Teil 10: Durch dunkle Nacht zum Happy End


I.


„Was denkst du, Stefan?", wollte Elena von ihm wissen.

„Dass ich nicht daran glauben kann, dass es wirklich vorbei ist", gab Stefan zu, „Dass der Alptraum zu Ende ist." Ihm schauderte bei dem Gedanken daran, dass das in Wahrheit möglicherweise überhaupt nicht der Fall war. Dass das hier nur wieder ein neuer Trick von Sybil war, eine neue Stufe der Grausamkeit in seiner Bestrafung.

„Was ist mit dir passiert?", wollte die brünette junge Frau von ihm wissen.

„Zuerst wurde ich verflucht, geriet damit unter Cades Bann, und dann hat Sybil noch irgendetwas mit meinem Kopf gemacht, alles durcheinander gebracht", erklärte Stefan, „Meine Vergangenheit, alle meine Taten, sie sind auch mich eingestürzt, alle auf einmal. … Vielleicht ist das ja der Grund, warum ich nicht glaube, dass es vorbei ist, weil ein Teil von mir der Meinung ist, dass ich Strafe verdient habe. Nicht dafür, dass ich Cade verraten habe, natürlich, sondern für alles andere, was ich getan habe."

Elena drückte seine Hand. „Was nützt es dir dich selbst für Dinge zu bestrafen, die du nicht mehr ungeschehen machen kannst?", wollte sie wissen.

„Nichts, das weiß ich. Aber trotzdem ändert das nichts an meinen Gefühlen. Die Schuld wird immer da sein. Die Schuld und die Furcht davor, dass ich jemals niemals wirklich ändern kann. Dass er nächste Rückfall schon hinter der nächsten Ecke lauert", meinte Stefan, „Was, wenn ich eines Tages eine Grenze überschreite, von der es kein Zurück mehr gibt? Was wenn ich eines Tages jemanden umbringe, dessen Tod mir niemand verzeihen kann?"

„Meinst du nicht eher, dessen Tod du dir niemals verzeihen kannst?", hielt Elena dagegen, und das traf es in Wahrheit ganz gut. Vielleicht war seine Sorge nicht, dass er eines Tages etwas tun könnte, das dazu führen würde, dass sich Caroline oder Damon für immer von ihm abwandten, sondern eher, dass er eines Tages etwas tun könnte, dass er sich selbst niemals verzeihen könnte.

„Über alles übrig musst du dir keine Sorgen machen", meinte die junge Frau zu ihm, „Selbst wenn sich alle anderen von dir abwenden sollten, ich würde es niemals tun. Ich liebe dich, Stefan. Ich habe dich immer geliebt." Und dann beugte sie sich vor und schien ihn küssen zu wollen. Stefan wich ihrem Mund aus.

„Ich liebe dich auch, Elena, das weißt du. Aber nicht mehr auf diese Art. Die Frau, die ich auf diese Art liebe, ist Caroline", erklärte Stefan schnell, „Und was dich angeht, du bist auch nicht mehr in mich verliebt. Wir haben das alles hinter uns gelassen, weißt du noch? Selbst als du vergessen hattest, was du für Damon empfunden hast, ist uns beiden klar gewesen, dass unsere Zeit vorbei ist, und die Zukunft, dir wir uns zusammen erträumt haben, keine ist, die für uns beide bestimmt ist. Deine Zukunft ist Damon und meine ist Caroline. Wir werden immer Freunde sein, aber alles andere, das ist vorbei. Und das weißt du auch. Dein Schlaf hat dich nur verwirrt."

Elena seufzte. „Du hast recht, entschuldige", meinte sie, „Wir beide, wir werden niemals zusammen glücklich werden, das weiß ich. Aber ernsthaft … Caroline? Eine bessere Lückenbüßerin hast du nicht finden können?!"

Stefan blinzelte. Das klang jetzt aber eindeutig nicht nach Elena. Oder war das hier doch nur wieder eine Halluzination? Aber sie hat mich berührt! Ich konnte sie anfassen! Tatsächlich hielt sie immer noch seine Hände in ihren. Das bedeutete ….

„Katherine!", stellte er erbittert fest und ließ ihre Hände abrupt los.

Katherine lachte leise. „Du fällst auch wirklich jedes Mal darauf herein", stellte sie fest, „Ich musste es einfach noch einmal ausprobieren. Ein letztes Mal Elena Gilbert spielen und hoffen, dass die letzten Jahren dich zur Vernunft gebracht haben und von deinem Märtyrer-Komplex geheilt haben. Ich hatte gehofft, dass du nicht mehr auf die Frau, die du willst, verzichtest, nur weil Damon sie auch liebt. Aber wie sich zeigt, haben sich deine Gefühle geändert. Aber ausgerechnet Caroline Forbes? Die ist doch so gar nicht dein Typ!"

„Was weißt du schon von meinem Typ? Du hast mich nur dazu gebracht mich in dich zu verlieben, weil du mir jemanden vorgespielt hast, den es nicht gibt. Wann siehst du endlich ein, dass ich dich niemals wählen werde, nie wieder?! Fluch oder nicht, Sirene oder nicht, Cade oder nicht, ich würde mich niemals für dich entscheiden, akzeptier das endlich!", schleuderte Stefan ihr entgegen, „Schon gar nicht nach all dem, was du dir zuletzt geleistet hast!"

Katherine verdrehte die Augen. „Meinst du etwa diese kleine Episode, in der ich Elenas Körper gestohlen habe? Also bitte, das ist Schnee von gestern. Was hätte ich tun sollen? Ich wäre gestorben und wollte überleben - du kennst mich doch, zu Überleben ist immer mein oberstes Ziel gewesen. Dass ich ausgerechnet Elena ausgewählt habe … nun, das war nicht aus Bösartigkeit heraus, sondern deswegen weil ich mich an mein Gesicht gewöhnt habe. Und ja, vielleicht auch ein kleines bisschen deswegen, weil ich mir immer noch erhofft habe dich für mich erobern zu können. Aber jetzt weiß ich es besser", erklärte sie abwertend, „Und habe auch nicht mehr vor weitere Körper zu stehlen. Ich will natürlich immer noch leben. Aber ich habe nicht mehr vor Elena Gilbert zu spielen."

Was Stefan daran erinnerte, dass Katherine eigentlich tot sein sollte. Sie war gestorben. Bonnie hatte gesagt, dass sie gesehen hatte, wie ihre Seele von Etwas geholt worden war, das sie daran gehindert hatte auf die Andere Seite zu gelangen. Von Etwas … furchteinflößenden.

„Cade", stellte Stefan fest, „Er hat dich geholt, und in seinem Reich hast du die letzten Jahre verbracht."

Katherine zuckte die Schultern. „Jede Minute dort war eine zu viel", meinte sie, „Cade hat mich gequält, hat mich gefoltert, wollte mich dazu bringen, dass ich an meinem eigenen Leid, an meiner eigenen Schuld, ersticke. Und da ist es mir klar geworden, Stefan, nicht der Teufel ist die Hölle, jeder ist für seine eigene Hölle verantwortlich. Meine Eltern, Nadia, mein Heimatdorf, meine Freunde, all jene, dich ich im Stich gelassen habe, die haben mich verfolgt. Viel mehr als das Feuer und die Schmerzen."

„Also hast du … was? Einfach beschlossen, dass du dich nicht mehr schuldig fühlst?", wollte Stefan etwas verschnupft wissen. Als ob man das einfach so entscheiden könnte!

„Ja, genau, weil mir klar geworden ist, dass diejenigen, die mich geliebt haben, nicht wollen würden, dass ich leide. Ich habe viele schlimme Dinge gemacht, daran besteht kein Zweifel, aber, wenn ich Cade die Gelegenheit einräume mich mit ihnen zu quälen, dann erlaube ich ihm Macht über mich", sagte Katherine, „Und ich weigere mich jemanden Macht über mich zu erlauben, der diese nur missbraucht. Das habe ich schon beschlossen, als ich noch ein junges Mädchen war, dem klar wurde, dass sein Versprochener vor hat es zu opfern anstatt es zu heiraten."

Stefan schüttelte den Kopf. „Also hast du den Teufel bekämpft und bist ihm entkommen. Willst du mir das damit sagen?", wollte er wissen.

„Ich habe den Teufel ausgetrickst und bin so entkommen. Was ich dir sagen will ist dass du niemanden gerecht wirst, indem du einfach nur … herumliegst und dich schuldig fühlst. Als ich erfahren habe, was Klaus mit meiner Familie gemacht hat, da hätte ich einfach aufgeben können, aber das habe ich nicht. Stattdessen habe ich beschlossen so lange wie es mir irgendwie möglich ist zu überleben, weil ich das allen anderen schuldig war. Ich war ihnen, die für mich gestorben sind, schuldig ein möglichst langes und erfülltes Leben zu führen. Und genau das ist bei dir auch der Fall, Stefan Salvatore! All deinen Opfern bist du es schuldig weiter zu machen und ein Leben zu führen, das sie ehrt. Dein furchtbar schrecklich langweiliges Gutmensch-Leben, das musst du ihretwegen weiterführen, verstehst du?", erklärte ihm Katherine, und Stefan kam diese ganze Rede doch reichlich merkwürdig vor.

Ja, der Fluch hatte ihn vermutlich immer noch in seinem Bann, und ja, er fühlte sich wegen all dem immer noch schuldig, doch zuletzt hatte er sich von der Macht, die alle anderen über ihn hatten, losgerissen, er hatte die Sirenen und Cade verraten, und nun hatte er auch das, was Sybil mit seinem Kopf gemacht hatte, abgeschüttelt und war wieder klar im Kopf. Und genauso hatte ihn Katherine doch auch gefunden, oder nicht? Andernfalls könnte sie gar nicht ihm reden, weil er immer noch in seinem eigenen Kopf gefangen wäre, und ….

Stefan blickte sich um. Bisher war ihm das noch gar nicht aufgefallen, aber er befand sich am Jahrmarkt, er stand direkt unter dem Riesenrad, auf dem er und Elena ….

„Du bist in meinem Kopf", wurde ihm klar, „Das alles hier … das ist gar nicht real."

Katherine sah ihn an, und ihre Miene spiegelte echtes Mitleid wieder. „Diese Sirene hat dich ziemlich hart erwischt, Stefan. In der wirklichen Welt sitzt du im Moment gerade katatonisch unter einem Baum. Und das hier … das ist nicht mein erster Versuch in deinen Kopf einzudringen. Du hast es mir ziemlich schwer gemacht dich zu finden, das kannst du mir glauben", erklärte sie, „Und ja, ich wusste, dass ich keine Chance hätte an dich ran zu kommen, wenn ich Katherine auftreten würde, deswegen … Auftritt Elena. Ich musste dein Unterbewusstsein dazu bringen mir zu vertrauen, damit du mir zuhörst. Das hier, das alles" sie deutete auf den Jahrmarkt „ist eine Projektion deines Unterbewusstseins. Du bist in deinem eigenen Geist gefangen und nicht gewillt aufzuwachen. Ich habe wirklich alles versucht um dich zu wecken, bevor ich das hier versucht habe."

Sie schüttelte den Kopf. „Ich weiß, dass du mir nie geglaubt hast, dass ich dich liebe, dass du denkst, dass ich zur Liebe gar nicht fähig bin, aber ich liebe dich, Stefan, habe dich immer geliebt. Und ja, ich bin verdammt sauer auf dich und alle anderen, weil ihr zuerst meinen Körper getötet habt und dann auch noch meinen Geist … ja, ja, ich weiß, ihr konntet nicht wissen, was passiert, wenn ihr mir das Heilmittel gebt, yada yada. Der Punkt ist, ich bin verdammt sauer auf euch, weil ihr eure Leben einfach ohne mich weitergelebt habt, weil ihr von der Anderen Seite zurückgekommen seid, während ich von Cade gefangen gehalten und gequält wurde. Aber obwohl ich verdammt sauer auch euch bin, will ich dich nicht leiden sehen, zumindest nicht so. Ja, vielleicht wünsche ich mir heimlich, dass Caroline mit irgendeiner Vampirhautkrankheit aufwacht, und ihr beide eine schrecklich hässliche Trennung erlebt, aber das hier, das wünsche ich dir definitiv nicht. Hör also auf mich, wenn ich dir sage, dass niemand mehr Macht über deinen eigenen Geist hat als du. Hör auf mich, wenn ich dir sage, dass die einzige Person, die dich in deinem Geist gefangen hält, du selbst bist."

„Ich…." Stefan konnte sehen wie der Jahrmarkt um sie herum verschwamm, immer undeutlicher wurde, und sich dann ganz auflöste. Er konnte immer noch Katherines Stimme hören, aber dann, wenige Momente später, war sie verschwunden, und er fand sich in Monterey wieder, kritzelte seine Namensliste an die Wand, und fühlte sich unglaublich schuldig.

Was Katherine Pierce anging, so war er überzeugt davon, dass sie vor Jahren schon gemeinsam mit den anderen Vampiren der Stadt in der Kirche von Mystic Falls verbrannt worden war. An ihre Begegnung erst wenige Momente zuvor konnte er sich nicht mehr erinnern.


Im Grunde war es ganz einfach: Damon hatte kein Interesse daran den Teufel zu töten. Wie er gesagt hatte, er war froh den verdammten Cade und seine Sirenen endlich los zu sein! Und nun sollte er sich mit dem Kerl erst wieder anlegen, nur um Kai Parker zu retten? Und Katherine Pierce?! Hah! Als würde einer von beiden nicht schon ausreichen um ihm seine Laune zu verderben, musste sich auch noch herausstellen, dass beide zurück waren, beide wieder lebten, und ihm beide auf die Nerven fallen wollten, und das noch dazu zusammen. Die unheilige Allianz der Ks würde ihn ja normalerweise am Hintern vorbeigehen, aber er wusste, dass beide gute Gründe hatten ihn im Speziellen und seine Freunde im Allgemeinen zu hassen, und seine komatöse Liebste und seinen verschollenen Bruder genauso.

So gesehen wäre es klüger sich mit ihnen gut zu stellen und ihnen bei ihren wie auch immer lautenden Wahnsinnsplan zu helfen. Nur wollte er das wirklich nicht. Sie alle hassten Kai und waren froh gewesen ihn tot zu sehen, und Katherine Pierce zählte ebenfalls nicht gerade zu ihren Lieblingspersonen.

Das Problem war aber, dass Kai Parker sich noch niemals mit dem Wort „Nein" abgefunden hatte, und sicherlich jetzt nicht damit anfangen würde, während Katherine Mittel und Wege kannte um das zu bekommen, was sie wollte. Und alleine der Gedanke, dass sie irgendwo dort draußen frei herumrannte und katherinische Dinge tat, beunruhigte ihn. Sie beide waren nicht gerade als Freunde auseinandergegangen, und sie hatte schon einmal versucht Elena umzubringen um ihren Platz einzunehmen, und ihre Besessenheit von Stefan war der Stoff für Legenden, der sich durch keinen Doppelgänger-Fluch erklären ließ.

Am liebsten hätte Damon alles stehen und liegen gelassen und sich auf die Suche nach ihr begeben, aber die Zeiten, in denen er diese Frau sein Leben bestimmen ließ, hatte er hinter sich gelassen, und er hatte nicht vor sie wieder aufleben zu lassen.

Kurz gesagt, er wusste nicht, was sie tun sollten. Jeder würde zu diesem Thema seine eigene Meinung haben, das wusste er jetzt schon, und sie würden alle denken, dass sie sich einig wären, bis entweder Kai oder Katherine ein unerwartetes Ass aus dem Ärmel zaubern würde, was alles auf den Kopf stellen würde, und ihn dazu bringen würde etwas Dummes zu tun, was die anderen gegen ihn aufbringen würde. Das war ihm schon jetzt klar, einfach deswegen weil es mit den beiden doch immer so lief.

„Hchhh….", zischte er.

Es auch in deinem Interesse, Damon", hatte Kai ihm erklärt, „Denn was denkst du, wo du landen wirst, wenn deine Zeit hier auf Erden abgelaufen ist? Es gibt für jemanden wie dich keine ‚Du kommst aus der Hölle Frei'-Karte, außer es gibt keine Hölle mehr."

Natürlich hatten Caroline, Ric, und Bonnie alle überzeugt erklärt, dass das Unsinn war, und niemand von vorne herein verdammt war, und dass niemand wissen konnte, wo Damon landen würde, wenn er einst starb. Aber ein Teil von Damon wusste es besser - der Teil, der damals vor all den Jahren in diesem Farmhaus gestanden hatten und realisiert hatte, was er gerade getan hatte, dass er unschuldigen Frauen und Deserteuren, deren einziges Verbrechen es gewesen nicht für die falsche Seite im Krieg kämpfen zu wollen, den Tod gebracht hatte, dieser Teil, der damals verstanden hatte, dass er sich mit dieser Tat zur Hölle verdammt hatte, wusste auch, dass er sich nachher mit jeder anderen falschen Tat seinem Schicksal nur noch deutlicher verschrieben hatte.

Er war nicht Stefan, er glaubte nicht daran, dass man böse Taten durch gute aufwiegen konnte, er glaubte nicht daran, dass man sich aus der Hölle freikaufen konnte, indem man sich änderte. Getan war getan, nichts konnte das ungeschehen machen. Und je schlimmer die Taten, desto schlimmer der Schaden.

Stefan hatte all seine Sünden begangen, nachdem er zum Vampir geworden war. Er hingegen, hatte seinen Pfad schon lange davor eingeschlagen, hatte ihn in dem Moment eingeschlagen, als er sich der Armee angeschlossen hatte. Und irgendwann war ihm klar geworden, dass er zu viel auf sich geladen hatte um es je wieder vergessen zu können, und hatte nicht einmal mehr versucht trotz allem gut zu sein. Weil es sowieso keinen Sinn hatte gut zu sein, da man damit nichts wieder gutmachen konnte.

Dass er dann doch immer wieder versucht hatte gut zu sein, war weil andere das nicht nur von ihm erwartetet hatten, sie hatten es von ihm gebraucht. Stefan, Elena - sie hatten einen anständigen Damon gebraucht. Ein Grund dafür, warum er gerne ein Vampir war, war der, dass er so ewig leben konnte und sich niemals den Konsequenzen seiner Taten würde stellen müssen. Als er zugestimmt hatte das Heilmittel zu nehmen, da hatte er das getan, weil er lieber 60 bis 80 Jahre mit Elena verbringen wollte anstatt eine Ewigkeit ohne sie.

Dass ihr Weg sich am Ende unweigerlich trennen würden, das hatte er immer akzeptiert, während er zugleich gehofft hatte, dass er sich vielleicht ja doch irrte, und er vielleicht, nur vielleicht, nicht dort landen würde, wo er hingehörte.

Doch nun wusste er, dass es die Hölle gab, dass sie so real war, wie es die Andere Seite gewesen war, und dass dort ein mächtiges grausames Wesen herrschte, dass sich die Seelen derer holte, die voller Sünde waren. Wenn Kai ihm also sagte, dass er dort landen würde, dann erinnerte er ihn nur an etwas, das Damon lange Zeit tief in seinem Inneren immer für gegeben hingenommen hatte.

Aber er hatte geschworen, dass er nicht mehr egoistisch sein wollte. Dass er nicht mehr sich selbst vor alle anderen stellen wollte. Und sich mit Cade anzulegen, nur um seine Seele zu retten, und damit alle anderen in Gefahr zu bringen, das wäre auf jeden Fall egoistisch. Aber Kai und Katherine zu verärgern, wäre eben ebenfalls gefährlich…

Damon verspürte das dringende Bedürfnis mit seinem Therapeuten zu reden. Aber sollte er Sulez wirklich auch noch in all das hineinziehen? Alex hatte den Mann wegen seiner Verbindung zu Damon entführt, wer wusste schon was Kai ihm deswegen alles antun würde?

Damon hatte sich von allen anderen zurückgezogen, und war nervös vor der Waffenkammer auf und ab gelaufen um einen klaren Kopf zu bekommen (und Katherine abzufangen, falls sie sich nähern sollte), doch sein Kopf hatte sich nicht geklärt, und er wusste noch weniger als zuvor, was er tun sollte.

Und dann stand sie auf einmal vor ihm.

„Ugh. Da bist du ja!", stellte er wenig begeistert fest, als er Katherine Pierce erblickte, wie sie vor ihm stehen blieb und ihn kalt musterte.

„Es freut mich auch dich zu sehen, Damon", behauptete sie, „Hör zu, du musst mit mir kommen und Stefan retten."

Er hatte viel erwartet, das aber nicht, soviel gab er zu.

„Diese Sirene ist in seinen Kopf eingedrungen und hat darin umgerührt und seine psychischen Barrieren durchbrochen. Der Schock war zu viel für ihn, seine Schulgefühle haben ihn überwältigt, und er ist eine Art Katatonie verfallen. Ich habe versucht ihm zu helfen, hatte aber keinen Erfolg. Er ist überwältigt von all seinen Sünden, und nicht die Kräfte der Sirene halten ihn in seinem Zustand gefangen, seine eigene Schuld tut das", erklärte Katherine, „Und ich glaube, dass nur du ihm helfen kannst."

Damon lachte bitter. Er war sich nicht sicher, was ihn an dieser Behauptung mehr verwunderte, dass Katherine allen Ernstes vorgab, dass sie Stefan retten wollte, oder dass sie dachte, dass ausgerechnet er es könnte! Nun, vielleicht verwunderte es ihn nicht wirklich, dass sie Stefan retten wollte – immerhin war sie ja besessen von seinem Bruder, aber er war definitiv niemand, der geistig verwirrte Vampir-Ripper heilen konnte.

„Es mag dich überraschen, aber ich bin normalerweise nicht gerade ein positiver Einfluss in Stefans Leben", erklärte ihr Damon ruhig, „Wenn du ihm wirklich helfen willst, dann nimm Caroline mit, sie ist seine nicht mehr platonische Bewährungshelferin/Seelenverwandte."

Katherine schüttelte entschlossen den Kopf. „Nein, Damon, du musst es sein", meinte sie, „Es muss die Person sein, die er sich jetzt am meisten an seine Seite wünscht, die er sich immer schon am dringendsten an seine Seite gewünscht hat, wenn er in Schwierigkeiten war."

„Du irrst dich um etwa zwei Jahrhunderte, Katherine. Wie gesagt, frag Caroline, sie wird ihn schon dazu bekommen aufzuwachen", gab Damon zurück.

Katherine seufzte. „Ich weiß, dass du nicht viel von mir hältst, Damon, aber eines kannst du mir glauben: Ich kenne Stefan Salvatore, ich habe ihn schon immer gekannt. Ich weiß, welche Person ihm in der gesamten Existenz am Wichtigsten ist. Warum denkst du wohl habe ich damals vor all den Jahren dich ausgewählt?", erklärte sie.

„Häh?"

Katherine seufzte noch einmal. „Vor langer langer Zeit, Damon, da habe ich einen wunderbaren Mann getroffen, dem niemand wichtiger in seinem Leben war als sein Bruder. Ich habe mich in diesen Mann verliebt, mit meiner ganzen Seele", begann sie.

Damon zog eine Grimasse. „Igitt, erspar mit die Details über deine Liebe zu meinem kleinen Bruder, ich kenne dieses Lied", warf er ein.

Katherine schüttelte den Kopf. „Ich spreche nicht von Stefan, ich spreche von Elijah Mikaelson", korrigierte sie ihn.

„Oh."

„Wo war ich? Ach, ja ich habe mich in diesen Mann verliebt, und dachte er liebt mich auch, doch ich war seinem Bruder versprochen, und deswegen konnte unsere Liebe niemals sein, zumindest dachte ich, dass das der Grund ist. Aber dann fand ich heraus, dass besagter Bruder in Wahrheit nur mein Leben opfern wollte, und dass der Mann, den ich liebte, dass die ganze Zeit über gewusst hatte und sich trotz seiner Gefühle für mich niemals gegen seinen Bruder stellen würde, nicht einmal um mein Leben zu retten. Zwei Brüder, die einander immer mir vorziehen würden, selbst wenn es um die Frage meines Lebens ging. Ich habe das niemals vergessen. Und dann Jahrhunderte später traf ich auf Stefan Salvatore, der seinen Bruder Damon so sehr bewundert und geliebt hat, mehr als alle anderen, außer vielleicht mich. Und deswegen musste ich es einfach wissen, nicht wahr? Musste wissen, was passieren würde, wenn dieser Bruder aus dem Krieg heimkehrt, und er sich zwischen diesem Bruder und mir entscheiden müsste…." Katherine verstummte. „Und nach all den Jahren, Damon, da ist es so offensichtlich wie es vom ersten Tag an war: Wenn es hart auf hart kommt, dann würden auch diese beiden Brüder immer einander mir vorziehen. So sehr sie mich auch geliebt haben, letztlich war nicht ich es, ohne die sie nicht leben konnten. Zumindest in Stefans Fall war es tatsächlich so, dass er ohne dich nicht leben konnte und wollte, nicht wahr? Also ja, ich weiß welche Person Stefans Leben vom Tag seiner Geburt an bis heute mehr bestimmt hat als irgendjemand sonst. Die Person, mit der alles angefangen hat, die Ursünde." Sie deutete auf Damon. „Er hat sich so viele Dinge niemals verziehen, aber vor allen anderen hat er sich niemals verziehen, dass er dich damals vor all den Jahren verraten hat, indem er dich zur Verwandlung gezwungen hat. Ich war in seinem Kopf, vergiss das nicht - ich habe alles gesehen, was ihn quält. Nur du kannst ihn dazu bringen wieder aufzuwachen."

Damon hasste das Wissen, dass sie damit möglicherweise recht hatte. Und dass er sich trotzdem fragte, ob das hier nicht irgendeine Art Falle war. Vor allem wenn das, was sie ihm gerade erzählt hatte, stimmte.

Haben wir Katherine Pierce in unseren Leben wirklich Klaus und Elijah zu verdanken? Offenbar sind diese beiden wirklich der Ursprung von allem… Aber darüber konnte er sich auch immer noch später Gedanken machen. Jetzt im Moment ging es um Stefan. Und um die Frage, ob Damon ihm helfen konnte.

Zumindest schuldete er es ihm es zu versuchen. Er war sich zwar immer noch nicht sicher, ob er wirklich die richtigen Worte finden würde, und ob er wirklich derjenige wäre, der am besten dazu geeignet wäre Stefan zu helfen, aber wenn er derjenige war, den Stefan im Moment am meisten brauchte, dann war es keine Frage, dass er ihm helfen würde.

Denn das war eine viel eindeutiger Entscheidung als die, ob man versuchen sollte den verdammten Teufel umzubringen.


A/N: Wie angekündigt hat es länger gedauert bist dieser Teil kommt, aber dafür ist er auch länger als die bisherigen Teile.

Ja, natürlich war es Katherine und nicht Elena. Ich habe Katherine immer sehr gemocht und genossen (und war oft der Meinung, dass sie in manchen Staffeln zu wenig zu sehen war), und hätte sie als Hauptgegnerin für die 8. Staffel Cade und den Sirenen vorgezogen, aber natürlich wäre es problematisch gewesen den Hauptbösewicht 15 von 16 Folgen lang nicht zu sehen, also war das so oder so nie drinnen.

Auf jeden Fall war ich aber trotzdem etwas enttäuscht von ihrer „Ich vernichte Mystic Falls" aus Rache heraus Einstellung (auch, wenn ich es ihr nicht übel nehmen kann), die sie hier bei mir deswegen auch nicht hat. Was ich an den Ks mag, ist dass sie unberechenbar sind und gerade deswegen sind sie gute Charaktere, weil sie von Antagonisten zu Verbündeten hin und her wechseln können und man nie weiß, was man kriegt. Und nie wirklich weiß was in ihren Kopf vorgeht. Dafür habe ich eine Theorie, die ich mal über Katherine aufgestellt habe hier in dieses Kapitel eingebaut, nämlich warum sie sich mit beiden Salvatore-Brüdern eingelassen hat.

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