Extra Warnings: Folter, Gewalt und Feuer
II.
„Ihr könnt ihn auch sehen, oder?" Stefan musste einfach nachfragen. Kai wäre genau die Halluzination, die ihm noch gefehlt hätte. Er, der ihnen Elena genommen hatte, der Jo und seinen ganzen Zirkel getötet hatte. Der das Böse in Person darstellte. Es fehlte nur noch, dass er nun Stefan vorbetete, dass der Vampir im Grunde nur genauso war wie er.
Nachdem Cade ihn zu sich gerufen hatte, hatte Stefan zuerst nicht gehorchen wollen. Doch tief in sich hatte er den Zwang verspürt zu gehorchen, dort hin zu gehen, wo sein Meister ihn haben wollte. Doch zugleich hatte er nicht zulassen können, dass Cade befreit und das Höllenfeuer freigesetzt wurde. Selbst in seinem verwirrten Zustand hatte er erkannt, was für eine furchtbare Katastrophe das sein würde. Um das zu verhindern hatte er die Stimmgabel berührt, und um das zu verhindern war er verflucht worden. Wie könnte er es jetzt also einfach so geschehen lassen?
Zunächst war er sich nicht so sicher gewesen, ob er in der Lage sein würde einzugreifen. Ob er stark genug wäre gegen Cades Willen anzukämpfen. Doch dann war ihm die einzige Person erschienen, mit der nicht gerechnet hätte – Damon. Natürlich war es nicht wirklich Damon, es war eine weitere Halluzination, das wusste er. Aber die Erscheinung sprach zu ihm.
„War ja klar, dass du am Ende versagst", meinte er, „Dass du nur daneben stehst. Ewiges Leben, an dich ist es verschwendet. War es immer schon. Ständig quälst du nur dich selbst und alle um dich herum, aber niemals tust du etwas. Ist das die Welt, in der du Elena wieder aufwachen lassen willst? Eine Welt, die du hast untergehen lassen? Aber warum auch nicht, das ist typisch Stefan, nicht wahr? Wenn du geschlagen wirst, dann rollst du dich auf den Rücken und ergibst dich, nicht wahr? Du hast in deinem ganzen Leben noch niemals um etwas gekämpft, nicht wirklich. Du hast immer vorher aufgegeben. Warum also sollte sich das ausgerechnet jetzt ändern?"
Und anders als die anderen Dinge, die die anderen Erscheinungen ihm gesagt hatten, anders als die Dinge, die er von Katherine, Caroline, Lily, und seinem Vater gehört hatte, ließ das Stefan nicht gelähmt zurück, nein, stattdessen erweckte es etwas in ihm, es erweckte Widerstandsgeist.
Denn ja, Damon hatte recht – Stefan gab gerne klein bei, er gab gerne auf, weil es ihm leichter erschien. Er hatte so oft aufgegeben, er hatte alles seine Kämpfe bis auf einen aufgegeben, den einen Kampf, den Seline für ihn aufgegeben hatte, laut Cade wegen ihm – den Kampf um Wiedergutmachung.
Aber vielleicht ging es gar nicht um Wiedergutmachung, vielleicht ging es nur darum es besser zu machen als zuvor, vielleicht ging es nur darum endlich damit aufzuhören alles gegenzurechnen sondern stattdessen einfach das zu tun, was richtig war, eben weil es richtig war.
Damon (Nicht-Damon) hatte recht, Elena sollte nicht in einer Welt aufwachen müssen, die von Cade regiert wurde. Stefan wollte ihr nicht gegenübertreten und erklären müssen, dass er Caroline, Tyler, und Bonnie hatte sterben lassen, und auch noch zugelassen hatte, dass Cade in diese Welt überwechselte. Sie hatte jedem immer alles vergeben, ob diese Person das verdient hatte oder nicht. Aber das hier, das hier würde sie ihm niemals vergeben, und das auch zurecht, zumindest wenn er nicht wenigstens versuchte zu kämpfen.
Also versuchte er zu kämpfen, er versuchte Matt klarzumachen, dass er auf seiner Seite war. Einen Moment lang war er sich nicht sicher, ob das auch funktioniert hatte, doch dann, nach dem zweiten Schlag, griff Matt Sybil an, und das war sein Zeichen, sein Zeichen dafür ebenfalls anzugreifen.
Er achtete nicht auf den Spott seines imaginären Bruders, er achtete nicht auf Cade, der ihm befahl zu gehorchen, er achtete nur auf das, was ihm sein Herz sagte.
Und dann war es vorbei, zumindest vorerst, dann waren die Sirenen wieder einmal tot, doch gerade als sie dachten sie hätten es überstanden, tauchte Kai Parker wie aus dem Nichts aus. Natürlich musste Stefan annehmen, dass es sich wieder nur eine Halluzination handelte.
„Keine Sorge, wir können ihn alle sehen", versicherte ihm Caroline, und wandte sich dann an Kai: „Solltest du nicht tot sein?!"
Kai öffnete seine Arme breit und verkündete: „Ich hab mich davon erholt, wie ihr seht. Dank Cade. Er hat mich während des ersten Glockenschlages zurück geschickt. Hier bin ich also wieder." Er sah sich um und wirkte dann enttäuscht. „Was, keine Bonnie und kein Damon? Und kein Alaric? Das ist nicht die Wiedervereinigung, die ich mir erhofft habe", stellte er fest, „Aber immerhin stecke ich nicht mehr in der Hölle fest, also…" Er zuckte die Schultern. „… bin ich bereit mit dem zu arbeiten, was ich hier habe."
Das hier war wieder so eine Frage davon, was ihm sein Herz riet, und das gab ihm einen sehr eindeutigen Ratschlag. Stefan stürzte auf Kai los um ihn den Kopf abzureißen, doch dieser brachte sich mittels Vampirgeschwindigkeit in Sicherheit.
„Wartet, wartet einen Moment. Ich weiß, ihr wollt mich umbringen, schon wieder, aber wenn ihr das tut, dann kann ich euch nicht dabei helfen Elena aufzuwecken, nicht wahr?", verkündete er, und erhob seine Hand zu einer beschwichtigenden Geste.
„Warum solltest du das tun?", wollte Caroline wissen, „Du warst es doch erst, der sie in den Dornröschenschlaf versetzt hat. Um Bonnie zu quälen, wenn ich mich richtig erinnere. Warum solltest du auf einmal deine Meinung ändern? Oder willst du sie nur aufwecken damit sie zusammen mit uns anderen von Cade gequält werden kann?! Denn wenn das so ist, dann verzichten wir, und warten lieber darauf, dass sie von Selbst aufwacht."
Stefan gab ihr darin recht, und startete einen neuen Versuch Kai anzugreifen, doch der andere Vampir war wieder schneller als er. „Habt ihr nicht gesagt, dass ihr Magie braucht? Ich biete mich gerne an", erklärte er, „Für alles, was ihr braucht."
„Wir haben genug von deinen Tricks, Kai", meinte Matt, „Keiner fällt noch mal auf dich herein."
„Denkst du wirklich, dass wir dich leben lassen würden, nach dem was du mit Liv und Jo gemacht hast?", fügte Tyler hinzu.
„Ja, das denke ich", erklärte Kai, „Wenn ich euch die folgenden magischen Worte sagen: In Wahrheit bin ich deswegen hier, weil ich Cade genauso gerne aufhalten möchte wie ihr."
Beinahe alle anderen Anwesenden schnaufen ungläubig, als sie das hörten. „Ja, klar, weil er dich zurück auf die Erde schicken würde, wenn du in Wahrheit gegen ihn bist", meinte Caroline voller Ironie.
Kai rollte theatralisch mit den Augen. „Ich war in der Hölle, wurde gefoltert, ziemlich ausgiebig, von Cade persönlich, und wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt, war das nicht gerade angenehm. Als er dann also gefragt hat, wer von seinen Gästen mit Erfahrung mit einer gewissen Mystic Falls Gang, bereit ist sicherzustellen, dass bei seiner Rückkehr auf die Erde auch nichts schief geht, und als Belohnung dafür zurück geschickt wird und sich an besagter Mystic Falls Gang rächen kann, ja, da habe ich so schnell ich konnte meine Hand gehoben und mich freiwillig gemeldet. … Weil ich nicht mehr gefoltert werden wollte, natürlich! Und stellt euch vor, ich will auch weiterhin nicht gefoltert werden, und so verlockend die Vorstellung ist mich an euch allen zu rächen, noch verlockender ist die Vorstellung mich an Cade zu rächen. Ja, ihr nervt mich, aber er, er denkt, dass er der König der Unterwelt ist, und das nervt mich noch mehr", erklärte er geduldig, „Außerdem gibt mir niemand Befehle, noch nicht einmal der Teufel in Person. Also habt ihr die Wahl, ihr könnt mich töten und direkt zurück zu Cade schicken, oder ihr arbeitet mit mir daran Cade aufzuhalten, danach hebe ich den Zauber, der auf Elena liegt, auf, und als Gegenleistung verzichtet ihr darauf mich umzubringen. Haben wir einen Deal?"
Stefan hätte Kai wirklich gerne umgebracht. Und da sprach nicht einmal sein innerer Ripper aus ihm, sondern einfach nur seine rechtschaffene Wut. Kai Parker war ein Monster, der schlimmsten Sorte, das nicht davor zurückgeschreckt hatte seine eigene Familie auszulöschen, und das sich niemals ändern würde, und dem man auf keinen Fall trauen konnte.
Aber leider machte das, was er sagte, Sinn, denn natürlich wäre das typisch Kai – so tun als wäre er bereit zu kooperieren und seinem neuen Verbündeten dann in den Rücken fallen, um sich so rächen zu können.
Aber er war Kai, verdammt. Stefan wollte ihn nicht davon kommen lassen. Dieses Mal wollte er derjenige sein, der ihn tötete. Also ließ er den anderen nicht einmal die Chance das Angebot des irren Häretikers in Betracht zu ziehen, sondern stürmte wieder auf Kai los, doch dieses Mal ergriff Kai nicht die Flucht, sondern bekämpfte ihn – er packte Stefan am Arm, und begann dann damit Stefans Magie aus ihm auszusaugen, und das nicht zu knapp. „Oh, da ist jemand nicht ganz so schnell wie er eigentlich sein sollte…. Rieche ich da einen Fluch an dir, oder einfach nur den Wunsch zu sterben?", spottete Kai.
Stefan konnte spüren wie das Leben aus ihm wich. Er versuchte sich loszureißen, aber Kai packte nun auch noch seinen anderen Arm.
„Stopp!", hallte Carolines Ruf durch die Straße, „Stopp, Kai! Du hast gewonnen, wir gehen auf den Deal ein!"
Kai ließ Stefan los, und dieser taumelte geschwächt zu Boden. Er blickte auf, und konnte Kais triumphierendes Grinsen sehen. „Ich wusste ja, dass wir uns einig werden", meinte dieser.
Bonnie packte Damons Jacke und zerrte Henry so näher an sich heran. Wie gehofft verlor dieser damit das Gleichgewicht, und sein Stich ging nicht an die Stelle, auf die er gezielt hatte, sondern bohrte sich stattdessen in Bonnie Schulter. Ohne zu zögern biss sie ihn in seine Hand. Er ließ das Skalpell los, ließ es in Bonnies Schulter stecken, und fluchte ausgiebig. Bonnie packte seine Jacke fester, versuchte nicht auf den Schmerz in ihrer Schulter zu achten und rammte dann ihren Kopf in Henrys Körper. Sie traf seinen Brustkorb, was ihr vermutlich mehr weh tat als ihm, aber zumindest irritierte es den Vampir, der sich aus seiner Jacke befreite und von der Liege wegsprang.
Bonnies Waffe war nun also Damons Jacke, mit der sie sich nicht sonderlich gut verteidigen konnte, doch solange sie immer noch festgeschnallt war, konnte sie nicht an das Skalpell in ihrer Schulter herankommen. Sie tastete nach der Tasche der Jacke und fand dort, was sie sich darin erhofft hatte, zu finden.
„Das war sehr mutig, aber auch sehr dumm", stellte Henry fest, „Was hast du dir davon erhofft? Du kannst dich kaum bewegen, kannst deine Magie nicht benutzen … was hast du gedacht das passiert?!"
Vergib mir Damon … Bonnie hielt ihre Waffe bereit unter Damons Jacke versteckt und wartete dann ab, bis Henry wieder vor sie getreten war und sich über sie beugte um das Skalpell aus ihrer Schulter zu ziehen. Dann ließ sie ihre Hand unter der Jacke hervorschnellen und klickte mit dem Feuerzeug. Damons T-Shirt fing, wie es zu erwarten gewesen, war schnell Feuer.
Henry fluchte und taumelte zurück, und tat sein Möglichstes um sein brennendes T-Shirt zu löschen. Das Skalpell hatte er fallen gelassen, aber außerhalb von Bonnies Reichweite. Sie ihrerseits ließ das Feuerzeug fallen, umklammerte wieder die Jacke und schlug mit dieser nach dem Rollwagen.
Ihr erster Versuch ging fehl – immerhin war der Bewegungsradius ihrer Hand eingeschränkt und sie konnte ihren Kopf kaum drehen. Sie gab aber nicht auf, und startete einen zweiten Versuch. Diesmal gelang es ihr zu treffen, und das andere Ende der Jacke blieb auf den Instrumententablett liegen.
Bonnie zog an der Jacke, was dazu führte, dass sämtliche Instrumente von dem Tablett gewischt wurden und klirrend auf den Boden aufprallten.
Henry baute sich wieder vor ihr auf, und entriss ihr die Jacke. „Sehr witzig", meinte er, „Ich hoffe, du hattest deinen Spaß. Aber nichts davon ändert irgendetwas an deiner Lage. Deine Schulter blutet, du kannst dich nicht bewegen, und bist immer noch meine Gefangene. Ich bewunderte deinen Widerstandgeist. Wirklich. Aber mehr hat dir diese Aktion nicht eingebracht." Er schnappte sich das Feuerzeug und ließ es in seine Jeanstasche gleiten.
„Und da es mir nicht darum geht dich zu heilen, sondern darum dir weh zu tun, schert es mich nicht sonderlich, ob meine Instrumente steril sind oder nicht", fuhr er fort, und dann bückte er sich um die am Boden verteilten Instrumente aufzusammeln.
Bonnie sah ihm dabei zu und wartete bis sein Hinterteil in die Reichweite ihrer Füße kam, und trat dann nach ihm. Ihr Fuß traf zwar, bewirkte aber gerademal, dass Henry empört auffuhr. „Wirklich? Du gibst nicht auf, oder?", stellte er fest, „Ich glaube, es ist dringend an der Zeit, dass ich dir eine Lektion erteile…."
„Du kannst mir nichts Schlimmeres antun als mich umzubringen. Folter hin oder her, mit Schmerzen komme ich klar", keuchte Bonnie, deren Schulter langsam aber sicher damit begann wirklich weh zu tun, was ihr immer schwerer fiel zu ignorieren.
Henry funkelte sie an. „Denkst du das also, ja? Nun, dann müssen wir eben kreativ werden, nicht wahr? Ich brauche dich lebend, vom guten Enzo war aber nie die Rede", meinte er, „Warte einen Moment und genieß deine Schmerzen, sie sind erst der Anfang." Und dann ging er endlich los Enzo zu holen.
Bonnie zerrte so heftig sie konnte an ihren Fesseln. Doch in einem hatte Henry recht, es gab kein Entkommen aus diesen Schnallen. Immerhin hatte ihr selbsternannter Foltermeister im Laufe seines Lebens viel Erfahrung darin gesammelt, wie man jemanden daran hinderte zu entkommen, wenn man ihn erst einmal in so einer Position hatte.
Henry kehrte mit Enzo zurück, schob den etwas unsicher auf den Beinen vor sich hin stolpernden Vampir rüde vor sich her. „Du musst Enzo entschuldigen", erklärte er, „Er ist fast bis oben hin voll mit Eisenkraut. Ich konnte ihm zwar nicht zu viel geben, da er sonst nichts mehr spüren würde, aber gerade genug damit er mir keinen Ärger mehr machen kann, ist es auf jeden Fall. Wenn du dir also eine Rettung durch den großen starken Vampirritter erhofft hast, dann muss ich dich enttäuschen."
„Du kennst Bonnie schlecht, wenn du denkst, dass sie diejenige ist, die gerettet werden muss", lallte Enzo.
„Nun, dann eben: Dieses Mal wird sie auch dich nicht retten können, mein Freund", meinte Henry kompromissbereit, und zwang Enzo dazu auf einem Schreibtischsessel Platz zu nehmen, an dem er den anderen Vampir dann festband. Nachdem er damit fertig war, positionierte er Enzo gut sichtbar in Bonnies Sichtfeld.
„Wollen wir anfangen?", meinte er, und griff nach seinen Instrumenten.
„Also, was haben wir?" Kai rieb sich voller Vorfreude die Hände. „Etwas Brainstorming, los jetzt. Wie hattet ihr vor Cade aufhalten?"
Diese Frage brachte ihm vor allem ablehnende Blicke ein. „Beeilt euch lieber, es kann sich nur um Minuten handeln, bevor sich diese Sirenenüberreste regenerieren. Los, los!" Er trieb sie mit kreisenden Handbewegungen zur Eile an.
Caroline verdrehte die Augen. „Seline wollte die Glocke mit einem Zauber zerstören", gab sie zu, „Aber der hat nicht funktioniert."
„Und?" Kai sah sie erwartungsvoll an, und ließ seinen Blick dann über Tyler, Matt, Peter, Stefan, und Mary Louise gleiten.
„Was und?"
„Und das war's? Ein Versuch, der fehl ging, und dann … habt ihr einfach aufgegeben?", vergewisserte sich der Hexer-Vampir.
Keiner hatte etwas darauf zu erwidern. „Okay, was wissen wir denn über diese Glocke?", wollte Kai dann wissen.
„Matts Vorfahren haben sie geschmiedet, sie muss von einem Erben seiner Blutlinie zwölfmal geläutet werden um eine Brücke zu Cades Dimension zu schlagen, sie ist magisch…" Tyler zuckte die Schultern.
„Vorhin war allerdings etwas", setzte Matt an, und zögerte dann; das war nichts, was er ausgerechnet vor Kai auspacken wollte, aber die einzige andere anwesende Hexe, Mary Louise, stand immer noch unter dem Einfluss des Fluches und schien nur halb anwesend zu sein. Und jetzt, wo er damit begonnen hatte, warfen ihm alle erwartungsvolle Blicke zu. „Als ich die Glocke berührt habe, da wurde sie warm, beinahe heiß."
„Einfach so? Du hast nichts anderes getan als sie berühren?", wollte Kai wissen.
„Nun, nein, ich habe geblutet, und mein Blut hat die Glocke berührt, und daraufhin hat sie sich erwärmt", gab Matt zu.
Mary Louise schien aus ihrer Starre zu erwachen und warf ihm einen aufmerksamen Blick zu. Kai schnippte mit den Fingern. „Da habt ihr es, das fehlende Element. Ihr habt es selbst gesagt, diese Glocke ist mit deiner Blutlinie verbunden, was ihr gebraucht hättet um sie zu vernichten war Blut, dein Blut oder das eines Verwandten", meinte er.
„Mein Blut kann die Glocke zerstören?" Matt warf einen irritierten Blick auf die Glocke. „Von wie viel Blut sprechen wir?", wollte er wissen.
„Tja, was das angeht…" Kai maß die Glocke kritisch. „Wenn man bedenkt wie Cade und seine Diener ticken, und die Größe von dem Ding mit einkalkuliert …. Ich würde sagen, es braucht ein Menschenopfer", befand er.
„Auf keinen Fall", sagte Caroline sofort, „Das kannst du gleich wieder vergessen!"
„Hey, das ist nicht auf meinen Mist gewachsen, ich sage auch nur wie es ist. Seline hätte das wissen müssen, vielleicht wollte sie es ja nur nicht wahrhaben. Aber sagt mir, dass ich mich irre. Miss Häretikerin?" Kai blickte Mary Louise herausfordernd an.
Sie zögerte sichtlich. „Ich fürchte, er hat recht", gab sie dann zu, „Alle alten Zirkel wissen, dass Blutmagie nicht nur einfach so Blutmagie heißt. Es ist oft sehr wörtlich gemeint."
„Okay, aber was, wenn wir einfach den Klöppel zerstören. Würde das nicht ausreichen?", wollte Tyler wissen, „Für den brauchen wir sicherlich viel weniger Blut."
„Nette Idee, aber selbst ohne Klöppel könnte die Glocke immer noch geschlagen werden", meinte Kai, „Während ein Klöppel ohne Glocke um einiges nutzloser für das Heraufbeschwören von Höllentönen wäre. Nein, wenn ihr Erfolg haben wollt, dann müsst ihr die Glocke zerstören." Er warf Matt einen vielsagenden Blick zu. „Tut mir ja leid für dich", fügte er hinzu.
„Ich kann es ja tun", bot sich Peter an, „Wenn schon jemand sterben muss, um diesen Wahnsinn zu beenden, dann sollte ich es sein. Ich bin all die Jahre vor meiner Verantwortung davon gelaufen, es wird Zeit, dass ich mich ihr stelle. Wenn mein Tod die Welt retten kann, Matt, und dich, dann bin ich bereit ihm entgegen zu treten."
Matt traute seinen Ohren nicht. „Nein, Dad, auf keinen Fall", meinte er sofort, „Es muss eine andere Lösung geben…"
Kai seufzte tief, und dann rannte er los.
Matt wusste sofort, was er vorhatte, doch sein Warnschrei kam zu spät.
Als Caroline Kai von Matts Vater wegzog, blutete dieser bereits böse auf die verdammte Glocke.
„Kommt schon, verschwendet das Opfer des guten Mannes nicht!", rief Kai aus, als ihm Caroline einen Kinnhaken verpasste, und das schien Mary Louise endlich endgültig aufzuwecken, sie rannte zur Glocke hinüber und murmelte einen Zauber, während Matt und Tyler ebenfalls losrannten. Sie erreichten blutenden Mann gerade noch rechtzeitig um ihn von der Glocke herunter zu hieven, bevor diese von einem pinken Schein umgeben aufleuchtete und dann mit einem Mal in Flammen aufging.
„Seht ihr, ich hab ja gleich gesagt, dass es klappen wird", meinte Kai, der gerade wieder auf die Beine kam.
„Dad, Dad, hörst du mich?", wollte Matt wissen, und schüttelte seinen Vater sanft aber bestimmt.
„Matt." Peter schlug seine Augen auf. „Sei nicht traurig, ich wollte es so. Ich bedauere nur, dass ich nie mehr die Chance haben werde deine Vergebung zu erringen", keuchte er.
„Aber die hast du doch schon längst", erklärte ihm Matt ehrlich, und kämpfte mit den Tränen, „Ich habe es bisher nur nicht ausgesprochen, weil ich es selbst nicht wusste. Bitte, stirb nicht. Wir haben uns doch gerade erst kennengelernt. Ich will, dass wir eine Familie werden. Ich will dich jetzt nicht verlieren…."
„Hier". Mary Louise kniete sich neben ihn, und hielt Peter ihr blutendes Handgelenk hin. „Hier, trinken Sie schnell. Vielleicht ist es noch nicht zu spät, vielleicht hilft es noch etwas…."
Matt warf ihr einen dankbaren Seitenblick zu, doch er wusste tief in sich, dass es vermutlich zu spät war, dass es nichts mehr helfen würde, nicht nachdem, was Kai seinem Vater angetan hatte. Peter schien sie auch gar nicht richtig wahrzunehmen und reagierte kaum auf das ihm dargebotene Handgelenk.
„Bring ihn ins Krankenhaus. Gib ihm dein Blut und bring ihn ins Krankenhaus, vielleicht bringt das etwas", meinte Caroline.
Matt bezweifelte es, aber er wusste zu schätzen, dass sie es alle zumindest versuchten, dass sie alle versuchten seinen Vater zu retten, zumindest alle bis auf….
„Hey, Moment mal, wo ist Stefan?", fragte Caroline dann, und Matt sah sich mit tränenverschleierten Augen um und stellte fest, dass der jüngere Salvatore-Bruder tatsächlich verschwunden war.
Stefan sah es immer noch vor sich, den Moment, in dem Kai Peter Maxwell angegriffen hatte, und er nur wie erstarrt daneben gestanden war, der Moment, in dem er nichts hatte tun können, wieder einmal nur hatte zusehen können wie Kai Parker Leben zerstörte.
Und dann hatte er sie gesehen. Sie musste einfach eine weitere Erscheinung gewesen sein, nicht wahr? Und trotzdem war er ihr gefolgt. Er wusste selbst nicht warum.
„Was erhoffst du dir, Stefan? Vergebung, Vergebung wirst du nie erhalten", hauchte ihm Cade ins Ohr, doch er ignorierte ihn. Und die Erscheinung, sie, der er gefolgt war, sie schien auch verschwunden zu sein.
Was ist hier eigentlich los? „Da ist ja, der Verräter!" Mit einem Mal stand Sybil vor ihm. „Verräter gehören bestraft, findest du nicht auch?" Und dann, bevor er reagieren konnte, legte sie ihre Hände links und rechts auf seinem Kopf, und dann….
… explodierte irgendetwas in seinem Inneren.
Er ging zu Boden, konnte nichts mehr sehen, nur noch Dinge hören.
„Und was jetzt?", sagte eine Stimme, die sich anhörte wie die von Alex St. John.
„Jetzt suchen wir die Maxwells und zwingen sie dazu uns eine neue Glocke zu schmieden", erwiderte Sybils Stimme, „Noch ist es nicht vorbei. Noch können wir gewinnen."
„Und was ist mit dem?", wollte Alex St. Johns Stimme wissen.
„Lass ihn liegen, der da kann niemanden mehr schaden, dafür habe ich gesorgt", erwiderte Sybil, „Und er ist nur der Erste, den unsere Rache treffen wird."
Und dann verklangen die Stimmen, und danach hörte Stefan gar nichts mehr.
A/N: Na ja, es wäre nicht Kai, wenn er nicht versuchen würde irgendjemanden umzubringen. Armer Matt.
Und arme Bonnie. Ja, das war ein ziemlich brutales Kapitel.
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