was wir mit der Glocke anfangen. Sie ist zwar im Moment kaputt, aber sie hat bereits zwei Mal geläutet, und bedeutet das jetzt, dass sie nur noch zehn Mal läuten darf, oder müssen die zwölf Schläge auf einmal erfolgen, oder…."

„Magische Hilfe und Wissen über den Teufel? Ich nehme das als mein Stichwort", unterbrach ihn eine Stimme, von der sie wohl alle gehofft hatten, dass sie sie nie wieder hören würden.

Sämtliche Köpfe fuhren herum. Direkt vor der Glocke stand Kai Parker, und grinste sie alle frech an. „Hi, da bin ich wieder. Habt ihr mich vermisst?", meinte er fröhlich, „Also, was diese Sache angeht, dass nicht nur die Sirenen für Cade arbeiten…."


Bonnie kam stöhnend wieder zu sich. Ja, es war eindeutig keine gute Idee gewesen sich auf diese Weise mit Nora zu verbinden. So groß die Vorteile auch gewesen waren, die Nachteile hatten eindeutig überwogen.

Wo bin ich? Sie blinzelte, und versuchte sich umzublicken. Sie befand sich in einem düsteren Raum, so viel stand fest, und jemand hatte sie auf einer Liege festgeschnallt. Oh, nein, hat mich etwa Alex erwischt?! Sie versucht sich aufzurichten, bereute das aber sofort wieder, da sie ein stechender Schmerz in ihrem Unterköper durchfuhr. Sind das immer noch die Krallenspuren?

Bonnie versuchte an sich herabzublicken, doch sie hatte keinen besonderen Erfolg dabei. Sie konnte ihren Hals noch so verrenken, sie sah nicht besonders viel von ihrem Körper. „Hallo?! Enzo?! Henry?! Könnt ihr mich hören? Alex, sind Sie das?!", rief sie, und wartete auf eine Antwort, doch zunächst erhielt sie keine.

Dann hörte sie Schritte. Bonnie versuchte ihren Kopf zu drehen und zu sehen, zu wem diese gehörten, doch sie scheiterte auch an dieser Aufgabe. „Oh, wie ich sehe ist hier jemand wach", meinte dann Damons Stimme.

„Damon? … Henry?", fragte sie dann, „Wer von euch ist das?"

„Ich fürchte immer noch nur ich. Euer Freund Damon, nun sagen wir seine Chancen diesen Körper zurückzubekommen stehen von Minute zu Minute schlechter", meinte die Stimme, und dann konnte Bonnie Damons Gesicht sehen, als sich Henry zu ihr herunterbeugte, „Na, wie fühlen wir uns?"

„Es ging mir schon besser", räumte Bonnie ein, „Aber im Moment bin ich vor allem verwirrt. Was genau ist hier los?"

„Oh weißt du, meine Liebe, es ist so …. Du bist unser Druckmittel um deine Freunde dazu zu bringen die Glocke zu läuten und den Teufel auf die Erde loszulassen", erklärte ihr Henry liebenswürdig, „Tut mir leid. Ich muss gestehen, dass ich gelogen habe. Ich habe nichts gegen Höllenfeuer und den Teufel hier auf dieser Welt. Im Gegenteil, ich halte es für eine berauschende Aussicht. Meine Hexen haben also ihr Bestes getan um diesen Sirenen dabei zu helfen eure Freunde zur Kooperation zu bewegen."

Na toll. Dieser Tag wurde immer besser. „Aber warum?", wollte Bonnie wissen, „Wenn Cade hier regiert, dann gibt es mit Sicherheit keine Feiern mehr."

„Oh, die wird es schon noch geben, nur wäre es nicht die Art von Feier, die den meisten Menschen gefallen würde. Was mich angeht, ich denke, es wäre genau nach meinem Geschmack. Es ist verdammt lange her, dass ich das letzte Mal jemanden ausgiebig foltern durfte. Ich hätte gerne eine Gelegenheit dazu meinen eigenen Rekord zu brechen. Ich hatte mal einen Kunden, den ich ganze zwei Wochen am Leben erhalten konnte, und das ohne besonders lange Folterpausen. Vielleicht schaffe ich ja irgendwann drei Wochen", sinnierte Henry.

Nun offenbar war die Hölle auf Erden nicht für jeden eine Aussicht, der man am liebsten entgehen wollte. Enzo hatte recht gehabt, dieser Henry war eindeutig nicht das, was er vorgegeben hatte zu sein. Aber, dass er sie gleich an Cade verraten würde, nun, das war wirklich die Art von Pech, die nur sie haben konnten. Moment … Enzo!

„Was hast du mit Enzo gemacht?", wollte sie wissen, „Hast du ihn umgebracht?"

Henry schüttelte den Kopf. „Oh, nein, keine Sorge, ihm geht es gut. Noch zumindest. Ich wollte mich, wenn das hier alles vorbei ist, eingehend mit ihm befassen. Ich habe noch nie einen anderen Vampir zu Tode gefoltert. Das könnte interessant werden. Dafür will ich mir Zeit nehmen", erklärte er ruhig.

Bonnie konnte nicht fassen, was sie da hörte. Aber vermutlich sollte es sie nicht besonders überraschen. Julian und der Typ in Oscars Körper waren nicht gerade Engel gewesen. Ja, Rayna hatte es auf alle Vampire abgesehen gehabt, aber die gefährlicheren hatten sie als Beute eindeutig bevorzugt. „Wir haben dir doch gar nichts getan", wandte sie ein, „Im Gegenteil, wir wollten dir helfen, haben dir einen neuen Körper versprochen."

Henry nickte. „Ja, und das war wirklich nett von euch. … Weißt du, nur unter uns beiden, ich habe Sybil gesagt, dass man das als Sünde ansehen kann, aber die Wahrheit ist, dass es viel interessanter ist Unschuldige umzubringen als Schuldige zu bestrafen. Ich werde nie vergessen wie es sich angefühlt hat die Pitezel-Kinder zu vergasen … Ihr Vater hingegen war ein überaus unbefriedigendes Opfer", vertraute er ihr an, „Du bist unschuldig, Bonnie. Genau das macht es ja so aufregend, dass du eines meiner Opfer werden wirst."

„Ich verstehe", meinte Bonnie, „Du bist vollkommen irre."

„Oh, nein, im Gegenteil, ich bin genial. Ich überschreite nur über den sogenannten moralischen Grenzen", behauptete Henry, „Das Einige, was mich gezwungen hat mich an diese zu halten, war die Angst vor der Hölle. Doch die hat sich inzwischen auch erledigt. Ich muss keine Sühne mehr tun, nun da ich für Cade arbeite. Ich kann endlich wieder alle töten und muss mich nicht mehr nur an die Bösen halten. Weißt du, nur unter uns, wenn Cade erst herrscht, dann kann ich vielleicht endlich wieder mein Meisterstück neu aufbauen und von vorne anfangen. Los frag schon, ich weiß, dass du fragen willst."

Bonnie seufzte. „Was für ein Meisterstück?", wollte sie brav wissen.

„Meine Mörderburg. Sie war meine beste Konstruktion. Geheime Gänge, ein Labyrinth des Todes direkt unter meinen nichts-ahnenden Hotelgästen…." Henry seufzte entzückt. „Niemand hat es je zu schätzen gewusst, was ihn darin erwartet, aber sie alle waren beeindruckt, ob sie es nun zugeben wollten oder nicht."

Das nun kam Bonnie doch dunkel bekannt vor. „Moment, Mörderburg? Hotel. … Ich weiß wer du bist, du bist der Mörderhotel-Typ!", wurde ihr klar.

Henry strahlte sie an. „Oh, ja, ich bin der Mörderhotel-Typ. Es ehrt mich, dass selbst jemand aus deiner Altersgruppe noch weiß wer ich bin", meinte er mit sichtbaren Stolz, „Du wolltest doch eine historisch bedeutsame Persönlichkeit treffen. Hier bin ich."

„Meine Güte, du hast es mir sogar gesagt. Du bist nicht Sherlock oder Mycroft Holmes, aber du bist ein Holmes, du bist H.H. Holmes!", erkannte Bonnie, „Aber warum solltest du … oh, ich verstehe, du wolltest, dass ich dahinter komme. Du wolltest, dass ich dich anerkenne."

Henry zuckte die Schultern. „Meine Zeit als Vampir war frustrierend. Ich musste meinen Tod inszenieren, mein Aussehen verändern, dafür sorgen, dass ich nicht in der Hölle lande … All diese Vampire, die sich für großartige Mörder gehalten haben … gegen mich waren das alles Amateure. Ich meine, ich habe schon Menschen ermordet, als die meisten von denen noch nicht mal geboren waren, aber hatten sie deswegen Respekt vor mir? Nein. Als ob die Taten eines Sterblichen nichts zählen würden. Also ja, ich bin immer wieder mal auf der Suche nach ein wenig Anerkennung. Kann man mir das verdenken?" Er schüttelte den Kopf. „Klaus Mikaelson hatte die Stirn mit nicht zu glauben, dass ich ich bin. Aber jetzt liegt das alles endlich hinter mir. Jetzt kann ich mich endlich der Welt offenbaren", erklärte er, „Sofern das Ende der Welt endlich eintritt." Er zog sein Handy aus der Tasche, und starrte mit gerunzelter Stirn darauf. „Irgendetwas dürfte schiefgegangen sein", stellte er fest, „Weswegen ich leider noch nicht die Erlaubnis dazu habe mit dir anzufangen…." Er seufzte seelenvoll, und starrte das Handy an, als hätte es ihn verraten.

Für Bonnie waren das gute Nachrichten, nicht nur weil sie deswegen länger leben durfte, sondern auch weil es bedeutete, dass Cade und die Sirenen noch nicht gewonnen hatten. Und dabei soll es auch bleiben! Doch was konnte sie tun um dafür zu sorgen?

Fest stand, dass sie sich irgendwie befreien musste. Henry hatte sie eindeutig mit irgendetwas betäubt, das sie auch daran hinderte auf ihre Magie zuzugreifen. Bonnie erinnerte sich daran, dass Holmes eine Art Arzt gewesen war, er hatte studiert und hatte in einer Leichenhalle gearbeitet. Und hatte viele seiner Opfer betäubt um sie still zu halten, während er sie … nun ja, bearbeitet hatte. Und irgendwann in seiner Zeit als Vampir hatte er sich offenbar mit einem teufelsanbetenden Hexenzirkel verbündet. Er hatte also mit Sicherheit dafür gesorgt, dass sie nicht so einfach fliehen konnte.

Allerdings bedeutete das nicht, dass es unmöglich war zu fliehen. Es bedeutete nur, dass sie härter daran arbeiten musste als es normalerweise der Fall wäre. Und dass sie hinterlistiger vorgehen musste als sonst.

Während Henry sein Smartphone anstarrte, tastete sie ihre Liege ab. Ihre Arme waren an der Liege fixiert, also kam sie bei ihrer Erforschung nicht weit, aber zumindest konnte sie so feststellen wie umfangreich die Bewegungsfreiheit für ihre Hände war. Dann versuchte sie sich wieder im Raum umzusehen.

Trotz des gedämpften Lichts konnte sie erkennen, dass Henry seine Instrumente auf einem Rollgeschirr ganz in ihrer Nähe drapiert hatte, und selbst in aller Damon-Glorie kaum einen Schritt von ihr entfernt dastand. Damit wusste sie wo sie Waffen finden könnte. Ihre Beine waren ebenfalls festgeschnallt, und nun versuchte sie den Spielraum für ihre Füße auszutesten, was allerdings verdammt weh tat. Aber sie ertrug den Schmerz.

„Ich nehme an, meine aktuellen Schmerzen habe ich dir zu verdanken", meinte sie dann laut, „Die Kratzspuren sind es auf jeden Fall nicht."

Henry sah auf, und schien sich erst jetzt an ihre Anwesenheit zu erinnern. „Was? Oh, ja, Enzo hat dich geheilt. Immerhin wollte keiner von uns beiden dich einfach so sterben lassen. Nachdem er das getan hat, hab ich ihn überwältigt und euch verschleppt, und ja, ich musste demonstrieren, dass ich es ernst meine. Keine Sorge, du wirst es überleben - die Stelle tut verdammt weh, dort sitzen aber keine wichtigen Organe. Und ich habe die Blutung gestillt", erklärte er, „Wir beiden haben also noch viel Zeit füreinander übrig."

Okay, also schmerzhaft aber nicht tödlich, zumindest nicht sofort, und wenn alle Stricke rissen - nun dann konnte sie immer noch zum Vampir werden. Nicht, dass sie das wollte – vor allem in Anbetracht der Elena-Situation ( immerhin hatte Kai betont, dass es keine Schlupflöcher in seinem Zauber gab, es war also unmöglich zu sagen was mit ihr passieren würde, wenn Bonnie zum Vampir wurde) – aber es war trotzdem gut zu wissen, dass sie diese Rückversicherung besaß, nur für den Fall der Fälle.

Na dann, mal los. „Weißt du, ich bin ein wenig enttäuscht. Wenn ich schon von einem berühmten Serienmörder umgebracht werde, dann hätte ich mir einen echten Serienmörder erhofft. Ich habe gelesen, dass du in Wahrheit viel weniger Menschen umgebracht hast, als landläufig behauptet wird. In Wahrheit hast du gerne übertrieben, dich mit fremden Federn geschmückt, Morde für dich beansprucht die keine waren, und deine Taten grausamer dargestellt als sie waren", sagte Bonnie, „Immerhin warst du ursprünglich ein Trickbetrüger. All deine angeblichen Taten … was wenn du sie dir in Wahrheit auch einfach nur angeeignet hast? Kann es sein, dass du die Mörderburg genauso gestohlen hast wie den Namen Holmes, Herman Webster Mudgett?!", meinte sie nachdenklich, und noch während sie sprach konnte sie die mörderische Wut von Henry in Damons Augen aufblitzen sehen. Wie es zu erwarten gewesen war.

„Wie kannst du es wagen?!", knurrte dieser, „Es war meine Mörderburg! Meine Erfindung alles davon! Ich habe nichts gestohlen, von niemanden!"

„Nicht mal von Pitezel? Hast du ihn nicht ermordet um dir seine Erfindungen anzueignen und sie als deine auszugeben?", provozierte Bonnie ihn weiter.

„Pitezel war mein Untergebener, meine Kreatur, nicht umgekehrt! Ich habe nichts von ihm gestohlen, wenn dann hatte er vor von mir zu stehlen!", brüllte Henry.

„Ich nehme an, er war auch in diesen ganzen Betrugsgeschäften besser als du", vermutete Bonnie.

Henry beugte sich mit blitzenden Augen über sie. „Du zweifelst an mir? Hältst mich für einen Betrüger ja? So wie alle anderen? Nun, dann muss ich dir wohl beweisen, wen du vor dir hast", erklärte er bedrohlich, und griff nach seinen Instrumenten.

„Wen habe ich den vor mir? Einen größenwahnsinnigen Vampir, der denkt er wäre mehr als er ist!", spottete Bonnie.

Und dann sah sie wie Henrys Hand mit etwas Silbernen darin auf ihren Körper hinab sauste.


„Penny. Was für ein Glück, ich dachte schon …. Nun, auch egal, kommen Sie herein", meinte Alaric, und öffnete seine Hoteltüre für die Polizistin. Diese wich von der Türe zurück und verschwand wieder im Hotelgang, und kehrte dann mit einem Rollstuhl zurück, den sie vor sich herschob, und in dem ein griesgrämig dreinblickender älterer leicht asiatisch angehauchter Mann saß.

„Ist das….?", setzte Alaric an, doch der Mann im Rollstuhl unterbrach ihn. „Fang gar nicht erst an. Das hier ist schon demütigend genug", schnarrte er, „Und wenn du irgendjemanden jemals davon erzählst, dann …. sind wir keine Freunde mehr."

Ja, offenbar war es Damon.

„Was ist passiert?", wollte Alaric wissen.

„Nun, Sie haben das Auto genommen", begann Penny.

„Richtig. Und es zerstört bei dem Versuch den Sirenen zu entkommen. Sie haben mich erwischt und das runde Artefakt entwendet", sagte Alaric, „Ich dachte schon, dass sie mich töten, aber offenbar wollten sie mich lieber unter meinem Versagen leiden lassen."

„Nun für uns war es auch nicht leicht", maulte Damon, „Immerhin hielten die mich für einen wahnsinnigen Geiselnehmer."

Penny warf ihm einen müden Blick zu. „Wir wollen mal nicht übertreiben. Wenn dann eher für einen verwirrten harmlosen Geiselnehmer", meinte sie.

Damon schnaubte, und hörte sich damit auch in diesem fremden Körper sehr wie Damon Salvatore an. „Auf jeden Fall mussten wir verschwinden, aber Mister Law hier, der ist nicht gerade der Schnellste. Er hat eher Chancen auf eine Goldmedaille im Langsamsport", fuhr er fort.

„Was den Rollstuhl erklärt, nehme ich an", vermutete Alaric.

In diesem Moment begann eines der Babys zu quengeln. „Ist das schon wieder Lizzie? Ich hab dir schon öfter gesagt, dass du sie anders hinlegen musst, sie hasst diese Position", meinte Damon. Ja, er war es ohne Zweifel.

„Und ich habe dir schon öfter gesagt, dass das die gesündere Schlafposition ist. Und außerdem weichst du dem Thema aus", erwiderte Alaric.

„Ja", mischte sich Penny ein, „Das erklärt den Rollstuhl, den wir entwenden mussten, damit wir vom Tatort fliehen konnten."

„Welcher Tatort? Das klingt so, als hätte es ein Verbrechen gegeben. Es hat aber kein Verbrechen gegeben. Wir haben lediglich eines vorgetäuscht, schon vergessen?", widersprach Damon.

„Auf jeden Fall mussten wir einen Rollstuhl … ausborgen", fuhr Penny ungerührt fort.

„Klauen", verbesserte sie Damon.

„Dann habe ich festgestellt, dass ich mein Handy verloren habe", setzte die Polizistin den Bericht fort, „Und wir mussten untertauchen, da die Polizei nach Mister Law gesucht hat."

„Wir sind bei den Obdachlosen der Gegend untergetaucht, die alle länger leben werden als dieser Körper, und das obwohl sie bei Minusgraden draußen schlafen. Was sagt uns das?", übernahm Damon die Erzählung wieder, „ Schlimmer noch. Wir haben praktisch in der Gosse geschlafen, und niemand hat sich auch nur die Mühe gemacht zu versuchen uns zu beklauen. So mitleiderregend müssen wir ausgesehen haben."

„Und wie habt ihr mich gefunden?", wollte Alaric wissen.

„Meine Marke hatte ich noch. Ich habe ein wenig herumgefragt, alleine. Und es war nicht schwer Informationen über den Vater zu bekommen, der es geschafft hat sein Auto mit zwei Babys auf der Rückbank beinahe zu Schrott zu fahren", meinte Penny.

„Inzwischen hat sie mich alleine zurückzugelassen. Irgendwer dachte ich bin ein Bettler und hat mir ein paar Cent in die Hand gedrückt. Als ob das irgendetwas helfen würde!", warf Damon ein.

„Wir haben angenommen, dass ihr ohne Fahrzeug erst einmal hier übernachten werdet. Also haben wir herumgefragt. Da war die Marke wieder hilfreich", schloss Penny, „Und so haben wir euch gefunden."

Alaric nickte. „Ich bin froh, dass es euch beiden gut geht", meinte er.

„Hallo, hast du mir nicht zugehört? Es geht mir nicht gut. Und jetzt muss ich schon wieder auf die Toilette. Ich hätte eine Bettpfanne aus dem Krankenhaus mitgehen lassen sollen", jammerte Damon, und rollte los in Richtung Bad, „Also, die Sirenen haben deinen Teil der Glocke. Was ist noch passiert, seit ich … von allen Informationsquellen abgeschnitten wurde? Habt ihr meinen Körper gefunden? Und wo steckt Bonnie?"

„Wo soll ich da nur anfangen?", seufzte Alaric. Und wo sollte er das wirklich? Er wusste ja nicht einmal selbst wie viel in der Zwischenzeit noch alles schief gegangen war. Keiner hatte sich dazu herabgelassen ihm ein Update zukommen zu lassen seit … nun schon seit einiger Zeit.

„Nun, zumindest regnet es noch kein Blut und von Heuschrecken ist auch noch nichts zu sehen. Wenn es also eine Apokalypse ist, dann ist es eine zahme Apokalypse", ließ sich Damon vernehmen, „Und Höllenfeuer mitten in Dallas, das wäre uns eher nicht entgangen, denke ich."

Wie aufs Stichwort drehte Alaric den Ton seines Fernsehers, auf dem gerade die Nachrichten liefen, lauter. „Unruhen in der Innenstadt von Dallas", erklärte gerade ein Sprecher, und Alaric traute seinen Augen nicht.

„Ist das nicht eure Straße?", wunderte sich Penny, „Ist das nicht das Nachbarshaus?"

„Schlimmer noch. Das da, das kaputte Haus, das ist mein Haus", betonte Alaric wütend, „Oder war es zumindest!"

„Oh, oh", meinte Damon, „Scheint so als müssten wir dringend nach Dallas."

Alaric war geneigt ihm zuzustimmen, allerdings war er sich nicht sicher, ob ihre Ankunft dort noch irgendeinen Unterschied bewirken würde.


A/N: Ja, Kai ist zurück und das muss er auch sein, denn immerhin wollen wir ja Elena zurück, nicht wahr? Und außerdem scheint die Pro7-Gruppe nicht vorzuhaben uns in der nächsten Zeit die 2. Staffel von „Legacies" zu zeigen, also sehen wir ihn halt hier stattdessen.

Ja, es ist der Mörderhotel-Typ. Arme Bonnie….

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